wo zunächst die Wurzeln der wilden Pflanze vom Menschen gesammelt und
zum Färben benutzt wurden; doch wurde er im Orient und in Griechenland
schön früh angebaut, ebenso von den Römern, die ihn den Völkern
nördlich der Alpen vermittelten. Der griechische Arzt Dioskurides
berichtet um die Mitte des 1. christlichen Jahrhunderts, daß das auch
als Arzneimittel gebrauchte ~erythródanon~ angepflanzt werde und wild
vorkomme; seine Wurzeln verwende man aber hauptsächlich zum Färben.
Er sagt: „Der Krapp (~erythródanon~) auch ~téuthrion~, ~drákanos~ und
~kinnábaris~, bei den Römern ~rubia passiva~, bei den Etruskern ~lappa
minor~, bei den Ägyptern aber ~sophobí~ genannt, hat eine rote Wurzel,
die zum Färben dient. Es gibt eine wildwachsende und eine kultivierte
Sorte, welche letztere beispielsweise in Ravenna angepflanzt wird. In
Karien sät man den Krapp zwischen Ölbäumen. Sein Anbau bringt großen
Gewinn. -- Die Wurzel ist dünn, lang, rot, dient auch als Arznei.“ Sein
Zeitgenosse Plinius schreibt in seiner Naturgeschichte: „Der Krapp
(~rubia~, von ~rubus~ rot) ist zum Färben der Wolle und des Leders
unentbehrlich und sein Anbau bringt viel Gewinn. Für vorzüglich gilt
der bei Rom gezogene, doch wird er in fast allen Provinzen kultiviert.
Man sät ihn wie die Kicherplatterbse (~ervilia~), doch wächst er auch
wild. Er dient auch als Arznei.“ Der unter Cäsar und Augustus lebende
Kriegsingenieur Vitruvius sagt in seinem Buche ~de architectura~ über
ihn: „Um für Wandgemälde eine Purpurfarbe zu bekommen, färbt man Kreide
mit Krapp (~rubia~) und Kermesbeeren (~hysginum~) von der Kermeseiche
rot. Man bereitet auch andere Farben aus Blütenpflanzen. Um ein
Ockergelb zu gewinnen, wirft man getrocknete Veilchen (~viola~) in ein
Gefäß, gießt Wasser dazu und läßt die Mischung kochen. Ist sie wieder
abgekühlt, so schüttet man sie in ein leinenes Tuch, drückt sie aus
und tut das von Veilchen gefärbte Wasser in einen Mörser und reibt es
mit eretrischer Kreide (Eretria, Stadt auf der Südwestküste von Euböa
in Griechenland, wurde 490 v. Chr. durch die Perser zerstört, aber
wieder aufgebaut) zusammen. Man macht auch eine schöne Purpurfarbe aus
Heidelbeeren (~vaccinium~), indem man sie ebenso behandelt und Milch
hinzufügt. Ein schönes Grün bekommt man, wenn man etwas Blaugefärbtes
mit der gelben Farbe des Wau (~luteum~, d. h. gelben, von ~Reseda
luteola~) tränkt. Fehlt es an Indigo (~color indicus~, d. h. indischer
Farbe), so wendet man Waid (~vitrum~, von ~Isatis tinctoria~) an, einen
Farbstoff, den die Griechen ~hyalon~ nennen.“
In dem Verzeichnis der Pflanzen, die Karl der Große auf seinen Gütern
angepflanzt haben wollte, wird die Färberröte unter dem fränkischen
Namen ~warentia~ angeführt, doch verbreitete sich die Krappkultur erst
einige Jahrhunderte später in Frankreich, wo sie in mittelalterlichen
Akten öfter erwähnt wird. Sie erlosch dann wieder, so daß sie gegen
das Ende des 16. Jahrhunderts fast nur noch in Holland betrieben
wurde. Im Jahre 1760 ließ der französische Minister Bertin Samen
des morgenländischen Krapps, der von ~Rubia peregrina~ abstammt und
heute noch der farbstoffreichste und infolgedessen geschätzteste
ist, nach Frankreich kommen und unter die Landleute verteilen. In
der Grafschaft Avignon führte der bereits erwähnte Armenier Joannes
Althen 1766 den bis dahin dort unbekannten Krappbau ein, der sich wenig
später auch im Elsaß verbreitete. In Deutschland wurde wohl zuerst in
Schlesien Krapp gebaut; wenigstens datiert eine Breslauer Röteordnung
von 1574. In Böhmen, wo im 16. und 17. Jahrhundert der Krappbau
ebenfalls blühte, wurde er durch den Dreißigjährigen Krieg zugrunde
gerichtet; auch in Sachsen, Bayern und Baden ging er ganz zurück. In
der Pfalz datiert er seit 1763. In den 1830er Jahren nahm er aber
wieder einen großen Aufschwung und wurde besonders in Südfrankreich
um Avignon, dann in Holland und im Elsaß betrieben, bis im Jahre 1860
die deutschen Chemiker Gräbe und Liebermann den Krappfarbstoff, das
Alizarin, künstlich aus Anthracen, einem Teerprodukt, darstellten.
Dadurch wurde der Krappbau an seiner Wurzel angegriffen und ging
begreiflicherweise stark zurück, obschon Napoleon III. zum Schutze des
südfranzösischen Krappbaus die Hosen und teilweise auch die Mützen des
französischen Militärs mit dem Krappfarbstoff rot färben ließ. Jetzt
wird hauptsächlich in Kleinasien, Ägypten und Ostindien, teilweise
auch in Nordamerika und Australien Krapp gebaut. In Ostindien wird
die einheimische ~Rubia munjista~ gepflanzt, woher der aus jenem
Lande stammende Krapp als Munjit bezeichnet wird. In Westindien und
Südamerika werden ebenfalls besondere Arten von Rubia kultiviert, deren
Wurzeln zum Färben dienen. Heute wird der Krapp meist nur noch in
technisch veralteten Färbereien benutzt. Durch Anwendung verschiedener
Beizen können mit ihm, beziehungsweise dem künstlich hergestellten
Alizarin, alle Nüancen von Rot und Violett und teilweise auch von Braun
erzielt werden. Er dient mit dem Samen der syrischen Raute (~Peganum
harmala~) zur Türkischrotfärberei und zum Rotfärben von Tinte und Lack.
Einen ebenfalls schon sehr lange zum Färben benutzten dunkelroten
Farbstoff liefert die Wurzel der echten +Alkanna+ oder +Alhenna+, des
~kýpros~ der Alten von ~Lawsonia inermis~, einem in Ostafrika, Arabien,
Ostindien, den Sundainseln und Nordaustralien wachsenden sehr ästigen,
wild meist bedornten, in der Kulturpflege aber vielfach dornenlos
gewordenen Strauch von 2-4 m Höhe mit 1-1,5 cm langen Blättern und
gelblichweißen bis ziegelroten Blüten. Seit uralter Zeit wird er im
Orient und in Nordafrika, neuerdings auch in Ostafrika kultiviert und
findet sich jetzt ostwärts bis Südchina und westwärts bis Marokko und
Senegambien angebaut. Die braunrote, etwas zusammenziehend schmeckende
Wurzel kam früher nach Südeuropa in den Handel und ist heute noch
in Persien und Indien als Heilmittel und zum Färben im Gebrauch.
Sie wird, wie auch die Stengel, mit Wasser gekocht und gibt eine
gelblichrötliche Flüssigkeit, welche auf weiteren Zusatz von Alkalien
intensiver rot wird, bis eine fast karminrote Lösung entsteht. Die
Blüten sind wegen ihres Wohlgeruchs sehr geschätzt und spielen bei
den religiösen Akten der Buddhisten eine große Rolle, die Blätter
aber werden, wie die Mumienfunde aus dem alten Ägypten beweisen, seit
sehr langer Zeit im Niltal zum Gelbrotfärben der Nägel der Finger und
Zehen, der Fingerspitzen, der Handflächen und Fußsohlen verwendet,
womit die Frauen ihre Schönheit zu erhöhen glauben. Die Pflanze heißt
im Altägyptischen ~puker~, woraus durch Umstellung das koptische
~kuper~, das hebräische ~kopher~ und das griechische ~kýpros~ entstand.
In einigen altägyptischen Parfümerierezepten und als Bestandteil
des heiligen Räucherpulvers ~kyphi~ wird ~kuper~ als Bestandteil
angeführt. Und wie die Frauen im alten Ägypten, so bedienen sich die
heutigen Bewohnerinnen des Niltals wie überhaupt die Araberinnen
des von ihnen ~fagu~ oder ~fagia~ genannten Strauches in der oben
genannten kosmetischen Weise. Zu diesem Zwecke werden die Blätter, die
getrocknet und gepulvert unter dem Namen +Henna+ in den Handel kommen,
mit Kalkmilch verrieben und aufgetragen. Alternde Frauen färben sogar
ihre weiß werdenden Haare, Männer ihren Bart und die Mähne ihrer Pferde
damit orangerot. Diese unserem Geschmack wenig zusagende Verschönerung
ihres Äußeren halten die Orientalinnen für ebenso notwendig, als das
Bemalen der Augenlidränder und Stirnmitte mit Strichen des schwarzen
~kuhl~, einer aus Ruß oder zerstoßenem Schwefelantimon hergestellten
Paste, die bereits die Frauen im alten Ägypten benutzten, wie wir aus
den Gräberfunden und alten Rezepten auf Papyri wissen. In Indien dient
die Henna zum Schwarzfärben von Leder.
Denselben prachtvollen roten Farbstoff Alkannin wie die echte birgt
die unechte Alkanna, die Wurzel der in der Türkei, in Kleinasien
und besonders in Ungarn angepflanzten und in Ballen von etwa 100 kg
zu uns in den Handel gelangenden +Färberochsenzunge+ (~Anchusa
tinctoria~), die zum Rotfärben von Haarölen, Pomaden, Polituren usw.
dient, außerdem zum Färben von Leder und in Lyon zum Färben von Seide
benutzt wird. Schon die alten Griechen und Römer bedienten sich
ihrer zum Rotfärben und Schminken, wie auch als Arznei. So schreibt
Theophrast im 4. vorchristlichen Jahrhundert: „Die Färberochsenzunge
(~anchúsa~) hat eine rote Wurzel wie der Krapp, und färbt rot.“
Hesychios schreibt: „Sich anchusieren (~anchusízesthai~) heißt: die
Wangen mit ~anchusa~ schminken,“ und der Arzt Dioskurides sagt, die
Wurzel sei fingerdick, fast blutrot und werde als Arznei benutzt und
in Salben getan. Sein Zeitgenosse Plinius schreibt: „Die fingerdicke
Wurzel der ~anchusa~ färbt die Finger blutrot und bereitet die Wolle
für kostbare Farben vor. Auch wird sie als Arznei gebraucht.“ Bei der
Besprechung der Salben erwähnt er die ~anchusa~ neben dem von dem
Drachenbaume (~Dracaena draco~) auf der ostafrikanischen Insel Sokotra
stammenden Drachenblut (~cinnabaris~, d. h. Zinnober) als Farbstoff
(~color~). Auch im Mittelalter und in die Neuzeit hinein war dieser
Farbstoff gebräuchlich, bis er durch bessere verdrängt wurde.
Ein ähnliches Rot wie die Färberochsenzunge liefert der +Färberkroton+
oder die +Tournesolpflanze+ (~Chrozophora tinctoria~), eine einjährige
Wolfsmilchart von den sandigen Küsten des Mittelmeergebiets und
aus Arabien mit langgestielten, behaarten Blättern und hängenden
Fruchtkapseln. Sie diente bei den Alten zum Vertreiben der Würmer und
zum Wegätzen der Warzen; jetzt wird sie zur Herstellung der Bezetten
oder Schminkläppchen benutzt. Es sind dies Leinwandläppchen, die in
Südfrankreich mit dem Safte der Blüten und Früchte des Färberkrotons,
jetzt aber meist mit dem Extrakte des Pernambukholzes so stark
getränkt werden, daß sie leicht Farbstoff abgeben. Man verwendet die
Bezetten zum Schminken, zum Färben von Backwerken, Likören, Gelees
und namentlich in Holland zum Färben der 2-10 kg schweren runden
Süßmilchkäse, die nach der Stadt Edam benannt werden, aber vorzugsweise
in der Gegend von Hoorn und Alkmaar in Nordholland hergestellt werden.
Der Färberkroton wird hier und da, so namentlich bei Montpellier,
angepflanzt.
Weniger wichtig ist der rote Farbstoff der +syrischen Raute+ (~Peganum
harmala~), eines ausdauernden Gewächses mit 30-40 cm langem Stengel
und ziemlich großen, weißen Blüten, das gesellig in den Steppen
Spaniens, Nordafrikas und von Südrußland bis zur Dsungarei und Tibet
wächst. Die Samen dienen in der Türkei als schweißtreibendes, Würmer
vertreibendes und berauschendes Mittel, auch als Gewürz, besonders
aber in Verbindung mit der pulverisierten Krappwurzel zur türkischen
Rotfärberei. Aus ihnen wird das auch sonst vielfach zum Färben benutzte
Harmalin oder Harmalarot gewonnen.
Von anderen roten Farben finden wir in der Alten Welt den unschädlichen
Farbstoff der +Kermesbeeren+ oder +Scharlachkörner+ in Form von
braunroten, erbsengroßen, mit rotem Safte angefüllten Hüllen der
Kermesschildlaus (früher ~Coccus~, jetzt ~Lecanium ilicis~), die sich
an der in Südeuropa wachsenden strauchartigen Kermeseiche (~Quercus
coccifera~) finden. Sie werden von armen Leuten, besonders Hirten und
Kindern, die sich zu diesem Zwecke die Nägel lang wachsen lassen, von
den Zweigen abgekratzt und kommen besonders von Nauplia in Griechenland
aus in den Handel, um speziell nach Marokko, Tunis und Alexandrien
verschifft zu werden, wo dieselben in hohem Preise stehen, weil die
Muhammedaner ihre Wolltücher, namentlich aber ihre von uns nach der
Stadt Fez in Marokko als Fez bezeichneten Kopfbedeckungen rot färben.
Bei uns dienten sie früher an Stelle der teueren Cochenille in der
Färberei, namentlich zur Herstellung eines schlechten Karmins, des
Kermesbeeren- oder Karminlacks, und in der Apotheke zur Bereitung
des Kermes-Sirups und des Alkermes-Konfekts, Präparaten, mit denen
die arabischen Ärzte im Mittelalter das Abendland bekannt machten.
~Al~ ist der arabische Artikel und ~kermes~ oder ~kermas~ heißt
arabisch-persisch wurmerzeugt (von ~kirm~, Wurm). Von diesem Kermes
rührt das arabisch-persische ~kirmasi~ für Karminrot her, ein
Ausdruck, der als Karmoisin (später in Karmin abgekürzt) ins Deutsche
überging. Der Karmoisinlack wurde besonders in Persien zur Herstellung
der berühmten roten Lackwaren benutzt und kam ebenfalls durch die
Vermittlung der Araber zur Kenntnis der Völker des Abendlandes.
Diese Kermesbeeren wurden schon bei den alten Griechen zum Färben
verwendet und hießen bei ihnen ~kókkos~. So schreibt Dioskurides:
„Die Kermeseiche (~kókkos baphiké~) ist ein kleiner, ästiger Strauch,
an welchem Körner (~kókkos~) wie Linsen (~phakós~) hängen, welche
gesammelt und aufbewahrt werden. Die besten kommen aus Galatien und
Armenien, geringere aus Asien (dem nordwestlichen Kleinasien, das bei
den Römern die Provinz Asia bildete) und Kilikien, die geringsten aus
Spanien. Außer zum Färben gebraucht man sie in der Heilkunde, mit Essig
verrieben, äußerlich als zusammenziehendes Mittel.“ Wie wir von Vitruv
im letzten Jahrhundert v. Chr. erfahren, hieß das Kermesbeerenrot bei
den Römern ~hysginum~ und wurde viel zum Färben und Schminken, auch
zum Rotmalen von Wänden und Wandgemälden benutzt. Noch heute sind in
Griechenland ausgedehnte Landstrecken, namentlich Bergabhänge und für
anderweitige Kultur unbrauchbare Berge dicht mit dem Gestrüpp der
Kermeseichen besetzt, die zur Kermesgewinnung ausgebeutet werden.
Ein Surrogat dieser echten Kermesbeeren der Kermeseiche bilden die
schwarzen Beeren der aus Nordamerika bei uns eingeführten und in
Südeuropa verwilderten +gemeinen Kermesbeere+ (~Phytolacca decandra~),
eines ausdauernden Krautes mit länglicheiförmigen, ganzrandigen
Blättern. Mit dem roten Safte der Beeren färbt man in Frankreich und
Portugal die Weine und in ganz Europa die Zuckerwaren, besonders Sirup
rot; doch ist dieser Farbstoff weit weniger haltbar als derjenige der
echten Kermesbeeren der Kermeseiche. Von Bordeaux verbreitete sich der
Anbau dieser Pflanze seit 1770 nach Süddeutschland und Norditalien. Die
jungen Blätter und Schößlinge werden gekocht als Gemüse gegessen. Ihr
naher Verwandter, der +Kermesbeerenspinat+ (~Phytolacca esculenta~)
wird in seiner Heimat Südamerika wegen seines würzigen Wohlgeschmacks
als Spinatpflanze kultiviert, verträgt aber unser Klima schlecht, so
daß er kaum je bei uns eingebürgert werden dürfte.
Weitere, noch wertvollere rote Farbstoffe hat uns die Neue Welt in
der +Cochenille+ und dem Brasilholz geschenkt. Erstere besteht aus
den getrockneten Weibchen der in ganz Mittelamerika heimischen, aber
vorzugsweise in Mexiko auf Opuntien (Nopalkaktussen) gezüchteten
Cochenilleschildlaus (~Coccus cacti~), die den modernen Karmin --
früher nach den Kermesschildlauskörnern der Mittelmeerländer aus dem
arabischen ~kirmasi~ Karmoisin genannt -- liefern. Was die Kermeskörner
der Kermeseiche den Kulturvölkern der Alten Welt, das war denjenigen
der Neuen Welt, zumal den Azteken in Mexiko, die Cochenille, die ihnen
vorzugsweise zum Rotfärben diente. Als die Spanier diesen prächtigen
Farbstoff kennen lernten, waren sie so sehr von ihm entzückt, daß sie
ihn sofort in ihrer Heimat einführten. Um diesen Farbstoff selbst
zu produzieren, wurde die Cochenillekultur mit dem Nopalkaktus im
18. Jahrhundert von Mexiko aus nach Südspanien und 1853, als die
Weinkultur durch die Traubenkrankheit fast ganz ruiniert war, auch
nach den Kanarischen Inseln, besonders Teneriffa, verpflanzt, wo sie
bald zum Haupterzeugnis des Landes wurde. Von 1853 bis 57 wurden von
Teneriffa über 2 Millionen kg und 1857 allein ¾ Millionen kg
exportiert. Noch früher wurde diese Schildlaus mit ihrer Nährpflanze
nach Java verbracht, von wo 1853 über 45000 kg Cochenille gewonnen
wurden. Erst seitdem die auf künstlichem Wege aus Teerabkömmlingen
hergestellten echteren und intensiver färbenden Anilinfarben, besonders
das Fuchsin, in der Färberei aufkamen, wurde die Cochenillezucht völlig
zurückgedrängt.
Ein anderer amerikanischer roter Farbstoff ist das +Pernambuk+-
oder +echte Brasilholz+, das von einem baumartigen Hülsenfrüchtler
(~Caesalpinia echinata~) mit kurzstacheligen Ästen, unpaarig
gefiederten Blättern, kurzgestielten, gelb und rot gefleckten,
wohlriechenden Blüten in fast rispiger Traube und dornigen Hülsen
stammt. Seine indianische Bezeichnung brasil soll dem Lande Brasilien
den Namen gegeben haben. Letzteres wird nämlich erst seit 1580 so
genannt, während man das Brasilholz unter diesem Namen schon seit
1494 kannte. Früher hieß es auch „Königinholz“, weil seine Verwertung
jahrhundertelang ein Monopol der portugiesischen Krone war. Der in ihm
enthaltene Farbstoff, der sich auch im Limaholz aus Peru und Chile, im
St. Martholz aus Zentralamerika und im Jamaikaholz von den Antillen
findet, heißt Brasilin. Das echte Brasilholz kommt in armdicken, außen
rotbraunen bis schwärzlichen, innen gelbroten Knüppeln meist über
Pernambuco -- daher der Name -- in den Handel. Außer als Farbholz wird
es auch in der Kunsttischlerei und Drechslerei benutzt.
Ein anderer schöner roter Farbstoff südamerikanischen Ursprungs ist
das +Chicarot+ oder +Caracuru+, das aus den Blättern der an den Ufern
des Orinoko, Cassiquiare und anderer Flüsse Südamerikas wachsenden
~Bignonia chica~ gewonnen wird. Es ist dies ein Strauch mit doppelt
gefiederten Blättern, die beim Trocknen rot werden, und violetten,
hängenden Blüten. Werden die Blätter abgekocht, so scheidet sich in der
erkalteten Lösung der zinnoberrote, beim Reiben goldgrün metallisch
glänzende Farbstoff ab, der unlöslich in Wasser, schwer löslich in
Alkohol, aber leicht löslich in Ölen und Alkalien ist. Er wird von den
Indianern, die an den obengenannten Flüssen hausen, zum Bemalen der
Haut, in Nordamerika aber zum Gelb- und Rotfärben von Wolle und Seide
benutzt.
Nahe verwandt mit dem Brasilholzbaum ist der +Campeche-+ oder
+Blauholzbaum+ (~Haematoxylon campechianum~), ein 10-12 m hoher Baum
mit meist krummem Stamm, runzeliger, schwarzbrauner Rinde, vielfach
hin- und hergebogenen Ästen, paarig gefiederten Blättern, kleinen
hochgelben Blüten in einzelnen Trauben und lanzettlichen, meist
einsamigen Hülsen. Er ist ursprünglich in Mexiko und Mittelamerika
heimisch, von wo das Holz von meist wildwachsenden Bäumen vorzüglich
aus der Campechebai -- daher der Name -- und Honduras in den Handel
gelangt. Bald nach der Entdeckung Amerikas gelangte sein von den
mittelamerikanischen Kulturvölkern zum Färben benutztes Holz aus den
mexikanischen Häfen durch die Spanier nach Europa. Im Jahre 1570, zur
Zeit der Königin Elisabeth, wurde es in England eingeführt; da man
aber nicht echt damit zu färben verstand, verbot ein Parlamentsbeschluß
vom Jahre 1581 streng seine Einfuhr und Verwendung. Dieses Verbot der
Verwendung des als ~logwood~, d. h. Stammholz, bezeichneten Blauholzes
zum Färben wurde über ein Jahrhundert hindurch aufrechterhalten,
obgleich es vielfach dadurch umgangen wurde, daß man es unter dem neuen
Namen ~blackwood~, d. h. Schwarzholz, einschmuggelte. Von Mittelamerika
kam der es liefernde Baum im Jahre 1715 durch Barham nach Westindien,
dann auch nach dem nördlichen Südamerika. Neuerdings wird er auch in
den niederländischen Kolonien in Westindien gepflanzt. Das auswendig
blauschwarze, innen rotbraune, schwere, harte Holz nimmt eine gute
Politur an und dient daher außer zum Färben in der Kunsttischlerei
zur Herstellung wertvoller Möbel. Es enthält einen blauen Farbstoff,
das Hämatoxylin, das sich in Alkalien mit violetter Farbe löst, auch
zum Schwarzfärben und in der mikroskopischen Technik als vorzügliches
Kernfärbungsmittel verwendet wird.
In der Alten Welt ist das älteste Blaufärbemittel der +Waid+ (~Isatis
tinctoria~), ein zweijähriger, 0,5-1 m hoch werdender Kreuzblütler
mit gelben, in Trauben geordneten Blüten, der im mittleren und
südlichen Europa sowie im Orient auf sonnigen Plätzen wild wächst. Die
Blätter geben Indigblau und waren schon den Alten als Färbematerial
bekannt, weshalb die sie liefernde Pflanze teilweise auch angebaut
wurde. Der Waid bevorzugt lehmhaltigen Boden, auf dem er meist nur
eine Höhe von 40-60 cm erlangt. Die Blätter wurden, so lange man bei
uns den Waid anpflanzte, zwei- bis dreimal im Jahre abgebrochen und in
den Waidmühlen zerstampft. Der so entstehende Brei wurde, meist von
Kindern, zu kleinen Kugeln geformt und getrocknet. Später wurden die
Ballen in Bottiche getan und mit Wasser übergossen, wodurch sie bald
in Gärung gerieten und eine Temperatur von 15-20° C. zeigten. Von
den Bottichen zog man die Flüssigkeit ab und setzte ihr Kalkwasser
zu, worauf der nunmehr gelbe Farbstoff sich zu Boden setzte. Durch
Hinzufügen von Salzsäure erhielt er erst die blaue Farbe, die dann
unter starker Hitze getrocknet und in den Handel gebracht wurde.
Ursprünglich ließ man aber das in der Lösung befindliche Indoxyl durch
längeres Stehenlassen sich unter Freiwerden von Indigo zersetzen.
Deshalb stampfte man die nicht nur zerquetschte, sondern völlig
zerfallene Waidmasse in Fässer ein, in denen sie durch Fermentwirkung
nach und nach immer reicher an Indigo wurde.