In der Pflanze sind auch die Harze mit flüchtigen ätherischen Ölen

vermengt, als deren Oxydationsprodukte sie überhaupt entstehen.

Sie unterscheiden sich von ihnen durch Sauerstoffgehalt und

Nichtflüchtigkeit. Sie finden sich besonders in tropischen Pflanzen

und bei uns in den Nadelhölzern; und zwar kommen sie in allen

Pflanzenteilen vor, sind aber am reichlichsten in den Rinden, aus denen

sie durch Einschnitte gewonnen werden. Sie sind meist gelb oder braun,

durchscheinend, anfänglich weich, verhärten aber durch Verdunstung

der in ihnen enthaltenen ätherischen Öle. Als solche nennt man sie

Hartharze, weil sie bei gewöhnlicher Temperatur spröde und fest sind.

Sie brennen mit rußender Flamme und geben bei trockener Destillation

brennbare Gase und Öle ab. In ihren physikalischen Eigenschaften

stehen sie den Fetten nahe, doch besitzen sie eine vollständig von

jenen abweichende chemische Konstitution. Kein Harz ist ein chemisches

Individuum, sondern ein Gemisch von Resinen, Resenen, Harzsäuren usw.

Die ätherischen Öle, aus denen die Harze durch Sauerstoffaufnahme und

andere Veränderungen hervorgehen, sind meist sauerstofffrei, nur aus

Kohlenstoff und Wasserstoff zusammengesetzt, daher leicht brennbar. Das

wichtigste derselben ist das +Terpentinöl+, das aus dem +Terpentin+,

einem durch Einschnitte in den Stamm von Nadelhölzern gewonnenen

balsamartigen Harzfluß durch Destillation vermittelst Wasserdämpfen

gewonnen wird. In Deutschland dienen zur Terpentingewinnung

verschiedene Kiefern und Fichten, so besonders ~Pinus silvestris~ und

~Picea excelsa~; das südfranzösische Terpentin dagegen, das weniger

Terpentinöl als das deutsche besitzt, wird von der Strandkiefer

(~Pinus maritima~) gewonnen. Das Straßburger Terpentin wird von der

Weißtanne (~Abies pectinata~), das venezianische in Südtirol von der

Lärche (~Larix decidua~) gewonnen. In den Vereinigten Staaten von

Amerika, die weitaus das meiste Terpentin erzeugen, wird es außer von

verschiedenen Pinusarten namentlich von der Hemlockstanne (~Tsuga~),

einem im östlichen Nordamerika sehr verbreiteten, bis 40 m hohem

Baum von 1,3 m Durchmesser, vom Bau der Rottanne, gewonnen, während

der verwandte Kanadabalsam ein in Kanada und den Nachbarländern aus

der Balsamtanne (~Abies balsamei~ und ~fraseri~) erzielter Terpentin

ist. Alle diese werden vorzugsweise im Frühjahr durch Eröffnen der

Harzgänge der Rinde durch Schnitte oder Anbohrungen gewonnen und in

darunter gestellten Gefäßen gesammelt. Die Menge wechselt zwischen

2 und 3,5 kg pro Baum und Ernte, kann aber bei alleinstehenden,

starken Fichten, auf deren Erhaltung es weiter nicht ankommt, bis auf

40 kg getrieben werden, wonach allerdings ein so mißhandelter Baum

gewöhnlich eingeht. Dieses gelblichweiße, honigdicke, starkklebende,

balsamische Harz reagiert sauer, ist löslich in Alkohol, Äther und

ätherischen Ölen, enthält 15-20 Prozent Terpentinöl, Harz, Harzsäuren,

wenig Ameisen- und Bernsteinsäure. Durch Destillation des Terpentins

mit Wasser wird daraus das klare, farblose, stark lichtbrechende

Terpentinöl gewonnen, das an der Luft Sauerstoff aufnimmt und ihn

teilweise in Ozon verwandelt, wodurch es bleichend wirkt, dickflüssig

wird und zu einer durchsichtigen, harten Harzschicht eintrocknet. Es

löst Harze, Kautschuk, Schwefel, Fette und dient zum Herstellen von

Lacken und Firnissen, zum Verdünnen von Ölfarben, zum Entfernen von

Fett- und Farbenflecken aus Kleidern, zum Bleichen von allerlei Geweben

und Elfenbein, als Arzneimittel, als Schutz gegen Phosphorvergiftung

in Zündhölzchenfabriken und zum Verfälschen ätherischer Öle. Der bei

der Gewinnung des Terpentinöls aus dem Terpentin zurückbleibende

entwässerte Rückstand ist das +Kolophonium+ oder +Geigenharz+, das

bei 130-135° schmilzt und, außer zum Bestreichen der Geigenbogen,

zur Herstellung von Siegellack, Harzseifen, Harzöl, Firniß, Kitt,

zum Löten, zum Leimen des Papiers, zu Blitzpulver usw. dient. Die

Produktion der Vereinigten Staaten allein an Terpentinöl beträgt

jährlich 70 Millionen kg im Wert von 32 Millionen Mark, und zwar wird

über die Hälfte davon von Savannah im Staate Georgia exportiert, das

der erste Weltmarkt für Terpentin ist. Die bedeutendsten europäischen

Märkte sind London, Hamburg, Antwerpen, Bordeaux. Qualitativ ist die

französische Sorte die beste; sie wird in der Technik vielfach der

amerikanischen vorgezogen. An dritter Stelle kommt die Produktion

Rußlands, die zum größten Teil im Lande selbst Verwendung findet.

Schon im Altertum kannte und verwendete man solches Terpentin.

So schreibt der um die Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr. lebende

griechische Arzt Dioskurides in seiner Arzneimittellehre: „Aus der

Pinie (~pítys~) und Kiefer (~peúkē~) kommt ein flüssiges Harz, das aus

Gallien und Etrurien in den Handel kommt, früher auch aus Kolophon

-- der ionischen Stadt an der Küste Lydiens -- gebracht wurde und

deswegen ~kolophōnía~ genannt wird. Es kommt auch vom Fuße der Alpen

vom Baume, den die Leute dort ~larix~ (Lärche) nennen. An Farbe ist

es verschieden; denn es gibt reinweißes, ölfarbiges, honigfarbiges,

wie das vom Lärchenbaum. Auch die Zypresse gibt ein flüssiges Harz. --

Trockenes Harz kommt von der Arve, der Weißtanne, der Schwarzkiefer,

der Pinie. Von allen wählt man das, was am besten riecht, durchsichtig,

weder zu trocken, noch zu naß ist, sondern wie Wachs ist und sich

zerreiben läßt. Am besten ist das von Pinien und Weißtannen, das gut,

fast wie Weihrauch riecht. Vorzüglich schätzt man das von der Insel

Pityusa (d. h. Pinieninsel, jetzt Iviza), welche bei Spanien liegt.

Es wird mit und ohne Wasser über einem Kohlenfeuer gekocht und zu

wohlriechenden, erweichenden Pflastern benutzt. Ausgeglühtes Harz wird

auch zu Pflastern, zu stärkenden Arzneien und zum Färben der Salben

gebraucht. Durch Verbrennen des Harzes gewinnt man Ruß, wie aus dem

Weihrauch. Er dient vorzugsweise zum Färben der Augenlider, wie auch

zum Heilen von deren Krankheiten. Aus Ruß wird auch die schwarze Tinte

(~to mélan~, eigentlich: das Schwarze) bereitet, mit der wir schreiben.“

Unter Terpentin verstand man im Altertum das Harz der von den Griechen

~therébinthos~ genannten Terpentinpistazie (~Pistacia therebinthus~),

eines südeuropäischen, dem Nußbaume ähnlichen Baumes, der heute

besonders auf Chios und den benachbarten Inseln, dann auf Rhodos

und Cypern zur Gewinnung des nach dem Anschneiden herausfließenden

Terpentins kultiviert wird. Wir erhalten ihn hauptsächlich von den

Kykladen, und zwar Chios, doch meist mit venezianischem Terpentin

vom Lärchenbaume oder mit Straßburger Terpentin von der Weißtanne

verfälscht. Außerdem liefert die Terpentinpistazie rundliche, durch

Stiche der Pistazienblattlaus (~Aphis pistaciae~) hervorgerufene,

oft innen mit gelben Harztropfen gefüllte, Pistazien- oder

Terpentingalläpfel genannte Gallen, die, wie auch die Blätter des

Baumes, zum Gerben und Rotfärben dienen. Diesen Baum und seine Produkte

beschreibt schon der pflanzenkundige Grieche Theophrast (390 bis 286

v. Chr.) in seiner Pflanzengeschichte. „Die Terebinthe (~términthos~)

wächst am Ida und in Makedonien klein und strauchartig; bei Damaskus

in Syrien ist sie aber groß und schön. Es soll dort ein Berg sein, der

ganz mit Terebinthen bestanden ist. Das Holz ist zäh, die Wurzeln sind

stark und gehen tief. Die Blüte ist derjenigen des Ölbaumes ähnlich,

aber rot. Außer der Frucht trägt der Baum auch Gallen, worin kleine

Tierchen wohnen. In diesen steckt eine harzige Flüssigkeit, die man

aber nicht sammelt. Das Harz gewinnt man aus dem Holze, die Frucht

gibt nicht viel Harz.“ Von letzterem sagt der vorhin genannte Arzt

Dioskurides, es werde aus dem steinigen Arabien gebracht, aber auch in

Judäa, Syrien, Libyen, auf Cypern und den Kykladen gewonnen. Es sei

das beste aller Harze; nach ihm folge an Güte das Mastixharz, dann

dasjenige von Pinie und Tanne. „Es wird innerlich und in Pflastern

viel angewandt. Man gibt dem durchsichtigen, farblosen, jedoch

etwas bläulichen, wohlriechenden den Vorzug, auch muß es den echten

Terpentingeruch haben.“

Die Verwendung des Harzes der Terpentinpistazie ist in den

Mittelmeerländern und im Morgenlande uralt. Die alten Ägypter nannten

es ~sunter~ und bezogen es teils aus Syrien und Cypern, teils aus dem

Lande Punt (Südarabien). Noch häufiger gebrauchten sie das Harz der

ihr nahe verwandten Mastixpistazie (~Pistacia lentiscus~), das sie

~fatti~ nannten, während der Baum selbst bei ihnen ~schub~ hieß. Dieses

Mastixharz, von dem man drei Sorten, nämlich ein schwarzes, rotes und

weißes unterschied, diente in Ägypten seit den ältesten Zeiten zu

Räucherungen in den Tempeln und als Heilmittel. Es war ein wichtiger

Bestandteil der ~kyphi~ genannten und zu heiligen Räucherungen

verwendeten Harzmischung und wird schon in Inschriften aus der Zeit

Pepis I. (um 2600 v. Chr.) erwähnt; auch diente es zum Einbalsamieren

der Leichen. Heute findet es im ganzen Orient seine Hauptverwendung als

Kaumittel, um das Zahnfleisch fest und den Atem wohlriechend zu machen.

Diese besonders bei den Frauen im Harem zur Kurzweil geübte Sitte muß

ebenfalls schon uralt sein; denn nach ihr nannten die Griechen dieses

Harz ~mastíchē~ (von ~mastázein~ kauen, ~mástax~ Mund, Bissen). So

schreibt Dioskurides in seiner Arzneimittellehre: „Das Harz, das aus

dem Mastixbaum (~schínos~) gewonnen wird, heißt ~mastíchē~ und macht

gekaut den Atem angenehm und zieht das Zahnfleisch zusammen. Es wird

auch zu Zahnpulvern benutzt und als Arznei gebraucht, wird auch in

die Haut des Gesichtes gerieben, um ihr Glanz zu verleihen. Das beste

und meiste liefert die Insel Chios; solches ist glänzend, hat die

Farbe des tyrrhenischen Wachses, ist zerreiblich, wohlriechend. Das

grüne ist schlechter. Die Verfälschung geschieht mit Weihrauch und

Zapfenharz.“ Sein Zeitgenosse Plinius sagt in seiner Naturgeschichte:

„Es gibt verschiedene Sorten von Mastix (~mastiche~); am höchsten wird

der weiße von Chios geschätzt. Von ihm kostet das Pfund 20 Denare (12

Mark), während der dunkelfarbige nur 12 gilt. Der Mastix von Chios

soll wie ein Gummi aus der Mastixpistazie (~lentiscus~) herausfließen

und erhärten. Er, wie auch die Blätter des Baumes sind vielfach in

arzneilichem Gebrauch. So weiß ich, daß der Arzt Demokrates der

Considia, Tochter des Konsularen Marcus Servilius, geraten hat, Milch

von Ziegen zu trinken, die mit ~lentiscus~ gefüttert wurden, und daß

der Erfolg ein günstiger war.“

Auch im Mittelalter war der Mastix ein wichtiges Arzneimittel. In

Westeuropa war er im 9. Jahrhundert n. Chr. eine große Seltenheit,

doch fand er bald darauf durch Vermittlung der arabischen Ärzte im

Arzneischatze des Abendlandes Eingang. Im 16. Jahrhundert wurde er

regelmäßig in den Apotheken geführt. Heute noch wird er hauptsächlich

auf der Insel Chios, daneben in geringerer Menge auf Samos und Cypern

gewonnen. Zu dem Zwecke wird der strauchartige Mastixbaum in großen

Beständen kultiviert und aus ihm das Balsamharz, das sich in besonderen

Behältern in der Rinde befindet, durch Einschnitte in Stamm und

Zweige gewonnen. Diese werden von Mitte Juni an zwei Monate hindurch

von der Basis des Stammes bis hinauf in die Äste in Form von geraden

oder gekreuzten Schnitten gemacht, aus denen das Harz in Tropfen

heraustritt, um entweder direkt am Baum, oder, wenn es herabtropft,

auf untergelegten Blättern oder Steinplatten zu erhärten, was nach

2-3 Wochen der Fall ist. Dann wird es sorgfältig in mit Papier oder

Baumwollenzeug ausgelegte Körbchen gesammelt. Ein Bäumchen liefert

4-5 kg. Von den in den Handel gelangenden etwa 300000 kg Mastix im

Werte von einer halben Million Mark liefert die von den Türken ~Sakîs

ada~, d. h. Mastixinsel genannte Insel Chios den größten Teil, und

zwar ist die beste Sorte die an den Zweigen von selbst ausgeschwitzte,

die kleine, durchsichtige, anfänglich grünliche, später gelbliche

Stücke bildet. Die Masse wird bei langsamem Kauen im Munde erweicht,

schmilzt bei 108° und entwickelt dabei einen balsamischen Geruch. Außer

als Kaumittel dient sie im Orient als Beigabe zu Konfitüren und zur

Darstellung des sehr beliebten, feinen Likörs Raki oder Mastichi, den

man mit Wasser vermischt trinkt, bei uns zu Räucher- und Zahnpulvern,

Kitt und besonders Firnis.

In ähnlicher Weise wird das wohlriechende +Elemiharz+ verwendet,

das Theophrast als Gummi des äthiopischen Ölbaums erwähnt. Schon

im 16. Jahrhundert fand es als ~Resina elemnia~ als Räucher- und

Wundheilmittel, wie auch zu Salben bei uns ziemlich häufige Verwendung.

Es ist dies ein Sammelname für mehrere Harze, die aus Ostindien zu uns

kamen. Das am meisten gebrauchte ist das offizinelle Manilaelemi, das

von dem auf den Philippinen, besonders der Insel Luzon, aber auch auf

dem asiatischen Festland kultivierten ~Canarium luzonicum~ gewonnen

wird, und zwar durch zweimal jährlich wiederholtes Anschneiden des

Baumes. Um einen rascheren Erguß des Harzes zu erzielen, wird in der

Nähe des Baumes ein Feuer angezündet. In frischem Zustande stellt es

eine klare, wenig gefärbte Auflösung von Harzen in ätherischem Öl dar,

aus der sich das Harz zum Teil in fester Form ausscheidet, so daß

es undurchsichtig ist. Es riecht balsamisch und schmeckt gewürzhaft

bitter. Die beste Sorte ist gelblich bis grünlichweiß, zähflüssig,

klebrig und erhärtet beim längeren Aufbewahrtwerden. An Stelle dieser

schwer in Europa zu beschaffenden Droge führte man nach der Entdeckung

Amerikas verschiedene ähnliche wohlriechende Harze ebenfalls unter

demselben Namen Elemi in Europa ein, so das grünlichgelbe, später durch

Ausscheidung von festem Harz kreidig aussehende Harz der in Yukatan

und Mexiko wachsenden ~Amyris plumieri~, einer sehr nahen Verwandten

des Weihrauchbaumes, dann dasjenige von Carana- und Protiumarten in

Westindien, Venezuela und Nordbrasilien. Später haben auch Ost- und

Westafrika von Boswelliaarten Elemi geliefert. Doch wird neuerdings

wieder am häufigsten der Manilaelemi verwendet, den der Jesuit Camellus

1701 zuerst erwähnt.

Dem Elemi ähnlich ist das +Gommartharz+, das auf Martinique

und Guadeloupe von ~Bursera gummifera~ gewonnen wird. Es ist

außen weißlich, innen grünlich oder gelblich, geschichtet,

riecht terpentinartig und wird zu Firnissen benutzt, ebenso zu

lithographischen Umdruckfarben, zum Steifmachen der Hüte und zu Salben

und Pflastern. In derselben Weise dient der Cayenneweihrauch von ~Icica

heptaphylla~ und das Harz von Occumé vom Gabunfluß in Westafrika.

Viel wichtiger als diese ist das +Dammarharz+. Dammar ist ein

malaiisches Wort, das Harzträne, Harz bedeutet. Das in den Handel

gelangende Dammarharz ist das freiwillig in großen Mengen austretende

und bald an der Luft erhärtende Harz von ~Shorea wiesneri~ und

anderen Dipterocarpazeen, hohen, Wälder bildenden Bäumen Vorder- und

Hinterindiens und der südasiatischen Inseln. Es stellt gelblichweiße,

durchsichtige, außen bestäubte Körner oder unförmliche Massen

verschiedener Größe dar, ist im Bruche glasglänzend, muschelig,

etwas klebend, leicht zerreiblich, riecht angenehm balsamisch und

löst sich vollständig in Alkohol, Äther, Chloroform, Benzol und

Schwefelkohlenstoff. Es dient zu technischen und Beleuchtungszwecken,

zur Herstellung von Heftpflaster und liefert einen Firnis, der zwar

nicht so dauerhaft wie der Bernstein- oder Kopalfirnis ist, aber,

weil billig, farblos, klar und glänzend, sich sehr gut zum Überziehen

von Ölgemälden eignet. Die erste Aufzeichnung über das Dammarharz

findet sich um 1670 bei Rumphius, einem 1627 geborenen Deutschen,

der als holländischer Konsul auf Amboina wirkte. Es gelangt seit

1827 hauptsächlich von Sumatra in den Handel. Die echte Droge ist

das ~dammar putih~ oder weiße Harz der Malaien, während das ~dammar

batu~ oder Steinharz, eine Art Manilakopal, der früher für das Dammar

des europäischen Handels gehalten wurde, von der mit dem Dammarbaum

verwandten Dipterocarpazee ~Vateria indica~ stammt. Das ~dammar item~

oder schwarze Harz rührt vom ostindischen ~Canarium strictum~

und ~C. rostratum~ der Molukken her. Das ~dammar mekong~ oder gelbe

Harz und das ~dammar mata kutjing~ oder Katzenaugenharz stammt von

Hopeaarten der Halbinsel Malakka, während der ~dammar dagieng~ oder

Rosendammar von ~Resinodendron rassak~, der ~dammar selo~ vom indischen

Jackbaum (~Artocarpus integrifolia~) besonders auf Malakka und das

Saulharz von ~Shorea robusta~ auf Sumatra und Java gewonnen wird.

[Illustration:

Tafel 113.

Gewinnung von Rohterpentin in den Fichtenwäldern von Nordkarolina.]

[Illustration: Destillation des reinen Terpentins in den Wäldern von

Nordkarolina.

(Beide Bilder: ~Copyright by Underwood & Underwood.~)]

[Illustration:

Tafel 114.

Die neuseeländische Kaurifichte (~Agathis australis~).]

[Illustration: Kopalbäume (~Trachylobium verrucosum~) in

Deutsch-Ostafrika.

(Nach „Karsten u. Schenck, Vegetationsbilder“.)]

Erst seit dem Mittelalter ist in Europa das nordafrikanische

+Sandarakharz+ bekannt, das man von Wacholderarten abstammend wähnte

und deshalb auch Wacholderharz hieß, bis der Naturforscher und Arzt

Broussonet (1761-1807) von Montpellier, der längere Zeit auf den

Kanarischen Inseln lebte und dort Pflanzen sammelte, zu Ende des 18.

Jahrhunderts die in den Gebirgen des nordwestlichen Afrika, besonders

im Atlas und seinen Vorbergen, heimische Zypressenart ~Callitris

quadrivalvis~ als den wirklichen Erzeuger des von den Arabern Sandarak

genannten Baumharzes entdeckte. Als solches kam es erst durch die

arabischen Ärzte in Europa als innerliches und äußerliches Heilmittel,

das auch zu Räucherungen und zur Herstellung von Pflastern und Salben

diente, auf. Unter ~sandarache~ verstand man im Altertum das von uns

Realgar genannte Schwefelarsen, während das von uns Sandarak geheißene

Harz den Alten nicht bekannt war. Wohl kannten diese sehr wohl die

ihn erzeugende Zypressenart, die die Griechen ~kédros~ und die Römer

nach ihnen ~citrus~ nannten und deren Holz sie außer zu Schiffsbauten

besonders in der Luxustischlerei zu kostbaren Möbeln und mottensicheren

Kleiderkisten benutzten, aber daß ein Harz von ihr gewonnen werde, wird

von keinem Schriftsteller derselben erwähnt. In der arabischen wie auch

in der persischen Literatur des Mittelalters wird es als ~sindarûs~

oder ~sandarûs~ mehrfach erwähnt und dabei seine Ähnlichkeit mit dem

Bernstein hervorgehoben.

In Europa hieß das Harz im Mittelalter ~vernix~ oder ~bernix~ --

wie übrigens wohl auch der Bernstein --, was auf seine Verwendung

zu Firnissen schließen läßt; denn das deutsche Wort +Firnis+ ist

wie auch das französische ~vernis~ und das englische ~varnish~ aus

~vernix~ hervorgegangen. Heute noch dient es außer in der Arzneikunde

besonders zur Herstellung von Firnissen, Kitten und Lacken. Die

Sandarakzypresse ist ein in Algerien forstlich gepflegter, meist 6 m

hoher, sparrigästiger Baum oder Strauch, der teils freiwillig, teils

aber durch Einschnitte in Stamm und Äste -- durch letztere gewöhnlich

geübte Manipulation wird eine viel größere Ausbeute erhalten -- den in

der Außenrinde enthaltenen Harzsaft herausfließen läßt. Getrocknet

bildet es spröde, blaßgelbliche bis fast bräunliche, durchsichtige

Körner, die beim Kauen nicht erweichen; es schmeckt balsamisch-harzig,

etwas bitter, riecht beim Erwärmen balsamisch und etwas terpentinartig.

Es wird mit Mastix, Kolophonium, Fichten- und Dammarharz verfälscht.

Außer diesem hauptsächlich aus Marokko zu uns gelangenden echten

Sandarak wird neuerdings in großer Menge ein ihm sehr ähnliches, nur in

Weingeist reichlicher lösliches Harz von verschiedenen Callitrisarten

als australischer oder tasmanischer Sandarak aus den Küstengebieten

Australiens und Tasmaniens zu uns gebracht.

Bei dieser Gelegenheit wird es am Platze sein, einige Worte über

den +Firnis+ zu sagen, dessen Bezeichnung, wie gesagt, aus der

mittelalterlichen Benennung des Sandaraks seinen Ursprung nahm. Man

versteht darunter an der Luft schnell trocknende und eine glänzende,

meist durchsichtige Decke auf den damit überzogenen Gegenständen

bildende Flüssigkeit. Dabei unterscheidet man aus trocknenden Ölen

bereitete +fette Firnisse+, dann durch Lösung von Harzen in diesen

Ölen hergestellte +Lackölfirnisse+ oder +fette Lacke+ und endlich

durch Lösung von Harzen in Terpentinöl oder Alkohol hergestellte

+Terpentinöl-+ und +alkoholische Firnisse+. Auch Äther, Kampferöl,

Holzgeist und Aceton werden als Lösungsmittel angewendet. Unter ihnen

sind die fetten Firnisse weitaus am dauerhaftesten, widerstehen der

Wärme und Feuchtigkeit am besten, trocknen aber am langsamsten. Sie

bestehen aus trocknenden Ölen, besonders Lein- und Mohnöl, deren

Fähigkeit an der Luft unter Aufnahme von Sauerstoff zu trocknen durch

Behandlung mit sauerstoffabgebenden Stoffen wie Bleiglätte, Braunstein

oder Bleizucker erhöht werden kann. So wird beispielsweise Leinölfirnis

in der Weise hergestellt, daß man helles, kalt gepreßtes Leinöl unter

Umrühren etwa 2 Stunden kocht, dann nach Hinzufügen von 3 Prozent

Bleiglätte abermals 3 Stunden kocht. Hierauf läßt man die Flüssigkeit

mehrere Monate lagern, bleicht sie auch in einem mit einer Glasplatte

bedeckten Bleikasten in 10 cm hoher Schicht durch Sonnenlicht.

Der weitaus feinste Firnis aber ist der +Kopallack+, wie auch der

+Bernsteinlack+.

Unter dem Sammelnamen +Kopal+ versteht man sehr verschiedene, schwer

schmelzbare, bernsteinähnliche Baumharze, die nach den verschiedenen

Verschiffungsplätzen unterschieden werden und teils rezent, zum

größten Teil aber fossil sind, d. h. von vorweltlichen Harzbäumen

getropft sind und in kleineren oder größeren Klumpen aus der Erde

gegraben werden. Besonders Afrika ist reich an Kopalen, von denen man

hauptsächlich den ostafrikanischen oder Sansibar- und Mosambikkopal und

den westafrikanischen oder Kamerunkopal unterscheidet.

Kulturgeschichte der Nutzpflanzen, Band IV, 2. Hälfte · 第 20 / 81 段