Verwandt mit diesen Gartenverbenen ist die ebenfalls südamerikanische

~Aloysia citriodora~, ein 0,6-1,2 m hoher Strauch mit nach Zitronen

riechenden Blättern, die in seiner Heimat als Heilmittel gebraucht

werden. Bei uns wird er wegen derselben in Töpfen gezogen. Ebenso ist

die ihr verwandte +duftende Volkmarie+ (so genannt nach dem Präsidenten

der Kaiserlichen Akademie, dem Naturforscher Joh. Georg Volkmar aus

Nürnberg, 1616-1693) (~Clerodendron fragrans~), eine etwas filzige

Topfpflanze aus Japan mit fast herzförmigen, gezähnten Blättern, wegen

der weißlichen oder rötlichen, wohlriechenden Blüten bei uns als

Zimmerpflanze beliebt.

Nahe verwandt mit dem Oleander, der im nächsten Abschnitte

besprochen werden soll, ist das in den Laubwäldern Europas bis nach

Norddeutschland wildwachsende +kleine Immergrün+ (~Vinca minor~),

dessen zahlreiche nichtblühende Stengel niedergestreckt und reich

beblättert sind und Wurzeln schlagen, während die blühenden aufrecht

stehen. Die Blüten sind langgestreckt, blau, bei einigen Spielarten

weiß, violett, rot, purpurn, einfach oder gefüllt. Noch schöner ist

das in allen Teilen +größere Immergrün+ (~V. major~) mit kürzern

Blütenstielen und hellblauen Blumen. Eine seiner Spielarten hat

goldgelb gezeichnete Blätter, eine Varietät, die es übrigens auch

vom kleinen Immergrün gibt. Beide Arten benutzt man vorzugsweise zur

Ausschmückung schattiger und feuchter Stellen des Gartens, wo aus

Lichtmangel keine anderen Pflanzen gedeihen, außerdem als Schmuck von

Gräbern. Alle diese Arten blühen schon vom März an bis zum Juni und oft

noch einmal im Herbst. Man vermehrt sie durch Teilung der Stöcke und

durch Ausläufer, die sich häufig schon bewurzelt finden. Eine meist in

Gewächshäusern kultivierte, ausdauernde Art der Antillen ist ~Vinca

rosea~ mit langröhrigen, dunkelrosenroten, im Schlunde purpurnen Blumen.

Ein südasiatischer Strauch ist der in Gärten Südeuropas häufig

kultivierte +Jasmin+ (~Jasminum grandiflorum~), der seinen Namen vom

persischen ~jâasman~ oder ~jasmin~ hat. Seine langen, biegsamen Äste

sind als Pfeifenröhren, namentlich in der Türkei, sehr beliebt. Die

wohlriechenden weißen Blüten waren früher als Arznei gebräuchlich,

werden jetzt aber nur noch als Parfüm, sowie zur Bereitung des in der

Parfümerie geschätzten ätherischen Jasminöls gebraucht, indem man sie

mit dem zu Pomade beliebten Behenöl von ~Moringa oleifera~ übergießt.

Ein im Orient, in Süd- und Ostasien häufig angepflanzter Zierstrauch

ist der in Ostindien heimische +arabische Jasmin+ oder +Sambac+

(~Jasminum sambac~), dessen blaße Blüten wie bei allen Nachtblumen erst

nach Sonnenuntergang einen starken Wohlgeruch aushauchen, weshalb sie

als Opfer und zum Ausstreuen in Tempeln, wie auch zum Parfümieren des

chinesischen Tees dienen. Aus ihnen wird aber ebenfalls ein ätherisches

Jasminöl und ein dem Rosenwasser ähnliches Wasser dargestellt. Mit

den orangefarbenen Blumenkronröhren färbt man in Ostindien statt des

Safrans Speisen und andere Gegenstände gelb. In derselben Weise werden

die gelben Blüten des ihm verwandten ostindischen +Trauerstrauchs+

(~Nyctanthes arbor tristis~) verwendet.

Als +wilder Jasmin+ oder +wohlriechender Pfeifenstrauch+ wird der

aus China und Japan zu uns gekommene ~Philadelphus coronarius~ mit

starkriechenden, einfachen und gefüllten, grünlichweißen Blüten und

gefüllten Blättern kultiviert und ist auch stellenweise um Dörfer

herum verwildert. Seine geraden Schosse dienen zu Pfeifenröhren

und die Blüten zum Extrahieren des Parfüms. Auch ~Philadelphus

satsumi~ aus Japan, ~P. latifolius~, ~pubescens~ und ~gordonianus~

aus Nordamerika werden in unsern Parks gezogen. Dem wohlriechenden

Pfeifenstrauch ähnliche Blüten hat der sehr ästige, 1 bis 2 m hohe

japanische Zierstrauch, die rauhblätterige +Deutzie+ (so genannt nach

dem Amsterdamer Ratsherrn Joh. Deutz, dem Förderer von Thunbergs

botanischen Reisen), ~Deutzia scabra~, die in unsern Anlagen zu finden

ist, während die dieser ähnliche, aber kleinere zierliche Deutzie (~D.

gracilis~) als frühblühende Topfpflanze bei uns beliebt ist.

Ebenfalls in Japan und im nördlichen China heimisch ist die mit

den vorigen verwandte +Hortensie+ (~Hydrangea hortensis~), ein bis

1 m hoher Strauch mit ursprünglich rosenroten Blüten in oft 30 cm

im Durchmesser haltenden Trugdolden. Die „gefüllte“, d. h. nur mit

großen, unfruchtbaren Blüten versehene Abart wurde 1788 in den

berühmten, 1730 gegründeten botanischen Garten in Kew bei London

eingeführt und erhielt ihren Namen vom englischen Botaniker Commerson,

der sie 1767 in China entdeckte, nach seiner Freundin, Frau Hortense

Lapeaute, die ihren Gemahl, der als Astronom mit ihm zusammen an der

Bougainvilleschen Expedition teilnahm, begleitete. Die einfachblühende

Form mit fruchtbaren Blüten wurde erst in neuester Zeit eingeführt. Die

rotblühende Form kann man durch Zusatz von Eisen und Alaun in eine

blaublühende verwandeln. Zu diesem Zwecke setzt man dem Wasser, mit dem

man die in Töpfen gezogene Pflanze begießt, 5 g Eisen-Ammoniakalaun auf

1 Liter Wasser oder etwas Eisenvitriol bei. Die Gärtner pflegen der

Erde schon beim Einpflanzen im August etwas Eisenfeilspäne -- etwa

15 g auf 1 Liter Erde -- beizugeben. Am besten dient hierzu eisenhaltige

Erlenbruch- oder Sumpfmoorerde; in solcher entwickelt die Hortensie

beständig blaue Blüten. Sie findet sich auch in Japan und entsteht

bei uns zuweilen von selbst. ~Hydrangea paniculata~, ein Strauch mit

weißlichen, später rötlichen, unfruchtbaren Blüten, wächst in Japan

und auf Sachalin und wird bei uns besonders in großblumigen Varietäten

als winterharter Zierstrauch angepflanzt, wie auch die weißblütige

nordamerikanische +baumartige Hortensie+ (~Hydrangea arborescens~),

die in Virginien zu Hause ist und 3 m hoch wird. Die Blätter von

~H. thunbergi~ dienen den Japanern zum Tee, der von ihnen wegen des

Wohlgeschmacks Himmelstee genannt wird.

Die +Erikazeen+ mit etwa 420 Arten wachsen in Europa besonders

im Mittelmeergebiet, am reichsten aber im Kapland, und zwar fast

ausschließlich in der Nähe der Westküste. Von den einheimischen Arten

werden außer dem Alpenheidekraut, der +fleischroten Heide+ (~Erica

carnea~), auch einige Verwandte derselben in Gärten gezogen. Den

Namen erhielt die Pflanzengattung vom griechischen ~ereíkē~, womit

von den Alten die südeuropäische +baumartige Heide+ (~Erica arborea~)

wegen ihrer brüchigen Äste (von ~ereíkein~ brechen) bezeichnet wurde.

Dioskurides schreibt in seiner Arzneimittellehre: „Die Baumheide

(~ereíkē~) ist ein buschiger Baum, der Tamariske ähnlich, aber weit

kleiner. Aus ihren Blüten holen die Bienen einen Honig, der gar nicht

beliebt ist.“ Sein Zeitgenosse, der ältere Plinius, sagt: „Erice nennen

die Griechen einen Strauch, der der Tamariske ähnlich, wie Rosmarin

gefärbt ist, fast ebensolche Blätter hat und die Schlangen verscheuchen

soll.“ Diese Baumheide wird 10 m hoch, hat kleine, fast kugelige,

in Trauben vereinigte, wohlriechende Blüten, überzieht in manchen

Gegenden Griechenlands weite Strecken und liefert namentlich den

Bienen in Attika eine Hauptnahrung; doch hat der von diesen Pflanzen

gesammelte Honig (~eríka-méli~, Heidehonig) einen eigentümlichen Geruch

zum Unterschied des beliebten und teuren, schon im Altertum berühmten

Honig des Berges Hymettos, der vorzüglich von ~Rosmarinus~ und ~Thymus

capitatus~ von Bienen gesammelt wird. Das fleisch- bis ziegelrote

maserwüchsige Wurzelholz der auf den Kanaren bis 20 m hoch werdenden

Baumheide, das besonders aus Spanien, Südfrankreich und Korsika

ausgeführt wird, wird zu Schnitz- und Dreharbeiten, besonders aber zu

Pfeifenköpfen verwendet. Außer den einheimischen werden neuerdings

besonders viele Erika-Arten vom Kap der Guten Hoffnung als Zierpflanzen

kultiviert. Sie fordern eine besondere Behandlung in den sogenannten

„Kaphäusern“ und zeichnen sich durch große Zierlichkeit aus. Ihre

mannigfach geformten Blüten zeigen das reinste Weiß, zartes Rosa,

feuriges Rot, Purpur, seltener Gelb und Grün. Winterharte europäische

Arten, wie die +Sumpfheide+ (~Erica tetralix~) und ~E. ciliaris~

aus Südwesteuropa, besonders aber ~Erica carnea~ aus Südeuropa, ein

zeitiger Frühjahrsblüher mit weißen oder roten Blüten, kultiviert man

im Garten am Rande von Gebüschen, als Einfassungen und auf Moorbeeten.

In Australien und Ozeanien sind die Erika-Arten durch die Epakridazeen

vertreten, von denen ebenfalls zahlreiche zur Zierde in unseren Gärten

gezogen werden. Manche von ihnen haben eßbare Früchte, von denen die

der ~Styphelia sapida~ am meisten geschätzt werden.

Zu den Erikazeen gehören auch die +Rhododendren+ oder +Alpenrosen+.

Wörtlich übersetzt heißt das griechische ~rhododéndron~ Rosenbaum,

wegen der rosenroten Blüten. Im Altertume verstand man unter dieser

Bezeichnung den ebenfalls rotblütigen Oleander (~Nerium oleander~).

Öfter findet man in unseren Gärten die +rostblätterige Alpenrose+

(~Rhododendron ferrugineum~), die Königin der Alpenpflanzen,

angesiedelt. Als Schneerose ist sie schon viel besungen worden und

dient den Älplern als beliebter Schmuck. Auch zieren damit die

Bergwanderer ihre Hüte. Häufiger als sie werden ausländische Arten als

Zierpflanzen in Gärten und Gewächshäusern kultiviert, so vor allem

die aus den Bergen Kleinasiens zu uns gekommene +pontische Alpenrose+

(~Rh. ponticum~) mit mattvioletten Blüten, die +kaukasische Alpenrose+

(~Rh. caucasicum~) mit großen, blaßgelben Blüten aus dem Kaukasus,

die +goldblütige Alpenrose+ (~Rh. chrysanthum~) mit goldgelben

Blüten aus Sibirien. Sehr zahlreiche baumartige Rhododendren wachsen

an den Abhängen des Himalaja, so die +baumartige Alpenrose+ (~Rh.

arboreum~), die in Höhen von 1600-3300 m vorkommt und in ihrer

Heimat, von Kaschmir bis Nepal, 6-9 m hoch wird. Sie hat große,

dunkelrote Blüten, wird aber in verschiedenen Abänderungen in den

Gärten gezogen. Die Unterfläche der Blätter dieser Art ist mit einer

süßen, zuckerartigen Masse überzogen, die bisweilen in durchsichtigen

Tropfen hinabhängt und von den Gebirgsbewohnern Indiens gegessen wird.

Die eigentliche Alpenrose des Himalaja ist aber ~Rh. dalhousianum~

(der Lady Dalhouse zu Ehren benannt), die wohlriechende, weiße oder

rosafarbene Blüten von 13 cm Umfang mit dem feinsten Aroma erzeugt,

welche ohne Unterbrechung 2-3 Monate aufeinander folgen. Sie findet

sich im Sikkim-Himalaja in einer Höhe von 1600-2600 m, während ~Rh.

nivale~ daselbst nur an der Grenze des ewigen Schnees gedeiht. Aus

Nordamerika stammen ~Rhododendron maximum~, die der pontischen gleicht,

aber höher wird, mit zart fleischroten bis fast weißen, innen gelb und

grün gefleckten Blüten und ~Rh. catawbiense~ mit dunkelroten Blüten.

Alle diese Arten wurden untereinander gekreuzt und haben sehr viele

Blendlinge geliefert, die teilweise wundervolle Blüten aufweisen und

den Stolz unserer Gewächshäuser bilden.

Ähnlich verhält es sich mit den den Rhododendren verwandten

+Azaleen+, so genannt nach dem griechischen ~azaléos~ trocken,

dürr, weil sie meist an dürren Orten wachsen. Auch sie sind wie

jene sämtlich Hochgebirgspflanzen, die in zahlreichen Spielarten

und Kreuzungsprodukten mit den Rhododendren einen wichtigen Teil

unseres Frühlingsflors ausmachen. Die 40 Arten derselben wachsen in

Nordamerika, Ostasien und eine einzige im Kaukasus. Die prachtvollsten

Sorten kamen ums Jahr 1800 aus China zu uns, unter welchen ~Azalea

indica~ mit roten Blüten, die dort seit alter Zeit als beliebte

Zierpflanze kultiviert wird, die Stammmutter der meisten Spielarten ist

und in zahlreichen Varietäten und Blendlingen in unsern Kalthäusern

kultiviert wird. Sie ist wahrscheinlich auf vier Arten zurückzuführen

und wird in bezug auf Blütenreichtum, Glanz und Farbenpracht der Blumen

von keiner anderen Pflanzengattung übertroffen. Alle von der indischen

Art abstammenden Azaleen haben meist 10 Staubgefäße und bleibende

Blätter, weshalb sie auch zur Familie der Rhododendren gezählt werden.

Alle übrigen, die pontischen, japanischen und amerikanischen Arten

haben nur 5 Staubgefäße und abfallende Blätter. Die ersteren erfrieren

bei uns im Freien, können also nur in Kalthäusern gezogen werden,

während letztere unsere Winter im allgemeinen ertragen und mit nur

leichtem Schutz im Freien ausdauern. Am frühesten, nämlich schon seit

1793, wurde bei uns die in den Gebirgen des nördlichen Kleinasien

heimische +pontische Azalee+ (~A. pontica~) eingeführt. Es ist dies ein

1-2 m hoher Strauch mit großen, goldgelben, wohlriechenden Blüten.

Der Nektar ihrer Blüten ist sehr stark narkotisch, so daß der von ihm

gesammelte Honig betäubt und selbst Raserei zur Folge hat, wie schon

die zehntausend Griechen, die unter Xenophons Führung im Jahre 400

v. Chr. den berühmten Rückzug aus Mesopotamien über das armenische

Hochland nach Trapezunt am Schwarzen Meere machten, an sich erfuhren.

Außer ihr werden bei uns im Freien meist die amerikanischen Arten:

~Azalea punicea~, ~mucronata~, ~amoena~, ~calendulacea~, ~arborescens~

und ~viscosa~, wie auch deren Kreuzungsprodukte gezogen.

Ein anderer, wegen seiner wundervollen Blüten bei uns als Topfpflanze,

aber schon in wärmeren Lagen Norditaliens und Südfrankreichs im

Freien gezogener Zierstrauch, der aus Ostasien zu uns kam, ist die

+Camellie+ oder +japanische Rose+. Diese mit den Teegewächsen die

Familie der Ternströmiazeen (nach dem Schweden C. Ternström, der

China durchforschen wollte, aber 1745 vor Erreichung dieses Zieles

starb, so genannt) bildende Pflanze erhielt nach dem Abbé Berlese in

Paris, dem Verfasser einer Monographie der Camellien, ihren Namen von

Karl von Linné nach dem Jesuiten Georg Josef Kamell (~Camellius~),

der als gelernter Apotheker in Manilla auf den Philippinen 1639

allerlei Pflanzen, die medizinisch von Wichtigkeit sein könnten,

sammelte. Die Camellien sind dem Teestrauche ähnliche Sträucher im

Himalaja, in Cochinchina, China und Japan. Die prächtigste Art ist

die ~Camellia~ (oder ~Thea~) ~japonica~, ein 12-15 m hoher Strauch

mit lederartigen, immergrünen Blättern und reichlich erscheinenden,

endständigen, stiellosen, großen, roten Blüten, die sich leicht füllen.

Sie wird in Japan in Hecken und in China als Zierpflanze angebaut.

Aus ihren braunen Samen wird dort ein dem Olivenöl ähnliches Öl

gepreßt, das als Heilmittel und zum Hausgebrauch benutzt wird. Sie

wurde 1739 von Lord Petre von Japan nach England gebracht und hier mit

der erst gegen das Ende des 18. Jahrhunderts in Europa eingeführten

chinesischen Art vielfach gekreuzt. Man zieht heute von ihr mehrere

hundert prachtvolle Varietäten mit roten, rosenroten, weißen und

weißgestreiften, gesprenkelten oder gefleckten Blüten. Sie blühen bei

uns in Gewächshäusern von Februar bis April, doch bringt man viele

Sorten durch künstliches Antreiben schon im Oktober und November zur

Blüte. Bei sorgfältiger Pflege gedeiht sie auch im Zimmer, erträgt

aber sehr schlecht einen Wechsel des Standortes, da in solchem Falle

die Blüten regelmäßig abfallen. Die in China und Japan einheimische,

in letzterem Lande ~sasankua~ genannte kleinere, zartere Verwandte,

~Camellia sasankua~ mit stumpferen, weicheren Blättern und kleineren

Blüten, wird in ihrer Heimat häufig kultiviert. Nicht nur werden ihre

wohlriechenden, weißen Blüten vielfach dem chinesischen Tee beigemengt,

um ihn zu parfümieren, sondern auch die getrockneten Blätter unter die

Teeblätter gemischt, desgleichen für sich allein als Tee benutzt. Mit

einer Abkochung derselben waschen die Japanerinnen ihr Haar, und aus

den Samen gewinnt man ein geschätztes, wohlriechendes Öl. In Nepal

wird ~Camellia kissi~ mit stark wohlriechenden Blüten ebenfalls als

Teesurrogat verwendet und liefert aus den Samen ein gutes Öl. Nach den

japanischen Camellien gelangte dann auch aus China die reichblühende

~Camellia reticulata~ mit breiten Blättern und großen Blüten zu uns und

lieferte durch Kreuzung mit jenen zahlreiche Blendlinge mit schönen,

bunten Blüten.

Unter den Nachtschattengewächsen sind einige +Stechapfel+arten als

Zierpflanzen von Bedeutung, so die ~Datura metel~ mit nachts sich

öffnenden zarten, weißen, fast wie Lilien riechenden Blüten. Sie wächst

im Mittelmeergebiet, in Afrika und Südasien und wird in Indien, Persien

und Arabien zur Bereitung von Berauschungsmitteln mit Haschisch,

Opium und Gewürzen verwendet. ~Datura fastuosa~ (d. h. die schöne,

stolze) mit großen, weißen, bisweilen außen violetten, auch gefüllten,

wohlriechenden Blüten in Ost- und Südasien, dem malaiischen Archipel

und dem tropischen Afrika wird in Indien und China wie der Stechapfel

bei uns benutzt und als Zierpflanze kultiviert. Sie wird auch bei uns

in Töpfen gezogen, muß aber frostfrei überwintert werden. Gleicherweise

ist dies mit ~Datura suaveolens~ (d. h. der angenehm riechenden) und

der 3-4 m hohen ~D. arborea~ (d. h. der baumartigen) der Fall, die

beide in Chile und Peru heimisch sind und große, hängende, weiße,

besonders gegen Abend wohlriechende Blüten besitzen. Ebensolche

hängende, große, aber statt weiße von der Basis bis zur Mitte gelbe, in

der oberen Hälfte jedoch mattrote, mit blutroten Streifen durchzogene

Blüten weist die ebenfalls strauch- oder baumartige ~D. sanguinea~

in Peru auf. Aus deren Blüten bereiteten sich die Peruaner, wie wir

bereits erfuhren, einen berauschenden Trank, den einst die Priester des

Sonnentempels in Sagamossa, dem peruanischen Orakelsitze, tranken, um

sich mit den Geistern der Verstorbenen in Verbindung zu setzen. Deshalb

wird die Pflanze heute noch von den Peruanern ~yerba de huaca~, d. h.

Gräberpflanze, genannt. Von Nachtschattengewächsen werden auch manche

Arten des +Tabaks+ als Zierpflanzen kultiviert, so ~Nicotiana tabacum

var. purpurea latissima~ und die 3 m hoch werdende ~N. glauca~ aus

Mexiko, ferner ~N. longiflora~ und ~affinis~, letztere mit großen,

wohlriechenden Blüten, beide aus Chile, die gewaltige ~N. tomentosa~

aus Peru und die ~N. wigandioides~ mit 1 m langen und 60 cm breiten

Blättern aus Venezuela.

Ebenfalls südamerikanischer Herkunft sind die bei uns als

Gartenzierpflanzen so beliebten +Fuchsien+, die nach dem von Karl V.

geadelten Schwaben Leonhard Fuchs (1501-1565) so genannt wurden. Dieser

war zuerst Schullehrer in seinem Geburtsorte Wemding in Schwaben,

erwarb sich dann als Arzt und Botaniker großen Ruf und starb als

Professor der Medizin in Tübingen. Neben Otto Brunsfeld und Hieronymus

Bock (genannt Tragus) war er der Begründer der vaterländischen

Pflanzenkunde und gab die damals besten Pflanzenabbildungen heraus.

Sein in Basel gedrucktes New Kreuterbuch besaß einst großes Ansehen,

so daß es noch 1643 neu aufgelegt wurde. Die Fuchsien sind Sträucher

oder kleine Bäume mit vorherrschend roten Blüten mit gefärbtem Kelch,

vier Blumenblättern und kleinen, fleischigen, vielsamigen, dunklen

Beeren. Über 60 Arten derselben finden sich in den Gebirgen von Mexiko

bis zum Süden von Chile in Höhen von 1000-3000 m, wenige auf den

Antillen, in Guiana und Brasilien, auch in Neuseeland. Der französische

Botaniker Charles Plumier beschrieb 1703 die erste Fuchsia, die als

~F. coccinea~ 1788 in die europäischen Gärten eingeführt wurde.

Seit dem Anfang des 19. Jahrhunderts sind mehrere Arten in Kultur,

und gegenwärtig zählt man mehr als 800 Hybriden und Spielarten

derselben. Die hauptsächlichsten Stammeltern der jetzigen Fuchsien

sind außer ~F. coccinea~ mit dünnen, purpurrötlichen Ästen, kleinen

Blüten mit scharlachrotem Kelch, violettblauer Blumenkrone und lang

hervorragenden Staubfäden ~F. fulgens~ mit mennigroten, ~F. globosa~

mit prächtigen, scharlachroten und ~F. gracilis~ mit kleineren, aber

sehr zahlreichen, karminroten Blüten -- alle drei aus Mexiko -- und ~F.

corymbiflora~ aus Peru mit 13 cm langen Blüten mit karminrotem Kelch

und scharlachroter Blumenkrone. Lange Zeit war die Größe der Blume die

geschätzteste Eigenschaft dieser beinahe prächtigsten Blütenpflanzen

der Gewächshäuser, dann kamen die Sorten mit weißlicher Kelchröhre und

gefärbter Blumenkrone, später gestreiftblumige Sorten, darauf gefüllte

und fast gleichzeitig Fuchsien mit sehr dunkler Blumenkrone und

zurückgeschlagenen Kelchblättern, endlich die Sorten mit roten Kelchen

und weißer Blumenkrone auf. Bemerkenswert sind noch ~F. serratifolia~

aus Peru mit dunkelroten Ästen und roten Blüten, die in unserem Winter

-- dem Sommer ihrer Heimat -- erscheinen, und ~F. microphylla~ aus

Mexiko mit sehr kleinen Blättern und Blüten. Die Beeren mehrerer Arten

werden in Südamerika, mit Zucker eingemacht, gegessen, von andern dient

das Holz zum Schwarzfärben. Die Fuchsien wachsen leicht und willig,

blühen sehr reichlich und gedeihen am besten, wenn man sie an einem

luftigen, kühlen, nur eben frostfreien, wenn möglich etwas hellen Raum

bei spärlichster Bewässerung überwintert.

Nahe verwandt mit den Fuchsien sind die +Weidenröschen+ (~Epilobium~),

deren großblütige Formen als Zierpflanzen in den Gärten gezogen

werden, wie auch die bis 1 m hohe +gemeine Nachtkerze+ (~Oenothera

biennis~), deren schwefelgelbe Blüten sich abends öffnen und am

folgenden Morgen welken. Sie wächst bei uns auch wild auf feuchtem

Sandboden an Flußufern, stammt aus Virginien in Nordamerika und soll

sich seit 1614 von Padua aus über Europa als Zierpflanze verbreitet

haben. Durch große, wohlriechende, gelbe, abends zwischen 7 und 8 Uhr

sich erschließende Blüten ist ~Oenothera grandiflora~ ausgezeichnet,

die wie die vorige auch kultiviert wird, um deren rötliche, in der

Farbe Schinken ähnliche Wurzeln in Scheiben geschnitten im Winter wie

Sellerie als Salat oder auch mit Fleischbrühe als Gemüse zu essen.

Wie in Peru und Chile die leuchtend rotgelben Amaryllideen, sind

dort auch die meist violett getüpfelten +Gauklerblumen+ (~Mimulus~),

von denen bereits die Rede war, zu Hause. Von dort stammen auch

die +Pantoffelblumen+ (~Calceolaria~), deren prächtig gelbe oder

orangefarbene Blütenbüschel die Felsabhänge an den Füßen der

Kordilleren schmücken. Sie gehören mit dem Fingerhut in die Familie

der Scrophulariazeen und weisen 134 Arten vorzugsweise auf den Anden

Südamerikas, in Peru und Chile, einzelne bis Mexiko und zwei in

Neuseeland auf. In Chile speziell sind sie in fast 70 Arten bekannt und

haben sich den verschiedenartigsten Lebensverhältnissen in Gebirg und

Ebene angepaßt. O. Bürger schreibt über sie: „Die weithin leuchtenden

großen, vollen Blütenbüschel der in Peru und Chile beheimateten

Pantoffelblumen (~Calceolaria~) tragen wie wenig andere Pflanzen

zum Schmuck der chilenischen Landschaft bei: am Rande der Bäche, an

den Felsen und Hängen, welche die Wege begleiten, auf den heißen

Steinhalden oder auch zwischen dem trockenen Geröll der Flußläufe,

wo kaum ein Halm sprießt, haben sie Wurzel gefaßt. Und es ist ein

farbenfreudiges Geschlecht. Freilich in der großen Mehrzahl bevorzugen

sie Gelb oder Orange, aber andere glänzen mit purpurnen und noch andere

mit weißen Pantöffelchen, wie aus Atlas. Bei den Eingeborenen sind

sie sehr beliebt und sie sammeln große Sträuße der ~topatopa~ oder

~capachito~, wie sie in ihrer Sprache heißen, um das Zimmer damit zu

schmücken. Leider verwelken sie aber sehr rasch.“

Kulturgeschichte der Nutzpflanzen, Band IV, 2. Hälfte · 第 59 / 81 段