von Glykosiden, nämlich die abführend wirkenden Anthraglykoside und
deren Spaltungsprodukte, unter denen die Chrysophansäure, das Emodin
und das Rhein die wichtigsten sind, und die nicht abführend, wohl aber
zusammenziehend wirkenden Tannoglykoside und deren Spaltungsprodukte.
Daher kommt es, daß kleine Dosen Rhabarber stopfend durch letztere und
erst größere abführend durch erstere wirken, indem die Glykoside im
Darm langsam gespalten werden. Dabei wird gleichzeitig die Absonderung
der Galle angeregt.
[Illustration: Bild 71. Der Blütenstand der offizinellen
Rhabarberpflanze (~Rheum officinale~).]
Eine dem chinesischen Rhabarber ähnliche Wurzel liefert der in
Südrußland und Sibirien heimische +pontische Rhabarber+ (~Rheum
rhaponticum~), den man, als er durch den Botanikprofessor Prosper
Alpino in Padua bekannt wurde, lange Zeit für den echten Rhabarber
hielt. Wahrscheinlich wird der größte Teil des ~rha ponticum~ der
Alten aus ihm bestanden haben. Wenn auch schwächer als der chinesische
Rhabarber wirkend, wird er nicht nur in seiner Heimat und im
Morgenlande, besonders Persien, sondern auch seit der Mitte des 18.
Jahrhunderts in England, Frankreich, Deutschland, Österreich und Ungarn
im großen angepflanzt und in den Handel gebracht. Er wird namentlich in
der Tierarzneikunde seiner größeren Billigkeit wegen viel verwendet.
In England begann um 1800 der Apotheker Hayward in Hanbury bei Oxford
seine Kultur in größerem Stile, die dann seit 1845 einen bedeutenden
Aufschwung nahm. Die Hauptkulturen Frankreichs sind in den Departements
Morbihan, Doubs und Isère. Ein Teil der wirksamen Bestandteile der
echten Rhabarberwurzel fehlt in den von dieser Art gewonnenen Wurzeln,
die auch dünner sind.
Nach der Entdeckung Amerikas hielten bekanntlich die Spanier dieses
Land zuerst für den östlichen Teil Asiens und bemühten sich, außer
dem Gold, das sie in dem vom Venezianer Marco Polo als sehr goldreich
beschriebenen Lande Zipangu (Japan) zu finden hofften, auch die
wichtigsten asiatischen Gewürze und Arzneidrogen zu bekommen, um sich
an dem damit zu treibenden Handel zu bereichern. Unter den Drogen, die
Kolumbus in seinen ersten Briefen in die Heimat erwähnt, befindet sich,
so speziell in den Briefen vom 4. und 14. März 1493, auch Rhabarber.
Dieser amerikanische Rhabarber hat sich als die knollenförmig
angeschwollenen, abführend wirkenden Wurzeln verschiedener
Windengewächse erwiesen, unter denen die schon lange vor der Ankunft
der Spanier in Mexiko als Abführmittel verwendete +Jalapenwurzel+ seit
Anfang des 17. Jahrhunderts auch in den Arzneischatz Europas eingeführt
wurde. Diese seit 1536 deutlicher erkannte Wurzel, die der Spanier
Monardes zuerst in der Provinz Mechoacan in Mexiko kennen lernte und
als Rhabarber von Mechoacan in jenem Jahre beschrieb, figurierte in
den europäischen Drogenverzeichnissen des 17. und 18. Jahrhunderts
als Mechoacannawurzel, bis sie zu Beginn des 19. Jahrhunderts nach
dem mexikanischen Bezugsorte Jalapa von den Marseillern den Namen
Jalapenwurzel erhielt. Die Mutterpflanze aber lernte man erst 1829
durch Cox in Philadelphia kennen. Sie kam dann 1830 zuerst nach
Europa durch Schiede, der ihr den Namen ~Convolvulus jalapa~ gab.
Heute wird sie aber meist nach Hayne als ~Ipomoea purga~ bezeichnet.
Die Jalapenwinde ist eine am östlichen Abhang der mexikanischen
Cordillere in Höhen von 1200-2400 m wildwachsende ausdauernde
Schlingpflanze, die auch an manchen Orten der Tropen wie auf Jamaika,
in Südamerika, auf Ceylon und in Ostindien kultiviert wird. Die walnuß-
bis faustgroßen Knollen werden das ganze Jahr hindurch, besonders
aber am Ende der Regenzeit im Mai gesammelt, an der Sonne, in heißer
Asche oder, in einem Netz aufgehängt, über freiem Feuer getrocknet. In
letzterem Falle erhalten sie ein berußtes Aussehen und etwas Harz tritt
aus. Um den Austrocknungsprozeß zu beschleunigen, werden die größeren
Knollen durchschnitten; nur kleine läßt man ganz. Sie sind hart, fest
und schwer, erscheinen außen dunkelbraun, runzelig, innen weißlichgrau,
faserig, riechen eigenartig und schmecken anfangs süßlich, ekelhaft,
dann scharf, im Rachen lange haftend. Haupthandelsplatz der nur von
wildwachsenden Pflanzen gesammelten echten mexikanischen Jalapa ist
der mexikanische Hafenort Vera Cruz, von wo die Droge in Ballen von
50 kg Gewicht exportiert wird. Als wichtigsten Bestandteil enthält
sie das zuerst 1634 durch Ausziehen der Wurzelknolle mit Weingeist
gewonnene, bis zu über 20, meist aber zu 10-13 Prozent darin enthaltene
Jalapenharz, das aus 95 Prozent eines in Äther unlöslichen harzartigen
Glykosids Convolvulin und zu 5 Prozent des in Äther löslichen Harzes
Jalapin besteht. Aus ersterem werden im Darm die Convolvulin- und
Purginsäure gespalten. In der Wirkung steht dieses Abführmittel in der
Mitte zwischen Rhabarber und Aloe, indem es nicht so leicht verstopft,
wie ersterer, und auch nicht so stark die Gedärme reizt, wie letztere.
Als drastisches Abführmittel wird das Gummiharz einer altweltlichen
Windenart (~Convolvulus scammonia~) als +Scammonium+ verwendet.
Dieses hat seinen Namen vom griechischen ~skámma~, das Gegrabene,
und wurde schon im Altertum gebraucht, aber nach Dioskurides schon
ebenso verfälscht wie heute. Von der im östlichen Mittelmeergebiet
bis zum Kaukasus heimischen, in Kleinasien und Syrien stellenweise
häufigen ausdauernden Pflanze wird der eingetrocknet bräunlichgelbe
bis dunkelbraune Milchsaft aus der bloßgelegten Wurzel vermittelst
Einschnittes gewonnen. Er schmeckt kratzend, bitter und riecht dem
Jalapenharz ähnlich, besteht aus 10 Prozent Harz, und zwar zum großen
Teil aus Jalapin, dann aus Zucker, Gummi und Gerbstoff. Im Mittelalter
wurde er öfter unter der Bezeichnung Diagrydium arzneilich verwendet,
kommt aber heute nur ganz ausnahmsweise zur Anwendung.
Häufiger wird das +Podophyllin+ angewandt, das von einer an schattigen,
feuchten Stellen der Laubwälder des atlantischen Nordamerika wachsenden
staudigen Berberidee mit 5-9lappigen Blättern, großen, weißen,
nickenden Blüten und eiförmigen, gelblichen, etwa einer kleinen Zitrone
ähnlichen, vielsamigen Früchten mit säuerlichem, eßbarem Fruchtfleisch
gewonnen wird, indem der weiße, kriechende Wurzelstock mit Alkohol
ausgezogen und dieser spirituöse Auszug mit Wasser gefällt wird. Das
so gewonnene Podophyllin stellt ein zitronengelbes bis orangebraunes
amorphes, bitteres Pulver dar, das 12 Prozent Harz mit den abführenden
Glykosiden Podophyllotoxin und Pikropodophyllin enthält. Auch äußerlich
wird die Droge als hautreizendes Mittel angewandt. Der Wurzelstock
dieser Pflanze wurde von alters her von den Indianern zum Laxieren
verwendet. Im Jahre 1820 wurde das daraus gewonnene Harz in die
Pharmakopoe der Vereinigten Staaten, 1864 in diejenige Englands, später
auch in das deutsche, österreichische und schweizerische Arzneibuch
aufgenommen. Dem Wurzelstock dieses nordamerikanischen ~Podophyllum
peltatum~ ist derjenige des ~Podophyllum emodi~ aus Kaschmir und dem
Südabhang des Himalaja auch in der Wirkung sehr ähnlich. Auch er wird
von den Eingeboren in derselben Weise gebraucht.
Uralt ist bei den Kulturvölkern Vorderasiens und des Mittelmeergebiets
die Anwendung der +Aloe+ als Abführ- und Wundheilmittel. Schon 2-3
Jahrtausende v. Chr. war sie in Ägypten und Babylonien im Gebrauch und
wurde unter der semitischen Bezeichnung ~halal~, was bitter bedeutet,
aus den Küstenländern Ostafrikas eingeführt. Die Griechen und Römer
lernten sie später unter dem Namen ~aloe~ kennen. Ähnlich wie der
ältere Plinius sagt sein Zeitgenosse Dioskurides von ihr: „Die meiste
Aloe wächst in Indien und von dort kommt auch ihr Saft in den Handel;
welche wächst auch in Arabien und Kleinasien, wie auch auf einigen
Inseln, z. B. Andros, doch wird ihr Saft an letztgenannten Orten nicht
gesammelt, aber man legt die zerquetschten Blätter auf Wunden. Man
unterscheidet zwei Arten von Aloe, eine sandige und eine leberfarbige.
Beide werden mit Gummi verfälscht, was sich jedoch durch den Geschmack,
den Mangel an Bitterkeit und durch den Geruch verrät, auch läßt sich
der verfälschte nicht zwischen den Fingern zu feinem Staube zerreiben.
Innerlich wird er vielfach als Arznei gebraucht, äußerlich aber in
Pulverform auf Wunden gestreut.“ Im mittleren und nördlichen Europa
war die Aloe seit dem 10. Jahrhundert im Gebrauch und wird zu dieser
Zeit in angelsächsischen Arzneibüchern angeführt. In Deutschland hat
besonders der gelehrte Dominikaner Albertus Magnus, Graf von Bollstädt
(1193-1280), viel zu ihrer Einführung beigetragen.
Die Droge ist der eingekochte Milchsaft aus den Blättern verschiedener
Aloearten aus dem tropischen und subtropischen Afrika, besonders
dem Kapland. Die offizinelle Kap-Aloe wird fast ausschließlich von
~Aloe ferox~ gewonnen, welche im südlichen und südöstlichen Kapland
öfters dichte Bestände bildet. Es ist dies eine Liliazee mit 1 bis
1,75 m hohem, meist einmal gegabeltem Stamm, bläulichgrünen,
unterseits weißgefleckten, nicht nur am Rande, sondern meist auch
an der Ober- und Unterseite stacheligen Blättern und einer großen
Traube von purpurroten, an der Spitze grünlichen Blüten. Die beste
Sorte von Aloe wird dadurch, und zwar meist von den Eingeborenen,
gewonnen, daß man die abgeschnittenen fleischigen Blätter mit der
Schnittfläche nach innen unten rings um eine über eine flache
Bodenvertiefung ausgebreitete gegerbte Rindshaut derart aufstapelt,
daß ein kuppelartiger Bau von etwa 1 m Höhe entsteht. Nach einigen
Stunden werden die Blätter einfach beiseite gestoßen und der von
selbst aus ihnen geflossene Saft in ein Gefäß gesammelt und abends
über freiem Feuer eingekocht, wobei fleißig gerührt werden muß, um das
Anbrennen desselben zu verhindern. Noch besser ist es, ihn langsam an
der Sonne eintrocknen zu lassen. In letzterem Falle scheidet sich das
Aloin des Saftes kristallinisch aus und es entsteht die, wie wir vorhin
erfuhren, schon von Dioskurides und den andern Ärzten des Altertums
unterschiedene matte, lederfarbene Aloe, während die eingekochte,
durchsichtig, glänzend und statt rot bis hellbraun wie die vorige
infolge von Überhitzung schwarz geworden ist. Eine geringere Sorte wird
durch Auspressen, und die schlechteste durch Auskochen der Blätter
gewonnen. Sie riecht eigentümlich und schmeckt widerlich bitter durch
den in ihr enthaltenen Bitterstoff Aloin, der in Wasser löslich ist und
stark abführend wirkt. Ferner sind darin 30-40 Prozent Aloeharz, 0,2
Prozent Aloe-Emodin und Spuren ätherischen Öles enthalten. Die durch
Auskochen der Blätter gewonnene geringste Sorte wird ihrer Wohlfeilheit
wegen nur von Tierärzten benutzt. Im 16. Jahrhundert gelangte die
Kultur der ~Aloe vulgaris~ nach Südeuropa und durch die Spanier nach
Westindien. Seit 1693 ist die Barbados-Aloe im englischen Handel,
während die Kap-Aloe erst seit ihrer Gewinnung durch den Buren Peter
de Wett aufkam. Aus der Barbados-Aloe stellte dann der Edinburger
Apotheker Thomas Smith 1850 als erster das Aloin dar. Die heute meist
von Curaçao stammende Barbados-Aloe wird in Kalabassen und diese dann
in Fässer verpackt, während die gebräuchlichere Kap-Aloe zum Teil in
Affenhäute, als dem billigsten Verpackungsmaterial, vernäht in Kisten
in den Handel gelangt und so auf den Londoner und Hamburger Auktionen
verkauft wird.
[Illustration: Bild 72. Die offizinelle Kap-Aloe (~Aloe ferox~).]
Von einem unscheinbaren Hülsenfrüchtler, der ~Cassia angustifolia~,
einem im mittleren Nilgebiet von Assuan durch Dongola bis Kordofan
heimischen, 30-60 cm hohen Strauch mit paariggefiederten Blättern,
stammen die vom Volke als Abführmittel sehr beliebten +Sennesblätter+,
die vom Juni bis Dezember gesammelt werden und getrocknet meist
über England in den Handel kommen. Sie sind 1 bis 3 cm lang,
eiförmig, lederig, mattgrün und enthalten außer Senna-Rhamnetin,
Senna-Chrysophansäure und Cathartinsäure als eigentlichen abführenden
Stoff das zu 0,8 Prozent darin enthaltene Senna-Emodin. Die alten
Griechen und Römer kannten diese Droge noch nicht. Sie wurde erst seit
dem 9. Jahrhundert durch arabische Ärzte unter der Bezeichnung ~sannâ~
in Europa bekannt, doch wurden im frühen Mittelalter die Fruchthülsen,
und nicht die Blätter der Pflanze von den arabischen Ärzten verwendet;
letztere kamen erst seit dem 11. Jahrhundert immer mehr in Gebrauch,
während man in neuerer Zeit wiederum den Hülsen mehr Aufmerksamkeit
zuwendet. Vom Jahre 1808-1828 war der Handel mit Sennesblättern in
Ägypten unter Muhammed Ali monopolisiert und verpachtet. Als dadurch
die Preise der Droge sehr in die Höhe stiegen, verpflanzten die
Engländer den Anbau des Sennesstrauches nach Südindien und Ceylon, von
wo heute die größte Menge unter der Bezeichnung Tinnevelly-Senna von
Tuticorin aus über England in den Handel kommt, während zur Zeit des
ägyptischen Monopols Triest der Hauptstapelplatz dafür war.
Als gelindes Abführmittel wird das säuerliche Fruchtmus einer anderen
Leguminose, der indischen +Tamarinde+ (~Tamarindus indica~), gebraucht.
Dieser im tropischen Afrika von Abessinien und dem oberen Nilgebiet
südwestlich bis zum Zambesi heimische Schmetterlingsblütler, der heute
überall in den Tropen meist als Alleebaum kultiviert wird, stellt einen
25 m hohen, bis 8 m Stammumfang aufweisenden schattigen Baum dar
mit paariggefiederten Blättern, gelblichen, purpurn geäderten Blüten
und gestielten 15 cm langen und 2,5 cm breiten Fruchthülsen, die in
zerbrechlicher, gelbbrauner, rauher Schale ein braunschwarzes Mus, und
in diesem rundliche, viereckige, glänzend rotbraune Samen aufweisen.
Für die trockenen, vegetationsarmen Binnenländer Afrikas sind die
als beliebtes Obst und zur Herstellung von erfrischendem Mus und
durstlöschenden Getränken benutzten Früchte von der größten Bedeutung.
Auch das gelbliche, oft rot gestreifte, harte, sehr dauerhafte und von
keinerlei Insekten, selbst nicht den Termiten, angegangene Stammholz
ist als Werk- und Drechslerholz hochgeschätzt. Die alten Ägypter
kannten den Baum als ~nutem~, d. h. Schotenbaum, und wandten das
angenehm säuerliche Mus seiner Früchte als abführende Arznei an. Die
übrigen Kulturvölker des Altertums erwähnen die Frucht noch nicht,
sondern erst die arabischen Schriftsteller des Mittelalters unter der
Bezeichnung ~tamar hindi~, d. h. indische Datteln, woraus dann unsere
Benennung Tamarinde hervorging. Durch Vermittlung der arabischen Ärzte
wurden die Tamarindenschoten und das daraus hergestellte Mus in die
europäischen Apotheken eingeführt. Der erste europäische Arzt, der
solches erwähnt und von dessen Anwendung als kühlendem Abführmittel bei
Gallenkrankheiten spricht, ist Johannes Actuarius im 13. Jahrhundert.
Bei den alten deutschen Ärzten findet sich dafür die Bezeichnung
~siliqua arabica~, d. h. arabische Schote. Seit dem 15. Jahrhundert
führen die deutschen Apotheken die Tamarinde, die aber niemals
besondere Geltung erhielt. Erst in neuerer Zeit ist das in Bonbonform
gebrachte Tamarindenmus von Frankreich aus als ~tamar indien~ zu
Abführzwecken mehr und mehr eingeführt worden. Ihre Wirkung wird durch
den Gehalt von 8 Prozent Weinstein und 15 Prozent Weinsäure bedingt.
Ein ausgewachsener Baum liefert 180-200 kg Früchte, deren Mus überall
in den Tropen gern als Kompott verspeist wird. Aus den Ländern am
oberen Nil kam der Fruchtbaum schon sehr früh nach Indien, wo er im
Ayur Veda Susrutas als ~ambika~ angeführt wird. Bereits 1570 traf ihn
Hernandez in Mexiko, und 1648 von Markgraf in Brasilien angepflanzt.
Gleichzeitig mit der Tamarinde wurden die von arabischen und persischen
Ärzten zuerst erwähnten getrockneten Früchte des ursprünglich ebenfalls
im oberen Nilgebiet heimischen und von da über die Tropen beider
Hemisphären verbreiteten, bis 18 m hohen und schöne Bäume bildenden
Schmetterlingsblütlers ~Cassia fistula~ unter dem Namen +Röhrenkassie+
in die europäischen Apotheken eingeführt. Actuarius im 13. Jahrhundert
beschrieb sie als ~Cassia nigra~ und erst Mesue führt sie als ~Cassia
fistula~ an. Das honigartig riechende, süßschmeckende, braune Mus,
das aus den 30-60 cm langen, 1,5-3 cm dicken, schwarzen oder
schwarzbraunen, zylindrischen, kurzgestielten, meist etwas gekrümmten
Hülsenfrüchten mit glatter, holziger Schale gewonnen wird, enthält
außer Gummi und Pektinstoffen über die Hälfte des Gewichtes Zucker
und wird als mildes Abführmittel für sich oder als Bestandteil
von Elektuarien benutzt. Die süßeste Ware kommt, wie das meiste
Tamarindenmus, aus Ostindien in zylindrischen, aus derben Rohrspänen
geflochtenen Körben in den Handel; daneben ist amerikanische und
afrikanische Röhrenkassie auf dem Markt. In Indien benutzt man die
jungen, unreifen Früchte, mit Zucker eingemacht, als Abführmittel.
Die sehr gewürzhaft riechende Rinde des Baumes, die der Pflanze die
sonst nur für eine Abart des Zimtbaums, die Zimtkassie, gebräuchliche
Benennung ~Cassia~ verschaffte, ist sehr reich an Gerbstoff und wird
deshalb vielfach zum Gerben benutzt.
Als drastisches Abführmittel bei Wassersucht diente früher noch mehr
als heute der eingedickte schleimige, gelbe Saft eines in Süd- und
Hinterindien wachsenden 15 m hohen Baumes, ~Garcinia hanbury~, der
als +Gummigutti+ in den Handel kommt. Von den Eingeborenen wurde er
schon längst arzneilich und technisch verwendet, als ihn die Europäer
kennen lernten. Zuerst erwähnt ihn ein chinesischer Reisender, der
von 1295-97 Kambodscha besuchte, unter dem Namen ~kiang-hwang~. Die
erste Probe davon brachte der holländische Admiral J. van Neck nach
Europa; von ihm erhielt Clusius 1603 davon unter der malaiischen
Bezeichnung ~gutah jemon~, d. h. heilkräftiges Gummiharz. 1611
machte ein Bamberger Arzt, Michael Reuden, den ersten medizinischen
Gebrauch davon. 1651 nahm Horstius das Mittel in seine ~Pharmacopoea
catholica~ auf, und 1751 erkannte Neumann die Natur der Droge als
ein Gummiharz. Von 20-30 Jahre alten Bäumen wird der gelbe Milchsaft
durch spiralig um den Stamm verlaufende Schnitte vor Eintritt der
Regenzeit, d. h. von Februar bis April gewonnen, in 50 cm langen
und 6-7 cm dicken Bambusrohren durch Erwärmen am Feuer erhärtet und
dann die stangenförmige rotgelbe Masse als Röhrengutti in den Handel
gebracht. Er enthält durchschnittlich 77 Prozent Harz, etwas in Alkohol
lösliches Gummiguttigelb und 12 Prozent Gummi. Die drastische Wirkung
der berüchtigten Morisonpillen ist wesentlich auf ihren Gehalt an
Gummigutti zurückzuführen, der in stärkeren Dosen leicht Vergiftungen
hervorruft.
Ein anderes, schon in sehr kleinen Mengen außerordentlich heftig
abführendes und, in die Haut eingerieben, in kurzer Zeit eine
starke Hautentzündung mit Pustelbildung hervorrufendes Mittel ist
das +Krotonöl+, das aus den zerstoßenen, geschälten, reifen Samen
einer 6 m hohen, sehr nahe mit der Rizinusstaude verwandten
Wolfsmilchpflanze, ~Croton tiglium~, bei gelinder Wärme ausgepreßt wird
und ein dickes, braungelbes, etwas unangenehm riechendes, zunächst
milde, aber sehr bald scharf brennend schmeckendes Öl darstellt.
Innerlich bringt schon ½ Tropfen mit Zucker verrieben nach einer halben
Stunde eine Ausleerung hervor, während 1 Tropfen -- übrigens die größte
Gabe, welche innerlich als Heilmittel verabreicht werden darf --
schon über ein Dutzend Ausleerungen mit starkem Drang hervorruft. Das
wirksame Prinzip ist das krotonolsaure Triglycerid und das Krotonharz,
auf welch letzterem die blasenziehende Eigenschaft des Öles beruht.
So dient es auch als Bandwurmmittel und äußerlich zu ableitenden
Salben bei Rheumatismus und Neuralgien. Die Bekanntschaft mit diesem
Öle verdankt das Abendland den arabischen Ärzten. Ums Jahr 950 war
es Serapion dem Älteren, und 50 Jahre später Avicenna (eigentlich
Ibn Sina, dem Leibarzte mehrerer Sultane, gestorben 1037 in Hamadan)
bekannt. 1578 lieferte D’Acosta eine genauere Beschreibung nicht nur
des Öles, sondern auch der in Ostindien heimischen Stammpflanze,
die außer hier und in Ceylon auf Java, den Philippinen und in China
kultiviert wird.
Ein uraltes Abführmittel sind endlich die faustgroßen, runden,
gelben Früchte der in großer Menge die Wüsten Nordafrikas und
Westasiens bewohnenden Bittergurke (~Citrullus colocynthis~),
die einst hauptsächlich den Straußen als Nahrung dienten und als
+Koloquinten+ arzneiliche Verwendung fanden. Sie finden sich bereits
im Alten Testament erwähnt, und wie schon Hippokrates, verwandte
sie auch Dioskurides unter der Bezeichnung ~kolokynthis~, d. h.
Eingeweidebeweger, als Arznei. Besonders von den arabischen Ärzten
wurde diese von ihnen ~handal~ genannte Droge viel verwandt und deshalb
die Koloquinte schon im 10. Jahrhundert auf Cypern und in Spanien
angepflanzt. Als Arzneimittel werden die Früchte in angelsächsischen
Arzneibüchern des 11. Jahrhunderts angeführt. Gegen halbseitiges
Kopfweh rühmte sie schon Alexander Trallianus im 6. Jahrhundert. Die
getrockneten, geschälten Früchte kommen aus Spanien, Marokko, Syrien
und neuerdings in komprimierter Form aus Persien und Ostindien in den
Handel und enthalten besonders im Fruchtfleisch einen glykosidischen
Bitterstoff, das Colocynthin, zu 0,6-2 Prozent. Die gerösteten Samen
der Koloquinte werden übrigens von der ärmeren Bevölkerung der Sahara
als willkommene Speise gegessen.