Akelei+ mit blauen und die +kanadische Akelei+ mit scharlachroten
Blüten (~Aquilegia vulgaris~ und ~canadensis~). Letztere stammt aus
den östlichen Vereinigten Staaten und Kanada. Beide werden auch
in gefüllten Spielarten gezogen. Ihrem Safte wohnen betäubende
Eigenschaften inne; doch werden sie nicht medizinisch verwendet. Dies
ist jedoch beim +Schwarzkümmel+ (~Nigella sativa~) der Fall, der aus
Südeuropa als Heilpflanze zu uns kam und nach den Verordnungen Karls
des Großen in den Gärten seiner Meierhöfe angebaut werden sollte. Wie
damals wurden schon im Altertum seine wohlschmeckenden Samen ins Brot
geknetet. Die Pflanze hieß bei den Griechen ~melánthion~ und bei den
Römern ~git~ und wurde gegen mancherlei Übel gebraucht. Gleicherweise
stammt aus den Mittelmeerländern die ihr nahe verwandte +Jungfer im
Grünen+ oder +Gretel im Busch+ (~Nigella damascena~), die häufig in
Bauerngärten gefunden wird, wie auch die verschiedenen +Adonisröschen+
(~Adonis flammea~ u. a.). Oft auch finden sich in Stadtgärten zur
Einfassung der Blumenbeete oder an Felspartien die blauen, selten roten
oder weißen +Leberblümchen+ (~Hepatica triloba~), die den Vorzug haben,
zu unsern ersten Frühlingsboten zu gehören. Wegen ihrer leberförmigen
Blätter wurde die Pflanze früher als Heilmittel gegen Leberleiden
verwendet.
Von den eigentlichen Anemonen ist vor allem die +Gartenanemone+
(~Anemone coronaria~) zu nennen, die in Südeuropa und im Orient
heimisch ist und große, dunkelrote oder weiße Blüten besitzt. Schon der
griechische Arzt Dioskurides unterschied die wilde ~anemṓnē~ von der
zahmen, in Gärten gepflanzten und sagt, letztere habe scharlachrote
Blüten, während die wilde weiße oder purpurrote Blüten besitze.
„Beide dienen als Arznei.“ Dem fügt sein Zeitgenosse Plinius bei, daß
die Anemonen (~anemone~) außerdem zu Kränzen dienen, wie auch die
Adonisröschen (~adonion~, von ~Adonis autumnalis~). In der Gegenwart
werden die Gartenanemonen in zahlreichen Varietäten mit großen
dunkelroten, blauen oder weißen Blüten, namentlich in Holland als
Zierpflanzen kultiviert. Ihr Wurzelstock wird nach dem Verblühen aus
der Erde genommen und bis zum Frühjahr trocken aufbewahrt. Ebenfalls
als Zierpflanzen geschätzt sind: die Sternanemone (~Anemone hortensis~)
aus Istrien und Italien, die ~Anemone fulgens~ mit scharlachroten
Blüten aus dem Mittelmeergebiet, die Pfauenanemone aus Südfrankreich
mit großen, aus 10-12 lanzettförmigen, spitzen, schmalen, feurig
karminroten Blumenblättern bestehenden Blüten, dann von ausländischen
die japanische Anemone mit rosa und weißen Blüten, deren bekanntester
Abkömmling die prächtige Honorine Joubert ist, und besonders die
großblütigen, in satten Farben von Rot bis Violett und Weiß prangenden
Himalajaanemonen, die die Zierde unserer Gärten bilden und leicht zu
ziehen sind.
An die Ranunkeln schließen sich die Mohnblütigen an, unter denen
neben +Klatschrose+ und +Schlafmohn+ in den mannigfaltigsten Farben
und mit gefüllten Blüten besonders der morgenländische Mohn (~Papaver
orientale~) als Zierpflanze unserer Gärten kultiviert wird. Letzterer
trägt auf dem bis 1 m hohen, borstigen Stengel nur eine bis 13 cm
im Durchmesser haltende scharlachrote, oft im Grunde mit schwarzblauem
Kreuze bezeichnete Blüte. Bescheidener als sie sind die ebenfalls als
Zierpflanzen kultivierten +Nachtviolen+, die eigentliche Nachtviole
(~Hesperis tristis~) mit schmutziggelben, purpurrot geaderten Blüten,
die abends herrlich duften -- sie wird in Südeuropa wegen der als
treffliches Viehfutter dienenden Blätter und ölreichen Samen angebaut
-- und die Gartennachtviole oder Matronale (~H. matronalis~) -- von den
Gärtnern auch ~Viola matronalis~, d. h. Frauenveilchen, genannt --,
deren rote, lila oder weiße, wohlriechende Blüten häufig gefüllt sind.
Vielfach ist sie aus den Gärten entwichen und verwildert.
Diesen nahe verwandt sind die +Levkojen+, die ihren Namen vom
griechischen ~leukóion~, d. h. Weißveilchen (~leukós~ weiß und ~íon~
Veilchen), ableiten. Unter dieser Bezeichnung verstanden die alten
Griechen die an den Mittelmeerküsten wild wachsende +Winterlevkoje+
(~Matthiola~ -- nach dem 1500 in Siena geborenen und 1577 in Trient
gestorbenen kaiserlichen Leibarzt in Wien Peter Andreas Matthiolus
so genannt -- ~incana~, d. h. die weißlichgraue), die wegen ihrer
wohlriechenden Blüten geschätzt wurde. Theophrast im 4. Jahrhundert
v. Chr. sagt von ihr: „Die Leukoje (~leukóion~) erscheint von den
schöneren Blumen zuerst, und zwar schon im Winter, wenn die Luft mild
ist. Sie dauert gewöhnlich drei Jahre, wird im Alter kleiner und bringt
dann weißere Blumen hervor.“ Vergil (70-19 v. Chr.) bezeichnet sie in
einer seiner Eclogen als ~paliens viola~, d. h. bleiche Viole, und
Dioskurides im 1. Jahrhundert n. Chr. sagt von ihr: „Die Levkoje ist
allgemein bekannt, sie hat verschieden gefärbte, weiße, gelbe, blaue
und purpurrote Blüten. Die gelbblütige ist als Arznei im Gebrauch.“
Ebenso mannigfaltig gefärbt sind die Blüten der etwas größeren,
gleichfalls in Südeuropa heimischen +Sommerlevkoje+ (~Matthiola
annua~), die einjährig ist und wegen ihrer schönen, wohlriechenden
Blüten eine der beliebtesten Topfpflanzen bildet. Außer Sommer- und
Winterlevkojen in mehreren Klassen unterscheidet man auch mehrjährige
Levkojen, von denen manche Sorten mehr als zwei Jahre dauern und
strauchartig werden, dabei jedoch an Schönheit verlieren. Man zieht sie
deshalb jedes Jahr neu heran und behandelt sie wie zweijährige. Die
Levkojenkultur ist ein wichtiger Zweig der Handelsgärtnerei und wird
besonders in Erfurt stark betrieben.
Die gelbe Viole (~viola~) der Alten, von der die antiken Dichter, so
besonders Ovid und Vergil, häufig sprechen, die in besonderen Feldern
(~violaria~) kultiviert wurde und zu Kränzen gewunden auf den Markt
kam, ist unser +Goldlack+ (~Cheiranthus cheiri~ -- letzteres Wort,
das auch in der ersten Hälfte des Gattungsnamens enthalten ist, ist
die arabische Bezeichnung der Pflanze, die „Kraut mit wohlriechenden
Blüten“ bedeutet). Die Stammpflanze findet man an steinigen Stellen der
Küsten Griechenlands häufig wild. Sie wurde wegen ihrer wohlriechenden
Blüten sehr frühe in die Gärten herübergenommen und bildet bis auf
den heutigen Tag eine beim gemeinen Volke sehr beliebte Zierpflanze.
Ursprünglich nur mit braunen und violetten Blüten begabt, hat man
aus ihr sehr verschieden gefärbte Varietäten, auch mit gefüllten
Blüten, erzielt. Mit den Levkojen wurde sie auf eine sehr hohe
Stufe blumistischer Vollkommenheit gebracht und nimmt unter allen
Sommerblumen eine sehr wichtige Stellung ein. Auch sie wird besonders
in Erfurt angepflanzt.
Zum Unterschied vom weißen Veilchen, der Levkoje, nannten die alten
Griechen das +wohlriechende Veilchen+ (~Viola odorata~) schwarzes
Veilchen (~mélan íon~). In den Geoponika sagt ein griechischer Autor:
„Das Veilchen (~íon~) hat seinen Namen Ion daher bekommen, daß die
Erde es zu Ehren der von Zeus geliebten Jungfrau Io erschuf.“ Bei den
Hellenen war es das Symbol der jährlich wieder auflebenden Erde und der
jungen Freundschaft. Nach der Sage wurde die Tochter des Atlas, als
sie sich vor Apollon verbarg, in ein Veilchen verwandelt. Mit Veilchen
und Rosmarin wurden im Mai die Bildnisse der Hausgötter geschmückt
und verzierten die Bacchantinnen ihre Thyrsosstäbe. Unter allen
Griechen hatten die Athener eine besondere Vorliebe für diese Blume.
Mit Veilchen bekränzten sie sich und mit Veilchenwasser parfümierten
sie sich; deshalb hieß die Stadt bei den Alten „das veilchenduftende
Athen“. Um dem großen Bedarf zu genügen, wurden Veilchen in der
Umgebung Athens im großen kultiviert. Theophrast (im 4. Jahrhundert
v. Chr.) sagt: „Das Veilchen blüht, wenn es gut gepflegt wird, das
ganze Jahr hindurch.“ Der Komödiendichter Aristophanes (455-387
v. Chr.) sagt an einer Stelle seiner Acharner: „Früher nannte man
die Athener veilchenbekränzt (~iostéphanos~).“ Außer Varro (116-27
v. Chr.) spricht Vergil (70-19 v. Chr.) von Veilchenbeeten
(~violarium~), und letzterer sagt, sie müssen naß gehalten werden.
Columella im 1. Jahrhundert n. Chr. schreibt: „Veilchen (~viola~)
werden auf gut gedüngtem und gegrabenem Boden gezogen. Man setzt
Pflanzen vom vorigen Jahre in fußweite Gruben vor Anfang März. Übrigens
sät man den Veilchensamen entweder im Frühjahr oder im Herbst.“ Sein
Zeitgenosse Plinius sagt in seiner Naturgeschichte: „Das purpurne
Veilchen (~viola purpurea~) wächst an sonnigen und magern Stellen
wild, wird aber auch in Gärten aus Pflanzen gezogen. Man setzt
Veilchenkränze gegen Rausch und Schwere des Kopfes auf.“ Wie in den
reichen Griechenstädten, wurde auch im Rom der Cäsaren gelegentlich
ein großer Luxus wie mit anderen, so auch mit diesen Blumen getrieben.
So berichtet Älius Lampridius in seiner Biographie des Heliogabalus
(geb. 201, regierte 218-222): „Kaiser Heliogabalus ließ manchmal zum
Spaß über Gäste, die bei ihm schmausten, Veilchen (~viola~) und andere
Blumen in solcher Menge schütten, daß mehrere sich aus der Masse nicht
herausarbeiten konnten und erstickten.“
Im Mittelalter wurde das bescheidene Veilchen zwar gelegentlich
von Dichtern erwähnt, doch spielte es als Gartenpflanze eine sehr
unbedeutende Rolle. In der Neuzeit hat besonders Napoleons I. erste
Gattin Josephine es als ihre Lieblingsblume und ihren bevorzugten
Schmuck zu Ehren gezogen. Bei ihrer Hochzeit im Jahre 1796 mit dem
genialen, um 6 Jahre jüngeren Korsen, genügte ihr ein Veilchenstrauß,
und mit Veilchen war ihr Hochzeitsrock bestickt. Zu jeder Wiederkehr
dieses glücklichen Tages wünschte sie sich Veilchen als Festgeschenk
aus ihres Mannes Hand, und selbst im Donner der Schlachten vergaß
dieser nicht, für die Erfüllung dieses Wunsches zu sorgen, auch
dann, als er die Kaiserkrone trug. Als jedoch 1809 das bittere Wort
der Scheidung ausgesprochen war und die zu solch unerhörtem Glanze
emporgestiegene Tochter des einstigen Kapitäns von Martinique aus
Staatsraison der österreichischen Prinzessin Marie Luise weichen mußte,
blieben die Veilchen von Bonapartes Hand aus. Und als die gedemütigte
Frau am 29. Mai 1814 in Malmaison starb, lag auf ihrem Sarge im
Gartensaal unter Rosen und Zypressen ein frischer Veilchenstrauß
auf weißseidenem Kissen. 60 Jahre später schmückte Josephinens
Lieblingsblume, die inzwischen zum Sinnbild der Napoleoniden geworden
war, in unzähligen prachtvollen Sträußen und Kränzen ein anderes
Totenlager in Cambdenhouse zu Chiselhurst als letztes Lebewohl, das
dem dritten Napoleon von seinen Anhängern aus Frankreich nachgerufen
wurde. Das Veilchen war auch ein Liebling Goethes, der sich im Frühjahr
auf seinen Spaziergängen in Weimars Umgebung gern mit ihm schmückte.
Stets trug der Dichterfürst Veilchensamen bei sich, um ihn zu Seiten
des Wegs auszustreuen; und die Erde erwies sich dankbar für die Gabe
des Poeten und ließ den bescheidenen Frühlingsboten überall, wo er
gestreut ward, aufsprießen, damit sich die Vorübergehenden an ihm
erfreuen konnten. Zu der einfachen Sorte gewann man im Laufe des 19.
Jahrhunderts auch gefüllte und immerblühende Arten, ebenso solche mit
roten und weißen Blüten. Auch praktischen Zwecken wurden sie dienstbar
gemacht. Man benutzt sie zur Bereitung von Veilchensirup, Creme, Gelee,
Gefrorenem, feinem Backwerk, auch werden sie überzuckert gegessen und
in der Parfümerie verwendet. Doch wird das meiste Veilchenparfüm nicht
aus ihnen, sondern aus der Veilchenwurzel -- der früher besprochenen
Schwertlilie -- gewonnen.
Aus dem zwei- bis dreifarbigen Ackerveilchen (~Viola bicolor~ und
~tricolor~), das auf Äckern und Brachen gemein ist, hat die Kunst
zuerst der englischen Gärtner die äußerst mannigfaltig gefärbten,
großblütigen, fast das ganze Jahr hindurch blühenden +Stiefmütterchen+
oder +~Pensées~+ gezogen, die mit ihren zahllosen Spielarten
einen nicht unbedeutenden Handelsartikel der Kunstgärtner bilden.
Das dreifarbige wilde +Stiefmütterchen+ (~Viola tricolor~) mit
mannigfach variierenden Blüten, bei denen alle oder nur die oberen
Blumenblätter violett oder blaßblau und die übrigen oder alle gelb
sind, findet sich in ganz Europa, Nordafrika, Kleinasien, Sibirien
und Nordamerika. Seine Kultur als Gartenzierpflanze kam erst im 19.
Jahrhundert in England auf. Man kultiviert jetzt sehr großblütige
Varietäten, auch Bastarde mit ~Viola altaica~, ~Viola lutea~, dem
gelben Veilchen, das auf Galmeiboden variiert, und ~Viola cornuta~
als beliebte Gartenstiefmütterchen und unterscheidet grundfarbige,
gestreifte, weißrandige, goldrandige, fünffleckige (Odier), Cassier-,
Riesen- oder Trimardeau-~Pensées~. Diese Samtveilchen spielen in
England und Frankreich dieselbe Rolle wie das Vergißmeinnicht in
Deutschland und dienen besonders zum Schmucke der Gräber. Alle diese
hochkultivierten, großblütigen Formen hat natürlich weder das Altertum,
noch das Mittelalter gekannt; es sind ganz moderne Neuschöpfungen der
Gärtnerkunst, die uns beweisen, wie Großes durch Zuchtwahl und Kreuzung
geleistet werden kann. Die im Umriß dreieckige Blume der Stammpflanze
mit leuchtend gelbem, von schwarzen Strahlen durchzogenem Saftmal galt
im Mittelalter als Symbol der Dreieinigkeit. Seit dem 16. Jahrhundert
wird das Kraut des wilden Stiefmütterchens bei Hautausschlägen
verwendet, sei es zu Umschlägen, sei es innerlich als Tee. Da es
nachgewiesenermaßen Salizylsäure enthält, ist dies durchaus zweckmäßig
und recht wirksam.
Eine neuerdings in Mode gekommene Warmhaus- und Zimmerpflanze,
die wie die Gloxinien kultiviert wird und sich leicht durch
Blattstecklinge fortpflanzen läßt, ist das zu den Gesnerazeen gehörende
+Usambaraveilchen+ (~Saintpaulia ionantha~), eine in Felsspalten der
Usambaraberge in Deutsch-Ostafrika wachsende, ausdauernde, niedrige
Pflanze mit dicken, fleischigen Blättern und blauvioletten Blüten mit
dottergelben Staubgefäßen. Von den eigentlichen +Gesnerien+ -- nach dem
schweizerischen Naturforscher Konrad Gesner in Zürich (1516 bis 1565)
so genannt -- mit knolligen Wurzelstöcken, gezahnten Blättern und meist
sehr schönen, scharlachroten, röhrenförmigen, fünflappigen Blüten,
sämtlich im tropischen Südamerika, besonders in Brasilien heimisch,
werden verschiedene, so vor allem ~Gesnera magnifica~ und ~cardinalis~
in mehreren Varietäten, in Warmhäusern und auch im Zimmer kultiviert.
Ebenso werden von der Gesnerazeengattung ~Achimenes~ mit 25 Arten mit
meist roten bis violetten Blüten im tropischen Amerika mehrere, wie
besonders ~A. grandiflora~ mit purpurnen oder violetten Blüten, ~A.
mexicana~ mit großen blauen oder purpurroten Blüten, ~A. amabilis~ und
~tubiflora~ mit violetten Blüten bei uns in Warmhäusern ähnlich den
ihnen nahe verwandten Gloxinien kultiviert. Durch Kreuzungen sind aus
ihnen verschiedene dankbare Gartenpflanzen erzielt worden.
Den Gesnerazeen nahe stehen die Akanthazeen oder Bärenklaugewächse,
von denen der südeuropäische +echte Bärenklau+ (~Acanthus mollis~)
dadurch bekannt ist, daß die malerische Form seiner 50 cm langen
und 16-26 cm breiten, buchtiggelappten und gezähnten Blätter dem
genialen griechischen Bildhauer Kallimachos das Motiv zum Schmucke
des korinthischen Kapitäls gaben. Er wurde schon im Altertum zur
Einfassung der Gartenbeete benutzt. Vergil sagt: „Der Akanthus bildet
eine Zierde der Gärten;“ ähnlich drückt sich der ältere Plinius aus,
der dazu bemerkt, er werde an den Rand erhabener Beete gepflanzt.
Wurzel und Blätter dienten als Arznei. Eine in den Tropen der Alten
Welt, namentlich in Afrika, heimische Gattung der Akanthazeen sind
die +Thunbergien+, von denen viele Arten mit violetten oder blauen
Blüten bei uns in Warmhäusern kultiviert werden. ~Thunbergia alata~ aus
Südostafrika dagegen kann einjährig in freiem Lande kultiviert werden.
Sie klettert 1,5 m hoch und hat gelbe, schwarzgefleckte Blüten.
Unter den Resedagewächsen ist außer dem an Ackerrändern und auf
Schutthalden verbreiteten +gelben Wau+ (~Reseda lutea~) der +Färberwau+
(~Reseda luteola~) mit kleinen, gelblichweißen Blüten in Mitteleuropa
heimisch. Letzterer wurde schon von den neolithischen Pfahlbauern zum
Gelbfärben benutzt und zu diesem Zwecke im Altertum und Mittelalter
angepflanzt. Heute wird er zu diesem Zwecke nur noch in England
und Holland kultiviert. Der als Topf- und Gartenzierpflanze häufig
kultivierte wohlriechende Wau oder die +Gartenreseda+ (~Reseda
odorata~) ist ein Import aus Nordafrika. Sie erschien plötzlich um
die Mitte des 18. Jahrhunderts und verbreitete sich innerhalb weniger
Dezennien durch ganz Europa und überall, wohin europäische Kultur
vorgedrungen ist. Die Zeichen ihrer großen Beliebtheit finden sich
in der französischen Bezeichnung ~mignonette~, das als ~miglionet~
ins Italienische, als ~miñoneta~ ins Spanische und auch ins Englische
überging. Ihre so geheimnisvolle Herkunft wurde erst 1887 durch die
botanische Forschungsreise von Taubert nach der Cyrenaica, der sie
dort wildwachsend fand, aufgeklärt. Wegen ihres Wohlgeruches wurde sie
teilweise schon von den alten Ägyptern, besonders aber von den dort
heimischen Arabern zu Totenkränzen benutzt. Der französische Arzt N.
Granger, der 1733 nach dem Orient ging und 1737 in Basra starb, sandte
Samen der wohlriechenden Reseda, die er in der Cyrenaica gesammelt
hatte, an die Direktion des ~Jardin du roi~, des heutigen ~Jardin
des plantes~ in Paris. Von jenem Garten aus, wo sie zuerst in Europa
gepflanzt wurde, verbreitete sie sich über die botanischen Gärten
Europas. 1753 war sie aber noch nicht nach Upsala gelangt, sonst hätte
sie Carl von Linné in der ersten Ausgabe seiner ~Species plantarum~
erwähnt. Allmählich fand sie auch in Privatgärten Aufnahme und erlangte
trotz ihrer Unansehnlichkeit wegen des lieblichen Geruches ihrer
Blüten, der langen Blütezeit und der leichten Kultur weite Verbreitung.
Es existieren von ihr zahlreiche, wenn auch wenig vom Typus abweichende
Spielarten. Bei der Destillation liefern die Resedenblüten 0,002
Prozent dunkles, festes ätherisches Öl. Für praktische Zwecke
destilliert man 1 kg Geraniol (Geraniumöl) mit 500 kg frischen
Resedenblüten und bringt das Produkt als Resedageraniol in den Handel.
Die in allen Teilen durch einen reichen Gehalt an ätherischem
Öl starkriechende +Gartenraute+ (~Ruta graveolens~) wurde schon
im Altertum als beliebtes Gewürz und magenstärkendes, Blähungen
vertreibendes Heilmittel gepflanzt. Der Geruch des Krautes ist den
Katzen und Ratten zuwider. Sie hieß schon bei den Griechen ~rúta~ und
bei den Römern im Gegensatz zur wilden Raute ~ruta hortensis~, d.
h. Gartenraute. Der griechische Arzt Dioskurides schreibt in seiner
Arzneimittellehre: „Die Bergraute und überhaupt die wilde Raute wirkt
viel heftiger als die Gartenraute, ist deshalb zum Essen unbrauchbar,
kann, in Menge genossen, sogar töten. Am besten ist diejenige
Gartenraute, die neben Feigen wächst. Die Gartenraute wird als Gewürz
und auch sehr vielfach als Arznei verwendet.“ Durch Vermittlung der
Klöster kam dann diese Heilpflanze in die Bauerngärten nördlich
der Alpen, wo sie sich teilweise bis auf unsere Tage erhielt und
stellenweise auch verwilderte.
Während die zahlreichen einheimischen und ausländischen +Geranium+arten
oder Storchschnabelgewächse nur ganz ausnahmsweise in besonders
großblütigen Arten zu Gartenzierpflanzen erhoben wurden, war dies
in hohem Maße bei den vom Kap der Guten Hoffnung zu uns gekommenen
+Pelargonien+ oder Kranichschnäbeln der Fall. Fast alle 175 Arten
derselben sind auf Südafrika beschränkt. Da viele derselben durch
prächtige Blüten, wohlriechende, schöngezeichnete Blätter, den
anhaltenden Blütenreichtum und leichte Kultur ausgezeichnet sind,
ist es kein Wunder, daß sie zu Anfang des 19. Jahrhunderts allgemein
beliebte Modeblumen wurden, die meist in Töpfen gezogen wurden. Später
wurden sie meist wieder von Kakteen, Camellien und anderen Neuheiten
verdrängt, sind aber seit einigen Dezennien durch zahllose, besonders
von England eingeführte großblütige Spielarten und Hybriden wieder
beliebter geworden. In den Bauernhäusern haben sie sich mit den Nelken
die alte Gunst bewahrt. Die strauchartigen unter ihnen sind sehr
leicht zu kultivieren, während die krautartigen mit Knollenwurzel eine
sorgfältige Behandlung erheischen.
Die Mutterpflanze unserer meist rotblühenden Pelargonien, die vom
Volke gewöhnlich als Geranien bezeichnet werden, ist das in Südafrika
heimische, in Südspanien verwilderte ~Pelargonium inquinans~ mit
strauchigem, dickem, fleischigem Stengel, kreisrund nierenförmigen,
etwas gekerbten, gleich dem Stengel filzig schmierigen Blättern und
leuchtend scharlachroten Blüten in langgestielten Dolden. Neben ihm ist
auch das als „Brennende Liebe“ bezeichnete ~Pelargonium zonale~ mit
langgestielten Dolden mit rosaroten Blüten die Mutterpflanze vieler
Gartenpelargonien. Das Zitronengeranium (~Pelargonium odoratissimum~)
mit kleinen, weißen Blüten und das Rosengeranium (~P. roseum~), eine
Abart des raspelblätterigen Geraniums (~P. radula~), die 1,6 m hoch
wird und hellrote Blüten besitzt, werden besonders in Frankreich,
Spanien, Algerien und auf der Insel Réunion zur Gewinnung des angenehm
rosenartig riechenden, farblosen bis grünlichen ätherischen Geraniumöls
im großen kultiviert. Das darin wirksame Prinzip, das Geraniol, ist,
wie früher gesagt, identisch mit dem Rhodinol, dem ätherischen Öl
der Rosen. Es dient außer zu Parfüms -- auch zum Parfümieren des
Schnupftabaks -- hauptsächlich als Surrogat und zum Verfälschen des
Rosenöls, wird aber selbst wieder mit dem ätherischen Lemongrasöl von
~Andropogon schoenanthus~ u. a. verfälscht.
Vom blumistischen Standpunkte aus unterscheidet man: 1. Die sehr
großblumigen +englischen Pelargonien+, die meist von ~P. grandiflorum~
und ~P. quinquevulnerum~ abstammen. Sie sind teilweise auch
französischen Ursprungs und umfassen außerdem die für die Topfkultur
sehr geeigneten Odierpelargonien (nach ihrem Züchter, dem Franzosen
Odier, so genannt) mit 40-60 cm hohem, holzigem Stamm und großen,
fünffleckigen Blumen. Ihnen ähnlich sind die Diadempelargonien. 2. Die
+Fancy-+ (vom englischen ~fancy~, Einbildungskraft, Phantasie) oder
+Phantasiepelargonien+ von niedrigem Wuchs, mit zahlreichen zierlichen
Blumen von unregelmäßiger Form, aber lebhafter Zeichnung. Sie wurden
meist in Frankreich gezüchtet. 3. Die +Scharlachpelargonien+, die
aus den erwähnten ~P. zonale~ und ~inquinans~ gezüchtet wurden. Sie
sind meist von robustem Wuchs, mit einförmigen, nur mit einem Auge
versehenen oder anders gerandeten, roten, rosenroten, lachsroten oder
weißen Blüten, einfach, gefüllt und buntblätterig. Zu ihnen gehören
die Nosegay- oder Straußpelargonien mit sehr großen Blütendolden. Die
Mutterpflanze der +Efeupelargonien+ (oder Efeugeranien), von denen
einige mit niederliegenden Stengeln als Ampel- und Balkonpflanzen
kultiviert werden, ist das strauchige, fast 1 m hohe ~Pelargonium
peltatum~ mit ziemlich großen, blaßroten, auch weiß und roten Blüten.
Die ersten Pelargonien wurden 1690 vom Kap nach Europa gebracht. Ihre
Kultur zur Gewinnung von ätherischem Öl begann 1847 in Frankreich
und wurde später in Algerien eingeführt. In Spanien kultiviert man
sie besonders um Valencia und Almeria. Seit Ende der 1880er Jahre
liefert die französische Insel Réunion nächst Algerien das meiste
Geraniumöl. Die knollige Wurzel des ebenfalls südafrikanischen
~Pelargonium triste~ ist eßbar.
[Illustration:
Tafel 147.
Anlegung eines Nutz- und Ziergartens durch die Schuljugend in der
Gartenstadt Port Sunlight (Südengland).
(Nach Berlepsch-Valendas, Die Gartenstadt München-Perlach.)]
[Illustration:
Tafel 148.