Eine schon im Altertum für den Arzneischatz wichtige Pflanze

bildete das +Süßholz+. Es ist dies die ungeschälte Wurzel der in

Südeuropa und im südwestlichen Asien bis Persien heimischen, bis

2 m hohen, ausdauernden Leguminose, ~Glycyrrhiza glabra~, mit bis

20 cm langen Fiederblättern und violetten Blüten in Trauben. In

den hippokratischen Schriften wird sie zwar nur einmal erwähnt, aber

die späteren griechischen Ärzte benutzten sie als ~glykýrrhiza~, d.

h. Süßwurzel, häufig als schleimlösendes Mittel bei Husten. Bei den

römischen Ärzten figurierte sie als ~radix dulcis~, was ebenfalls

süße Wurzel bedeutet. Noch Alexander Trallianus im 6. Jahrhundert

benutzte sie viel gegen Brustbeschwerden. Unter den von Karl dem

Großen in seinem ~capitulare de villis~ vom Jahre 812 zum Anbau

empfohlenen Nutzpflanzen findet sie sich nicht, doch wird sie von der

heiligen Hildegard, Äbtissin des Klosters Ruppertsberg bei Bingen

(1098-1179), als ~liquiricium~ aufgeführt, woraus dann das deutsche

Lakriz und das französische ~rêglisse~ hervorging, alles natürlich

Ableitungen des griechischen ~glykýrrhiza~, das uns schon bei dem

Schüler des Aristoteles, Theophrast (390-286 v. Chr.), entgegentritt.

Die bis 2 cm dicke, gelbe Süßholzwurzel enthält als wesentlichsten

Bestandteil das als Süßholzzucker bezeichnete Glycyrrhizin, ein an

Kalk gebundenes Glykosid, das zu 6-8 Prozent darin enthalten ist. Im

15. Jahrhundert wurde von den Benediktinern in Bamberg die Kultur des

Süßholzes in Deutschland eingeführt und meist von da aus die deutschen

Apotheken mit dieser Droge versorgt. Seit dem 13. Jahrhundert wird

es in Italien, vorzugsweise in Kalabrien und Sizilien, besonders

aber in Spanien kultiviert, von wo es, im Winter ausgegraben und

in Bündel von 30-35 kg Gewicht verpackt, in den Handel kommt.

Auch aus Südfrankreich, Mähren und Syrien, wo die Pflanze im großen

kultiviert wird, und aus der Umgebung von Smyrna, wo man sie von

wildwachsenden Exemplaren sammelt, wird sie teils als solche, teils

auf Lakrizensaft verarbeitet, exportiert. Der eingekochte Lakrizensaft

war schon dem Dioskurides und Plinius bekannt; in Deutschland erwähnt

ihn zuerst Konrad von Megenberg, der 1374 63jährig als Kanonikus

am Dom zu Regensburg verstorbene Verfasser der ersten in deutscher

Sprache geschriebenen Naturgeschichte. 1450 treffen wir ihn in der

Arzneiliste der Stadt Frankfurt a. Main. Er wird durch Auskochen

der zerquetschten minderwertigen Wurzeln in Wasser mit nachherigem

Eindampfen gewonnen und dient außer als Geschmackskorrigens für

Arzneien auch in der Bierbrauerei. Außer dem südeuropäischen und

asiatischen Süßholz kommt eine geschälte, sogenannte russische Abart

von der Varietät ~Glycyrrhiza glandulifera~ in großen, durch eiserne

Bänder zusammengehaltenen Ballen von 80-100 kg in den Handel. Sie

wird besonders bei Sarepta und den Inseln der Wolgamündungen im großen

angebaut und ihre Wurzeln werden roh über Astrachan nach Moskau und

St. Petersburg, wo sie erst geschält werden, ausgeführt. Ein anderer,

meist von wildwachsenden Pflanzen an den Ufern des Ural gesammelter

Teil kommt von Nishnij-Nowgorod aus auf den Markt. Diese eigenartig

süß schmeckende Droge gilt als das beste Süßholz; auch bei ihm ist die

Herbsternte reicher an Glycyrrhizin als die Sommerernte. Fast ebensogut

in der Qualität ist das in großen Mengen in Sibirien, Turkestan und

der Mongolei gesammelte und eine besondere Handelsmarke bildende

chinesische Süßholz von ~Glycyrrhiza uralensis~, das pharmakognostisch

wesentliche Unterschiede vom russischen und spanischen zeigt.

Von einigen dem vorigen sehr nahe verwandten Schmetterlingsblütlern

aus der Gattung ~Astragalus~ wird in Kleinasien, Syrien und Persien

der als Bindemittel in der Technik und Arzneikunde viel gebrauchte

+Tragantgummi+ gewonnen. Er tritt als bei gutem Wetter innerhalb 3-4

Tagen erhärtender Schleim, bei feuchter Witterung durch entsprechende

Volumzunahme freiwillig, beziehungsweise durch zufällige Verletzungen

der Rinde durch Insekten oder weidende Tiere, in der Regel aber

durch künstlich angebrachte Einschnitte aus Stamm und Ästen jener

dornigen Büsche und wird in farblosen, gelblichweißen bis bräunlichen

Blättern oder Körnern gesammelt. Die Sortierung in die verschiedenen

Handelssorten geschieht meist in Smyrna oder Konstantinopel, von

wo jährlich etwa ½ Million kg in den Handel gelangen. Besonders

groß ist der Bedarf in der Kattundruckerei als Verdickungsmittel für

Farben, in der Appretur von Seidenwaren und zum Glänzendmachen von

Sohlleder. Er quillt in Wasser stark auf, gibt gepulvert mit 20 Teilen

Wasser einen derben, vielfach auch zu Klistieren benutzten Schleim

und enthält außer einem in Wasser löslichen Gummi hauptsächlich das

in Wasser quellende, unlösliche Bassorin, ein Polysaccharid. Der

Tragant war schon den alten Griechen und Römern als ~tragacantha~

bekannt und wurde von ihnen technisch und medizinisch benutzt.

Theophrast nennt Kreta, den Peloponnes und Medien, d. h. das Gebirge

im Nordwesten des heutigen Persien als die Heimat der ihn liefernden

Pflanzen, und Dioskurides sagt, der beste sei durchsichtig, glatt,

fast süß. Er wirke wie (arabischer) Gummi, werde in Augenheilmittel

getan und gegen Brustleiden eingenommen. Sein Zeitgenosse Plinius

der Ältere nennt Medien und Achaja als Hauptbezugsgegenden der

Droge und fügt bei, daß ein Pfund davon zu seiner Zeit drei Denare

(etwa 90 Pfennige) kostete. Durch die arabischen Ärzte wurde dann

das Abendland mit dem Tragantgummi bekannt. Zum ersten Male findet

sich die Droge in Deutschland im 12. Jahrhundert erwähnt. Um 1340

berichtet der Italiener Pegolotti über ~draganti~ als Ausfuhrartikel

von Satalia (Adalia im südlichen Kleinasien) neben dem Tragant aus

Romania, dem heutigen Griechenland. Neuerdings wird als Surrogat des

Tragants der +Kuteragummi+ von der 6 m hohen Leguminose ~Maximilianea

gossypium~, mit großen, gestielten Blättern und gelben Blüten, in

Vorderindien gewonnen. Außer in seiner Heimat wird er in Cochinchina,

Senegambien und auf der Insel Mauritius angepflanzt und liefert den

dem Tragantgummi ähnlichen, in Wasser auch nur teilweise löslichen

Kuteragummi, der in derselben Weise wie der Tragant verwendet wird.

Ein seit dem frühesten Altertum sehr geschätzter Exportartikel

Afrikas ist der +arabische+ oder +Akaziengummi+, der hauptsächlich

aus Stamm und Ästen der im Nordosten Afrikas, besonders im oberen

Nilgebiet wachsenden, bis 6 m hoch werdenden Gummiakazie (~Acacia

senegal~) von den Eingeborenen gesammelt wird, um nicht nur an die

Fremden verkauft zu werden, sondern in erster Linie ihnen selbst

als wichtiges Nahrungsmittel zu dienen. Diese Gummiakazie bildet

in Senegambien und Kordofan, im Stromgebiet des Weißen Nil und des

Atbara ausgedehnte Wälder und besteht aus stacheligen Sträuchern oder

bis 6 m hohen Bäumen mit schirmartiger Krone, sehr hartem Holz,

grauer, rissiger Rinde und dicken Lagen gelben bis purpurroten Bastes,

kleinen, doppelgefiederten Blättern, schwarzen Stacheln, langen, gelben

Blütenähren und linealischen Fruchthülsen mit dunkeln Samen. Wenn im

Juli, August und September in dem sonst regenarmen Lande ausgiebige

Regengüsse stattfinden und daraufhin heiße Witterung eintritt, so

berstet durch die austrocknenden Ostwinde die Rinde der dann eben

blattlosen und sich mit den schönen, gelben Blütenähren bedeckenden

Gummiakazien, und aus der allmählich der „Vergummung“ anheimfallenden

Innenrinde fließt in oft größerer Menge der farblose Gummischleim aus,

der alsbald am Baume erhärtet. Mit dem Ausbrechen der Blätter hört dann

die Gummibildung auf. Je länger nun z. B. am Senegal der austrocknende

Wüsten-Ostwind weht, um so reichlicher ist die Ernte. Nach Busse soll

aber dieser Gummifluß nicht freiwillig stattfinden, wie man bis jetzt

allgemein glaubte, sondern sein Entstehen lediglich der Verletzung

durch die Rinde (und das Holz) anbohrende Insekten, besonders Ameisen,

verdanken. Jeder Gummiklumpen entspräche demnach einer kleinen Wunde,

und zwar färbt sich der austretende Gummi um so mehr rotbraun, je

tiefer die Wunde ist und je mehr sich infolgedessen gerbstoffartige

Stoffe beimischen. Smith endlich führt das Ausfließen von Gummi auf die

Tätigkeit eines von ihm als ~Bacterium acaciae~ bezeichneten winzigen

Pilzes zurück, der stets auf denselben Bäumen und an den Stellen,

wo sich Gummi bildet, aufgefunden wird. Nach Louvel beginnt die

Gummiabsonderung, sobald die Pflanze 7-8 Jahre alt ist, sie erreicht

im 30. ihren Höhepunkt und dauert bis zum 40. an. Nur selten wird die

Gummiakazie vom Menschen angeschnitten, um ihr wertvolles Produkt

zu erhalten. Am reichlichsten fließt der Gummi in den Monaten Februar

und März bis Mitte April, und zwar ist die Absonderung desselben in

abnorm heißen Jahren am stärksten. Früher richteten gelegentlich

Elefanten große Verwüstungen in den Gummiwäldern an, so daß der

Ertrag geschmälert wurde. Die beste Sorte kommt aus Kordofan in den

Handel; eine sehr gute Qualität liefert auch Südnubien und Abessinien.

Weniger geschätzt dagegen ist der von anderen Akazienarten in Ost- und

Südafrika, wie auch in Marokko und der Berberei gesammelte, mehr braune

Gummi. Letzterer löst sich nicht vollständig wie der echte, helle

arabische Gummi im doppelten Gewicht Wasser zu einem klebenden, aber

nicht fadenziehenden, geruchlosen, gelblichen Schleim auf.

[Illustration:

Tafel 127.

Anpflanzung von Süßholz (~Glycyrrhiza~) an der Save bei Bosnabrod

in Bosnien. (Nach einer im Besitz des Botan. Institutes zu Wien

befindlichen Photographie von L. Adamovic.)]

[Illustration: In Europa wild wachsender Rhabarber (~Rheum undulatum~).]

[Illustration:

Tafel 128.

(Phot. von ~Dr.~ W. Beam.)

Anschlagen einer Gummiakazie (~Acacia verek~) in Kordofan.]

[Illustration:

(Phot. von ~Dr.~ W. Beam).

Ausschwitzung von arabischem Gummi an einer angeschlagenen Gummiakazie

in Kordofan.]

Beim Einsammeln des Gummis ist vor allem darauf zu achten, daß nur

immer ein und dieselbe Art gesammelt wird, oder aber die Sorten

verschiedener Arten gleich an Ort und Stelle auseinander gehalten

werden. Dies ist deshalb von großer Wichtigkeit, weil sich die

verschiedenen Gummisorten in ganz verschiedenem Maße in Wasser lösen

und es so leicht vorkommen kann, daß Gummisorten gemischt werden, von

denen die eine ganz, die andere nur zu einem gewissen Teil löslich

ist. Eine solche Mischsorte würde dadurch fast vollständig entwertet.

Derartige minderwertige gemischte Sorten kommen meist fein gepulvert in

den Handel, finden aber nur schwer Absatz, weil ein solcher auch stark

verunreinigt zu sein pflegt. Es empfiehlt sich, nur möglichst helle

und gleichmäßig gefärbte Stücke derselben Akazienart zu sammeln und

die Sorten streng auseinander zu halten. Der beste Gummi ist farblos

bis hellgelb, ziemlich durchsichtig und bildet runde oder längliche

Körper mit glatter, teilweise rissiger Oberfläche. Die Härte entspricht

ungefähr derjenigen des Steinsalzes. Der Hauptbestandteil desselben

ist Arabin, eine Verbindung der Arabinsäure mit Kalk und kleinen

Mengen Kali und Magnesia, ferner wenig Bassorin und Spuren von Zucker,

Gerb- und Farbstoffen. Die Verwendung des Gummis ist eine äußerst

mannigfaltige. In der Medizin dient er als reizmilderndes, schleimiges,

einhüllendes Arzneimittel, besonders bei Magen- und Darmentzündung

und bei Vergiftungen, dann als Konstituens bei Emulsionen, Latwergen,

Pasten, Pastillen, Pillen usw., als Streupulver bei Wunden, speziell

Brandwunden, zu Klistieren, im großen aber in Färbereien, Druckereien,

Appreturanstalten für Seidenwaren und feine Spitzen, dann Tinten- und

Zündholzfabriken usw. als Klebemittel. Allein Deutschland bedarf seiner

im Werte von etwa 16 Millionen Mark jährlich. Frankreich importiert

jährlich aus dem Senegal zwischen 2 und 5 Millionen kg nach Bordeaux;

der größte Teil desselben wird im Lande selbst verarbeitet.

Schon die alten Ägypter bedienten sich des arabischen Gummis in der

Malerei, wie auch in der Appretur und beim Färben von Linnenstoffen.

Auf den ägyptischen Denkmälern aus den Jahren um 1500 v. Chr., die uns

am Grabtempel der Königin Hatschepsut in Der el Bahri an der Westseite

der einstigen Residenzstadt Theben erhalten sind, wird der Gummi als

~kami en punt~, d. h. Gummi aus dem Lande Punt (der Südspitze Arabiens

und der gegenüberliegenden Somaliküste) bezeichnet und neben Weihrauch

als eine begehrte Droge jenes Landes angeführt. Der ägyptische ~kami~

kam als ~kómmi~ zu den Griechen. Der große Pflanzenkenner Theophrast

sagt über ihn in seiner Pflanzengeschichte: „Die Akazie (~akántha~) in

Ägypten liefert den Gummi (~kómmi~); er fließt von selbst aus, oder aus

Wunden, die man absichtlich macht.“ Dioskurides nennt den ägyptischen

Gummibaum ~akakía~ (woraus unser Akazie entstand) und sagt, daß der

Gummi vielfach als Arznei verwendet werde. Dasselbe sagt Plinius von

der Droge, die er ~gummi~ nennt. Der ägyptische Gummi sei weitaus die

beste Sorte, habe eine dunkle Farbe und komme in wurmförmig gedrehten

Stücken in den Handel. Schon der große Hippokrates benutzte den

~kómmi~ als Arzneimittel, und der weitgereiste Herodot kannte ihn als

Bestandteil der Tinte. Nach dem um 25 n. Chr. gestorbenen griechischen

Geographen Strabon aus Amasia am Pontos kam der Gummi besonders aus

der Umgegend der ägyptischen Stadt Akanthos, deshalb treffe man in den

alten Schriften, z. B. bei Cornelius Celsus, die Bezeichnung ~gummi

acanthinum~; doch seien auch die Benennungen ~gummi thebaicum~ und

~g. alexandrinum~ gebräuchlich. Der Name „arabischer Gummi“ -- daher

stammend, weil er über arabische Häfen ausgeführt und durch die Araber

verbreitet wurde -- tritt uns zuerst beim jüdischen Arzte Ibn Serapion

im 11. Jahrhundert entgegen. Im Mittelalter wurde er im Abendlande nur

sehr wenig angewendet und kam auch in sehr geringen Mengen nach Europa.

Der Senegalgummi kam erst im 14. Jahrhundert durch die Portugiesen nach

Europa, im 17. Jahrhundert begann seine Verwendung in Frankreich, aber

erst vom Jahre 1832 an begann er zunächst in Frankreich den arabischen

Gummi zu verdrängen. Als durch den Mahdistenaufstand der Sudan für den

Gummiexport gesperrt wurde und infolge davon die Nilgummisorten sehr

selten wurden, eroberte sich der Senegalgummi den Weltmarkt und wird

jetzt überall da angewendet, wo das viel billigere Dextrin, der durch

Verkleisterung von Stärkemehl erhaltene Stärkegummi, nicht genommen

werden kann.

Surrogate des arabischen oder Akaziengummis sind der +indische+ oder

+Feroniagummi+, der aus dem verwundeten Stamm des Elefantenapfelbaums

(~Feronia elephantum~), eines großen Baumes in Ostindien bis Ceylon

mit anisartig duftenden, unpaarigen Fiederblättern, rötlichgrünen

Blüten und vielsamigen, apfelähnlichen Früchten mit harter Rinde und

genießbarem Fleisch, träufelt und in großen, gelben bis braunen,

durchsichtigen, in Wasser leicht löslichen Klumpen erstarrt. Er

klebt stark, wird wie arabischer Gummi benutzt und ist diesem für

Wasserfarben vorzuziehen. Ferner der in Westindien, besonders auf

Martinique und Guadeloupe, und Brasilien gesammelte +Cashawagummi+,

der aus Wunden des daselbst heimischen, jetzt überall in den Tropen

kultivierten Akajoubaumes (~Anacardium occidentale~), eines Verwandten

des Mahagoni, fließt. Es ist dies einer der schönsten Kulturbäume, der

sich durch hohen, dicken Stamm und mächtige Laubkrone auszeichnet.

Die Stiele der Früchte sind zu hühnereigroßen, birnförmigen, gelben,

süßlichsauren Scheinfrüchten geworden, die ein sehr beliebtes

Obst abgeben, während die als Anhängsel daraufsitzenden kleinen,

nierenförmigen eigentlichen Früchte als westindische Elefantenläuse

bezeichnete Steinfrüchte bilden, die auch eßbar sind und aus denen ein

in der Medizin und Technik verwendetes Öl gepreßt wird.

Ein angenehm styraxartig riechendes Harz wird als ~Ladanum~ aus

verschiedenen Arten von Cistrosen auf Cypern, Kreta, Naxos und in

Spanien gewonnen. Schon von den alten griechischen Ärzten wurde es als

erwärmendes und zusammenziehendes Mittel, innerlich bei chronischem

Katarrh und äußerlich auf Wunden und Geschwüre, verwendet. Noch jetzt

ist es im Orient sehr geschätzt und gilt dort als Schutzmittel gegen

die Pest, während es bei uns nur etwa zu Räucherungen und als Parfüm

dient. Ebenfalls bloß noch äußerliche Verwendung findet bei uns das

+Elemiharz+, das durch Anschneiden verschiedener auf den Philippinen

heimischer Kanariumarten, in Indien, Ostafrika, Venezuela und Brasilien

von anderen Burserazeen gewonnen wird. In frischem Zustande stellt

es eine klare, wenig gefärbte Auflösung von Harzen in ätherischen

Ölen dar, aus der sich das Harz durch Verdunsten dieser letzteren

ausscheidet. Der Geruch ist balsamisch, der Geschmack gewürzhaft,

bitter. Es dient bei uns als Heilmittel auf Wunden, während die

Eingeborenen es auch innerlich, namentlich gegen Kopfschmerz, und zu

Räucherungen verwenden.

Zu scharfen Einreibungen und als Zusatz zu blasenziehenden

Pflastern dient das +Euphorbium+, ein aus der geritzten Rinde

einer nordafrikanischen, bis 2 m hohen, fleischigen, blattlosen

Wolfsmilchart (~Euphorbia resinifera~) ausfließender und an der

Pflanze selbst erhärtender Milchsaft, der hellgelbliche, zerreibliche

Stücke bildet, die beim Erwärmen schwach weihrauchartig riechen und

auf der Zunge scharf brennen. Die Einschnitte in den Stamm und die

vierkantigen Zweige werden zur Fruchtzeit gemacht. Dieses Gummiharz

wird ausschließlich im marokkanischen Atlas gesammelt und kommt über

Mogador in den Handel. Schon im Altertum war es bekannt und wurde als

scharfes Abführmittel von den griechischen Ärzten verordnet. Juba

II., der Sohn Jubas I. von Numidien, der sich nach der Niederlage

der Pompejaner bei Thapsus im Jahre 46 v. Chr. das Leben nahm, ein

nach dem Sturze seines Vaters nach Rom gebrachter und dort erzogener,

wissenschaftlich gebildeter Mann, dem später Augustus wieder einen Teil

seines väterlichen Reiches verlieh, schrieb über diese Pflanze seiner

Heimat, die er nach seinem Leibarzte Euphorbos benannt haben soll, eine

kleine Schrift. Später ging die Kenntnis der Stammpflanze verloren, bis

Berg im Jahre 1863 aus im Euphorbium enthaltenen Bruchstücken die schon

1804 von Jackson erwähnte Pflanze bestimmte. Die ersten Exemplare der

Pflanze kamen 1870 in den großen botanischen Garten von Kew bei London.

1868 isolierte Flückiger das neben verschiedenen Harzen darin zu 34

Prozent enthaltene Euphorbon.

Ein anderes, ebenfalls kaum mehr innerlich, sondern als Bestandteil

reizender und zerteilender Salben und Pflaster nur noch äußerlich

gebrauchtes Gummiharz ist das +Ammoniacum+, der zur Zeit der

Fruchtreife durch Stiche von Insekten ausfließende und an der Luft zu

innen weißlichen, außen bräunlichen, eigentümlich unangenehm riechenden

und scharf bitter schmeckenden erbsen- bis walnußgroßen Körnern

erhärtende Milchsaft einer ausdauernden, bis 2,5 m hohen Umbellifere

der mittleren und östlichen Gegenden Persiens und der Wüsten um den

Aralsee, ~Dorema ammoniacum~. Er erweicht in der Hand, gibt mit Wasser

eine Emulsion, ist in Alkohol nicht vollständig löslich und enthält

schwefelfreie Harze und Gummi. Das von den griechischen Ärzten des

Altertums gegen mancherlei Krankheiten gegebene ~hammoniacum~ war

noch nicht dieses persische, sondern ein von der nordafrikanischen

~Ferula tingitana~ aus Marokko gewonnenes Produkt. Nach Plinius, der

es ~hammoniaci lacrima~, d. h. Ammoniakträne, nennt, wächst es in den

unterhalb des Negerlandes gelegenen Sandwüsten Afrikas. „Es kommt von

einem Baume, der beim Orakel des Jupiter Hammon vorkommt, heißt auch

~metopion~ und quillt wie anderes Harz oder Gummi in Tropfen hervor.

Es gibt zwei Sorten desselben; die beste ist zerbrechlich, die andere

fett und harzig und heißt auch ~phýrama~. Das Pfund des besten kostet

40 As (etwa 1 Mark und 60 Pfennige). Es erwärmt, zerteilt, löst auf

und dient gegen allerlei Leiden.“ Den Namen hat die Droge natürlich

von der Oase des Jupiter Ammon, von der sie einst bezogen wurde, und

so dürfte Don unrecht haben, der sie, da sie von den alten Autoren

bisweilen auch ~armoniacum~ geschrieben wird, nur als verdrehtes

~armeniacum~ aufgefaßt wissen möchte. Schon im 2. Jahrhundert n. Chr.

wurde sie allmählich durch das persische Gummiharz verdrängt, das

im 9. Jahrhundert von persischen, im 10. und 11. Jahrhundert auch

von arabischen Ärzten genannt wird, aber erst im 14. Jahrhundert

in Deutschland bekannt wurde. Die Stammpflanze wurde 1829 von Don

beschrieben und benannt.

Von einem andern Doldenblütler Irans, ~Ferula persica~, wird das

knoblauchartig riechende +Sagapenum+ gewonnen, das im Orient und in

Indien als Gewürz und Heilmittel heute noch Verwendung findet. Dieses

Gummiharz wurde schon in der römischen Kaiserzeit von den griechischen

Ärzten verwendet. Dioskurides beschreibt es in folgender Weise: „Das

~sagápēnon~ ist der Saft einer unserer Ferula ähnlichen Pflanze und

kommt aus Medien. Das beste ist durchscheinend, außen gelblich, innen

weiß; der Geruch hält die Mitte zwischen dem ~sílphion~ (Teufelsdreck)

und ~gálbanon~. Der Geschmack ist scharf.“

Ein der Ammoniakpflanze ähnlicher Doldenblütler Griechenlands und

Kleinasiens, ~Ferula opopanax~ oder ~Opopanax cheironium~, eine

schon von Theophrast nach dem kräuterkundigen Kentauren Cheiron in

Thessalien als ~pánakes cheirónion~ bezeichnete Heilpflanze, liefert

durch Einschnitte in die fleischige Wurzel das heute wenigstens bei uns

nicht mehr gebräuchliche Gummiharz +Opopanax+ (zu deutsch: Saft der

Panaxpflanze, d. h. der allheilenden Kraftwurzel). Im Altertum wurde

es arzneilich viel verwendet. Dioskurides, der die Pflanze vermutlich

nach dem damaligen Hauptbezugsorte der daraus gewonnenen Droge, der

Heraklesstadt in Bithynien am Schwarzen Meer, ~Herakleia pontica~,

einer bis zu den mithridatischen Kriegen (der letzte -- dritte --

derselben dauerte von 74-63 v. Chr.) sehr blühenden Hafenstadt

Kleinasiens, ~pánakes herakleíon~ nennt, sagt in seiner Arzneikunde

von ihr: „Das ~pánakes herakleíon~, aus welchem ein Saft gewonnen

wird, den man ~opopánax~ nennt und gegen viele Übel gebraucht, wächst

vorzüglich in Böotien und dem arkadischen Psophis, wird aber auch, da

der Saft mit Gewinn verkauft werden kann, in Gärten gezogen. Übrigens

wächst die Pflanze auch in Makedonien und dem libyschen Kyrene.“

Kulturgeschichte der Nutzpflanzen, Band IV, 2. Hälfte · 第 34 / 81 段