Die fleischigen +Portulak+arten mit gelben oder roten Blüten, die sehr

kurze Zeit blühen und sich dann wie eine Gallerte auflösen, haben

vielsamige Fruchtkapseln, die sich mit einem Deckelchen (~portula~,

Türchen) öffnen. Daher der Name. Die mehr als 20 Arten derselben

wachsen in den Tropen und Subtropen der Alten, besonders aber der

Neuen Welt. Der in den Mittelmeerländern heimische +gemeine Portulak+

(~Portulaca oleracea~) mit kleinen, gelben oder gelblichweißen Blüten

wird in Gärten in mehreren Spielarten als ~P. sativa~ kultiviert.

Die jungen, sehr saftigen Blätter werden als Zutat zu Salat oder

Suppenkraut gegessen, auch mit Essig eingemacht. Früher wurden Kraut

und Same arzneilich benutzt. Die Pflanze hieß bei den Griechen

~andráchnē~. Dioskurides sagt von ihr, sie werde als Speise genossen

und gegen alle Übel gebraucht. Mehrere Arten werden als Zierpflanzen

angebaut, so besonders die einjährige ~Portulaca grandiflora~ aus

Brasilien mit hellpurpur- oder karminroten, weißen oder gelben, auch

gefüllten Blüten. Sie ist unter dem Namen „Portulakröschen“ bekannt.

Verschiedene +Mauerpfeffer+arten der Gattung ~Sedum~ werden in Gärten

kultiviert, so vor allem der weiße Mauerpfeffer (~Sedum album~) aus

den Mittelmeergegenden, dessen Kraut früher medizinisch verwendet

wurde. Jetzt noch dienen die zarten Blätter als Salat und Suppenwürze.

Dasselbe geschieht mit dem großen +Gartentripmadam+ (~S. anacampseros~)

mit purpurroten oder weißen Blüten. Die Stengel dieser Pflanze werden

in Spalten der Häuser gesteckt und dienen als Orakel für das Glück

und die Lebensdauer junger Ehepaare oder der Familienglieder. Auch

der +Felsenpfeffer+ (~S. reflexum~) wird hier und da kultiviert und

in derselben Weise benutzt. Die an sonnigen Plätzen Südeuropas bis

Kleinasiens wachsende +Schmerwurzel+ (~S. maximum~) mit 30-60 cm

hohem, aufrechtem Stengel mit weißen, grünlichgelben oder roten Blüten

wird noch heute arzneilich gebraucht. Zahlreiche ausländische Arten

werden als Zierpflanzen kultiviert, so vor allem die prächtige, 1830

von v. Siebold aus Japan eingeführte ~S. sieboldi~. ~Sedum japonicum~

mit blaugrünen, rotgesäumten Blättern und roten Blüten verwendet man

als Ampelpflanze oder zur Einfassung in Gärten. Auch das in Sibirien

heimische ~Sedum crassifolium~ mit roten Blüten in gedrängter Rispe,

dessen Blätter von den Kalmücken als Teesurrogat gebraucht werden, wird

bei uns häufig in Gärten gezogen.

Wie der +scharfe Mauerpfeffer+ (~Sedum acre~) als kleines ~aeízōon~

(d. h. immerlebend), wurde die +gemeine Hauswurz+ (~Sempervivum

tectorum~) als großes ~aeízōon~ schon im Altertum auf Dächern zur

Abhaltung des Blitzes gepflanzt. Daneben wurde sie nach Plinius

als Zierpflanze auch in irdenen Töpfen gezogen und ihr aus den

zerquetschten Blättern gewonnener Saft nach Dioskurides als kühlendes,

zusammenziehendes Mittel auf Brandwunden gelegt. Karl der Große befahl

die Anpflanzung der Hauswurz auf seinen Gütern. So wurde sie, auch

mit Hilfe der Klöster, in Mitteleuropa populär und spielte bis in die

Gegenwart in der ländlichen Arzneikunde eine wichtige Rolle, indem

der aus ihr gepreßte Saft gegen Halsentzündungen, wunde Brustwarzen,

Bienenstiche und Brandwunden verwendet wurde. Zur Hexensalbe mußten die

Blätter des „Donnerkrautes“ am Donnerstage gepflückt werden.

Von den +Steinbrechen+ (~Saxifraga~) dient die in den Pyrenäen und in

Irland heimische ~Saxifraga umbrosa~ mit weiß, gelb und rot punktierten

Blüten in länglichen Rispen ebenfalls zur Einfassung in Gärten, während

die aus China und Japan stammende ~S. sarmentosa~ mit rotbehaarten

Blättern und weißen oder blaßroten Blüten sich als Zierpflanze häufig

in Zimmern und Gewächshäusern findet.

Die +Primeln+ oder +Schlüsselblumen+ sind meist Hochgebirgsbewohner.

Die Mehrzahl der etwa 140 Arten wächst in Europa und Asien,

wenige kommen in Nordamerika vor und bilden auch hier den ersten

Frühlingsschmuck der Bergwiesen, weshalb sie überhaupt ihren Namen

erhielten. ~Primula~, das Verkleinerungswort des weiblichen ~prima~,

bedeutet nämlich der kleine Erstling. Diese Bezeichnung bekam die

Pflanze, weil sie mit dem Veilchen als erster Bote des Lenzes

erscheint und als solcher die Gemüter der aus der winterlichen

Enge in die ergrünenden Fluren Hinausziehenden doppelt erfreut. Im

Deutschen erhielt sie den Namen Schlüsselblume, weil sie als die

erste Frühlingsblume den Himmel gleichsam erschließt. Als Heilmittel

war seit dem Altertum besonders die +arzneiliche Schlüsselblume+

(~Primula officinalis~) mit gelben Blüten sehr hochgeschätzt. Daraus

bereiteter Tee galt als sehr nervenstärkend und heilsam gegen

Krämpfe, Nervenzufälle und Gemütsverstimmung. Schon die später heilig

gesprochene Hildegard, Äbtissin des Klosters Rupertsberg bei Bingen

im 12. Jahrhundert, pries den ~hymelsloszel~ (Himmelschlüssel) wegen

seiner Heilkraft. Außer solcher sollte er aber auch noch das Vermögen

besitzen, den Zugang zu verborgenen Schätzen zu erschließen. Er hieß

deshalb auch Marien- oder Petersschlüssel. Bis in unsere Zeit wurden

wenigstens die Blüten arzneilich und die Wurzel als Niesmittel

gebraucht. Mit ihr wurde auch die gelbblühende ~Primula elatior~ von

den Wiesen und Rainen in die Gärten verpflanzt und in Kulturpflege

genommen. Beide Pflanzen werden jetzt in mehreren gelb, rot, braun,

auch gefüllt blühenden Varietäten als Zierpflanzen kultiviert, ebenso

die Hybriden oder Bastarde derselben mit ~Primula acaulis~. Letztere

mit sehr kurzgestielter Dolde und fünf safrangelben Flecken auf dem

flachen Saum der hellgelben Blumenblätter wächst im Mittelmeergebiet

und in Mitteleuropa. Bei manchen Varietäten entwickelt sich der Kelch

in der Form und Farbe der Blumenkrone, so daß zwei gleiche Blumen

ineinander zu stecken scheinen.

Noch beliebter als die Primeln waren im vergangenen Jahrhundert,

während welchem sie sehr viel gepflanzte, spielartenreiche Modeblumen

waren, die in der Gegenwart stark an Beliebtheit eingebüßt haben, die

+Aurikeln+, die ihren Namen von der ohrförmigen Gestalt ihrer Blätter

erhielten. Früher hieß man sie ~auricula ursi~, d. h. Bärenöhrchen.

Die Ausgangsform der Gartenaurikeln ist die auf Torfboden und an

Felsen der Voralpen und Alpen, wie auch des Schwarzwalds wachsende

~Primula auricula~ mit mehlig bestäubten Blättern und schwefelgelben,

wohlriechenden Blüten mit flachem Saum. Diese traf der Botaniker und

Arzt Clusius (Charles de l’Ecluse, 1526 bis 1609), damals Hofbotaniker

in Wien im Jahre 1582 im Gschnitztal südlich von Innsbruck und nahm

sie mit sich nach Wien und 1593 bei seinem Wegzuge nach Leiden.

Zugleich mit ihr führte Clusius die rotblühende ~Primula pubescens~,

die als ein Bastard der vorigen mit ~Primula hirsuta~ anzusehen

ist und bei Innsbruck wächst, in die Gärten ein. In der Mitte des

17. Jahrhunderts wurden beide Primelarten besonders in Belgien,

Holland, England und Deutschland in mehreren Farbenvarietäten mit

Vorliebe gezogen. In der Folge aber verschwand die beständigere ~P.

auricula~ wieder vollständig aus den Gärten und ~P. pubescens~ war

ausschließlich der Ausgangspunkt der mächtig aufblühenden Aurikelzucht,

die in den letzten Jahrzehnten des 17. Jahrhunderts ihren Höhepunkt

erreichte. Unter den über 1000 Spielarten unterscheidet man einfarbige,

zweifarbige (Dublettenaurikeln), mehrfarbige (Bizardaurikeln) und

verschiedenfarbige Aurikeln (Picottaurikeln). Eine holländische

Art heißt ~Luiker~, d. h. Lütticher. Englische Sorten werden als

„gepuderte“ unterschieden, weil sie eine starke Bestäubung der

Oberfläche mit Wachskügelchen aufweisen.

Wichtiger als die einheimischen sind aber gegenwärtig die

ostasiatischen Aurikeln, vor allem die ~Primula chinensis~ aus

Südchina mit Dolden sehr großer, hell lilafarbiger, rosenroter

oder weißer Blüten. Obschon sie erst im Jahre 1824 von China nach

England kam, zählt sie heute sehr viele Spielarten mit weißen und

roten, einfachen und gefüllten Blüten. Sie ist als Zimmer- und

Gewächshauspflanze gleich wertvoll, blüht das ganze Jahr hindurch

und liefert gutes Material für Buketts, was sehr wichtig ist.

Besonders die weißen, gefüllten Blüten sind für die Blumenbinderei

von großer Bedeutung. Ebenso stammt die sehr reichblühende ~Primula

obconica~ aus China; sie ist dadurch allgemeiner bekannt geworden,

daß die Drüsenhaare an der Oberfläche der Blätter eine gelblichgrüne

Flüssigkeit ausscheiden, die bei Berührung der Pflanze empfindliche

Hautentzündung mit beträchtlich gestörtem Allgemeinbefinden verursacht.

Es scheint bei gewissen Individuen eine besondere Disposition

vorhanden zu sein; oft tritt die Erkrankung erst mehrere Stunden oder

Tage nach der Berührung der Pflanze ein. Auch ~Primula cortusoides~

aus dem Osthimalaja und aus Jün-nan, wie auch ~Pr. japonica~ werden

in mehreren Spielarten in unseren Gärten kultiviert. Nicht minder

geschätzte Winterblüher als die chinesische lieferte die nach ihr

eingeführte Himalajaprimel, die mit den ostasiatischen und europäischen

Arten mehrfach gekreuzt wurde. Gelegentlich werden auch der +blaue

Speik+ (~Primula glutinosa~) mit violetten, wohlriechenden Blüten mit

abstehendem Saum, der in den Zentralalpen auf Urgestein zu finden ist,

und die zierliche, im hohen Norden heimische, als Relikt der Eiszeit

auf feuchten Alpenwiesen und auf Torfboden des norddeutschen Tieflandes

-- aber auch in der Magelhaensstraße -- angetroffene +mehlig bestäubte

Primel+ (~Primula farinosa~) mit fleischroten oder violetten Blüten

mit gelbem Schlunde in Töpfen angepflanzt oder in Gärten gehalten.

Gelegentlich geschieht dies auch mit der +Alpensoldanelle+ (~Soldanella

alpina~) mit ihren zierlichen bläulichen oder violetten Blütenglöckchen

mit gefranstem Saume.

Eine weitere, sehr geschätzte Zierpflanze der Alpen und Voralpen

ist das +Alpenveilchen+ (~Cyclamen europaeum~), wegen seiner

plattkuchenförmigen, fleischigen Knolle auch Erdscheibe genannt.

Letztere schmeckt in frischem Zustande brennend scharf und enthält

das Alkaloid Cyclamin, das, in den Magen gebracht, heftiges

Erbrechen bewirkt und ins Blut eingespritzt tötet. Früher wurden die

Wurzelknollen als drastisches Purgiermittel benutzt; sie verlieren

aber durch Kochen oder Braten in Asche ihre Schärfe und werden deshalb

von den Russen gegessen. Die Wildschweine sollen sie gerne und ohne

Nachteil fressen, deshalb wird das Cyclamen auch Saubrot genannt.

Das im einheimischen Gebirge wachsende südeuropäische Cyclamen war

unter dem Namen ~kykláminon~ schon bei den alten Griechen bekannt

und seine Wurzelknolle wurde als Heilmittel und zu Zauberei benutzt.

Plinius, der sie selbst in Anlehnung an die griechische Bezeichnung

~cyclaminon~ nennt, sagt, sie werde von den Römern Erdknollen (~tuber

terrae~) genannt, wachse im Schatten, habe purpurrote Blüten und eine

breite, einer Rübe ähnliche Wurzel mit schwarzer Rinde. Sie diene gegen

Schlangenbiß. „Sie sollte bei allen Häusern gezogen werden, wenn es

wahr ist, daß da, wo sie steht, kein Zaubermittel wirkt, weswegen sie

auch Amulett (~amuletum~) heißt. Wein, worin sie liegt, soll sogleich

berauschen. Die Wurzel wird zerschnitten und getrocknet oder bis zur

Honigdicke eingekocht und aufbewahrt.“ Wie die einheimische Art wird

auch das persische Alpenveilchen (~Cyclamen persicum~) aus Vorderasien

mit weißen, im Schlunde roten Blüten viel in Töpfen gezogen und ist

durch Kulturpflege zu Formen mit sehr großen Blättern und Blüten in

allen Nuancen von Rot neben Weiß gezüchtet worden. Dadurch, daß es im

Winter zum Blühen gebracht werden kann und lange Zeit hindurch im Flor

steht, ist es eine der am häufigsten angetroffenen Topfpflanzen der

Städter geworden. Durch Kreuzung des bunt gezeichneten efeublätterigen

Alpenveilchens mit kleinen Blüten mit dem persischen Alpenveilchen

mit weit schöneren, größeren Blüten wurden Hybriden erzeugt, die die

hübschen Blätter der ersteren neben den schönen Blüten der letzteren

aufweisen.

Ebenfalls als Blatt- und Zierpflanzen sehr beliebt und deshalb

häufig in Töpfen kultiviert angetroffen werden die +Begonien+ oder

+Schiefblätter+. Von den über 400 Vertretern der in den Tropen

wachsenden Familie haben sehr viele prachtvoll gefärbte Blätter,

wachsen sehr schnell und lassen sich sehr leicht aus Stecklingen

ziehen. Legt man nämlich ein von ihnen abgeschnittenes Blatt auf

feuchte Erde, so wachsen aus allen Stellen, an denen die Blattnerven

verletzt wurden, junge Pflänzchen hervor. Unter den vielen bei uns in

Gewächshäusern und als Zimmerpflanzen gezogenen Arten unterscheidet man

1. +Blattbegonien+, die wegen ihrer prachtvoll gefärbten, teilweise

sehr bunten Blätter gehalten werden. Sie sind seit dem Anfang der

1850er Jahre höchst beliebt geworden und stammen hauptsächlich von

dem ostindischen Königsschiefblatt (~Begonium rex~), dessen große,

dunkelgrüne Blätter ein breites Silberband mit gleichgefärbten Flecken

aufweisen. Es wurde mit anderen Formen aus den Tropen der Alten

Welt gekreuzt und ergab zahlreiche schöne Spielarten. 2. +Blüten-+

oder +Knollenbegonien+, die sämtlich aus Südamerika stammen und in

bezug auf Effekt, Blütenfülle und Blütendauer mit den außerordentlich

effektvollen Scharlachpelargonien wetteifern. Die wichtigsten

Stammformen sind ~Begonia boliviensis~ mit leuchtendroten Blüten

aus Bolivia, ~B. veitchi~ und ~davisi~ aus Peru und ~B. froebeli~

aus Venezuela. Die Blüten der durch Kreuzung dieser untereinander

erhaltenen Blendlinge variieren von Weiß und sattem Gelb bis zum

dunkelsten Rot, auch gibt es gefüllte Formen. Von den immergrünen,

strauch- oder halbstrauchartigen Begonien werden mehrere Arten

besonders aus Brasilien wegen ihrer Monate hindurch und mehrfach im

Winter erscheinenden Blüten kultiviert.

Südamerika lieferte uns auch die häufig als Zierpflanze, besonders

als Schlingpflanze zur Bekleidung von Lauben gezogene +vielblumige

Feuerbohne+ (~Phaseolus multiflorus~), die weiße oder hochrote Blüten

und eßbare Samen hervorbringt. Beliebte Gartenzierpflanzen liefern

auch die verschiedenen +Wicken+, vor allem die in Südeuropa heimische

+wohlriechende Wicke+ (~Lathyrus odoratus~) mit sehr großen, rot und

violetten oder rot und weißen, wohlriechenden Blüten. Sie blüht fast

den ganzen Sommer hindurch und eignet sich vorzüglich zur Verzierung

niedriger Geländer. Dann die +nordafrikanische Wicke+ (~Lathyrus

tingitanus~) mit großen, einfarbigen, violetten oder dunkelpurpurnen

Blüten, die +griechische Wicke+ (~L. climenum~) aus Griechenland und

Kleinasien mit blauen Blüten, an denen nur die Fahne rot ist, die

+Bukettwicke+ (~L. latifolius~) mit einer Traube von großen, purpur-

bis rosenroten Blüten, die +großblütige Wicke+ (~L. grandiflorus~)

mit besonders großen, aber schwach wohlriechenden, purpurroten

Blüten, beide aus Südeuropa. Alle diese werden in mehreren Varietäten

kultiviert.

Die Gattung der +Winden+ (~Convolvulus~) mit trichterförmigen Blüten

ist in den Gärten besonders durch die nichtwindende +dreifarbige Winde+

(~C. tricolor~) aus dem Mittelmeergebiet mit himmelblauen, im Grunde

gelben, in der Mitte weißen Blüten, dann durch ~C. mauretanicus~ mit

ebenfalls himmelblauen und durch ~C. dahurica~ mit rosenroten Blüten

vertreten. Verwandt damit sind die schlingenden ~Mina lobata~ und ~M.

lex~ aus Mexiko mit gelb und rot gefärbten Blüten in langgestielten,

gabeligen Blütenständen, die ebenfalls bei uns als Zierpflanzen

kultiviert werden.

Ebensolche windende Kräuter sind die in 24 Arten ausschließlich im

wärmeren Mittel- und Südamerika heimischen +Wunderblumen+ (~Mirabilis~)

mit großen, in der Nacht geöffneten Blüten. Unter ihnen werden die

60-120 cm hohe ~Mirabilis longiflora~ mit sehr langohrigen, weißen,

am Schlund purpurnen, sehr wohlriechenden Blüten aus den Bergen Mexikos

und die ebendort heimische ~M. jalapa~, die falsche Jalape, mit schönen

roten, gelben oder weißen, oder auch in diesen Farben gestreiften

und gesprenkelten, geruchlosen Blüten in zahlreichen Varietäten bei

uns kultiviert. Die Wurzel wirkt abführend und wurde früher wie die

offizinelle Jalape verwendet.

Zur Gattung der +Boretschgewächse+ gehört außerdem der als Gewürz und

geschätzte Bienenweide in nicht nur dunkel- bis hellblauen, sondern

auch roten und weißen Formen gezogene +gemeine Boretsch+ (~Borago

officinalis~), das in der gemäßigten Zone der Alten Welt in 30 Arten

wachsende +Vergißmeinnicht+ oder +Mäuseohr+ (~Myosotis~); unter diesen

ist das bei uns auf feuchten Wiesen und an Bächen wachsende gemeine

Vergißmeinnicht (~Myosotis palustris~) mit in der Knospe rötlichen,

später himmelblauen Blüten mit gelbem Schlund ein sehr beliebtes, auch

in Gärten angepflanztes Blümchen. Neben ihm werden die zweijährige,

mitteleuropäische ~M. silvatica~ mit der Abart ~M. alpestris~ mit

rauhhaarigen Stengeln und himmelblauen Blüten und noch manche andere

kultiviert. Das strahlendste Blau haben die Blüten von ~M. azorica~.

Blendlinge von ihr mit ~M. alpestris~ sind die ~M. semperflorens~

mit sehr langer Blütezeit und andere Formen, wie „Elise Fonrobert“.

Ebenso werden von +Hundszungen+ der Gattung ~Cynoglossum~ purpurrote,

himmelblaue und weiße Arten in Gärten gezogen.

In der Bukett- und Kranzbinderei, besonders für Gräberschmuck viel

verwendet werden die +Immortellen+, wie der französische Name

sagt „unvergängliche“ Blumen, aus der Familie der Kompositen oder

Korbblütler mit trockenhäutigen Blumenhüllblättern, die lange Zeit

nach dem Abschneiden ihre Form und ihr frisches Aussehen bewahren. Im

Deutschen bezeichnet man sie meist als +Strohblumen+, weil sie trocken

wie Stroh erscheinen. Durch diese völlig trockenhäutigen Hüllblätter

sind sie wie das ihnen sehr nahestehende, neuerdings ebenfalls als

Zierpflanze kultivierte +Edelweiß+ (~Gnaphalium leontopodium~) und

andere filzige Kräuter, mit diesem die Wärme schlecht leitenden Überzug

gegen zu starke Verdunstung an ihren von heißer Sonne beschienenen

felsigen Standorten geschützt. Die wichtigste derselben ist die

in ganz Südeuropa auf sonnigen, trockenen Felsabhängen wachsende

+gemeine+ oder +gelbe Strohblume+ oder +Gold-Immortelle+ (~Helichrysum

stoechas~) mit am Rande -- ebenfalls zum Schutze gegen zu starke

Verdunstung -- zurückgerollten, gerieben wohlriechenden Blättern und

goldgelben Blüten. Wegen letzteren nannten sie die alten Griechen

~helichrýsos~, d. h. Sonnengold. Sie, wie auch die Römer, verwandten

sie vielfach zum Winden von sehr dauerhaften Kränzen und als Arznei.

Der griechische Arzt Dioskurides (im 1. Jahrhundert n. Chr.) schreibt:

„Die Gold-Immortelle (~helíchrysos~) wird auch ~chrysánthemon~ (d. h.

Goldblume) und ~amáranton~ (d. h. die Unverwelkliche) genannt und dient

zur Bekränzung von Götterbildern. Sie wächst an trockenen, felsigen

Stellen und hat trockenen Trauben ähnliche, goldgelbe, runde Blüten.

Man gebraucht sie als Arznei, legt sie auch zwischen die Kleider,

um diese vor fressendem Gewürm zu schützen.“ Ähnlich meldet sein

Zeitgenosse, der ältere Plinius: „Die goldglänzenden, büschelweise

hängenden Blüten der Gold-Immortelle (~helichrysos~) welken nie und

dienen zur Bekränzung der Götterbilder. Namentlich hat Ptolemäus, König

von Ägypten, diese sehr sorgfältig damit geschmückt.“ 400 Jahre vor ihm

schrieb Theophrast. „Es gibt Quacksalber, welche behaupten, man erlange

einen guten Ruf, wenn man sich mit der Gold-Immortelle bekränzt und

sich dabei mit Salbe aus einem Gefäß von gediegenem Gold einreibt. Jene

Pflanze hat aber eine goldfarbene Blume, ein weißliches Blatt, einen

weißlichen, harten Stengel und eine oberflächliche, dünne Wurzel.“

In seinen Idyllen sagt der um 280 v. Chr. lebende Dichter Theokrit

aus Syrakus, der bedeutendste Dichter der alexandrinischen Periode,

ein Meister der dann von Bion und Moschos und später von Vergil

nachgeahmten bukolischen Poesie, d. h. der poetischen Darstellung des

Hirtenslebens: „Der Becher ist mit Efeu und Gold-Immortellen bekränzt“,

und „Ihr Haar war goldiger als Gold-Immortellen, ihre Brust glänzender

als der Mond“. Auch der Dichter Nikander spricht von ihr.

Zu dieser einen, im Altertum ausschließlich gebräuchlichen Strohblume

(~Helichrysum orientale~) kamen in neuerer Zeit eine Menge anderer

hinzu, so die auf den Inseln des indischen Archipels heimische

französische Immortelle, so genannt, weil sie besonders in der

Provence, dann in Erfurt kultiviert wird. Man gebraucht diese

Strohblume wie alle übrigen, auch gefärbt. Ebenso benutzt man die

Malmaison-Immortelle (~Helichrysum bracteatum~) und ~H. macranthum~

mit größeren Blüten. Beide stammen aus Australien und werden vielfach

kultiviert.

Zu den Immortellen rechnet man außerdem die südeuropäische

+Papierblume+ (~Xeranthemum annuum~) mit weißen und violetten

Blüten, welch letztere mit Säuren lebhaft rot gebeizt werden; dann

das australische ~Acroclinium roseum~ mit rosenroten und weißen und

die ebenfalls australische ~Rodanthe manglesii~ mit karminroten

Blumenblättern und gelber Scheibe. Ferner das vom Kap der Guten

Hoffnung stammende ~Helipterum speciosissimum~ mit weiß und braunen,

und ~H. corymbiflorum~ mit roten Blüten, die weißköpfige, geflügelte

Sandimmortelle aus Australien und die ostindische ~Gomphrena

globosa~ mit roten (rote Immortelle) und weißen Blüten. Weiter wird

auch ~Anaphalis margaritacea~ mit weißfilzigem Stengel, unterseits

filzigen, lineallanzettlichen Blättern und weißen Blüten als

virginische Immortelle zu Trockenbuketts benutzt. Endlich werden auch

die verschiedensten Disteln, vor allem die +Silberdistel+ (~Carlina

acaulis~) und die +Karden+ (~Dipsacus~) als Trockenblumen verwendet.

Sehr groß ist die Zahl der Kompositen, die zu Gartenzierpflanzen

erhoben wurden. Die wichtigsten derselben sind: die aus Südeuropa

stammende rote und weiße +Spornblume+ (~Centranthus~), die samtartig

schwarzrote +Knopfblume+ (~Scabiosa atropurpurea~), die neben der

violetten ~S. columbaria~ und purpurnen ~S. lucida~ kultiviert

wird, dann die ebenfalls aus Südeuropa zu uns gekommene goldgelbe

+Ringelblume+ (~Calendula officinalis~), deren Kraut zum Gelbfärben

der Butter und deren Blüten zur Verfälschung des Safrans dienen. Auch

von den +Kreuzkräutern+ (~Senecio~) werden verschiedene Arten als

Gartenzierpflanzen kultiviert, so ~Senecio cruentus~ mit purpurnen

Strahlen- und gleichgefärbten oder gelben Scheibenblüten von den

Kanarien in zahlreichen Varietäten mit großen, sehr verschiedenfarbigen

Blüten als Zimmerpflanze, dann ~S. elegans~ mit weißen oder roten

Blüten aus Afrika ebenfalls in mehreren Varietäten, ~S. kämpferi~ aus

Japan und ~S. giesebrechti~ als sehr dekorativer hoher Strauch aus

Mexiko für das Kalthaus.

Kulturgeschichte der Nutzpflanzen, Band IV, 2. Hälfte · 第 56 / 81 段