Von Kaiser Hadrian, der von 117-138 regierte, schreibt der

Geschichtschreiber Älius Spartianus: „Kaiser Hadrian teilte zu Ehren

seiner Schwiegermutter Gewürze (~aroma~) unter das Volk aus und ließ

zu Ehren (seines Vorgängers) Trajan über die Stufen des Theaters

(wohlriechenden Mekka-) Balsam und (zur Parfümierung in Wein gelösten)

Safran fließen.“ Zu dessen Zeit wurden auch die Statuen in den Theatern

mit duftenden Essenzen aller Art, besonders auch dem sehr beliebten

Safran gesalbt, von welchem nach dem griechischen Arzte Dioskurides

Thessalos behauptete, er sei das einzige wirklich gut riechende Ding.

Es gab damals auch hohle Bildsäulen aus Erz, die mit feinen Poren

bedeckt waren, aus welchen man wohlriechende Essenzen herauszupressen

vermochte, so daß die Luft ringsum mit Wohlgerüchen erfüllt war. Auch

bei Gastmählern der Vornehmen war die Einrichtung getroffen, daß aus

den Kuchen und dem Obst bei der geringsten Berührung wohlriechende

Parfüms, mit Vorliebe in Wein gelöster Safran herausflossen. Und von

Kaiser Heliogabalus (eigentlich Valerius Avitus Bassianus, wurde als

Oberpriester des syrischen Gottes Elogabalus, dessen Namen er selbst

annahm, auf Anstiften seiner Großmutter Julia Mäsa, der Schwägerin des

Kaisers Septimius Severus, 218 17jährig von den syrischen Legionen

zum Kaiser ausgerufen, zog 219 in Rom ein, wohin er den orgiastischen

Dienst seines Gottes verpflanzte und ein schwelgerisches, wollüstiges

Leben führte, bis er schon 222 von der Leibgarde, den Prätorianern,

ermordet wurde) berichtet sein Biograph Älius Lampridius: „Kaiser

Heliogabalus ließ die Polster, auf denen er mit seinen Gästen bei

Tische lag, oder die Betten, auf denen er ruhte, mit Rosenblättern

füllen, ließ die Säulenhallen mit Rosenblättern bestreuen und ging

auf diesen spazieren, oder er gebrauchte statt der Rosen allerlei

Blumen wie Lilien, Veilchen, Hyazinthen und Narzissen. Er badete nur

in Teichen, deren Wasser mit edlen Essenzen oder mit Safran gemischt

war. Die Polster, auf denen er gewöhnlich bei der Mahlzeit lag, waren

mit Hasenhaar oder Rebhuhnfedern ausgestopft. -- Einst lud Heliogabalus

die vornehmsten Herren zu Gast und wies ihnen als Sitz Sofas an, die

mit Safran gepolstert waren.“ Auch andere antike Schriftsteller melden

allerlei von solchem, erst durch orientalische Einflüsse in das Rom der

Cäsaren gekommenen extravaganten Luxus.

Nach dem Untergange der römischen Weltherrschaft beschränkte sich

die Anwendung der feineren Parfümerien wesentlich auf das an Kultur

höher stehende Morgenland und die Vornehmen von Byzanz, während das

die Weltflucht predigende Christentum des Abendlandes solchem Luxus

nicht gewogen war. Unter den Arabern, die, wie alle Orientalen,

Wohlgerüche sehr lieben, wurde mit den Parfümen besonders von Rosen

ein großer Luxus wenigstens unter den Vornehmen, die sich solches

leisten konnten, getrieben. Und diese Liebhaberei verbreiteten sie

überall in Nordafrika, Spanien und Sizilien, wo sie Fuß faßten. Hier

war im Gegensatz zum asketischen Christentum überall eine Stätte

frohen Lebensgenusses. Wie in Bagdad so wurden auch in Andalusien

Blumengärten angelegt und heitere Feste gefeiert. Zur Zeit der

Abbaditenherrschaft hatte Sevilla beispielsweise 400000 Einwohner und

war ganz Andalusien durch die Fülle seiner reichbewässerten Kulturen

ein Paradies, von dessen Herrlichkeiten sich als letzte Zeugen die

auf Mandelbäume gepfropften Rosen erhielten. Als Beispiel des hier

im Fürstenhause herrschenden Luxus sei erwähnt, daß, als einmal der

Lieblingsgattin des als Dichter hervorragend begabten Abbaditenfürsten

Muchtamid die Lust ankam, es den Weibern aus dem Volke nachzumachen,

die sie mit bloßen Füßen Lehm treten sah, dieser duftende Spezereien

zerreiben und auf den Boden des Saales ausstreuen ließ, so daß sie

ihn ganz bedeckten. Alsdann ward Rosenwasser darauf gegossen, und mit

Vergnügen wateten die vornehmen Damen in der schlammartigen Masse von

Myrrhen, Weihrauch, Zimt, Ambra und Moschus. Erst durch den Einfluß

der Kreuzzüge und der arabischen Ärzte kam auch im Abendlande die

Anwendung von Wohlgerüchen bei den Wohlhabenden auf und drang während

der Renaissance in breitere Volksschichten zunächst in den reichen

Städten Italiens, später auch Mitteleuropas ein. Aus ihrer Heimat

Florenz verpflanzte Katharina von Medici 1533 bei ihrer Vermählung mit

Franz I. Sohn, dem nachmaligen König Heinrich II., den übermäßigen

Gebrauch von Parfümen an den französischen Hof, der dann unter Ludwig

XIV. und XV. die Verwendung von Wohlgerüchen beinahe so weit trieb,

als es die Vornehmen im kaiserlichen Rom getan hatten. Wie der Kaiser

Nero seine Gemächer stets mit Rosenessenzen parfümiert haben wollte,

liebte Ludwig XIV. in einer stark nach Orangenblüten duftenden

Atmosphäre zu leben. Der allmächtige Minister Richelieu, der seit 1624

unter Ludwig XIII. die Geschicke Frankreichs leitete, verließ nur

selten sein scharfparfümiertes Arbeitszimmer. Zu seiner Zeit war der

Geruch faulender Äpfel sehr beliebt und man rieb deren zersetztes, mit

Gewürznelken und Zimt gespicktes Fleisch mit Fett zusammen, um sich

mit der so erhaltenen Masse die Haare zu parfümieren. Es ist dies die

Pomade, die von den faulen Äpfeln ~pommes~ ihren Namen erhielt und

deshalb eigentlich wie im Französischen Pommade geschrieben werden

sollte. So üppig auch der französische Hof war, so war er in bezug auf

Reinlichkeit kein Muster, und hier wurden die Parfüme zum großen Teil

zum Verdecken der eigenen üblen Gerüche verwendet. Im Gegensatz zur

Badfreundlichkeit des Mittelalters war jene Zeit sehr wasserscheu; bis

zum König hinauf mied man als Nachwirkung der mittelalterlichen Askese

nach Möglichkeit selbst das tägliche Waschen von Gesicht und Händen mit

Wasser, befeuchtete vielmehr nur diese Körperteile bei der Toilette

mit Parfümen, und war daneben äußerst sparsam mit dem Wechseln der

Leibwäsche, die viele Wochen anbehalten wurde, bis man sich endlich

zum Wechseln derselben entschloß. Besonders unter dem liederlichen

Ludwig XV. wurde die Verschwendung in der Anwendung von Parfümen eine

heillose, so daß dessen eine Mätresse, die Pompadour, jährlich dafür

mehr als eine halbe Million Franken ausgab. Und zwar waren damals die

stärksten Düfte die beliebtesten, so außer Peau d’Espagne besonders

Moschus, Zibet, Ambra und sogar ~Asa foetida~ (Teufelsdreck). In den

Räumen, in denen sich der König aufhielt, mußte jeden Tag mit den

Parfümen gewechselt werden. Noch die Kaiserin Josephine überfüllte ihr

Schlafzimmer mit Moschusduft, während der Kaiser Napoleon I. sich mit

Kölnischem Wasser überschwemmte.

Heute verwenden selbst die Vornehmen nicht mehr solch übertriebene

Parfümierung, die nur ein Zeichen stumpfer Geruchsnerven und unfeiner

Art ist. Am meisten Parfümluxus treiben noch die elegant sein wollenden

Frauen, deren Geruchsorgan, wie durch eingehende wissenschaftliche

Versuche festgestellt wurde, überhaupt weniger fein empfindet als

dasjenige der Männer, so daß ihnen ein Parfüm noch angenehm ist, das

letzteren vielfach schon unangenehm stark erscheint. Aber wenn auch

heute bedeutend weniger ausgiebig wie früher parfümiert wird, so ist

dennoch der Verbrauch an Parfümen sehr viel größer als je in der

parfümwütigsten Vergangenheit, weil derselbe sich nicht mehr auf die

höchsten Kreise, die sich diesen Luxus erlauben konnten, beschränkt,

sondern sich auf alle Volkskreise gleichmäßig ausgedehnt hat, so daß

die Herstellung derselben einen bedeutenden Industriezweig darstellt.

Und zwar wird heute im Gegensatz zum Altertum nicht sowohl der Körper,

als die getragene Leibwäsche und die Schränke und Behälter, in denen

sie aufbewahrt wird, parfümiert, wobei jedes Individuum am besten sein

eigenes, seiner Persönlichkeit entsprechendes Parfüm wählt und dann

auch beibehält. Denn es ist entschieden als ein Fehler zu bezeichnen,

daß man die Wohlgerüche alle Tage wechselt, wie es zwar auch manche

Modeköniginnen tun, die immer das Parfüm gebrauchen, das nach ihrem

Geschmack zur Farbe ihrer jeweiligen Toilette zu gehören scheint. Es

ist ein Zeichen viel höherer Kultur und feinerer Sitte, wenn Damen

unter allen Umständen den von ihnen als sympathisch empfundenen und

deshalb gewählten Wohlgeruch immer, als unzertrennlich von ihrer

Art und Person wählen, gleich der Rose, Lilie oder Nelke, die auch

stets nur ihren spezifischen, ganz zu ihnen gehörenden und mit zur

Kennzeichnung ihres Wesens dienenden Duft aufweisen. Am raffiniertesten

wird der Parfümgebrauch in Frankreich getrieben, wo die eleganten

Damen in die Säume ihrer Röcke und in die Achselseiten der Taillen

schmale Streifen getrockneten Parfüms in Pulverform einnähen lassen,

der bei jeder Bewegung des Rocksaumes und der Gestalt fein berauschend

emporwirbelt. Dabei wird das Haar niemals parfümiert, da es bei

jeder Person seinen eigenen Wohlgeruch hat, der sich nur bei der

allergrößten, peinlichsten Reinlichkeit bei Anwendung vielfacher

Waschung zeigt, und um so mehr hervortritt, je mehr das Haar gereinigt

und gepflegt wird. So soll, um nur zwei Beispiele anzuführen, nach Ada

von Gersdorff, das nun weiß werdende Blondhaar der deutschen Kaiserin

Auguste Viktoria einen feinen, an Veilchenduft erinnernden Geruch

aufweisen, während das einst dunkle, nun ebenfalls grau werdende

Haar der Königinwitwe Margarita von Italien einen zarten Ambraduft

aushauchen soll. Beide Fürstinnen parfümieren es niemals.

Europa verbraucht jährlich etwa 1 Million kg flüssiges Parfüm,

800000 kg Pomaden und Essenzen, außerdem aber ungeheure Mengen

parfümierter Seifen, Puder, Räucherkerzen, Waschwässer usw. Die

meisten Parfüms liefert Frankreich, das jährlich für über 12 Millionen

Franken davon ins Ausland versendet, während Deutschland in demselben

Zeitraum für gegen 2 Millionen Mark ein- und für 6½ Millionen Mark

ausführt. Erst neuerdings ist auch England in den Wettbewerb mit

jenen beiden Ländern getreten. In Frankreich ist die Südküste an der

Riviera der Produktionsort der meisten Wohlgerüche, und zwar ist

das Zentrum dieser Industrie das Städtchen Grasse, wenige Stunden

westlich von Nizza, dann auch Cannes und Nizza selbst, wo gewaltige

Kulturen wohlriechender Blumen angelegt sind, um dem Bedarfe der

Parfümfabriken zu genügen. Diese verarbeiten jährlich ebenfalls über 1

Million kg der verschiedensten wohlriechenden Blumen und Kräuter und

beschäftigen dabei etwa 15000 Menschen. Die Kunst der Parfümgewinnung

aus Blumen ist hier erst in der Neuzeit aufgekommen. Und zwar sind

die zur Parfümgewinnung verwandten Stoffe des Pflanzenreichs fast

stets ätherische Öle, die aus den Blüten, Blättern, Fruchtschalen

oder anderen Teilen der betreffenden Pflanze durch Auspressen, durch

Destillation mit Wasserdampf oder durch Zusammenbringen mit Fetten,

die sie aufnehmen, gewonnen werden. Die Destillation mit Wasserdampf

wird da angewendet, wo der Duftstoff, wie z. B. in den Blüten der

Rose, quantitativ ein für allemal ausgebildet ist. Dadurch würde man

nun bei anderen Blüten, wie Jasmin, Tuberose und dergleichen, die

während ihrer Blütezeit immer nur ganz geringe Mengen Parfüm auf einmal

bilden, da sie durch den Wasserdampf getötet werden, bloß minimale

Mengen des Duftstoffes gewinnen. Hier wendet man das Zusammenbringen

mit einem das Parfüm gierig aufsaugenden Körper wie Fett an. Bei

diesem Prozeß, den die Franzosen Enfleurage bezeichnen, kommen die

betreffenden wohlriechenden Blüten auf hölzernen Gestellen zwischen

zwei Fettschichten zu liegen, an die sie ihren Riechstoff abgeben,

indem das Parfüm der vom Fett durch Gaze getrennten Blüten durch

darüber geleitete Luft auf dieses Medium übertragen wird. Das Fett --

früher reines Tierfett, jetzt bevorzugt man das geruchlose Vaselin --

wird dann durch Extraktion mit Äther von dem eingedrungenen ätherischen

Öl befreit oder kommt direkt als Pomade in den Handel. Auch nach der

Extraktion ist meist noch so viel Duftstoff im Fett enthalten, daß

dieser Rückstand als Haarpomade verkauft werden kann. Aus 1000 kg

Jasminblüten lassen sich durch Destillation 200 g ätherisches Öl

entziehen; bei der Enfleurage aber gewinnt man aus demselben Quantum

etwa 1800 g ätherisches Öl und überdies noch die vorgenannte

Menge bei der schließlichen Destillation. Dies macht also zusammen

2 kg Duftstoff.

[Illustration:

Tafel 119.

Ein Feld von zur Parfümgewinnung angepflanzten Tuberosen in

Südfrankreich.]

[Illustration: Rosenernte auf den Feldern der Parfümerie B. Court in

Grasse (Südfrankreich).]

[Illustration:

Tafel 120.

Das Sortieren der Rosen zur Gewinnung von Rosenöl.

(Parfümerie B. Court in Grasse.)]

[Illustration: Das Extrahieren der ätherischen Öle im Wasserbad.

(Parfümerie B. Court in Grasse.)]

[Illustration:

Tafel 121.

Rosenernte der Firma Schimmel & Co. in Miltitz bei Leipzig.]

[Illustration:

Tafel 122.

Destillierraum für Rosenöl der Firma Schimmel & Co. in Miltitz bei

Leipzig.]

Je mehr Farbe und Gerbstoff eine Blüte ausbildet, um so weniger

Riechstoff entwickelt sie. Weiße Blüten bilden, besonders wenn sie auf

die Befruchtung durch in der Dämmerung fliegende Falter angewiesen

sind, sehr starke Wohlgerüche aus, dann kommen die mehr auf den Besuch

von Taginsekten eingerichteten gelben und roten und erst zuletzt die

blauen Blüten. Grüne Blüten sind stets geruchlos, während bräunliche

und schmutzigrote, faulendem Fleisch ähnlich gefärbte, zur Anlockung

der die Befruchtung bei ihnen vollziehenden Aasfliegen jenen angenehme,

für uns aber unangenehme indoloide Düfte entwickeln. Eine Überfülle

von Licht erhöht wohl die Menge des Parfüms, vermindert aber dessen

Feinheit; deshalb sind viele im Norden gezogene Duftstoffe an Qualität

viel feiner als im Süden gewonnene. So übertrifft deutsches Rosenöl

an Feinheit das bulgarische, das übrigens auch mit weniger Sorgfalt

gewonnen wird, und Südengland bringt das wohlriechendste Lavendel- und

Pfefferminzöl hervor.

Die meisten Pflanzen verdanken ihren Geruch einem komplizierten Gemisch

verschiedener Verbindungen, und gerade die charakteristischsten

darunter finden sich oft in äußerst geringer Menge, so daß die

naturgetreue künstliche Nachahmung derselben zu den schwierigsten

Aufgaben der chemischen Technik gehört. Seltener ist ein einzelner

Stoff der alleinige oder wesentliche Geruchsträger, wie das Iron der

Iris- oder Schwertlilienwurzel, das identisch ist mit dem Jonon in der

Veilchenblüte -- deshalb wird erstere im Volksmund auch Veilchenwurzel

genannt --, das Vanillin in der Vanilleschote, das Kumarin in der

Tonkabohne, im Waldmeister und Ruchgras, das Eugenol im Nelkenöl, der

Zimtaldehyd im Kassia- oder Zimtöl. Eine Analyse des Blumenduftes

ist deshalb meist ausnehmend schwierig, weil selbst Stoffe, die

quantitativ nur in Spuren vorhanden sind, oft die gewichtigsten

Faktoren im Konzert der verschiedenen Geruchskomponenten bilden. So

sind Hauptbestandteile des höchst aromatisch riechenden Nelkenöls die

schon längst bekannten beiden Duftstoffe Eugenol und Karyophyllen.

Mischt man nun auch diese beiden Körper im richtigen Verhältnis, wie

sie in den Gewürznelken enthalten sind, so hat diese Komposition

durchaus noch nicht den Geruch des Nelkenöls. Da wurde im Laboratorium

der größten deutschen Parfümfabrik, von Schimmel & Co. in Miltitz bei

Leipzig, die Beobachtung gemacht, daß das allererste Destillat des

ätherischen Öls ganz geringe Mengen eines äußerst intensiv und ganz

anders riechenden Körpers enthielt. Setzte man nur wenige Tropfen

von diesem dem Eugenol-Karyophyllengemisch zu, so erzielte man dann

erst den charakteristischen Geruch des natürlichen Nelkenöls. Eine

solche Substanz ist z. B. der Anthranilsäuremethylester, der dem

Orangenblütenöl seinen Duft verleiht; mit seiner Hilfe kann man eine

ganze Reihe noch anderer feiner Blumendüfte synthetisch erzeugen.

Allerdings sind das alles mehr oder weniger glückliche Nachahmungen

des Naturprodukts. Zu einem künstlichen Aufbau eines natürlichen

Parfüms gelangt man meist nur dann, wenn der Geruchsträger ein

einheitlicher Stoff ist. Eine solche Synthese gelang beim Vanillin

aus Eugenol und beim Veilchenduft Jonon (identisch mit dem Iron

der Schwertlilienwurzel) aus Geraniol, dem mit dem Rhodinol der

Rose identischen ätherischen Öl des Geraniums und wohlriechender

Grasarten. Ein Surrogat dagegen ist der künstliche Moschus, zu dessen

Herstellung ein Zufall geführt hat. Als Bauer nämlich das Butyltoluol

(das Toluol wird durch Destillation des Steinkohlenteers gewonnen)

mit Salpetersäure behandelte und dabei in jenes drei Nitrogruppen

einführte -- dieselben Gruppen, die beispielsweise aus dem Glyzerin den

gefürchteten Sprengstoff Nitroglyzerin hervorgehen lassen -- erhielt

er eine Substanz, die dem natürlichen, fast unerschwinglich teuren,

der sexuellen Anreizung des Weibchens dienenden Sekret des männlichen

Moschustieres täuschend ähnlich duftet.

Die Duftstoffe gehören den verschiedensten Körperklassen an. Die

ätherischen Öle sind Verbindungen von Kohlenwasserstoffen und enthalten

teilweise auch sauerstoffhaltige Körper. Viele scheiden beim Erkalten

einen Stearopten genannten festen Körper von anderer Zusammensetzung

als das flüssig bleibende Eläopten aus. Teilweise sind die Duftstoffe

Alkohole, wie das Geraniol (identisch mit Rhodinol), das riechende

Prinzip des kostbaren Rosenöls, oder das aus dem billigen Terpentinöl

gewonnene Terpineol, das dem Fliederparfüm seinen charakteristischen

Duft verleiht. Der Benzylalkohol ersetzt zusammen mit Benzylacetat den

Wohlgeruch des Jasmins, der Zimtalkohol duftet nach Hyazinthen, das

Menthol -- auch ein Alkohol -- gibt der Pfefferminze ihr würziges,

erfrischendes Aroma. Von Aldehyden ist das Citral der Träger des

Zitronengeruchs, Anisaldehyd derjenige des blühenden Weißdorns;

auch das Vanillin der Vanille und das Piperonal des Heliotrops sind

Aldehyde. Das Nitrobenzol ist das synthetische Bittermandelöl.

Künstlich gewinnt man auch das Neroliöl genannte Öl der Orangenblüten,

einen wesentlichen Bestandteil des Kölnischen Wassers. Eine wichtige

Gruppe bilden auch die Ester, Verbindungen aus organischen Säuren und

Alkoholen, weil sie nicht nur Geruchs-, sondern auch Geschmacksträger

sind, und zwar vermitteln sie gewöhnlich Geschmack und Geruch von

Obstsorten, wie Birne, Apfel, Ananas usw. Schon im Jahre 1850

erschienen sie als die ersten künstlich zusammengesetzten Parfüms im

Handel, und zwar zuerst auf dem englischen Markt als ~apple-oil~ und

~pear-oil~. Heute verwendet man sie meist für Limonaden, Fruchtbonbons

und dergleichen mehr. Geruch und Geschmack stehen ja in engem

Zusammenhang, und erst die Kombination von Geruchs- und Geschmackssinn

vermittelt die Geschmacksabstufungen. Der leichteste Schnupfen hebt ja

nicht nur die Geruchs-, sondern auch die Geschmacksempfindung mehr oder

weniger auf.

Manche Duftstoffe riechen verdünnt und unverdünnt ganz gleich,

so z. B. der Moschus; andere wieder duften nur in chemischer

Reinheit sehr angenehm, während die geringste Verunreinigung einen

widerwärtigen Mißgeruch bewirkt. Andere wieder, wie das Jonon,

Vanillin und Kumarin, riechen in konzentrierter Form unangenehm

scharf und kampferartig und erst in sehr großer Verdünnung lieblich.

Die Gegenwart mancher Duftstoffe läßt andere selbst in den kleinsten

Dosen stark hervortreten, so beispielsweise der Kampfer die im Schweiß

enthaltenen Duftstoffe. Daher kommt es, daß, wenn jemand ein kürzlich

erst aus dem kampferhaltigen Behälter geholtes Kleid anhat, er schon

beim leichtesten Schwitzen einen unangenehm starken Schweißgeruch

verbreitet. Wie sich einerseits das Geruchsorgan gegen bestimmte Düfte

abstumpfen kann, so daß man sie vorübergehend oder dauernd nicht mehr

riecht, so kann dasselbe andererseits auch durch Übung sehr verfeinert

werden, was uns die Tee-, Hopfen- und Zigarrenhändler beweisen, die

Unterschiede der von ihnen zu beurteilenden Ware herausriechen, die ein

Ungeübter gar nicht herauszufinden vermag.

Man sollte meinen, das Vermögen, die Wohlgerüche zum Teil genau zu

kopieren und auf künstlichem Wege vielfach in größerer Vollkommenheit

darzustellen, habe die betreffenden Naturprodukte langsam verdrängen

müssen. Dies ist aber durchaus nicht der Fall, sondern der Verbrauch

der Drogen selbst steigt vielmehr und beide, Natur- und Kunstprodukt,

beherrschen nebeneinander den Markt, wie dies beispielsweise bei

der Vanille der Fall ist. Da viele Laien unbegreiflicherweise eine

unbezwingliche Scheu vor allen chemischen Kunstprodukten empfinden,

wird auch trotz allen Triumphen der Chemie in Zukunft stets das

Naturprodukt neben dem Kunstprodukt in Ehren gehalten werden und seine

alte Stellung behaupten.

Kulturgeschichte der Nutzpflanzen, Band IV, 2. Hälfte · 第 26 / 81 段