Größere Bedeutung als er hatte bis jetzt sein südostasiatischer

Verwandter, die auch bei uns als Zierpflanze gehaltene und unter dem

Namen Gummibaum allgemein bekannte ~Ficus elastica~, die in ihrer

Heimat als die dort beste Kautschukpflanze kultiviert wird. Sie ist

ein riesiger, bis 60 m hoher Baum, der in der Jugend meist als

Überpflanze auf anderen Bäumen wächst, wohin seine Samen durch die

Vögel und Affen verbracht werden. Später wird er ein Baumwürger und

schließlich erst ein selbständiger Baum mit stark zerklüftetem Stamm,

der von zahlreichen stammartigen Luftwurzeln gestützt wird. Diese

Luftwurzeln erreichen oft die Länge von 25 m bei 1,5 m Umfang.

Die Zweigenden sind mit tütenförmig eingerollten, schön roten oder

weißen Nebenblättern bedeckt, die nach dem Abfallen eine Ringnarbe

hinterlassen. Die Blätter sind an den Bäumen bedeutend kleiner als

bei den als Zimmerpflanzen gehaltenen Exemplaren. Männliche,

weibliche und Gallenblüten bedecken die Innenseite der Feigen, die

gereift gelbgrün und ziemlich fleischig werden. Der Baum wächst vom

östlichen Himalaja, von Sikkim über Assam durch das ganze westliche

gebirgige Hinterindien, über Malakka und Sumatra bis Java und Borneo.

Er bevorzugt den unteren Bergwald, steigt aber im Himalaja bis 1600 m

hoch. Nirgends bildet er Wälder; er findet sich vielmehr zerstreut

im Urwald, und in den kautschukreicheren Wäldern wachsen auf 1 Hektar

nicht mehr als 1-2 Gummibäume. Seit einigen Jahrzehnten hat man in

Assam, auf Java, Sumatra und Borneo, in neuerer Zeit mit bestem Erfolg

auch auf Neuguinea, in Togo, Kamerun und Ostafrika Pflanzungen des

Baumes angelegt, da infolge des Raubbaues die Produktion des Kautschuks

aus wildwachsenden Bäumen stetig abnimmt und trotz den Bemühungen der

Forstverwaltungen ein Schutz der Bäume schwer durchführbar ist. Ein

ungünstiger Umstand für die Rentabilität solcher Pflanzungen ist die

beträchtliche Anzahl von Jahren, die vergehen müssen, ehe man den

Milchsaft in genügender Menge gewinnen kann. Die Anzapfung der Bäume

geschieht wie bei den anderen Arten, indem man mit starken Messern

oder Äxten Einschnitte in die Rinde macht, aus denen dann meist der

geronnene Milchsaft herausgekratzt wird. Ein großer Baum mit einer

Laubkrone von 45-50 m liefert bei einem einmaligen Anzapfen mehr als

2 kg Kautschuk, und diese Menge vermag er 40 und mehr Jahre hindurch

jährlich zu geben. Das Produkt ist infolge von Verunreinigung häufig

schwarz und klebrig und hat im Vergleich zum Parákautschuk einen

geringen Wert, ist aber doch für mancherlei Erzeugnisse zu gebrauchen.

Die Vermehrung des Baumes erfolgt fast stets durch etwa 1 m lange

Stecklinge, die, in die Erde gesteckt, sich sehr schnell bewurzeln

und rasch zu jungen Pflanzen heranwachsen, doch müssen sie ungefähr

15 m auseinander gepflanzt werden, weil sie später mächtige Kronen

entwickeln und ihre weitausladenden Äste mit Luftwurzeln stützen.

Weiter sind noch ~Willoughbya coriacea~ und andere Arten der Gattung

zu nennen, die als große, relativ dickstämmige Lianen des Urwaldes

Hinterindien und den malaiischen Archipel bewohnen und zur Gewinnung

von Kautschuk angezapft werden. Sie haben ebenfalls lanzettliche,

lederartige Blätter, dagegen achselständige Blüten mit flacher

Blumenkrone in Rispen, aus denen große, innen saftige, kugelige

Beeren mit harter Schale und schmackhaftem Fruchtfleisch hervorgehen.

Sie winden sich vermittelst langer, fadenförmiger Ranken an Bäumen

empor, sind aber niemals in Masse an einem Orte zu finden, was die

Ausbeutung erschwert. Der größte Teil des von Borneo ausgeführten

Kautschuks stammt von diesen Lianen. Auf Neuguinea gewinnen die

Eingeborenen aus ~Ficus rigo~, einem 15 m hohen Baum, einen guten

Kautschuk. Da aber der Baum sich nur auf einem beschränkten Gebiet

findet und von den Eingeborenen sehr unvernünftig behandelt wird, so

dürfte er bald ausgerottet sein, wenn man ihn nicht vorher in Kultur

nimmt. Nach seinen Eigenschaften verdient er ernste Beachtung für

Kaiser-Wilhelms-Land.

Endlich sind in neuester Zeit noch zwei Kautschukproduzenten in

Kultur genommen worden, die es verdienen kurz genannt zu werden. Der

eine ist die in Venezuela und Guiana heimische +Kautschukmistel+,

ein Schmarotzergewächs gleich unserer Mistel, die unter anderem

auch auf dem Kaffeebaum gedeiht und sich daher dazu eignet, solche

Kaffeeplantagen, die aus irgend einem Grunde nicht mehr recht

ertragsfähig sind, wieder ertragsfähig zu machen. Der Kautschuk wird

aus den alljährlich erzeugten Früchten gewonnen. Die andere ist eine

den +Guayulekautschuk+ liefernde Komposite Mexikos, die sich zum Anbau

in trockenen Gebieten eignet. Sie bildet niedrige Halbsträucher, die

abgeschnitten werden müssen, um einen Ertrag zu liefern. Doch ist ihr

Anbau bis jetzt, so lange man andere ergiebigere Kautschuklieferanten

besitzt, ein sehr beschränkter.

Im allgemeinen hat die Kautschukproduktion in neuester Zeit nicht in

dem Maße zugenommen, wie es beim immer steigenden Bedarfe für die

Industrie wünschenswert gewesen wäre; Asien nimmt darin im Durchschnitt

eher ab als zu, Afrika erhält sich knapp auf der erreichten Höhe und

selbst das Amazonengebiet scheint den Höhepunkt überschritten zu

haben. Nun darf man allerdings damit rechnen, daß noch manche wichtige

Kautschukpflanzen entdeckt werden, daß die zum Teil recht rohe Art der

Gewinnung verbessert wird, daß es gelingen dürfte, die Ergiebigkeit zu

steigern und auch aus bisher wenig beachteten Pflanzen guten Kautschuk

zu gewinnen. Am meisten ist aber von der Ausbildung der Kulturen in

großem Maßstab zu erwarten. Es müssen für die einzelnen Länder und

Standorte die geeignetsten Kautschukpflanzen ausfindig gemacht werden,

deren Milchsaft wenn immer möglich mit Zuhilfenahme von maschinellen

Einrichtungen zu verarbeiten wäre, was die Qualität des Rohproduktes

bedeutend verbessern würde.

Aus einem im April 1910 in der Times erschienenen Aufsatz: ~Rubber

developments in 1910~ entnehmen wir, daß die Vereinigten Staaten

den größten Teil des aus Südamerika auf den Markt gebrachten

Kautschuks konsumieren. Im Jahre 1909 belief sich die Produktion an

wildgewachsenem Kautschuk auf 64 Millionen kg; davon entfielen auf

Brasilien 38 Millionen kg. Man könnte annehmen, daß die fortwährende

und enorme Preissteigerung dieses Handelsartikels auch eine stetige

Produktion desselben herbeiführen müßte. Aber Brasilien dürfte am Ende

seiner Leistungsfähigkeit angelangt sein. Man wird kaum allzusehr fehl

gehen, wenn man die Erzeugung von Urwaldkautschuk in den nächsten

Jahren auf 66-72 Millionen kg berechnet; zählt man noch 27 Millionen

kg aus Plantagen hinzu, so gelangt man zu einer Gesamtproduktion

von annähernd 100 Millionen kg. Vorläufig ist sie allerdings noch

wohl imstande, die Nachfrage zu decken; da aber diese weit rascher

wächst als das Angebot, so werden sich beide binnen kurzem die Wage

halten. Deshalb beginnen die großen Kautschukproduzenten ihr Augenmerk

darauf zu richten, wie die Kontinuität der Erzeugung erhalten oder gar

eine Vermehrung herbeigeführt werden könne. Es ist dies eine für die

Weltwirtschaft sehr wichtige Frage, die aber nicht in Afrika, sondern

der Hauptsache nach in der Neuen Welt gelöst werden muß. Nicht nur ist

der afrikanische Kautschuk qualitativ durchaus minderwertig, sondern

er ist durch die jahrzehntelang geübte Raubwirtschaft immer seltener

geworden. Von den 70 Millionen kg Kautschuk des Jahres 1908 lieferte

Afrika nur 14 Millionen kg und dieser Ertrag hat seither nicht in

erwähnenswerter Weise zugenommen, wenn auch in jüngster Zeit englische

Gesellschaften auf deutschem Kolonialgebiet größere Landerwerbungen zum

ausgesprochenen Zweck der Kautschukgewinnung machten. Es ist geradezu

ein Trost, zu vernehmen, daß vor allem das Kongobecken, in welchem

die unglückliche Bevölkerung unter dem Zwang des vom hartherzigen

Leopold II. eingeführten Systems der Gummierzeugung beinahe zugrunde

gerichtet wurde, schon jetzt fast nicht mehr mitkonkurrieren kann.

Denn wenn die Kautschukgewinnung am Kongo auf die Dauer nicht mehr

rentiert und preisgegeben werden muß, so könnte noch derjenige

Teil der schwarzen Bevölkerung, der den Anforderungen der großen

Kautschukproduktionsgesellschaften noch nicht erlag, gerettet werden.

Auch in Brasilien fordert das ungesunde Klima der Urwälder

am Amazonenstrom, in denen der wichtigste und ertragreichste

Kautschuklieferant, die ~Hevea brasiliensis~, die heute noch 60 Prozent

der Gesamtproduktion liefert, wächst, zahlreiche Opfer, so daß dadurch

der Wert der wildwachsenden Bestände von Kautschukbäumen beeinträchtigt

wird. Deshalb beruht die Zukunft der Kautschukindustrie durchaus auf

den Anpflanzungen dieses Baumes, der schon im 5. Jahre angezapft

werden kann, während die ~Castilloa elastica~ dies erst im 7. bis 9.

Jahre zu tun gestattet und zudem einen geringeren Ertrag liefert.

Diese haben besonders in Malakka, auf Java, Sumatra und Ceylon bereits

eine große Ausdehnung erlangt und sind recht einträglich, da der

Plantagenkautschuk zurzeit besser als der wilde brasilianische bezahlt

wird. Wenn er auch reiner und sauberer als dieser ist, kann sich

gleichwohl dieses von nicht ausgewachsenen Bäumen stammende Produkt an

innerem Wert nicht mit dem von den wilden, oft bis zu 30 Jahre alten

brasilianischen Gummibäumen gewonnenen Erzeugnis messen. Auch weist die

in den asiatischen Plantagen gezüchtete Hevea bereits eine gefährliche

Krankheit auf, deren Ursache man noch nicht recht auf die Spur gekommen

ist. Man ist geneigt anzunehmen, daß das südamerikanische Gewächs dem

vulkanischen Boden von Java und Sumatra sich nicht anzupassen vermag.

Mit großen Opfern suchen die Pflanzer nach einem Heilmittel dafür; denn

ihre ganze Existenz hängt davon ab. Zudem hat die indische Regierung

vom Juni 1910 an alle Arbeitsverträge der zahllosen aus Indien

stammenden Kulis, die als Plantagenarbeiter auf Kautschukpflanzungen

des malaiischen Archipels verdingt sind, aufgehoben, so daß bei

der Schwierigkeit, aus der einheimischen malaiischen Bevölkerung

die nötigen Arbeitskräfte zu erhalten, neue Heveaplantagen kaum

angelegt werden können. Auch in Brasilien und Peru, wo neuerdings

eine englisch-französische Finanzgruppe an den Ostabhängen der Anden

in Gebieten, die für die Züchtung des Guttaperchabaumes geradezu

ideale Vorbedingungen aufweisen, große Heveakulturen angelegt haben,

bildet die Beschaffung der nötigen Arbeitskräfte einen Gegenstand

der Besorgnis, da auf die trägen und sorglosen Eingeborenen nicht

zu rechnen ist. Nun hat die japanische Regierung die Überführung

japanischer Arbeiter, die sich durch Fleiß und Genügsamkeit

auszeichnen, nach diesen südamerikanischen Kautschukplantagen in großen

Massen gestattet, so daß dadurch die für alle Plantagen so wichtige

Arbeiterfrage aufs beste gelöst zu sein scheint. Wenn sich dann nur

keine Rassenfrage mit der Zeit daraus entwickelt. Schon in wenigen

Jahren können aus diesen Heveakulturen allfällige Ausfälle in der Ernte

des brasilianischen wilden Kautschuks gedeckt werden. Jedenfalls beruht

die Entwicklung und Zukunft der modernen Kautschukindustrie in erster

Linie in der sehr zukunftsreichen südamerikanischen Kautschukproduktion

aus der ~Hevea brasiliensis~.

Dem Kautschuk sehr nahe verwandt ist die +Guttapercha+ -- aus dem

Malaiischen ~getah-pertcha~, d. h. Milchsaft von Sumatra, entstanden

-- die im malaiischen Archipel aus dem Milchsaft einiger zur Familie

der Sapotazeen gehörender Bäume gewonnen wird. Merkwürdigerweise

war der Gebrauch dieses Pflanzenproduktes zu allen technischen

Zwecken bei den Eingeborenen Malakkas und Indonesiens lange nicht so

verbreitet, wie derjenige des Kautschuks unter den brasilianischen

Indianerstämmen. Die Bekanntschaft der Kulturwelt mit demselben ist

noch ziemlich jungen Datums. Zwar waren schon im Jahre 1830 Muster

dieses Harzes aus Singapur an die Asiatische Gesellschaft nach London

gesandt worden, sie fanden jedoch nicht die geringste Beachtung.

Diese wurde erst erregt, als im Jahre 1843 der Engländer Montgomery

dem Londoner Gewerbeverein Mitteilungen über diesen Stoff machte,

den er als Stiel einer von Eingeborenen benutzten Axt, der sich im

warmen Wasser erweichen und biegen ließ, kennen lernte. Kurze Zeit

darauf legte der Spanier Joze d’Almeida der Asiatischen Gesellschaft

in London eine Probe der Guttapercha vor; daraufhin gelangten 100 kg

dieses Materials versuchsweise aus Singapur nach London. Die

ausgezeichneten Eigenschaften desselben riefen aber sehr schnell

eine bedeutende Nachfrage nach ihm hervor, so daß schon 1845 11000 kg

nach England gebracht wurden. Die so schnell hervorgerufene Nachfrage

hatte zur Folge, daß die Gewinnung der Guttapercha, die zunächst

nur in den Sümpfen von Dschohor auf der Insel Singapur aus dem

+Guttaperchabaum+ (~Palaquium gutta~) von Malaien und Chinesen

gesammelt wurde, bald gewaltige Dimensionen annahm. Aber durch die

dabei geübte rücksichtslose Raubwirtschaft, der ganze Wälder des

so wertvollen Baumes durch Umhauen zum Opfer fielen, wurde dieser

Guttaperchalieferant auch in der weiteren Umgebung von Singapur ganz

ausgerottet. Da sah sich die englische Guttaperchahandelsgesellschaft

gezwungen, einen rationellen Betrieb einzuführen und nur noch das

Anzapfen der Bäume wie beim Kautschuk zu dulden. An Stelle des

inzwischen gänzlich ausgerotteten ~Palaquium gutta~, eines bis 20 m

hohen dickstämmigen Baumes mit glänzenden, lederartigen Blättern,

gelben Blüten und Beerenfrüchten, von dem in den ersten vier Jahren

der Guttaperchagewinnung über 300000 Exemplare gefällt wurden,

traten andere Arten von Palaquium, sowie ~Payena leeri~, welch

letztere aber einen leicht faserig werdenden Stoff, der auch weniger

elastisch ist, liefert. Ihr Milchsaft ist auch weißer als derjenige

der Palaquium-Arten. Um Getah zu sammeln, ziehen die Eingeborenen

Sumatras in Gruppen von 3-4 Personen in den Wald, meist in Begleitung

eines Mannes, der es versteht, die Geister der zu fällenden Bäume zu

beschwören. Haben sie solche gefunden, so werden sie gefällt, die

Stämme horizontal gelegt und vermittels eines breiten Messers in

Entfernungen von 30-50 cm auf der oberen Hälfte mit 2 cm breiten,

um ein Drittel des Umfangs herumlaufenden Einschnitten versehen.

Der hierbei herausfließende Saft wird nicht eingesammelt, da er für

minderwertig gilt. Die breiten Einschnitte füllen sich aber bald mit

einem dickeren Milchsaft, der alsbald mit einem hakenförmigen Werkzeug

so gründlich als möglich aus den Rinnen herausgekratzt wird, wo er

mit Rindenteilen und Holzsplittern vermischt zu Klumpen gerinnt. Nach

Hause zurückgekehrt werfen die Getahsammler die Klumpen in Töpfe mit

70° C. heißem Wasser und kneten die schnell erweichende Masse so

lange mit den Händen durch, bis alle Rinden- und Holzstücke entfernt

sind, was aber selten vollständig gelingt. Dann formt man die Masse

zu kugeligen oder rechteckigen Stücken und bringt sie zur Ausfuhr.

Nach Burck liefert ein Baum von 40 cm Stammumfang durchschnittlich

160 g Getah. In Borneo werden nach demselben Gewährsmanne jährlich

gegen 26 Millionen Bäume gefällt, um den stets wachsenden Bedarf an

Guttapercha zu decken. Es wäre dies aber nicht nötig, wenn man den

Milchsaft in ähnlicher Weise gewänne wie den Kautschuk. Deshalb ist es

erklärlich, daß die holländische Regierung ihre Aufmerksamkeit diesem

Vernichtungswerke zugewandt hat, und da es sich undurchführbar erwies,

das Einsammlungsverfahren der Eingeborenen zu verbessern, so begann sie

damit, an verschiedenen Orten Kulturen von Guttaperchabäumen anzulegen,

die recht gut gedeihen und für später Erfolg versprechen. Die durch

Einschnitte erhaltene rohe Guttapercha, von den Malaien ~getah-muntah~

genannt, wird, bevor sie nach Europa geschickt wird, mit Wasser und

etwas Zitronensaft oder Kokosnußöl gekocht, von Verunreinigungen

befreit und in Formen von 10-20 kg gegossen.

Die Guttapercha des Handels ist in den besten Sorten fast weiß, sonst

rötlich, oft ziemlich dunkel und marmoriert, auf dem Schnitt heller;

sie fühlt sich fettig an und ist im Gegensatz zum Kautschuk bei

gewöhnlicher Temperatur nur biegsam und wenig dehnbar, aber nicht

elastisch. Sie wird aber bei 45° C. teigig, bei 65° weich und

knetbar, läßt sich dann zu dünnen Blättern auswalzen und in Formen

pressen, deren feinste Details sie nachher bewahrt. Bei 100° wird

sie klebrig und bei 150° schmilzt sie bei teilweiser Zersetzung.

Sie widersteht den meisten Lösungsmitteln und besteht aus 78-82

Prozent Gutta (C_{10}H_{16})_{n} und drei Oxydationsprodukten dieses

Kohlenwasserstoffes: Fluovil, Alban und dem sehr unbeständigen Guttan.

Außerdem enthält sie Gerbstoffe, Salze und zuckerähnliche Stoffe. An

der Luft und am Licht wird sie durch Sauerstoffaufnahme so verändert,

daß sie, die vorher ein Nichtleiter der Elektrizität war, ein guter

Leiter derselben wird. Man bewahrt sie deshalb am besten in Gruben

auf, die mit Wasser gefüllt und vom Licht abgeschlossen sind. Auch

im Erdboden hält sie sich sehr gut. So waren unterirdisch gelegte

Telegraphenkabel nach mehr als 25 Jahren noch völlig unverändert,

ebenso Seekabel, die in den Jahren 1850-69 gelegt worden waren. Gegen

Schwefel verhält sich Guttapercha ähnlich wie Kautschuk, nur läßt sie

sich schwieriger vulkanisieren. Ein Gemenge von 1 Teil Guttapercha

und 2 Teilen Kautschuk steht in bezug auf seine Eigenschaften in

der Mitte zwischen beiden Substanzen. Guttapercha wird technisch

zu den verschiedensten Gegenständen verwendet, bei denen es auf

Undurchdringlichkeit gegen Wasser, Widerstand gegen Alkohol, Laugen und

Säuren ankommt und keine höhere Temperatur mitwirkt. Am meisten findet

sie in der Elektrizität zur Isolierung der Leitungsdrähte in Kabeln

usw. Verwendung. Bei oberirdischen elektrischen Leitungen werden die

Drähte einfach mit dem dünn ausgewalzten Guttaperchapapier umwickelt,

diese durch die Spiritusflamme zum Schmelzen gebracht und die Isolation

ist fertig. Unersetzlich ist die Guttapercha -- und darin liegt ihr

Hauptwert -- bei der Herstellung unterseeischer Kabel, während nämlich

alle anderen Isolatoren vom Seewasser angegriffen und endlich zerstört

werden, ist sie der einzige Stoff, der sich nicht nur hält, sondern mit

der Zeit eher härter und undurchdringlicher wird. Bis jetzt sind sowohl

für den Kautschuk, als für die Guttapercha nur schlechte Surrogate

bekannt, so daß es für die Industrie sehr wichtig ist, daß diese

beiden Stoffe weiterhin in guter Qualität beschafft werden können.

Hauptstapelplatz aller Sorten von Rohguttapercha ist Singapur. Zwei

Drittel von dessen Ausfuhr, die von 1885-96 32 Millionen kg im Werte

von 100 Millionen Mark betrug, gehen nach London und Liverpool; den

Rest nehmen die Märkte von Hamburg, Rotterdam und Marseille auf.

In dieselbe Familie der Sapotazeen wie der Guttaperchabaum gehört auch

der amerikanische +Zapotill-+ oder +Balatabaum+ (~Achras ballota~),

ein Baum Guianas und sämtlicher Antillen, dessen beim Ausschneiden

herausfließender Milchsaft zu einer der Guttapercha ähnlichen,

lederartig zähen, schneidbaren und sehr elastischen Masse wird, die

gegenwärtig unter dem einheimischen Namen Balata jährlich in Mengen

von gegen 100000 kg namentlich von Berbice, dem östlichen Distrikt

von Britisch-Guiana, aus in den europäischen Handel gelangt, um als

Surrogat der Guttapercha namentlich zu Treibriemen, Schuhsohlen und

-Absätzen, sowie zu chirurgischen Zwecken gebraucht zu werden. Der

Stamm dient in seinem Vaterlande als Bauholz und kommt auch als

Nutzholz unter der Bezeichnung ~bully tree wood~ oder ~Balata rouge~ in

den Handel.

Sehr nahe verwandt mit ihm sind der +Zapota-+ oder +Breiapfelbaum+

(~Achras sapota~) und die +Mammei-Sapote+ (~Lucuma mammosa~), die in

Westindien und im nördlichen Südamerika heimisch sind. Der Milchsaft

beider findet technische Verwendung und beide liefern zugleich eßbare

Früchte. Die Mammei-Sapote liefert eine Art Guttapercha, die aber

bisher wenig Verwendung fand. Größere Bedeutung kommt dem Zapota- oder

Breiapfelbaum zu, dessen guttaperchaähnliches Produkt zur Fabrikation

des bei den Bürgern der Vereinigten Staaten so überaus beliebten

+Kaugummis+ verwendet wird. Es ist dies der +Chiclegummi+, der durch

Anzapfen des Zapotabaumes gewonnen wird. Die aus den Einschnitten der

Rinde dieses Baumes hervortretende milchweiße Flüssigkeit wird über

Feuer eingedickt und soll schließlich eine hellgraue Farbe annehmen.

Für den Export gibt man dem Chiclegummi eine brotlaibähnliche Gestalt.

Ein Gummisammler oder „Chiclero“ kann täglich bis zu 7,5 kg Chicle

gewinnen und erhält für das Kilogramm 20-30 Cents (= 85-135 Pfennige).

Um einen Teil des Eingangszolls nach den Vereinigten Staaten zu sparen,

der zurzeit 20 Cents pro Kilogramm beträgt, läßt man den Chicle zuerst

in Kanada reinigen und trocknen, wodurch er etwa die Hälfte seines

ursprünglichen Gewichtes verliert. Bei der Weiterverarbeitung wird der

Gummi noch mit allerlei Zutaten wie Zucker, Vanille und Pfefferminze

versehen. Irgend welche medizinisch wirksame Stoffe sind in dem reinen

Chiclegummi nicht vorhanden, gleichwohl wirkt er schon auf mechanischem

Wege konservierend auf die Zähne. Die Menge des nach den Vereinigten

Staaten eingeführten Chicle belief sich im Jahre 1908/09 auf 2725019 kg

im Werte von 1987112 Dollar, während die Einfuhr im Jahre 1885 erst

464979 kg betrug. Der Preis des Gummis, der vor dem Jahre 1888 nur

14-16 Cents pro Kilogramm betrug, ist heute auf 96 Cents gestiegen.

Die Jahresproduktion der amerikanischen Fabriken wird auf 3 Milliarden

Stück Kaugummi angegeben. Sicherlich ist nicht sowohl das Kauen, als

vielmehr das damit verbundene Spucken, in welcher Fertigkeit die

Yankees geradezu eine verblüffende Virtuosität erlangt haben, eine für

Fremde wenig angenehme Gewohnheit dieses Volkes.

Der den Chiclegummi liefernde Zapotabaum, der teils wild wächst,

teils angepflanzt wird, liefert daneben, wie gesagt, auch eine

sehr geschätzte Frucht, den Breiapfel. Ferner wird sein Holz,

das sehr schwer und hart und dem Mahagoni ähnlich ist, gerne zur

Möbelfabrikation verwendet. In den alten mexikanischen Ruinen

findet man ausgezeichnet erhaltene Türrahmen und Balken, wie auch

Wandschnitzereien aus Zapotaholz als Beweis dafür, wie außerordentlich

dauerhaft dieses ist.

XXIV.

Die Harze und Lacke.

Wie Milchsaft, Gummi und ätherische Öle, so sind Balsame, Gummiharze

und Harze sehr häufig in Pflanzen enthalten und können auf verschiedene

Weise daraus gewonnen werden. Die Milchsäfte und die daraus

hervorgehenden Federharze wie Kautschuk und Guttapercha wurden im

vorigen Abschnitte besprochen, während die Balsame und Gummiharze

in den folgenden Abschnitten behandelt werden sollen. Sie sind mit

größeren oder kleineren Mengen von ätherischen Ölen vermengte Schleime

und Harze, die nach dem Ausfließen durch Verdunsten der ersteren mehr

oder weniger rasch erhärten. Die ätherischen Öle, die ihnen meist

einen starken Geruch verleihen, können durch Destillation mit Wasser

aus ihnen ausgezogen werden, wobei Schleim und Harz zurückbleiben. Es

sind Schutzstoffe der Pflanze zum Verschließen von Wunden und dadurch

zur Abhaltung des Eindringens von irgend welchen Krankheitserregern

bestimmt. Meist werden sie durch künstlich beigebrachte Verletzungen

gewonnen. Zu den Balsamen gehören Mekka-, Peru-, Tolu-, Kopaiva-,

Styrax- und Kanadabalsam, zu den Gummiharzen Styrax, Benzoë,

Ammoniakum, ~Asa foetida~ oder Stinkasant, Euphorbium, Galbanum,

Gummigutti, Sagapenum, Myrrhe und Weihrauch, die alle meist medizinisch

Verwendung finden.

Kulturgeschichte der Nutzpflanzen, Band IV, 2. Hälfte · 第 19 / 81 段