Ähnliche Verwendung findet der +Sumach+ oder +Schmack+, der aus den

getrockneten Blättern verschiedener Rhus-Arten und von ~Coriaria

myrtifolia~ gewonnen wird. Die beste Sorte liefert der Gerbersumach

(~Rhus coriaria~), dessen Blätter schon die Alten als Gerbmaterial

benutzten, wie sie auch seine Beeren als Gewürz wie Myrtenbeeren

oder Pfeffer gebrauchten, um die Speisen schmackhafter zu machen.

Zuerst nennt ihn der athenische Gesetzgeber Solon zu Anfang des 6.

vorchristlichen Jahrhunderts. Seit der Zeit der arabischen Herrschaft

wird der trockene, steinige Standorte bevorzugende Strauch in

Unteritalien und Sizilien in großem Maßstabe kultiviert. Aus dem

arabischen ~sommâq~ ging der italienische Name ~sommaco~ hervor,

woraus die deutsche Bezeichnung Sumach oder Schmack hervorging.

Der Gerbersumach ist ausgewachsen ein 5-6 m hoher Strauch, dem

man jährlich die beblätterten Schößlinge abschneidet, so daß er

nur etwa 1,5 m hoch wird. Zur Sumachgewinnung läßt man dann die

abgeschnittenen Zweige der kultivierten Pflanze an der Sonne trocknen,

streift die dürren Blätter ab und mahlt sie. Dadurch erhält man ein

grünliches Pulver von zusammenziehendem Geschmack und eigentümlichem

Geruch, von dem Sizilien allein für mehr als 16 Millionen Mark

jährlich ausführt. Es wird zum Schwarz- und Dunkelrotfärben und zum

Gerben feiner, leichter Ledersorten verwendet, während die Früchte des

Gerbersumachs, der bei uns auch als Zierstrauch kultiviert wird, im

Orient noch heute als Gewürz an Speisen und zum Sauermachen von Essig

dienen.

Bis zu 10 Prozent Gerbstoff -- in der Wissenschaft als Gerbsäure oder

Tannin bezeichnet -- enthält die von verschiedenen Eichen (besonders

~Quercus pedunculata~ und ~Q. sessiliflora~) abgeschälte Rinde, die

an sich geruchlos ist, aber zerkleinert, mit Wasser und tierischer

Haut in Berührung gebracht, den bekannten Lohgeruch entwickelt.

Die beste +Eichenrinde+ wird von jungen, höchstens 25 Jahre alten

Bäumen gewonnen, die in einer besonderen Art von Niederwaldbetrieb

gezogen werden. Dazu gehört ein mildes Klima innerhalb der Grenze des

Rebbaus. In den Eichenschälwäldern Deutschlands werden nur Stiel- und

Traubeneichen genutzt, und zwar gibt man letzteren den Vorzug. Auf 4500

Hektar gewinnt man nur 2,5-3 Millionen kg. Deutschland verbraucht

davon jährlich etwa 500 Millionen kg, von denen 80-100 Millionen

kg im Werte von 11 Millionen Mark aus dem Auslande, besonders aus

Österreich und Frankreich, bezogen werden. Zur Herstellung guten

Sohlleders gibt es kein besseres Material als dieses.

In Amerika dient die Rinde der bis 30 m hohen +Kastanieneiche+

(~Quercus prinus~), die in den mittleren und südlichen Vereinigten

Staaten wächst, zu demselben Zwecke. Man gewinnt sie von alten,

wildgewachsenen Stämmen. Sie ist meist 2-3 cm dick und enthält

bis 16 Prozent Gerbsäure. Man bereitet daraus einen Extrakt, der

bis über 30 Prozent derselben enthält. In derselben Weise verwendet

man die durchschnittlich nur 10 Prozent Gerbstoff enthaltende, aber

als billiges Material gleichwohl angewandte, rotbraune Rinde der

kanadischen +Hemlocktanne+ (~Tsuga canadensis~), eines 25-30 m hohen

Baumes des kälteren Nordamerika, der dem Grenzgebiet der Laub- und

Tannenwaldregion angehört und selbst in nassen, kalten Sümpfen gedeiht.

Man beutet in den Vereinigten Staaten etwa 4 Millionen Hektar von

ihm bestandenen Waldes zur Gewinnung der Rinde aus. Die Hemlocktanne

kam im Jahre 1736 durch Collinson nach Europa und wird in unseren

Gartenanlagen als eine der schönsten Koniferen in mehreren Varietäten

angepflanzt.

Als teilweiser Ersatz der verschiedenen Arten von Eichenrinde wird

neuerdings in immer steigenden Mengen die sehr gerbstoffreiche +Rinde+

der +Mangrovenbäume+ aus den tropischen Küstengebieten in den Handel

gebracht, von der Deutsch-Ostafrika beispielsweise jährlich für 40000

Mark ausführt. Diese Mangroven- oder Manglebäume (~Rhizophora mangle~,

~Rh. mucronata~ u. a.) umgürten in dichten Beständen die meisten

flachen Küsten und Flußmündungen der Tropen. Es sind bis 15 m hohe

Bäume, deren Stämme und Äste zahlreiche, vielfach bogenförmig gekrümmte

Luftwurzeln entwickeln, mit denen sie sich gleichsam im lockeren

Uferschlamm verankern, was sehr nötig ist, wenn man bedenkt, daß bei

der steigenden Flut sich die Wellen oft stürmisch an die von ihnen

eingenommenen Standorte herandrängen und ihren Schaum hoch über die im

Winde gebogenen Wipfel aufspritzen lassen. Ihr Holz ist außerordentlich

zähe und hart und findet deshalb als Nutzholz in verschiedenster Weise

Verwendung. Die immergrünen, dicken, lederartigen Blätter sind durch

starke Verdickung der Oberhaut in wirksamer Weise gegen übermäßigen

Wasserverlust geschützt. Das scheint auf den ersten Blick unnötig,

da die Pflanzen doch im Wasser stehen; bedenken wir aber, daß dieses

Wasser salzhaltig ist und daß Kochsalz für alle Gewächse, wenn es in

unbeschränkter Menge in den Körper derselben eingeführt wird, ein sehr

stark wirkendes Gift ist, so begreifen wir diese Schutzeinrichtung

vollkommen.

Eine andere, durch ihren Standort im Wasser bedingte Eigentümlichkeit

der Mangroven sind die Pneumatophoren oder Atmungswurzeln, die von

einem mächtigen Aërenchymmantel umhüllt sind und durch Lentillen

genannte Spalten reichlich Kohlensäure ausscheiden und Sauerstoff

einatmen, um so den Gasstoffwechsel der unter Wasser befindlichen

Organe zu ermöglichen. Aus den paarweise gestellten weißen Blüten gehen

längliche, einsamige, nicht aufspringende Früchte mit lederartiger

Schale hervor, die auch wiederum die höchst zweckmäßige Einrichtung

aufweisen, bereits am Baume zu keimen. Der Keimblattstamm verlängert

sich dabei monatlich um etwa 4 cm und wächst durch die Frucht heraus,

so daß der Keimling nach neun Monaten gegen 0,5 m, unter Umständen

sogar 1 m Länge erreicht. Er ist unten am dicksten und etwa 80 g

schwer. Diese langen, schweren, aus den Früchten heraushängenden

Keimblattstöcke pendeln nun bei Luftströmung hin und her, endlich

reißen die Gefäßbündel, durch welche noch immer die Verbindung mit dem

röhrenförmigen Teile des Keimblatts erhalten war, der Keimling fällt

in die Tiefe und bohrt sich durch die Wucht des Sturzes mit seinem

unteren, zur Ausbildung der Wurzel bestimmten Ende tief in den Schlamm

ein. Sogar eine 0,5 m hohe Wasserschicht wird von ihm mit solcher

Gewalt durchfahren, daß er in dem darunter befindlichen Schlamme

aufrecht stehend stecken bleibt. Hier entwickeln sich im Laufe weniger

Stunden Wurzeln, die den Keimling endgültig im Boden befestigen. Durch

diese ingeniöse Einrichtung ist dafür gesorgt, daß die Nachkommenschaft

im Schlammgebiet selbst Wurzel faßt, wo sie die günstigsten

Existenzbedingungen findet, und nicht in der Frucht von den Wogen ans

Ufer geschwemmt wird an Orte, die für die Weiterentwicklung höchst

ungünstig sein könnten. Geschieht es nämlich, daß bei hoher Flut der

Keimling die hohe Wasserschicht nicht mit genügender Kraft durchfährt,

um sich in den Schlamm einzubohren, so führen ihn die Wogen weiter, um

ihn ans Land zu werfen, wo es ihm gleichwohl oft noch gelingt Fuß zu

fassen.

Abgesehen von ihrer als Gerbmaterial für Leder höchst wertvollen

gerbstoffreichen Rinde sind die Mangrovendickichte, welche nur dadurch

einigermaßen zugänglich sind, daß die netzförmig ausgebreiteten

Stelzwurzeln der Bäume über den Wasserspiegel hervorragen und auf

diese Weise einen Stützpunkt zum Überklettern bieten, von hoher

Wichtigkeit als landerobernde Vegetationsformen, die immer weiter ins

Meer hinaus vorschreiten und nach und nach bedeutende Gebiete an den

Küsten in Land verwandeln. Die bogenförmig ausgespreizten Stelzwurzeln

sammeln nämlich wie Reusen alles hineingeratene Pflanzenmaterial und

sämtlichen Auswurf des Meeres an, halten es fest und verdichten den

Untergrund des Sumpfwaldes schließlich so weit, daß er fest und gangbar

wird. Diese für die seichten Küsten der Tropen so charakteristischen

Mangrovenwälder sind durchaus an das Salzwasser des Meeres gebunden

und steigen an den Mündungen der Flüsse nur so weit herauf, als das

Wasser noch brackig ist. Im Bereiche des reinen Süßwassers verschwinden

sie vollkommen. Leider sind diese Mangrovenbezirke durch das viele

stehende Wasser gefürchtete Brutplätze der Moskitos, von denen die

Anophelesarten die Überträgerinnen der Malaria sind.

Von weiteren gerbstoffhaltigen Drogen, die technisch außer der Gerberei

besonders für die Färberei in Betracht kommen, sind die +Galläpfel+ zu

nennen, die bekanntlich durch den Stich bestimmter Gallwespenweibchen

auf den Blättern und Knospen verschiedener Eichenarten entstehen,

indem durch den Reiz der aus dem Ei hervorgegangenen Insektenlarve

Wucherungen der betroffenen Stellen des Blattgewebes in Form von

blasigen Austreibungen bewirkt werden. Unsere einheimischen Eichen

(~Quercus pedunculata~ und ~Q. sessiliflora~) werden von einer

Anzahl Gallwespen befallen, deren jede eine Galle von bestimmter

Form hervorbringt. So erzeugt ~Cynips scutellaris~ die kirschgroßen,

weichen, auswendig grün bis rot gefärbten kugeligen Gallen, die man

so häufig an der Unterseite der Eichenblätter findet. Reicher an

Gerbstoff als unsere einheimischen sind die großen ungarischen, die von

~Cynips hungarica~ an der Unterseite der Blätter von der Stieleiche

(~Quercus pedunculata~), und die kleinen ungarischen Galläpfel, die von

~Cynips kollari~ gleichfalls an den Blättern der Stieleiche erzeugt

werden. Während diese 25-30 Prozent Gerbstoff enthalten, steigt der

Tanningehalt bei den kleinasiatischen, von ~Cynips gallae tinctoriae~

auf der Unterseite der Blätter von ~Quercus infectoria~ erzeugten

auf 60 Prozent und mehr. Von diesen in ganz Vorderasien gefundenen

Gallen sind die nördlich von Aleppo in Nordsyrien gesammelten die

gehaltreichsten an Gerbsäure. Aus dem westlichen Gebiet kommen sie über

Alexandrette nach Europa, aus dem östlichen dagegen gehen sie über

Mossul nach Bombay und gelangen als indische Gallen in den Handel, um

außer zum Färben zur Tintenbereitung und zur Gewinnung von Gerbsäure

und zur Herstellung von Galläpfeltinktur zu dienen.

Kleinasiatische und griechische Galläpfel wurden schon zur Zeit des

Hippokrates, des berühmtesten Arztes des Altertums (460-364 v. Chr.),

medizinisch und technisch verwertet. Auch Theophrast (390-286 v. Chr.)

erwähnt sie, und der ältere Plinius um die Mitte des 1. christlichen

Jahrhunderts berichtet, daß man mit Galläpfelsaft getränktes Leinen zur

Prüfung des Kupfervitriols auf seinen Gehalt an Eisenvitriol benutze.

Auch später blieben die Galläpfel besonders in medizinischem Gebrauch,

bis nach den Kreuzzügen solche aus Syrien und Kleinasien einen

regelmäßigen Ausfuhrartikel jener Länder bildeten. In guten Jahren

kommen allein von Aleppo 8-9000 Säcke im Werte von je 140-160 Mark in

den Handel.

Die Knopperneiche (~Quercus vallonea~), die in Kleinasien und im

kilikischen Taurus vorkommt, liefert in ihren Fruchtbechern die

20 bis 35 Prozent Gerbsäure enthaltenden +kleinasiatischen+ oder

+Smyrnavalonen+, während die +Knoppern+ durch den Stich einer

Gallwespe (~Cynips calycis~) in die jungen Früchte vorzugsweise der

Stieleiche (~Quercus pedunculata~), seltener der Traubeneiche (~Quercus

sessiliflora~) hervorgebrachte, auf der Oberfläche mit flügelartigen

Höckern besetzte Gallen mit 24-35 Prozent Gerbstoff sind, die in

der Färberei und, besonders in Österreich, auch noch zum Gerben des

Sohlleders dienen. Sie kommen als levantinische Knoppern in den Handel.

In der oft mit Mannazucker bedeckten besten Sorte von Smyrna beträgt

der Gerbstoffgehalt 30-35 Prozent. Trotz ihres herben Geschmackes

dienten die Früchte der Knopperneiche schon der armen Bevölkerung bei

den alten Griechen als Nahrungsmittel, und auch jetzt noch werden

sie in ihrer Heimat roh oder geröstet verspeist, während unsere

einheimischen Eicheln heute nur noch als geschätztes Schweinefutter

dienen. In Griechenland allein werden jährlich 5000-7400 Tonnen

geerntet, die als vorzügliches Gerbmaterial besonders für Sohlleder,

aber auch zum Schwarzfärben, z. B. von Seidenhüten, dienen.

Der Gerbprozeß, bei welchem die Gerbsäure Anwendung findet, ist

nebenbei bemerkt ein in seinen Einzelheiten noch nicht völlig

aufgeklärter Vorgang, der mit der Färberei einige Verwandtschaft

besitzt. Dabei verwandelt der Gerbstoff unter Aufnahme von

Sauerstoff aus der Luft die von der haartragenden Oberhaut und der

fettdurchwachsenen Unterhaut befreite Lederhaut, die der Gerber auch

wohl als Corium bezeichnet, zu einem vor jeglicher Fäulnis bewahrten

Gebilde, dem Leder. So wichtig der Sauerstoff auch für den Gerbprozeß

ist, so bewirkt er an sich noch keine Lederbildung des Coriums. Legt

man ein Stück der letzteren, die aus einem festen Gefüge vielfach

verschlungener Faserbündel besteht, in feuchtem Zustande in eine

Sauerstoffatmosphäre oder übergießt sie in einem Becherglase mit

reichlich Sauerstoff abgebenden Wasserstoffsuperoxyd, so wird noch kein

Leder daraus; dies geschieht erst bei Gegenwart einer Gerbstofflösung.

Die älteste Methode der Lederfabrikation haben wir in der Sämisch-

oder Ölgerberei vor uns. Die Jäger- und Nomadenstämme unserer Tage,

welche, wie die Jäger der Urzeit, das Fell des erlegten Wildes auf

der Fettseite mit dem Steine bearbeiten, um ihm seine Geschmeidigkeit

auch nach dem Eintrocknen zu erhalten, stellen damit eine primitive

Art sämisch gegerbtes Leder her. Etwas vollkommener ist das

Gerbverfahren, das beispielsweise die Frauen der nordamerikanischen

Indianer anwandten, um die Tierhaut in Leder zu verwandeln, d. h. in

solcher Weise zu verändern, daß sie weder in Fäulnis übergeht, noch

ausgetrocknet hart wird. Zu diesem Zwecke spannten sie die abgezogene

Haut eines von den Männern erbeuteten Büffels oder sonst eines

Wildes zwischen Holzpflöcke auf dem Boden aus und schabten mit einem

geschärften Stein das anhaftende Fett und Fleisch, wie auch die Haare

ab. Dann rieben sie die Haut mit dem Gehirn und Fett des Tieres ein und

bearbeiteten sie tüchtig längere Zeit mit dem Schaber oder einem andern

Stein, bis sie weich wurde wie sämisch gegerbtes Leder. Ähnlich wie sie

verfahren andere primitive Völker der Gegenwart, die zum Einreiben der

rohen Felle außer Gehirn auch Fett oder Öl verwenden. Noch heutzutage

werden die in Kleienbeizen angeschwellten „Blößen“, wie die in Leder

zu verwandelnde Mittelschicht der Haut von den Gerbern genannt wird,

mehrere Male mit Tran eingerieben; zwischendurch hängt man sie einige

Zeit an der Luft auf und läßt sie zuletzt in Wärmekammern angären.

Dabei nehmen die Fette Sauerstoff aus der Luft auf, es entstehen

sauerstoffreiche Fettsäuren, sogenannte Oxyfettsäuren, die sich mit dem

geschwellten Corium so fest verbinden, daß sie selbst durch Waschen mit

Soda und Seife nicht mehr entfernt werden können.

Ein anderes, in der Alten und Neuen Welt gebräuchliches, ganz

rationelles Verfahren, um das Fell vor Fäulnis zu bewahren, ist

die Anwendung des Rauches. Die moderne Technik macht auch hiervon

wenigstens insoweit Gebrauch, als ein großer Teil der aus Amerika

zu uns kommenden rohen Rindshäute der vorläufigen Erhaltung halber

etwas geräuchert wird -- andere salzt man ein --, und daß man

Felle und Bälge für Sammlungen mit Kreosot, also mit demjenigen

Bestandteile des Rauches präpariert, der die Tierfaser gegen Fäulnis

widerstandsfähig macht. Auch die Anwendung von Alaun, die Grundlage der

Weißgerberei, muß schon lange bekannt sein, da schon die Römer neben

dem lohgegerbten festen Leder, von ihnen ~corium~ genannt, ein weiches

und geschmeidiges, mit Alaun bearbeitetes Leder unter dem Namen ~aluta~

kannten.

Neuen Datums ist die Chromgerberei, die ein sehr widerstandsfähiges

Leder liefert, während die altgeübte Lohgerberei ein allerdings noch

besseres Produkt erzeugt. Sie wurde schon im frühesten Altertum

geübt und dazu in Europa vorzugsweise die bis 16 Prozent Gerbstoff

aufweisende Eichenrinde als die tanninreichste von allen Rinden

unserer Waldbäume verwendet. In Rußland, wo die Eichen fehlen, gerbt

man von alters her mit den Rinden der Birken, Weiden und Erlen, wie

in Nordamerika mit der Rinde der Hemlocktanne. Das auf diese Weise in

Nordamerika erzielte rote Sohlleder wurde zuerst im Jahre 1844 nach

England und bald über den ganzen europäischen Kontinent eingeführt,

doch erwies sich dieses Hemlockleder trotz seiner Billigkeit nicht als

dem einheimischen lohgegerbten Leder gleichwertig.

Schon die Ägypter des vierten vorchristlichen Jahrtausends übten die

Gerberei mit gerbstoffhaltigen Brühen, die sie aus den Rinden der

einheimischen Pflanzen herstellten. Auf den ältesten Wandbildern

der Gräber des alten Reiches zu Beginn des dritten vorchristlichen

Jahrtausends sehen wir dasselbe Gerbverfahren angewandt, das man

heute noch betreibt. Im frühen Altertum waren die persischen und

babylonischen Leder berühmt; man fertigte dort nicht bloß gröbere,

sondern auch sehr feine und schön gefärbte Ware an. Mit Safran gelb

gefärbte pantoffelartige Schuhe waren das Kennzeichen der Vornehmen.

Diese altasiatische Industrie arbeitete selbst für Europa, wohin die

schiffahrtkundigen Phönikier diese beliebte Handelsware brachten

und gegen einheimische Produkte umtauschten. Gegen den Anfang der

christlichen Zeitrechnung hatten die Juden fast ausschließlich den

Lederhandel Syriens in Händen und versorgten mit dieser Ware Rom und

die übrigen bedeutenderen Städte des römischen Reiches. Zur Zeit der

arabischen Herrschaft kam im westlichen Afrika und in Spanien eine

Luxusgerberei zur Blüte, für deren ausgezeichnete Produkte die Völker

Mitteleuropas lange Zeit gute Käufer waren, bis man hier, zuerst

in Frankreich, das Geheimnis der Fabrikation dieser besseren Ware

ausgekundschaftet hatte und dann in der Neuzeit selbst zu fabrizieren

anfing. Die Erinnerung an diese Verhältnisse ist in den Bezeichnungen

der verschiedenen Ledersorten bis in die Gegenwart erhalten geblieben.

So haben wir dem Namen nach noch heute Leder aus Marokko als Maroquin,

aus der Stadt Safi in Marokko ausgeführtes Leder als Saffian und Leder

aus Cordova in Südspanien als Corduan. Von jener südwestländischen

Kunstgerberei aber hat man allen Grund anzunehmen, daß die Araber sie

auf ihren Eroberungszügen in Asien kennen lernten und sie nachträglich

bis an die Gestade des Atlantischen Ozeans verpflanzten. Daß Asien, wie

überhaupt die Wiege der Kultur, so auch die einer Industrie wie der

feineren Gerberei gewesen sein wird, läßt sich wohl sicher annehmen,

und dafür spricht auch, daß eben in den östlichen Gegenden Europas,

bei den Russen, Bulgaren, Ungarn, Türken usw., die Lederbereitung

frühzeitig in ausgezeichneter Weise betrieben wurde. Wir lesen

bereits bei Plinius, daß das indogermanische Volk der Kelten sein

Leder vermittelst Birkenteer bereitete; daraus ergibt sich, daß die

Juchtengerberei nichts Nationalrussisches ist, sondern schon von den

Urindogermanen geübt wurde, von denen sie manche Zweige später wieder

aufgaben.

Außer den bereits genannten Gerbstofflieferanten werden für die

Lohgerberei des Leders noch verschiedene andere verwendet, von denen

wir die wichtigsten kurz aufzählen wollen. Dahin gehört die +Rinde+

der +Aleppokiefer+ (~Pinus haleppensis~), eines 10-16 m hohen

harzreichen Baumes des Mittelmeergebiets, der in der Region des

Ölbaums im Meeressand wie auf verwittertem Felsboden gedeiht. Seit

der Zeit Theophrasts im 4. vorchristlichen Jahrhundert bis heute

wird sie zum Gerben benutzt und weithin exportiert. In Australien

und Tasmanien wird zu diesem Zwecke die Rinde eines daselbst

heimischen, 12 m hohen Schmetterlingsblütlers, ~Acacia penninervis~,

benutzt. Noch mehr, nämlich über 30 Prozent Gerbstoff, enthält die

schwere, schwarzviolette Rinde der in Süd- und Ostaustralien häufig

vorkommenden besten Gerberakazie, der ~Acacia decurrens~, die dort in

Schälwäldern mit einer Umtriebszeit von nur acht Jahren gewonnen wird.

Ein ausgewachsener Baum von zehn Jahren liefert etwa einen Zentner

Rinde von 44 Prozent Tanningehalt, die neuerdings auch gemahlen als

+Mimosarinde+ nach Europa ausgeführt wird. So bringt Australien allein

von ~Acacia decurrens~ jährlich etwa 15 Millionen kg im Wert von 1,85

Millionen Mark in den Handel. Wie der Baum neuerdings auf Anregung der

Regierung in seiner australischen Heimat in Kultur genommen wird, so

wird er jetzt auch in Deutsch-Ostafrika in größerem Maße angepflanzt.

Die Bäume brauchen 5-8 Jahre, bis sie die ersten Erträge liefern. Dann

aber kann das Abschälen eines Teiles der Rinde in bestimmten Abständen

eine Reihe von Jahren hindurch wiederholt werden.

Wie Australien in seinen verschiedenen Gerberakazien, so besitzt

Neuseeland in der Rinde der 20-23 m hohen, sellerieblätterigen

+Tanekahafichte+ (~Phyllocladus trichomanoides~), einer weitläufigen

Verwandten der Eibe, ein Material mit 28-39 Prozent eines

außerordentlich wertvollen Gerbstoffs, das neuerdings in erhöhtem

Maße exportiert wird, um zum Gerben feiner, weicher Ledersorten

zu dienen. Daher zieht Grenoble, dieser berühmte Sitz der

Glacéhandschuhfabrikation, den größten Teil der Ausfuhr desselben an

sich. Südamerika dagegen hat einen sehr wichtigen Gerbstofflieferanten

in dem harten, fleischroten Holz eines in den Wäldern Argentiniens

und Paraguays häufig wachsenden hohen Baumes, des +Quebracho+ --

sprich kebratscho -- (~Schinopsis lorentzii~). Dasselbe enthält bis 20

Prozent Gerbsäure und wird zur Extraktion derselben, da es sehr hart

ist, mit kräftigen Maschinen zerkleinert. Die Rinde dieses Baumes mit

bläulichgrünen Blättern und gelben Blüten wird medizinisch verwendet.

Sie gelangte 1878 zum erstenmal nach Europa und wurde als Ersatz der

Chinarinde gegen Fieber empfohlen. Sie wird besonders gegen Asthma

angewandt.

Äußerst wichtige ostasiatische Gerbstofflieferanten sind auch die

+chinesischen Galläpfel+, die seit dem Jahre 1846 aus China und seit

1860 aus Japan auf den europäischen Markt gelangen. Sie werden durch

den Stich einer Blattlaus (~Aphis chinensis~) an den Blättern und

Blattstielen des geflügelten Sumachs (~Rhus semialata~) hervorgebracht

und stellen ursprünglich grüne, später graubraune, dünnwandige

Blasen mit 59-77 Prozent Gerbstoffgehalt dar. Sie sind 3-10 cm

lang und 1,5-4 cm dick und bergen im frischen Zustande im Innern

zahlreiche junge Blattläuse. Um diese abzutöten, werden die Gallen in

weitgeflochtenen Weidenkörben heißen Wasserdämpfen ausgesetzt. Man

bedient sich ihrer zum Schwarz-, Braun- und Graufärben von Geweben und

Leder und zur Bereitung schwarzer Tinte.

Unser Wort +Tinte+ kommt vom romanischen, speziell italienischen

~tinta~ Farbe, das seinerseits aus dem lateinischen ~tincta~ gefärbtes

(nämlich ~aqua~ Wasser) hervorging. Schon im hohen Altertum schrieb

man mit schwarzer Tinte, die aus Ruß, arabischem Gummi und Wasser

bereitet wurde, jedenfalls aber im ganzen sehr wenig haltbar war. Aus

der römischen Kaiserzeit sind uns verschiedene Rezepte zur Bereitung

solcher Tinte erhalten geblieben, so von Plinius: „Schwarze Tinte

und Farbe (~atramentum~) wird aus Ruß von verbranntem Harz und Pech

gemacht, und man hat zu diesem Zwecke auch geschlossene Kammern, in

denen sich der Ruß sammelt. Die beste schwarze Tinte kommt von Kiefern.

Sie wird übrigens mit dem Ruß aus Öfen und Bädern verfälscht. Man macht

auch welche aus geglühter Weinhefe. Die berühmten Maler von Athen

Polygnotus und Mikon machten ihre schwarze Farbe auch aus Weintrestern.

Apelles erfand die schwarze Farbe aus verkohltem Elfenbein, und man

nennt solche ~elephantinon~. Es wird auch schwarze Farbe aus Indien

gebracht, deren Zusammensetzung mir aber unbekannt ist. (Damit meint

Plinius jedenfalls die über Indien zu den Römern gelangende chinesische

Tusche.) Es wird auch welche aus feinem Ruß gemacht, der sich an

ehernen Kesseln ansetzt, oder aus Kiefernkohle, die man in einem Mörser

zerstößt. -- Alle schwarze Farbe wird an der Sonne fertiggemacht, die

Schreibtinte mit Zusatz von Gummi, die Malerfarbe mit Zusatz von Leim.

Man macht sie mit Essig flüssig, damit sie sich nicht leicht wieder

auswaschen läßt, und mischt eine Abkochung von Wermut darunter, damit

die Mäuse nicht an sie gehen.“

Kulturgeschichte der Nutzpflanzen, Band IV, 2. Hälfte · 第 16 / 81 段