(~Haemerocallis flava~) mit reingelber Blumenkrone, wie auch deren
Abarten, die ~H. fulva~ mit rotgelben und ~H. alba~ mit weißen
Blüten. Schon Theophrast und Dioskurides nennen sie unter der
Bezeichnung ~hēmerocallís~ und sagen, daß namentlich ihre Zwiebel
arzneilich gebraucht werde. Noch viel mehr war dies im Altertum mit
der +Meerzwiebel+ (~Scilla maritima~) der Fall, die nach diesen
beiden Autoren roh und noch häufiger, in Teig oder Lehm gehüllt, auf
glühenden Kohlen gebraten oder in Wasser oder Honig gekocht als Medizin
gegessen wurde. Außerdem diente sie zur Schärfung des Essigs. Plinius
beschreibt in seiner Naturgeschichte ausführlich die Herstellung des
Meerzwiebelessigs, der auch als Arznei genossen wurde. Er sagt von
ihm: „Er macht die Augen hell, ist bei Magenschmerz und Seitenstechen
heilsam, wenn man alle zwei Tage davon einnimmt. Übrigens ist er so
stark, daß man von ihm auf kurze Zeit halb ohnmächtig werden kann,
wenn man davon trinkt.“ Dieses an den Küsten des Mittelländischen wie
auch des Atlantischen Meeres wachsende Zwiebelgewächs wurde schon von
den alten Ägyptern arzneilich verwendet und hieß bei ihnen ~askili~,
woraus später das arabische ~askil~ hervorging, während die Griechen
es ~skílla~ und die Römer nach ihnen ~scilla~ nannten. Im Altertum
pflanzte man diese Zwiebelart auf Gräber und hing sie als Amulett vor
die Türe, um vor Zauber und namentlich Vergiftung geschützt zu sein. In
Arkadien pflegten die Landleute die Bilder des Wald- und Weidegottes
Pan bei dessen Festen mit Meerzwiebel zu bewerfen. In welch hohem
Ansehen diese Pflanze im Altertume als Arzneimittel stand, beweist
auch die Stelle des Plinius, worin gesagt wird: „Unter den Zwiebeln
(~bulbus~) steht die Meerzwiebel (~scilla~), obgleich sie nur als
Heilmittel und zur Schärfung des Essigs dient, in höchstem Ansehen.
Sie zeichnet sich durch Größe und scharfen Geschmack aus und wächst
vorzugsweise auf den balearischen Inseln, auf Ebusus (der Insel Iviza)
und in Spanien. Der Philosoph Pythagoras hat ein Buch über diese
Pflanze geschrieben, in welchem er ihre Heilkräfte zusammenstellt.“
Später wurde sie besonders durch die Klöster verbreitet; auch Karl
der Große hieß sie in seinen Gärten anpflanzen. Das ganze Mittelalter
hindurch bis in die Gegenwart wurde sie bei uns in Töpfen gezogen, um
als geschätztes Heilmittel zu dienen. Es gibt wohl kaum ein besseres
Bauernhaus, in welchem sie nicht zu finden wäre. Hier fristet sie
mit ihren faust- bis kindskopfgroßen Zwiebeln zwischen den blühenden
Geranien und Nelken auf den Gesimsen vor den Fenstern ein beschauliches
Dasein. Durch ihre harntreibende Wirkung findet sie besonders bei der
Behandlung von Wassersucht Verwendung, während die zerquetschten und
dann schleimigen Blätter auf Wunden gelegt werden. Von ihren näheren
Verwandten hat einzig die an bewaldeten Orten Süddeutschlands häufige,
in Norddeutschland dagegen seltene ~Scilla bifolia~ wegen ihrer schönen
blauen bis violetten Blüten besonders zur Einfassung von Blumenbeeten
in unsern Gärten Eingang gefunden.
Eine weit größere Rolle als diese bescheidene Frühlingsbotin spielt
in der modernen Blumenzucht die +Gartenhyazinthe+ (~Hyacinthus
orientalis~), die wie die Tulpe von den Türken aus den Gärten von
Bagdad und Aleppo nach Konstantinopel gebracht wurde und von da um die
Mitte des 16. Jahrhunderts nach Mitteleuropa gelangte. Die Stammform
derselben ist in den Steppen Westasiens heimisch und gelangte schon
im Altertum nach Kleinasien und Griechenland, wo sie verwilderte.
Bei den alten Griechen bedeutete sie die Blume der Trauer, die ihren
Namen nach der Sage von einem schönen spartanischen Jünglinge, dem
Sohne des Königs Amyklas von Lakonien, einem Lieblinge Apollons,
erhielt, der sich mit ihm gerne in Wettkämpfe einließ. Zephyros (der
Westwind) gönnte dem jungen Manne nicht die Gunst des Gottes, die +er+
vielmehr gerne besessen hätte, und beim Diskuswerfen lenkte er die
schwere Scheibe aus Erz so, daß sie den Kopf des Hyakinthos traf und
ihn tötete. Darüber war Apollon sehr betrübt. Wohl verstand er sich
auf die Heilkunst, aber über den Tod war ihm keine Macht gegeben. Um
wenigstens das Andenken an seinen Liebling der Nachwelt zu erhalten,
ließ er aus dessen Blut die würzig duftende Hyazinthe erstehen, deren
dunkelblaue Farbe Trauer bedeutet. Später war die ~hyákinthos~ auch
der Demeter ein Zeichen der Klage und der Trauer um ihre vom Gotte
der Unterwelt geraubte Tochter Proserpina. Doch wird sie bei den
alten Schriftstellern kaum je genannt. Der Grieche Pollux erwähnt sie
einmal in seinem Onomastikon als eine zu Kränzen verwendete Blume,
mit der sich vornehmlich junge Mädchen als Zeichen der Trauer beim
Verluste ihrer Gespielin bei deren Hochzeit schmückten. Und der Römer
Columella nennt die ~hyacinthus~ als die Blaue, in der Farbe des
Himmels Leuchtende, von der er auch eine weiße Abart als die schneeige
(~niveus~) erwähnt. Jedenfalls wurde sie im Altertum nur ausnahmsweise
als Gartenpflanze, höchstens etwa auf Gräbern wegen des ihr anhaftenden
Beigeschmacks der Trauer, kultiviert. Dem Morgenlande verdanken wir
ihre Zucht. Von den Arabern erhielten sie die Türken, die sie gerne in
ihren Gärten anpflanzten. Um die Mitte des 16. Jahrhunderts gelangte
sie aus Konstantinopel nach dem Abendlande, wo sie noch weiter veredelt
wurde und die violenblaue Farbe der Blumenblätter in Purpur, Karmin,
Rosa, Dunkelblau bis fast Schwarz, ferner in Weiß, Gelb und selbst
Orange verwandelte. In Holland, wo sie besondere Pflege gefunden hatte,
verdrängte sie sogar mit der Zeit ihre Schwester, die vormals so
vergötterte Tulpe. Besonders in Harlem wurde sie im großen gezogen und
aus ihr durch immer weitergeführte Kreuzung neue Spielarten geschaffen,
die für teures Geld ihren Besitzer wechselten. Außer einfachen erzielte
man auch zwei- und dreifach gefüllte Hyazinthen von großartiger
Pracht. Sie galten für wenigstens so wertvoll als die schönen und
seltenen Tulpensorten, und wenn eine neu auftauchende Varietät ihren
Namen erhalten sollte, gab es ein feierliches Tauffest, zu dem außer
den Verwandten und Nachbarn auch die Bewohner der Umgegend eingeladen
wurden und bei dem es hoch herging. Man konnte sich solches leisten;
denn trotz der hohen Spesen war das Geschäft infolge der sehr hohen für
neue Arten bezahlten Preise sehr einträglich.
Die erste Konkurrenz erwuchs der holländischen Hyazinthenkultur in
Berlin, dessen Sandboden diese Zucht in hohem Maße begünstigte. Der aus
Frankreich eingewanderte Kunstgärtner David veranstaltete hier 1740
die erste bedeutendere Tulpenausstellung und brachte dadurch diese
Blume in der Hauptstadt Preußens in Mode. Die in der napoleonischen
Zeit über Mitteleuropa hereinbrechenden kriegerischen und politischen
Ereignisse lenkten aber die Aufmerksamkeit des Publikums wieder
davon ab, doch erwachte sie nach den Freiheitskriegen von neuem. Die
Nachkommen Davids, seine Söhne Peter und David, unterhielten in der
Kommandantenstraße in Berlin prächtige Hyazinthenkulturen, die zu den
meistbesuchten Sehenswürdigkeiten Berlins gehörten. Den Höhepunkt
erreichte hier die Hyazinthenzucht im Jahre 1830. Vor dem Schlesischen
Tor breitete sich ein 24 Morgen umfassendes Blumenparadies aus, in
welchem unter anderen Zwiebelgewächsen 4½ Millionen Hyazinthen gezogen
wurden. Ungezählte Scharen Neugieriger kamen zur Zeit der Blüte herbei,
um dieses wirklich sehenswerte Farbenwunder zu bestaunen.
Bis zum Jahre 1860 war sonst die Kultur der für den Handel gezogenen
Tulpen- und Hyazinthenzwiebeln fast ganz auf das Gebiet von Harlem
in Holland konzentriert. Hier wachsen diese schönen, genügsamen
Kinder der westasiatischen Steppe vorzüglich im Sandboden unmittelbar
hinter den Dünen. Jeder Gärtner spezialisiert sich begreiflicherweise
für eine gewisse Zahl von Typen, wodurch eine große Regelmäßigkeit
in der Produktion der Zwiebeln gewährleistet wird. Unbestritten
werden vor allem die Hyazinthen aus Harlem bezogen, wo man über 300
Spielarten derselben züchtet. Man zählt gegenwärtig in Holland mehr
als 2000 Blumenzwiebelzüchter und etwa 150 Exporthäuser, die diese
als Winterflor in Töpfen oder als erste Bepflanzung der Gartenbeete
sehr geschätzte Handelsware nach allen Weltteilen versenden. Jedes
Frühjahr gibt es öffentliche Versteigerungen in den Hyazinthen-
und Tulpenfeldern selbst. Außerdem wird wöchentlich einmal eine
Spezialbörse dafür in Harlem abgehalten. Die Blumenzwiebelkulturen
nehmen eine Oberfläche von etwa 3500 Hektaren ein und der Wert der
während der Saison exportierten Blumenzwiebeln erreicht 16 Millionen
Mark, was einem Bruttoertrag von beinahe 4800 Mark pro Hektar der
Kultur entspricht. 40 Prozent des Produkts wandern nach England;
Deutschland und Österreich nehmen 25 Prozent, die Vereinigten Staaten
18, die Nordländer, vor allem Dänemark, Schweden und Norwegen 9,
Frankreich und die übrigen latinischen Länder kaum 5 Prozent davon.
Die Vermehrung der holländischen Blumenzwiebeln, also der Hyazinthen
und Tulpen, erfolgt auf ungeschlechtlichem Wege durch Pflanzen der
Brutzwiebeln, von denen erstere mehrere, letztere dagegen meist nur
eine produzieren. Die Vermehrung durch Samen erfolgt, weil sehr langsam
vor sich gehend, nur, um die alten Varietäten zu regenerieren oder neue
zu erzielen. Während eine unverletzte Hyazinthenzwiebel nur eine kleine
Zahl Brutzwiebeln -- zwischen 1-6 oder höchstens 8, oft aber auch gar
keine -- bildet, liefert eine verletzte um die Verletzungsstellen herum
deren zahlreiche. Deshalb macht man zur Vermehrung der Blumenzwiebeln
gewöhnlich vier Schnitte durch den untern Teil derselben oder höhlt
ihn aus. Letzteres Verfahren liefert nämlich weitaus am meisten
Brutzwiebeln, während man vermittelst des Kreuzschnittes durch den
Zwiebelboden weniger, dafür aber, weil sie besser ernährt werden,
größere erhält, die sich rascher entwickeln und schneller zum Blühen
gelangen, nämlich meist schon ein Jahr nach der Verletzung der
Mutterzwiebel. Diese Operation wird meist im Juni vorgenommen, wenn
die Zwiebeln, die im Frühling blühten, aus dem Boden herausgenommen
werden, um erst wieder im Herbst ausgepflanzt zu werden. Früher
trocknete man sie einfach an der Sonne; jetzt aber setzt man sie nach
dem Einschneiden ihres Bodens der Luft aus, nachdem man sie mit Asche
oder Kalk bestäubt hat, wodurch die Wunden alsbald heilen. Sie werden
an einem luftigen Orte aufbewahrt und bilden an den Schnittstellen
bis zu 40 Brutzwiebeln. Im Oktober oder November pflanzt man die
Zwiebeln mit den Brutzwiebeln wie die gewöhnlichen Hyazinthenzwiebeln
in Erde, die das Jahr vorher mit Kuhmist gedüngt wurde. Viele dieser
Brutzwiebeln bilden im folgenden Jahre Blätter. Im Juni werden sie mit
den Mutterzwiebeln dem Boden entnommen, von letzteren abgelöst und
von der anhaftenden Erde gereinigt, getrocknet und an einem luftigen
Orte aufbewahrt. Im Oktober werden sie wieder wie gewöhnliche Zwiebeln
gepflanzt. Erst nach dem dritten Pflanzen erreichen sie eine genügende
Größe, um im folgenden Jahre blühen zu können. Als solche kommen sie
dann zum Verkauf.
Von den Verwandten der Gartenhyazinthe werden auch die auf Kulturboden
wie Äckern und Weinbergen bei uns wildwachsenden +perlblütige+ und
+Trauben-Bisamhyazinthe+ (~Muscari botryoides~ und ~racemosum~) mit
nach Moschus beziehungsweise Pflaumenduft riechenden, einfachen blauen
Traubenblüten gelegentlich als Zierpflanzen in den Gärten kultiviert.
Noch beliebter als diese, weil schöner blühend, ist die aus China
stammende +eiblätterige Funkie+ (~Funkia ovata~), mit gestielten,
breiteiförmigen Blättern und hellrosenroten Blüten. Ihr nahe steht
die aus Südasien, besonders Ceylon und Java stammende +Tuberose+
(~Polyanthes tuberosa~) -- Tuberose, d. h. die Knollenwurzelige
(von ~tubera~ Knollen) genannt --, deren 10-20 in langgestielter,
endständiger Traube stehenden wohlriechenden, weißen Blüten besonders
in Südfrankreich, wie übrigens auch die Hyazinthen, zur Parfümgewinnung
gepflanzt werden. In Amerika, wohin sie früh gelangte, ist sie
zum Liebling besonders der Bewohner Perus geworden, die mit ihr
vorzugsweise die Altäre in den Kirchen schmücken, während die Damen
sich mit Sträußen von ihr versehen, um möglichst oft daran riechen zu
können.
Als Topfzierpflanze ist bei uns auch die der vorigen ähnliche
+doldenblütige Schmucklilie+ oder +blaue Liebesblume+ (~Agapanthus
umbellatus~) -- von ~agápē~ Liebe und ~ánthos~ Blume -- mit reicher
Dolde von blauen Blüten auf 0,6 bis 1 m hohem Schafte vom Kap der
Guten Hoffnung beliebt, während das wohlriechende +Maiglöckchen+
(~Convallaria majalis~) mit seiner zierlichen Traube überhängender,
weißer Blüten zu unseren beliebtesten Frühlingsgartenpflanzen
gehört. Als sehr frühblühende Pflanze wird sie besonders in Berlin
wie der Flieder getrieben und die blühbaren Keime überallhin in
die Blumengeschäfte versandt. Ihre getrockneten Blüten bilden den
Hauptbestandteil des Nießpulvers und geben mit den gepulverten Samen
der Roßkastanie den bekannten „Schneeberger“ Schnupftabak, so genannt,
weil er zu Schneeberg im Königreich Sachsen zuerst bereitet wurde.
Auch der in Südeuropa heimische +ästige Asphodill+ (~Asphodelus
ramosus~) wird wie sein Verwandter, der +gelbe Asphodill+ (~A.
luteus~) in manchen Gärten gezogen. Ersterer, der an der Küste
überall auf Wiesen üppig wächst, wurde als Sinnbild der Trauer von
den alten Griechen auf die Gräber gesetzt und seine Wurzelknollen,
die nach Porphyrius auch der Philosoph Pythagoras gerne gegessen
haben soll, für die bevorzugte Speise der Geister der Abgeschiedenen
gehalten. Nach verschiedenen Stellen in der Odyssee wandeln nach
homerischer Anschauung die Geister der Verstorbenen in der Unterwelt
auf Asphodillwiesen (~asphodēlós leimṓn~), auf denen von ihnen auch
große Jagden abgehalten werden sollen. Plinius sagt von ihm: „Der
~asphodelus~ soll ein vorzügliches Mittel gegen Vergiftungsversuche
sein, wenn man ihn vor dem Tore der Villa pflanzt. Man ißt den Samen
und die Wurzel, nachdem man sie geröstet hat, was bei der letzteren in
der Asche geschieht, worauf man Salz und Öl hinzufügt und sie auch noch
mit Feigen zusammenstampft; es ist dies ein Gericht, das Hesiodus (der
im 8. Jahrhundert v. Chr. in Böotien lebende griechische Dichter) für
vorzüglich wohlschmeckend hält. Seine Wurzel gleicht einer mittelgroßen
Kohlrübe (~napus~), und keine Pflanze hat mehr Knollen (~bulbus~),
denn es sind deren oft 80 zu gleicher Zeit vorhanden. Es ist eine
Erfahrungstatsache, daß mit Gerstengrütze gekochte Asphodelusknollen
abgezehrten und schwindsüchtigen Leuten sehr gut bekommen und daß sie,
mit Mehl zusammengeknetet, ein sehr gesundes Brot geben. Nikander
braucht Stengel, Samen und Knollen gegen den Biß von Schlangen und
Skorpionen, legt sie auch als Schutzmittel gegen die genannten Tiere
unter das Kopfkissen. In Kampanien gehen die Schnecken dem Stengel
dieser Pflanze eifrig nach und saugen ihn aus. Man heilt übrigens mit
~asphodelus~ eine Menge Krankheiten, verjagt und tötet auch die Mäuse
damit, indem man mit ihm deren Löcher verstopft.“ Nach Hesiod dienten
die Wurzelknollen des Asphodill trotz ihres scharfen Geschmackes den
alten Pelasgern als Speise und lieferten in Verbindung mit Malven
ein „köstliches Gericht“ (wörtlich eine königliche Speise), während
Theophrast (im 4. Jahrhundert v. Chr.) sagt, daß sie nur von Armen
gegessen werden. Der Asphodill diente im Altertum auch als Schutzmittel
gegen Zauberei und wurde bei den mittelalterlichen Ärzten zu einem
der sieben Kräuter der Planeten erhoben, auf welche besonders Saturn
einen Einfluß ausüben und ihm die Eigenschaft erteilen sollte, jeden,
der ein Stück der Pflanze bei sich trage, vor bösen Geistern zu
schützen. Noch heute dienen die Wurzeln zur Bereitung eines nahrhaften
Mehles, das aus dem Orient, wo die Pflanze sehr gemein ist, in den
Handel gebracht wird. Wegen des reichen Gehaltes an einer schleimigen,
klebenden Substanz verwenden die Buchbinder, Schuster und Sattler
Toskanas und anderer Gegenden Italiens die gepulverten Wurzeln als
Kleister. Die goldgelbe, deshalb auch Goldwurz genannte Wurzelknolle
des gelben Asphodills diente früher äußerlich als Amulett und
innerlich als harntreibendes Mittel, während sie neuerdings besonders
in Algerien zur Zuckerfabrikation und Schnapsbereitung dient. Auf den
Höhen des Libanons dagegen wächst der ~Asphodelus kotschyi~ (nach
dem österreichischen, 1866 in Wien verstorbenen Botaniker Theodor
Kotschy, der Syrien bereiste und sie zuerst beschrieb, so genannt),
dessen stärkemehl- und gummireichen Wurzeln als ~nurtoak~ im Orient an
Stelle von Salep (Orchideenwurzelknollen) häufig Verwendung finden. Der
deutsche Reisende Strelack ernährte sich und seine Begleiter auf der
zweiten Reise durch Syrien vier Tage lang damit und brachte 1863 gegen
11000 kg derselben mit nach Deutschland, um das daraus gewonnene Mehl
als neues, billiges Nahrungsmittel in den Handel zu bringen.
Als Dekorationspflanze für Treppenaufgänge, Säulenhallen und in
Blumenbeeten dient die +Flachslilie+, der +neuseeländische Flachs+
(~Phormium tenax~), so genannt, weil ihre Blätter zur Gewinnung einer
äußerst zähen Faser gewonnen werden. Sie wurde von Solander und J.
Banks, den Begleitern von James Cook auf dessen erster Reise um die
Welt (1768-1771), in Neuseeland entdeckt, wo sie weite Strecken
bedeckt. Ihre Wurzelknolle ist wegen des Gehaltes an einem sehr bittern
Stoff nicht eßbar und dient den Maorimüttern dazu, ihre Brustwarzen
damit einzureiben, wenn sie ihre Kinder entwöhnen wollen.
Beliebte Treibhauszierpflanzen sind dagegen die wegen ihrer zwischen
Palmen und Lilien in der Mitte stehenden Tracht als +Palmlilien+
bezeichneten Yuccas, die sämtlich amerikanischen Ursprungs sind.
Namentlich wird die 1-1,3 m hohe, +schöne Palmlilie+ (~Yucca
gloriosa~) aus Peru in verschiedenen Formen mit oft bunten Blättern
in großen Töpfen gezogen. Sie treibt umfangreiche, rispige Ähren von
prächtigen, hängenden, weißen Blüten. Ihre Wurzelknollen werden von
den Indianern zu Mehl zerrieben und zu Brot verbacken; die Blätter
dagegen liefern einen Faserstoff. Wichtiger ist derjenige der in
Virginien heimischen +fadigen Palmlilie+ (~Yucca filamentosa~). Deren
Blattfäden werden in ihrer Heimat zur Herstellung von Geweben und
Stricken benutzt. Gleicherweise verwendet man die der in Westindien und
Mexiko heimischen +aloeblätterigen Prachtlilie+ (~Yucca aloifolia~),
deren Blüten als Gemüse verzehrt werden und deren Blätter in Mexiko zur
Herstellung von Papier dienen, während aus der Blattoberhaut künstliche
Blumen verfertigt werden. Alle Yuccaarten werden durch bestimmte
kleine, meist weißlich gefärbte Motten in der Weise befruchtet, daß
sie den Pollen in die ausgehöhlte Narbe der Blüte stopfen, damit die
aus den daraufgelegten Eiern sich entwickelnden Räupchen die zur
Erhaltung der Art nötige Nahrung finden. Wenn sie auch später einen
Teil der sich entwickelnden Samen verzehren, so hat dies nichts zu
bedeuten, da die Pflanze auch so über genügend Sämlinge verfügt, so daß
der Dienst dieses Tierchens, ohne den sie aussterben müßte, nicht zu
teuer belohnt ist. Weil diese kleinen Motten in Europa fehlen, tragen
die bei uns gezogenen Yuccaarten, auch wenn sie noch so schön blühen,
niemals Samen.
Im Altertum spielte auch die +rauhe Stechwinde+ (~Smilax aspera~)
-- rauh, wegen der Stacheln an Stengeln und Blättern genannt --
als Arznei- und Zierpflanze eine gewisse Rolle, während eine
amerikanische Verwandte die offizinelle Sarsaparillwurzel liefert.
Diese südeuropäische Schlingpflanze, welche in Italien und Griechenland
bis 16 m hoch, namentlich an den Platanen hinaufklettert, besitzt
wohlriechende, weiße Blüten, die bei den alten Griechen mit Efeu
zusammen bei den Dionysosfesten zu Kränzen gewunden wurden. Nach
alter Sage sollte das Gewächs durch Verwandlung der Nymphe Smilax
entstanden sein, welche aus unerwiderter Liebe zu dem Jüngling Krokos
starb. Theophrast beschreibt sie ausführlich als ~smílax~, Dioskurides
sagt: „Der rauhe Smilax (~smílax tracheía~) wird als ein wichtiges
Mittel gegen Gifte gebraucht,“ und Plinius schreibt über sie: „Der
~smilax~ stammt ursprünglich aus Kilikien, ist in Griechenland häufig,
hat kleine, nicht ausgeschnittene, übrigens denen des Efeu ähnliche
Blätter. Die Blüten sind weiß und riechen wie Lilien. Er ist bei
allen Opfern und Kränzen ein Unglückszeichen, weil er Trauer bedeuten
soll, indem ein unglückliches Mädchen namens Smilax in diesen Strauch
verwandelt wurde. Der großen Masse des Volkes ist dieser Umstand nicht
bekannt; es entheiligt daher seine Feste oft dadurch, daß es ihn statt
des Efeus verwendet, wiewohl doch eigentlich jedermann wissen sollte,
daß die Dichter dem Vater Bacchus und dem Silenus (nach griechischer
Sage Sohn des Hermes oder Pan, Erzieher und Gefährte des Bakchos, wird
in der Kunst als dickbäuchiger Alter mit Glatzkopf, Stumpfnase und
Ziegenohren mit einem Weinschlauch dargestellt) Efeukränze zuschrieben.
Aus dem Holze des ~smilax~ macht man auch Schreibtäfelchen; dieses
hat die Eigentümlichkeit, daß es, ans Ohr gehalten, einen leisen Ton
von sich gibt.“ An einer andern Stelle sagt dieser Autor: „Werden
Blätter zu Kränzen verwendet, so sind es vorzugsweise diejenigen des
~smilax~ und des Efeus.“ Noch jetzt sind weit mehr als die Blüten die
kugeligen, roten Früchte dieser Stechwinde in Griechenland eine Zierde
fast aller Blumensträuße und dienen den jungen Damen, in die Haare
geflochten, als schöner Kopfputz.
Als Arznei dagegen diente bei den alten Griechen und Römern der
+stechende Mäusedorn+ (~Ruscus aculeatus~), ein 30-60 cm hoher,
immergrüner Strauch mit blattförmigen, in einen Stachel auslaufenden
grünen Zweigen, auf deren Mitte die 3-5 grünlichen Blüten stehen.
Während aus dieser Pflanze in Italien häufig Besen gemacht werden,
wird sie bei uns nicht selten als Zierpflanze in Gärten gepflanzt.
Früher war sie als harntreibendes Mittel gebräuchlich. Theophrast
erwähnt sie als alexandrinischer Lorbeer und Dioskurides, wegen ihrer
Ähnlichkeit mit dem Myrtenstrauch, als wilde Myrte (~myrsínē agría~).
Er sagt von ihr: „Sie dient als Arznei, auch verspeist man die jungen
Sprossen als Gemüse; sie schmecken etwas bitter.“ Plinius aber schreibt
von ihr: „Der alexandrinische Lorbeer wächst in größter Menge am Ida
und bei Heraklea am Pontus, aber nur auf dem Gebirge. Er dient der
Kunstgärtnerei und zum Kranzflechten; die Wurzel dient als Heilmittel.“
Auch der in den Mittelmeerländern wildwachsende +gemeine Tamus+ (~Tamus
communis~) mit kugeligen, roten Früchten war bei den Alten offizinell.
Dioskurides bezeichnet ihn als „wilde Rebe“ und sagt von ihm: „Wurzel
und Früchte dienen als Arznei, die jungen Sprossen als Speise.“ Soweit
die Liliazeen.
Unter den Amaryllideen sind das +Schneeglöckchen+ (~Galanthus
nivalis~), das auf Bergwiesen Süddeutschlands wild wächst und
bisweilen verwildert auch in Obstgärten angetroffen wird, und die
+Frühlingsknotenblume+ (~Leucojum vernum~, -- ersteres Wort kommt
aus dem Griechischen ~leukón íon~, d. h. weißes Veilchen), die in
schattigen Laubwäldern Süd- und Mitteldeutschlands, sehr selten in
Norddeutschland angetroffen wird, beliebte Frühlingsgartenzierpflanzen.
Ihre Zwiebeln sind brechenerregend und giftig, während die viel
giftigeren der nahe verwandten südafrikanischen ~Buphone toxicaria~ den
Buschmännern einen Bestandteil ihres gefürchteten Pfeilgiftes liefern.