heimische, 60-90 cm hohe +kreuzblättrige Wolfsmilch+ (~Euphorbia
lathyris~) mit sehr großer Blütendolde viel in Gärten kultiviert.
Schon Karl der Große befahl sie in den Gärten der kaiserlichen
Domänen anzupflanzen. Dann wurde sie besonders von den Mönchen in den
Klostergärten als wichtiges Heilmittel gezogen. Ihre Samen wurden
nämlich im Mittelalter allgemein und werden im südlichen Frankreich
vom Volke heute noch unter dem Namen Purgierkörner als Abführmittel
gebraucht neben der Wurzel der +Zypressenwolfsmilch+ (~Euphorbia
cyparissias~), die den Namen Bauernrhabarber führt. Letztere wird
in Südfrankreich und Rußland noch heute häufig angewendet. Als
eigentliche Zierpflanzen sind dagegen in unsere Gärten eingeführt
worden: ~Euphorbia fulgens~, ein in Mexiko heimischer Strauch mit
leuchtendroten Blüten, ~E. pulcherrima~ aus Mexiko und Mittelamerika
mit später etwas verholzten Stengeln und unscheinbaren Blüten, die
von einer bis 25 cm im Durchmesser haltenden Rosette scharlachroter
Brakteen (Deckblätter) umschlossen sind, sowie ~E. splendens~ aus
Madagaskar mit lederigen, glatten Blättern und scharlachroten Blüten.
Aus Ostindien kam die +Gartenbalsamine+ (~Impatiens balsamina~) zu
uns, die in den verschiedenfarbigsten Spielarten als Zwerg-, Rosen-
und Camellienbalsamine kultiviert wird. Aus Zentralafrika dagegen
wurden die ~Impatiens holsti~ und die noch reicher blühende ~Impatiens
sultani~ eingeführt, die häufig neben dem ebendorther bezogenen
Usambaraveilchen in den Blumenläden anzutreffen sind. Aus Südafrika
kam das meist als +Kalla+ bezeichnete Aronsgewächs mit bis 1 m
langen, herzförmigen Blättern und großer, weißer, tütenförmiger
Blütenscheide zu uns, die als ~Richardia~ oder, nach dem 1797 zu Dolce
bei Verona geborenen späteren Physikprofessor Francesco Zantedeschi,
der verschiedene botanische Arbeiten verfaßte, als ~Zantedeschia
aethiopica~ bezeichnet wird. Die Benennung Kalla stammt von Plinius,
der zwei ganz verschiedene Pflanzen, die man als gefleckten Aronstab
und Färberochsenzunge deutet, ~calla~ oder ~calsa~ nannte. Wegen
ihrer schönen Blätter und Blüten ist die Kalla bei uns häufig auf
Blumentischen als Topfzierpflanze anzutreffen, wie auch der aus
Mittelamerika stammende, viel kleinere +Blütenschweif+ (~Anthurium~)
mit dunkelgrünen Blättern und scharlachroter Kolbenscheide, der
~Dr.~ Scherzer zu Ehren, welcher sie im Hochland von Guatemala
gesammelt hatte, den Beinamen ~scherzerianum~ erhielt. Außer dieser
mittelamerikanischen Art, welche außer in Guatemala auch in Costarica
gefunden wird, werden von den etwa 200 Arten dieses Aronsgewächses aus
dem tropischen Amerika verschiedene andere in unsern Gewächshäusern
kultiviert, so ~Anthurium leuconeuron~, ~magnificum~, ~andreanum~ und
~pedato-radiatum~. Durch Bastardierung wurden mehrere neue Arten
erhalten, die prächtige, teilweise bei guter Pflege auch im Zimmer
gedeihende Blattpflanzen bilden.
Eine beliebte Zimmerpflanze ist auch die zur Familie der Asklepiadazeen
gehörende kletternde +Wachsblume+ oder +Asklepia+ (~Hoya carnosa~) aus
Ostindien und China mit glänzenden, fleischigen Blättern und großen
Dolden blaßrötlicher, oben samtartig filziger, sehr wohlriechender
Blüten, die förmlich vom ausgeschiedenen Nektar tropfen. Als zarteste
aller Schlingpflanzen wird aber in Gärten zu verschiedenen Bekleidungen
der aus Nordamerika stammende +klimmende Erdrauch+, ~Fumaria~ -- oder
(nach dem nordamerikanischen Namen) ~Adlumia~ -- ~cirrosa~ gezogen,
während die ebenfalls aus der Neuen Welt zu uns gekommene ~Cobaea
scandens~ mit anfänglich grünen, dann violetten, glockenförmigen Blumen
als reichblühendes einjähriges Schlinggewächs sehr häufig angetroffen
wird. Sie bildet in ihrer Heimat Mexiko prächtige Girlanden von einem
Strauch oder Baum zum andern. Ebenfalls aus Mexiko erhielten wir die
rot- oder violettblühende Maurandia semperflorens, die gleicherweise
zur Bekleidung von Lauben und Wänden gezogen wird. Demselben Zwecke
dient die dieser sehr ähnliche rotblühende Kletterpflanze aus Mexiko
~Lophospermum scandens~. Eine der schönsten Ampelpflanzen dagegen ist
die aus Ostasien stammende einjährige ~Torenia asiatica~ mit lang
herabhängenden Stengeln.
Schon 1753 wurde von Karl von Linné der aus Nordchina zu uns gekommene
+Doppelsporn+ (~Dicentra spectabilis~) als ~Fumaria spectabilis~
beschrieben, aber erst etwa 1848 in unsere Gärten verpflanzt. Diese
0,5-0,6 m hohe Gartenzierpflanze mit rosenroten, herzförmigen,
hängenden Blüten in schlanken Trauben erfreute sich bald großer
Beliebtheit und wurde mit verschiedenen, von ihrer Form hergenommenen
Namen, wie Jungfernherz, flammendes oder hängendes Herz, bezeichnet.
Ihre zweite botanische Benennung ~Diclytra~ ist durch einen Druckfehler
aus ~Dielytra~, was „mit doppelter Hülle“ -- wegen der Form der Blüte
-- bedeutet, entstanden. Sie gedeiht auch in Sibirien. Die 14 übrigen
Arten der Gattung wachsen in Mittel-, Nord- und Ostasien, wie auch in
Nordamerika. Aus letzterem Lande kamen die dunkelrosarote ~Dexinia
purpurea~ und ~D. formosa~ zu uns. Beide halten im Freien aus, während
die gelbblühende ~Dexinia chrysantha~ aus Kalifornien frostfrei
überwintert werden muß.
Ein wunderhübsches, außer zur Verdeckung von Mauern auch als
allerliebste Ampelpflanze gezogenes Pflänzchen ist das +Zymbelkraut+
(~Linaria cymbalaria~) -- wegen der zymbelförmigen Form der Blätter so
genannt. Es ist aus Südeuropa bei uns eingewandert, wie auch das dort
auf Felsen und altem Gemäuer wachsende +große Löwenmaul+ (~Antirrhinum
majus~) mit dichten Trauben heller oder dunkler purpurroter, seltener
weißer Blüten mit meist gelbem Gaumen. Es wird in zahlreichen
Spielarten in den verschiedensten Farbenschattierungen, auch als
Zwergform in unsern Gärten gezogen und gelangte mit den europäischen
Auswanderern nach Nordamerika, wo es heute an vielen Orten verwildert
angetroffen wird. Auch verschiedene Arten von +Fingerhut+ (~Digitalis~)
haben ihren Weg in unsere Gärten gefunden, so der purpurrötliche,
blaßgelbe und weiße.
Aus Amerika kamen die der letzteren verwandten +Gauklerblumen+
(~Mimulus~ -- Diminitivum des griechischen ~mímos~ Gaukler,
Gebärdekünstler, wegen der Form der Blumenkrone so genannt) zu uns
und sind sehr geschätzte Zierpflanzen. Die wichtigsten sind: ~Mimulus
cardinalis~ aus Kalifornien mit dunkelrot gefleckten oder gestreiften,
über der Unterlippe gelbgebarteten Blumen, ~Mimulus luteus~, vom
südwestlichen Nordamerika bis nach Chile vorkommend, mit 3 cm langen,
reingelben, bisweilen im Schlund und auf den Lappen des Saums purpurrot
punktierten oder gefleckten Blüten, ~M. moschatus~ aus Oregon, Peru und
Chile mit gelben, auf dem Gaumen gebarteten, fein braun punktierten,
nach Moschus riechenden Blumen. Außer diesen werden noch andere Arten
in vielen Varietäten und Blendlingen als Garten- und Zimmerpflanzen
kultiviert. Unter dem Namen ~Mimulus duplex~ finden sich in Gärten
Varietäten verschiedener Arten mit blumenkronenartigem Kelch, z. B. ~M.
cupreus calycanthemus~, d. h. die kupferne, kelchblumige Gauklerblume.
Auch die +Salbei+arten haben verschiedene Zierpflanzen geliefert.
Schon seit dem Altertum wurde die als Arzneipflanze und Küchengewürz
in Südeuropa auf sonnigen Bergen wildwachsende +Gartensalbei+ (~Salvia
officinalis~) in Gärten angepflanzt. Es ist dies ein bis 1 m hoher
Halbstrauch mit angenehm riechenden, grauweißlichen Blättern und
blauen, auch roten und weißen Blüten. Aus in Dalmatien gezogenen
Pflanzen gewinnt man ein gelbliches, ätherisches Öl, das verschieden
verwendet wird. Die Römer, die sie ~salvia~, d. h. Heilkraut nannten
und arzneilich wie auch die Griechen verwendeten, brachten sie über die
Alpen.
In den Verordnungen Karls des Großen über die in seinen Gärten zu
kultivierenden Pflanzen findet sich auch die Salbei, die das ganze
Mittelalter hindurch und teilweise heute noch als Küchengewürz, zu
Gurgelwasser und gegen Nachtschweiße eine wichtige Rolle spielte. Stark
betäubend riecht die ihr nahe verwandte +Muskatellersalbei+ (~Salvia
sclarea~), ein in Südeuropa und im Orient heimisches zweijähriges
Gewächs mit bläulichweißen Blüten zwischen weißen Deckblättern, das
bei uns häufig in Gärten gezogen wird und in Westdeutschland hier
und da verwildert ist. Man setzt Kraut und Blätter dem Wein zu, um
ihm Muskatellergeschmack zu geben. Mit Zucker und Hefe der Gärung
unterworfen, gewinnt man aus ihm in England den ~clary wine~. Stark
gewürzhaft riecht auch die im östlichen Mittelmeergebiet heimische
~Salvia pomifera~, ein Strauch mit graufilzigen Blättern und auf der
Unterlippe weißgefleckten Blüten. Infolge des Stiches einer Gallwespe
entstehen an ihren jungen Trieben graue, runde, fleischige Auswüchse
von 5 cm Durchmesser, die sehr angenehm gewürzhaft schmecken. Auch
geben die Stengel mit Blättern und Blüten einen in Griechenland
beliebten Tee. Viele andere Arten, wie ~Salvia coccinea~ aus Florida
mit scharlachroten Blüten in sechsblumigen Quirlen, ~S. cyaniflora~
mit dunkelkornblumenblauen, quirlständigen Blüten in fast fußlangen
Ähren, ~S. fulgens~ mit scharlachroten, 5 cm langen Blüten, beide
aus dem Süden der Union, ~S. patens~ aus Mexiko, ~S. splendens~ aus
Brasilien mit leuchtend ponceauroten Blüten und Brakteen in langen
Ähren, ~S. argentea~ vom Parnaß mit großen, langwollig weißbehaarten,
auf dem Boden liegenden Blättern u. a. werden bei uns als Zierpflanzen
kultiviert.
Hübsche Zierpflanzen lieferte die in 90 Arten im tropischen und
subtropischen Afrika heimische Labiatenfamilie ~Coleus~. Von ihr
werden eine große Zahl buntblätteriger Spielarten kultiviert, die sich
besonders von ~C. scutellarioides~ in Ostindien und dessen Formen
~pectinatus~, ~verschaffelti~, ~blumei~, ~atropurpurea~ u. a. ableiten.
Manche Sorten derselben lassen sich nur in Gewächshäusern und Zimmern
ziehen, andere dagegen können im Sommer ausgepflanzt werden.
Weiter sind von den Lippenblütigen die aus Chile stammende +buchtige
Trompetenzunge+ (~Salpiglossis sinuata~) zu nennen. Diese bis
1,3 m hohe Zierpflanze mit schönen Blüten wird in zahlreichen
Spielarten in Töpfen gezogen und in Gruppen ins freie Land verpflanzt.
Nordamerikanischen Ursprungs sind die ausdauernde ~Pentastemon
grandiflorus~ mit verschieden gefärbten, schönen Blüten in traubigen
Rispen und die +glatte Schildblume+ mit roten oder weißen, in dichten
Ähren stehenden Blumen. Die Wurzel der letzteren wirkt abführend und
wird in ihrer Heimat, wie die sehr bittern Blätter, als Heilmittel
gebraucht.
In Asien und Europa heimisch sind die häufig als Zierpflanzen in Gärten
gezogenen +Wollkräuter+, unter denen die +großblumige+ oder gemeine und
die +kleinblumige+ oder echte +Königskerze+ (~Verbascum thapsiforme~
und ~V. thapsus~) die gebräuchlichsten sind. Unter ~thápsos~ oder
~thápsia~ verstanden die alten Griechen eine zum Gelbfärben benutzte
Doldenpflanze (~Thapsia garganica~), während die Königskerze bei ihnen
~phlómos~ hieß. Der ältere Plinius sagt in seiner Naturgeschichte:
„Die Königskerze (~verbascum~) heißt bei den Griechen ~phlómos~.
Geschwollene Drüsen heilt man so damit, daß man sie, samt der Wurzel
zerstoßen, mit Wein benetzt und in das Blatt gewickelt in Asche warm
macht und sie noch warm auflegt. Es gibt Leute, die versichern aus
eigener Erfahrung, dieses Mittel wirke am besten, wenn eine Jungfrau es
nüchtern dem Nüchternen auflege, es mit der oberen Handfläche berühre
und dabei sage: ‚Apollo sagt, jedes Übel werde gehemmt, dem eine
Jungfrau entgegentritt.’ Sie muß sodann die Hand umwenden, dreimal so
sprechen, und beide müssen dreimal ausspucken.“ Auch sein Zeitgenosse
Dioskurides, der eine weiße und schwarze Königskerze (~phlómos~)
unterscheidet, sagt, daß sie gegen verschiedene Krankheiten gebraucht
werde. Die alten Griechen benutzten die wolligen Blätter mehrerer Arten
als Lampendocht oder tauchten die ganze Pflanze in Pech, um sie als
Fackel zu gebrauchen; daher der Name ~phlómos~. Der Flaum der Blätter,
der aus baumförmig verzweigten Haaren besteht, diente früher als
Zunder. Im Volksglauben der Deutschen war die Königskerze das Symbol
der Königswürde. Die Jungfrau Maria wird vielfach ihren Blütenstand,
gewöhnlich Himmelbrand genannt, in der Hand haltend dargestellt. Ihre
süßlich-schleimig schmeckenden Blüten bilden heute noch einen wichtigen
Zusatz zu allen Brustteearten und werden vom Volke zu Tee angebrüht
gegen Bronchitis und leichte Fieberanfälle gebraucht. Gleicherweise
werden die Blätter des großen +Wegerichs+ (~Plantago major~), aus denen
man Hustenzeltchen fabriziert, gegen Luftröhrenkatarrh verwendet. Von
dem auf Sandboden in Deutschland wachsenden Sandwegerich (~Plantago
arenaria~) werden die Samenschalen wegen ihres großen Schleimgehalts
von Wäscherinnen zum Stärken von Wäsche, wie auch in der Färberei und
Kattundruckerei und zur Appretur von Lodenstoffen benutzt.
Auch mehrere Arten von +Ehrenpreis+ (~Veronica~), Sommergewächse,
Stauden und immergrüne Kalthaussträucher, letztere von exotischer
Herkunft, werden als Zierpflanzen kultiviert. Die Gattung hat ihren
Namen von der frommen Frau (angeblich mit dem griechischen Namen
Berenike, woraus die mittelalterlichen Lateiner, die diese Sage
ausbildeten, Veronika machten) in Jerusalem, die Jesus auf seinem
Todesgang ihr Kopftuch zum Abtrocknen von Schweiß und Blut darreichte
und zum Lohn dafür auf dem zurückgereichten Tuch den Abdruck seines
Antlitzes erhielt.
Als alte Arzneipflanze wird auch das an allen Teilen stark gewürzhaft
riechende und schmeckende +Liebstöckel+ (~Levisticum officinale~) mit
grünlichgelben Doldenblüten in Bauerngärten angepflanzt. Es stammt
aus den Gebirgen Südeuropas, wird bis 2 m hoch und wurde schon im
Altertum in Gärten gezogen. Es hieß bei den alten Römern ~ligusticum~,
woraus sich die deutsche Bezeichnung Liebstöckel bildete. Plinius sagt
von ihm: „Das ~ligusticum~ wächst in Ligurien und hat davon den Namen.
Übrigens wird es überall in Gärten gezogen, heißt auch ~panax~ (d.
h. Allheilmittel).“ Außerdem wurde es in Südeuropa als Einmachgewürz
benutzt. Columella im 1. Jahrhundert n. Chr. sagt von ihm, daß es
nebst andern gewürzhaften Kräutern für die Küche eingemacht werde.
Karl der Große empfahl dessen Anbau in den kaiserlichen Gärten. Im
Mittelalter wurde es häufig angewandt und war damals in allen Gewürz-
und Arzneigärten angepflanzt, ist aber heute ziemlich außer Gebrauch
gekommen.
Ein ähnliches Küchengewürz und Arzneimittel war den Alten das
+Bohnenkraut+ (~Satureja hortensis~), das bei den Griechen ~thýmbra~,
bei den Römern ~satureja~ hieß. Es wurde und wird ebenfalls in Gärten
gezogen und schmeckt dann milder als die wildwachsende Pflanze. Auch
dieses Kraut ließ Karl der Große in seinen Gärten anpflanzen. Vom
Mittelalter bis heute spielte es als Bohnenkraut beim Einmachen von
Gartenbohnen eine gewisse Rolle. Wichtiger ist die +Gartenmelisse+
(~Melissa officinalis~), die ebenfalls aus Südeuropa zu uns kam
und, seit sie durch die Mönche in die mitteleuropäischen Gärten
eingeführt wurde, wegen des angenehmen Geruchs der ganzen Pflanze
als Zier- und Heilpflanze überall angebaut wird. Aus ihr wird das
in der Wirkung dem Pfefferminzöl ähnliche ätherische Melissenöl und
Melissenwasser gewonnen; außerdem ist sie der Hauptbestandteil der
~species resolventes~, d. h. des zerteilenden Tees, und des früher
berühmten, von den Karmelitermönchen als Geheimnis ausgegebenen
Karmeliterwassers. Auch sie wurde von den alten Griechen und
Römern arzneilich gebraucht; da aber unsere Gartenmelisse nur auf
den Gebirgen Südeuropas vorkommt, gebrauchten sie gewöhnlich die in
den Ebenen wachsende ~Melissa altissima~. Sie hieß bei den Griechen
~melissóphyllon~ und bei den Römern ~apiastrum~. Ebenso wurde der an
felsigen Stellen Südeuropas wachsende +Ysop+ (~Hyssopus officinalis~)
arzneilich gebraucht. Columella sagt, daß man aus ihm auch einen
Würzwein mache. Heute noch wird diese an allen Teilen stark gewürzhaft
riechende Pflanze in Bauerngärten angepflanzt.
Ein auch bei uns allgemein kultivierter, einst hochgeschätzter Strauch
ist der in Südeuropa heimische, 1-1,3 m hohe, immergrüne +gemeine
Rosmarin+ (~Rosmarinus officinalis~) mit schmalen, lederigen, am Rande
zurückgerollten, unterseits weißfilzigen, stark balsamisch-kampferartig
riechenden Blättern und blauen Lippenblüten. Die Pflanze wächst in
Griechenland und Italien wild, wird aber auch in Gärten gehalten. Bei
den alten Griechen hieß sie ~libanōtís~ (von ~líbanos~ Weihrauch,
wegen des aromatischen Geruches ihrer Blätter) und wurden mit Rosen
und Veilchen viel zu Kränzen benutzt; die Römer dagegen nannten sie
~ros marinus~ oder ~ros maris~, was wahrscheinlich aus dem griechischen
~róps~ (niedriges Gesträuch) und ~mýrinos~ (balsamisch) abzuleiten
ist. Nach Dioskurides wurde der Rosmarin auch als Arznei verwendet;
er soll nach ihm erwärmende Eigenschaften haben. Ein Grieche erzählt
in den Geoponika über die Entstehung dieses wohlriechenden Strauches:
„Es lebte einmal ein Jüngling namens Libanos, der die Götter fromm
verehrte, und den neidische Menschen eben deswegen töteten. Da aber
brachte die Erde zur Ehre der Götter eine Pflanze hervor, welche nach
dem Namen des Ermordeten ~dendrolíbanon~ (Baumweihrauch, wie der
Rosmarin außer ~libanōtís~ von den Griechen genannt wurde) genannt
wird. Die Götter freuen sich mehr, wenn man ihnen einen Kranz von
diesem Baumweihrauch (Rosmarin) weiht, als wenn man ihnen einen
solchen von Gold aufsetzt.“ Außer den Götterbildern pflegten bei den
Römern auch die Bildsäulen der Laren mit Rosmarin bekränzt zu werden.
Karl der Große empfahl, ihn in seinen Gärten zu pflanzen. Noch heute
tragen nach uralter Sitte die Landleute, die diese Pflanze stets
in ihren Gärten ziehen, bei Leichenbegängnissen statt der älteren
Zitrone einen Rosmarinzweig in der Hand. Schöne, aus Nordamerika zu
uns gebrachte, höchst aromatisch duftende, großblütige Verwandte des
Rosmarins sind die in Gärten kultivierten +Monardaarten+ (~M. dydima~
und ~M. fistulosa~), die man in ihrem Vaterlande auch als Heilmittel
gebraucht. Ihren Namen erhielten sie von dem mehrfach erwähnten
spanischen Arzt Nikolaus Monardes in Sevilla (1493-1578).
Eine uralte Heilpflanze der europäischen Völker, die früher als
Universalmittel gegen viele Krankheiten galt, ist die ebenfalls zu den
Lippenblütlern gehörende +gemeine Verbene+ (~Verbena officinalis~)
mit blauen Blüten in rispigen Ähren. Sie wächst häufig an Wegen
und Dorfstraßen und galt schon den alten Ägyptern, die sie als der
Heilgöttin Isis geweihte Pflanze betrachteten, für heilig. Unter
~verbena~, das sich bei den alten römischen Schriftstellern häufig
findet, verstanden die alten Römer allgemein ein bei sakralen
Handlungen wie Opfern, Bündnissen und Kriegserklärungen gebrauchtes
Kraut. Der alte Grammatiker Acro sagt uns darüber: „Verbenen sind
alle Pflanzen, die bei festlichen Gelegenheiten zur Bekränzung der
Altäre gebraucht werden. Das Wort hat ursprünglich ~herbenae~ (von
~herba~ Kraut) geheißen, ist aber durch veränderte Aussprache des
~h~ in ~verbenae~ übergegangen, wie man auch statt ~Heneti Veneti~
(Venetier) und statt ~hesperus vesperus~ (Abendstern) sagt.“ In diesem
Sinne sagt Horaz (65-8 v. Chr.) in der neunten Ode des vierten Buches:
„Mein Altar ist mit Verbenen geschmückt, und ein Lamm soll geopfert
werden.“ Ähnlich schreibt Vergil (70-19 v. Chr.) in seiner achten
Ecloge: „Verbrenne Verbenen und Weihrauch!“ Dazu bemerkt der um 380
n. Chr. lebende Servius: „Verbenen sind immergrüne, wohlriechende
Zweige. Andere sagen, es seien überhaupt zu heiligen Handlungen
dienende Zweige. Noch andere meinen, darunter seien vornehmlich
Ölzweige zu verstehen; andere beziehen es auf den Rosmarin. Immer
kommts aber darauf hinaus, daß es grüne Zweige sind.“ An einer
anderen Stelle sagt derselbe Servius zu Vergils Äneide Buch 12, Vers
120, wo erzählt wird, Äneas habe mit Turnus ein feierliches Bündnis
schließen wollen und dabei seien die daran Beteiligten mit ~verbena~
bekränzt gewesen: „Verbena bedeutet an sich ein heiliges Kraut (~herba
sacra~), namentlich, wie viele glauben, den Rosmarin (~rosmarinus~),
den man (mit der griechischen Bezeichnung) ~libanotis~ nennt, wenn es
nämlich von der heiligen Stelle des Kapitols genommen wurde, und die
Fetialen und der ~pater patratus~ (beides Bezeichnungen für die im
Namen des Staats dergleichen Verhandlungen führenden Priester) sich
damit bekränzten, wenn sie Bündnisse schließen oder Krieg ankündigen
wollten.“ Statt ~verbena~ wird öfter auch der Ausdruck ~sagmina~
gebraucht. So erzählt Livius in I, 24, 4, daß der römische Fetial
Marcus Valerius bei Abschließung des Bündnisses zwischen dem Könige
Tullus (Hostilius, 3. römischen König, regierte von 672-640 v. Chr.)
und den Albanern „~sagmina~, nämlich reine Kräuter“ aus der Burg
geholt habe, und daß der Fetial alsdannn den Spurius Fusius zu seinem
Gehilfen (~pater patratus~, wörtlich gevaterter Vater) erwählte,
indem er dessen Haupt und Haar mit der ~verbena~ berührte. Der ältere
Plinius sagt: „Von jeher haben sich die Römer der ~sagmina~ bedient,
wo es sich um religiöse Feierlichkeiten handelte, durch die dem Staate
aufgeholfen werden sollte, zugleich auch bedienten sie sich bei Opfern
und Gesandtschaften der ~verbenae~. Jedenfalls bedeuten beide Wörter
dasselbe, nämlich ein samt dem daran haftenden Erdballen auf der Burg
(dem Kapitol) ausgerissenes Kraut, und immer hieß einer der an die
Feinde geschickten Gesandten ~verbenarius~.“ Und Festus gibt über
~sagmen~ folgende Erklärung ab: „~Sagmina~ heißen die ~verbenae~, d.
h. reinen Pflanzen, welche an einem heiligen Orte vom Konsul, Prätor
oder von abreisenden Gesandten, welche ein Bündnis schließen oder Krieg
verkünden wollen, geholt waren.“ Nach Stellen aus Vergil und Horaz
wurden Verbenen auch bei der Venus dargebrachten Opfern gebraucht.
Zum Unterschied zu der heiligen ~verbena~ benennt Plinius unsere
gemeine Verbene (~Verbena officinalis~), die beim Volk -- wohl wegen
ihrer starken vermeintlichen Wirkung als Heil- und Zauberkraut --
+Eisenkraut+ heißt, als ~verbenaca~, während sie die Griechen als
~peristereón hýptios~ oder heilige Pflanze (~hierá botánē~) oder
Zeusohr (~Diós ēlakátē~), ~erigénion~, ~chamailýkon~, ~sideritís~,
~kurítis~, ~persephónion~, ~kallésis~, ~hippársion~ oder ~dēmétrias~
bezeichneten. Schon diese zahlreichen Benennungen beweisen uns die hohe
Achtung, die das Eisenkraut bei den Kulturvölkern am Mittelmeer genoß.
Auch bei den Kelten galt das Eisenkraut als heilig und wurde unter
feierlichem Ritual beim Opfer dargebracht. Als Zierpflanzen sind von
den 80 meist amerikanischen Arten zu nennen: ~Verbena chamaedrifolia~,
ein Halbstrauch mit leuchtend scharlachroten Blüten aus Argentinien
und Südbrasilien, der 1829 durch Pater Feuille in die europäischen
Gärten eingeführt wurde, dann ~Verbena teucrioides~ aus Brasilien mit
weißen oder rötlichen, wohlriechenden Blüten. Ihre Blendlinge mit
der vorigen Art bezeichnet man als ~Verbena hybrida~. Sie sind es,
die in unseren Gärten als Zierpflanzen gezogen werden und wichtige
Florblumen darstellen. Sie haben ähnlich den Aurikeln ein weißes Auge
und werden in allen Farben kultiviert. Auch Kreuzungen dieser mit
der argentinischen ~Verbena tenera~ sind wichtig. Die gestreiften
italienischen Spielarten stammen aus Kreuzungen von ~Verbena
pulchella~ mit ~V. incisa~, die beide ebenfalls aus Argentinien zu
uns kamen. Die Gartenverbenen sind ungemein veränderlich, doch hat man
unter ihnen auch zahlreiche samenbeständige Farbenvarietäten.