Wie die Esparsette der Klee des Kalkbodens, so ist die auf der

iberischen Halbinsel, in Spanien und Portugal, heimische +Serradelle+

(~Ornithopus sativus~) der Klee des Sandbodens. Sie besitzt 30-60 cm

hohe Stengel, vielblütige Köpfchen von lilafarbenen Blüten und 25 cm

lange, perlschnurartig gegliederte Hülsen, wird von allen herbivoren

Haustieren gerne gefressen und kommt dem Wiesenheu an Nährwert gleich.

Da sie den Boden vermöge der stickstoffsammelnden Knöllchenbakterien

düngt und ihn bei gutem Stand auch trefflich beschattet, ihn damit in

guter Gare hinterläßt, wird sie zur Verbesserung schlechter Ländereien

verwendet. Sie ist eine gute Vorfrucht, zumal für Getreide, eignet

sich aber auch vorzüglich als Nachfrucht, indem man sie im Frühjahr

in Wintergetreide sät und nach der Ernte desselben noch einen guten

Futterschnitt oder im schlimmsten Fall eine gute Weide erhält. Sie

wurde in ihrer Heimat wohl erst gegen den Anfang des 19. Jahrhunderts

in Kultur genommen und gelangte von dort um die Mitte desselben zu uns.

Eine gute Futterpflanze ist auch der +gelbe+ oder +Steinklee+

(~Medicago lupulina~), eine auf Wiesen und an Wegrändern in ganz Europa

mit Ausnahme der arktischen Gebiete, in Nordafrika und Mittelasien

wildwachsende Pflanze mit niederliegendem oder aufsteigendem

Stengel, eiförmigen Blättchen, gelben Blüten in ährigen Trauben

und nierenförmigen, eingerollten Hülsen, die ein- und zweijährig

kultiviert wird. Ihre Samen werden fast ausschließlich in Mittel- und

Niederschlesien gezogen, während diejenigen der Luzerne und Sandluzerne

vorzugsweise in der Provence und in Italien vertrieben werden.

Auch die verschiedenen Arten von +Honigklee+ (~Melilotus~) finden als

Futterkräuter Verwendung. So wurde der in Italien und Griechenland

als überall angetroffenes Unkraut heimische +sizilische Honigklee+

(~Melilotus messanensis~) mit gelben Blüten von den Alten als

Viehfutter gepflanzt. Noch heute heißt er in Griechenland ~hémeron

triphýlli~, d. h. zahmer Klee. Bei den alten Griechen hieß er

~melílōtos~, war dem Apollon und den Musen geweiht und galt als

Symbol der Schönheit und wohlgesetzten Rede. Das wohlriechende

Kraut war zu Kränzen beliebt und diente nach Nikander um den Kopf

gewunden zur Linderung von Krankheiten aller Art. Der griechische

Arzt Dioskurides um die Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr. schreibt

in seiner Arzneikunde: „Der beste Honigklee (~melílōtos~) wächst bei

Athen, Kyzikos und bei Karthago, und zwar mit safrangelber Farbe und

Wohlgeruch. Er wächst auch in Kampanien bei Nola, hat die Eigenschaften

des Bockshornklees (~telízōn~), aber sein Geruch ist schwächer. Man

braucht ihn gegen Kopfweh und einige andere Übel.“

Der +gelbblütige Honigklee+ (~Melilotus officinalis~), der durch

achselständige, lange, lockere Blütentrauben ausgezeichnet ist und

sehr kurze, meist einsamige Früchte zeitigt, ist eine ebenfalls als

Viehfutter beliebte, 1-1,25 m hohe Staude, die in allen Teilen,

besonders getrocknet, einen starken Geruch nach frischem, duftigem

Heu wie das Ruchgras (~Anthoxantum odoratum~) und andere vorzügliches

Futter gebende Gräser aushaucht. Bei allen diesen rührt der Duft von

dem besonders in den Tonkabohnen enthaltenen und daraus gewonnenen,

auch dem Waldmeister sein köstliches Aroma verleihenden Kumarin, das

in der Parfümerie eine große Rolle spielt, auch zum Aromatisieren

von Schnupftabak dient. Die Blätter und Blüten dieses, wie auch des

ebenfalls gelbblütigen +behaartfrüchtigen Honigklees+ (~Melilotus

macrorhiza~) dienen zu erweichenden Umschlägen und besonders zur

Herstellung des zerteilenden Melilotenpflasters. Letztere Art wird

namentlich in England auf schlechtem Boden für Pferde kultiviert,

während der bis 1,95 m hohe +weißblütige Honigklee+ (~Melilotus

alba~) als Wunder- oder amerikanischer Riesenklee als die beste die

Luzerne ersetzende Kleeart eine Zeitlang auf magerem Boden viel

gepflanzt wurde. Sein Same wurde sehr teuer bezahlt; allein nach den

gemachten Erfahrungen gibt dieser Honigklee zwar eine gute Weide für

Schafe, kann aber als Trockenfutter wegen seines starken Geruchs nicht

unvermengt verfüttert werden und ist im erwachsenen Zustande wegen

seiner langen, holzigen Stengel und Äste und den wenigen Blättern eine

harte Pflanze.

Überhaupt sind alle diese Honigkleearten nur im jungen Zustande gute

Futterkräuter, werden aber des bitteren Geschmacks wegen, der von ihrem

Gehalte an Kumarin herrührt, unvermengt vom Vieh nicht gern gefressen.

Weitaus am stärksten riecht unter allen Honigkleearten, besonders in

getrocknetem Zustande, der aus Nordafrika stammende +Bisamhonigklee+

(~Melilotus coerulea~) mit bläulichen oder hellila gefärbten Blüten,

der hier und da in Deutschland und in der Schweiz, so namentlich im

Kanton Glarus, angebaut wird. Sein getrocknetes und fein zerriebenes

Kraut gibt nämlich dem vorzugsweise im Kanton Glarus in der Schweiz

hergestellten Kräuterkäse oder Schabzieger seine grünliche Farbe und

seinen eigentümlichen Geruch und Geschmack.

Denselben starken Geruch besitzt auch der im Orient und in Griechenland

heimische +Bockshornklee+ oder +griechisches Heu+ (~Trigonella

foenum graecum~), das ebenfalls zur Herstellung von Kräuterkäse

dient. Dieser einjährige, 30-50 cm hohe Schmetterlingsblütler mit

eiförmigen Blättern, blaßgelben Blüten und 8-12 cm langen, sichelförmig

gekrümmten, längsgestreiften Hülsen kommt auch in ganz Nordafrika

bis Indien wild vor und wird dort wie in Südeuropa von altersher als

Viehfutter gepflanzt; auch in Südfrankreich, in Thüringen und im

Vogtland wird er der Samen wegen kultiviert. Diese schmecken gekocht

schleimig-bitter, riechen stark nach Honigklee und standen bei den

Ägyptern, Griechen und Römern in hohem Ansehen als Arzneimittel.

Plinius sagt von der Pflanze: „Der Bockshornklee hat als Arznei

einen großen Ruf. Er heißt bei den Griechen ~télis~, ~búkeras~ oder

~aigókeras~ (d. h. Rinds- oder Bockshorn, weil seine Fruchthülsen

wie Hörnchen gekrümmt sind), bei den Römern aber heißt er ~silicia~

(d. h. Hülsenfrüchtler).“ Sein Zeitgenosse, der griechische Arzt

Dioskurides schreibt von ihm in seiner Arzneimittellehre: „Die zu Mehl

zerriebenen Samen des Bockshornklees (~télis~) dienen als Arznei.

Man legt sie auch in Olivenöl und preßt die Mischung aus.“ Und der

römische Ackerbauschriftsteller Columella aus Spanien berichtet: „Das

griechische Heu (~foenum graecum~), das die Landleute ~siliqua~ (Hülse)

nennen, wird im September gesät, wenn es als Grünfutter dienen soll,

dagegen Ende Januar, wenn die Samen geerntet werden sollen. Kommt der

Same mehr als vierfingerbreit unter die Oberfläche, so geht er nicht

leicht auf.“ Letzterer wurde geröstet von den Alten als Speise benutzt.

Heute noch werden die Samen im Orient, vornehmlich in Ägypten, mit

Milch zubereitet sehr gerne gegessen und sollen namentlich von den

Haremsdamen zur Erlangung der als Zeichen von besonderer Schönheit

geltenden Wohlbeleibtheit gebraucht werden. Bei uns finden sie fast

nur noch in der Tierarzneikunde und, ihres Schleimes wegen, auch in

der Tuchfabrikation Verwendung. Die jungen Triebe werden im Orient

gerne als wohlschmeckendes Gemüse gegessen. Der Bockshornklee, dessen

Anbau Karl der Große in den Verordnungen für die kaiserlichen Güter vom

Jahre 812 befahl, wird auch bei uns gelegentlich als Grünfutter und

zur Heugewinnung angepflanzt, doch schmeckt er so stark, daß er nur

mit andern Futterpflanzen vermischt vom Vieh gerne gefressen wird. Das

Stroh der Hülsen dient bei den Arabern als Pferdefutter.

Von den eigentlichen Kleearten mit dreigeteilten Blättern (daher

~trifolium~ schon von den alten Römern genannt) ist der an feuchten

Stellen Kleinasiens und Griechenlands äußerst häufig wachsende

+Erdbeerklee+ (~Trifolium fragiferum~) mit fleischroten Blüten schon

von den Griechen und Römern als ~lōtós~ beziehungsweise ~lotus~ als

geschätztes Viehfutter angepflanzt worden. Er ist das Kraut ~lōtós~,

das bei Homer die Gefilde bedeckt und von den Pferden der Helden

gefressen wird. Der römische Dichter Vergil (70-19 v. Chr.) rät in

seiner Georgika, der in Hexametern verfaßten Abhandlung über den

Landbau, für das Vieh viel solchen Klee (~lotos~) zu säen, und der

griechische Arzt Dioskurides um die Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr.

unterscheidet außer dem wilden Erdbeerklee (~lōtós~), der auch der

libysche heiße, weil er besonders häufig in Libyen wächst, über zwei

Ellen hoch werde und Blätter wie der gewöhnliche Wiesenklee habe, den

in Gärten wachsenden zahmen ~lōtós~.

Dem Erdbeerklee ähnlich ist der überall auf Wiesen und Triften

gemeine +kriechende Klee+ (~Trifolium repens~) mit weißen, seltener

fleischfarbenen Blüten, der auf den Wiesen, auf welchen er erscheint,

stets als ein Zeichen von deren Güte gilt; er wird häufig auf minder

gutem Boden, namentlich auf Marschboden kultiviert und kann noch da

angebaut werden, wo der sonst bessere rote oder Wiesenklee wegen

mangelnder Feuchtigkeit nicht mehr gedeiht. Er dient wie alle andern

Kleearten teils zur Grünfütterung, teils zur Weide. Ebenso werden die

als sehr geschätzte Futterpflanzen auf Bergwiesen häufigen Arten,

der +weißblütige Bergklee+ (~Trifolium montanum~), der +rotblütige

Bergklee+ (~Tr. alpestre~), der +große rotblütige Bergklee+ (~Tr.

rubens~) und der purpurblütige +mittlere Bergklee+ (~Tr. medium~)

auch im Tiefland häufig angebaut. Der anfänglich weißlich und zuletzt

rötlich blühende +Ackerklee+ (~Tr. arvense~) ist auf Äckern zwar ein

Unkraut, gibt aber daselbst nach der Ernte dem weidenden Vieh Futter

und eignet sich auch auf schlechtem Boden zum Anbau, speziell als

Weidekraut. Mehr in südlichen Gegenden wird der gelblichweißblütige

+Rosenklee+ (~Tr. ochroleucum~) angepflanzt, während der auf feuchten

Wiesen und Triften Mitteleuropas wildwachsende +schwedische+ oder

+Bastardklee+ (~Tr. hybridum~) mit langgestielten, rundlichen Köpfen

von weißen innern und leicht rosenroten Randblüten auch bei uns als ein

sehr gutes, hinsichtlich des Bodens wenig anspruchsvolles Futterkraut

angebaut wird. Es gedeiht selbst noch auf so dürftigem Grunde, wie ihn

sonst keine andere Kleeart annimmt.

Auch der als Kulturpflanze der Landwirtschaft aus Italien zu uns

gekommene, mit schön purpur- oder fleischroten Blüten in länglichen

Köpfchen gezierte +Blut-+ oder +Inkarnatklee+ (~Trifolium incarnatum~)

wird häufig in Deutschland angepflanzt. Diese einjährige Futterpflanze,

die in Nordspanien, auf Sardinien und in Nordafrika wildwachsend

angetroffen wird, scheint in Katalonien zuerst angepflanzt worden zu

sein. Von da kam sie erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts über die

Pyrenäen nach der südfranzösischen Provinz Ariège, wo de Candolle ihre

Kultur beschränkt fand. Bald verbreitete sie sich über das übrige

Frankreich, war um 1830 schon bei Genf in der Schweiz und drang später

auch nach Deutschland vor, wo sie wegen ihrer Vorzüge bald ziemliche

Verbreitung fand.

Aber der in Deutschland, wie dem übrigen Europa und der ganzen

Kulturwelt als wichtigste Futterpflanze überhaupt angebaute Klee,

der Klee schlechthin, ist der +rote+ oder +Wiesenklee+ (~Trifolium

pratense~) mit meist purpurroten Blüten, der bei uns überall auf

Wiesen als Merkmal besonderer Güte wildwachsend angetroffen wird. Er

wird allgemein auf Äckern, teils für sich, teils im Gemenge (besonders

mit Timothygras, ~Phleum pratense~) kultiviert und ist auf schwerem,

tiefgründigem Boden das vorteilhafteste Futterkraut in Nordeuropa,

bleibt aber nur einige Jahre ergiebig und darf erst nach längerer

Pause auf demselben Felde wieder gepflanzt werden, weil solche Felder

an den für den Klee erforderlichen Nährstoffen erschöpft werden, die

sogenannte Kleemüdigkeit zeigen.

Diesen Wiesenklee hat das Altertum nicht angebaut. Gewiß war er schon

zu Ende des Mittelalters in Spanien eine geschätzte Futterpflanze,

aber seine Kultur wurde erst um die Mitte des 16. Jahrhunderts durch

die aus Spanien vertriebenen Protestanten in Mitteleuropa eingeführt.

Zuerst läßt sich sein Anbau gegen die Mitte des 16. Jahrhunderts in

Flandern nachweisen, von wo ihn die Engländer im Jahre 1633 durch

den Einfluß des damaligen Lordkanzlers Weston, Graf von Portland,

erhielten. Um 1566 finden wir den roten Kopfklee in Frankreich und

Belgien als Futterpflanze angebaut. In der Folge kam er dann +vor+ dem

weißen Klee, wie auch der Esparsette und Luzerne auch in Deutschland

auf. Und zwar war es zuerst die Kurpfalz, wo er durch unter dem Schutze

des Kurfürsten angesiedelte spanische Refugianten eingeführt wurde. Von

da aus eroberte er sich bald ganz Deutschland. Später begann man in den

1760er Jahren zuerst in Süddeutschland die Kleekultur zu verbessern

und gewann damit bedeutend mehr Futter, so daß man den Viehstand zu

vergrößern vermochte. Auch führte man zur Schonung der unnötig vom

Vieh niedergetretenen Kleeäcker die Stallfütterung ein, bei welcher

gleichzeitig die Aufsicht, wie sie der Weidgang erforderte, wegfiel.

Durch die günstigen Erfolge angeregt, führte der Gutsbesitzer Johann

Christian Schubart (1734-1786), der das neue Feldsystem in Darmstadt

kennen gelernt hatte, mit diesem die Kultur von Kopfklee, Runkelrüben

und Kartoffeln auf seinen Gütern bei Zeitz in Norddeutschland ein. Seit

1781 wirkte er auch schriftstellerisch für die weitere Verbreitung des

Kleebaues, wie für die übrigen Neuerungen, die in der Folge ziemlich

rasch in Thüringen und Sachsen Eingang fanden. Für seine zweifellos

großen Verdienste wurde dann Schubart 1784 als Edler von Kleefeld

geadelt. Durch falsche Anwendung gelangte seine Lehre vorübergehend in

Mißkredit, bis sich Albrecht Thaer ihrer annahm. Auf die in England

mit dieser neuen Kultur gewonnenen günstigen Erfahrungen hinweisend,

vermochte er in weiten Kreisen das erschütterte Vertrauen in den

Kleebau wieder zu befestigen. So fand dieser von 1848 an schnell

allgemeine Verbreitung. Er bewährte sich besonders in solchen Gegenden,

in denen die Kultur der Luzerne versagte. Heute ist der Kleehandel am

stärksten in Deutschland, und zwar in Schlesien, dann in Steiermark und

Südfrankreich, diese Länder versorgen alle übrigen mit Kleesamen. Wegen

der geringen Widerstandsfähigkeit seiner Kleearten vermag Nordamerika

damit bei uns keinen Markt zu gewinnen.

Auch in Sage und Geschichte spielt der Klee eine gewisse Rolle. So

hat man früher vierblätterigem Klee allseitig wunderbare Zauberkraft

zugeschrieben. Dem Finder sollte es Glück und Heil bringen, noch mehr

aber demjenigen, dem unbewußt solches von jemand zugesteckt wurde.

Noch heute glaubt das Volk in Griechenland, daß ein vierblätteriges

Kleeblatt Schätze heben und die gefährlichsten Krankheiten heilen

könne. Besondere Wertschätzung als Spender übernatürlicher Kräfte

genoß es namentlich auch in England, noch mehr aber das viel seltenere

siebenblätterige Kleeblatt. Das Dreiblatt des weißblütigen kriechenden

Klees (~Trifolium repens~), nach andern wohl richtiger des Hasenklees

oder gemeinen Sauerklees (~Oxalis acetosella~) ist der von den Dichtern

englischer Zunge oft besungene ~shamrock~, das Nationalzeichen

der Irländer, das sie zur Ehre ihres Schutzheiligen St. Patrick

(~Patricius~) tragen.

Endlich wird auch der auf sandigen Äckern als Unkraut wachsende

+Ackerspörgel+ (~Spergula arvensis~) mit kleinen, weißen Blüten, deren

Stiele sich nach dem Verblühen herabschlagen, als ausgezeichnetes,

reichlich Milch lieferndes Weidekraut angepflanzt. In der Kultur ist

die Pflanze gegenüber den Wildlingen gebliebenen Verwandten viel

größer und saftiger und wird deshalb als +Spark+ (~S. maxima~) von

jenen unterschieden. Sie gedeiht noch recht gut in Sandgegenden,

wo Klee und Gras nur kümmerlich fortkommen, und gibt für Sommer

und Herbst treffliches frisches Grünfutter. Auch dient die Pflanze

zur Gründüngung; die zurückbleibenden Sparkwurzeln verbessern den

Boden bedeutend, so daß er mit der Zeit auch für anspruchsvollere

Futterkräuter verwendet werden kann.

Neuerdings werden auch verschiedene rasch wachsende Getreidearten

zur Grünfütterung gepflanzt. So liefert vielfach Grünroggen und

Grünbuchweizen um Anfang Mai das erste grüne Futter für das Vieh.

An deren Stelle treten später Grüngerste, Grünweizen und namentlich

Grünmais, welch letzterer für wärmere Gegenden weitaus das ausgiebigste

Futter ist. Für trockene und zugleich warme Gebiete sind auch die

+kleine Kolbenhirse+ oder der +Fennich+ (~Setaria viridis~), besonders

die Varietät mit orangegelben Körnern -- in Ungarn ~mohar~ genannt --

und die +wehrlose Trespe+ (~Bromus inermis~) von sehr großer Bedeutung.

[1] Siehe Näheres im 3. Bande des: Vom Nebelfleck zum Menschen

betitelt „Das Leben der Erde“ S. 567 ff. im 13. Abschnitt, der

das Leben der Erde behandelt.

XX.

Die Faserpflanzen.

Eine der ältesten Handfertigkeiten des Menschen ist das Flechten,

dem später das Spinnen und Weben folgte. Dazu benutzte er die

verschiedensten ihm bekannten und zugänglichen Faserstoffe des

Pflanzenreichs, so vor allem den geschmeidigen Bast mancher Bäume,

besonders der Linde, und die zähen Stengel der Binsen, später auch die

in der nördlichen Pflanzenregion heimische, wasserreichen Untergrund

liebende Korbweide.

Als früheste kultivierte Faserpflanze tritt uns in Europa der

+schmalblätterige Lein+ (~Linum angustifolium~) entgegen, der in

nicht zu feuchten Gegenden der Mittelmeerländer von den Kanaren bis

Syrien und dem Kaukasus heimisch ist und auf sterilem Boden überall

wildwachsend angetroffen wird. Im Gegensatz zu unserem Kulturlein

ist er nicht einjährig, sondern ausdauernd und treibt statt einem

mehrere Stengel mit schmäleren Blättern und kleineren, an der Spitze

kaum gekerbten Samen. Als südliche, wärmeliebende Pflanze ist er

nicht imstande, die jetzigen Winter der östlichen Schweiz, wo er zur

jüngsten Steinzeit in Robenhausen und anderen Pfahlbauniederlassungen

in ziemlicher Menge angepflanzt und verarbeitet wurde, zu ertragen.

Es muß also das Klima hier vor 4000-5000 Jahren ein wärmeres als

heute gewesen sein. Aus dem Süden gelangte diese Gespinstpflanze

mit den sie begleitenden Unkräutern, wie dem kretischen Leinkraut

(~Silene cretica~), das heute noch zahlreich in den Leinfeldern

Italiens wuchert, zu ihnen und wurde von ihnen auf ihren Hackfeldern

angebaut, um daraus Garn für die Anfertigung von Schnüren, Fischnetzen,

Matten und zum Weben von meist groben Stoffen, die jedenfalls als

Unterkleidung unter den für gewöhnlich getragenen Pelzen getragen

wurden, herzustellen. Diese Stoffe, die sie auf äußerst primitiven

hängenden Webstühlen mit Gewichten aus gebranntem Ton zum Strecken der

Zettel herstellten, verstanden sie bereits mit verschiedenen einfachen

geometrischen Figuren zu verzieren, rot, blau und gelb zu färben und

sogar schon mit allerlei primitiven Stickereien zu schmücken.

[Illustration: Bild 58. Rekonstruktion des aufrechten

Pfahlbauwebstuhls. Die unten durch eine Schnur zusammengehaltenen

Zettel werden durch Gewichte aus gebranntem Ton gestreckt. Der

Einschlagfaden wird vermittelst des Weberstabes eingetragen.]

[Illustration: Bild 59. Grober Leinenstoff aus dem neolithischen

Pfahlbau von Robenhausen.]

Die nördlichste neolithische Station Deutschlands, wo er gefunden

wurde, ist Schussenried im südlichen Württemberg. Es mag ja sein,

daß der Flachsbau damals schon etwas weiter nach Norden zu in

Süddeutschland verbreitet war, aber nach Norddeutschland oder gar dem

nördlichen Europa kann er unmöglich vorgedrungen gewesen sein, da diese

südliche Pflanze die Winter dieser Länder durchaus nicht auszuhalten

vermöchte.

Aus der älteren Bronzezeit sind noch nirgends in Europa Funde von

Flachs gemacht worden. Erst aus der jüngeren Bronzezeit sind in

Dänemark Reste eines feinen Linnenstoffes zutage getreten, woraus

freilich noch nicht geschlossen werden darf, daß der Flachs damals

bereits dort gebaut wurde, da bei den regen Handelsbeziehungen jener

Zeit für das Leinen die Möglichkeit des Importes vorliegt. Außerdem

wissen wir, daß alle aus jener Zeit auf uns gekommenen Gewebereste

aus Wolle bestehen, aus der verfertigte Kleider damals im Norden

ausschließlich getragen wurden. Die ersten Beweise der Flachskultur

auf norddeutschem Boden stammen aus der älteren Eisenzeit. Man fand

nämlich in der Karhofhöhle eine Art grobgeschrotenes, aus Weizen und

Hirse bereitetes Brot, dem, ähnlich wie beim Brot der schweizerischen

Pfahlbauern, teilweise Leinsamen zugesetzt war. Welcher Art der Flachs

angehörte, läßt sich allerdings in diesem Falle nicht entscheiden. Im

slawischen Burgwall von Poppschütz bei Freistadt in Schlesien hat sich

ebenfalls Flachssamen, der vermutlich zur Nahrung diente, gefunden,

und zwar scheint hier nach Buschan, soweit ein Urteil aus den Samen

allein möglich ist, eine Übergangsform zwischen dem mehrjährigen,

schmalblätterigen Lein der Pfahlbauzeit und dem erst später nach Europa

gekommenen, heute noch bei uns kultivierten Lein zu sein.

[Illustration: Bild 60. Idol (Götzenbild) aus gebranntem Ton vom

neolithischen Pfahlbau von Laibach in Krain mit einem hemdartigen,

mit gemusterten Vierecken verzierten Gewand. ~a~ Vorder-, ~b~

Seitenansicht.]

Unser +Kulturlein+ (~Linum usitatissimum~) hat seine Heimat im

westlichen Persien und in Südkaukasien, wo die Stammpflanze auf

trockenen Hügeln manchenorts noch wild angetroffen wird. Sie ist

eine bis 60 cm hoch werdende einjährige Pflanze mit im Gegensatz

zum schmalblätterigen Lein nur +einem+ Stengel, breiteren Blättern

und größeren, an der Spitze gekerbten Samen, die rascher reifen als

diejenigen der schmalblätterigen wilden Art und den Vorzug haben, nicht

ausgestreut zu werden wie dort, sondern in den Samenkapseln geerntet

werden zu können, die bei dieser Art meist nicht mehr aufspringen.

Diese Samen dienten den Leinbau treibenden Völkern der Vorzeit als

willkommene fettreiche Nahrung und wurde von ihnen gerne gegessen

und als Totenspeise auch den Verstorbenen mitgegeben. Der Kulturlein

besitzt schöne blaue Blüten, die nur einen Tag, und zwar nur vormittags

blühen. Ein solch blühendes Leinfeld bietet einen hübschen Anblick dar,

der die sagenhafte Begebenheit einigermaßen glaubwürdig erscheinen

läßt, die uns der fränkische Geschichtschreiber Paulus Diaconus

in seiner älteren, d. h. voritalischen Geschichte der Langobarden

erzählt, wonach die von den Langobarden besiegten Heruler auf ihrer

Flucht ein blühendes Leinfeld für einen See gehalten hätten, in den

sie sich hineinstürzten, als ob sie schwimmen wollten. So seien sie

von den verfolgenden Siegern ereilt und niedergemacht worden. Nur

in Amerika, wohin der Flachs bald nach der Entdeckung dieses neuen

Weltteils gebracht wurde, zieht man außer der blau blühenden auch

eine weiß blühende Abart. Jede Kapsel enthält zehn längliche, flach

zusammengedrückte, hellbraune, glänzende Samen, die in ihren äußeren

Zellenschichten ein im Wasser stark aufquellendes, schleimhaltiges

Gewebe enthalten, weshalb man sie zermahlen und gekocht zu breiigen

Umschlägen und ihren Schleim auch innerlich als einhüllendes Mittel

verwendet.

Kulturgeschichte der Nutzpflanzen, Band IV, 2. Hälfte · 第 3 / 81 段