Großer Beliebtheit erfreuen sich die sehr nahe mit diesen verwandten

+Cinerarien+ oder +Aschenkräuter+, die wegen der Aschenfarbe

der Unterseite der Blätter mancher Arten so genannt werden. Die

Bastardcinerarien der Gärtner haben unten meist weißfilzige Blätter

und bunte, purpurne, violette und weiße Blüten. Wegen der Schönheit

und Farbenfülle der letzteren gehören sie zu den beliebtesten

Topfzierpflanzen. Beliebt sind auch die auf steinigen, sonnigen

Plätzen wachsenden +Katzenpfötchen+ (~Antennaria~) mit weißen oder

purpurroten Blüten, ferner die stattliche +Sonnenblume+ (~Helianthus

annnus~), welche 1569 aus ihrer Heimat Mexiko nach Europa kam, und

vor allem die ebendaher stammende +verschiedenfarbige Dahlie+. Diese

nach dem schwedischen Botaniker ~Dr.~ Dahl, der 1787 zu Abo starb,

so benannte, aber von Willdenow nach der älteren, von Thunberg dem

berühmten Reisenden und Botanikprofessor Georgi in St. Petersburg

zu Ehren gegebene Benennung (~Georgina variabilis~) in +Georgine+

umgetaufte Zierpflanze mit knollig verdickter Wurzel, 1,5-1,8 m

hohem Stengel und seltener einfachen, meist gefüllten Blüten wurde

zuerst ums Jahr 1784 durch Vincent Cervantes, Professor und Direktor

des botanischen Gartens in Mexiko, an den spanischen Mönch und

Vorsteher des botanischen Gartens Cavanilles nach Madrid gesandt.

Dieser beschrieb sie 1791 als ~Dahlia pinnata~ (mit gefiederten

Blättern). Da aber der Name Dahlia von Thunberg bereits an eine andere

Pflanze vergeben war, nannte man sie nach dem Vorschlage von Willdenow

Georgina. Von Spanien aus verbreitete sich die prächtig blühende

Gartenpflanze nach allen Kulturländern der Alten Welt, kam 1787 nach

England, 1804 durch Alexander von Humboldt, der Samen aus Mexiko nach

Berlin sandte, nach Deutschland, wo im Berliner Botanischen Garten

zahlreiche Farbenvarietäten aus ihr gezüchtet wurden. Doch kannte man

die Georginen um 1800 schon in Dresden. Die erste gefüllte Georgine zog

1808 der Garteninspektor Hartwig in Karlsruhe, und 1824 begann Deegen

in Köstritz seine erfolgreichen Kulturen.

Weil die Georgine im Herbst bis zum Eintritt des ersten Frostes,

der allerdings das Laub derselben zum Absterben bringt, so daß sie

schwärzlich, wie verbrüht erscheint, ihre zahlreichen prächtigen Blüten

entfaltet, zu einer Zeit also, da die meisten anderen Gartenblumen

bereits verblüht haben, ist sie eine Lieblingspflanze unserer Gärten

geworden, mit der man in manchen Gegenden einen großen Kultus treibt,

indem man zur Zeit ihrer Blüte Georginenfeste arrangiert, bei denen

die Lokale mit den abgeschnittenen Blüten ausgeschmückt und aus den

verschiedenen Farben große Tableaus zusammengestellt werden. Von den

9 Arten, die sämtlich auf der mexikanischen Hochebene heimisch sind,

ist ~Georgina variabilis~ die Stammpflanze von über 2000 Varietäten.

Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts war man bemüht, möglichst volle,

prall gefüllte Blumen in den verschiedensten Farben zu erzielen. Man

unterschied nach der Form der Blüten: anemonenblütige mit großen

Strahlenblüten und kleinen, in Form einer Halbkugel geordneten

Scheibenblüten -- heute werden sie nur noch selten gezogen --,

dann kugelblütige mit zahlreichen, gleichgeformten, sich nach

hinten zurücklegenden Blüten, flachblütige mit gleichgeformten,

flach ausgebreiteten, in der Regel zurückgebogenen Blumenblättern,

röhrenblütige mit röhrigen und ohrblütige mit ohrförmigen

Blumenblättern. Sie treten in allen Farbennuancen vom zartesten Weiß

bis zum intensivsten Gelb und zum dunkelsten Schwarzpurpur auf.

Die Liliputgeorginen haben sehr kleine, reizend geformte Blüten,

die Zwerggeorginen sind von niedrigem, zwerghaftem Wuchs und zur

Topfkultur geeignet. Seit Anfang der 1870er Jahre sind wieder einfach

blühende Spielarten unter dem Namen Dahlien in mannigfachen Farben und

Zeichnungen beliebt geworden, daneben auch die Kaktusdahlien, deren

Blüten von dem streng symmetrischen Bau der älteren gefüllten Dahlien

wesentlich abweichen und sich durch spitze, strahlige, nadelartige,

gewundene, namentlich aber gelockte Blüten auszeichnen. Sie haben

seit einigen Jahren die alten Georginensorten fast vollständig

verdrängt. Diese Abart der Georginen stellt eine typische, durch

Mutation plötzlich von selbst entstandene Sprungvarietät dar. Der alte

Georginenzüchter van den Berg in Jutphaas (Holland) verdankt sie einem

Zufall. Er hatte sich von einem Geschäftsfreund in Mexiko eine größere

Sendung mexikanischer Knollen, Wurzelstöcke und Zwiebeln kommen lassen.

Die Sendung war aber unterwegs bis auf eine einzige Knolle verdorben.

Nur diese trieb aus -- es war die Kaktusdahlie mit Blüten, die in

dieser Form in Mexiko selbst ganz unbekannt ist.

In bezug auf Größe und Form der Knollen, der Belaubung und namentlich

der Blüten, die wie bei allen anderen Kompositen dadurch gefüllt

werden, daß auch die Scheibenblüten wie die Strahlenblüten eine

farbige, zungenförmige Blumenkrone ausbilden, weichen die verschiedenen

Georginen so sehr untereinander ab, daß man kaum irgendwo in Gärten

die typische Form auffinden kann. Die zahllosen, mit dem Untergange

der Knollen wieder verschwindenden Spielarten entstanden und entstehen

durch künstliche Befruchtung und namentlich durch Samenzucht, die

alljährlich neue Varietäten liefert, die nie den vorjährigen ganz

gleich sind. Die gegen Kälte sehr empfindlichen Knollen müssen vor dem

Eintritt des Frostes aus der Erde genommen und im Keller überwintert

werden. Im Frühjahr, sobald keine Nachtfröste mehr zu fürchten sind,

werden sie 5 cm tief ausgepflanzt. Die Vermehrung geschieht durch

Teilung der Knollen oder durch Stecklinge, die man von den mit

überflüssigen Keimen versehenen Knollen ablöst, sobald sie etwa 10 cm

lang geworden sind. Neue Spielarten erzielt man aus Samen, den man

von den ersten Blüten besonders schöner Varietäten sammelt. Die

Wurzelknollen enthalten reichlich Inulin, eine dem Stärkemehl ähnliche

Substanz der Kompositenwurzeln, die sich in heißem Wasser löst, beim

Erkalten wieder ausscheidet und, mit Schwefelsäure zusammengebracht,

Zucker gibt. Aus diesem Grunde dienen die Dahlienknollen in ihrer

Heimat Mexiko als geschätztes Nahrungsmittel.

Sehr zahlreiche Zierpflanzen hat die artenreiche Familie der +Astern+

geliefert, deren Blüten neben den Georginen den Schmuck unserer Gärten

zur Herbstzeit, da sonst wenig andere Blumen mehr zu sehen sind,

bilden. Von den über 200 meist der nördlichen Erdhälfte, und zwar

vorzugsweise Nordamerika angehörenden Asterarten sind verschiedene vom

Menschen in Pflege genommen worden und haben sich im Laufe der Zeit

zu prächtigen Kulturpflanzen entwickelt. So finden wir nicht nur die

auf sonnigen, felsigen Hügeln Süd- und Mitteleuropas wildwachsende

+blaue Aster+ (~Aster amellus~), sondern auch die in Nordasien und

den höheren Gebirgen Mitteleuropas heimische +violette Aster+ (~Aster

alpinus~) seit langem in Gärten angepflanzt. Von ersterer spricht

bereits der römische Dichter Vergil in augusteischer Zeit, indem er in

seiner Georgica sagt: „Auf den Wiesen steht die Blume ~amellus~, welche

in dichter Menge wächst. Sie ist goldgelb und von dunkelvioletten

Blumenblättchen umgeben, hat einen scharfen Geschmack und dient zu

Kränzen. Ihre in Wein gekochte Wurzel dient als Arznei für kranke

Bienen.“ Letzteres sagt auch Columella und fügt hinzu, daß die Blumen

des ~amellus~ den Bienen angenehm seien. Die Griechen -- so Dioskurides

-- nannten sie ~astḗr~, und in Anlehnung daran spricht auch Plinius

in seiner Naturgeschichte von ihr als ~aster~. Außer diesen beiden

sind auch die am Meeresstrand und auf Salzboden gedeihende lilafarbene

+Strandaster+ (~Aster tripolium~) mit gelber Blütenscheibe und mehrere

andere ausdauernde Arten namentlich Nordamerikas als Herbstastern

in Gärten beliebt und teilweise auch verwildert. Mit prächtigen,

verschiedenfarbigen Strahlenblüten versehen sind die in China und

Japan heimischen +Gartenastern+ (von ~Callistephus chinensis~), die

sich von unseren Astern durch stark laubblätterige äußere Hüllblätter

unterscheiden und in etwa 60 gefüllten Formen in 6700 Farbenvarietäten

als die wichtigsten aller einjährigen Gartenpflanzen kultiviert werden.

Die ersten Vertreter dieser hauptsächlich vom uralten Kulturvolke der

Chinesen hochgezüchteten Formen, die von jenen mit Vorliebe auf den

Kunstgegenständen aus Porzellan und Seide dargestellt werden, kamen zu

Ende des 18. Jahrhunderts durch den Jesuiten d’Incarville aus China

nach Frankreich, um von hier aus durch Europa verbreitet zu werden. Sie

sind bei uns die weitaus verbreitetsten Astern.

Sehr nahe Verwandte der Astern, die vielfach zu ihnen gerechnet

werden, sind die +Wucherblumen+, die in den Goldastern oder

Chrysanthemen höchst wertvolle und neuerdings auch bei uns sich

zunehmender Beliebtheit erfreuende Zierblumen hervorgebracht haben.

Ihr bescheidenster Vertreter ist die ausdauernde +große Gänseblume+

oder +Marienblume+ (~Chrysanthemum leucanthemum~) mit weißen Strahlen-

und gelben Scheibenblüten, die in Europa auf Wiesen und Rainen gemein

ist und schon früh in die Gärten verpflanzt wurde. Mit den Europäern

wanderte sie in andere Erdteile und bürgerte sich in Nordamerika, wie

auch in Neuseeland ein. Ihre zarten Sprosse werden in Italien als

Salat gegessen; ihre Blüten dagegen werden wie diejenigen der ihr nahe

verwandten +Bertramwurz+ oder +Mutterkrautkamille+ (~Chrysanthemum

parthenium~) arzneilich verwendet. Beide werden in vielen Varietäten

als Zierpflanzen kultiviert, letztere besonders auch in Formen mit

goldgelben Blättern zur Bepflanzung von Teppichbeeten. Andere Arten

dieser Familie liefern das Insektenpulver, so besonders die beiden mit

rosa- oder fleischfarbenen Strahlenblüten versehenen ~Chrysanthemum

roseum~ und ~marschalli~ im Kaukasus, in Armenien und Nordpersien. Das

ebenfalls in Persien heimische ~Chrysanthemum cinerariaefolium~ mit

sehr kleinen, gelben Scheibenblüten und weißgelblichen Strahlenblüten

wird, wie auch das dalmatinische ~Chrysanthemum roseum~ in zahlreichen

Spielarten bei uns kultiviert; ebenso das nordafrikanische

~Chrysanthemum carinatum~ mit schwarzroten bis braunvioletten Scheiben-

und weißen Strahlenblüten. Sie variiert in den mannigfaltigsten Farben

und stellt eine der ausgezeichnetsten Florblüten dar. Ebenso ist das

südeuropäische ~Chrysanthemum coronarium~ mit gelber Blütenscheibe

und gelbem Strahl bei uns eine beliebte Gartenzierpflanze. Auch die

+Strauch-Marguerite+ der Kanaren (~Chrysanthemum frutescens~) wird in

hohen und zwerghaften Formen, weiß- und gelbblühend bei uns im Kalthaus

kultiviert und im Winter in großer Menge aus dem Süden eingeführt.

Nicht nur als Zierpflanze, sondern auch als Küchengewürz und

Arzneimittel gegen Würmer wird die in Südeuropa heimische +Frauenminze+

(~Chrysanthemum balsamita~) mit balsamisch riechenden Blättern und

gelben Blüten in unseren Gärten angepflanzt. Schon von Karl dem

Großen wurde sie als ~Costus hortensis~, d. h. Gartenkostus, zum Anbau

empfohlen und ihres würzigen Geruches wegen im Mittelalter an Stelle

des Hopfens als Bierwürze verwendet. Jetzt dient sie vielfach auch zur

Herstellung von Totenkränzen und anderem Gräberschmuck. Blumistisch

sehr viel wertvoller ist das ausdauernde +Herbstchrysanthemum+,

die +indische Goldaster+ (~Chrysanthemum indicum~), die noch mehr

als bei den Südasiaten bei den Ostasiaten, zumal den Japanern, zur

nationalen Lieblingsblume wurde. Schon lange vor dem Beginn der

christlichen Zeitrechnung wurde sie im Lande der aufgehenden Sonne in

den zahlreichsten Farbenvarietäten mit weißen, gelben, orangefarbenen,

braunen, roten, schwarzpurpurnen und zweifarbigen Blüten kultiviert.

Dabei unterscheidet man einfache Sorten, röhrenblütige, zungengefüllte,

anemonenblütige und Pomponchrysanthemen. Sowohl in ihrer Stammform,

dem einfachen Herbstchrysanthemum (japanisch ~nogiku~), als seinen

hochgezüchteten Kulturvarietäten (japanisch ~kiku~) spielt es wie

heute, so bereits in den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung in

der Poesie und Malerei der Japaner eine sehr große Rolle. Nach der

Aussage der Japaner erreichte diese Blumenzüchtung im 16. Jahrhundert

ihren Höhepunkt. Ein aus jener Zeit stammendes Gemälde aus dem Besitze

der Familie Takatsukasa, auf welchem ein Chrysanthemumgarten in Kioto

dargestellt ist, erregte auf der letzten Pariser Weltausstellung

vom Jahre 1900 allgemeine Bewunderung. Noch heute werden im

ganzen Inselreich diese Blumen in tausenden von Spielarten in den

mannigfaltigsten künstlichen Formen und Zusammenstellungen, die

menschliche und Tiergestalten bis zu 10 m Höhe, ja historische und

dramatische Begebenheiten, Darstellungen aus Märchen usw. wiedergeben,

gezüchtet, und am 9. September feiert das ganze Volk das Fest der Kiku,

die zum Sinnbilde langen Lebens wurde.

Die meisten Varietäten dieser Zierpflanze in seinem Garten zu besitzen,

kann sich außer dem japanischen Kaiser angeblich noch der sehr reiche

Graf Okuma in Tokio rühmen. Sonst sehen es die Liebhaber der Kiku,

deren Zahl Legion ist, darauf ab, eine ihnen besonders zusagende Form

in möglichst eigenartiger Ausbildung zu erlangen. Als Beispiel für

die Mühe, die auf die Zucht neuer Rassen verwendet wird, soll hier

erwähnt werden, daß der Züchter Hayashi jedes Jahr 30000 Chrysanthemen

der Sorte ~ennichi-giku~, bei der es darauf ankommt, möglichst bizarr

gestaltete Blüten zu erzielen, kultiviert, unter denen sich höchstens

5 Exemplare finden, die seinen Anforderungen entsprechen und zur

Nachzucht verwendet werden. Zu möglichster Größe herangezüchtet ist das

Riesenchrysanthemum Zukuri, das über tausend Blumen tragen kann; das

Gegenstück dazu bildet die Zwergpflanze ~bonsai-zukuri~. ~Hironishi~

ist eine ungefüllte Rasse, deren Blumen nur 16 Blumenblätter enthalten

dürfen. Es ist dies die Kaiserblume, von der das Chrysanthemumwappen

der kaiserlichen Familie abgeleitet ist. Die ~ipon-zukuri~ ist eine

Rasse mit nur einer Achse und nur einer Blüte.

Schon im Jahre 1688 kultivierte man in Holland 6 aus Ostasien

eingeführte Spielarten von Chrysanthemen, aber erst hundert Jahre

später fand die Pflanze größere Verbreitung in Europa und wird seit

1826, wo dies in Toulon zuerst geschah, auch bei uns aus Samen

gezüchtet. In neuerer Zeit wurde sie namentlich in England, dann auch

in Deutschland zu großer Vollkommenheit gebracht; doch werden noch

immer viele Varietäten aus Japan und China eingeführt. Obwohl wir es

hierin noch lange nicht mit den Japanern aufnehmen können, so besitzen

wir bereits eine Menge von Spielarten derselben mit weißen, gelben,

orangefarbenen, braunen, roten, schwärzlich purpurfarbigen, auch

zweifarbigen Blüten mit den verschiedensten Formen der Blumenkrone und

ihrer einzelnen Blätter. Alle diese wunderbaren Abänderungen erzielen

die Züchter teils durch künstliche Auslese, teils durch Hybridation

oder Kreuzung und durch zufällig auftretende Mutationen. Die

wunderbaren, riesigen Blumen, die neuerdings auf Ausstellungen und in

Schaufenstern der Blumenläden unser Staunen erregen, gehören nicht, wie

man glauben könnte, einer besonderen Art an, sondern es sind anormale

Blütenstände, „Überblumen“, die durch eine eigene Kulturmethode erzeugt

werden. Man bringt die Chrysanthemen zu diesem Zwecke in ein Kalthaus,

wo sie ganz dicht am Fenster aufgestellt werden. An jeder Pflanze

läßt man nur wenige Blätter und schneidet die Blütenknospen gleich

nach ihrem Erscheinen bis auf eine einzige ab. Unter der Einwirkung

der sehr starken Düngung nimmt dann diese, mehr als sonst üblich

ernährte Blume einen riesigen Umfang an, der mitunter sogar demjenigen

eines Menschenkopfes gleichkommt. Dabei hängen die stark verlängerten

Blumenblätter, die zu lang sind, um sich selbst aufrecht halten zu

können, in graziösen Linien herunter und verleihen diesen Blüten einen

absonderlichen Ausdruck, der sehr dem modernen Geschmacke entspricht.

Das Straußenfederchrysanthemum mit bewimperten Blättern ist wie die

Kaktusdahlie eine vor einigen Jahren in einem einzigen Exemplare beim

Blumenzüchter Alphonse Hardy aufgetretene Sprungvarietät, die sich

infolge ihres absonderlichen Aussehens rasch einbürgerte.

Von weiteren bemerkenswerten Kompositen, die als Gartenzierpflanzen

kultiviert werden, ist die +Flockenblume+ (~Centaurea~) zu nennen,

deren 470 Arten meist im Mittelmeergebiet heimisch sind. Unsere +blaue

Kornblume+ oder +Cyane+ -- vom griechischen ~kýanos~ blau so genannt --

(~Centaurea cyanus~) ist ein Sommergewächs aus Sizilien, das mit dem

Klatschmohn (~Papaver rhoeas~) als Ackerunkraut wahrscheinlich schon

zur Pfahlbauzeit mit dem Getreide nach Mitteleuropa verbreitet wurde.

Diese einstige Lieblingsblume Kaiser Wilhelms I., die als solche bei

dessen Lebzeiten sich besonderer Gunst in ganz Deutschland erfreute,

wird heute in Arten mit mannigfach gefärbten Blüten als Zierpflanze

in Gärten kultiviert. Auch die auf Kalkbergen und Gebirgswiesen

wachsende +Bergflockenblume+ (~Centaurea montana~) mit größeren

himmelblauen, in der Mitte purpurrötlichen Blüten und die 2 m und

darüber hoch werdende ~Centaurea atropurpurea~ werden als Zierpflanzen

gezogen. Aus dem Orient und dem östlichen Mittelmeergebiet kam die

+Bisamflockenblume+ (~Centaurea moschata~) mit großen, weißen oder

violett gefärbten, schwach nach Bisam (Moschus) riechenden Blüten

zu uns, ebenso die ~Centaurea orientalis~, während die ~Centaurea

ragusina~ mit fein zerschlitztem, weißfilzigem Laub und gelben Blüten

aus Dalmatien stammt. Die niedrige, ebenfalls weißfilzige ~Centaurea

candidissima~ wird gerne zu Teppichbeeten verwendet, während die

~Centaurea macrocephala~ mit 90 cm hohem Stengel und goldgelben

Blüten von 9 cm Durchmesser mehr als Einzelpflanze auf Rasen

kultiviert wird.

Aus dem südlichen Nordamerika kam die +schöne Zinnie+ (~Zinnia

elegans~) als prächtige einjährige Gartenzierpflanze zu uns.

Ihren Namen erhielt sie nach Joh. Gottfried Zinn (1727-1759), der

zu Schwabach bei Nürnberg geboren wurde und als Professor der

Medizin in Göttingen starb. Er gab eine Beschreibung der um jene

Universitätsstadt wachsenden Pflanzen heraus. Die 12 Arten ~Zinnia~

wachsen in Mexiko, Arizona und Texas. Die ~Zinnia elegans~ wird

60-80 cm hoch, hat gegenständige Blätter, große Blütenköpfe mit

kleinen, gelben Scheibenblüten und großen, gelben Strahlenblüten. Sie

wird in vielen Varietäten mit goldgelben, purpur- und scharlachroten,

rosa, reinweißen, gestreiften, einfachen, gefüllten und krausen Blüten

bis zu Riesenformen kultiviert. Ebenso ~Z. haageana~ und ein Bastard

zwischen beiden, ~Z. darwini~, von dem wieder mehrere Spielarten

gezüchtet wurden.

Ebenfalls aus Nordamerika stammt das +zweifarbige Schöngesicht+

(~Calliopsis bicolor~), das in unseren Gärten wegen seiner goldgelben

bis braunen Strahlenblüten als schönblühende Zierpflanze allgemein

beliebt ist. Desgleichen verhält es sich mit der nordamerikanischen

+geschlitzten Rudbeckie+ (~Rudbeckia laciniosa~) mit bräunlicher

Scheibe und abstehenden, gelben Strahlenblüten. Sie wurde von Karl

von Linné nach dessen Lehrer und Freund Hans Rudbeck, Professor der

Botanik in Upsala in Schweden, wo er 1660 geboren wurde und 1740 starb,

genannt. Auch ~Silphium perfoliatum~ mit gelben Blüten ist eine aus

Nordamerika stammende Gartenzierpflanze, die teilweise verwildert ist,

wie die von ebendorther stammende +Meerambrosie+ (~Ambrosia maritima~).

Letztere erhielt von Linné diesen Namen wegen ihres angenehmen Geruchs,

der an die Ambrosia, die Nahrung der unsterblichen Götter, erinnern

sollte, erstere dagegen von dem berühmten Heilmittel und Gemüse

~sílphion~, das die Griechen aus Kyrene in Nordafrika bezogen und das

eine mit dem Stinkasant verwandte Doldenpflanze und keine Komposite wie

diese war.

Von den etwa 100 im wärmeren Amerika, besonders zahlreich in

Mittelamerika, wachsenden +Stevia+arten werden ebenfalls mehrere,

so die purpurrote ~Stevia purpurea~, die weiße ~S. serrata~ und

die fleischfarbige ~S. ivaefolia~ bei uns in Gärten kultiviert und

liefern ein beliebtes Material für die Blumenbinderei. Von den fast

ausschließlich nordamerikanischen +Goldruten+ (~Solidago~) wird

besonders die kanadische Goldrute (~Solidago canadensis~), die in

ihrer Heimat gegen den Biß der Klapperschlangen gebraucht wird und

deshalb Klapperschlangenkraut heißt, nebst einigen anderen Arten

als Zierpflanze kultiviert, findet sich aber auch mehrfach bei uns

verwildert.

Aus dem wärmeren Amerika, wo sie in 20 Arten vertreten sind, stammen

auch die +Toten-+ oder +Samtblumen+ (~Tagetes~) mit zierlichen Köpfchen

von gelben und orangefarbenen Blüten. Besonders ~Tagetes patula~ und

~T. erecta~, die beide einander sehr ähnlich sind und stark aromatisch

riechen, werden in mehreren Varietäten als Gartenpflanzen kultiviert.

Man kennt sie in Europa seit dem 16. Jahrhundert. Sehr schöne

Gartenpflanzen sind auch ~T. signata~ und ~T. lucida~.

Selbst das überall auf unsern Wiesen wachsende gemeine +Gänseblümchen+

oder +Tausendschönchen+ (~Bellis perennis~) mit gelben Scheiben- und

weißen oder roten Zungenblüten, das früher namentlich vom Landvolke

als Heilmittel gegen Auszehrung gebraucht wurde, ist vom Menschen in

Kulturpflege genommen worden und wird besonders in der rotblühenden

einfachen oder gefüllten Spielart mit teilweise sehr großen Blüten

zur Einfassung von Gartenbeeten und als Topfpflanze in Blumenfenstern

gezogen. Seinen deutschen Namen erhielt es davon, daß es besonders

häufig auf Feldern wächst, auf denen Gänse zur Weide getrieben werden,

und weil es gerne von diesen gefressen wird. Tausendschönchen heißt es

nach dem lateinischen ~bellis~, das von ~bellus~ schön herrührt und

etwa mit Schönchen übersetzt werden darf. Schon der ältere Plinius

(23-29 n. Chr.) erwähnt es in seiner Naturgeschichte und schreibt von

ihm: „Das Gänseblümchen (~bellis~) wächst auf Wiesen; die Blüte ist

weiß und spielt ins Rötliche.“

Eine der ältesten und wichtigsten Arzneipflanzen, die heute noch keinem

Bauerngarten fehlt, ist die +echte Kamille+ (~Matricaria chamomilla~)

mit gelber Blütenscheibe und weißem Strahl. Sie hat ihren griechischen

Namen ~chamaimélon~ (von ~chamai~ niedrig und ~mélon~ Apfel), woraus

dann das lateinische ~chamomilla~ entstand, nach dem älteren Plinius

vom apfelartigen Geruch ihrer Blüten. Letztere werden getrocknet in

den Apotheken, wie auch in fast allen Haushaltungen gehalten, um in

Krankheitsfällen Verwendung zu finden. Sie besitzen einen angenehmen,

etwas kampferähnlichen Geruch, den sie dem himmelblau gefärbten,

ätherischen Kamillenöl verdanken, dem krampfwidrige, beruhigende

Eigenschaften innewohnen. Außerdem enthalten sie Salizylsäure, wodurch

sie antiseptisch wirken. Ausschließlich Zierblume ist dagegen die

~Matricaria coccinea~ mit scharlachroten Blüten.

Endlich werden noch von Kompositen verschiedene +Kugeldisteln+, so

~Echinops sphaerocephalus~ mit weißen und ~E. ritro~ mit blauen,

metallisch glänzenden Blütenköpfen aus Südeuropa und Vorderasien, wie

auch allerlei +Gaillardien+ kultiviert. Von den 12 Arten der letzteren

sind 11 in Nordamerika und 1 in Südamerika heimisch. Von ~Gaillardia

pulchella~ wird die ~var. pieta~ in mehreren Formen als Zierpflanze

kultiviert. Sie ist 1-2jährig, 40-50 cm hoch, mit in ihrer

größeren Hälfte purpurroten, an der Spitze goldgelben, dreizähnigen

Strahlenblüten und schwarzpurpurnen Scheibenblüten. ~Gaillardia

aristata~ in Nordamerika ist ausdauernd und eignet sich für Rabatten.

Kulturgeschichte der Nutzpflanzen, Band IV, 2. Hälfte · 第 57 / 81 段