Der ostafrikanische +Sansibar-+ und +Mosambikkopal+ wird meist an der

Küste zwischen 5 bis 15° südlicher Breite gegraben und stammt von der

Leguminose ~Trachylobium verrucosum~. Es ist dies ein bis 40 m hoher

Baum mit mächtigem Stamm und weit ausgebreiteten Ästen, lederförmigen

Blättern, ziemlich großen, roten Schmetterlingsblüten in Rispen und

länglichen, warzigen, nicht aufspringenden Hülsenfrüchten. Er ist ein

typischer Küstenbaum, der nur im Bereich der Seewinde gedeiht, auch

an den Küsten Madagaskars wächst und neuerdings zur Harzgewinnung auf

Ceylon und Java angepflanzt wird. Stamm und Äste sind vielfach mit

einem klaren Harzüberzug reichlich bedeckt. Dieses Harz wird vom Baume

abgelöst und kommt als Baumkopal in den Handel. Weitaus der meiste

Kopal wird aber in einem 150-300 km breiten Küstenstreifen, wo der

Baum einst unweit des Meeres gedieh und in der Folge spurlos bis auf

das von ihm ausgeschwitzte unverwesliche Harz verschwand, aus der Erde

gegraben. Dieser ist im rohen Zustande von einer mit Sand vermengten

undurchsichtigen Verwitterungskruste bedeckt, im Innern jedoch

vollständig klar und durchsichtig, von blaßgelber bis blaßrötlicher

Farbe. Um diese Sand- und Verwitterungskruste zu entfernen, wird er mit

Soda oder Pottaschenlauge gewaschen und zeigt dann eine facettierte

Oberfläche, welche man allgemein als Gänsehaut bezeichnet. Er ist

der härteste aller Kopale und kommt darin dem Bernstein fast gleich.

Er dient zur Herstellung der besten Lacke und Firnisse, die imstande

sind, Wind und Wetter lange Zeit erfolgreich zu widerstehen. Die

größten, schönsten und durchsichtigsten Stücke werden wie Bernstein

zu Dreh- und Schnitzarbeiten verwendet. Übrigens unterscheidet man

von diesem fossilen Kopal zwei Sorten: eine, die Chakazzi genannt

wird, nur eine schwache Verwitterungskruste besitzt und eine geringe

Härte aufweist, als Beweis dafür, daß sie erst verhältnismäßig kurze

Zeit im Boden gelegen haben kann. Sie findet sich über dem Boden oder

ganz oberflächlich im Boden an Stellen, wo der Baum noch vorkommt,

zumeist aber im Rückgang begriffen ist. Der eigentliche, reife Kopal

aber liegt tiefer im Boden, von Sand und Erde überlagert, an Stellen,

wo weit und breit keine Kopalbäume mehr zu sehen sind, weil sich

das Meer inzwischen weit zurückgezogen hat und infolgedessen die

Lebensbedingungen für dieselben aufhörten günstige zu sein. Es ist

schon längst auch aus andern Tatsachen festgestellt worden, daß die

Ostküste Afrikas in langsamem Vorrücken begriffen ist und das Meer

einst jene steppenartigen, öden Gegenden bespülte, in denen jetzt der

Kopal gegraben wird. Wenn die auf den Nordostmonsun folgenden Regen die

Erde aufgelockert haben, beginnen die Eingeborenen mit kleinen Hacken

nach diesem fossilen Harze zu graben, von dem jetzt schon jährlich für

über eine Million Mark über Sansibar ausgeführt wird. Bei geordnetem

Betrieb könnte noch viel mehr davon gewonnen werden, was eine wichtige

Einnahmequelle für das Deutsche Reich bedeuten würde, da fast die ganze

Kopalgegend zur deutschen Kolonie gehört.

Auch die Küste von Westafrika weist von Sierra Leone bis nach Benguela

hin an zahlreichen Orten fossilen Kopal auf. Er wird in Mergel,

Sand oder Lehm in Tiefen bis zu 3 m gefunden und kommt neuerdings

in viel größeren Mengen als der ostafrikanische in den Handel,

ist aber von geringerer Qualität und wird nur mit 2 Mark per kg

bezahlt, während jener beinahe das Dreifache davon gilt. Während der

Kopal von Angola eine demjenigen von Sansibar ähnliche, nur größere

Oberflächenfacettierung zeigt, auch in größeren, bis 2 kg schweren

Klumpen ausgegraben wird, ist derjenige von Gabun oder Benguela von

eigenartigen, tiefen Sprunglinien durchzogen, an denen er leicht

erkannt werden kann. Diese sind dadurch entstanden, daß sich das

Harz im Laufe der Zeit an der Peripherie stärker zusammenzieht als

im Innern; wenn dies nur in geringem Maße geschieht, so bildet sich

die für den Sansibarkopal charakteristische facettierte Oberfläche

von kleinen, polygonalen Wärzchen. Seit einigen Jahren kommt auch

aus Kamerun Kopal in den Handel, der für diese Kolonie von Bedeutung

zu sein scheint. Er wird in faust- bis kindskopfgroßen, graugelben

Stücken gefunden und ist meist von einer starken, gelblichweißen

Verwitterungskruste bedeckt. Dies und seine außerordentliche Härte

beweisen, daß wir es ebenfalls mit einem fossilen Baumharze zu tun

haben. Rezent vom Baume gewonnenes Harz ist dort nicht bekannt; doch

findet sich in Kamerun ein Kopalbaum, aber kein Trachylobium, sondern

eine andere, Copaifera genannte Leguminose. An einzelnen Stellen

Nordkameruns findet sich dieses Harz in mächtigen Lagern im Boden und

kann leicht gegraben werden. An Stellen, an denen es vermutet wird,

legt man Probeschürfungen an und beutet dann das Gefundene aus. Doch

wird hier wie überall sonst in Afrika die Kopalgewinnung bis jetzt

recht nachlässig betrieben. In Jahren, da die Feldfrüchte gut geraten

und der Neger genug zu essen hat, wird er nie daran denken, Kopal zu

graben; denn solches verursacht Mühe, und jede Anstrengung sucht er

nach Möglichkeit zu vermeiden. Merkwürdig ist, daß hier so wenig als in

der ostafrikanischen Kolonie sich das deutsche Kapital bis jetzt um die

Ausbeutung dieser Naturschätze bekümmerte.

Ist nun Afrika recht eigentlich das Land der Kopale zu nennen, so

findet sich dieses Naturprodukt auch anderwärts, so als Brasilkopal

an der Ostküste Südamerikas, als Manilakopal auf den Philippinen,

Sundainseln und Molukken und als Kaurikopal auf der Nordinsel von

Neuseeland. Der +Brasilkopal+ ist die weichste Kopalart, findet sich

niemals fossil, sondern stammt durchgehends von jetzt noch lebenden

Bäumen. Am häufigsten kommt das von ~Hymenae courbaril~ stammende Harz

in Form von knolligen, gelben bis dunkelgrünen Stücken mit einem ganz

dünnen, kreidigen Überzug in den Handel. Wahrscheinlich liefern auch

noch andere Arten von ~Hymenae~ in Südamerika Kopal. Der +Manilakopal+

fließt in Massen aus dem Stamm einer stattlichen Fichte, ~Agathis

dammara~, hervor, vereinigt sich an den Wurzeln in Klumpen, wird häufig

vom fließenden Wasser fortgeschwemmt und sammelt sich nicht selten

am Ufer der Flüsse in großen Blöcken an. Er kommt in bis zu 40 kg

schweren Stücken in den Handel. Die Oberfläche derselben ist meist

etwas dunkler gefärbt als das Innere, doch fehlt eine eigentliche

Verwitterungskruste. Die Farbe ist gewöhnlich bernsteingelb, seltener

braun, der Geruch ist angenehm balsamisch, ähnlich demjenigen des

Kaurikopals. Dieser +Kaurikopal+ stammt von der neuseeländischen

Kaurifichte (~Agathis australis~), die auf den nördlichsten Teil der

Nordinsel beschränkt ist und hier nur an ihr besonders zusagenden

Stellen vorkommt. Das ist um so bedauerlicher, da sie nicht nur ein

sehr schöner, stattlicher, bei einem Stammdurchmesser von bis zu 7 m

50 m Höhe erreichender Baum mit zahlreichen Ästen und dunkeln

Blättern ist, sondern auch treffliches Nutzholz und große Mengen Harz

liefert. Dieses letztere fließt freiwillig aus dem Stamm und sammelt

sich in großen Klumpen an den Wurzeln, findet sich aber auch am und

im Boden an Stellen, wo ehemals Kauriwälder standen, massenhaft, oft

in mehreren Lagen übereinander, vor, so daß das zumeist von dort

angesiedelten Österreichern ausgeübte Gewerbe des Kopalgrabens ein

sehr lohnendes ist. Diese Kopalgräber, fast ausschließlich Dalmatiner,

wohnen meist in Auckland und ziehen mit einem dünnen Stahlspeer

und einer gewöhnlichen Schaufel ausgerüstet auf die Suche nach dem

Kaurikopal. Zunächst wird der Speer in die Erde gestoßen. Fühlt nun

der Gräber, daß er auf einen Kaurikopalklumpen gestoßen ist, so beginnt

er zu graben. Neuerdings werden auch weite Strecken umgegraben, ohne

daß erst der Stahlspeer Anwendung findet. Die Klumpen schwanken von

Nuß- bis Kindskopfgröße, doch hat man gelegentlich auch bis 46 kg

schwere Massen gefunden. Als Zeichen, daß sie schon sehr lange im Boden

gelegen haben, sind sie meist mit einer starken Verwitterungskruste

überzogen. Im Gegensatz zur weißlichen Farbe des frisch aus dem

Kauribaume geflossenen, auch viel weicheren Kopals ist diejenige des

härteren fossilen, seiner Entstehungszeit nach meist ins Tertiär

zurückreichenden Kopals hellgelb bis dunkelbraun; doch sind letztere

Stücke, die meist aus sumpfigen Stellen gegraben werden, weniger

beliebt. Die Masse ist hart, riecht intensiv balsamisch und schmeckt

gewürzhaft. Als der neuseeländische Kaurikopal gegen das Ende der

1840er Jahre zuerst aufgefunden und nach London geschickt wurde, hatte

man zunächst keine Verwendung dafür. Von den Amerikanern lernten dann

die Engländer seine trefflichen Eigenschaften kennen und schätzen. So

benutzten sie ihn bald außer zur Herstellung von Lacken und Firnissen

zum Beschweren der Seide, bei der Linoleumfabrikation usw. Infolge der

vermehrten Nachfrage wurde seine Gewinnung immer eifriger betrieben.

Während sein Export noch im Jahre 1860 nur wenig über 100000 kg

im Werte von 890000 Mark betrug, war er 1899 auf über 11 Millionen

kg im Werte von 13 Millionen Mark gestiegen. In letzter Zeit ging

die Produktion desselben etwas zurück; doch sind jetzt noch über

7000 Personen mit seiner Gewinnung beschäftigt. Ein ganz ähnliches,

ebenfalls von einer Agathis stammendes fossiles Harz wird übrigens auch

in Neu-Kaledonien gegraben und kommt ebenfalls als Kaurikopal in den

Handel.

Zur Herstellung von Lacken und Firnissen wird der Kopal, um ihn

löslich zu machen, geschmolzen. Ist er wieder erstarrt, so wird er

gepulvert und längere Zeit der Luft ausgesetzt. Zur Bereitung von

fettem Kopalfirnis mischt man den geschmolzenen Kopal sofort mit

erhitztem Leinölfirnis, kocht, wenn der Lack weich werden soll,

einige Zeit, setzt dann das ebenfalls erhitzte Terpentinöl hinzu und

filtriert nach dem Erkalten durch graues Löschpapier. Elastischen

Kopalfirnis erhält man aus 3 Teilen Kopal, 1,5 Teilen Leinölfirnis

und 9 Teilen Terpentinöl. Doch wird letzteres erst zugesetzt, nachdem

der Leinölfirnis mit dem Kopal 2-3 Stunden gekocht hat. Etwas mehr

Leinöl macht den Lack noch elastischer; nimmt man aber nur 1,25

Teil Leinölfirnis und kocht nicht, so trocknet der Firnis schnell.

In Chloroform oder Benzol gelöster Kopal wird als Kaltlack in der

Photographie benutzt.

Für die Kulturgeschichte Europas von außerordentlicher Bedeutung ist

der +Bernstein+, von den Franzosen und Engländern als gelbe Ambra

bezeichnet -- ein Produkt, über das alles Mögliche gefabelt wurde (die

echte graue Ambra, deutsch ursprünglich Amber, nach dem arabischen

~anbar~, da die arabischen Ärzte zuerst diesen Stoff dem Abendlande

übermittelten, genannt, findet sich in Stücken von bis zu 90 kg

Gewicht, 1,5 m Länge und über 0,5 m Dicke bei Madagaskar, Java,

Japan, Surinam, Brasilien im Meere schwimmend, bis seine Herkunft

als Auswurfsstoff des bis 25 m Länge erreichenden Pottwals dadurch

erkannt wurde, daß man ihn auch in den Gedärmen jenes Zahnwales fand.

Der Amber ist eine graubraune, leichte, wachsartige, in der Hand

erweichende Masse von sehr verschiedener, meist graubrauner Färbung

und höchst angenehmem Geruch, löst sich in Alkohol und Äther, läßt

sich in kochendem Wasser in eine ölige Flüssigkeit umwandeln und

bei großer Hitze verflüchtigen. Er wurde früher als Aphrodisiacum,

dann als Arzneimittel verwendet, dient heute nur noch als Parfüm in

Räuchermitteln und wohlriechenden Ölen und Seifen). Der deutsche

Ausdruck Bernstein, der noch im 16. und 17. Jahrhundert Börnstein (im

angelsächsischen ~burn~ brennen ebenfalls enthalten) hieß, bedeutet

Brennstein, weil dieser an der südlichen Ostseeküste in Ostpreußen

vom stürmischen Meere meist in sogenanntem Bernsteinkraut (Tangen,

besonders ~Fucus vesiculosus~ und ~fastigiatus~) eingehüllt ans

Ufer geworfene zitronengelbe bis weiße oder rotbraune, mehr oder

weniger durchsichtige Stein ins Feuer geworfen mit rußender Flamme

und Ausströmenlassen eines aromatischen Geruches verbrennt. Seine

geheimnisvolle Herkunft auf den Wogen des Meeres in Verbindung

mit der für einen Stein höchst merkwürdigen Eigenschaft, brennbar

zu sein, machte ihn schon in sehr früher vorgeschichtlicher Zeit

zuerst in seiner Heimat und dann weit darüber hinaus zu einem höchst

wertvoll geachteten Amulette und zugleich, dank seiner schönen

Farbe und prächtigen Politurfähigkeit, auch Schmuckstein. Von der

jüngsten neolithischen Zeit an wurde er besonders zur Bronze- und

ersten Eisenzeit durch Tauschhandel immer weiter nach Süden zu den

reichen Völkern am Mittelmeer, den Etruskern, Mykenäern, Syrern und

Ägyptern verbreitet, in deren Gräbern wir ihn in Perlenform zum

Tragen an einem Bande um den Hals finden. Kein anderes Naturprodukt

hat die Kultur Deutschlands in der jüngeren vorgeschichtlichen Zeit

so mächtig beeinflußt als der Bernstein, der bald auf zwei durch

zahlreiche Depotfunde von dagegen eingetauschten Artikeln, besonders

Bronzewaffen, dann auch durch Beeinflussung ihrer Ornamentik und ihrer

Töpfereiprodukte deutlich als solche charakterisierten Handelswegen

nach Süden transportiert wurde. Der eine führte der Weser entlang,

durchs Tal der Fulda nach dem Rheintal und von da über einige

Alpenpässe nach Italien und gleichzeitig ins Rhonetal, der andere

führte die Oder aufwärts durch das Tal der March ins Gebiet der

Donau. Die Griechen nannten den Bernstein ~élektron~ -- ein Ausdruck,

aus welchem bekanntlich unsere Bezeichnung Elektrizität hervorging,

weil man am Elektron, wenn er gerieben wurde, zuerst die später als

elektrisch erkannten Eigenschaften entdeckte. Wie die vornehmen

Mykenäer Bernsteinschmuck trugen, den wir in ziemlicher Menge unter

den Totenbeigaben ihrer reich mit kunstvoll aus Gold und Silber und

einer wegen der Farbe ebenfalls als ~élektron~ bezeichneten Mischung

beider Edelmetalle hergestellten Schätzen ausgestatteten Gräber

finden, so trugen auch die Männer und Frauen der homerischen Zeit

Bernsteinschmuck. Nach den ältesten auf uns gekommenen Nachrichten der

Griechen sollen die diesen wertvollen Schmuckstein zu ihnen bringenden

phönikischen Bernsteinhändler erzählt haben, daß im Nordwesten der

Erdscheibe sich der Eridanos (als mythologischer Name später auf den

Po bezogen) in den Okeanos (das die Erdscheibe umgebend gedachte

Meer) ergieße, an dessen Mündung gewisse Bäume von der dort nahe

vorbeifahrenden Sonne Bernstein ausschwitzen. Aus dieser Sage geht

hervor, daß schon die alten Phönikier und die von ihnen weitgehend

beeinflußten Griechen den Bernstein richtig als Baumharz erkannten.

Dies war auch bei den Römern der Fall, die ihn ~succinum~ nannten, weil

er aus dem Saft (~succus~) bestimmter Bäume, die Plinius geradezu als

eine Art Pinien bezeichnet, entstanden sei.

Selbstverständlich hat es schon die Kulturvölker des Altertums aufs

höchste interessiert, zu erfahren, was für eine Bewandtnis es mit dem

aus unbekanntem Norden zu ihnen gelangenden Bernstein auf sich habe.

Der erste, von dem wir wissen, daß er um die Säulen des Herkules (die

Meerenge von Gibraltar) herum eine Entdeckungsreise nach dem Norden

unternahm, um die Heimat des Bernsteins wie auch des Zinnes und

köstlicher Felle zu erkunden, war der Grieche Pytheas aus Massalia

(Marseille) zur Zeit Alexanders des Großen um 330 v. Chr. Über seine

Reise nach Britannien, der Insel Thule (wohl eine der Shetlandinseln)

und dem Bernsteinland (wahrscheinlich an der Nordseeküste Schleswigs)

schrieb er dann nach seiner Rückkehr in die Vaterstadt einen Periplus,

d. h. Umfahrt, benannten, uns in einzelnen Fragmenten erhaltenen

Bericht, worin er erzählt, daß der Bernstein (~élektron~) auf der

Insel Abalos im Okeanos gegenüber dem germanischen Volke der Guttonen

von den Wellen angetrieben werde. Jedenfalls ist er nicht in die

Ostsee, geschweige denn ins Samland gelangt, sondern wird den von

ihm mitgeteilten Bescheid von den Bewohnern Nordfrieslands an der

Westküste Schleswigs, zu denen er gelangte und bei denen er den

Bernstein eintauschte, erhalten haben. Jedenfalls ist auch späterhin

noch Bernstein von der friesischen Nordseeküste her zu den Völkern

des Mittelmeeres gebracht worden, da der um 79 n. Chr. verstorbene

Römer Plinius die von ihm Glessarien oder Elektriden genannten

Bernsteininseln ins germanische Meer gegenüber Britannien verlegt.

Die erste sichere Andeutung der samländischen Küste im jetzigen

Ostpreußen als Heimat des Bernsteins gibt uns der seit 30 v. Chr. 22

Jahre in Rom als Lehrer der Rhetorik lebende und sich daneben mit dem

Studium der römischen Geschichte beschäftigende Grieche Dionysios von

Halikarnaß südlich von Milet an der Westküste Kleinasiens. Der römische

Geschichtschreiber Cornelius Tacitus (54-117 n. Chr.), der uns die

erste ethnographische Schilderung des alten Germaniens und seiner

Bewohner gab, wußte, daß die Ästyer (Esthen) von der rechten Küste des

suevischen Meeres (Ostsee) den Bernstein ~glesum~ (wohl später auf das

ähnlich durchsichtige und glänzende Glas übertragen) nannten, daß sie

ihn als Auswurf des Meeres sammelten und an die Römer verhandelten.

Um mit den Bewohnern der Bernsteinküste direkt in Verbindung zu

treten, sandte dann der von 54-68 regierende Kaiser Nero eine römische

Expedition unter Anführung eines römischen Ritters an die Ostseeküste

nach Norden, von wo sie mit diesem kostbaren Erzeugnis des Samlandes

reich beladen heimkehrte.

Im Mittelalter fand ein ausgedehnter Bernsteinhandel besonders nach

dem Oriente hin statt, wo er heute noch als Amulett zum Schutze vor

Erkrankung und als Schmuckstein sehr geschätzt wird. In den ältesten

Zeiten war das Auflesen des Bernsteins jedermann erlaubt. Erst die

mittelalterlichen Bischöfe erkannten in dem ~lapis ardeus~ vulgo

Börnstein ein geeignetes Steuerobjekt, das ihnen großen Gewinn brachte.

Die erste Urkunde darüber datiert aus dem Jahre 1264. Nach ihnen

beuteten die Deutschen Ritter das Bernsteinregal in größtem Maßstabe

aus und verkauften den Bernstein an die Bernsteininnungen, die sich

um 1300 in Lübeck und Brügge, 1450 in Stolp, Kolberg und Danzig und

1640 in Königsberg bildeten. Köln, Frankfurt am Main, Nürnberg und

Venedig waren damals die Haupthandelsplätze für Bernstein. Später

wurden mit großer Strenge waltende Bernsteingerichte eingesetzt, und

die Strandbewohner mußten den Bernsteineid schwören, in welchem sie

gelobten, allen gefundenen Bernstein an die Behörde abzuliefern, die

sich das alleinige Recht am Bernstein anmaßte. Und diejenigen, die das

anstrengende und gefährliche Amt hatten, den Bernstein aus dem Meere

mit Netzen zu fischen, erhielten als einzige Entschädigung das für

ihr Fischereigewerbe nötige Salz. Diese unnatürlichen Verhältnisse

führten zur Verpachtung der Bernsteinnutzung an Danziger Kaufleute,

die alsbald den Handel bis Indien und Persien ausdehnten und in vielen

Städten Faktoreien einrichteten. Die guten Geschäfte, die sie dabei

machten, veranlaßte die Regierung, die Sache wieder selbst in die Hand

zu nehmen. Doch wechselten in der Folge noch vielfach Verpachtung und

Selbstverwaltung miteinander ab. Erst zu Ende des 18. Jahrhunderts

wurde der Bernsteineid abgeschafft, seit 1811 wurde das Recht der

Bernsteingewinnung in Generalpacht gegeben und seit 1837 an den

Meistbietenden verkauft.

Der Bernstein der preußischen Ostseeküste wurde später auch aus dem

Meere gebaggert und wird seit 200 Jahren am Lande in großem Maßstabe

gegraben. Er findet sich in der sogenannten Blauen Erde, einer durch

Glaukonitkörnchen bläulich gefärbten, sandig-tonigen Bildung von

1,25-6 m Mächtigkeit, zusammen mit Holzresten, Haifischzähnen,

Meeresmuscheln usw. Diese Blaue Erde ist unteroligozänen Alters, doch

findet sich der Bernstein in ihr auf sekundärer Lagerstätte; er muß

also älter sein und wurde von einem damals durch das Meer zerstörten,

gegen Skandinavien zu gelegenen Land hier eingeschwemmt. Mit welcher

Gewalt heute noch besonders Nordweststürme Bernstein vom Meeresgrunde

loslösen, um ihn, meist in Tange eingewickelt, mit den Wellen ans Land

zu treiben, das beweist, daß in einer einzigen Herbstnacht 1862 in der

Gegend von Palmnicken und Nodems nicht weniger als gegen 2000 kg

Bernstein angeschwemmt wurden. Meist sind es nur kleine Stücke, und

solche von 500 g kommen darunter nur selten vor. Das größte bis jetzt

bekannt gewordene Stück Bernstein wog 6750 g und befindet sich im

königlichen Mineralienkabinett in Berlin.

Wie schon der große Aristoteles (384-322 v. Chr.) richtig vermutete,

ist der Bernstein ein von einem Baume geflossenes Harz. Diese

Erkenntnis einiger Gelehrter des Altertums ging im Mittelalter

wieder verloren und an ihre Stelle traten die vagsten Vermutungen,

bis erst wieder Boch 1796 ihn für ein fossiles Pflanzenharz erklärte

und Struve ihn 1811 von einem Nadelholze ableitete. Conventz wies

dann nach, daß der Bernstein des Samlandes von einer Fichte, ~Picea

succinifera~, abstammt, deren Holz- und Rindenreste häufig im Bernstein

eingeschlossen vorkommen. Wie bei den heutigen Kiefern und Fichten

sogenannte Harzgallen mitten im Holz entstehen, so bildeten sich

solche bei der Bernsteinfichte auch im Kambium. In ihrem Harzreichtum

kann letztere mit der vorhin besprochenen neuseeländischen ~Agathis

australis~ verglichen werden, deren Stamm und Äste dermaßen von Harz

triefen, daß sie vielfach davon wie mit Eis in Krusten und Zapfen

bedeckt sind. Das Harz der Bernsteinfichte wurde in solchen Massen

ausgeschieden, daß es den Stamm herablief und sich um die Wurzeln

sammelte, oder von den Zweigen tropfte und auf allerlei am Boden

liegende Blätter fiel, deren Form es im Abdruck bewahrte. Dabei wurden

zahlreiche Insekten und andere Tiere vom zähen Harz umflossen und

in ganz idealer Weise durch die Jahrmillionen bis auf unsere Zeit

konserviert. Die zahlreichen pflanzlichen Einschlüsse beweisen, daß

der Bernsteinwald, der spätestens eozänen Alters ist und von manchen

selbst in die oberste Kreide verlegt wird, außer Tannen und Fichten

Lebensbäume (~Thuja~), Eichen, Palmen, Lorbeergewächse, Erikazeen,

Farne, Flechten und Moose enthielt. Ungeheure Zeiträume hindurch

standen diese Wälder und sammelte sich in ihnen der Bernstein an.

Die Bäume selbst, die ihn ausgeschwitzt haben, sind mit allen andern

Lebewesen schon längst zugrunde gegangen und nur das unverwesliche Harz

derselben hat sich durch die ungeheuren Zeiträume, die uns von jener

Periode trennen, erhalten.

Der Bernstein ist meist klar und gleichmäßig honiggelb, seltener

gelblichweiß bis braun gefärbt; nur ausnahmsweise ist er mit Luftblasen

erfüllt und schaumig. Er entwickelt beim Reiben einen eigentümlichen

Geruch, wird dabei negativ elektrisch, schmilzt bei 287°, brennt mit

rußender Flamme, wobei er einen angenehmen Geruch entwickelt, wird

beim Erhitzen in Öl weich und biegsam und läßt sich dann in Formen

pressen, dabei wird milchiger Bernstein durchsichtig. Früher wurde

er hauptsächlich zu Amulettschmuck verarbeitet, wie heute noch aus

ihm bestehende Perlenhalsbänder mit Vorliebe zahnenden Kindern zum

vermeintlichen Erleichtern des Zahnens um den Hals gehängt werden.

Gegenwärtig wird er meist zu Zigarren- und Pfeifenspitzen verarbeitet,

während der Abfall und die kleinen Stücke zur Herstellung eines

trefflichen Firnisses benutzt werden. Früher glaubte man bei uns wie

heute noch in Rußland, daß er alle Krankheiten anziehe und so seinen

Träger davor beschütze, weshalb Bernsteinhalsbänder sehr beliebt und

geschätzt waren. Desgleichen sollten aus Bernstein verfertigte Schalen

und Schüsseln jede Vergiftung der aus ihnen genossenen Speisen und

Getränke verunmöglichen und aufheben, was besonders im alten Rom der

Cäsaren für sehr wertvoll gelten mußte, da dort solche in gewissen

Kreisen an der Tagesordnung waren. Gegenwärtig ist Bernstein namentlich

in China und Japan als geschätztes Amulett gegen Krankheiten,

in Marokko gegen die Gefahren des Krieges viel im Gebrauch. Im

ganzen wird in Deutschland jährlich für 2165000 Mark Bernstein für

Zigarren- und Pfeifenmundspitzen, für 145000 Mark für Halsperlen

und für 190000 Mark für Firnis und Lack verbraucht. Plinius erzählt

in seiner Naturgeschichte, daß er zu seiner Zeit besonders von den

Kelten der Poniederung und der Südabhänge der Alpen als Schutzmittel

gegen den Kropf getragen wurde. Schon in den vorgeschichtlichen

Niederlassungen Oberitaliens findet er sich häufig, ist aber hier

nicht der ostpreußische gelbe, sondern ein in der miozänen Molasse des

Landes selbst, speziell der Emilia, gefundener rötlicher oder brauner

Bernstein, der aber nur in erbsen- bis nußgroßen Stücken vorkommt. Bei

der überaus großen Wertschätzung, die aller Bernstein seit der jüngeren

Steinzeit bei sämtlichen europäischen Völkern genoß, ist es nicht zu

verwundern, daß solcher bereits in vorgeschichtlicher Zeit auch aus dem

Potal nach den danach lüsternen Ländern im östlichen Mittelmeergebiet

gelangte, sonst hätten nicht, wie wir vorhin sahen, die phönikischen

Kaufleute den ältesten Griechen angegeben, daß der Bernstein von den

Ufern des Eridanos (= Po) komme, wo er durch die starke Hitze der dort

in der Nähe vorbeifahrenden Sonne aus gewissen Bäumen ausgeschwitzt

werde. Übrigens gibt es in den meisten Ländern Europas und anderwärts

verschiedenerlei, meist tertiären Landbernstein, der eine mehr oder

weniger starke Verwitterungskruste besitzt, wodurch er sich vom

Seebernstein der Ostseeküste unterscheidet; doch ist er nirgends in

solcher Massenhaftigkeit wie in der Blauen Erde der ostpreußischen

Küste vorhanden, wird zudem meist nur in kleinen, gewöhnlich dunkel

gefärbten Stücken gefunden und hat infolgedessen auch keinerlei

Bedeutung als Handelsartikel erlangt.

Kulturgeschichte der Nutzpflanzen, Band IV, 2. Hälfte · 第 21 / 81 段