die +Amaryllis+arten der Neuen. Diese Pflanzenfamilie hat ihren
Namen von der vom römischen Dichter Vergil (70-19 v. Chr.) in seinen
Hirtengedichten besungenen Hirtin oder Nymphe Amaryllis, einer
griechischen Bezeichnung, die die Glänzende, Leuchtende bedeutet.
Diese amerikanischen Lilien verdienen denn auch in der Tat wegen
ihrer schönen Blüten diesen sie auszeichnenden Namen. Unter ihnen ist
besonders ~Amaryllis formosissima~ zu nennen, die in ihrem Vaterlande
Südamerika oft ganze Ebenen bedeckt und zur Zeit der Blüte einen
wundervollen Anblick gewährt. Wegen ihrer großen, gelbroten, aber
duftlosen Blüten wird sie nebst den übrigen Arten und zahlreichen,
sehr verschieden gefärbten Bastarden häufig bei uns in Töpfen
kultiviert. Durch mannigfache Kreuzungen der Wildlinge wurden von
englischen, deutschen, holländischen und amerikanischen Gärtnern wahre
Wunderblumen gezüchtet. Die hauptsächlichste Stammutter der modernen,
im Herbste blühenden Sorten ist die schon im Jahre 1777 von den Ufern
der Batafogobai nach Europa eingeführten ~Amaryllis reticulata~,
während die im Winter und Frühling blühenden Sorten von anderen Arten
abstammen. Die aus Westindien stammende ~Amaryllis belladonna~ mit sehr
giftiger Zwiebel hat Dolden von zart rosafarbigen Blüten, während die
gerade zu Weihnachten blühende ~Amaryllis tettaui~ feuerrote Blüten
besitzt. Die übrigen, zu Ausgang des Winters und im Frühling blühenden
Formen wechseln vom zartesten Rosa bis zum dunkelsten Rot. Weiße Formen
sind sehr selten und werden, obschon sie noch unvollkommen in der Form
sind, beinahe mit Gold aufgewogen. Zu den schönsten Zwiebelgewächsen
aus der Gattung der Amaryllideen gehören auch die Eucharisarten, von
denen ~Eucharis amazonica~ und ~candida~ bei uns vielfach gezogen
werden.
Häufig gezogene Gartenzierpflanzen sind ferner die +Narzissen+,
von denen die +gelbe+ oder +gemeine Narzisse+ (~Narcissus
pseudonarcissus~) mit langer, glockiger, am Rande welliger, goldgelber
Krone an der blaßgelben Blüte -- die ~jonquille~ der Franzosen --
auf Bergwiesen wild wächst und manchenorts verwildert ist. Auf
Bergwiesen Griechenlands, Norditaliens und der Schweiz -- z. B. am
Nordufer des Genfersees bei Les Avants -- wächst dagegen die +echte
Narzisse+ (~Narcissus poeticus~) mit weißer Blüte und sehr kurzer,
schüsselförmiger Krone mit feingekerbtem, scharlachrotem Rande in Menge
wild, während die ebenfalls höchst wohlriechende +Tazette+ (~Narcissus
tazetta~) in Griechenland, an der Riviera und in Südspanien in
feuchten Niederungen und die +späte Narzisse+ (~Narcissus serotinus~)
in mittleren Lagen Südeuropas heimisch ist. Beide letztgenannte
Arten tragen mehrere Blüten auf einem Stengel, sind weiß und höchst
wohlriechend; letztere unterscheidet sich von der ersteren wesentlich
dadurch, daß sie regelmäßig im Herbste blüht. Tazetta ist das
Verkleinerungswort des italienischen ~tazza~ für Tasse, Schale und
wurde dieser Narzissenart wegen der Ähnlichkeit ihrer Blüte mit einem
Täßchen gegeben. Sie wurde durch Clusius (1526-1609) 1565 am Fuße des
Berges von Gibraltar und die Jonquille mit gelben Blüten und langer,
gelber Krone ebenfalls von ihm auf den Wiesen bei Cadix und Sevilla
gefunden und dann in unsere Gärten eingeführt. In Südfrankreich
bereitet man aus den wohlriechenden Blüten der Narzissen und Tazetten
feine Parfüms.
Unter Narzisse verstanden die alten Griechen und Römer die echte
und die späte Narzisse. ~Nárkissos~ hieß nach der griechischen, uns
in den Geoponika und durch Ovids Metamorphosen erhaltenen Sage ein
schöner Jüngling, der sich durstend an einer Quelle lagerte, dabei
im Wasserspiegel sein Bild sah, von dessen Schönheit bezaubert er es
umarmen wollte, dabei ins Wasser fiel und ertrank. Die mitleidigen
Götter sollen ihn dafür in jene schöne Blume verwandelt haben.
Theophrast meint offenbar die späte Narzisse, wenn er schreibt:
„Der ~nárkissos~ wird von vielen auch ~leírion~ (Lilie) genannt. Er
trägt wie die Lilie eine weiße Blume auf dem Stengel und erzeugt in
einer häutigen Hülle eine große, schwarze, längliche Frucht. Fällt
diese ab, so wächst aus ihr eine neue Pflanze; man sammelt sie aber
auch absichtlich zum Kultivieren oder pflanzt die Wurzel. Diese
ist fleischig, rund und groß. Die Blüte erscheint erst spät, nach
dem Aufgang des Arkturos und zur Zeit der Herbst-Nachtgleiche.“
Auch Vergil spricht von ihr, wenn er in seiner Georgica sagt: „Gern
möchte ich die üppig prangenden Gärten besingen, die zweimal im Jahre
blühenden Rosenbeete (~rosarium~) in Paestum, die bewässerten Endivien
(~intybum~), den am Ufer grünenden Sellerie (~apium~), die sich im
Grase dahinschlängelnde Gurke (~cucumis~) mit ihren schwellenden
Früchten, die spät in reichlicher Fülle blühende Narzisse, die
gebogenen Acanthusblätter, den bleichen Efeu, die den Strand liebenden
Myrten.“
Dioskurides dagegen meint mit seiner Beschreibung offenbar die echte
Narzisse, von der er sagt, daß sie am schönsten auf den Gebirgen
wachse und wohlriechend sei. Die gekochte zwiebelartige Wurzel bewirke
Erbrechen, werde aber mit Honig zusammengerieben auf Brandwunden gelegt
und sonst als Arznei gebraucht. Das aus ihr für den arzneilichen
Gebrauch mit Kalmus, Myrrhe und wohlriechendem Wein hergestellte
Narzissenöl werde zu arzneilichem Gebrauche bereitet, verursache aber
Kopfweh. -- Wegen des roten Saums der Blütenkrone wurde diese Narzisse
von Vergil als ~purpureus narcissus~ und von Plinius als ~purpureum
lilium~ bezeichnet. Letzterer schreibt in seiner Naturgeschichte: „Es
gibt auch purpurfarbige Lilien, deren Stengel zuweilen doppelt, deren
Wurzel eine einzige große Zwiebel ist; man nennt sie ~narcissus~. Die
eine Art hat eine weiße Blüte mit purpurfarbigem Becher (~calyx~).
Sie unterscheidet sich dadurch von den eigentlichen Lilien, daß sie
nur an der Wurzel Blätter hat. Die besten Narzissen wachsen auf den
Gebirgen Lykiens. Bei einer dritten Art ist alles ebenso, nur der
Becher ist krautartig. (?) Alle blühen spät, nämlich nach dem Aufgang
des Arkturus und während der Herbst-Nachtgleiche.“ Letztere Behauptung
hat er kurzweg dem Theophrast nachgeschrieben, der dies nur von der
späten Narzisse aussagt. Ein Grieche bemerkt in den Geoponika, daß die
Narzisse aus der Zwiebel gezogen werde.
Unter den +Irideen+ oder +Schwertliliengewächsen+ sind vor allem
die +Schwertlilien+ selbst zu nennen. Unter ihnen haben wir die
überall in stehenden Gewässern Europas wildwachsende, 0,6-1 m hohe
+gelbe Schwertlilie+ (~Iris pseudacorus~, d. h. falscher Acorus,
weil sie vor der Blütezeit mit dem Kalmus Ähnlichkeit hat). Sie hat
große, gelbe Blüten und einen kurzen, innen rötlichen, ausdauernden
Wurzelstock mit scharfem Saft, der früher als falscher Kalmus oder
Gilgenwurzel (Gilge ist die im Mittelalter gebräuchliche Bezeichnung
für Lilie) benutzt wurde. Dann die bis 1 m hohe +blaue+ oder
+deutsche Schwertlilie+ (~Iris germanica~) mit dunkelblauen Blüten.
Sie hat ihre Heimat im Mittelmeergebiet und wurde jedenfalls schon
von den Römern über die Alpen gebracht, wuchs vermutlich auch in den
Gärtlein der mittelalterlichen Burgen, und ist nicht nur an Orten, wo
solche standen, sondern auch sonst an sonnigen Abhängen und felsigen
Örtlichkeiten, an denen es ihr warm genug ist, völlig verwildert.
Sie zählt von alters her zu den beliebtesten Gartenpflanzen, ist bei
aller Anspruchslosigkeit äußerst dankbar und hat sich infolgedessen
überall leicht eingebürgert. Auch in England wurde sie vor dem Jahre
1597 angepflanzt. Sie hat mit der Zeit zahlreiche Spielarten mit
dunkelvioletten, bläulichweißen, hellgelben und andern Blumenblättern
hervorgehen lassen und findet vielfach zur Ausschmückung von Böschungen
Verwendung.
[Illustration:
Tafel 143.
Beet verschiedenfarbiger Schwertlilien in einem japanischen Garten bei
Tokio.]
[Illustration: Eine Chrysanthemum-Ausstellung im kaiserl. Palast in
Tokio.]
[Illustration:
Tafel 144.
Unter einer blühenden japanischen Glycine.]
[Illustration: Mit Blumen geschmückte japanische Sänfte.]
Ebenfalls in Südeuropa wie auch im Orient heimisch ist die +bleiche
Schwertlilie+ (~Iris pallida~) mit blaßvioletten, wohlriechenden
Blüten und die +florentinische Schwertlilie+ (~Iris florentina~) mit
weißen, an der Basis braun geaderten, wohlriechenden Blüten. Der
knollige Wurzelstock dieser drei Arten kommt als angenehm duftende
„Veilchenwurzel“ in den Handel. Zu dessen Gewinnung werden besonders
die blaue und bleiche Schwertlilie in Italien, speziell in Toskana
um Florenz herum, auf Hügeln oder an Bergabhängen zwischen Weinbergen
kultiviert. Nach drei Jahren wird der fleischige Wurzelstock
geschnitten, geschält, gereinigt und an der Sonne getrocknet. Dadurch
bekommt der frisch widerlich riechende und scharf bitter schmeckende
Wurzelstock einen angenehmen veilchenartigen Geruch und milden
Geschmack. Sein riechendes Prinzip Iron ist identisch mit dem Jonon
der Veilchenblüten. Es ist also der Name Veilchenwurzel sehr wohl
angebracht. Sie diente früher als Amulett gegen die Pest, während man
jetzt aus ihr Rosenkränze und kleine Schmucksachen schnitzt, Stäbchen
zum Daraufbeißen für zahnende Kinder schneidet und sie zur Herstellung
von Zahnpulver, Brusttee, Pulver zum Bestreuen von Pillen und
Aromatisieren von Haarpudern verwendet. Im Orient dient der gepulverte
Wurzelstock zum Schminken, indem die darin enthaltenen spitzigen
Kristallnadeln von kleesaurem Kalk beim Reiben die Haut für kurze Zeit
entzündlich röten. Aus den Abfällen der Wurzel destilliert man ein
ätherisches Öl.
Schon bei den alten Griechen und Römern fand die Veilchenwurzel
arzneiliche Verwendung. Theophrast sagt von ihr: „Es gibt eine
wohlriechende ~íris~, die in Illyrien besser ist als in Makedonien;
in Thrakien und kälteren Ländern hat sie gar keinen Geruch. -- Die
Heilpflanzenverkäufer und Wurzelgräber geben die Vorschrift, man
solle beim Ausgraben der wilden Iris einen aus Mehl von Sommerweizen
und Honig gebackenen Kuchen der Erde zur Belohnung geben; man solle
ferner drei Kreise mit einem zweischneidigen Schwerte beschreiben, das
zuerst abgeschnittene Stück der Wurzel in die Höhe halten und dann
erst das übrige ausgraben.“ Dioskurides teilt mit, daß die Pflanze den
sonst dem personifizierten Regenbogen zukommenden Namen Iris von der
Vielfarbigkeit ihrer Blüten erhielt, „die entweder weiß oder blaßgelb
oder quittengelb oder purpurfarbig oder blau sind. Die wohlriechenden
Wurzeln werden zerschnitten, im Schatten getrocknet und, an Fäden
aufgereiht, aufbewahrt. Die beste Iriswurzel kommt aus Illyrien und
Makedonien, und von dieser sind diejenigen die besten, die dicht, zäh,
blaßgelb, sehr wohlriechend und von brennendem Geschmack sind, auch
müssen sie, während sie gestampft werden, Nießen erregen. Die libysche
ist kraftloser, weiß, von bitterem Geschmack. Alle werden, wenn sie
altern, von Würmern durchfressen, riechen aber dann noch besser;
man gebraucht sie gegen vielerlei Leiden.“ Auch Plinius bespricht
die Iris in seiner Naturgeschichte ausführlich und sagt, die beste
Iriswurzel wachse in Illyrien, nicht an der Küste, sondern im Innern;
ihr nahe komme die makedonische und zuletzt komme die afrikanische,
die die größte ist und am bittersten schmeckt. „Auch die pisidische
ist brauchbar. Leute, welche Iriswurzeln sammeln, begießen sie drei
Monate vorher mit Honigwasser, um durch diese Opfer die Erde zu
versöhnen. Dann ziehen sie um die Iris mit der Spitze eines Schwertes
einen dreifachen Kreis und, haben sie dieselbe herausgenommen, so
heben sie sie sogleich zum Himmel empor. Sie ist von Natur hitzig und
erzeugt beim Anfassen eine Art Brandflecken. Früher wurde das beste
Irisöl (~irinum~) auf der Insel Leukas und in Elis bereitet, wo man
die Iris seit langer Zeit zu diesem Zwecke anpflanzt. Jetzt bekommt
man auch vortreffliches aus Pamphylien, Kilikien und aus dem Norden.
-- Man bindet den Kindern zum Schutz gegen Krankheit eine Iriswurzel
um, vorzüglich, wenn sie Zähne bekommen oder am Husten leiden; auch
kaut man die Wurzel, um den Geruch des Atems zu verbessern, braucht
sie ferner gegen viele Übel. Beim Sammeln wird die Vorschrift
beobachtet, daß man sie mit der linken Hand ausreißt und dabei sagt,
welchen Menschen und welche Krankheit man damit heilen will. Die
Kräutersammler verfahren übrigens beim Sammeln der Iris und einiger
anderer Pflanzen, z. B. des Wegerichs (~plantago~), ganz heimtückisch.
Sie behalten nämlich einen Teil der Pflanze zurück und graben ihn
wieder am Fundorte ein, wenn sie schlecht bezahlt werden, gewiß, um
so die Krankheit, welche durch die Pflanze geheilt wurde, wieder zum
Ausbruch zu bringen.“ Endlich wird in den Geoponika gesagt: „Die
illyrische Iris wird vom Januar bis zum April in Gärten gezogen, indem
man Wurzelsprossen von alten Stämmen trennt und einpflanzt.“
Neben diesen werden noch viele andere Arten von Schwertlilien in
unseren Gärten gezogen, so die ebenfalls aus den Mittelmeerländern
zu uns gekommene +bunte Schwertlilie+ (~Iris variegata~) mit gelben,
dunkelviolett geaderten Blüten, die +englische Schwertlilie+ (~Iris
anglica~) mit wohlriechenden, weißen Blüten, an deren Grunde sich
blaue oder purpurrote Flammen und Flecken befinden, die ähnlich
gezeichnete, nur noch farbenreichere +spanische Schwertlilie+ (~Iris
hispanica~), die +Zwergschwertlilie+ (~Iris pumila~) mit niedrigem
Stengel und dunkelvioletten Blüten, die in zahlreichen Varietäten
besonders zur Einfassung von Blumenbeeten verwendet werden. Ferner die
+sibirische Schwertlilie+ (~Iris sibirica~) mit schmalen Blättern und
hellblauen, violett geaderten Blüten, die auch in mehreren Varietäten
besonders in feuchtem Boden kultiviert wird. Gleichfalls viel Wasser
verlangt die prächtige, große Blüten besitzende ~Iris laevigata~
aus Sibirien und Japan und die ~Iris kämpferi~ aus Japan, die eine
besondere Ähnlichkeit mit unserer gelben Schwertlilie aufweist. Beide
wurden in verschiedenen Varietäten bei uns eingeführt und können,
da sie auch bei uns winterhart sind, zur Einfassung von Teichen und
Wasserläufen sehr empfohlen werden. Im Jahre 1830 kam aus Persien
die düstere, fast schwarzblühende ~Iris susiana~ und später aus dem
Kaukasus die ~Iris iberica~ zu uns. Alle diese Schwertlilienarten
lieben die Sonne, die für ihr reichliches Blühen unerläßlich ist. Neben
den bunteren Schwestern behauptet immer noch die mit am reichsten
blühende, in ihren Ansprüchen äußerst bescheidene deutsche Schwertlilie
eine wichtige Stellung unter dem Schwertlilienflor. In den alten
Sorten ziert sie die prunkvollen Herrschaftsgärten so gut wie die
bescheidenen Bauerngärtchen, in denen sie neben Rose und weißer Lilie
zum althergebrachten eisernen Bestande gehört. Besonders schön macht
sie sich in einer größeren Gruppe im grünen Rasen oder am Gebüschrande.
An die Irisarten schließen sich als deren nächste Verwandte die
+Gladiolen+ an, von denen die meisten Arten in Südafrika heimisch
sind. Ihr wichtigster südeuropäischer Vertreter ist die +Siegwurz+
(~Gladiolus communis~), die 1 m hoch wird mit purpurroten, weißen
oder fleischfarbigen Blüten. Siegwurz heißt sie, weil ihr süßlicher,
schwach veilchenartig riechender Zwiebelknollen unter dem Namen
Siegwurz oder Allermannsharnisch zum Heilen von Wunden und besonders
als Amulett gegen Verwundung besonders von den Soldaten getragen wurde.
Die wichtigsten, der abgeschnitten zu Bucketts und als Einzelpflanzen
in Vasen höchst beliebten modernen bunten Spielarten stammen von
~Gladiolus cardinalis~ mit scharlachroten Blüten und ~Gladiolus
psittacinus~ mit scharlachroten und gelben Blüten. Beide stammen aus
Südafrika und ergaben durch Kreuzung eine große Zahl von Hybriden. Eine
solche, besonders reichblühende und farbenprächtige Varietät sind die
von Van Houten in Gent gezüchteten +Genter Gladiolen+, die zunächst,
als von wärmeliebenden Eltern stammend, noch nicht bei uns winterhart
waren, bis sie es durch Kreuzung mit einer von William Bull 1870
eingeführten winterharten Varietät aus Natal wurden. Sie waren aber
gleichwohl wegen verschiedener Schönheitsfehler noch minderwertig und
konnten deshalb nicht direkt als Zierpflanzen verwendet werden. Dies
war erst möglich, als Lemoine in Nancy durch Kreuzung dieser Hybriden
mit der schönen südafrikanischen ~Gladiolus sandersi~, die nicht nur
winterharten, sondern auch buntgefärbten +Nancyer Gladiolen+ mit
auffallend großen, punktierten Blumenblättern züchtete. Sie können nun
im freien Lande kultiviert werden, ohne daß ihre Knollen herausgenommen
und wie noch diejenigen der Genter Gladiolen in frostfreiem Raume
überwintert werden müssen.
Der +eßbare Schwertel+ (~Gladiolus edulis~) in Südafrika hat eine
fast zusammengesetzte Blütenähre mit schönen Blüten und eßbaren
Zwiebelknollen. Die Zwiebeln des als Feldunkraut unter Getreide in
Südeuropa häufig anzutreffenden ~Gladiolus segetum~ mit 4 cm langen
purpurroten, rachenförmigen Blüten -- dem ~Xíphion~ der alten Griechen
und dem ~gladiolus~ der alten Römer, beides „Schwertchen“ wegen der
schwertförmigen Gestalt der aufrechtstehenden Blätter bedeutend --
diente im Altertum als Arznei und wurde zu Theophrasts Zeit mit Mehl
verbacken gegessen. Plinius sagt von ihr: „Man gräbt sie vor der Ernte
aus und trocknet sie zum Arzneigebrauch im Schatten.“
Wegen ihren bunten Farben als Gartenzierpflanzen sehr beliebte
Frühlingsblumen sind die in über 30 Spielarten gezogenen +Crocus+arten,
die zumeist Abkömmlinge des auf Bergwiesen Südeuropas wildwachsenden
+Frühlingssafrans+ (~Crocus vernus~) sind. Schon bei Homer wird der
Crocus erwähnt, indem es in der Ilias heißt: „Als Zeus sich auf dem
Berge Ida lagerte, ließ die Erde unter ihm frisches Gras, betauten
~lotós~-Klee, ~krókos~ und ~hyákinthos~ dicht und weich emporwachsen.“
Varro schreibt: „Im Herbste pflanzt man im Garten Lilien und Crocus“,
und Vergil in seiner Georgika: „Abends kehren die arbeitssamen Bienen
zum Stocke zurück; ihre Beine sind belastet mit Pollen vom Thymian,
auch suchen sie Nahrung am Erdbeerbaum (~arbutus~) an den grauen Weiden
(~salix~), an ~casia~ (wahrscheinlich einer Daphne-[Seidelbast-]Art),
rötlichem Crocus, fetten Linden (~tilia~), rostbraunen Hyazinthen.“
Columella schreibt in seinem Buche über Landbau: „In den Gärten
suchen die Bienen Nahrung an weißen Lilien, auch pflanzt man für sie
Zwiebelknollen von korykischem und sizilischem Crocus (Safran).“
Auf der Balkanhalbinsel, wo meist ~Crocus sativus~, der Safran, zur
Gewinnung der Blütennarben kultiviert wird, werden seine Knollen
roh und geröstet gegessen, wie in den Steppen Westasiens diejenigen
der dort wildwachsenden weißen Lilie. Solche eßbare Zwiebeln haben
auch ~Ixia bulbifera~ und ~I. crocata~, schönblühende Verwandte des
Crocus, von denen bei uns über 20 Arten, meist vom Kap der Guten
Hoffnung, in den mannigfachsten Farben kultiviert werden, dann der
+bermudische Schweinsrüssel+ (~Sisyrinchium bermudianum~), eine
beliebte Gartenpflanze von den Bermudasinseln mit violettblauen, im
Schlunde gelben Blüten und ~Haemodorum panniculatum~ Australiens,
dessen blutrote, scharfe Zwiebeln von den Eingeborenen geröstet gerne
verspeist werden. Endlich ist noch als letzte der Amaryllideen die
+rote Tigerlilie+ Mexikos zu nennen, die nach dem gelehrten Jesuiten
Giov. Battista Ferrari (1584-1653), der auch mehreres über Botanik
schrieb, ~Ferraria tigrina~ genannt wurde. Wegen ihrer prachtvollen,
innen scharlachroten, schwarzrot getigerten oder marmorierten Blüten
wird sie nicht selten in Gewächshäusern gezogen.
Unter den Liliazeen sind noch die in 16 Arten im Kapland, in Ostafrika
und in Madagaskar heimischen +Tritoma+arten zu nennen, von denen
mehrere wegen ihren schönen Blütenähren bei uns als Zierpflanzen
kultiviert werden, zum Teil auch im freien Lande aushalten. Besonders
die über 1 m hohe ~Tritoma uvaria~ mit 30 cm langer Ähre
scharlachroter, zuletzt gelber Blüten wird in vielen Varietäten
kultiviert. Ebenso schöne Gartenzierpflanzen haben die +Tradescantien+
geliefert. Es sind dies auf Amerika beschränkte krautartige Pflanzen
mit oft rispig zusammengestellten Blüten in kurzen Trugdolden, von
denen besonders häufig die ~Tradescantia virginica~ aus den südlichen
Vereinigten Staaten und aus Mexiko mit violettblauen Blüten, weil
winterhart, in unseren Gärten angetroffen wird. Viel empfindlicher ist
~Tr. discolor~ aus Brasilien mit weißen Blüten, die als Topfpflanze im
Zimmer gezogen wird. Als Ampelpflanzen dienen dagegen ~T. guianensis~
mit langen, hängenden Zweigen und selten erscheinenden weißen Blüten
und die ihr ähnliche, nur etwas empfindlichere ~T. zebrina~ mit
braunen, silberigweiß gestreiften Blättern.
Ebenfalls aus dem tropischen und subtropischen Amerika kamen die
verschiedenen +Canna+arten als beliebte Blattdekorationspflanzen, die
in Töpfen im Kalthause überwintern und im Frühjahr zu Gruppen ins
freie Land gesetzt werden, zu uns. Die älteste, schon im Jahre 1570
in Europa eingeführte und am meisten gepflanzte Art ist die 1,5-2,5 m
hohe ~Canna indica~ mit roten Blüten, deren erbsengroße, schwarze,
harte Samen zu Rosenkränzen und Halsbändern benutzt werden. Zu ihr
kamen erst im 19. Jahrhundert auch gelbe und buntgefärbte Arten, von
denen der Blumenzüchter Crozy in Lyon (Depart. Hyères) die wichtigsten
seit dem Jahre 1875 einführte. Diese wurden untereinander gekreuzt,
so daß eine Menge von Spielarten vorhanden sind. Die Wurzelstöcke
müssen frostfrei überwintert werden. Im Garten gedeihen sie besonders
in sehr nahrhafter, lockerer Erde auf einer meterhohen Unterlage
von Pferdemist bei reichlicher Bewässerung. Aus dem Wurzelstock
der westindischen, in Peru Adeira genannten ~Canna edulis~, die im
nördlichen Südamerika, besonders Brasilien, aber auch sonst in den
Tropen kultiviert wird, bereitet man das westindische Arrowroot. Auch
von anderen Arten wird der Wurzelstock als Gemüse gegessen. Mit den
verschiedenen Cannaarten wird meist die Rizinusstaude und werden einige
kleine Bananen, wie die seit 1829 aus Südchina in unsere Gewächshäuser
eingeführte ~Musa cavendishi~ (so genannt nach dem Londoner Chemiker
Henry Cavendish, 1731 bis 1810, der 1777 das Wasserstoffgas entdeckte)
in Gruppen angepflanzt. Nur wenig über 1 m hoch wird die von Südafrika
in unsere Warmhäuser eingeführte ~Strelitzia reginae~ mit eigentümlich
vogelartigen, blaugelben Blüten.
Dann werden von den drei am Kap der Guten Hoffnung heimischen Arten
der Amaryllideengattung ~Clivia~, Zwiebelgewächsen mit langen,
rinnenförmigen Blättern und glocken- oder röhrenförmigen Blüten,
in Dolden auf starken Schäften, ~Clivia miniata~ mit mennigroten
Blüten und ~C. nobilis~ mit scharlachroten Blüten, beide in mehreren
Varietäten im Gewächshaus wie im Zimmer kultiviert.