Tag ein anderes Gummiharz als wichtiges Arzneimittel und teilweise
auch sehr beliebtes Gewürz im Gebrauch erhalten, nämlich die +Asa
foetida+, im Deutschen wegen ihres abscheulichen knoblauchartigen
Geruchs als +Teufelsdreck+ bezeichnet. Die ihn liefernde Pflanze war
schon dem Hippokrates als medisches (im Gegensatz zum kyrenischen)
Silphion bekannt. Später sagt Dioskurides von ihm: „Der vom medischen
und syrischen ~sílphion~ kommende festgewordene Saft hat einen
durchdringenden Geruch und wird gegen sehr viele Leiden angewandt.“
Dieser eingetrocknete Milchsaft, den Plinius aus Persien, Armenien
und Medien kommen läßt, ~laser~ nennt und dem eingedickten Safte des
~silphium~ von Kyrene gleichend bezeichnet, ist das Gummiharz des
Stinkasantes (~Ferula asa foetida~), einer bis 2,5 m hohen Staude
aus der Familie der Umbelliferen, die in Persien, Afghanistan, dem
oberen Indusgebiet, besonders in den ausgedehnten Steppen und Wüsten
zwischen dem persischen Meerbusen und dem Aralsee heimisch ist und bei
Herat und anderswo auch kultiviert wird. Bei der geringsten Verletzung
tritt der Milchsaft aus der Rinde der Wurzel aus. Er wird in der Weise
gewonnen, daß die betreffenden Sammler, gewöhnlich Hirten, zur Zeit, da
die Blätter zu welken beginnen, etwa Mitte April, den oberen Teil der
Wurzel bloßlegen, rings um sie die abgeschnittenen Blätter, Stengel und
andere Pflanzen als Schutz der Wurzel vor Wind und Sonne anhäufen, von
dem mit einem dichten Schopfe von Blattresten versehenen Wurzelbeginne
eine dünne Scheibe abschneiden und die auf der Wundfläche angesammelte
dünne Milch abkratzen. Diese Prozedur wird nach jedesmaliger Ruhepause
von einigen Tagen noch zweimal wiederholt. Nachdem die Wurzel nun
wieder 8-10 Tage unberührt geblieben, liefert sie 2-3 Monate hindurch
einen dicken Milchsaft, der die gute ~Asa foetida~ bildet. Von einer
Wurzel wird bis zu 1 kg derselben gewonnen. Der frisch weiße
Gummiharzsaft wird außen herum durch die Einwirkung der Luft bald rot,
violett und schließlich gelbbraun und kommt in losen oder verklebten
Körnern und Klumpen in den Handel. Er ist bei gewöhnlicher Temperatur
wie Wachs schneidbar, erweicht bei geringer Erwärmung zu einer
klebenden Masse, riecht höchst unangenehm knoblauchartig, schmeckt
widerlich scharf bitter und aromatisch, gibt mit drei Teilen Wasser
verrieben eine weißliche Emulsion und besteht zu 61 Prozent aus dem in
Äther löslichen Ferulaester des Asaresinotannols, aus 30 Prozent Gummi,
7 Prozent ätherischem Öl, 1,5 Prozent freier Ferulasäure und Spuren
von Vanillin. Bei uns dient er als Beruhigungsmittel bei Krampfkolik,
Hysterie und Nervosität, als Stopfmittel gegen Diarrhöen beim Pferd
und sonst vielfach in der Tierarzneikunde. In Indien, Persien und dem
ganzen Morgenlande ist er zudem ein sehr beliebtes Speisegewürz, das
bis vor nicht sehr langer Zeit auch in der feineren Küche Europas sehr
beliebt war. War es doch in Frankreich, wo er noch unter dem ~ancien
régime~ in Mode gekommen war, bei jedem Gastmahl der Vornehmen Sitte,
die Suppenteller vorher mit einem Stück Stinkasant abzureiben, um
die Suppe dadurch wohlschmeckender zu machen. Überall im Orient gilt
er als die Verdauung befördernd; besonders wird stets das gebratene
Hammelfleisch damit bestrichen, um ihm den beliebten durchdringenden
Knoblauchgeruch zu verleihen. Im Orient schon lange im Gebrauch, wurde
er durch die arabischen Ärzte dem Abendlande bekannt. Die von der
arabischen Arzneiwissenschaft weitgehend beeinflußte Medizinschule von
Salerno in Unteritalien bediente sich seiner schon im 11. Jahrhundert.
Auch nach Deutschland kam die Droge sehr früh. Vom 12. Jahrhundert an
bildete sie einen Einfuhrartikel des italienischen Handels. Heute kommt
die beste Sorte durch Karawanen von Persien nach Bombay und von dort zu
Schiff nach Europa.
Einst auch in der Arzneikunde besonders des Orients vielgebrauchte
Gummiharze sind der +Weihrauch+ und die +Myrrhe+. Ersterer wird im
südöstlichen Arabien, in Nordostafrika und Indien aus verschiedenen
Boswellia-Arten durch im Frühjahr ausgeführte tiefe Einschnitte in
den Stamm der mäßig hohen Bäume in Form eines reichlich ausfließenden
milchweißen Saftes gewonnen und erstarrt nach einiger Zeit zu gelben
Körnern, die von den Stämmen abgelöst oder am Boden aufgelesen werden.
Seit dem frühen Altertum war er nicht nur zu rituellen Räucherungen,
sondern auch als Medizin hoch geschätzt. Die Hippokratiker bedienten
sich seiner bei Asthma, Gebärmutterleiden und äußerlich zur Herstellung
von Salben.
Fast ebenso alt ist der medizinische Gebrauch der Myrrhe, die ebenfalls
schon im Papyrus Ebers erwähnt wird und nach Herodot im alten Ägypten
vorzugsweise zum Einbalsamieren der Leichen und als Räuchermittel
im Kulte verwendet wurde. Zu letzterem Zwecke wurde sie dann bei
den gottesdienstlichen Handlungen aller vom Morgenlande beeinflußter
Religionen in derselben Weise wie der Weihrauch benutzt. Schon im Alten
Testament wird sie als kostbares Erzeugnis des „glücklichen“ im Sinne
von fruchtbaren Südarabien erwähnt, das uns später der griechische
Geograph Agatharchidas in seiner Schrift über das Rote Meer in
folgender Weise schildert: „Die Sabäer sind das größte und in jeder
Hinsicht glücklichste Volk Arabiens. Ihr Land bringt alles hervor,
was zur Annehmlichkeit des Lebens gehört. Die Herden sind zahllos;
das ganze Land duftet von dem herrlichen, unvergleichlichen Geruch,
den dort die in Menge wachsenden Gewürze wie Balsam, Kassia, Myrrhe,
Weihrauch, Zimt, Kalmus und Palmen aushauchen. Der Wohlgeruch, der aus
den Wäldern kommt, läßt sich mit Worten nicht beschreiben.“
Die Myrrhe stammt von verschiedenen Commiphora-Arten, und zwar die
beste von ~Commiphora abessinica~, einem 6-8 m hohen Bäumchen der
Berge von Abessinien, Erythraea und Südarabien. Der entweder freiwillig
aus Rissen der Rinde oder durch Einschnitte austretende Saft ist
anfangs milchig trübe, gelblich, trocknet aber bald an der Luft ein,
wobei er sich dunkler färbt. Er kommt in Form von nuß- bis faustgroßen
unregelmäßigen Knollen oder löcherigen Klumpen in den Handel. Am
häufigsten ist die von den Somalis gesammelte Myrrhe von ~Commiphora
playfairi~, die in Kisten von 50-100 kg von Aden aus direkt, oder
über Bombay, wo die Ware sortiert wird, nach Europa gelangt. Wie die
alten Ägypter benutzten auch die Hippokratiker die Droge äußerlich und
innerlich. In seiner Arzneimittellehre schreibt Dioskurides über sie:
„Die Myrrhe besteht aus Tropfen, die von selbst oder aus absichtlich
gemachten Wunden eines arabischen Baumes fließen. Es gibt verschiedene,
mit verschiedenen Namen bezeichnete Sorten. Aus den fettigen preßt man
das wohlriechende Myrrhenöl. Die beste Myrrhe kommt aus dem Lande der
Troglodyten, ist durchscheinend, grünlich, schmeckt beißend. Die Myrrhe
wird oft verfälscht, namentlich durch Gummi. Die echte, frische ist
zerreiblich, leicht, überall gleichfarbig, doch zerbrochen inwendig
weiß gefleckt; sie besteht aus kleinen Stücken, ist bitter, riecht gut,
schmeckt scharf. Sie erwärmt, macht schläfrig, bindet, trocknet, zieht
zusammen, wird innerlich und äußerlich gebraucht.“ Cornelius Celsus
spricht von einer schwarzen, bei Augenkrankheiten angewendeten Myrrhe.
Im Arzneischatz von Scribonius Largus, Valerius Cordus und Alexander
Trallianus aus dem 6. Jahrhundert spielt dieses Gummiharz eine nicht
unwichtige Rolle; auch die heilige Hildegard im 12. Jahrhundert
empfiehlt die Mirrha. Innerlich wird sie als austrocknendes Mittel,
häufiger aber äußerlich als Antiseptikum in Form von Mundwässern,
Salben und Pflastern verwendet. Sie besteht aus ätherischen Ölen,
Harzen und Gummi. Häufig wird ihr +Bdellium+ beigemischt, ein ähnlich
riechendes, bitter schmeckendes, ebenfalls beim Kauen erweichendes,
dunkelbraunes bis grünliches Gummiharz, das im nordwestlichen Indien
und in Beludschistan von ~Commiphora roxburghi~ gewonnen und in Indien
arzneilich verwendet wird. Das ostafrikanische Bdellium von ~Commiphora
africana~ ist mehr gelbrot und findet sich unter dem Senegalgummi. Es
war schon im alten Ägypten gebräuchlich, wird von Plinius, Arrianus,
Vegetius und anderen genannt und diente, was im Orient heute noch der
Fall ist, zu Salben, Pflastern und Räucherwerk.
Eine dickflüssige, starkriechende Mischung von Harzen mit ätherischen
Ölen stellen die +Balsame+ dar, die ebenfalls freiwillig oder nach
Verwundungen aus Stamm und Ästen mehrerer Pflanzenarten ausfließen,
oder durch Auskochen und Auspressen aromatischer Pflanzenteile gewonnen
werden. Sie riechen stark aromatisch, verlieren an der Luft den größten
Teil ihres Gehaltes an aromatischen, ätherischen Ölen, trocknen ein und
verharzen. Bei der Destillation mit Wasser geben sie die ätherischen
Öle ab und hinterlassen Harz. Ursprünglich verstand man unter Balsam
ausschließlich den von ~Commiphora opobalsamum~, dem Balsambaum
der Alten, gewonnenen Mekka- oder Gileadbalsam, übertrug aber den
Namen später auf verschiedene andere dickflüssige Pflanzensäfte von
aromatischem Geruch.
Der eigentliche, freiwillig oder durch Einschnitte in den Stamm
des 5-6 m hohen, in Nordostafrika und dem südwestlichen Arabien
wachsenden Balsambäumchens (~Commiphora opobalsamum~) ausfließende,
trübe, blaßgelbe, wohlriechende, aromatisch erwärmend schmeckende
+Mekkabalsam+ kommt überhaupt nicht in den europäischen Handel, sondern
nur der durch Auskochen der Zweige mit Wasser gewonnene dickflüssige,
gelbliche, etwas trübe, aber weniger angenehm riechende und bitterlich
schmeckende Balsam, der allmählich verharzt, 10 Prozent ätherische Öle
enthält, ähnlich wie der Kopaivabalsam wirkt, aber ausschließlich in
der Parfümerie benutzt wird. Früher wurde er, wie auch die kleinen,
meist rötlichen, geruch- und geschmacklosen eiförmigen Steinfrüchte
des Balsambäumchens viel arzneilich benutzt. Der griechische
Geschichtschreiber Diodorus Siculus schreibt um 50 v. Chr.: „In einem
Tale Syriens wächst der Balsam und liefert bedeutenden Gewinn, weil er
außer dort nirgends in der ganzen Welt gefunden wird und doch von den
Ärzten sehr gesucht ist.“ Und der 25 n. Chr. verstorbene weitgereiste
griechische Geograph Strabon sagt: „Außer an der Küste des Sabäerlandes
wird in der Nähe von Jericho, in einer gut bewässerten Gegend, der
Balsam aus einem Strauche gewonnen, in dessen Rinde man Einschnitte
macht. Den ausfließenden schleimigen Saft fängt man in Gefäßen auf.
Er heilt Kopfschmerzen wunderbar schnell, tut den Augen wohl und
ist um so teurer, weil er hier allein, und zwar in Gärten, gewonnen
wird.“ Plinius berichtet uns, daß er wegen seines hohen Preises viel
verfälscht werde, und daß außer dem feinen, wohlriechenden, durch
dreimaliges Ritzen im Laufe des Sommers ausfließenden Saftbalsam
(~opobalsamum~) der geringere, durch Auskochen von abgeschnittenen
Stücken des Strauches in Wasser gewonnene Holzbalsam (~xylobalsamum~)
in den Handel komme; letzterer werde hauptsächlich unter Salben
gekocht. Auch Dioskurides und Tacitus berichten ausführlicher über ihn.
An Stelle dieses sehr seltenen und teuren Balsams, der seit der Zeit,
da das Morgenland in die Hände der Muhammedaner gefallen war, nur
schwierig zu haben war, wurde nach der Entdeckung der Neuen Welt
der schon vor der spanischen Invasion von den Indianern benutzte
+Perubalsam+ im 16. Jahrhundert durch eine päpstliche Verordnung zum
offiziellen Chrisma der katholischen Kirche erhoben. Bei der Eroberung
Zentralamerikas durch die Spanier im Jahre 1530 wurde dieser Balsam
dort als Wundheilmittel im Gebrauch vorgefunden. Er kam dann mit
anderen Waren durch den peruanischen Hafenplatz Callao nach Spanien
und erhielt so den Namen ~balsamum peruvianum~, obschon er niemals in
Peru, sondern weiter nördlich in Südamerika bis Mexiko gewonnen wird.
In 300-700 m über dem Meer gelegenen Bergwäldern eines als Costa
del Balsamo, d. h. Balsamküste benannten schmalen Küstenstriches der
zentralamerikanischen Republik San Salvador wächst die Stammpflanze,
~Myroxylon pereirae~, in Form eines bis 20 m hohen immergrünen
Baumes aus der Familie der Schmetterlingsblütler mit kurzem, sich
schon 2-3 m über der Erde in wenige aufstrebende Äste teilendem
Stamm, unpaariggefiederten Blättern, lockeren Blütentrauben und bis
10 cm langen, 3 cm breiten Hülsen, in denen die ansehnlichen Samen
zwischen zwei mit dickflüssigem, schwachgelblichem Balsam gefüllten
Hohlräumen liegt. Aus letzteren wird der weiße Perubalsam gepreßt,
der nicht in den Handel gelangt, aromatisch nach Vanille riecht
und bitter aromatisch schmeckt. Der dunkelbraune, klare, in dünner
Schicht rubinrot durchscheinende, dickflüssige, nicht fadenziehende,
offizinelle Perubalsam wird aus den zwischen Rinde und Holz gelegenen
Balsambehältern durch stellenweise Entrindung der Basis des Stammes zu
Ende der Regenzeit in der Weise gewonnen, daß die entrindeten Stellen
zuerst während 4-5 Minuten durch Daranhalten von Fackeln geschwelt
werden. Dann legt man auf die entblößte Holzfläche, an der der Balsam
als anfänglich hellgelber, dicker Saft heraussickert, Zeuglappen, aus
denen, wenn sie damit getränkt sind, der Balsam durch Pressen und
Auskochen mit Wasser gewonnen wird. Eine geringere, dickflüssigere
Sorte wird durch Auskochen der losgelösten Rinde gewonnen. Dieses
Verfahren wird mehrmals während vier Wochen wiederholt, so daß ein
Baum vom 10. Jahre an 30 Jahre hindurch jährlich etwa 2,5 kg Balsam
liefert. Die Bäume besitzen eine erstaunliche Lebenskraft und gehen
selbst bei übertriebener Anzapfung kaum je ein, wenn nur die Wunden
durch Überstreichen mit Lehm gegen das Eindringen von Pilzen und
Insekten geschützt werden. Der wichtigste Bestandteil des Perubalsams
ist das Cinnamein oder Perubalsamöl, das zu 62-64 Prozent nebst freier
Zimtsäure und Vanillin, auch Peruviol, einem honigartig riechenden
Alkohol, darin enthalten ist. Er wird in der Medizin äußerlich und
innerlich in der verschiedensten Weise verwendet und spielt auch in
der Parfümerie eine sehr wichtige Rolle. 1565 beschrieb ihn zuerst
Monardes (1493-1578) und 1576 erhielt Philipp II. einen genauen Bericht
über dessen Gewinnung durch Don Diego. Anfangs kosteten 30 g hundert
Dukaten. Erst zu Ende des 16. Jahrhunderts, so beispielsweise 1582 in
der Arzneitaxe von Worms, findet er sich unter seinem jetzigen Namen in
den deutschen Apotheken. Im Jahre 1861 wurde der Perubalsambaum, der,
wie Cortez 1522 an Kaiser Karl V. berichtete, schon im alten Mexiko
in den berühmten königlichen Gärten von Hoaxtepec bei der Hauptstadt
Mexiko nebst anderen Arzneipflanzen kultiviert wurde, auch in den
Tropen der Alten Welt, nämlich auf Ceylon und Java, eingeführt.
Von einem dem vorigen sehr nahe verwandten Baum Südamerikas, der
besonders im unteren Stromgebiet des Magdalena in Kolumbien, auch
unweit der Stadt Tolu in Venezuela und westlich von diesen Gegenden in
den Wäldern zwischen den Cauca und dem Sinu heimisch ist, ~Myroxylon
toluifera~, wird der +Tolubalsam+ gewonnen, indem der Stamm an
zahlreichen Stellen ~V~-förmig eingeschnitten, an der Basis des
Einschnittes angebohrt und der heraussickernde Balsam in kleinen, vor
der Öffnung befestigten Gefäßen aufgefangen wird. Er wird dann, in
Schläuche von rohen Häuten gesammelt, an die Küstenplätze geschafft und
hier in Blechbüchsen eingefüllt. Im frischen Zustande ist er braungelb,
dickflüssig, in dünnen Schichten durchsichtig. Später erhärtet er zu
einer braunroten, in der Hand erweichenden Masse, welche erwärmt einen
vanille- und benzoëartigen Wohlgeruch ausströmt und einen aromatischen,
säuerlichen, nur wenig scharfen Geschmack besitzt. Er besteht aus 80
Prozent eines harzartigen Esters von Zimt- und Benzoësäure nebst diesen
Säuren in freiem Zustande und wird als Arznei innerlich und äußerlich,
besonders aber in der Parfümerie angewandt. Monardes erwähnt seine
Herkunft aus der Provinz Tolu zwischen Cartagena und Nomen Dei; 1581
brachte ihn Clusius von London mit nach Wien. Er kam mit dem Perubalsam
durch die Spanier nach Europa und war schon im 17. Jahrhundert in
England und Deutschland verbreitet.
Ebenfalls von einer stattlichen, bis 30 m und mehr hohen Leguminose
Südamerikas mit paariggefiederten, lederigen, durchscheinend
punktierten Blättern stammt der +Kopaivabalsam+, der seit alter Zeit
von den Indianern als Wundbalsam angewandt wurde, bis ihn im Jahre
1600 ein portugiesischer Mönch in Brasilien entdeckte. Seit dem ersten
Drittel des 17. Jahrhunderts steht er in Europa im Gebrauch; 1636 ist
er als ~Balsamum copaeyvae~ in der Amsterdamer Pharmakopoe angeführt.
Er kommt in großen Mengen aus dem ganzen nördlichen Südamerika in
den Handel. Die Stammpflanze ist meist ~Copaiba officinalis~; deren
Holzkörper ist von bis zu 2 cm mächtigen Kanälen durchzogen, die
besonders in ihrem unteren Ende so stark mit dem flüssigen Harzsafte
erfüllt sind, daß der Stamm oft mit lautem Knall berstet und lange
Sprünge entstehen, aus denen dann der Balsam austritt. Es wurde
festgestellt, daß diese durch eine nachträgliche Auflösung von
Zellgewebe entstandenen Harzgänge bis zu 50 kg Harzsaft enthalten
können. Die Harzsammler verlassen sich aber nicht auf diesen
freiwilligen Erguß des Harzes, sondern schlagen etwa 60 cm über
dem Erdboden mit der Axt tiefe Löcher bis ins Kernholz, wo sich die
Balsamgänge befinden. Darauf wird eine Rinne in das Loch gesteckt und
der klare, ziemlich dicke, gelbbräunliche, eigentümlich aromatisch
riechende Balsam fließt in dicken Tropfen aus. Bisweilen pausiert
der Erguß einige Zeit; nach einiger Zeit wird dann ein gurgelndes
Geräusch hörbar und alsbald findet wieder ein lebhafter Balsamerguß
statt. Als beste Sorte wird der dicke Maracaibo-Balsam betrachtet,
der 60 Prozent ätherisches Öl und den Rest Harzsäuren enthält. Er
befördert die Absonderung der Schleimhäute und dient außer bei
chronischem Lungenkatarrh besonders bei gonorrhoischer Harnröhren- und
Blasenentzündung.
Demselben Zwecke diente viel früher der +Kubebenpfeffer+, ein altes
indisches und arabisches Gewürz, das aus den vor der vollständigen
Reife gesammelten und durch Trocknen geschrumpften, balsamisch
riechenden, aromatisch scharf bitter, aber nicht brennend schmeckenden
Früchten von ~Piper cubeba~ besteht, einer im malaiischen Archipel
heimischen, bis 6 m hohen Kletterpflanze, die auch auf Java,
Sumatra, Westindien und Sierra Leone, meist an den Schattenbäumen
der Kaffeeplantagen emporrankend, kultiviert wird. Sie enthalten
außer Cubebin und Kubebenharzsäure ein hauptsächlich Kubebenkampfer
enthaltendes ätherisches Öl. Ihre harntreibende Wirkung wird schon vom
arabischen Arzte Ibn Sina (Avicenna) um 1006 angegeben. Vom 12. und
13. Jahrhundert an wurden sie durch Vermittlung der arabischen Ärzte
auch in Europa angewandt, gerieten aber später wieder in Vergessenheit,
bis 1818 ein englischer Arzt, der ihre Verwendung gegen Gonorrhoe
bei den Malaien kennen lernte, sie wieder empfahl. Sie haben ihren
Namen aus dem arabischen ~kababeh~ und wurden schon von Marco Polo
beschrieben, der sie auf seinen Reisen auf Sumatra und Java kennen
lernte. Wissenschaftlich bestimmt wurde die Pflanze erst durch Karl
von Linnés Sohn im Jahre 1781. Kubebenöl war 1582 auf der Frankfurter
Messe zu haben, und die Kubeben sind 1609 im Inventar der Ratsapotheke
in Braunschweig angeführt. Das Cubebin wurde 1839 von Soubeiron und
Capitaine zuerst dargestellt.
Ganz neuen Datums ist die Verwendung des gegen dieselben Affektionen
gegebenen +Sandelholzöls+, das aus dem Kernholz des in den trockenen
Teilen Vorderindiens in 600-1000 m Höhe im Gebirge wachsenden,
6-10 m hohen, dichtbelaubten, immergrünen Sandelbaumes (~Santalum
album~) gewonnen wird. Der Baum, der jetzt außer in fast ganz Indien
besonders auf den Sandelholz-Inseln des indischen Archipels (Sumba,
Timor, Flores, Sumbava, Lombok, Bali usw.) kultiviert wird, gibt, wenn
er ausgewachsen im Alter von 20-40 Jahren gefällt wird, durch langsame
Destillation des verkleinerten Holzes mit Wasserdampf das 80 Prozent
Santalol enthaltende dicke, farblose oder blaßgelbliche Sandelöl, das
Chapoteaut zuerst untersuchte.
Während das Altertum nur den vom 4-7 m hohen Styraxbaume in
Kleinasien und Syrien gewonnenen festen +Styrax+ kannte und vielfach
als Medizin verwandte, wird seit dem 6. Jahrhundert daneben auch der
heute ausschließlich verwendete flüssige Styrax oder +Styraxbalsam+
aus dem Splint des in Lykien und Karien in Schälwäldern kultivierten
Amberbaumes (~Liquidambar orientalis~) durch Auskochen der Rinde
mit Wasser und Abpressen gewonnen. Der bis zu 20 m, meist aber
nur 10-14 m hohe, platanenartige Baum hat ein sehr engbegrenztes
Verbreitungsgebiet und liefert aus dem Vilajet Aidin, wo der Ort
Mughla den Mittelpunkt der Styraxgewinnung bildet, jährlich etwa
40000 kg (aus einem Gebiet von 600 qkm). Er bildet eine graue,
undurchsichtige, zähflüssige, eigenartig nach Benzoë und Perubalsam
riechende, aromatisch und etwas bitter schmeckende Masse, welche außer
36 Prozent Harz Zimtsäureester, Styracin, Cinnamein und Benzoësäure
enthält. Der Styraxbalsam wird außer als billigerer Ersatz des teuren
Perubalsams zu innerlichem und äußerlichem Gebrauche in der Medizin,
besonders in der Parfümerie gebraucht.
Der ausschließlich im amerikanischen Handel befindliche Styraxbalsam
der Neuen Welt wird aus dem 9-12 m hohen, in Mittelamerika und
als Charakterbaum im ganzen atlantischen Nordamerika wachsenden
amerikanischen Amberbaum (~Liquidambar styraciflua~) mit tief gelappten
Blättern durch Auskochen des Holzes alter Stämme gewonnen. Neuerdings
wird dieser Baum vielfach auch bei uns als Zierbaum angepflanzt und
erträgt sehr gut unsere Winter, wenn er einmal eine bestimmte Höhe
erreicht hat.
Als ebensolches krankhaftes Produkt wie der Styraxbalsam fließt aus
dem Stamme verwundeter Benzoëbäume (~Styrax benzoin~) in Siam und auf
Sumatra das anfangs milchige, an der Luft zu einer rötlichgelben,
aromatischen Masse erhärtende +Benzoëharz+ aus, das einen balsamischen,
reizenden Geschmack hat und beim Kauen an den Zähnen haftet. Und
zwar geben ältere Bäume eine dunklere Benzoë als jüngere. Die beste
Sorte kommt aus dem äußersten Nordosten der Shanstaaten am linken
Ufer des Mekong. Dort in Siam wird die Rinde des mittelhohen Baumes
durch Längsschnitte und Losheben der Rinde so bearbeitet, daß sich das
Harz während zweier Monate zwischen Holz und Rinde ergießt und sich
hier ansammelt. Auf Sumatra schneidet man viermal im Jahre die Rinde
jüngerer Bäume durch gerade oder schräge Längsschnitte an und sammelt
den heraustretenden weißen, alsbald erhärtenden Milchsaft nach einiger
Zeit, um ihn in Form von größeren, zuweilen verklebten Körnern von
muscheligem Bruche in den Handel zu bringen. Er enthält bis über 20
Prozent freie Benzoësäure und 70-80 Prozent Benzoëharz und dient als
schleimlösendes Mittel bei chronischen Katarrhen, als gelind reizendes
Mittel bei torpiden Geschwüren, zu Räucherungen, Zahnwässern und
besonders reichlich in der Kosmetik. Die erste aus Sumatra stammende
Benzoë wurde 1461 unter anderen Kostbarkeiten dem Dogen von Venedig vom
Sultan von Ägypten als Geschenk gesandt. Die arabischen Ärzte machten
deren Verwendung zuerst im Abendlande bekannt. 1521 wird sie unter den
in Venedig verkauften Drogen aufgeführt und 1571 als ~Asa dulcis~ in
der Eßlinger Arzneitaxe erwähnt. Die Siam-Benzoë kommt erst seit 1853
nach Europa.
Seit alter Zeit wird in ganz Ostasien der eingedickte wässerige Extrakt
verschiedener gerbstoffreicher Hölzer als +Katechu+ beim Betelkauen
und als Arznei verwendet. Der Ausdruck bedeutet im Indischen Baumsaft
und wird von den Eingeborenen meist nur als Kat bezeichnet. Diese
Droge läßt sich erst seit 1514 als Kacho in der europäischen Literatur
nachweisen und wird seit der Mitte des 17. Jahrhunderts in deutschen
Apotheken gehalten. Damals, als sie aufkam, war sie einer der teuersten
Stoffe der Arzneitaxe und wurde, wie schon der Name ~terra japonica~
sagt, für eine Mineralsubstanz gehalten. Erst seit 1827 erscheint
sie in bedeutenderen Mengen auf dem europäischen Markt, und zwar als
Pegu-Katechu, der besonders aus der Provinz Pegu in Britisch-Birma
über Rangun in den Handel gelangt. Erst später kam der Gambir-Katechu
auf, der über Singapur nach London und Hamburg verschifft wird. Die
ersten bestimmten Daten über diese Droge stammen aus dem Jahre 1780.
Der Pegu-Katechu wird von der Katechu-Akazie (~Acacia catechu~), einem
4-8 m hohen Baum Vorder- und Hinterindiens, wie auch des tropischen
Afrika in der Weise gewonnen, daß das in kleine Stücke zerhackte
Kernholz derselben etwa 12 Stunden lang mit Wasser in irdenen Töpfen
ausgekocht wird. Der dunkelbraune Auszug wird dann in Schalen so
weit eingedampft, daß er nach dem Ausgießen in der Form erstarrt. Je
nachlässiger das Eindampfen und Trocknen betrieben wird, um so dunkler
wird er. Er schmeckt zusammenziehend bitter und enthält bis 54 Prozent
Katechugerbsäure und 17 Prozent Katechin oder Katechusäure. Der gelbe
Gambir-Katechu dagegen wird aus den jungen Trieben und Blättern von
~Uncaria gambir~, einem kletternden Strauch Hinterindiens und der
Sundainseln aus der Familie der Rubiazeen oder Krappgewächse, der an
den Küsten der Halbinsel von Malakka, auf Sumatra, Java und neuerdings
auch auf Ceylon kultiviert wird, ebenfalls durch Auskochen in Wasser,
aber meist in gußeisernen Pfannen gewonnen und nach dem Eindampfen
gleicherweise in Formen, meist flachen Holzkästen, getrocknet. Er ist
gelb bis hellbraun, wird hauptsächlich von den Eingeborenen zum Kauen
mit gelöschtem Kalk, einem Stückchen Arekanuß und einem Blatt des
Betelpfeffers benutzt und enthält bis 47 Prozent Katechugerbsäure und
20 Prozent Katechin, daneben weniger Umsetzungsprodukte des letzteren
als der Pegu-Katechu. Beide dienen als zusammenziehende, stopfende
Mittel, daneben besonders der Gambir-Katechu in der Technik zum Gerben
und Färben.