Diese brechenerregende und expektorierend wirkende Droge hat eine sehr

interessante Geschichte, die es wohl verdient, hier in Kürze mitgeteilt

zu werden. Der Name Ipecacuanha, den uns die Portugiesen vermittelten,

stammt aus der Tupisprache und ist aus ~i~ (klein), ~pe~ (am Wege),

~caá~ (Kraut), ~guéne~ (brechenerregend) zusammengesetzt, bedeutet also

„kleines Kraut, das am Wege wächst und Brechen erregt“. Die Tupi- und

andern Indianer Brasiliens verwandten sie als Brechmittel. Da sie aber

außer ihr noch andere Wurzeln als solches benutzten und mit dem Worte

„~pe-caá-guéne~“ -- zusammengezogen in ~pecacuém~ -- bezeichneten,

erhielt sie zur Unterscheidung von den größeren die Benennung ~i~

(klein), also ~I-pe-caá-guéne~. Der portugiesische Volksname der Droge

ist aber nicht Ipecacuanha, sondern Poaya. Zum erstenmal wird sie

1590 vom portugiesischen Mönch Michael Tristram, der von 1570-1600

in Brasilien lebte, unter dem Namen Igpecaya oder Pigaya erwähnt;

aber erst 1648 wurde sie durch den holländischen Arzt Wilhelm Piso

in Europa genauer bekannt. Auf einer von 1636-1641 unter Führung des

Grafen Moritz von Nassau-Siegen unternommenen Forschungsreise durch

Brasilien lernte er sie kennen und gab dann nach seiner Heimkehr die

erste Beschreibung und Abbildung der Pflanze, die er Ipecacuanha nennt.

Gleichwohl war man über die botanische Stellung der Pflanze noch lange

im unklaren. Réjus hielt sie für eine Art Einbeere (~Paris~), Moriceau

für eine Art Geißblatt (~Lonicera~) und der große Karl von Linné für

eine Art Veilchen, weshalb er sie ~Viola Ipecacuanha~ nannte. Erst

der portugiesische Marinearzt ~Dr.~ Bernardino Antonio Gomez gab 1801

die nötige Berichtigung über die von ihm in Brasilien kennen gelernte

Stammpflanze. 1804 beschrieb Wildenow die Pflanze als ~Cephaēlis

ipecacuanha~; später zog der Aargauer Müller das Genus ~Cephaēlis~ zu

~Psychotria~.

Größere Aufmerksamkeit erregte die Droge erst zu Ende des 17.

Jahrhunderts. 1672 brachte sie der Arzt Le Gras nach einem dreimaligen

Aufenthalte in Brasilien von dort mit; von ihm erhielt sie der

Apotheker Claquenelle, ebenso Lemery. Dann brachte der Arzt Daliveau

aus Montpellier, der die Pflanze in Brasilien gesehen und dort auch

ihre Verwendung kennen gelernt hatte, Nachrichten über sie mit nach

Europa. 1680 bekam ~Dr.~ Afforti von dem aus Brasilien zurückgekehrten

und nach schwerer Erkrankung von ihm geheilten Kaufmann Garnier

zum Dank eine Portion Ipecacuanha unter dem Namen der brasilischen

Ruhrwurzel. Afforti beachtete dieselbe nicht, gab aber davon dem

Studenten Joh. Adrian Helvetius, der damit nach seiner Etablierung in

Reims 1684 sehr gute Kuren bei Ruhr machte. Er erregte damit weithin

in Frankreich Aufsehen, so daß ihm Ludwig XIV. sein als Geheimnis

behandeltes Mittel um 1000 Louisdor abkaufte und ihm dazu noch ein

Privilegium des Alleinverkaufs erteilte. In Deutschland lenkte

besonders Leibnitz die Aufmerksamkeit auf das neue Mittel, über das er

in den Verhandlungen der Leopoldinischen Sozietät der Naturforscher

im Jahre 1696 eine Abhandlung: ~De novo antidysenterico americano~

veröffentlichte. Zwei Jahre später nahm sich Valentini der Droge im

besonderen an, doch ging es noch längere Zeit, bis sie allgemeinere

Verwendung fand. Bis weit in die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts

war sie in den Apotheken noch recht selten und dementsprechend teuer.

So kostete das Pfund nach Valentini 1704 30 Gulden und das Lot (10 g)

in Mülhausen 8 Pfennige. 1887 kamen dann die ersten Proben aus den

seit 1866, anfangs allerdings ohne Erfolg in Indien, besonders um

Kalkutta, angelegten Kulturen auf den Londoner Markt und erwiesen sich

als der brasilianischen Droge ebenbürtig. Von der von Hooker aus dem

botanischen Garten von Kew bei London gesandten Stammpflanze waren

1872 nur noch 12 Pflanzen als Nachkommen vorhanden. Eine Vermehrung

durch Stecklinge hatte größeren Erfolg; so erzielte man auf diese Weise

von 300 in den Jahren 1871 und 1872 in Sikkim vorhandenen Exemplaren

bereits 1873 6000 Stück. Doch hatte die Kultur der Ipecacuanha auch

hier erst rechten Erfolg, als man begann, den Bedürfnissen der Pflanze

nach Feuchtigkeit und Schatten Rechnung zu tragen.

Bei der Gesuchtheit der Droge kann es uns nicht wundern, daß sie

sehr oft mit falscher Ipecacuanha vermischt und so gefälscht wird.

Von solcher kommt die in Kolumbien wachsende ~Cephaēlis acuminata~

der echten am nächsten. Ihr unterirdisch kriechender Stamm ist

rötlichbraun und bis 8 mm dick. Man bezeichnet diese Sorte als

Cartagena-Ipecacuanha, weil sie vom gleichnamigen Hafen in Kolumbien

exportiert wird. Erheblich schwächer wirkend ist die aus dem nördlichen

Südamerika stammende dünnere, hellgraue bis graubraune „mehlige

Ipecacuanha“, so genannt, weil die mit nur schwachen Einkerbungen

versehene sehr dicke Rinde im Durchschnitt mehlig weiß ist. Sie stammt

von ~Richardsonia scabra~. Größer und stärker als die echte Rioware,

aber sehr arm an Emetin, ist die bis 8 mm dicke, außen graubraun

bis grauschwarze „schwarze Ipecacuanha“, die von der in Venezuela,

Peru und Kolumbien (dem vormaligen Neu-Granada) wachsenden ~Psychotria

emetica~ herrührt. Ganz emetinfrei ist die stark verästelte und mit

spärlichen Einschnürungen versehene grauweiße oder hellbraungelbe

„weiße Ipecacuanha“, die von der brasilischen Veilchenart ~Jonidium

ipecacuanha~ stammt, ebenso die von ~Viola itoubou~, von ~Polygala

violacea~ in Venezuela, von ~Chamaelirium luteum~ und ~Heteropteris

pauciflora~ in Brasilien und andern. Ganz schwach emetinhaltig ist

dagegen die mit sehr dünner Rinde und ohne Einschnürungen versehene

Trinidad-Ipecacuanha von ~Cephaëlis tomentosa~.

Ebenfalls durch die Portugiesen zuerst in Europa bekanntgeworden

ist die außer als appetitanregendes Mittel auch wie die Ipecacuanha

gegen Ruhr verwendete +Colombowurzel+, die von der in den Wäldern der

ostafrikanischen Küstenländer heimischen ~Jatrorrhiza palmata~ stammt.

Heute wird sie außer in Mozambique, wo sie die Portugiesen bei ihrer

Niederlassung von den Eingeborenen als stopfende Arznei kennen lernten,

in Deutsch-Ostafrika, auf Madagaskar, den Maskarenen, Seychellen

und Ceylon kultiviert. Die dem kurzen Wurzelstock entspringenden

rübenförmig verdickten, bis 30 cm langen und bis 8 cm dicken,

fleischigen Wurzeln der zu den Menispermazeen gehörenden ausdauernden,

strauchartigen Pflanze werden im März gegraben, gewaschen, in 2 cm

dicke Scheiben geschnitten, auf Schnüre gezogen und im Schatten

getrocknet. In von Matten umhüllten Ballen von etwa 50 kg Gewicht

kommen sie aus Mozambique, Sansibar oder Bombay nach Hamburg und London

in den Handel. Sie sind im Durchschnitt gelb und enthalten außer

reichlich Stärkemehl und Gummi, die dem daraus hergestellten Dekokt

eine schleimige Konsistenz geben, drei Alkaloide und zwei Bitterstoffe.

Der Name Colombo hat keinerlei Beziehung zur gleichnamigen Stadt auf

Ceylon, sondern rührt von der Bezeichnung ~kalumb~ her, die ihr die

Kaffern gaben. Zuerst empfahl der toskanische Arzt Francesco Redi 1675

die Calumba als giftwidriges Mittel. Als solches hat sie sich nun

nicht bewährt, wohl aber als tonisches Bittermittel und zum Stopfen

bei Durchfällen. Ihre Abstammung und Heimat wurde geheim gehalten,

bis Philipp Commerson 1770 die sie liefernde Pflanze im Garten des

Gouverneurs Poivre auf Isle de France (jetzt Mauritius genannt)

kultiviert fand. Erst seit sie der Arzt Gaubius in Leiden im Jahre

1771 angelegentlich empfahl, wird sie häufiger medizinisch verwendet.

Die sogenannte amerikanische Colombowurzel von der Gentianee ~Frasera

carolinensis~ aus Ohio, Carolina und Pennsylvanien enthält nur

Gerbsäure und ist minderwertig. Am meisten wird die Droge durch die mit

Ocker gelb gefärbte Wurzel der Zaunrübe (~Bryonia alba~ und ~dioica~)

verfälscht.

Von einem im atlantischen Nordamerika, namentlich Virginien, Florida

und Alabama heimischen immergrünen klimmenden Strauch (~Gelsemium

sempervirens~) aus der Familie der Loganiazeen, die sehr stark

giftige Vertreter, wie den das Strychnin liefernden Brechnußbaum,

den Curarebaum, aus dem die Indianer in Guiana und Venezuela ihr

berüchtigtes Pfeilgift, den schlingenden Upasstrauch, aus dessen

Wurzelrinde die Malaien Javas ihr nicht minder gefährliches Pfeilgift

Upas herstellen, und den vom Jesuiten Camelli 1699 nach dem Stifter

des Jesuitenordens, Ignatius Loyola, Ignatiusstrauch benannten

Schlingstrauch der Philippinen, der die äußerst giftigen Ignatiusbohnen

liefert, aufweist, stammt die +Gelsemiumwurzel+. Gelsemium ist der

ältere Name des Jasminum -- hergeleitet vom arabischen ~jasmin~ --,

der dieser Pflanze wegen ihrer Ähnlichkeit mit diesem orientalischen

Strauche gegeben wurde. Das Rhizom kommt meist in kleine Stücke

zerschnitten in den Handel und enthält vier Alkaloide, die als

schmerzbetäubendes Mittel bei Neuralgien, Zahnschmerz, Rheumatismus und

Brustfellschmerzen dienen. Die Indianer brauchten sie zum Vergiften der

Fische. Diese bei uns weniger angewandte Droge dient in Nordamerika

seit langer Zeit als Volksmittel gegen Fieber und Neuralgien. Die

Wirkung besteht in Schwächung der Motilität und Herabsetzung der

Sensibilität; in größeren Gaben verursacht die Droge Schwindel,

erweiterte Pupillen und Doppeltsehen, allgemeine Muskelschwäche und

schließlich Tod durch Atmungslähmung.

Der getrocknete Wurzelstock der kanadischen Gelbwurz (~Hydrastis

canadensis~) liefert die neuerdings auch bei uns wie in ihrer Heimat

vielgebrauchte +Hydrastis+, die schon lange vor Ankunft der Europäer

von den nordamerikanischen Indianern teils zu medizinischen Zwecken,

besonders bei Entzündungen der Augen, des Mundes und des Halses,

teils zum Färben des Gesichtes und der Kleidungsstücke benutzt wurde.

In derselben Weise wurde das Rhizom noch jahrhundertelang nach der

Entdeckung Amerikas als ~golden seal~, d. h. goldene Siegelwurz, als

Aufguß oder Tinktur weiter gebraucht, bis es 1860 in die Pharmakopoe

der Vereinigten Staaten aufgenommen wurde, nachdem es schon seit 1833

allgemeiner als Arznei verwendet und seit 1847 in größeren Mengen in

den Handel gebracht worden war. Die Verwendung in Europa datiert erst

seit 1883. 1851 entdeckte Durand das wichtigste der darin enthaltenen

Alkaloide, das Hydrastin, das bis zu 4,8 Prozent darin enthalten ist

und sich im Körper in Hydrastinin und Opiansäure spaltet. Hydrastis

wirkt gefäßverengend und darum Blutungen stillend. Besonders gegen

Gebärmutterblutungen wird es viel verwendet, außerdem auch bei

chronischem Magenkatarrh und äußerlich bei Augenentzündungen. Die

sie liefernde Pflanze ist eine in den feuchten Wäldern Kanadas und

besonders der nordöstlichen Vereinigten Staaten heimische ausdauernde

Schattenpflanze aus der Familie der Ranunculazeen mit 2-3 handförmig

gelappten Blättern und grünlichweißen Blüten, die wegen des erhöhten

Verbrauchs im wilden Zustande fast nicht mehr vorkommt und zurzeit

in den Staaten südlich von New York an schattigen Hügeln und in

Waldlichtungen in größerer Menge angepflanzt wird. Die Wurzelstöcke

sollen nur von der dreijährigen Pflanze im Herbst nach der Samenreife

gesammelt, gereinigt und, auf große Tücher ausgebreitet, an der Luft

getrocknet werden. In Ballen oder Säcke verpackt kommen sie meist über

Cincinnati zum Versand. Vielfach werden sie mit den Wurzelstöcken der

in den dortigen Waldungen heimischen ~Aristolochia serpentaria~ und

anderer ausdauernder Kräuter verfälscht.

Ebenfalls in Nordamerika heimisch ist die nach dem Stamme der

Seneka-Indianer oder Irokesen benannte +Senegawurzel+, die von

einer nördlich vom Tennesseeflusse vom Atlantischen Ozean bis zum

Felsengebirge vorkommenden ausdauernden Kreuzblumenart (~Polygala

senega~) gewonnen wird. Schon von den Indianern wurde sie als Mittel

gegen den Biß der Klapperschlange verwendet. 1736 wurde sie deshalb

von dem in Virginien ansässigen schottischen Arzte John Tennent

als ~Senega rattle snake root~ (S.-Klapperschlangenwurzel) in den

Arzneischatz eingeführt. Schon 1734 gab der Nürnberger Arzt Jakob Treu

eine Abbildung der Stammpflanze. Noch im Jahre 1779 war nach Murray

die Droge in Deutschland nur in wenigen Apotheken vorrätig. 1804

stellte dann Gehlen das bis zu 5 Prozent darin enthaltene, dem Saponin

ähnliche, in kaltem Wasser unlösliche Alkaloid Senegin dar, das neben

dem sauren Glykosid, der Polygalasäure und zwei neutralen Glykosiden

darin vorkommt. Die Wirkung der Droge ist eine schleimlösende,

schweißtreibende und leicht abführende. Wie die folgende wird sie auch

als Waschmittel benutzt.

Denselben Zwecken dient die gleicherweise meist als Abkochung

verordnete +Quillaia+- oder +Seifenrinde+, die von dem immergrünen, in

Chile, Peru und Bolivien heimischen Seifenbaume (~Quillaia saponaria~)

gewonnen wird. Den in seiner Heimat gebräuchlichen Namen Quilla hat

er vom spanischen Worte ~quillái~, das „waschen“ bedeutet; denn

seine Rinde wurde seit langer Zeit im Lande zum Waschen benutzt. Als

Wasch- oder Panamarinde kam sie zuerst von Panama aus zu Anfang der

1850er Jahre nach England und Frankreich, einige Jahre später auch

nach Deutschland. Seit dieser Zeit hat sie, da sie die Farben nicht

angreift, technisch statt Seife in den Wäschereien eine große Bedeutung

erlangt. Sie ist außen grob längsgestreift, oft rissig, weißlich oder

hellbraun, innen glatt und bräunlich, hat einen kratzend bitteren,

schleimigen Geschmack und enthält außer bis 10 Prozent Saponin die der

Polygalasäure sehr nahestehende Quillaiasäure, Sapotoxin und Lactosin.

Sie wird als Ersatz der Senega bei chronischem Lungenkatarrh in Form

einer beim Schütteln stark schäumenden Abkochung gegeben; auch kommt

ein als Saponin bezeichnetes Extrakt derselben in den Handel. Die Rinde

selbst wird jetzt direkt von Chile und Peru nach Hamburg und Havre

gebracht, die die Hauptstapelplätze dafür sind. Jährlich kommen davon

über 3 Millionen kg im Werte von einer halben Million Pesos (fast

ebensoviel Mark) allein aus Chile in den Handel. Auch das mittelharte

Holz ist dort geschätzt und wird zu feineren Geräten, besonders zu

den im Lande gebräuchlichen schuhartigen, hölzernen Steigbügeln, die

mit reichgemusterten Ornamenten in Kerbschnittmanier verziert sind,

verwendet. Der Quillái ist eine bis 10 m Höhe erreichende Rosazee,

deren bis gegen 2 m dicker Stamm, unbeschadet des Wohlbefindens der

Pflanze, öfter im Innern vermorscht. Er ist nicht besonders dicht

verzweigt und seine Äste gehen stark auseinander. Er hat elliptische,

glänzende, lederharte, hellgrüne Blätter und zu kleinen Trauben

vereinigte weiße Blüten. Er steigt über 2000 m ins Gebirge hinauf,

doch wird ihm leider von den Rindensammlern (~cascarilleros~), denen

man mit ihren schwarzbraunen Lasten oft begegnet, arg zu Leibe

gegangen. Früher entrindeten sie die Bäume meist nur so weit, als sie

reichen konnten, während sie jetzt mit Hilfe von Leitern die Entrindung

bis weit in das Astwerk hinein vornehmen.

Ebenfalls aus Südamerika stammt die erst seit 1871 durch Garcia Morena,

den damaligen Präsidenten von Ekuador, nach Europa gesandte und hier

bald als angebliches Heilmittel gegen Magenkrebs sehr überschätzte

und sehr teuer bezahlte +Condurangorinde+, d. h. Geierrinde. Schon

lange steht sie in ihrer Heimat gegen Schlangenbiß und krebsartige

Krankheiten bei den Indianern im Gebrauch. Ihre Stammpflanze ist eine

an den Westabhängen der Kordilleren zwischen Ekuador und Peru in

1500 m und mehr Höhe wachsenden Liane (~Marsdenia condurango~) aus

der Familie der Asklepiadazeen mit gegenständigen, breiten, samtartig

behaarten Blättern, paarigen Rispen kleiner Blüten und dicken, glatten

Fruchtkapseln. Ihre Rinde ist graubraun, schmeckt bitterlich, schwach

kratzend, riecht aromatisch und enthält als wichtigsten Bestandteil

ein als Condurangin bezeichnetes Gemisch von fünf Glykosiden, das

appetitanregend wirkt. Deshalb wird die Rinde auch heute noch gerne als

Stomachikum gegeben.

Sehr viel wichtiger als sie ist eine andere südamerikanische,

ebenfalls aus dem Andengebiet stammende Rinde, die +Chinarinde+, die

weitaus die wichtigste Droge ist, die uns der neue Weltteil geschenkt

hat; ja sie kann geradezu als das wichtigste Heilmittel aus dem

Pflanzenreiche bezeichnet werden, da sie beziehungsweise das aus

ihr gewonnene Chinin allein imstande ist, die weitaus verbreitetste

und bösartigste aller Krankheiten, besonders der warmen Länder, die

Malaria, an der bisher viele Hunderttausende von Menschen jährlich

zugrunde gingen, zu heilen, und dadurch der Weiterverbreitung dieser

schrecklichen Krankheit durch die Anópheles-Stechmücken zu wehren. In

Berücksichtigung der ungeheuren Bedeutung, die diesem Arzneimittel zur

Ausrottung der die schönsten und fruchtbarsten Gebiete der Tropen für

Weiße bisher fast unbewohnbar machenden Infektionskrankheit zukommt,

wollen wir etwas eingehender auf die Geschichte dieser Droge eingehen.

Zunächst ist festzustellen, daß die Bezeichnung China durchaus

nichts mit dem ostasiatischen Reiche der Mitte zu tun hat, sondern

der alten Inkasprache Perus angehört, in der es als ~quina~ (sprich

~kina~) Rinde bedeutet. Und zwar bezeichneten die Eingeborenen damit

eine bestimmte, von stattlichen Bäumen der Ostabhänge des nördlichen

Teiles von Peru und südlichen Gebietes von Ekuador in über 1000 m

Meereshöhe gewonnene, frisch blaßgelbe, durch Trocknen und Lagern aber

braun werdende Rinde, die sie gegen Fieber verwendeten. Im Gegensatz

zu anderen Rinden, die sie als Heilmittel verwandten, bezeichneten sie

die Chinarinde durch Verdoppelung des Wortes ~quina~ als ~quinaquina~

im Sinne von etwa guter Rinde. Als dann die verhaßten fremden

Eindringlinge, die Spanier, die so grausam gegen das Herrscherhaus

der Inkas verfuhren, das Land besetzten, wurde ihnen zunächst das

Geheimnis, das übrigens nur in einem beschränkten Gebiet der engeren

Heimat des Fieberrindenbaumes, nämlich in der Gegend von Loxa im

südlichsten Teil von Ekuador, bekannt war, nicht verraten. Erst 1630

wurde die Chinarinde durch die Vermittlung eines Jesuiten, der sich

durch seine Leutseligkeit das Vertrauen und die Liebe der Eingeborenen

zu erwerben wußte, den Spaniern im Innern von Peru bekannt. Der erste

Weiße, der damit vom Wechselfieber soll geheilt worden sein, war

der Corregidor oder Oberrichter -- eine Art vom König eingesetzter

Verwalter -- der Stadt Loxa, Don Juan Lopez de Canizares. Die

~cascara~ (Rinde) ~de quinaquina de Uritusingu~ empfahl er bei seinen

Bekannten weiter und durch seine Vermittlung wurde im Jahre 1638 die

Gemahlin des Vizekönigs von Peru, Gräfin Anna de Chinchon (sprich

Tschintschon), damit von einem hartnäckigen Wechselfieber geheilt. Ihr

zu Ehren wurde dann 1742 der Fieberrindenbaum durch Karl von Linné

Cinchona -- eigentlich sollte es Chinchona heißen -- genannt. Nach

ihrer Genesung ließ die Gräfin größere Mengen der so vortrefflich das

Fieber bekämpfenden Rinde aus Loxa kommen und verteilte sie bei den ihr

bekannten Malariakranken der Stadt Lima. So kam dieses neue Heilmittel

als „Gräfinnenpulver“ ~polvo de la condesa~ zunächst in Perus

Hauptstadt in Gebrauch. 1640 brachte Juan de Vega, der Leibarzt des

Grafen Chinchon, das erste Pfund der Rinde nach Sevilla in Spanien.

[Illustration:

Tafel 131.

(Phot. Vincenti, Daressalam.)

Ein Saatbeet für junge Chinabäume in Deutsch-Ostafrika.]

[Illustration:

Tafel 132.

Ein Kussobaum in der Landschaft Schoa in Abessinien.

(Nach Photogr. von F. Rosen in „Karsten u. Schenck,

Vegetationsbilder“.)]

[Illustration: Chinabäume (~Cinchona succirubra~) auf Lembang in Java.]

In der Folge waren es besonders die Jesuiten, die sich des

einträglichen Handels mit der Chinarinde bemächtigten, weshalb sie

in Spanien als Jesuitenpulver, ~polvo de los jesuitos~, bekannt

wurde. Bis zum Jahre 1811 war ja der ganze Handel mit den spanischen

Kolonien durch das Mutterland monopolisiert. In Sevilla befand sich

die berühmte, 1503 gegründete ~casa de contractacion de Indias~, eine

zugleich verwaltende und richterliche Funktionen ausübende Behörde,

die dem 1511 eingesetzten Rate von Indien unterstellt war und die

oberste Aufsichtsbehörde für den amerikanischen Handel bildete. Kein

Schiff durfte nach Amerika absegeln oder, von dorther kommend, in

Europa landen, ohne von den Beamten der ~casa~ besichtigt und mit der

erforderlichen Erlaubnis versehen worden zu sein. Jeder spanische

Kapitän, er mochte auslaufen wo er wollte, durfte seine Rückfahrt

aus Amerika nur über Sevilla nehmen. Im Jahre 1529 erhielten auch

verschiedene andere Städte die Erlaubnis, Schiffe nach den Kolonien

zu senden, aber den Rückweg mußten alle über Sevilla nehmen, um die

Revision durch die Beamten der ~casa~ zu bestehen. Dieses ungeheure,

aber für den Handel äußerst hemmende Vorrecht besaß Sevilla bis zum

Jahre 1720, in welchem Cadix an seine Stelle trat, weil im Laufe der

Zeit der Guadalquivir durch Versandung so verflacht war, daß ihn

größere Schiffe nicht mehr befahren konnten.

Durch die Monopolisierung und den hohen Eingangszoll kam die

pulverisiert eingeführte Chinarinde, die sich in Spanien bald großer

Beliebtheit als Heilmittel gegen die Malaria zu erfreuen hatte, sehr

hoch zu stehen, so daß sich nur die Reichen ihrer bedienen konnten.

Kostete doch noch lange nach 1650 das Pfund derselben nicht weniger

als 400 Mark. Schon 1642 empfahl sie Barba, Professor der Medizin in

Valladolid. 25 Jahre später war sie in den größeren Städten Europas

bekannt und geschätzt. Zu dieser raschen Verbreitung der ~quinaquina~

trug namentlich die rührige Tätigkeit des Generalprokurators des

Ordens Jesu, des Kardinals de Lugo, viel bei, der in Rom den ersten

Stapelplatz des aus Südamerika neu eingeführten Heilmittels errichtete.

Auf seiner Durchreise empfahl er das Mittel in Paris dem höchst

einflußreichen Kardinal Mazarin gegen die Malaria, an der Ludwig XIV.

litt. Und als dieser davon geheilt wurde, wollte bald jedermann, dessen

Geldbeutel sich diesen Luxus leisten konnte, von der so wunderbar

schnell vom Fieber befreienden pulverisierten Rinde Gebrauch machen.

1653 war sie in Antwerpen, 1655 in London, 1663 in Königsberg,

1669 in Leipzig und Frankfurt am Main zu kaufen, doch kostete ein

Quentchen=1,66 g 50 Kreuzer, d. h. den zwölffachen Preis des Opiums

und den fünfundzwanzigfachen des Kampfers. Als Geheimmittel konnte sie

noch 1679 der englische Arzt Robert Talbot ausnutzen, der in jenem Jahr

dieses Fieber vertreibende Arcanum Ludwig XIV. für 2000 Louisdor und

eine Leibrente verkaufte.

Die erste rohe Beschreibung und eine allerdings sehr unvollkommene

Abbildung der Pflanze gab Blegny. Genauere Angaben über die Herkunft

und Gewinnung der Droge verdanken wir dem Franzosen La Condamine, der

von 1736-1744 Peru bereiste, 1737 bei Loxa die ~Cinchona officinalis~

sammelte und 1740 eine ausführliche Beschreibung nebst Abbildung der

Pariser Akademie der Wissenschaften vorlegen ließ. 1739 fand dann J.

de Jussieu ebenfalls bei Loxa die später als ~Cinchona pubescens~

bezeichnete Art. 1760 wurde der Botaniker Mutis und 1777 Ruiz und Pavon

vom spanischen Ministerium mit der genaueren Erforschung des Chinabaums

beauftragt. Ersterer beobachtete um die peruanische Stadt Bogota herum

4 verschiedene Cinchonaarten und letztere, die nach eingehendem Studium

von Peru und Chile erst 1788 nach Spanien zurückkehrten, beschrieben

1793 deren nicht weniger als 11 Arten. 1810 stellte der Apotheker Gomez

in Lissabon eine amorphe Masse aus der Chinarinde dar, in welcher 1827

die beiden Franzosen Pelletier und Caventou die zwei Alkaloide Chinin

und Cinchonin nachwiesen. Seit dieser Zeit wurden aus den Chinarinden

noch eine Anzahl anderer Alkaloide neben Säuren, einem bittern Glykosid

Chinovin und dem Chinarot dargestellt.

Kulturgeschichte der Nutzpflanzen, Band IV, 2. Hälfte · 第 37 / 81 段