Seit dem frühesten Altertum war der +Eisenhut+ (~Aconitum napellus~)

den Völkern gebirgiger Gegenden, in denen er mit Vorliebe wächst, als

äußerst starkes Gift bekannt. So dienten die knollig aufgetriebenen

Wurzeln, nach denen die Pflanze den Beinamen ~napellus~, d. h.

Rübchen hat, den alten Deutschen als Wolfswurz und den alten Griechen

als ~lykóktonon~, d. h. Wolftöter zum Vergiften wilder Raubtiere,

besonders des die Herden umschleichenden Wolfes, wie diejenigen

der noch giftigeren Art, ~Aconitum ferox~, des Himalaja von den

dortigen Bewohnern zum Vergiften der Pfeile benutzt wird. Nach dem

griechischen Mythos soll schon die zauberkundige Medeia, Tochter des

Königs Aetes von Kolchis, ein Gift daraus bereitet haben, womit sie

nach der Verstoßung durch ihren Gatten Jason ihre Kinder tötete.

Auch soll man nach einigen Angaben aus dem Altertum Verbrecher damit

hingerichtet haben; ebenso diente sie noch im 16. Jahrhundert den

Älplern zur Bereitung von Pfeilgift. Als Arzneimittel gegen Kopfweh

und Wechselfieber wurde sie seit dem 17. Jahrhundert in den Apotheken

geführt, kam aber erst durch die Empfehlung des Wiener Arztes A.

Störck seit 1762 allgemeiner in Gebrauch. In den Handel gelangen die

zu Ende der Blütezeit im Juli und August von wildwachsenden Pflanzen

gesammelten und rasch an der Luft getrockneten Knollen. Sie enthalten

bis 0,8 Prozent des 1833 von Geiger und Hesse entdeckten Alkaloids

Akonitin, das zur Herabsetzung von Temperatur und Puls im Fieber, wie

auch zur Herabminderung von Schmerzen peripherer Nerven dient.

Äußerst beliebt als Volksheilmittel gegen alle möglichen Beschwerden

ist die +Kamille+ (~Matricaria chamomilla~) seit dem Altertum, da

sie Hippokrates als ~euánthemos~, d. h. gute Blume, Dioskurides

als ~anthemís~ und ~anthýllis~ und Galenos als ~anthemís~ und

~chamaimḗlon~, d. h. am Boden wachsender Apfel, empfehlend erwähnen.

Aus letzterer Bezeichnung ging dann der Name Chamemilla hervor, der uns

bei Till Lants zu Ende des 17. Jahrhunderts zuerst entgegentritt.

Als beliebtes Bittermittel ist seit dem Altertum die Wurzel des auf

Bergwiesen wachsenden +Enzians+ (~Gentiana lutea~ u. a.) gebräuchlich,

von der meistens ein wässeriger Extrakt zur Anwendung gelangte.

Von den beiden Zeitgenossen Dioskurides und Plinius wird der Name

~gentiana~ auf den 167 v. Chr. verstorbenen König Genthius von Illyrien

zurückgeführt, der sie als Mittel gegen die Pest empfohlen haben soll.

Galenos und Cletius Abascantus benutzten sie gegen die Auszehrung,

Origines gegen Blutspeien und Coelius Aurelianus gegen Spulwürmer.

Nach Celsus und Scribonius Largus war die Wurzel auch als Antidot im

Gebrauch und bis zur Einführung der Laminariastifte wurde sie von den

Chirurgen auch als Quellstift benutzt. Seit dem Mittelalter wird auch

ein gegen Kolik dienlicher Schnaps aus ihr gebrannt, der besonders bei

den Älplern viel benutzt wird.

Die im mitteleuropäischen Gebirge und im nördlichen Europa bis

Sibirien heimische +Engelwurz+ (~Angelica officinalis~) dient in

ihrer Heimat als beliebtes Gemüse und fand von altersher -- so

haben wir diesbezügliche Berichte aus dem 10. Jahrhundert -- als

appetitbeförderndes und krampfstillendes Mittel Verwendung. In

Deutschland wurde sie im 14. und 15. Jahrhundert als Gewürzpflanze

eingeführt und galt bald als ein Hauptmittel gegen die Pest, diente

auch zur Bereitung des Angelikaschnapses, dessen Darstellung im Jahre

1500 von Brunschwig beschrieben wurde. Im 16. Jahrhundert finden wir

die Pflanze des öfteren erwähnt und bereits an vielen Orten kultiviert;

besonderen Ruf hatten zu jener Zeit die Angelikawurzeln aus den Gärten

der Mönchsklöster von Freiburg im Breisgau. Obschon die Pflanze in den

Mittelmeerländern nicht vorkommt und daher den Alten unbekannt war,

glaubten die alten deutschen Ärzte und Botaniker in ihr das ~Panas

heracleum~, das Smyrnion, ja selbst das Silphium der alten Griechen vor

sich zu haben, was natürlich völlig irrig war. Das destillierte Öl der

graubraunen, scharf gewürzhaft und etwas bitter schmeckenden Wurzel

wurde erst in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts gewonnen und wird

zum erstenmal 1582 in der Arzneitaxe der Stadt Frankfurt und 1589 im

~Dispensatorium noricum~ aufgeführt.

Die wurmabtreibende Wirkung der +Farnwurzel+ (von ~Aspidium filix mas~)

war schon dem Begründer der Botanik Theophrastos und den späteren

griechischen Ärzten bekannt. In der ganzen römischen Kaiserzeit und im

Mittelalter blieb die Wurzel des Wurmfarns gebräuchlich, findet sich

aber nur hier und da in den medizinischen Schriften erwähnt. Erst zu

Ende des 18. Jahrhunderts kam sie wieder mehr zu Ansehen und um 1775

bildete sie den Hauptbestandteil eines Geheimmittels, das von der

französischen Regierung der Witwe des Arztes Nuffer in Murten abgekauft

wurde, wie auch desjenigen Mittels, das Friedrich der Große von dem

aus Neuchâtel stammenden Apotheker Daniel Matthieu in Berlin erwarb.

Im Jahre 1825 führte der Genfer Apotheker J. Peschier das Ätherextrakt

davon ein, das neuerdings von der Filmaron genannten wirksamen Substanz

abgelöst wurde.

In Persien, Turkestan und Buchara, speziell der Kirgisensteppe,

wächst die Komposite ~Artemisia cina~, eine dem Wermut und Estragon

sehr nahe verwandte Beifußart, der +Wurmbeifuß+, dessen in der

zweiten Hälfte des Juli und im August unmittelbar vor dem Aufblühen

gesammelten eigenartig aromatisch riechenden Blüten, den +Zitwer-+

oder +Wurmsamen+ liefern, dessen wurmabtreibende Wirkung schon im

Altertum bekannt war. Nach Europa scheint die Droge erst durch die

Kreuzzüge eingeführt worden zu sein. Der später übliche Name ~semen

santonici~ wird auf eine Mitteilung des griechischen Arztes Dioskurides

zurückgeführt, der von einer beim keltischen Stamme der Santonen im

südlichen Gallien (Aquitanien) wachsenden Artemisiaart, dem Wermut

(~Artemisia absinthium~), berichtet. Danach wurde das wirksame Prinzip

des Wurmsamens, das heute fast nur noch verwendet wird, Santonin

genannt. In der besten Ware ist es zu 2,5 Prozent enthalten und wird

von an Ort und Stelle errichteten Fabriken in Taschkent und Tschimkent

gewonnen. In russisch Turkestan werden durch die Kirgisen teils

von wildwachsenden, neuerdings aber auch in zunehmendem Maße von

kultivierten Pflanzen etwa 2,5 Millionen kg jährlich geerntet und zum

größten Teil zur Extrahierung des Santonins verwendet.

Die +Pfefferminze+ (~Mentha piperita~) ist eine der ältesten aus

China nach Vorderasien und dann nach Europa gelangten Arzneipflanzen,

deren aromatische, während der Blüte gesammelte Blätter gekocht als

krampfstillendes Mittel gebraucht werden. In Ägypten findet sie sich

schon ums Jahr 1550 v. Chr. in dem Papyrus Ebers erwähnt und wurde

von Schweinfurth auch in einem Grabe in Abd-el-Quurnah aus der Zeit

von 1200-600 v. Chr. unter den Totenbeigaben nachgewiesen. Auch

die alten Griechen und Römer gebrauchten die Pflanze, die erstere

~míntha~, letztere dagegen ~menta~ nannten und im Gegensatz zur wilden

Wasserminze die zahme hießen. Im Mittelalter fehlte sie in keinem

Arzneigärtchen. Um die Mitte des 18. Jahrhunderts wurde sie von den

Ländern Europas zuerst in England zur Gewinnung des ätherischen

Pfefferminzöles im Großen kultiviert, dann in Frankreich, Deutschland,

Rußland und seit 1816 besonders in den Vereinigten Staaten von

Nordamerika. Die weitaus ältesten Pfefferminzkulturen, die schon vor

dem Beginn der christlichen Zeitrechnung begonnen wurden, besitzen

China und Japan, wo der kristallisierbare Mentholkampfer seit ebenso

lange gewonnen und als Heilmittel im Gebrauche gewesen sein soll. Das

bittere und deshalb fast ausschließlich zur Gewinnung von Menthol

dienende japanische Pfefferminzöl soll von ~Mentha arvensis~ stammen.

Die Jahresproduktion des Öles beträgt in Amerika 90000 kg, in

Japan 70000 kg, in England 9000 kg, in Frankreich 3000 kg, in

Deutschland 800 kg und in Italien 600 kg jährlich. Vielfach wird

es mit Rizinusöl, Weingeist und Petroleum verfälscht. Das englische Öl

enthält 58-66 Prozent Menthol.

Ebenfalls als Blähungen vertreibend werden seit dem Altertum

die Blätter der +Melisse+ (~Melissa officinalis~) bei Kolik und

Diarrhoe verwendet, neuerdings hauptsächlich in Form des Öles.

Sie, die ihren Namen vom griechischen ~melíssa~ Biene hat, weil

der Duft des Krautes die Bienen anlockt, ist die ~kalamínthē~ und

das ~melissophýllon~ der Griechen und das ~apiastrum~ (von ~apis~

Biene) der Römer. Im Mittelmeergebiet heimisch, ist sie ums Jahr 960

von den Arabern in Spanien kultiviert worden und kam früh in die

Arzneigärten Mitteleuropas. Gleicherweise verhält es sich mit der

ihr nahe verwandten +Salbei+ (~Salvia officinalis~), die ebenfalls

im Mittelmeergebiet heimisch ist und seit alter Zeit als eine der

vorzüglichsten Heilpflanzen für die verschiedensten Zwecke gebraucht

wird. Schon Karl der Große gebot dieses Kraut ~salvia~, das von

~salvare~ heilen benannt ist, in seinen Gärten zu pflanzen, und die

heilige Hildegard im 12. Jahrhundert rühmt die Heilkraft der von ihr

als ~selba~ bezeichneten Salbei.

Denselben Zwecken diente seit dem Altertum der +Rosmarin+ (~Rosmarinus

officinalis~), ein 1-2 m hoher immergrüner Strauch mit stark

aromatischen Blättern, die früher auch als Würze und beim Brauen

des Bieres dienten. Columella rühmt den Rosmarin auch als gutes

Bienenfutter, und Horaz berichtet in einer seiner Oden, daß mit ihm

und Myrten die kleinen Götterbilder der Penaten bekränzt wurden. Nach

Ovid bekränzte man sich auch bei Festen mit Rosmarin oder Veilchen

oder Rosen. Auch +Quendel+ (~Thymus serpyllum~) und +Thymian+ (~Thymus

vulgaris~) sind seit uralter Zeit benutzte Heil- und Gewürzkräuter,

die beide gleichförmig von den alten griechischen und römischen

Ärzten zum Vertreiben von Blähungen verwendet wurden. Der griechische

Pflanzenkenner Theophrast, der Schüler des Aristoteles, berichtet,

daß der von ihm als ~hérpyllos~ bezeichnete Quendel oder Feldthymian

allenthalben auf den Bergen und Hügeln wachse, besonders in Thrakien

gemein sei und eine treffliche Bienenspeise liefere. Ihm vor allem

verdankte der Honig des Berges Hymettos südöstlich von Athen seinen

Wohlgeschmack, der ihn deshalb weithin berühmt machte. Auch der

dort gesammelte Quendel wurde vor anderem geschätzt. Wie Theophrast

unterscheiden auch Dioskurides, Plinius und Columella neben dem

wilden den von ihnen als ~thýmos~, d. h. Kraft, Mut bezeichneten

Gartenthymian, der dann durch die Klöster in Mitteleuropa verbreitet

wurde. Weil der Thymian aus Italien nach Deutschland kam, wurde er als

welscher oder römischer Quendel bezeichnet. Im 16. Jahrhundert wurde

er hier allgemein angebaut und in den Apotheken geführt. Das aus ihm

gewonnene gelbrote ätherische Öl findet sich 1589 im ~Dispensatorium

noricum~ erwähnt, und 1719 fand Kaspar Neumann das Thymol, das

innerlich als fäulnis- und gärungswidriges Mittel gegen Fieber und

Eingeweidewürmer, wie auch als desodorierendes Mittel als Ersatz der

ätzenden und giftigen Karbolsäure verwendet wird.

Seit alter Zeit ist in China das +Mutterkorn+ (~Secale cornutum~, d.

h. gehörnter Roggen) -- französisch ~ergot~ --, das Sklerotium oder

Dauermycelium des Pilzes ~Claviceps purpurea~ in den von ihm bald

ganz aufgezehrten Fruchtknoten verschiedener Grasarten, besonders des

Roggens, als Arzneimittel gegen Blutungen speziell der Gebärmutter

im Gebrauch. Von griechischen Ärzten kannten Dioskurides und Galenos

die Droge, deren medizinische Verwendung bei uns erst aus dem Ende

des 16. Jahrhunderts datiert. 1588 verwendete Wendelin Thallius das

Mutterkorn, das gemutertes, d. h. verändertes Korn bedeutet, als

blutstillendes Mittel; aber erst zu Ende des 17. Jahrhunderts führte

es R. J. Camerarius in Tübingen in der Geburtshilfe als die glatten

Muskelfasern der Gebärmutter zum Zusammenziehen bringendes Mittel ein.

Die genaue Kenntnis seiner Wirkung verdanken wir 1820 den Amerikanern

Prescott und Stearns. 1853 erkannte Tulasne zuerst den Entwicklungsgang

des Pilzes, 1863 vervollständigte Kuhn denselben und wies nach, daß die

in langen Schläuchen erzeugten und deshalb als Askosporen bezeichneten

Sporen auf der Blüte des Roggens wieder Mutterkorn erzeugen. Das

hauptsächlich in Rußland, das den größten Teil der Handelsware liefert,

dann in Galizien, weniger in Spanien, Portugal und in noch geringerem

Maße bei uns ausschließlich vom Roggen, und zwar kurz vor dessen

Fruchtreife gesammelte Mutterkorn enthält als wichtigste Bestandteile

die Alkaloide Cornutin, Ergotinin und Ergotoxin. Unter Ergotin versteht

man Mutterkornextrakte verschiedener Herstellungsweise, von denen das

erste derartige 1842 von J. Bonjean in Chambéry (Savoyen) dargestellt

wurde. Die im Mutterkorn enthaltene Sphacelinsäure (vom griechischen

~sphákelos~ Brand) wirkt gangränbildend und ist vorzugsweise die

Ursache des Mutterkornbrandes, die seuchenartig als Kriebelkrankheit

oder Kornstaupe besonders in Hungerjahren auftrat, wenn feuchte

Witterung die Entwicklung des Mutterkornes begünstigte und damit

verunreinigtes Mehl, zu Brot verbacken, die Hauptnahrung des Volkes

bildete. Die erste sichere Nachricht über diese Krankheit findet

sich aus dem Jahre 857 in den Annalen des Klosters Xanten. Dann trat

sie besonders 922, 994, 1008, 1129 und in neuerer Zeit 1596, 1649 im

Vogtland und 1736 in Hannover auf. Kriebelkrankheit hieß sie, weil sich

zuerst durch Zusammenziehung zahlreicher Blutgefäße der Extremitäten

ein Kriebeln darin zeigte und diese erst hernach gefühllos wurden und

abstarben.

Als +Salepknollen+ oder +Geilwurz+ wurden von jeher die als

Hoden imponierenden Doppelknollen verschiedener Orchisarten als

Nahrungsmittel und als die Geschlechtstätigkeit anregendes Mittel

verwendet; denn das Altertum und das Mittelalter sahen in der

Hodengestalt eine „Signatur“, d. h. ein Hinweis darauf, daß sie

vorzüglich auf die Geschlechtsorgane einwirken. Bei Dioskurides und

Galen heißt der ~Salep órchis~ Hoden, woher die Pflanzengattung der

Orchideen überhaupt ihren Namen erhielt. Das Wort Salep ist aus

dem arabischen ~chusjata ssalab~ d. h. Fuchshoden verstümmelt. In

Deutschland wird der aus dem Orient eingeführte Salep zuerst um 1480

als ~radix satyri~ in dem Drogenverzeichnis von Nördlingen erwähnt.

Vom 16. Jahrhundert an sind in den Kräuterbüchern Abbildungen der

betreffenden Pflanzen anzutreffen. Die Hauptmasse der bei uns

hauptsächlich zur Bereitung von Schleim verwendeten Handelsware kommt

über Smyrna, teilweise auch über Konstantinopel aus Kleinasien; so

expediert Smyrna jährlich etwa 642500 kg der zur Blütezeit im Juni

oder kurz danach gegrabenen, nach der Reinigung von anhängender

Erde zwecks Abtötung zuerst in siedendem Wasser gebrühten und dann

an der Luft getrockneten Orchisknollen. Ansehnliche Mengen werden

übrigens auch bei uns gesammelt. In der Türkei und in Griechenland

dient Salepschleim mit Honig vermischt als tägliches Morgengetränk

und wird im Winter in besonderen Buden ausgeschenkt oder auch in

Blechbüchsen auf den Straßen als Salepschleim ausgerufen und noch

warm verkauft. Auch mit Fleischbrühe oder Schokolade gekocht gibt

Salep eine treffliche, leichtverdauliche und deshalb besonders für

Kranke angewandte Speise, mit der sich vornehme Haremsfrauen die im

Morgenlande als besondere Schönheit angesehene Körperfülle zu erwerben

suchen.

Seit Urzeiten ist als appetitanregendes Magenmittel der außer

ätherischem Öl von grüner Farbe den glykosidischen Bitterstoff

Absinthiin enthaltende +Wermut+ (~Artemisia absinthium~) benutzt

worden. Es ist dies eine zur Familie der Beifuße gehörende Komposite

mit weißgrauen seidenhaarigen Blättern und gelben Blüten, die, wie

deren Verwandte, namentlich der +baumartige Beifuß+ (~Artemisia

arborea~), schon im Papyrus Ebers (um 1600 v. Chr.) erwähnt wird; auch

die Hippokratiker wandten diese, wie auch den verwandten +Eberreiß+

(~Artemisia abrotanum~) als magenstärkendes und die Gelbsucht heilendes

Mittel an. Wie das ~apsínthion~ der alten Griechen und Römer ist

das althochdeutsche ~wermuota~ als ein Bittertrank charakterisiert,

das auch als Wurmmittel besonders beim Vieh im Gebrauch war. In den

ältesten medizinischen und botanischen Schriften Deutschlands wird der

Wermut meist an hervorragender Stelle angeführt. Im 12. Jahrhundert

finden wir ihn im Zürcher Arzneibuch, und im 13. Jahrhundert wurde das

Kraut bis nach Island und Norwegen gebracht. Das ätherische Öl war

Porta um 1570 bekannt; es dient als Erregungsmittel für die Nerven und

ist der Hauptbestandteil des besonders in Frankreich sehr beliebten

Likörs ~Extrait d’absinthe~. Neuerdings ist dieser giftige Trank in der

Schweiz verboten worden, so daß die Wermutpflanzer des Val de Travers

im Kanton Neuchâtel sich künftighin eine andere Pflanze zu ihren

Kulturen ausersehen müssen.

Ein in ähnlicher Weise die Verdauung anregendes Bittermittel ist das

+Tausendguldenkraut+ (~Erythraea centaurium~), eine auf Bergwiesen

wachsende Enzianart, die nach dem in der Kräuterkunde sehr erfahrenen

Lehrer des Herakles, Äskulap, Jason und anderer Heroen, dem Kentauren

Cheiron, schon von den alten Griechen als ~kentaúrion~ bezeichnet

wurde. Jener soll durch dieses Kraut eine Wunde an seinem Fuße geheilt

haben, wie Achilleus, ein weiterer Schüler des Cheiron, damit nach der

Ilias die Wunde des Eurypyles heilte. Es wird wie die Enzianwurzel

verwendet, ist aber gegenwärtig fast außer Gebrauch gekommen, wie auch

das einst vielbenutzte +Kardobenediktenkraut+ (~Cnicus benedictus~).

Diese in den Mittelmeerländern heimische Staude von distelförmigem

Aussehen wurde schon bei den Alten unter dem Namen ~hētéra knḗkos~

arzneilich verwendet, kam dann durch die Mönche nach Mitteleuropa und

wurde daselbst durch die Klöster verbreitet. Hier erhielt sie auch die

Bezeichnung ~carduus benedictus~, d. h. gesegnete Distel, weil man

darin die von Theophrast als besonders wirksam gepriesene ~akárna~

beziehungsweise die ~atráktylis~ des Dioskurides vermutete, deren

Blätter und Samen gegen Skorpionstich dienten. Wahrscheinlich sind

aber diese mit ~Carthamus lanatus~ identisch. Das Kardobenediktenkraut,

das noch vielfach in Gärten gezogen und u. a. bei Cölleda im Großen

kultiviert wird, dient immer noch als Volksheilmittel und ist ein

Bestandteil der Kölner Klosterpillen.

Uralte Volksheilmittel sind die +Schafgarbe+ (~Achillea

millefolium~), die schon von Plinius als Wundpflanze genannt wird,

der +Vogelknöterich+ (~Polygonum aviculare~), der als ~sanguinaria~

bei den Römern in hohem Ansehen stand und neuerdings seit 30 Jahren

mit der Angabe, ein in Sibirien neuentdecktes Heilmittel zu sein,

unter dem Namen Homeriana, Weidemanns russischer Knöterichtee usw. als

unfehlbares Mittel gegen Schwindsucht mit großer Reklame vertrieben

wird, der +Dosten+ (~Origanum vulgare~), den bereits Theophrast

und Dioskurides bei Lungen- und Leberleiden verwandten und der zur

Zeit Luthers als der Ysop der Bibel galt, das auf den semitischen

Sonnengott Adonai, d. h. Herr zurückgeführte +Adonisröschen+ (~Adonis

vernalis~), das Ovid aus dem Blute des sagenhaften Jünglings Adonis,

des Geliebten der Aphrodite, hervorgehen läßt. Heute noch wird es

mit Vorteil bei Wassersucht verwendet, da es das wertvolle Herzgift

Adonidin, einen Ersatz für Digitalis, enthält. Ferner das +Löffelkraut+

(~Cochlearia officinalis~), das seit der Empfehlung des brabantischen

Arztes Joh. Wier im Jahre 1557 gegen Skorbut gebraucht wird, der

+Hohlzahn+ (~Galeopsis ochroleuca~), der seit dem Mittelalter einen

Ruf als Heilmittel gegen Schwindsucht besitzt, das harntreibende

+Bruchkraut+ (~Herniaria glabra~) und das gleicherweise wirkende, schon

von den alten griechischen Ärzten verwendete, neuerdings wieder durch

Pfarrer Kneipp populär gewordene +Zinnkraut+ oder der +Schachtelhalm+

(~Equisetum arvense~), das Kraut des +Maiglöckchens+ (~Convallaria

majalis~), das von altersher vom russischen Volke gegen Wassersucht und

Herzleiden angewandt wurde und, seit Marmé die der Digitalis ähnliche

Wirkung des von Walz 1838 zuerst isolierten Glykosids Convallamarin im

Jahre 1867 erkannte, in Form des wässerigen Extraktes als wertvolles

Herzmittel auch bei uns oft an Stelle von Digitalis gegeben wird, da es

im Gegensatz zu jenem keine kumulative Wirkung besitzt. Außer diesen

wären noch viele andere einheimische Kräuter zu nennen, auf die wir

hier nicht näher eintreten können. Selbst der als Hinrichtungsmittel

beliebte giftige +Schierling+ (~Conium maculatum~), das ~kóneion~ der

alten Griechen, dessen Saft unter anderen auch Sokrates trinken mußte,

als er im Jahre 399 v. Chr. als Verächter der Götter und Verführer

der Jugend zum Tode verurteilt wurde, war bei den Hippokratikern als

innerliches und äußerliches krampfstillendes und betäubendes Mittel

sehr beliebt, wie früher bei uns gegen Zahnschmerz eine Abkochung

der scharfen, die Speichelabsonderung befördernden +Bertramwurzel+

(~Anacyclus officinalis~) gebraucht wurde.

Von einst viel gerühmten Wurzeldrogen sind noch zu nennen die Wurzeln

des auf sonnigen Hügeln wachsenden +Bibernell+ (~Pimpinella saxifraga~

und ~P. magna~), der sich schon in einem deutschen Manuskript des

8. Jahrhunderts als Bestandteil eines Universalmittels findet. Bei

den alten Griechen und Römern hieß die Pflanze ~kaúkalis~ und diente

als Zahnmittel, gegen Fieber und Steinbeschwerden. Aus dem deutschen

~bibernella~, das uns bei der heiligen Hildegard im 12. Jahrhundert

entgegentritt, ging dann die volkstümliche Bezeichnung ~pimpinella~

hervor, die den botanischen Namen lieferte. Die altdeutschen Ärzte

gaben der ~P. magna~ den Vorzug, welche besonders als Mittel gegen die

Pest hohen Ruf erlangte. Auch die Wurzel des +Löwenzahns+ (~Taraxacum

officinale~) war schon bei den Alten im Gebrauch als leichtes

Abführmittel bei Magen- und Leberleiden. Durch die arabischen Ärzte

wurde ihre Anwendung im Abendlande populär, wo sie noch heute als

Blutreinigungsmittel zu den sogenannten Frühjahrskuren mit anderen

abführenden Pflanzenprodukten dient.

Ein uraltes nordisches Heilmittel gegen Blasen- und Nierenleiden,

das schon im 13. Jahrhundert erwähnt, seit der ersten Hälfte des 18.

Jahrhunderts von französischen, italienischen und spanischen Ärzten

benutzt wird und seit Anfang des 19. Jahrhunderts in Deutschland

offizinell ist, sind die von April bis Juni von wildwachsenden Pflanzen

gesammelten und getrockneten kleinen, lederigen, glatten Blätter der

immergrünen +Bärentraube+ (~Arctostaphylos uva ursi~), die 3,5 Prozent

des mit dem Vacciniin der Heidelbeeren identischen glykosidischen

Bitterstoffes Arbutin enthalten. Außerdem enthalten sie auch reichlich

Gerbstoff, weshalb sie auch zum Färben und Gerben des Saffianleders

gebraucht werden. Der die glänzenden Blätter erzeugende Strauch ist

reich verzweigt, erhebt sich aber nur wenig über den Boden. Er wächst

mit Vorliebe auf Heiden und an Felsen und erzeugt rötliche Blüten und

rote Früchte, aus deren etwas mehligem Fruchtfleisch man im Norden Brot

backen soll.

Kulturgeschichte der Nutzpflanzen, Band IV, 2. Hälfte · 第 31 / 81 段