Das dem indischen ~kurkum~ entstammende orientalische ~karkôm~ für

Gelb und zugleich den Spender der gelben Farbe, den Safran, hat auch

der +Färberdistel+ den lateinischen Namen ~Carthamus~ -- ~tinctorius~

-- verliehen. Dieses auch als +Saflor+ bezeichnete einjährige, 1-1,3 m

hohe, kahle Kraut aus der Familie der Kompositen besitzt länglich

eiförmige, stachelig gezahnte Blätter und von grünen Hüllblättern

umgebene zuerst gelbe, dann orangerote Blüten. Seine Heimat ist wohl

das vorderasiatische Steppengebiet; doch läßt sich dies nicht mehr

bestimmen, da die Pflanze nirgends mehr wild gefunden wird. Jedenfalls

ist sie eine der ältesten Kulturpflanzen, die dem Menschen zum Rot-

und Gelbfärben diente. Schon die Kleider ägyptischer Mumien aus dem

dritten vorchristlichen Jahrtausend sind damit gefärbt, während China

die Pflanze erst im 2. Jahrhundert v. Chr. erhielt. Das spricht

wohl schon für ihre westasiatische Herkunft. Seither hat sie eine

sehr weite Verbreitung gefunden und wird heute, außer in Bengalen,

Persien und Ägypten, in China, Japan, Neusüdwales, Mittelamerika und

Kolumbien, in geringem Umfang auch in Spanien, Frankreich, Italien,

Ungarn und in einigen Gegenden Deutschlands kultiviert. Das wichtigste

Produktionsland ist Indien, und zwar Bengalen, wo die 30-60 cm hohe

Pflanze zur Gewinnung des Farbstoffs im großen angebaut wird. Die aus

dem Blütenkörbchen im Juli und August bei trockenem Wetter gezupften,

in einem Ofen unter leichter Pressung getrockneten und zuletzt in

Kuchen gepreßten Blüten, die als Saflor in den Handel gelangen, liefern

einen leuchtenden gelben und roten Farbstoff, der neben dem Indigo

den wichtigsten Pflanzenfarbstoff darstellt. Ähnlich dem Safrangelb

Crocin ist das in Wasser lösliche Saflorgelb, dem in geringer Menge ein

harzartiger, nur in alkalischer Flüssigkeit löslicher roter Farbstoff,

das Saflorrot oder Carthamin beigemengt ist. Letzteres wird aus dem mit

Soda versetzten wässerigen Auszug durch Fällen mit Essigsäure gewonnen

und ist ein dunkelbraunroter, in Alkohol leicht, in Wasser kaum

und in Äther nicht löslicher Farbstoff, der leider nicht besonders

dauerhaft, aber außerordentlich schön und von solcher Färbekraft ist,

daß eine ganz geringe Menge davon hinreicht, um eine große Fläche

damit zu decken. Man kann damit in verschiedenen Nuancen von Rosa bis

Dunkelrot färben; er gibt auch die feinste rote Schminke, welche als

spanisches Rot bekannt ist und auf flachen Porzellantellerchen oder

auf Blättern ausgebreitet in den Handel kommt. Die Saflorkuchen haben

helle Fleischfarbe und riechen tabakartig. Als beste Sorten gelten der

bengalische und der persische Saflor. Nach ihnen kommt der ägyptische,

der ebenfalls von vorzüglicher Qualität und größtem Reichtum an

Farbstoff ist und deshalb am meisten zu uns gelangt; man kann annehmen,

daß jährlich etwa 1,5 Millionen kg davon in Form von gepreßten

Scheiben in den Handel gelangen. Da der Farbstoff aber nicht sehr

lichtbeständig ist, wird er mehr und mehr von den Teerfarben verdrängt.

Im 17. Jahrhundert baute man im Elsaß und in Thüringen so viel Saflor,

daß eine beträchtliche Ausfuhr besonders nach England stattfand. Im 18.

Jahrhundert kam der Saflorbau durch den billigen und farbstoffreicheren

levantischen Saflor in Verfall, zumal die deutsche Ware durch vielfache

Verfälschungen in Verruf gekommen war. Aus den bitteren Samen gewinnt

man in Indien, Ägypten und Algerien ein fettes Öl, das sich sehr gut

als Brennöl, weniger dagegen als Speiseöl eignet. Nach Herodot gewannen

schon die alten Ägypter Öl aus seinen Samen, die man gewöhnlich als

„Papageienkörner“ bezeichnet. Sie, wie auch die alten Babylonier,

Syrier und Hebräer benutzten den Saflor zum Färben. In Johann Bauhins

berühmtem Garten zu Boll in Württemberg wuchs der Saflor im Jahre

1495 als indische Zierpflanze. Im Laufe des 16. Jahrhunderts begann

sein Anbau in Mitteleuropa, der aber heute infolge des Aufkommens der

billigeren und schöneren Teerfarbstoffe völlig außer Gebrauch gekommen

ist.

Einen gelbroten Farbstoff stellt der +Orlean+ dar, der in Südamerika

und Westindien aus der roten, fleischigen Oberhaut der Samen des

Orleanbaumes (~Bixa orellana~) gewonnen wird. Dieser Farbstoff und

die ihn liefernde Pflanze wird von den Tupiindianern ~urucu~, von den

Aruakindianern dagegen ~bicha~ geheißen, woraus der Name Bixa entstand,

während er von den Brasilianern ~orelhana~ genannt wird, nach seinem

hauptsächlichsten Fundort, dem gleicherweise benannten Maranhonfluß.

Der im tropischen Südamerika heimische, 5-10 m hohe Baum mit großen,

herzförmigen, gezahnten, immergrünen Blättern und endständigen Rispen

von ansehnlichen, lebhaft blau gefärbten Blüten ist schon seit langer

Zeit in allen Tropenländern bis nach Polynesien und Madagaskar hin

verbreitet worden und vielfach verwildert. Seine zum Färben dienenden

Fruchtschalen hat man mehrfach in peruanischen Gräbern gefunden,

und noch heute bemalen die südamerikanischen Indianer mit dem durch

Vermengung des fleischigen, roten Samenüberzuges mit Zitronensaft und

Gummi oder Rizinusöl erhaltenen Farbstoff ihre Leiber als Zierde und

zugleich Schutz gegen die blutsaugenden Moskitos. Blätter, Samen und

Wurzeln werden in Südamerika und Asien als Volksheilmittel verwendet.

Zur Gewinnung des Farbstoffs läßt man die zerriebenen Fruchtschalen

in Wasser gären, gießt die Masse durch Siebe und entfernt das Wasser

vom Niederschlag, den man über Feuer oder im Schatten trocknen läßt.

Er bildet dann einen gleichförmigen, roten, veilchenartig riechenden,

bitter schmeckenden Teig, der, um völliges Austrocknen zu verhindern

und ihm zugleich einen lebhafteren Farbenton zu verleihen, vielfach mit

Harn befeuchtet wird. Wasser entzieht dem Orlean gelbbraunes, auch in

Alkohol, nicht aber in Äther lösliches Orellin, das mit Alaun gebeizte

Stoffe gelb färbt. Im Rückstand bleibt der wichtigere Farbstoff Bixin,

der dunkelrote Kristallblättchen bildet und in Alkohol und Äther leicht

löslich ist und orangerot, in Alkalien und ätherischen Ölen dunkelgelb

färbt. Kocht man Orlean mit Sodalösung und setzt dann Alaun oder ein

Zinnsalz zu, so erhält man einen orangegelben Lack. Der Orlean wird

in Cajenne, Guiana und Brasilien dargestellt und dient außer in der

Kattundruckerei hauptsächlich in der Seidenfärberei, in England -- dann

allerdings ohne Harnzusatz -- auch zum Färben des Chesterkäses und der

Butter.

Um Seide und andere Gewebe echt grün zu färben, verwendet man das

~Lo-kao~ oder +chinesische Grün+, das man durch wässerigen Auszug aus

der Rinde zweier Kreuzdornarten, ~Rhamnus chlorophorus~ und ~Rhamnus

utilis~, gewinnt. Diese beiden werden als ~Hom-bi~ und ~Pa-bi~

im ganzen mittleren und nördlichen China zur Farbstoffgewinnung

kultiviert. Der aus ihnen gewonnene Farbstoff kommt in flachen,

bläulichgrünen Scheibchen in den Handel. Aus den reifen Beeren eines

andern Kreuzdorns (~Rhamnus catharticus~) stellt man das +Saftgrün+

her, das mit Kalk oder Pottasche einen grünen Niederschlag gibt, der

vollkommen ungiftig ist und besonders als Wasserfarbe benutzt wird.

Ein auffallender Farbstoff, der in saurer Lösung schön rot, in

alkalischer dagegen intensiv blau ist, und daher in der Chemie als

sogenannter +Lackmus+ als Reagens oder Nachweisestoff für Säuren

und Alkalien verwendet wird, stammt von verschiedenen Flechten mit

strauchförmigem Thallus, die vorzugsweise an felsigen Meeresküsten

wachsen. Ihre Verwendung zum Färben war schon im Altertume bekannt;

so benutzten sie die Römer unter der allgemeinen Bezeichnung ~fucus~

-- was eigentlich Seetang bedeutet -- zur Darstellung des unechten

Purpurs. Die Kenntnis ihrer technischen Verwendung ging aber in den

Stürmen der Völkerwanderungszeit im Abendlande verloren, erhielt

sich aber im Morgenlande, wo sie ein in Florenz ansässiger Deutscher

namens Federigo (Friedrich) im 13. Jahrhundert kennen lernte. Von

einer Handelsreise in die Levante brachte er Färberflechten mit und

lehrte daraus vermittelst Harn eine schöne rote Farbe darstellen. Damit

begründete er seinen großen eigenen Reichtum als Stammvater des später

mit den Medici rivalisierenden florentinischen Adelsgeschlechtes der

Rucellai, so genannt nach der für sie so bedeutungsvollen Färberflechte

rucella, die heute im Italienischen ~oricello~ heißt, woraus das auch

im Deutschen gebrauchte französische Wort ~orseille~ hervorging. Wie

die Medici, deren Stammvater Arzt gewesen war und von ihm her den

Namen und die drei Kugeln -- eigentlich Pillen -- im Wappen führten,

so hielten es die Rucellai mit der Färberflechte, die sie zu Reichtum

und Ehren gebracht hatte. Dieser von ihrem Ahnherrn eingeführten neuen

Industrie verdankte aber nicht bloß dieses Geschlecht, sondere viele

Städte Italiens, die den gesamten Handel mit Färberflechten aus der

Levante und dem griechischen Archipel an sich gerissen hatten, ihren

Reichtum, bis im Jahre 1402 der Normanne Béthencourt die Kanarischen

Inseln entdeckte und auf ihnen gleichfalls den kostbaren Stoff fand.

Später entdeckte man ihn auch auf den Azoren, auf Sardinien und

Korsika, in den Pyrenäen, der Auvergne usw.

Die +Orseille+ ist in Form von schwachen organischen Säuren in einer

ganzen Reihe von Flechten vorhanden, unter welchen die ~Roccella

tinctoria~ die gesuchteste ist. Sie liefert die levantische und

kanarische Orseille, von der auf den Kanarischen Inseln allein jährlich

etwa 130000 kg gesammelt werden und in den Handel gelangen; doch

wird sie auch an den felsigen Küsten Südamerikas, des Kaps der Guten

Hoffnung, Senegambiens und Ostindiens gesammelt. Im Gegensatz zu dieser

Meerorseille wird die von der ~Variolaria orcina~ und ~V. dealbata~ in

Europa gewonnene Orseille als Landorseille bezeichnet. Eine andere

ebenfalls sehr farbstoffreiche Flechte ist ~Roccella montagnei~, die an

der ostafrikanischen Küste in den Ästuarien auf Mangrovebäumen wächst.

Aus der Flechte ~Lecanora tartarea~, die auf den Inseln nördlich von

Schottland, den Orkneys und Hebriden, heimisch ist, wird der +rote

Indigo+ oder +Persiko+ gewonnen, der im Jahre 1765 zuerst von Cuthbert

dargestellt wurde. Durch Behandlung mit Alkalien -- früher Harn, jetzt

Ammoniak -- wird der violettrote Farbstoff, das Orcein, frei, mit dem

man Wolle und Seide rot oder violett färbt. Da er aber für sich allein

nicht echt genug färbt, so wendet man ihn meist mit anderen Farbstoffen

hauptsächlich zur Herstellung von braunen Nuancen an.

Ein schon im hohen Altertum im Orient gebräuchlicher Farbstoff ist das

+Drachenblut+, ein von den am äußersten westlichen und östlichen Zipfel

Afrikas, auf den Kanaren und der Insel Sokotra bis in die Gegenwart

am Leben gebliebenen Drachenbäumen (~Dracaena draco~ u. a.) aus der

Familie der Lilienblütigen gewonnenes Harz. Es sind dies 16-18 m

hohe Bäume, die wie die Dikotyledonen dauernd in die Dicke wachsen und

zu äußerst auf den gabelig verzweigten Ästen und auf dem Gipfel des

Stammes büschelig gehäufte, über 1 m lange, schwertförmige Blätter

tragen. Sie können ein außerordentlich hohes Alter erreichen und

lassen von selbst oder durch Einschnitte das dunkelrotbraune, spröde,

geruch- und geschmacklose, an der Luft erhärtende Harz ausfließen, das

gepulvert blutrot ist und sich in ätherischen und fetten Ölen wie auch

in Alkalien zu einer roten Farbe auflöst. Es kommt entweder in Form von

in Schilfblättern eingewickelten Kugeln oder in ebenfalls in Blättern

eingewickelten Stangen in den Handel. Das kanarische Drachenblut

machte früher einen bedeutenden Handelsartikel von Madeira aus und

findet sich auch in den Gräbern der Guanchen genannten Ureinwohner

der Kanaren, welche dasselbe wahrscheinlich zur Einbalsamierung

ihrer Leichen benutzten. Jetzt wird es seiner zusammenziehenden

Wirkung wegen vorzugsweise zu Zahnpulver und Zahntinkturen, zumal bei

leicht blutendem Zahnfleisch benutzt, sowie zu Tischlerpolitur und

verschiedenen Lacken. Von Sokotra erhielten es die alten Griechen

unter der Bezeichnung indischer Zinnober. Der im 2. Jahrhundert

n. Chr. in Kleinasien lebende griechische Schriftsteller Flavius

Arrianus schreibt in seinem Bericht über die Umschiffung des Roten

Meeres: „Der sogenannte indische Zinnober (~kinnábari~) wird auf der

Insel des Dioskurides (Sokotra) von Bäumen, aus denen er tröpfelt,

gesammelt.“ In derselben Weise, wie dieses Drachenblut, wird auch das

ebenso genannte Harz, das auf den Philippinen von den Früchten der

Drachenrotangpalme (~Calamus draco~) gewonnen wird, verwendet.

Außer den bisher genannten Pflanzen sind noch einige andere zu

erwähnen, die wegen ihres Gehaltes an Katechin oder Gerbstoffen

zum Schwarzfärben und zum Gerben verwendet werden. Unter dem Namen

+Katechu+ kommen die verschiedensten gerbstoffhaltigen Massen in den

Handel, die teils aus den Früchten der Arekapalme (~Areca catechu~),

teils aus den Zweigen und dem Kernholze einer Akazie (~Acacia

catechu~), teils aus den Blättern der Gambirpflanze (~Uncaria gambir~)

durch Auskochen mit Wasser gewonnen werden. Demnach unterscheidet man

Palmen- oder Areka-Katechu, dunklen Akazien- oder Pegu-Katechu und

gelben oder Gambir-Katechu.

Die in den Tropen häufig angebaute, ursprünglich in Südasien heimische

Arekapalme ist ein äußerst zierlicher Baum von etwa 15 m Höhe

mit sehr geradem, dünnem, weißem Stamm und etwas krauser Krone von

dunkelgrünen Fiederblättern. Seine eiförmigen, etwa 4 cm langen

Früchte enthalten ein ziemlich hartes, marmoriertes Nährgewebe, das,

in Querscheiben geschnitten, mit Kalkmilch in ein scharf schmeckendes

Blatt des Betelpfeffers gewickelt, in ganz Südasien und Indonesien zum

sogenannten Betelkauen verwendet wird. Durch Kochen in Wasser wird aus

den Arekanüssen der Areka-Katechu gewonnen.

Ebenfalls im südlichen Asien heimisch ist die in ganz Vorder- und

Hinterindien, auf Ceylon und im tropischen Afrika von Abessinien

bis zum Sambesi verbreitete Katechu-Akazie, ein 4-8 m hoher Baum

aus der Familie der Hülsenfrüchtler mit brauner, rissiger Rinde,

sehr verzweigter, schirmförmiger Krone, weißlich behaarten, dornigen

Zweigen, zerstreut stehenden, paariggefiederten Blättern und gelben

Blüten. In der Trockenzeit fällt sein Laub ab. Das in möglichst kleine

Späne gehauene, vom hellgelben Splint befreite Kernholz wird etwa 12

Stunden lang in mit Wasser angefüllten irdenen Töpfen ausgekocht und

der dunkelbraune Auszug dann in Schalen eingedickt, um zuletzt in

Formen vollständig zu erhärten. Er kommt in Klumpen in den Handel,

die vor dem Gebrauch durch Chemikalien und heißes Wasser wieder

aufgelöst werden. Wie der Areka-Katechu wird er massenhaft in der

Färberei gebraucht, sowohl als Beize, als auch zur Erzeugung von sehr

dauerhaften schwarzen, braunen und grünen Farbenschattierungen und zum

Gerben von weichem, geschmeidigem Leder.

[Illustration:

Tafel 105.

~(Copyright by F. O. Koch.)~

Junger Blauholzbaum (~Haematoxylon campechianum~) angepflanzt in Kwai

(Ostafrika).]

[Illustration:

~(Copyright by F. O. Koch.)~

Junger Rotholz- oder Brasilbaum (~Caesalpina sappan~).]

[Illustration:

Tafel 106.

Mangrovendickicht mit zahlreichen Stelzwurzeln am Kamerunfluß in

Westafrika.]

Bis jetzt sind nur die Katechubestände in Indien ausgenutzt worden,

und zwar in dem Maße, daß die Gewinnung in den letzten Jahren sehr

zurückging und nur für etwa 5 Millionen Mark exportiert wurde.

Infolge davon hat die englische Regierung die Katechugewinnung aus

den wildwachsenden Beständen geregelt und den Anbau des Baumes

angeordnet. Dagegen sind die großen Katechubestände des tropischen

Afrika noch vollständig unbenutzt geblieben. Besonders im Steppenwalde

Deutsch-Ostafrikas kommt der Baum massenhaft vor und dürfte mit der

Zeit zur Gewinnung von Katechu, der recht gute Preise erzielt, reizen.

In den Spalten des Stammes der Katechu-Akazie findet man nicht selten

kristallinische Ablagerungen von Katechin oder Katechusäure, nach

der Katechugerbsäure dem wichtigsten Bestandteil des Katechu, die

unter dem Namen ~khersal~ in Indien als stopfendes Arzneimittel bei

Diarrhoe Verwendung finden. Der von dieser Pflanze gewonnene Katechu

wurde zuerst 1514 von Barbosa als Handelsartikel Südasiens erwähnt.

Eine Beschreibung der Stammpflanze und der Darstellung des Katechu gab

aber erst Sassetti im Jahre 1586, und bald darauf gelangte Katechu

auch nach Europa. Um die Mitte des 17. Jahrhunderts erscheint er

als eine sehr teuere Droge in deutschen Apothekertaxen, und 1680

schilderte Clayer den ungeheuren Verbrauch desselben in Ostasien

hauptsächlich zum Betelkauen, dem dort sozusagen jedermann huldigt.

Neben dem in Vorderindien gewonnenen Bombay-Katechu ist der aus

Hinterindien stammende Pegu-Katechu der im Handel gewöhnlichste und

für pharmazeutische Verwendungen neben dem Gambir allein zulässige.

Er bildet unregelmäßige dunkelbraunrote Kuchen, wie der vorhergehend

besprochene Areka-Katechu, und kommt in Matten oder Kisten verpackt in

den Handel.

In mittelgroßen, graubraunen, porösen, leicht zerreiblichen, sehr

leichten und daher auf Wasser schwimmenden Würfeln kommt der gelbe

oder Gambir-Katechu in den Handel. Er bildet ein durch vielstündiges

Kochen in Wasser und nachheriges Eindicken gewonnenes Extrakt aus

den jungen Trieben von ~Uncaria gambir~, einem kletternden Strauch

Hinterindiens und der Sundainseln aus der Familie der Rubiazeen oder

Krappgewächse, die besonders auf der Halbinsel Malakka, aber auch auf

Java und Sumatra angebaut wird und über Singapur in den Handel gelangt.

Drei- bis viermal im Jahre werden die jungen Zweige und Blätter des

Gambirstrauchs zur Gewinnung des sehr reichlich Katechin (neben

Katechugerbsäure) enthaltenden Gambirs abgeschnitten, zerkleinert,

durch Kochen in Wasser extrahiert und, auf Sirupkonsistenz eingedickt,

an der Luft noch völlig getrocknet. Der Gambir ist fast geruchlos,

schmeckt bitter, ist in kaltem Wasser schwer, leicht dagegen in

heißem Wasser löslich, färbt sich mit Eisenoxydsalzen grün und dann

auf Zusatz von Alkali purpurn. Er wurde in Europa gegen das Ende des

18. Jahrhunderts bekannt, hat aber erst seit den 1830er Jahren eine

ungemein große Bedeutung in der Färberei und zum Gerben schweren

Leders, wie auch zum Imprägnieren von Stoffen, die beim Gebrauch der

Nässe ausgesetzt sind, wie Fischernetze, Zeltstoffe und Kofferüberzüge,

erlangt. Auch gegen den Kesselstein in Dampfmaschinen findet er häufig

Verwendung. Die Ausfuhr von Singapur, wo fast die gesamte Produktion

zusammenkommt, beziffert sich auf jährlich etwa 40 Millionen kg

im Werte von 19 Millionen Mark. Davon empfängt London allein gegen

15 Millionen kg, während Deutschland nur etwa 7 Millionen kg

verbraucht.

Ebenfalls reich an Gerbstoff ist der in dunkelbraunroten bis

schwärzlichen, in dünnen Splittern rubinrot durchscheinenden Stücken in

den Handel gelangende +Kino+, der sich in Weingeist mit dunkelblutroter

Farbe löst und wie Katechu und Gambir teilweise in der Medizin als

adstringierendes Mittel, besonders aber technisch zum Färben und Gerben

Anwendung findet. Meist kommt er als Malabar- oder Amboina-Kino zu uns

und bildet den nach Einschnitten in den Stamm des Baumes ~Pterocarpus

marsupium~, eines Schmetterlingsblütlers, ausgeflossenen und dann

eingetrockneten, rötlichen, gerbsäurehaltigen Saft, während der

gleichfalls zu uns gelangende australische Kino aus dem in gleicher

Weise gewonnenen Saft verschiedener Eukalyptusarten besteht. Kaum

Bedeutung für uns hat der bengalische Kino, der aus dem eingedickten

Saft der Rinde von ~Butea frondosa~ besteht, ebenso der westindische,

der aus der Rinde von ~Coccoloba uvifera~ gewonnen wird, traubentragend

wegen seiner Früchte genannt, die angenehm sauer schmecken und in

Westindien und Südamerika, wo der Baum kultiviert wird, gerne mit

Zucker gegessen werden; auch bereitet man aus ihnen erfrischende

Getränke. Das schwere, geaderte Holz dieses mit wohlriechenden weißen

Blüten in Trauben versehenen Baumes wird zur Herstellung feiner Möbel

benutzt, und aus ihm durch chemische Umsetzung eine rote und violette

Farbe gewonnen. Die wässerige rötlichbraune Lösung des Kino färbt sich

nämlich mit Alkalien versetzt rotviolett und gibt mit Eisenchlorid

einen dunkelgrünen Niederschlag, der mit Alkalien purpurn wird. Der

westindische Kino ist seit 1757 gebräuchlich, während der Malabar-Kino

erst seit 1811 bei uns eingeführt ist. Der am frühesten in Europa

gebrauchte Kino war übrigens der afrikanische, von ~Pterocarpus

erinacea~ gewonnen, der seit 1733 als zusammenziehendes Mittel im

Arzneischatze geführt wird.

Als +Myrobalanen+ kommen seit dem frühen Mittelalter, da uns die

Araber ihre Kenntnis vermittelten, die 5 cm langen und 2,5 cm

dicken, länglich birnförmigen, grünlich gelben oder gelbbraunen

Früchte mehrerer ostindischer Bäume zu uns, die wegen ihres Gehaltes

von 32-45 Prozent Gerbstoff ebenfalls zum Schwarzfärben und Gerben

verwendet werden. Die meisten der in den Handel kommenden stammen von

verschiedenen Vertretern der Gattung Terminalia, die in den regengrünen

Wäldern von ganz Vorderindien, Ceylon, Hinterindien und dem indischen

Archipel wachsen, von deren einer Art, ~Terminalia catappa~, die

mandelähnlichen Samen gegessen und auch zur Ölgewinnung benutzt werden,

während die Rinde zum Gerben dient. Früher wurden noch als schwarze

oder graue Myrobalanen die getrockneten Früchte eines ebenfalls

in Ostindien wachsenden Strauches, ~Phyllanthus emblica~, eines

Wolfsmilchgewächses, in den Handel gebracht; jetzt aber werden meist

die zuerst genannten nach Europa, und zwar vorzugsweise nach England

importiert. Im Altertum verstand man unter Myrobalanen die Früchte

der in Ägypten wildwachsenden ~Balanites aegyptiaca~, die zum Salben

benutzt wurden. Im Mittelalter übertrug man dann den Namen zuerst auf

die in Syrien wachsenden gelben Pflaumen, unsere jetzigen Mirabellen,

und dann erst auf die gelben Früchte, deren gerbstoffhaltige äußere

braune Schicht gewöhnlich pulverisiert in den Handel gelangt.

Demselben Zwecke des Gerbens und Schwarzfärbens dienen die

gerbstoffreichen Hülsenfrüchte eines in Westindien, Mexiko und

dem nördlichen Südamerika, besonders in Kolumbien und Venezuela,

heimischen, 6-8 m hohen Schmetterlingsblütlers, der ~Caesalpinia

coriaria~, die als +Dividivi+ in den Handel gelangen. Sie sind gegen

8 cm lang und 2-3 cm breit und enthalten 20-30 Prozent Gerbstoff.

Diese von den Indianern schon längst als Gerbmittel verwendeten

Gerbschoten wurden zuerst im Jahre 1768 von den Spaniern nach Europa

gebracht, kommen aber erst seit Anfang des 19. Jahrhunderts in größeren

Mengen dahin. Kolumbien führt davon jährlich 4,2 und Venezuela 3,4

Millionen kg aus, von denen Deutschland über Hamburg etwa 5 Millionen

kg im Werte von 1 Million einführt. Von einer anderen Caesalpinia-Art

stammen die als +falsche Dividivi+ bezeichneten Gelbschoten,

während ~Caesalpinia tinctoria~ die in Chile und Peru zum Gelb- und

Schwarzfärben gebrauchte +Dividivi von Bogotá+ in Form von großen,

flachen Hülsen mit roter oder hellbrauner Haut hervorbringt. Ebenso

reich an Farbstoff sind die kurzen, breiten Hülsen von ~Caesalpinia

digyna~, die als +Tarihülsen+ aus Vorderindien importiert werden.

Weiter finden zum Schwarzfärben und Gerben die als +Bablach+ in den

Handel kommenden unreif gesammelten Hülsenfrüchte verschiedener

Akazienarten Verwendung. Die ostindische Sorte stammt von ~Acacia

arabica var. indica~ in Form von 5-8 cm langen, flachen, dunkel-

oder hellbraunen Schoten, die 14-20 Prozent Gerbstoff enthalten,

die ägyptische dagegen rührt von ~Acacia nilotica~ her in Form von

grünbraunen Hülsen mit ähnlichem Gerbstoffgehalt. Sie dienen zum Gelb-,

Braun- und Schwarzfärben, zur Bereitung von Tinte und zum Gerben von

leichterem Leder.

Kulturgeschichte der Nutzpflanzen, Band IV, 2. Hälfte · 第 15 / 81 段