in der Gerberei und Färberei verwandt, ist der +Kino+, eine
dunkelrotbraune bis schwärzliche, in dünnen Splittern rubinrot
durchscheinende Masse von stark zusammenziehendem Geschmack und den
Speichel rot färbend, die durch Einschnitte in die Rinde verschiedener
tropischer Bäume gewonnen wird. Unter diesem Namen kam zuerst um 1733
der eingetrocknete rote Saft des westafrikanischen Baumes ~Pterocarpus
erinaceus~, eines Schmetterlingsblütlers aus Senegambien, über London
in den Handel. Im Jahre 1811 wurde dieser Name auf den Saft des nahe
mit diesem verwandten indischen ~Pterocarpus marsupium~ übertragen, der
an der Malabarküste wächst und dort von den Eingeborenen in der Weise
angezapft wird, daß etwas über dem Boden rinnenförmige Einschnitte in
die Rinde gemacht werden, aus denen ein zäher, roter Saft ausfließt,
der aufgefangen oder, am Stamme erhärtet, gesammelt und an der Sonne
vollends getrocknet wird. In demselben Jahre 1811 wurde unter demselben
Namen der dem vorigen sehr ähnliche Saft verschiedener Eukalyptusarten
Australiens in England eingeführt, ebenso neuerdings aus Hinterindien
der von ~Pterocarpus indicus~ und ~wallichii~, aus Bengalen der von
~Butea frondosa~ und aus Westindien der von ~Coccoloba uvifera~.
Der Malabarkino enthält außer Kinoin und Kinorot bis 85 Prozent
Kinogerbsäure.
[Illustration:
Tafel 129.
(Stich von Ph. Gallo nach Joh. Stradanus.)
Darstellung der medizinischen Anwendung des Guajakholzes gegen die als
Franzosenkrankheit bezeichnete Syphilis.]
[Illustration: Der Botanische Garten zu Leiden.
(Nach einem in der graphischen Sammlung zu München befindlichen
Stiche.)]
[Illustration:
Tafel 130.
Ein Kampferbaum im Botan. Garten zu Tokio in Japan. (Nach einer in
der Sammlung des Botan. Institutes der Universität Wien befindlichen
Photogr. von H. Hallier.)]
[Illustration: Stinkasant (~Asa foetida~).
(Nach einer Photographie aus dem Botanischen Garten zu München.)]
Ihm ähnlich, nur leichter zerbrechlich und schneller in Wasser
auflösbar ist der Extrakt der peruanischen +Ratanhiawurzel+, die
außer Ratanhiarot bis über 40 Prozent Ratanhiagerbsäure enthält und
gleicherweise als Adstringens in der Medizin, wie auch zum Gerben
verwendet wird. Ratanhia nannten die Indianer des altperuanischen
Quitschastammes die relativ große Wurzel eines in Peru wie in dem
angrenzenden Brasilien und Bolivien auf sandigen Abhängen der
Kordilleren in 1000-2500 m Höhe wachsenden Halbstrauchs aus der zu
den Leguminosen gehörenden Familie der Caesalpinieen, die sie seit
langer Zeit als Heilmittel verwandten. Sie benutzten sie auch als
ein das Gebiß konservierendes Mittel zum Reinigen der Zähne, wie
alle Naturvölker Wurzeln oder Zweige bestimmter Holzarten zum meist
fleißig von ihnen geübten Zahnputzen in Anwendung bringen. Als solches
Zahnputzmittel lernte der spanische Botaniker Ruiz die Ratanhiawurzel
bei den Frauen von Huanuco und Lima kennen und brachte sie nach
Spanien, von wo sich ihre Anwendung bald über Frankreich, England und
Deutschland verbreitete. Obschon bereits 1805 Wildenow in Deutschland
die Aufmerksamkeit der Ärzte auf diese neue Droge lenkte, wurde sie
doch erst um 1818 durch die Empfehlungen von Jobst, von Klein und
anderen bei uns allgemeiner. Als beste Ware kommt von Payta und Callao
in Peru aus die von wildwachsenden Pflanzen gegrabene und getrocknete
Wurzel in bis 60 cm langen und bis 1,5 cm dicken Stücken,
neuerdings auch der in der Heimat der Pflanze selbst aus der frischen
Wurzel durch Auskochen in Wasser gewonnene Extrakt in unförmlichen
braunroten, außen matten, innen aber glänzenden Stücken in den Handel,
um innerlich bei Diarrhoen, Nierenblutungen, äußerlich zu Mund- und
Gurgelwässern zu dienen.
Von Süd-, aber auch Mittelamerika kam im 16. Jahrhundert ebenfalls
die +Sarsaparillwurzel+ von verschiedenen Smilaxarten aus der Familie
der Liliengewächse als sehr geschätztes Heilmittel nach Europa, um
hier als Mittel gegen die von den spanischen Soldaten von Amerika
her eingeschleppte und bald ganz außerordentliche Verbreitung
findende Syphilis das bis dahin hauptsächlich gebrauchte Guajakholz
zu verdrängen. Das Wort stammt vom spanischen ~zarza parilla~, d. h.
stachelige Schlingrebe, galt ursprünglich der in Südeuropa heimischen
~Smilax aspera~ und wurde später auf die amerikanische Pflanze
übertragen, deren Wurzel zuerst der Spanier Pedro de Cieza de Leon,
der von 1535-1550 in Südamerika weilte und sie in der Provinz Guajakil
in Ekuador kennen lernte, als Heilmittel empfahl. Bald darauf ist auch
sein Landsmann Monardes (1493-1578) in Mexiko mit ihr bekannt geworden
und lernte etwas später eine bessere Sorte aus Honduras kennen, die
heute die allein offizinelle bei uns ist. Er wußte schon anzuführen,
daß die Wurzeln der Sarsaparille sehr weit in die Erde gehen und
daß man oft mannstief graben muß, um sie zu erlangen. Sie werden
fast ausschließlich von wildwachsenden Pflanzen gesammelt, und zwar
hauptsächlich im Hinterland der Westküste von Guatemala. Die Pflanze
bevorzugt feuchtes, flaches, etwas sumpfiges, den Überschwemmungen
der Flüsse ausgesetztes Waldland und läßt ihre stacheligen, verworren
durcheinander wachsenden Stengel an den Bäumen emporklettern. In der
trockenen Jahreszeit Januar bis Mai werden die Wurzeln ausgegraben,
gut gewaschen und an der Sonne getrocknet. Sie gehen von mächtigen
Rhizomen aus, sind bei einer Dicke von 7-8 mm bis 2 m lang,
gelbbraun, längsfaltig und zeigen auf dem Querschnitt eine mächtig
entwickelte, wie das zentrale Mark meist weiße, seltener blaßrötliche
Rinde und einen gelblichen Holzring. Sie sind fast geruchlos, schmecken
zuerst schleimig, dann kratzend und enthalten drei Sapotoxine:
Parillin, Smilasaponin und Sarsasaponin, welch letzteres am stärksten
abführend und als solches angeblich blutreinigend wirkt. Aus dieser
Droge wurde das einst weltberühmte Zittmannsche Dekokt gegen Syphilis
bereitet, das aber heute kaum mehr zur Verwendung gelangt, da wir in
den Quecksilberpräparaten und neuerdings in einem Arsenderivat viel
wirksamere und angenehmer einzunehmende Mittel haben.
Bevor diese Droge aufkam, galt zu Anfang des 16. Jahrhunderts auch
in Europa wie in Amerika, wo sie schon längst von den Indianern in
diesem Sinne gebraucht wurde, das harzdurchtränkte +Guajakholz+ als
bestes Mittel gegen die Syphilis. Es stammt hauptsächlich von der
Zygophyllazee ~Guajacum officinale~, einem bis 12 m hohen Baum des
nördlichen Südamerika und der Antillen mit intensiv blauen Blüten und
kommt in Form von oft mehrere Zentner schweren, vom gelblichweißen
Splint befreiten Stücken von dunkelgrünlichbraunem Kernholz in den
Handel. Außer verschiedenen Harzen, Guajak- und Guajakonsäure enthält
es Saponinsäure und Saponin, welch letzteres die hauptsächlich wirksame
Substanz ist, aber noch reichlicher als im Kernholz im Splint und
am allerreichlichsten in der Rinde vorhanden ist, so daß eigentlich
letztere vor ersterem weit den Vorzug verdiente. Guajak ist die
hispanisierte indianische Bezeichnung der Pflanze, die Fernandez de
Oviedo 1526 zuerst beschrieb und von der er angab, daß 1508 die erste
Sendung des Holzes nach Spanien gelangte, um gegen die dort herrschende
Syphilis zu dienen. Bald breitete sich ihr Ruhm über ganz Europa aus.
Schon 1517 rühmte sich in Deutschland der kaiserliche Leibarzt Leopold
Poll, 3000 Menschen mit dem Guajakholze von dieser damals äußerst
bösartig auftretenden Krankheit, die alle Volksschichten erfaßt hatte,
geheilt zu haben. Auch der 1523 auf der Insel Ufenau im Zürcher See an
den Folgen dieser ansteckenden Krankheit verstorbene Ulrich von Hutten
machte vier Jahre vor seinem Tode angeblich mit Erfolg eine Guajakkur
in Augsburg durch, über die er in seiner Schrift „~De Guajaci medicina
et morbo gallico liber unus~“ Mitteilung macht. 1525 beschaffte der Rat
der Stadt Straßburg 107 kg des Holzes für eine energische Behandlung
der an der Lustseuche erkrankten Bürger. In seiner zeitgenössischen
Chronik berichtet der Franzose Guiffrey von seinem Könige Franz I.,
daß dieser selbst mehrere Jahre nacheinander unter Führung eines
zuverlässigen Kapitäns eine Gallion -- es waren dies die größten
Segelschiffe des Mittelalters, die besonders zur Kriegführung dienten
und stark armiert waren, im Gegensatz zu den kleinen Karavellen, mit
denen beispielsweise Kolumbus vom spanischen Seehafen Palos ausfuhr, um
nach Indien zu segeln, wobei er, ohne es zu wissen, Amerika entdeckte
-- nach Brasilien sandte, um jeweilen eine Ladung Guajakholz zur
Behandlung seiner eigenen und seiner Hofleute Syphilis zu holen. Nur
einmal, im Jahre 1543, habe er bei einem Aufenthalt in La Rochelle von
normannischen Korsaren eine von ihnen erbeutete Schiffsladung gekauft,
in der sich unter anderem auch „~du gayet ou palme sainte~“ gefunden
habe.
Im Jahre 1545 beschrieb Brasavela in seiner in Venedig erschienenen
Drogenkunde bereits drei Sorten des Holzes, worunter auch das von der
westindischen Insel San Juan, dem heutigen Puerto Rico, stammende
~Palo santo~ oder ~Lignum sanctum~, d. h. heiliges Holz von ~Guajacum
sanctum~, das heute von den Bahamainseln und aus Florida in den
europäischen Handel gelangt, um vornehmlich zur Tischlerei und
Drechslerei zu dienen. In der Folge wurde letztere Sorte, so schon
1582 auf der Messe in Frankfurt am Main, als ~Guajacum parvum~, d.
h. kleiner Guajak von dem von ~G. officinale~ stammenden ~Guajacum
magnum~, dem großen Guajak, unterschieden. 1573 fand der Augsburger
Arzt Leonhard Rauwolf auf dem Basar der syrischen Stadt Aleppo
Guajakholz neben Chinawurzel als Heilmittel gegen Syphilis feilgeboten.
Die Arzneitaxe von Wittenberg brachte 1599 ~Lignum~ und ~Cortex
Guajacis~ (Holz und Rinde). Ein Jahrhundert hielt der Ruf dieser Droge
als Heilmittel gegen die Syphilis an, um dann, wie gesagt, von der
Sarsaparillwurzel verdrängt zu werden. Als man als Hauptbestandteil des
Holzes das darin enthaltene Harz erkannte, benutzte man von der Mitte
des 17. Jahrhunderts an vielfach an dessen Stelle das Guajakharz, das
seltener freiwillig ausfließt, sondern meist durch Einschnitte in den
Stamm mit nachherigem Schwelen gewonnen wird. Als solches kommt es in
haselnuß- bis walnußgroßen, dunkelrotbraunen, außen schmutzig grünlich
bestäubten Körnern in den Handel, während das durch Auskochen des
zerkleinerten Kernholzes hergestellte Präparat in unregelmäßigen, mehr
schwarzgrünen Massen verkauft wird. Letzteres schmeckt unangenehmer und
länger anhaltend kratzend als das vorige und dient heute nur noch als
Reagens für Fermente und von Blut.
Ebenfalls gegen Syphilis wurde eine Zeitlang das mittelamerikanische
+Quassiaholz+ verwendet, das schon zu Beginn des 18. Jahrhunderts von
den aus Afrika importierten Negersklaven unter dem Namen ~quasci~
in Surinam gegen die bösartigen epidemischen Fieber des Landes
gebraucht wurde. Nach Fermins Angaben sollen bereits 1714 die großen
scharlachroten Blüten des Baumes noch vor dem Holz als geschätztes
Magenmittel von den Eingeborenen benutzt worden sein. Nach Albrecht
von Hallers Zeugnis besaß der Drogist Seba in Amsterdam schon 1730 das
Quassiaholz, und 1742 soll es bereits ein ganz gemeines Medikament
gewesen sein. Das gelblichweiße, dichte, geruchlose Quassienholz stammt
von einem kleinen, auf den Antillen und im nördlichen Südamerika
heimischen Baum aus der Familie der Simarubazeen mit gefiederten
Blättern und länglichen, schwarzen Steinfrüchten, dem Karl von Linné
1763 nach der Bitterkeit seines Holzes den wissenschaftlichen Namen
~Quassia amara~ gab. Er wird außer in seiner Heimat auch in einigen
Tropenländern der Alten Welt kultiviert und liefert das echte oder
surinamsche Quassiaholz, während das leichtere, weniger dichte
Jamaika-Quassiaholz von der verwandten, viel höheren und stattlicheren,
in Westindien, besonders Jamaika, heimischen ~Picrasma excelsa~ stammt.
Beide schmecken stark bitter, und zwar ersteres durch den Gehalt
des von Winkler 1834 zuerst dargestellten Bitterstoffs Quassiin,
letzteres dagegen durch das ähnliche Picrasmin; der ihn enthaltende
wässerige Auszug dient, wie in seiner Heimat, so auch bei uns als
appetitanregendes Mittel. Er besitzt schwach narkotische Eigenschaften
und diente früher als Bittermittel in der Bierbrauerei, ebenso als
Fliegengift.
In gleicher Weise früher als Heilmittel gegen Syphilis, während heute
hauptsächlich noch als Blutreinigungsmittel verwendet, wurden die im
Herbst ausgegrabenen, bis 20 cm dicken, ästigen, holzigen Wurzeln der
im östlichen Nordamerika, besonders in Florida, Virginien, Karolina
und Pennsylvanien heimischen Lorbeerart ~Sassafras officinalis~.
Als die Spanier 1512 unter Juan Ponce de Leon Florida entdeckten,
das sie, wie schon Kolumbus die südlicher davon gelegenen Länder,
nicht für eine neue Welt, sondern für einen Teil des asiatischen
Gewürzlandes Indien hielten, weshalb diese Gebiete auch den Namen
India erhielten, der erst später zur Unterscheidung vom eigentlichen
Indien in Westindien präzisiert wurde, hielten sie die bis 30 m hohen
diözischen Sassafrasbäume anfangs für den von ihnen so sehnlichst
erwünschten Zimt. Und der sie begleitende Mönch Monardes, der später
diese Entdeckungsreise beschrieb, sagt, daß das Holz auch wirklich
nach Zimt gerochen habe, was durchaus nicht der Fall ist. Was man zu
finden hofft, das bildet man sich schließlich ein gefunden zu haben!
Noch in späterer Zeit bezeichneten die Portugiesen die Sassafrasrinde
in Fortsetzung ihres holden Wahnes, es mit der Zimtrinde, die übrigens
von einer nahe verwandten Lorbeerart stammt, zu tun zu haben, als
~canela~. Die Pflanze, deren Holz schon von den Indianern Floridas als
Fiebermittel benutzt wurde, erhielt dann später, als sie einsahen,
daß sie nicht die Zimtpflanze sei, von den Spaniern die Bezeichnung
Sassafras vom spanischen ~salsafras~ = Saxifraga, weil man ihr dieselbe
Wirkung, Blasensteine zu zerkleinern, zuschrieb, wie dem Steinbrech.
Nach dem fenchelartigen Geruch und süßlich aromatischen Geschmack
erhielt die bereits um die Mitte des 16. Jahrhunderts von Spanien
aus über ganz Europa ausgebreitete holzige Wurzel des Sassafras in
Deutschland die Bezeichnung Fenchelholz. Bei den Indianern Floridas
hieß das Holz ~pavanne~, deshalb wird es in deutschen Apotheken, z.
B. 1582 in Frankfurt a. M. und 1587 in Hamburg, als ~Lignum Pavanum
seu Floridum~ oder ~Lignum Sassafras~ aufgeführt. Schon 1598 kannte
man einen ~Spiritus ligni Sassafras~. Der Holzteil und mehr noch die
Rinde der Wurzel enthalten bis 9 Prozent eines frisch destilliert
farblosen, später aber durch Aufnahme von Sauerstoff aus der Luft
gelb bis braun werdenden ätherischen Öles, das 80 Prozent Safrol, 10
Prozent Phellandren, 6,8 Prozent Rechtskampfer, weiter Eugenol, Cadinen
usw. enthält. In den Vereinigten Staaten von Nordamerika wird aus
dem Wurzelholz mit der Rinde ein dort viel verwendetes Fluidextrakt
hergestellt, während das daraus destillierte ätherische Öl sehr beliebt
zum Aromatisieren von Seifen, Getränken und Tabak ist.
Sehr viel wichtiger für die Arzneikunde und namentlich die Technik
als diese nordamerikanische Lorbeerart ist die gleichfalls dem Zimt
sehr nahe verwandte ostasiatische Art, der Kampferbaum (~Cinnamomum
camphora~), dessen Produkt, der +Kampfer+, ein altes chinesisches
Heilmittel ist. Aber nicht dieses ostasiatische, sondern ein ähnliches
südasiatisches Produkt, der Sumatra- oder Borneokampfer, der in den
Stämmen eines hohen Baumes Sumatras und Borneos aus der Familie der
Dipterocarpazeen (~Dryobalanops camphora~), der auch der ostindische
Kopalbaum (~Vateria indica~) angehört, in eigenen Behältern in oft
mehreren Pfund schweren Stücken abgesetzt wird, war schon im Altertum
in ganz Südasien als Heilmittel verbreitet und beliebt. Dieser
südasiatische Kampfer war als wertvolle Arznei auch in China und Japan
bekannt, wo er heute fast ausschließlich verbraucht und viel höher
geschätzt wird als der bei uns von dort her in den Handel kommende
Laurineenkampfer. Unter der Sanskritbezeichnung ~kapura~, d. h. weiß,
gebrauchten ihn die alten Inder. Nach der Zeit der Völkerwanderung war
er von Indien aus nach Westasien gelangt, wo ihn der griechische Arzt
Aētios aus Amida in Mesopotamien im 6. Jahrhundert unter dem Namen
~kaphura~ als kostbares Arzneimittel erwähnt. Auch den Arabern zur Zeit
Muhammeds war er bekannt; denn er wird im Koran als ein Kühlungsmittel
der Getränke der Seligen im Paradiese erwähnt. Mit der von ihnen
~kamfur~ genannten Droge machten dann die arabischen Ärzte das
Abendland bekannt, wo der Dipterocarpazeenkampfer im 11. Jahrhundert
in Italien und im 12. Jahrhundert in Deutschland als Mittel gegen
Gicht und Rheumatismus verwendet wurde. So erwähnen ihn um 1070 der
jüdische Arzt Simon Seth und um 1150 die gelehrte Äbtissin Hildegard im
Kloster Rupertsberg bei Bingen. 1293 lernte der venezianische Kaufmann
Marco Polo auf seiner mit Vater und Onkel unternommenen Rückreise von
China auf Borneo und Sumatra den dort heimischen Kampferbaum selbst
kennen, wie er in seinem Reisebericht erzählt. Zur Zeit des Paracelsus
(1493-1541) war der davon gewonnene Kampfer in Deutschland allgemein
als Arzneimittel im Gebrauch.
Erst zu Beginn des 17. Jahrhunderts kam in Europa der ostasiatische
Kampfer an Stelle des teueren Sumatra- und Borneokampfers auf, indem
inzwischen die Chinesen, von der Gewinnung jenes durch Fällen, Spalten
und Auslesen der Dryobalanopsbäume veranlaßt, dieselbe Droge von
einem einheimischen Baume, eben dem echten Kampferbaum, zu gewinnen
trachteten, was denn auch gelang. Dieser echte Kampferbaum ist
ein an der chinesischen Küste von Cochinchina bis zur Mündung des
Jang-tse-kiang und den vorgelagerten Inseln bis Südjapan wachsender,
8-10 m hoher, lindenähnlicher Baum mit brauner, runzliger Rinde
und knorrigen Ästen. Er hat immergrüne, eirunde, glänzende Blätter,
kleine, weiße, in Rispen stehende Blüten und dunkelrote, erbsengroße
Beeren mit pfefferähnlichem Samen. Alle Teile des Baumes, besonders
aber die Wurzeln, riechen und schmecken stark kampferartig. Er verlangt
ein warmes Klima und möglichst feuchte Luft. Besonders auf Formosa
und in ganz Südjapan wird er zur Gewinnung von Kampfer benutzt und
deshalb in ausgedehnten Waldungen gezogen. Junge Bäume sind für die
Kampferausbeutung wertlos. Je älter sie aber werden und je dichter
ihr Holz wird, um so höher steigt in ihnen der Kampfergehalt, bis
er etwa im 100. Jahr ein Maximum erreicht hat. Schon 40-50jährige
Bäume werden zur Kampfergewinnung gefällt. Dabei wurde das Holz,
besonders des Stammes, gespalten und ursprünglich wie beim Sumatra-
und Borneokampferbaum das in Spalten und Klüften ausgeschiedene feste
ätherische Öl ausgekratzt. Bald aber ging man dazu über, das in
kleine Späne geschnittene und zudem durch Klopfen faserig gemachte
Holz einer Destillation mit Wasserdämpfen zu unterwerfen, um den
Kampfer zu gewinnen. Da dieses feste ätherische Öl am reichlichsten
in den Wurzeln und unteren Teilen des Stammes enthalten ist, werden
lediglich diese Teile, außer den Wurzeln noch der Stamm bis etwa in
3 m Höhe, der meist auf sehr primitive Weise ausgeführten Destillation
unterworfen, wobei der Rohkampfer in Gestalt blaßrötlicher, körniger
Massen mit 20 Prozent flüssigem Kampferöl gewonnen wird. Als solcher
kommt er von Formosa in mit Bleiblech ausgeschlagenen Kisten von
50-60 kg Gewicht verpackt, von Japan dagegen in Bambusröhren oder Tubbs
genannten Holzbottichen von 80 kg in den Handel und wird in Europa
und Amerika, neuerdings auch schon in Japan und Hongkong, in eigenen
Kampferraffinerien durch weitere Sublimation gereinigt.
Der Kampfer, seiner chemischen Beschaffenheit nach ein Keton von
der Formel C_{10}H_{16}O, bildet sich im lebenden Kampferbaum aus
einem ursprünglich im Holz vorhandenen flüchtigen, farblosen Öl, dem
Kampferöl, das in frühzeitig in allen Teilen des Baumes angelegten
Ölzellen gebildet wird und sich später durch Sauerstoffaufnahme -- oft
erst jahrelang nach Entstehung des Sekretes -- in Kampfer umwandelt,
der dann vorzugsweise in den Spalten und Höhlungen des unteren Teiles
des Stammes zur Ausscheidung gelangt. Das vom rohen Kampfer vor dem
Raffinieren ausgepreßte und durch Zentrifugieren entfernte flüssige,
früher als wertlos beseitigte Kampferöl wird neuerdings auf Safrol
verarbeitet. Der raffinierte Kampfer, der in 1-5 kg schweren,
konvex-konkaven, in der Mitte durchlöcherten Kuchen in den Handel
gelangt, stellt eine weiße, durchscheinende, kristallinisch-körnige,
fettig anzufühlende, bei gewöhnlicher Temperatur allmählich ohne
Rückstand sich verflüchtigende Masse von durchdringendem Geruch
und brennend scharfem, hinterher kühlendem Geschmack dar, das
in der Medizin äußerlich als die Haut reizendes, ableitendes,
schmerzlinderndes Mittel bei rheumatischen Leiden, innerlich in
kleinen Dosen zur Beruhigung, in größeren zur Anregung und Belebung
des Nervensystems, der Atmung und Blutzirkulation, besonders aber in
der Technik als Mottengift und in sehr großem Maße zur Herstellung
von Zelluloid und rauchschwachem Pulver verwendet wird. Japan und
Formosa führen jährlich über 4 Millionen kg Kampfer aus, von denen
etwa 32 Prozent nach Deutschland, 31 Prozent nach Amerika, 22 Prozent
nach Frankreich, 13 Prozent nach England und 2 Prozent nach Indien
gehen. Zum eigenen Kampferöl bezieht Japan noch viel von Formosa, um
ihn bei der Lackbereitung zu verwenden. Bei der großen Wichtigkeit,
die dem Kampfer zukommt, werden zurzeit ausgedehnte Anpflanzungen von
Kampferbäumen von seiten der japanischen und chinesischen Regierungen
gemacht. Schon jetzt liefert die südchinesische Provinz Fo-kien über
120000 kg Kampfer jährlich. Auch werden später Madagaskar, Ceylon,
Deutsch-Ostafrika, Ägypten, Algerien und der Süden der Vereinigten
Staaten von Nordamerika sich an der Produktion beteiligen, wenn die
dort angelegten, sehr gut fortkommenden Kulturen des Kampferbaumes
zur Ausbeutung reif sein werden. Die neuerdings gehegte Hoffnung, den
Kampfer auch aus den Blättern des Baumes gewinnen zu können, ist bis
jetzt nur wenig erfüllt worden.
Außer den bereits erwähnten hat die Neue Welt noch eine ganze
Menge wichtiger Drogen aus dem Pflanzenreiche geliefert, so die
+Ipecacuanha-+ oder +Brechwurzel+, die heute noch in reichlichem
Maße Verwendung findet. Sie besteht aus der unterirdisch kriechenden
Achse eines niederen Halbstrauchs aus der Familie der Rubiazeen
oder Krappgewächse (~Cephaëlis Ipecacuanha~) mit nur 10-30 cm
hoch aufsteigenden Stengeln, länglichovalen Blättern, weißen Blüten
und erbsengroßen, blauen Beeren. Sie wächst in den feuchten,
schattenreichen Wäldern Südbrasiliens wild und wird neuerdings auch
auf der Halbinsel Malakka im Schatten einzelner Bäume kultiviert,
um über Singapur in den Handel zu gelangen. Die beliebteste Sorte
wird mit Ausnahme der Regenzeit das ganze Jahr hindurch in der
südbrasilianischen Provinz Matto Grosso gesammelt, indem man den
ziemlich oberflächlich horizontal unter der Erde verlaufenden,
höchstens 5 mm dicken, knotigen Stamm aushebt, aber die an den
Knoten entspringenden, größtenteils zu Stärkemehl aufspeichernden
Reservestoffbehältern gewordenen Wurzeln abschneidet, um sie im Boden
zu belassen oder, falls sie mit herauskamen, wieder einzupflanzen.
Sie bilden dann Adventivknospen, aus denen nach 3-4 Jahren ein neuer
Bestand ausbeutungsfähiger Pflanzen hervorgeht. Die in Abständen von
1 mm von ungleichen, rundlichen Wülsten, den Narben der einst hier
entsprungenen zahlreichen Seitenwurzeln, versehenen unterirdischen
Stammstücke werden so rasch als möglich getrocknet, am Tage der Sonne
ausgesetzt und nachts durch Bedecken vor dem Tau beschützt, und sind
nach 2-3 Tagen versandfähig. In sogenannten Seronnen von 40-42 kg
Gewicht werden sie von den Eingeborenen oft Tagereisen weit auf den
Köpfen aus dem Innern an die Küste getragen und gelangen über Rio
de Janeiro nach London zum Verkauf. In 15 cm langen Stücken, noch
häufiger aber fein geschnitten kommen sie in die Apotheken, um hier
meist zur Herstellung der bekannten Ipecacuanha-Aufgüsse verwendet zu
werden. Das wirksame Prinzip ist das 1817 von Pelletier und Magendie
gefundene Emetin neben Cephaëlin und Psychrotin. Es ist zu 4 Prozent
fast nur in der graubraunen Rinde und nur in Spuren im Holzkörper
vorhanden. Das offizinelle Ipecacuanha-Pulver soll 2 Prozent dieser
Alkaloide enthalten.