Das Gesagte bezieht sich auf Wiesen, die schon als solche vorhanden

sind. Kommt es dagegen darauf an, neue anzulegen oder verdorbene neu

in Stand zu setzen, so ist es oft vorteilhaft, den Boden erst zu

pflügen; denn eine alte Wiese gibt, wenn sie umgepflügt ist, oft einen

hohen Ertrag. Es wird also ein solches zur Wiese bestimmtes Stück

Land im Sommer mehrmals mit dem Pfluge gewendet, dann im Herbst mit

Rüben (~rapum~), Raps (~napus~) oder Saubohnen (~faba~) besät und im

folgenden Jahre mit Getreide. Im dritten wird es dann sorgsam gepflügt

und mit Wicken (~vicia~), die mit Heusamen (~semen foeni~) gemengt

sind, besät. Hierauf werden die Schollen mit Hacken kleingeschlagen und

mit Eggen geebnet, auch werden die kleinen Hügel, die sich da bilden,

wo man die Egge wendet, dem Boden gleich gemacht, damit gar nichts

zurückbleibt, woran die Sichel des Mähers (~foenisex~) sich stoßen

könnte. Die Wicke bleibt so lange stehen, bis sie ganz reif ist und

schon eine Anzahl Samen auf den Boden hat fallen lassen. Dann wird sie

samt dem Grase gemäht, in Bündel gebunden und weggeschafft. Ist der

Boden fest, so kann man ihn nun wässern, wenn Wasser zu haben ist.

Ist er aber locker, so darf man nicht eher eine größere Menge Wasser

darauf fließen lassen, als bis er dicht mit Graswurzeln durchzogen ist,

sonst würde das Wasser die Erde mitnehmen und die Wurzeln des Grases

bloßlegen. Auch das Vieh darf nicht auf die junge Wiese gehen. So oft

das Gras emporgewachsen ist, wird es mit Sicheln (~falx~) geschnitten.

Erst im zweiten Jahr gestattet man nach der Heuernte (~foenisicium~)

dem kleinen Vieh, auf eine solche Wiese zu gehen, wenn sie trocken und

zur Weide günstig gelegen ist. Im dritten Jahr kann auch das große Vieh

auf ihr weiden, wenn sie fest geworden ist. Noch ist darauf zu sehen,

daß die magersten und die höchsten Stellen der Wiese im Februar mit

Heusamen und Mist beworfen werden. Ist die Höhe gedüngt, so führt der

Regen oder die Bewässerung die Nährkraft auch auf die tieferliegenden

Teile. Aus eben diesem Grunde düngt man die Höhen der Äcker stärker als

die Tiefen.

[Illustration:

Tafel 93.

Wirkung der künstlichen Düngung auf den Heuertrag.

Links beginnend: 1. Ohne Düngung. 2. Mit Superphosphat. 3. Mit Kainit

und Superphosphat.]

[Illustration:

Tafel 94.

Rotbuchen-Kuhbüsche (vorderster Busch 3,5 m hoch) von der Weide des

Hüttenwasens beim Feldberg im Schwarzwald, wie die Geißtannli der

schweizerischen Alpenweiden durch beständiges Abgefressenwerden der

jungen Triebe durch das weidende Vieh entstanden. (Nach Photogramm von

L. Klein aus den Vegetationsbildern von G. Karsten und A. Schenck.)]

Das Heu wird am besten zur Zeit geschnitten, da es erwachsen, aber

noch nicht dürr ist; man bekommt dann mehr davon und es gibt ein

wohlschmeckenderes Futter für das Vieh ab. Beim Dörren hat man darauf

zu achten, daß es weder zu trocken, noch zu frisch eingefahren wird.

Das allzu trockene ist strohartig, das allzu frische geht in der

Scheuer (~tabulatum~) in Fäulnis über, erhitzt sich auch oft so, daß

Feuer daraus emporschlägt. Wird geschnittenes Heu auf der Wiese vom

Platzregen durchnäßt, so läßt man es ruhig liegen, bis es obenweg

wieder von der Sonne getrocknet ist. Erst dann wird es gewendet und,

wenn es auf beiden Seiten getrocknet ist, auf Schwaden (~striga~)

gebracht und in Bündel (~manipulus~) gebunden. Nun bringt man es so

bald als möglich unter Dach oder baut, wenn solches nicht möglich

ist, Schober (~meta~, so hieß übrigens auch der als Ziel oder

Wendepunkt dienende kegelförmige Stein in der Rennbahn) aus ihm, die so

spitzig als möglich sein sollen. So wird das Heu am besten vor Regen

geschützt; auch haben die Schober, abgesehen vom Schutz gegen Regen,

das Gute, daß das Heu in ihnen schwitzt und so die noch vorhandene

Feuchtigkeit verdunsten läßt. Auch wenn man Heu unter Dach bringt, tut

man gut daran, es zunächst nur lose aufzuschichten und es erst später,

nachdem es geschwitzt hat, festzutreten, da, wo es bleiben soll.“

Der fruchtbarste und bedeutendste Gelehrte Roms, Marcus Terentius

Varro (116-27 v. Chr.) schreibt in seinem Buche über den Landbau:

„Hört das Gras (~herba~) der Wiesen (~pratum~) auf zu wachsen und

beginnt vor Hitze dürr zu werden, so muß es mit Sicheln abgeschnitten

werden, dann wendet man es mit Gabeln, bis es dürr ist, bindet es

in Bündel und fährt es in das Landhaus (~villa~). Nun kratzt man

die Stoppeln (~stipula~) von der Wiese mit Harken und legt sie zum

Heuvorrat (~foenisicia~). Ist dies geschehen, so werden die Wiesen

noch gesichelt, d. h. es wird noch das mit den Sicheln weggeschnitten,

was die Heumäher (~foenisex~) beim ersten Schnitt haben stehen lassen,

nach welchem die Wiese noch ganz höckerig aussieht.“ Palladius im 4.

Jahrhundert n. Chr. rät die als Weide dienenden Wiesen (~pascuum~) im

August in Brand zu stecken, damit die Sträucher (~frutex~) bis auf

den Strunk (~stirps~) abbrennen und die Gräser nach dem Brande um so

freudiger wieder aufsprießen. Auch rät er die Scheuern nicht bloß

trocken und luftig, sondern auch weit genug vom Landhaus weg zu bauen,

damit letzteres im Falle eines Brandes nicht gefährdet werde.

In welch hohen Ehren der Landbau bei den Römern noch in der Kaiserzeit

stand, das bezeugt uns Plinius der Ältere (23-79 n. Chr.), der uns in

seiner Naturgeschichte bezeugt: „Auch bei den Ausländern hat es für

eine passende Beschäftigung für Könige und Feldherrn gegolten, über den

Landbau zu schreiben. Das haben z. B. die Könige Hiero, Philometor,

Attalus und Archelaos, die Feldherrn Xenophon und Mago der Punier

getan. Als das römische Heer Karthago erobert hatte (146 v. Chr.),

schenkte unser Senat die dortigen Büchersammlungen den kleinen Fürsten

Afrikas; die 28 kleinen Schriften des Mago (lebte etwa um 520 v. Chr.)

aber hielt er in Ehren und ließ sie ins Lateinische übersetzen,

obgleich der ältere Cato damals schon über den Landbau geschrieben

hatte. -- Auch unter den Weltweisen, den ausgezeichneten Dichtern, den

berühmten Schriftstellern sind tüchtige Landwirte gewesen. Ich habe

deren Namen in der Einleitung zu meinem Buche genannt, erwähne aber

ganz besonders den Marcus Varro, der sich noch in seinem 81. Lebensjahr

entschloß, über die Landwirtschaft zu schreiben.“

Derselbe Plinius aber bemerkt zur Tatsache, daß die römischen Landgüter

zu seiner Zeit nur noch durch die infolge der zahlreichen Kriege im

Überfluß auf den Sklavenmarkt geworfenen Kriegsgefangenen bearbeitet

wurden: „In alter Zeit bebauten unsere Feldherrn mit eigener Hand ihre

Felder, und man darf wohl annehmen, daß sich die Erde selbst über den

mit Lorbeer bekränzten Pflug und den durch Triumphe berühmten Pflüger

gefreut habe. Dem Serranus wurden seine Ehrenstellen übertragen, wie

er gerade mit Säen (~serere~) beschäftigt war, und so erhielt er jenen

Namen. Dem Cincinnatus überbrachte der Staatsbote (458 v. Chr.) die

Diktatur, wie er seine vier Joche Landes am Vatikan pflügte; sie heißen

noch jetzt die Qintischen Wiesen (er hieß nämlich Lucius Qinctius

Cincinnatus). -- Heutzutage wird das Land von Sklaven bearbeitet, deren

Füße gefesselt, deren Hände verdammt und deren Gesichter gebrandmarkt

sind. Das kann die Erde doch nur mit Widerwillen dulden.“

Neben den Gräsern spielte die +Luzerne+ (~Medicago sativa~) schon bei

den Kulturvölkern des Altertums eine nicht unwichtige Rolle. Dieser

Schmetterlingsblütler mit bläulichen oder violetten Blüten in lockeren

Trauben und spiralig zusammengerollten Hülsen ist vom südwestlichen

Rußland durch Asien bis zur Mongolei, Tibet und Vorderindien heimisch,

während die ihr nahe verwandte gelbblühende Abart, der +Sichelklee+

(~Medicago falcata~), von Mittel- und Südeuropa bis zum nördlichen

Sibirien und nach Zentralasien wildwachsend vorkommt. Die Luzerne ist

ein sehr wertvolles Futterkraut, das so gut wie niemals versagt und

sehr viele Jahre hindurch einen unverminderten Ertrag gibt, weshalb sie

auch als „ewiger Klee“ bezeichnet wird. Sie kann auf gutem Boden bei

uns jährlich viermal, in Südeuropa sogar sechsmal geschnitten werden.

Die Kreuzung derselben mit dem einheimischen gelbblühenden Sichelklee

hat die ihrem Ursprung gemäß häufig Farbenübergänge von Gelb nach

Violett zeigende +Sandluzerne+ (~Medicago media~) hervorgebracht, so

genannt, weil sie noch auf magerem Boden mit Vorteil angebaut werden

kann.

Im rossereichen alten Medien, der Landschaft südöstlich vom

Kaukasus, scheint die Luzerne zum erstenmal in größerem Umfange als

Pferdefutter angepflanzt worden zu sein; wenigstens gelangte sie von

dort zu den Kulturvölkern der Mittelmeerländer, zu den Griechen als

~mēdikḗ póa~ oder einfach ~mēdikḗ~ und von diesen zu den Römern als

~medica~. Die, wie vorhin gesagt, einen außerordentlich ausgedehnten

Gebrauch vom Pferd für die zahlreiche Kavallerie und den Postdienst

machenden Perser nannten sie ~aspest~, d. h. Pferdefutter, pflanzten

sie ebenfalls viel an und sollen sie auf ihren Kriegszügen nach

dem Urteil des Plinius nach Griechenland verbreitet haben. Von den

griechischen Schriftstellern erwähnt sie zuerst der Komödiendichter

Aristophanes (455-387), und zwar gleichfalls als Pferdefutter. Auch

Aristoteles (384-322) spricht wiederholt von ihr, urteilt aber in

ziemlich abfälliger Weise von ihrem Nutzen: „Sie ist zwar den Bienen

zuträglich, aber ihr erster Schnitt taugt nichts und sie entzieht den

Tieren, besonders den Wiederkäuern, die Milch.“ Die Römer urteilten,

nachdem sie dieses Futterkraut von den Griechen kennen gelernt hatten,

günstiger darüber. Cato (234-149 v. Chr.) kannte es offenbar noch

nicht, denn er schweigt sich vollständig über die Luzerne aus. Der

erste, der sie erwähnt, der gelehrte Varro (116-27 v. Chr.), sagt von

ihr, daß die Schafe durch die Fütterung mit ~medica~, deren Samen

beim Säen wie Getreide geworfen werde, wie auch mit dem baumförmigen

Schneckenklee (~cytisus~) fett werden und viel Milch geben. Sehr

eingenommen von ihr ist besonders der römische Ackerbauschriftsteller

Columella aus dem 1. Jahrhundert n. Chr., der von ihr schreibt: „Unter

allen Futterkräutern ist das medische Kraut (~herba medica~) von

höchstem Wert, da es, einmal gesät, zehn Jahre ausdauert, jährlich

vier-, bisweilen auch sechsmal geschnitten werden kann, das Feld düngt,

mageres Vieh fett und krankes gesund macht. Von einem Morgen Luzerne

können drei Pferde das ganze Jahr hindurch reichlich genährt werden.“

Er gibt uns eine ausführliche Schilderung seines Anbaues auf dreimal

gepflügtem Feld, das zuvor gut gedüngt worden sein muß. Nach der

Aussaat dürfe das Kraut nicht mit Eisen berührt werden, deshalb jäte

man es mit hölzernen Hacken. Später könne man es so klein schneiden als

man will, nur dürfe man nicht dem Vieh von vornherein zu viel davon

geben, da es sonst blähe; es müsse sich zuerst daran gewöhnen. Sein

Zeitgenosse, der aus Kilikien gebürtige griechische Arzt Dioskurides

sagt von der Luzerne, jeder Landmann, der Vieh hält, pflanzt sie

an, und Plinius rühmt von ihr, daß sie 30 Jahre ausdauere und so

wichtig sei, daß der Grieche Amphilochos (aus Athen) über sie und den

baumförmigen Schneckenklee ein Werk geschrieben habe. Auch Palladius

im 4. Jahrhundert n. Chr. weiß nur Gutes von ihr zu berichten. Um die

Mitte des 6. Jahrhunderts legte der sassanidische König Chosroes

I. eine hohe Steuer auf ihre Kultur, was bei der großen Bedeutung

der Pferdezucht im Lande Iran für das Volk sehr drückend, aber für

ihn recht einträglich war. Später verbreiteten dann die Araber ihre

Kultur weithin über Nordafrika, und durch die Kulturvölker Europas

gelangte sie in der Neuzeit über die ganze Erde. Und zwar erlangte sie

überall deshalb eine große Bedeutung, weil sie diejenige Futterpflanze

ist, die in den Subtropen und Tropen am besten gedeiht und die

sichersten Erträge gibt. Dabei hält sie 4-10 Jahre aus und gewährt 3-4

Heuschnitte jährlich. Neben dem Grünmais ist sie eine der wertvollsten

Futterpflanzen für wärmere Gegenden.

Wie der Anbau der Luzerne um 490 durch die Perser nach Griechenland und

zwischen 150 und 50 v. Chr. von Griechenland nach Italien gelangte,

so kam er etwa hundert Jahre später von dort nach Spanien, von wo er

dann im 16. Jahrhundert nach Frankreich eingeführt wurde. 1565 treffen

wir ihn in Belgien. Die Provenzalen aber erhielten diese Futterpflanze

von der Riviera, wohin sie ums Jahr 1550 von Italien her gelangt war,

und nannten sie nach dem italienischen Ort Clauserne, woraus dann

Luzerne wurde. Letzterer Name stammt indessen erst aus der Mitte des

18. Jahrhunderts; früher wurde sie burgundisch Heu oder welscher Klee

genannt. Um 1570 fand sie durch Wallonen in der Rheinpfalz Eingang;

doch machte ihr Anbau im 17. Jahrhundert kaum Fortschritte. Um 1730

tauchte sie, wahrscheinlich von Mainz aus dahin gelangend, plötzlich in

Erfurt auf und verbreitete sich von da weiter über Deutschland.

Als Futterpflanze nicht minder beliebt als die Luzerne war bei den

alten Griechen und Römern der in den Mittelmeerländern heimische,

aber daselbst nicht allgemein verbreitete, jedoch um Smyrna, auf

den ägäischen Inseln, in Griechenland und Süditalien wildwachsende

+baumförmige Scheckenklee+ (~Medicago arborea~), von den Griechen

~kýtisos~ und in Anlehnung daran von den Römern ~cytisus~ genannt.

Wie in China und später auch anderwärts der weiße Maulbeerbaum für

die Nahrung der Seidenraupe, so wurde in Griechenland und Italien im

Altertum dieser strauchförmige Lippenblütler nur seiner Blätter wegen

an den Wegrändern und als Einfassung von Äckern angepflanzt, um diese

als beliebtes Viehfutter zu verwenden. Man köpfte ihn und zog ihn

niedrig, benutzte also vorzugsweise den immer erneuten Stockausschlag.

Acht Monate im Jahr lieferte der Baum den Tieren grünes Futter, das

ihnen nach dem einstimmigen Urteil der alten Schriftsteller sehr

zuträglich sein und ihre Milchabsonderung befördern sollte, und den

Rest des Jahres Trockenfutter. Dabei war die Kultur sehr bequem und

mühelos, da sich die Pflanze mit dem magersten Boden begnügte und gegen

noch so große Trockenheit unempfindlich war. In dieser Weise drücken

sich Columella und Plinius aus, wobei der letztere noch hinzufügt, bei

solchen großen Vorzügen sei es „nur zu verwundern, daß der ~cytisus~

in Italien nicht häufiger angepflanzt werde. Dieser Strauch stammt

von der Insel Kythnos (einer der ägäischen Inseln) und wurde von da

zum großen Gewinne der Käsebereitung nach Griechenland und von dort

nach Italien verpflanzt. In Italien ist er aber noch selten, obschon

das Vieh bei keinem andern Futter mehr und bessere Milch geben soll.

Man sät im Frühjahr die Samen oder steckt im Herbst Stecklinge, am

besten ellenlange.“ Selbst säugenden Frauen gebe man eine Abkochung

von Cytisusblättern mit Wein, wodurch auch das Kind gestärkt und sein

Wuchs befördert werde. Auch in Spanien muß der Strauch zur Römerzeit

angepflanzt worden sein; denn dort wird er heute verwildert angetroffen.

Überhaupt wurde bei den Alten auch verschiedenes anderes +Laub+ als

Viehfutter verwendet. Da dem heißen, gebirgigen Süden die blumenreichen

Wiesen des Nordens versagt sind, lag es nahe, dem Vieh nicht nur die

bei der Beschneidung von Ölbaum und Rebe abfallenden Zweige, sondern

auch die Blätter von den die Wege und Äcker einfassenden Bäumen als

Futter zu geben, wie das dürre Laub als Streu diente. Schon der ältere

Cato (234-149 v. Chr.) erteilt in seiner Schrift über den Landbau die

uns seltsam klingende Vorschrift: „Gib den Ochsen Laub von Ulmen,

Pappeln, Eichen und Feigenbäumen, so lange du davon hast. -- Den

Schafen gib Baumlaub, so lange du solches hast“ und wiederholt später:

„Hast du kein Heu, so gib dem Ochsen Eichen- und Efeublätter.“ Auch

bei den späteren landwirtschaftlichen Schriftstellern wird diese Art

Fütterung so oft erwähnt und vorausgesetzt, daß sie allgemein üblich

gewesen sein muß.

Neben der Luzerne spielte bei den Griechen und Römern des Altertums

auch die von den ersteren thérmos, von den letzteren dagegen ~lupinus~

genannte +Lupine+ eine große Rolle als Viehfutter. Wie Theophrast im

4., so sagt der ältere Cato im 2. Jahrhundert v. Chr. von ihr, daß sie

sogar auf magerem, trockenem Boden gedeihe und sandiges Erdreich fettem

vorziehe; und Columella rühmt von ihr: „Unter den Hülsenfrüchten ist

die Lupine vorzüglich wichtig, weil sie wenig Mühe macht, sehr wohlfeil

ist und den Acker, auf dem sie wächst, sehr verbessert. Sie gibt eine

herrliche Düngung, gedeiht selbst auf ganz erschöpftem Boden und läßt

sich in der Scheuer fast ewig gut erhalten. In Hungerjahren gibt sie

auch den Menschen eine sättigende Speise. Man sät sie gleich von der

Tenne weg; sie gedeiht auch, wenn man sie nur ganz schlecht unter die

Erde bringt. Um kräftig zu werden, bedarf sie lauen Herbstwetters;

auch leidet sie durch Frost, wenn er eintritt, bevor sie erstarkt ist.

Samen, die nicht zur Saat verwendet werden, sollen trocken auf dem

vom Rauch durchzogenen Speicher aufbewahrt werden, damit sie nicht

von den Würmern angegriffen werden.“ Sein Zeitgenosse Dioskurides

unterscheidet eine zahme Lupine, die dem Menschen zur Speise dient und

auch arzneilich verwendet wird, und eine wilde, der zahmen ähnliche,

aber kleiner als diese, obwohl dieselben Eigenschaften besitzend. Um

200 n. Chr. urteilt der griechische Grammatiker Athenaios aus Naukratis

in Ägypten über sie: „Die Lupine ist eine Speise für Hungerleider.

Der Dichter Diphilos nannte sie ~thermokýamos~, und so heißt sie noch

jetzt. Polemon sagt, daß die Lakedämonier sie ~lysiláis~ nennen. Der

Philosoph Zenon der Kittier war ein flegelhafter, jähzorniger Mensch,

pflegte aber höflich und sogar zärtlich zu sein, wenn er eine tüchtige

Portion Wein getrunken hatte. Wie er nun gefragt wurde, wie das möglich

sei, antwortete er: Mir geht es wie den Lupinen; sie sind erbärmlich

bitter, so lange sie trocken sind, dagegen süß und lieblich, sobald sie

sich recht satt getrunken haben.“ Endlich empfiehlt sie Palladius im 6.

Jahrhundert n. Chr. zur Gründüngung.

Heute noch sind die +gelbe Lupine+ (~Lupinus luteus~) und die

schmalblätterige +blaue Lupine+ (~Lupinus hirsutus~) für unsere

Landwirtschaft sehr wichtige Futterkräuter. Beide sind ursprünglich im

Mittelmeergebiet heimisch und gedeihen sehr gut auf magerem Sandboden,

in den sie ihre Pfahlwurzel 1 m tief und darüber hinabsenken. Erstere

mit großen, goldgelben, wohlriechenden Blüten in langer Ähre und

rundlichen, weißgefleckten Samen kam aus Sizilien nach Deutschland

und wurde zuerst 1840 in Groß-Ballerstedt in der Altmark angebaut.

Von da verbreitete sie sich bald über das ganze Sandgebiet Preußens,

da sie nicht nur mannigfaltigen Nutzen zur Weide, als Grünfutter, zur

Heu- und Körnergewinnung gewährt, sondern auch zur Gründüngung von

höchstem Werte ist. Mit den in ihren Wurzelknöllchen angesiedelten

Rhizobien wirkt sie energisch stickstoffsammelnd. Am besten gedeiht

sie an freier, sonniger Lage; dabei befördert eine Zugabe von Gips den

Blattwuchs.

Noch genügsamer als die gelbe ist die blaue Lupine, die selbst noch auf

grandigem, d. h. aus grobem Sand und feinem Kies bestehendem Boden

gedeiht. Sie kam aus Spanien zu uns, und besitzt einen nach oben stark

verästelten Stengel, kurze, ährenförmige Trauben mit blauen Blüten und

rötlichgraue, weißpunktierte Samen von der Größe von Wickensamen. Das

Vieh frißt die Körner der blauen Lupine lieber als die der gelben, aber

bei ersterer dringen die Wurzeln nicht so tief in den Boden ein und die

Nachfrucht, wozu gewöhnlich Roggen gewählt wird, fällt viel schlechter

aus. Die Lupinensamen bilden ein leichtverdauliches, bei richtiger

Verwendung für Mastzwecke vortrefflich geeignetes Futter. Da sie aber

bitter sind, müssen sich die Tiere erst daran gewöhnen, wenn auch

Pferde und Rinder sie deshalb anfänglich zurückweisen, so nehmen sie

sie schließlich doch an und kehren sich nicht mehr an die Bitterkeit

derselben, zu deren Beseitigung schon zahlreiche Methoden angegeben

wurden. Die Samen dienen auch als Arzneimittel und häufiger als man

glaubt als Kaffeesurrogat wie Zichorie.

Viel weniger häufig als die beiden vorgenannten wird bei uns die aus

dem Orient stammende +weiße Lupine+ (~Lupinus albus~) angebaut. Sie

diente schon den alten Griechen und Römern als Futterpflanze, wie auch

die aus Westasien stammende +rauhhaarige Lupine+ (~Lupinus hirsutus~)

mit blauen Blüten, die bei uns als Gartenzierpflanze angetroffen wird.

Die Früchte dieser beiden Lupinenarten galten den alten Griechen und

Römern als Leckerbissen. Gleicherweise wurde von diesen Kulturvölkern

des Altertums, teils zur Benutzung der Samen für den Menschen, teils

als Viehfutter die von den Griechen ~láthyros~, von den Römern dagegen

~cicercula~ genannte +Saatplatterbse+ (~Lathyrus sativus~), auch

deutsche Kichererbse, Kicherling oder weiße Erve genannt, angepflanzt.

Sie ist ein 30-60 cm hoch werdendes Sommergewächs Südeuropas mit

unpaarigen Fiederblättern, in drei Ranken auslaufenden Blattstielen,

einzeln stehenden, langgestielten, weißen, roten oder violetten Blüten

und 4 cm langen, zusammengedrückten Hülsen, die 2-3 ziemlich große,

eckige, gelbweiße, rot- und violettbräunliche Samen enthalten. Obschon

letztere etwas bitter sind, wird die Pflanze zu deren Gewinnung als

Speise für die Menschen noch in den gebirgigen Teilen Griechenlands und

Italiens angebaut. Sonst wird die Pflanze in ganz Südeuropa, besonders

in Rumänien, wenig dagegen in Mitteleuropa, speziell Deutschland als

gutes Viehfutter auf trockenem Boden angepflanzt. Vielfach werden deren

Samen unreif wie Erbsen gegessen, sind aber weniger wohlschmeckend.

Vielfach findet man auf Wiesen als ein Zeichen von deren besserer

Qualität die ausdauernde +Wiesenplatterbse+ (~Lathyrus pratensis~) mit

gelben Blüten. Wo sie aber in größeren Massen auftritt, schadet sie dem

Graswuchs. Sie wird auch vielfach als Futterpflanze angebaut, da sie

eine große Menge guten Futters liefert. Wegen seiner Bitterkeit wird

ihr Laub im grünen Zustand vom Vieh nicht gern gefressen, wohl aber

als Heu. Es ist dann sehr schmackhaft und kräftig. Ein feineres Futter

als diese erzeugt die +Sumpfplatterbse+ (~Lathyrus palustris~), die

ebenfalls ausdauernd ist und reiche Trauben von blauen Blüten besitzt.

Sie wächst auf feuchten, moorigen Wiesen, wo sonst verhältnismäßig

wenig Futterpflanzen gedeihen, und wird vom Vieh auch grün gerne

gefressen, weil sie nicht so unangenehm bitter ist als die vorige.

Die +Waldplatterbse+ (~Lathyrus silvestris~), eine in Mitteleuropa an

Waldrändern und an Hecken wachsende Staude mit kletterndem, ästigem

Stengel, lanzettlichen Blättern, roten Blüten in Trauben und flachen,

runzeligen Samen, eignet sich dagegen zum Anbau als Futterkraut

auf steinigem, grobem und dürrem Boden. Sie ist durch ein stark

entwickeltes Wurzelsystem und eine große Fähigkeit die Gesteine zu

zersetzen ausgezeichnet, treibt um 8-14 Tage früher als die Luzerne und

ist gegen Spätfröste unempfindlich, was große Vorteile bedeuten. Den

höchsten Ertrag liefert sie nach drei Jahren, indem sie 10000 kg Heu

pro Hektar ernten läßt. Dabei kann sie ebenso gut grün, wie getrocknet

verfüttert werden.

Während der in Südeuropa heimische +Kronsüßklee+ (~Hedysarum

coronarium~) in Italien und den Balearen als Futterpflanze angebaut

wird, spielt der +Gebirgssüßklee+ (~Hedysarum obscurum~) auf den

bewässerten Alpenwiesen eine große Rolle als sehr geschätzte Nahrung

des dort sömmernden Viehs. Deren nahe Verwandte sind die Esparsette

und die Serradelle. Die +Esparsette+ (~Onobrychis sativa~) ist eine

in höheren Lagen des gemäßigten Europa heimische, östlich bis zum

Baikalsee gehende, kalkstete, 30-60 cm hohe Pflanze mit lanzettlichen

Blättern, langgestielten Ähren von roten Blüten und rundlichen

Nüßchen, die auf trockenem, über zerklüftetem Kalkstein oder Mergel

stehendem Boden das beste Futtergewächs ist und Kalkgegenden, die

sonst zu den unfruchtbarsten gehören, fruchtbar macht, deshalb auch in

Deutschland überall auf Kalk- und Kreideboden angebaut wird. Auf Boden

mit kiesigem oder sandigem Untergrund gedeiht sie schlecht, weil die

Wurzeln über 1 m tief gehen, sehr gut dagegen auf recht kalkreichem,

wobei sie 3-6 Jahre aushält, jedoch meist nur einen Schnitt und

Weide gibt. Den Griechen und Römern war sie durchaus unbekannt. Erst

im Laufe des 15. Jahrhunderts tritt sie uns in Mitteleuropa als

Kulturpflanze entgegen. Allem Anscheine nach hat ihre Kultur im

südlichen Frankreich ihren Ursprung genommen, und zwar möglicherweise

erst im 15. Jahrhundert. Im 16. Jahrhundert, zu Lebzeiten Olivier de

Serres, der uns darüber in seinem Buche ~Théâtre de l’agriculture~

berichtet, war sie, die ~lupinella~ der Italiener, dort bereits eine

sehr geschätzte Futterpflanze. In Italien hat sich ihr Anbau erst im

18. Jahrhundert, namentlich in Toskana, weiter ausgebreitet. Schon

ums Jahr 1560 wurde sie +vor+ der Luzerne, aber +nach+ dem roten Klee

in Süddeutschland als Futterpflanze angebaut und verbreitete sich von

da weiter. Sie ist nächst Luzerne und Wiesenklee unser vorzüglichstes

Futterkraut besonders für milchende Kühe, düngt mit ihren zahlreichen

Wurzelknöllchen den Boden gut und liefert in ihren honigreichen Blüten

eine treffliche Bienenweide.

Kulturgeschichte der Nutzpflanzen, Band IV, 2. Hälfte · 第 2 / 81 段