und ausführliche bildliche Darstellungen an den Wänden der Grabkammern
der Vornehmen besitzen, ist Ägypten. Um die Häuser, die, wie überall
im Morgenlande, aus einem rechteckigen, von Gemächern umgebenen Hofe
bestanden, zogen sich Reihen schattenspendender Bäume. Nach einer
Richtung verlängerten sie sich und umschlossen ein rechteckiges
Wasserbecken, das Lotosblumen und Teichrosen barg und zahlreichen
Fischen und mannigfaltigen Wasservögeln zum Aufenthalte diente.
Vielfach war es so ausgedehnt, daß es mit buntgeschmückten Gondeln
befahren werden konnte. Der Regenmangel des Landes erzeugte das
Bedürfnis, diese vornehmlich aus Sykomoren, Dattelpalmen, Zypressen
und Platanen bestehenden Baumgärten ausgiebig zu bewässern, indem man
das Wasser der aus dem Nil gespeisten Kanäle durch dieselben hindurch
in die Bassins leitete. Buntbemalte Lusthäuser luden zur Rast ein,
und im Schatten der Reblauben, Feigenbäume und anderer Obstbaumsorten
lustwandelte der reiche Ägypter, der sich solchen Luxus leisten konnte,
in seinen Mußestunden mit seiner Familie und seinen Freunden. Hier
saß er beim Brettspiel oder hörte auf die Musik der Harfen, Flöten
und Lauten und sah dem langsamen, feierlichen Tanze der Frauen zu,
während seine Kinder unter den Bäumen mit ihren Bällen und Puppen
spielten. Eine Menge von Dienern und Sklaven wartete der Befehle des
Herrn in Haus und Garten. Ein Verwalter führte die Aufsicht über Haus
und Grundstück, während ein Obergärtner die Sklaven in der Pflege des
Gartens anleitete.
Ein solcher von schattenspendenden Bäumen bestandener Garten galt den
alten Ägyptern als der Inbegriff des Reichtums und behaglichen Lebens.
In einem in Bulak aufbewahrten Papyrus spricht der alte Schreiber zu
einem begüterten Vornehmen: „Du hast dir ein bewässertes Grundstück
angelegt, du hast dein Gartenland mit Hecken umgeben, Sykomoren hast
du in Reihen gepflanzt, wohl sie ordnend auf dem ganzen Gebiete bei
deinem Hause. Du füllst deine Hand mit allen Blumen, welche dein
Auge erschaut...“ Und den Blumengärten wurde von den Ägyptern wie
den Gemüse- und Obstgärten große Aufmerksamkeit geschenkt. So sehen
wir einen solchen in einem Königsgrabe in Theben dargestellt. Alle
Blumenbeete sind darin halbmondförmig angelegt und die Blumen darin in
dem Beetrande parallel geschweiften Reihen gepflanzt. Jedes Beet trägt
andere Blumen, die wir jedoch nicht recht zu bestimmen vermögen.
Auf einem Gemälde des Grabes Amenhoteps III. aus der 18. Dynastie
(1411-1375) in Theben sehen wir eine Villa des Pharao mit Türmen,
Obelisken und einem tempelartigen Bau. Davor erstreckt sich ein
prächtiger Blumen- und Obstgarten, in der Mitte von einem Kanal
durchzogen und von einem Teich bewässert. In ihm wachsen Lotus
und Papyrus, und um ihn ragen verästelte Sykomoren. Die von ihren
Dienerinnen umgebene Herrin des Hauses empfängt hier eben Damenbesuch
und reicht einer der Geladenen einen schön gebundenen Blumenstrauß in
Gestalt eines Füllhorns dar. Auf einem andern Wandgemälde in Theben
blicken wir in Haus und Garten eines reichen Ägypters. Da bemerken
wir unter anderem eine Frau, welche sich einen Ölzweig gepflückt hat
und unter Granat- und Feigenbäumen dahinwandelt; eine andere tritt
eben zur Pforte ein. Sie führt an ihrer Hand zwei Kinder, die sich mit
Rebenranken geschmückt haben. Eine Dienerin trägt ihnen das Spielzeug
und ein Rebmesser nach, vermutlich um Trauben, die in Fülle am Spaliere
prangen, zum leckeren Mahle zu schneiden.
Damit die Seele, der ~ka~, des Verstorbenen sich im kühlen Schatten
laubreicher Bäume ergehen und an Farbe und Duft der Blumen erfreuen
könne, legte man vor den Gräbern kleine Gärten mit Wasserbassins
an, die aus benachbarten Kanälen gespeist wurden. Oft liest man auf
Grabstelen des neuen Reiches (1580-1205 v. Chr.) die Formel: „Möge
ich wandeln am Ufer meines Teiches Tag für Tag ewiglich; möge meine
Seele sitzen auf den Zweigen der Bäume in meinem Grabgarten, den ich
mir bereitet habe; möge ich mich erfrischen tagtäglich unter meiner
Sykomore.“ Eine dieser Epoche angehörende Stele aus Theben, die sich
nun im Museum von Bulak befindet, bringt eine Illustration zu diesen
Worten. Auf der annähernd perspektivisch gehaltenen Darstellung des
Grabgartens bemerken wir links, am Fuße einer Bergkette gelegen, drei
Totentempelchen. Seitwärts kniet mit in Anbetung erhobenen Händen der
Selige, der aus seiner Grabkammer herausgegangen ist, um im Garten
zu lustwandeln. In demselben stehen neben einer Sykomore zwei sehr
naturgetreu gezeichnete Dattelpalmen mit schweren Fruchtgehängen,
unter welchen auf einem Opfertisch Brote als Totenspeise liegen. Der
Grabgarten des zur Zeit der 18. Dynastie (1580-1530 v. Chr.) lebenden
vornehmen Anna in der Totenstadt von Theben enthielt nach dem auf uns
gekommenen Verzeichnis 90 Sykomoren, 170 Dattelbäume, 3 Mimosen, 5
Granatbäume, 2 Behennußbäume usw. und 12 Reben. Nach dieser bedeutenden
Zahl von Bäumen muß er also ziemlich groß gewesen sein.
Zu den vornehmsten Geschenken der ägyptischen Könige an ihre
Gottheiten, denen sie ihren Dank für Siege und sonstiges Wohlergehen
abstatten wollten, gehörten außer den prächtigen Tempeln, deren Wände
allseitig mit buntfarbigen Darstellungen aus dem Leben des Spenders
geschmückt waren, auch dementsprechende Gartenanlagen, die das
Heiligtum umgaben. So heißt es in der Schenkungsurkunde des Königs
Ramses III. (20. Dynastie, 1198-1167 v. Chr.) von den Gaben an den
Sonnengott in Heliopolis: „Ich machte dir große Gärten, versehen mit
ihren Bäumen, mit Reben und Ölbäumen. Ich versah sie mit Gärtnern,
zahlreichen Leuten, um reines, bestes Öl zu bereiten und damit
die Lampen in deinem prächtigen Tempel anzuzünden. Ich machte dir
Baumplätze und Gehölze mit Bäumen, Dattelpalmen, auch Weiher, versehen
mit Lotusblumen, Binsen, Gräsern und Beeten mit süßen, wohlriechenden
Blumen jedes Landes für dein schönes Antlitz...“
Besonders groß und prunkvoll mit hübschen Anlagen und Alleen von
Schattenbäumen geschmückt waren zur Zeit des neuen Reiches (1580-1205
v. Chr.) die Gärten um den Reichstempel, den großen Amonstempel in der
Hauptstadt Theben. Von dem prachtvollen Vorhof desselben in Luxor, der
alten südlichen Vorstadt von Theben, den die Baumeister Amenhoteps III.
(1411-1375 v. Chr.) mit unerhörter Kühnheit aus zwei Reihen mächtiger,
wohlproportionierter Säulen mit Kapitellen in Form von aufbrechenden
Papyrusknospen angelegt hatten, erstreckten sie sich bis zum glänzenden
Pylon, den derselbe König vor dem Tempel von Karnak errichtet hatte.
Mitten durch sie hindurch führte eine Doppelreihe von steinernen
Widdern, flankiert von Dattelpalmen, von einem Tempel zum andern. Die
Gesamtwirkung jener herrlichen Schöpfung muß außerordentlich imposant
gewesen sein. Die leuchtenden Farben der bunt bemalten Architektur
mit den vergoldeten Säulen und Toren und den mit Silber ausgelegten
Fußböden, darüber die an ihrer Spitze mit rot leuchtendem Kupfer
verkleideten Obelisken, hoch sich erhebend über die nickenden Wipfel
der grünen Palmen und des halb tropischen Blätterwerks, das wie ein
Rahmen das Ganze einfaßte und auf der Oberfläche des Tempelsees sich
spiegelte -- alles dies muß einen prächtigen Eindruck gemacht haben,
von dem die düstern Ruinen heute kaum eine Ahnung mehr geben.
Diese prunkvolle Anlage hat weit über ein Jahrtausend bestanden und
wurde von späteren Pharaonen vergrößert. So erfahren wir, daß noch
Ramses III. der 20. Dynastie, der von 1198-1167 v. Chr. regierte,
in seiner Residenzstadt Theben einen weiteren prächtigen Bezirk und
Garten für den Gott Amon errichten ließ, der nach einer uns erhaltenen
schriftlichen Urkunde nahezu 8000 Sklaven zu seiner Bedienung erhielt.
Schon diese große Zahl von Angestellten läßt auf die Größe der Anlage
schließen. Übrigens hatten alle größeren Tempelanlagen Ägyptens wie
ihren Teich zum Baden, so auch ihren Garten zum Lustwandeln für den
betreffenden Gott und seine Diener. Speziell von Ramses III. wird uns
auch durch Inschriften bekundet, daß er nicht nur in seiner Residenz-
und Hauptstadt Theben, sondern auch im ganzen Reiche zahlreiche Bäume
pflanzen ließ, die in einem Lande, dem die natürlichen Wälder fehlten,
erquickenden Schatten boten.
Viel weniger als von diesen Gärten der Ägypter wissen wir von
denjenigen der alten Babylonier, die unter ähnlichen klimatischen
Bedingungen Ruheplätze unter schattenspendenden Bäumen in von Wasser
durchströmten Gärten liebten. Sehr stark von diesen gewöhnlichen
Lustgärten Babyloniens wich eine besonders auffallende Anlage ab, von
der uns etwas eingehender von einigen Schriftstellern des Altertums
berichtet wird. Es sind dies die als eines der Weltwunder angestaunten
„hängenden Gärten“, die einst am Ufer des Euphrat bei der Stadt Babylon
errichtet wurden, wie die Sage erzählt, von der assyrischen Königin
Semiramis, die zahlreiche Züge der babylonischen Liebesgöttin Ischtar
trägt, aber gleichwohl eine historisch greifbare Persönlichkeit
darstellt, nämlich die auf den königlichen Inschriftsteinen von Assur
Scha-ammu-ramat genannte „Frau des Palastes Samsiadads, des Königs der
Welt, Königs von Assyrien, Mutter des (um 800 v. Chr. regierenden)
Adad-nirari, des Königs der Welt, Königs von Assyrien“. Sie war eine
Babylonierin und muß als tatkräftige Herrscherin in den Kämpfen der
Assyrer gegen das Reich Urartu, das die Stadt Van in seinem Mittelpunkt
hatte und sich bis zum Urmiasee erstreckte, eine bedeutende Rolle
gespielt haben. Auch scheint auf ihre Mitwirkung hin im Jahre 787 unter
ihrem Sohne Adad-nirari der Gott Nebo von Babylonien nach Assyrien
eingeführt, d. h. beide Reiche staatsrechtlich vereinigt worden zu
sein. Ihr Enkel wurde dann Unterkönig von Babylon. Daß dann später
die Meder, die sich um 600 v. Chr. des Quellgebiets des Euphrat und
Tigris bemächtigten, sie als Reichsgründerin von Assyrien betrachteten,
das doch zu ihrer Zeit schon 800 Jahre bestand, und ihr zahlreiche
Züge der Liebes- und Kriegsgöttin Ischtar andichteten, beweist, daß
die Erinnerung an sie in Armenien noch lange Zeit nach ihrem Tode
lebendig blieb. Vollends sagenhaft wurde sie später bei den Persern.
Das erfahren wir aus dem Bericht, den Ktesias, der griechische Leibarzt
des persischen Großkönigs Artaxerxes II., um 400 v. Chr. in seiner
Erzählung von der Königin Semiramis von ihrem Leben gab. Jedenfalls hat
sie durchaus nichts mit den später so eng an ihren Namen geknüpften
„hängenden Gärten“ Babylons zu tun.
Der tatsächliche Erbauer dieses Wunderwerkes war einer jener
gewaltigen, mit unerhörter Machtfülle ausgestatteten Herrscher
des Landes, nach dem Berichte des Berosus, der zu Beginn des
3. vorchristlichen Jahrhunderts Belpriester in Babylon war und
in griechischer Sprache ein Buch, betitelt: „Babylonisches und
Chaldäisches“, schrieb, Nebukadnezar, der von 604-561 als Mehrer
des Reichs und Verschönerer seiner Hauptstadt Babylon herrschte und
gewaltige Kanalbauten anlegen ließ. Der griechische Geschichtschreiber
Diodoros berichtet in seiner zur Zeit Cäsars und Augustus’
geschriebenen „historischen Bibliothek“, daß dieser machtvolle
Assyrerkönig, der seine Herrschaft bis an die Grenzen Ägyptens
ausdehnte und im Jahre 586 Jerusalem zerstörte, diese hängenden Gärten
für seine Gemahlin Amyitis errichtet habe, die, im Berglande Medien
geboren, in der Euphratebene sich nach den Bergen und Wäldern ihrer
Heimat sehnte. Sie bestanden aus einer 50 m und mehr hohen, bis 400 m
breiten Pyramide mit mehreren übereinander getürmten Terrassen, die auf
dicken, in geringen Abständen errichteten Backsteinmauern ruhten. Sie
waren mit einer hohen Erdschicht bedeckt, in die nicht bloß Blumen
und Ziersträucher, sondern große Bäume gepflanzt waren, die mächtig
emporwuchsen und der ganzen Anlage das Aussehen eines bewaldeten
Berges gaben. Pumpwerke führten aus dem Euphrat Wasser auf die
oberste der Terrassen, um von hier in Röhren und Rinnen durch die
ganze Gartenanlage zu deren Bewässerung zu strömen und auch noch die
Bäder zu speisen, die mit allerhand anderen Gemächern und Grotten in
die Seitenwände der Terrassen eingebaut waren. Die Wurzeln der Bäume
mögen schließlich das Mauerwerk zersprengt und den Einsturz des ganzen
wunderbaren Baues herbeigeführt haben, dessen Ruinen man heute noch am
Euphrat erkennen zu können glaubt.
Über die Terrassengärten der Meder und Perser sind uns von den
Griechen allerlei Berichte erhalten. Sie waren an steilen Bergabhängen
angelegt, wo sich die Herstellung solcher von Mauern gestützter
ebener Gärten in Terrassen von selbst ergab. Sie waren mit Treppen
verbunden und von Wasserläufen durchzogen, die stellenweise anmutige
Fälle bildeten und mit Wasserpflanzen erfüllte Becken, die auch
Springbrunnen besaßen, speisten. Zwischen Reihen von schattenspendenden
Bäumen, die von Singvögeln aller Art bewohnt waren, müssen Beete von
märchenhafter Pracht der Rosen, Lilien, Safran und anderer Blumen
gestanden haben. Im Mittelpunkt der Anlage standen schloßartige Häuser
mit Säulenhallen, nach denen alle Wege führten. Außer solchen Gärten
besaßen die Könige und Großen des Reiches ausgedehnte Jagdgebiete in
Gestalt von eingehegten Parken, die von zahlreichem Wild belebt waren.
Vom persischen dafür gebrauchten Worte ~pardes~, das Park bedeutet,
stammt die griechische Bezeichnung ~parádeisos~ und das deutsche
Paradies für den in ähnlich wunderbarer Weise mit Bäumen bestandenen
und von der mannigfaltigsten Tierwelt belebten Garten Eden, in welchem
nach der jüdischen Schöpfungssage Gott die ersten Menschen aus Erde
geschaffen haben soll. Nach den Schilderungen der Griechen müssen die
Paradiese der Perserkönige Dareios und Kyros vollkommen parkartig
ausgesehen haben. Sie lagen den gut unterhaltenen Poststraßen des
Reiches entlang, auf denen ein regelmäßiger königlicher Postdienst mit
allen erst später unter den Römern und dann erst wieder in der Neuzeit
eingeführten Bequemlichkeiten eingerichtet war, und beherbergten
wohnlich eingerichtete Jagdhäuser, Scheunen und Stallungen für den
König und sein zahlreiches Gefolge samt deren Pferden. In seiner
Biographie des Alkibiades (um 450 in Athen geboren, veranlaßte
seine Vaterstadt 415 zum verhängnisvollen Zug nach Syrakus, der
über 8000 Athenern das Leben kostete, und wurde nach bewegtem Leben
404 in einem Schloß in Phrygien ermordet) sagt uns Plutarch: „Der
persische Satrap Tissaphernes, zu welchem Alkibiades (im Jahre 412)
geflohen, ehrte diesen so sehr, daß er sogar seinem schönsten Parke,
der mit Springbrunnen, anmutigen Wiesen und mit königlicher Pracht
ausgeschmückten Anlagen geziert war, den Namen Alkibiades gab, den der
Park seitdem behalten hat.“
Die von den Griechen als für sie etwas ganz Neues und Unerhörtes
angestaunte Pracht dieser orientalischen Gärten steht völlig im
Einklang mit der weichlichen Genußsucht ihrer Erbauer, die ihr Leben
inmitten ihres Harems in üppigen Palästen und Gärten verträumten.
Demgegenüber ist es bezeichnend, daß wir bis in die Zeit Alexanders
des Großen, der im Juni 323 unerwartet in seinem 34. Lebensjahr in
Babylon starb, nichts von Gärten der Griechen erfahren. In ihren
kleinen städtischen Gemeinwesen nahm die Teilnahme am öffentlichen
Leben, an der Politik und an den nationalen Wettkämpfen ihr ganzes
Interesse in Anspruch. Ihre Tage verlebten sie meist außerhalb des
Hauses, auf dem Marktplatz, wo es immer etwas Neues zu verhandeln gab,
und nur soweit ihr Gewerbe sie dort festhielt, waren sie in ihrer
schmucklos einfach eingerichteten Wohnung anzutreffen. Für die träge
Ruhe des Gartengenusses der Morgenländer hatten sie weder Zeit noch
Verständnis. Was uns der Künder altgriechischen Lebens, Homer, vom
Garten zu erzählen weiß, läßt nur auf Obst- und Gemüsegärten schließen,
von deren kunstmäßiger Anlage keine Rede ist. Wohl lagen die Tempel
der olympischen Götter in Gärten, aber es waren dies keine Ziergärten,
sondern des Schattens wegen angelegte heilige Haine, in denen vielfach
Bildsäulen und andere Votivgegenstände aufgestellt wurden. Auch die
Säulenhallen der Gymnasien, in denen die Knaben und Jünglinge vor
allem in der körperlichen Ausbildung erzogen wurden und später auch
die Philosophen ihre Schüler zu regelmäßigen Vorträgen versammelten,
scheinen nur von Baumalleen umgeben gewesen zu sein. Was der Grieche
an Blumen zur Ausschmückung der Tafel bei Gastmählern bedurfte, wurde
in Nutzgärten gezogen und auf dem Markte zum Kauf feilgeboten. Einzig
zwei Gärten werden uns im Athen der klassischen Zeit genannt, die als
öffentliche Versammlungs- und Erholungsorte für das Volk dienten und
in welchen den Männern, die sich um den Staat verdient gemacht hatten,
Denkmäler errichtet wurden. Der eine befand sich in nächster Nähe der
Akademie, dem Lehrorte Platons, und war in der zweiten Hälfte des
5. vorchristlichen Jahrhunderts unter dem Staatsmann Kimon angelegt
worden. Der andere lag am Lykeion, wo Aristoteles lehrte. Beide waren
durch gerade Wege und Alleen regelmäßig eingeteilt, enthielten außer
den Plätzen für die körperlichen Übungen schattige Alleen und Haine
von Platanen, Terebinthen, Ulmen, Ölbäumen usw. zwischen grünen
Rasenplätzen und waren mit Altären und Statuen geschmückt.
Viel später berichtet uns der griechische Geschichtschreiber und
Geograph Pausanias, der zwischen 160 und 180 n. Chr. in seiner
Periegesis eine wertvolle Schilderung der von ihm bereisten Länder
gab: „Zu Athen hatte Apollon einen wunderschönen Hain, der aus Bäumen,
die man in Gärten zu ziehen pflegt, und aus allen möglichen Pflanzen
bestand, welche auch, ohne Frucht zu tragen, angenehm duften und
lieblich anzusehen sind.“ Ein anderer Grieche, mit dem romanisierten
Namen Longus, schildert uns seinen, allerdings mehr praktischen Zwecken
dienenden Garten folgendermaßen: „Ich habe einen Garten, den ich
mit eigener Hand besorge, und der zu jeder Jahreszeit seinen Ertrag
liefert: im Frühling Rosen, Lilien, Hyazinthen und beiderlei Veilchen
(nämlich Blauveilchen und Weißveilchen oder Levkojen), im Sommer Mohn,
den weidenblättrigen Birnbaum und alle Äpfelarten.“
Weniger bescheiden als in Griechenland mögen die Gärten in den
reichen Handelsstädten Kleinasiens gewesen sein, wo der orientalische
Einfluß den schon zuvor vorhandenen einfachen Hausgarten in den
letzten Jahrhunderten der vorchristlichen Zeitrechnung immer größer
und üppiger, mit zahlreichem Blumenflor und schattigen Ruheplätzen
ausgestaltete. Dieser von künstlerischem Standpunkt, wie alles, was
die Griechen unternahmen, eingerichtete Garten trug mancherlei vom
Orient übernommene Blumen und Zierpflanzen, war aber im übrigen recht
einfach. So lernten ihn die Römer in Unteritalien kennen und ahmten
ihn bald nach. In dem Maße als das Bürgertum Roms wohlhabender wurde,
ward das vordem vom Rauch des Herdfeuers geschwärzte Atrium zu einem
als Empfangsraum benutzten weiten Vorraum umgewandelt, der in seiner
Mitte unter der Lichtöffnung ein kleines Wasserbassin zur Aufnahme des
vom Dach zusammengelaufenen Regenwassers aufwies. Im hinteren Hausteil
gruppierten sich die Gemächer um einen offenen, meist von Säulenhallen
umgebenen Hof, das Peristyl, das, wie wir aus den Funden von Pompeji
wissen, häufig sehr große Abmessungen hatte und mit der Zeit ganz in
einen Garten verwandelt wurde. Regelmäßig gestaltete Rasenflächen
und Blumenbeete zerlegten ihn in mehrere Rechtecke, die von niedrig
gehaltenen Buchshecken eingesäumt waren und außer Rosenstöcken
einzelne Sträucher von Lorbeer und Myrte trugen. In der Hofmitte
befand sich gewöhnlich ein Wasserbecken, und zwischen den Säulen
der ringsum laufenden Halle liebte man in der späteren Kaiserzeit
aus dem Morgenlande eingeführte Zedratzitronen in großen Tonkübeln
aufzustellen, wie zur Zeit Ludwigs XIV. in Holzkübeln gepflanzte und
in besonderen Orangerien überwinterte Pomeranzenbäume die Alleen der
Prunkgärten einfaßten. Die Wände des Peristyls trugen meist bunte
Malereien, die dem Ganzen ein vornehmes Gepräge verliehen, und aus dem
Grün der Vegetation leuchteten farbige Statuetten hervor. Plätschernde
Springbrunnen verbreiteten im Sommer angenehme Kühlung und im Gezweig
der in Alleen gestellten Bäume trieben Vögel ihr munteres Spiel.
Besonders in Syrien verwendete man nach Plinius viel Fleiß auf die
Gärten, zumal die Gemüsegärten, so daß ein griechisches Sprichwort
sagt: „Die Syrer haben vielerlei Kohl.“ Auch ihre Obst- und Ziergärten
müssen sehr sorgfältig gepflegt worden sein. Daß später die Römer mit
Vorliebe syrische Sklaven, die in der höheren Gärtnerei, im Veredeln,
Pfropfen, Vermehren und zweckmäßigen Beschneiden der Obstbäume einen
besonderen Ruf im Altertum genossen und in aller Gartentechnik Meister
waren, zum Besorgen ihrer eigenen Gärten und Obstkulturen benutzten,
davon war bereits bei der Besprechung der Fruchtbäume die Rede. Ein
ungenannter Grieche der hellenistischen Zeit gibt uns in den Geoponiká,
einer wahrscheinlich ums Jahr 912 n. Chr. veranstalteten Sammlung
von Auszügen aus guten alten griechischen Schriften über Land und
Gartenwirtschaft, folgende Ratschläge zur Anlegung eines Ziergartens:
„Der Garten (~parádeisos~) muß so liegen, daß man ihn von der Villa
aus sehen, sich an seinem Anblick laben und die durch den Blumenduft
gewürzte und dadurch gesündere Luft atmen kann. Er muß von einer Mauer
oder anderen Umzäunung eingefaßt sein. Die Pflanzen selbst dürfen
nicht unordentlich gemischt gepflanzt werden, als wenn gerade die
Verschiedenheit angenehm ins Auge fiele, sondern sie müssen nach den
verschiedenen Arten getrennt stehen, damit nicht die kleinen von den
großen gedrängt oder der Nahrung beraubt werden. Die Räume zwischen
den Bäumen müssen mit Rosen oder Lilien oder Veilchen oder Safran
ausgefüllt sein. Diese gewähren einen lieblichen Anblick, Wohlgeruch,
sind auch sonst zu brauchen, vermehren auch die Einkünfte und geben
den Bienen Nahrung. Die Bäume müssen von Bäumen stammen, die in
voller Kraft stehen; doch muß man im voraus wissen, daß die aus Samen
gezogenen in der Regel schlechter sind als die von Ablegern stammenden.
Noch besser als diese sind aber die veredelten, nicht bloß in betreff
der Schönheit der Früchte, sondern auch an Fruchtbarkeit und baldigem
Ertrag.“
Als die Römer sich den ihnen bekannten Erdkreis unterjochten, kamen sie
in ihren östlichen Provinzen mit der hellenistischen und asiatischen
Kultur in enge Berührung. Die Folge davon war, daß die Vornehmen dieses
einst rauhen, Ackerbau treibenden und Krieg führenden Volkes es in
der luxuriösen Lebensführung ihren asiatischen Vorbildern gleich zu
tun strebten. Mit dem Reichtum und den Kunstschätzen, die sie aus den
eroberten östlichen Provinzen heimbrachten, überführten sie auch mit
der Kenntnis orientalischer Sitten die dort altgewohnte Kunst, das
Leben fern vom ermüdenden Treiben der Stadt in gartenmäßig verschönter
Natur zu genießen. So füllte sich kurz vor und während der Kaiserzeit
nicht nur die nähere Umgebung Roms, sondern ganz Italien mit prächtigen
Gärten nach den Vorbildern des Ostens. In ihnen bildete die Villa,
das große Landhaus, den Mittelpunkt, von dem die Anlagen des Gartens
gleichsam ausstrahlten. Im Gegensatz zum Stadthaus, das auf engem Raum
stets in der hergebrachten Weise mit Atrium und Peristyl errichtet
wurde, pflegte man in der Villa den besonderen Liebhabereien des
Erbauers Rechnung zu tragen und als Fortsetzung der Wohnung in die
Natur hinaus ausgedehnte Gartenanlagen mit Frucht- und Zierbäumen zu
errichten.