Rekonstruktion der Kontinentalschollen für die große Eiszeit.]

In Fig. 31 ist die gegenseitige Lage von Nordamerika und Europa zur

Eiszeit dargestellt. Man ersieht aus ihr, daß das Gesamtareal der

Vereisung nach der Verschiebungstheorie wesentlich kleiner wird, was

unter allen Umständen eine Vereinfachung bedeutet. Die gestrichelt

angedeutete Endmoräne umschließt, ohne irgendeine Diskontinuität

an der amerikanisch-europäischen Grenze zu zeigen, jetzt ein

zusammenhängendes Inlandeisgebiet, was ein sehr merkwürdiger Zufall

sein müßte, wenn die Kontinente bei ihrer Ablagerung ihre heutige

Entfernung voneinander gehabt hätten. Die Karte soll etwa für die

große Eiszeit gelten. Es sei dahingestellt, ob die Verbindung der

Schollen bei Neufundland und Irland vielleicht schon ein wenig

früher abgebrochen war. Bei der letzten europäischen Vereisung war

jedenfalls Grönland bereits von Skandinavien abgerückt, was sowohl aus

biologischen Gründen als auch aus der Richtung der Eisschrammen und

der Neigung der gehobenen Strandlinien in den norwegischen Fjorden

zu schließen ist. Den Pol außerhalb dieser großen Eiskappe zu legen,

liegt keinerlei Grund vor. Legen wir ihn in die Mitte desselben, um 20°

verschoben, so liegen die entferntesten Moränenränder auf 57° Breite,

das Mittelmeer in der Zone der regenreichen Westwinde, Kamerun in der

Trockenzone und St. Helena und der Sambesi auf dem Äquator.

Während der Interglazialzeiten haben die Saiga-Antilope und zahlreiche

andere Steppentiere, welche zum Teil noch heute in den südrussischen

Halbwüsten leben, auch in Deutschland ihre Heimat gehabt. Ihre Reste

finden sich bald mit Vertretern der nordischen Schneefauna gemischt,

bald für sich allein in großen Mengen gehäuft. Man hat daraus

gefolgert, daß Mitteleuropa damals ein ähnliches steppenartiges Klima

gehabt hat, wie heute Südrußland oder Westsibirien. Bei der heutigen

Nähe einer breiten Tiefsee und namentlich des Golfstromes im Westen ist

dies meteorologisch nicht erklärbar. Die Verschiebungstheorie bietet

auch hier eine Vereinfachung, da nach ihr, wie ein Blick auf unser

Kärtchen zeigt, der Atlantische Ozean damals in der Gegend von Spanien

sein nördliches Ende erreichte.

Sibirien hatte im Diluvium tatsächlich, wie nach vorstehendem zu

erwarten, ein wärmeres Klima als heute, und der Baumwuchs reichte

dort höher nach Norden hinauf, so daß zahlreiche Mammute noch auf den

Neusibirischen Inseln genügend Pflanzennahrung fanden. Aus Südafrika

hat /Passarge/[113] von einer Lateritbildung berichtet, deren Alter

zwar nicht genau feststeht („tertiär bis rezent“), aber wahrscheinlich

als diluvial zu betrachten sein dürfte. Damit stimmt auch überein, daß

sich die in Südafrika anfänglich vermuteten diluvialen Eisspuren nicht

bestätigt haben.

Der Südpol müßte im Diluvium am Nordende von Viktorialand gelegen

haben. Australien lag damals nach der Verschiebungstheorie noch

südöstlicher, nahe bei Neuseeland. Hierzu stimmt, daß in Ostaustralien,

Tasmanien und Neuseeland (Südinsel) Anzeichen stärkerer diluvialer

Gebirgsvergletscherung gefunden worden sind. /Penck/ bezeichnet

diese australische Eiszeit als „ziemlich dürftig“. Neuseeland lag

damals auf etwa 60° Süd. Eine interessante Einzelheit sei erwähnt:

in Tasmanien lag nach /Penck/ die diluviale Schneegrenze 500 bis

600 m tiefer als auf Neuseeland. Bei der heutigen, fast gleichen

Breite beider Lokalitäten wäre dies schwer verständlich. Nach der

Verschiebungstheorie dagegen lag Australien relativ zu Neuseeland

erheblich südlicher, so daß Tasmanien in höhere südliche Breiten

hinaufrückt als Neuseeland.

In Australien finden sich am Callabonna-See massenhaft aufgehäufte

Knochen der Riesen-Beuteltiere, wie Diprotodon, Phascolonus, des

Riesen-Känguruhs (Macropus titan), Palorchectes und des Thylacoleo.

Diprotodon erreichte Nashorngröße. In Südaustralien lebten gleichzeitig

riesige Krokodile und große Schildkröten (Miolania) und die

Riesenvögel aus der Verwandtschaft der Moas[114]. Das Aussterben dieser

Fauna ist vielleicht besser auf das Näherrücken des Poles im Diluvium

statt, wie meist üblich, auf Austrocknung zurückzuführen, während

man wohl nicht fehl geht, ihre Entstehung in eine Zeit zu setzen, wo

Australien unter besonders geringer Breite lag, aber vor der Invasion

fremder Tropenfaunen geschützt war. Wir werden später sehen, daß das

ältere Tertiär eine solche Zeit war.

Patagonien müßte im Diluvium auf nur 30° Süd gelegen haben und

wohl ganz frei von Gletschern gewesen sein. Damit kommen wir zu

der heiklen Frage der Altersbestimmung der südamerikanischen

Glazialerscheinungen. /Steinmann/[115] unterscheidet eine ältere,

weit ausgedehnte Überschwemmung ganz Patagoniens mit Inlandeis, die

er ins Altquartär setzen möchte und eine junge weniger ausgedehnte,

die er unserer Eiszeit gleichsetzt. Sehen wir zunächst von der älteren

Vereisung ab, die, wie später gezeigt werden wird, wahrscheinlich in

das Tertiär umzudatieren ist, und betrachten wir nur die frischen

Spuren jüngster Vereisung; nach der großen Karte in /Dacqué/,

Grundlage und Methoden der Paläogeographie (Jena 1915), handelt es

sich hier wohl wesentlich nur um Gebirgsvergletscherung. Und nördlich

des Wendekreises liegen alle Eisspuren oberhalb 4000 m. Dieser

geringe Vereisungsgrad steht jedenfalls in schroffem Gegensatz zu

der riesenhaften Inlandeisüberschwemmung Nordamerikas bis St. Louis

(38°) herab. Geht man immerhin davon aus, daß die Vergletscherung

stärker gewesen ist als heute, so liegt nichts näher als anzunehmen,

daß es sich um eine nordamerikanische Interglazialzeit handelt. Eine

stratigraphische Entscheidung hierüber dürfte kaum möglich sein. Aber

da wir eine diluviale Verlegung des Nordpoles durchaus nicht entbehren

können, um nicht in einen absurden Konflikt mit den Klimagürteln der

Erde zu kommen, verlangt die Logik eine entsprechende Verlegung des

Südpoles nach der anderen Seite, und damit folgt, daß Inlandeis in

Kanada Wärme in Patagonien bedeutet. Und hiermit stimmen in der Tat die

paläontologischen Befunde. Denn nur durch eine diluviale Wärmeperiode

Südamerikas findet die dortige ganz eigenartige diluviale Fauna von

riesigen Edentaten, den großen Vorfahren der kleinen, heute für dies

Gebiet charakteristischen Faultiere, Gürteltiere und Ameisenbären, ihre

Erklärung. Das Riesenfaultier (Megatherium) erreichte Elefantengröße.

Eine kleinere Gattung (Mylodon) soll in gewissen Höhlen bis in die

neueste Zeit gelebt haben und jedenfalls Zeitgenosse, vielleicht

Haustier des Menschen gewesen sein. Die Reste dieser Tiere liegen

meist in Pampaslehm eingebettet, einer ausgedehnten Lößformation, die

sich außen an das mit Grundmoräne bedeckte Gebiet älterer Vereisung

anschließt (nördlich von Patagonien). Man erkennt allgemein an, daß

diese Fauna nur in warmem Klima gelebt haben kann, ist aber bestrebt,

sie ins Tertiär oder wenigstens Altquartär zu setzen, um nach Analogie

mit Europa für das Tertiär ein warmes, für das Quartär ein kaltes Klima

zu retten, während die Tiere doch in dem Produkt der großen Vereisung

eingebettet liegen, also erst lebten, als der Wind bereits den Staub

von der abgetrockneten Grundmoräne entführen konnte. Jedenfalls wird

man zugeben, daß diese Tiere nicht gleichzeitig mit der Vereisung

gelebt haben können, und daß deshalb jedenfalls eine Revision der

Altersbestimmungen für Südamerika nötig ist.

Das gleiche gilt dann aber wohl auch für die Altersbestimmungen in der

Westantarktis, die ja durch die südamerikanischen in entscheidender

Weise beeinflußt werden. Hier wurden Araukarien, Nothofagen und

Koniferen mit brasilianischer Verwandtschaft gefunden, auch ein

Riesenpinguin, also Anzeichen eines gemäßigten Klimas. Die Funde wurden

in das Tertiär gesetzt. Es wird wahrscheinlich eine Verbesserung

bedeuten, wenn wir diese von den heutigen nicht sehr abweichenden

Formen in das Diluvium setzen können. Besonders interessant ist die

Verwandtschaft mit Brasilien, im Gegensatz zu älteren Zeiten, wo

die Beziehungen nicht nach Brasilien, sondern Neuseeland und Dekan

hinweisen. Denn im Diluvium hatten sich Australien und Neuseeland

bereits von Antarktika losgelöst, und außerdem lag die Polarkappe

zwischen Westantarktis und Neuseeland, während der Weg zum tropischen

Brasilien frei war.

Es sei bei dieser Gelegenheit darauf hingewiesen, daß wir von einer

genaueren paläoklimatischen Erforschung Patagoniens außerordentlich

wichtige Resultate zu erwarten haben. Die große Breiten- und

Klimaänderung, welche Europa zwischen Eozän und Diluvium durchmachte

und die einer Polwanderung von 65° entspricht, muß hier in Südamerika

ohne Unterbrechung und in vollem Ausmaß zur Geltung gekommen sein,

aber in umgekehrtem Sinne wie in Europa: Anfangs Eiszeit, dann

regenreiche Westwindzone, dann als wärmste Zeit gerade noch das Klima

der Wüstenzone und darauf wieder Abkühlung auf den heutigen Stand. Wir

kommen auf diese Frage beim Eozän zurück.

Es ist wohl ausgeschlossen, daß jemals das ganze nördliche

Vereisungsgebiet gleichzeitig vereist war. Selbst in der Antarktis

reicht das Inlandeis nur bis etwa 66°, in Südgrönland bis etwa 60°

Breite. Diese Zahlen stellen aber Extreme dar. Die antarktischen

Verhältnisse sind wegen der ozeanischen Umgebung des Südpolargebietes

extrem günstig für Inlandeisbildung. Auf der Nordhalbkugel fehlt das

Inlandeis in Sibirien noch in 75° Breite. Die grönländische Eiskappe

darf man vielleicht mit /v. Drygalski/ als Relikt aus der Eiszeit

betrachten. Aus den Temperaturmessungen, die ich auf der /Koch/schen

Expedition quer über Grönland ausgeführt habe, geht hervor, daß das

Inlandeis selbsttätig durch Verstärkung der Ausstrahlung an seinem

Orte die Temperatur um etwa 7° herabdrückt; infolgedessen kann es sich

beim Steigen der Temperatur länger erhalten, nämlich so lange, bis

die Temperatur 7° höher geworden ist als diejenige, bei der sich das

Eis zu bilden begann. Da diese 7° C rund 10 Breitegraden entsprechen,

können wir sagen, daß im landreicheren Nordpolargebiet Inlandeis auf

etwa 70° Breite entsteht und auf 60° abschmilzt. Hiernach müßte der

Nordpol, um die Eiskappe zu erzeugen, etwa einen Weg vom Nordufer der

Hudson-Bai durch Grönland fast bis Nordskandinavien zurückgelegt haben.

Indessen ist seine Bewegung wohl nicht auf kürzestem Wege erfolgt. Die

Interglazialzeiten deuten große Schwankungen der Pollage an, und es ist

wohl nicht undenkbar, daß es sich um eine Fortbewegung in Schleifen

handelt. Wir brauchten dann nur anzunehmen, daß der Nordpol mit den

größten Ausschlägen seiner Bahn die oben genannte Linie erreicht hat.

Schon für Europa ist /Geikie/ zu dem Schluß gekommen, daß die Vereisung

im Osten später eintrat als im Westen. Er fand nämlich, daß der untere

Blocklehm Ostdeutschlands gleichzustellen sei dem oberen Blocklehm

Mittel- und Westdeutschlands, d. h. daß im letzteren Gebiet bereits

eine Grundmoräne lag, als sich die unterste Grundmoräne des Ostens

ablagerte. Für Amerika ist /Chamberlin/ zu einem ganz ähnlichen

Resultat gekommen. Auch hier geht aus der Übereinanderlagerung der

Grundmoränen hervor, daß die verschiedenen Vereisungszentren nicht

gleichzeitig in Tätigkeit gewesen sind, sondern die Vereisung im

Westen älter war als die im Osten. Während im Osten die vom Eise

abgeschliffenen Felsen und die Moränen noch ganz frisch aussehen,

kostete es in Kolumbien Mühe, das Inlandeis sicher nachzuweisen, und

es sind bisher dort nur kurze Stücke der Endmoräne gefunden worden.

Die Teilung durch Interglazialzeiten läßt sich in Europa und Amerika

nicht in übereinstimmender Weise durchführen. In Europa unterscheidet

man drei (in den Alpen jedoch vier) Eiszeiten, in Nordamerika

früher vier, neuerdings sechs Eiszeiten, sowie die entsprechenden

Interglazialzeiten. Auch die eiszeitliche Fauna läßt sich hüben

und drüben zeitlich nur für die letzte Phase der amerikanischen

Eiszeiten identifizieren, während die ersten Phasen kein Gegenstück

in Europa haben. Die älteste amerikanische Interglazialzeit enthält

insbesondere noch eine durchaus tertiäre Fauna, nämlich den Säbeltiger

(Machaerodus), Mylodonten, Lamas, Kamele, Mastodonten. Letztere sind

sogar noch in allen amerikanischen Interglazialzeiten vorhanden,

während sie in Europa bereits vor der ersten Eiszeit ausstarben.

/Kreichgauer/ hat aus diesen Gründen angenommen, daß die Vereisung

im Westen Nordamerikas bereits in die ältere Tertiärzeit fällt. Im

untersten Eozän sei nur Alaska von der Vereisung betroffen worden,

womit vielleicht das fossile Inlandeis der Gebiete um Point Barrow und

auf den Neusibirischen Inseln zusammenhängt (beschrieben in /Suess/,

Das Antlitz der Erde #2#, 616). In diesem ganzen Gebiet fehlt jede

tertiäre Fauna und Flora. Die typischen Quartärtiere Europas, wie

Mammut, Pferd und Wisent, haben auf der Erdschicht gelebt, die das Eis

verhüllt, und auf welcher damals Erlen und Weiden wuchsen. Im Diluvium

herrschte hier also schon wieder eine höhere Temperatur als heute, wenn

auch das Jahresmittel unter -2° blieb, wie die Erhaltung des Bodeneises

zeigt. „Als zweite Eiszeit müssen wir diejenige von Britisch-Columbia

bezeichnen; als dritte die der Barren-Lands (am Westufer der

Hudsonbai); als vierte die Eiszeit von Labrador; als fünfte die

schottische; als sechste die skandinavische; und endlich als siebente

die finnische Eiszeit. Die Gegenwart müßte man als grönländische

Eiszeit auffassen.“ (/Kreichgauer/, a. a. O., S. 337-338.)

Daß auch noch die zweite und dritte Eiszeit ganz in das Tertiär

gehören, dafür gibt /Waagen/ (Unsere Erde, München, Allg. Verl.-Ges.,

o. J.) noch einige wichtige Beweise an: Nach /Russel/ fand die

Hauptfaltung des Eliasgebirges und nach /Leconte/ auch der Aufbau des

Kaskadengebirges erst nach der Vereisung des Landes statt, dürfte aber

doch wohl zu der allgemeinen jungtertiären Faltung des pazifischen

Randes gehören. Ferner werden in den oberen Glazialablagerungen neben

Mastodon auch sechs Vertreter der Pferdefamilie gefunden, darunter

das dreizehige Hipparion, das in Europa, Asien und Afrika seit dem

mittleren Jungtertiär ausgestorben erscheint. Auch diese lassen sich

nicht in das Diluvium setzen, zu welcher Zeit vielmehr in Nordamerika

der Pferdestamm ganz ausgestorben und in Europa nur das heutige Pferd

übrig geblieben war, das nun wieder nach Amerika einwanderte. Die

Brücke von Panama endlich wurde schon im Eozän landfest. Die ersten

Auswanderer von Nord gehören in der Tat dieser Zeit an, die ersten von

Süd findet man aber in den Glazialschichten Nordamerikas.

Ich glaube nicht, daß /Kreichgauer/ mit seiner Altersschätzung zu hoch

gegriffen hat; man wird kaum umhin können, die ältesten Teile der

amerikanischen Vereisung bereits weit in die Tertiärzeit zu setzen.

Damit kommen wir zur Frage nach der Pollage im Tertiär. In dieser Zeit

größter Kontinentalverschiebungen, Gebirgsfaltungen und vulkanischer

Erscheinungen finden wir die Pole in schneller Wanderung begriffen und

müssen deshalb die Unterteile der Tertiärzeit getrennt behandeln.

Im /Pliozän/ war nach unserer obigen Annahme der Nordwesten von

Nordamerika vereist, und gleichzeitig war in Europa das Klima vom

heutigen nicht wesentlich verschieden. Dies paßt gut zueinander, denn

das Vereisungsgebiet lag, wenn man die Verschiebung Nordamerikas

berücksichtigt, damals von Mitteleuropa ebenso weit entfernt, wie

heute der Pol. Weniger gut paßt dazu, daß nach /Neumayr/ nicht nur

das miozäne, sondern auch noch das pliozäne Klima Japans kühler

war als heute. Zu berücksichtigen ist allerdings, daß schon in

der Rekonstruktion ohne Polverlegung der Polabstand sowohl des

nordamerikanischen Vereisungsgebietes wie auch Japans kleiner wird als

heute. Wir können also wohl die heutige Pollage als eine Mittellage für

das Pliozän betrachten. Der Pol war in dieser ganzen Zeit in schneller

Bewegung und dürfte im Laufe des Pliozäns etwa 10° durchlaufen haben,

aber anscheinend war der Teil der Schleife, der hier beschrieben wurde,

so gelegen, daß die Poldistanz Mitteleuropas nicht stark beeinflußt

wurde. Die beiden Umkehrpunkte der Schleife entsprechen dann vielleicht

dem kühleren Klima Japans einerseits und der nordamerikanischen

Vereisung andererseits.

Im Miozän befand sich der Pol etwa an der Beringstraße in 67° Nord,

172° West[116]. Dabei war der Pol in diesem Abschnitt in schneller

Bewegung auf Europa zu. In Deutschland (das vor der Alpenfaltung von

Afrika 10° weiter entfernt war als heute) kamen zu Beginn des Miozäns

noch viele subtropische Formen vor, einzelne Palmen, Magnolien,

Lorbeer, Myrte usw., so daß man wohl annehmen kann, es habe unter

30 bis 35° Breite gelegen, was zu der obigen Pollage führt. Spanien

hatte nach /Penck/ ein Klima wie heute Marokko unter 28° Breite; unter

Berücksichtigung der Atlasfaltung mit 5° käme man hiermit auf eine

Lage des Poles bei 70° Nord (und gleicher Länge wie oben). Aber im

Laufe des Miozäns verschwindet die subtropische Flora in Deutschland,

bei Zschipkau und Senftenberg finden sich zwischen Anzeichen milderen

Klimas auch erfrorene Blätter. In der Schweiz ging nach /Heer/ die

Mitteltemperatur von 20-1/2 auf 18-1/2° zurück. Im Laufe des Miozäns

erlosch auch die Baumflora in Spitzbergen, Grönland und Grinnell-Land

(heute 80°), die nach unserer Annahme zu Beginn des Miozäns noch in

55° Breite lag. Nach den Untersuchungen von /Dall/ und /Harris/ über

Meeresconchylien war Nordamerika bis zur Hudsonmündung (jetzt 40°)

im Miozän tropisch. Schiebt man Amerika an Europa heran, so erhält

die Hudsonmündung bei der angegebenen Pollage etwa 20° Breite. Daß

das Miozän von Alaska und Sachalin nach /Neumayr/ nordischer ist als

das von Grönland und Spitzbergen, erklärt sich nach der Pollage ohne

weiteres, zumal wenn man Nordamerika an Europa heranschiebt und dadurch

die Stauchung von Nordostasien rückgängig macht.

Der Südpol hätte im Miozän, auf Afrika bezogen, in 67° Süd, 8° Ost

gelegen. Auf Kerguelen ist eine miozäne Marinfauna gefunden, welche

zeigt, daß diese Inselgruppe eisfrei war. In der Tat müßte es auf

etwa 55° Breite gelegen haben. Feuerland lag damals wohl noch nicht

erheblich westlicher als die antarktischen Sandwich-Inseln, von denen

der Pol nur etwa 20° entfernt war. Wir kommen auf die Frage einer

tertiären Vereisung Patagoniens beim Eozän zurück. Das Miozän bildet

hier nur den Übergang zu den eisfreien Zeiten des Diluviums.

Im /Oligozän/ war das europäische Klima im ganzen noch wärmer und

entsprach meist dem Beginn des Miozäns. Palmen und andere immergrüne

Gewächse waren bis an den heutigen Ostseestrand verbreitet; im

Oberoligozän der Wetterau finden sich z. B. massenhafte Hölzer und

Blattreste von Palmen. Auf Spitzbergen, Grönland, Grinnell-Land,

Franz-Joseph-Land, Bäreninsel wuchsen nicht nur Kiefern, Fichten und

Eiben, sondern auch Linden, Buchen, Pappeln, Ulmen und Eichen, ja

sogar Taxodien, Sequoien, Platanen, Kastanien, Weinreben, Gingko und

Magnolien. /Heer/ schätzte die Jahresmitteltemperatur Spitzbergens

hiernach zu +9°, und entsprechend die Jahresmitteltemperatur der

oligozänen Schweiz zu +20,5°. Die 9°-Isotherme geht heute nur in

Ostasien ein wenig unter 40°Breite herab, in Westeuropa liegt sie

heute bei 55°, in Rußland bei 46°. Wir dürfen also vielleicht 50° als

passende Breitenschätzung betrachten. Die Isotherme von 20,5° verläuft

heute längs etwa 30° Breite. Die erstere Bestimmung würde den Nordpol

in 60°, die zweite in etwa 67° ergeben (Länge ungefähr 180°).

Im /Eozän/ scheint der Äquator am weitesten nach Norden heraufgerückt

zu sein. Nach /Zittel/ sind die Korallenriffe im älteren Tertiär am

Nord- und Südrand der Alpen und Pyrenäen, in Arabien und Westindien

zu finden, während sich dieser Gürtel im Miozän und Pliozän mehr

dem heutigen Äquator nähert. Für Mitteleuropa schätzt /Heer/ die

Mitteltemperatur auf 25°. Hiernach hätten die Alpen, deren Mitte damals

etwa 5° weiter von Afrika entfernt war als heute, auf dem Äquator

gelegen, und der Pol folglich auf 40° Breite (und etwa 180° Länge)

im Pazifik. Im Eozän Belgiens besteht nach /Semper/ ein Drittel,

in dem von Paris sogar die Hälfte der Arten aus tropischen Formen;

ungewöhnlich große Conchylien treten auf, die Nummuliten gedeihen

üppig, die Landpflanzen sind tropisch. Auch die mitteleozäne Flora der

Themsemündung hat nach /Schenck/ ein tropisches Gepräge. /Semper/ hat

den Versuch gemacht, nach der indischen und atlantischen Verwandtschaft

der eozänen Fauna des damaligen Mittelmeeres die Stromrichtung zu

bestimmen, und gelangte zu dem interessanten Resultat, daß im Eozän

der Strom aus Osten gekommen, also durch Passat verursacht war,

während in späteren Zeiten die Zunahme der atlantischen Beziehungen

eine Stromrichtung aus Westen und also den Eintritt des Mittelmeeres

in die nördliche Westwindzone erkennen läßt. Er kommt auf diese Weise

auf eine eozäne Polverlegung um 20 bis 30°[117]. Nehmen wir den wohl

richtigeren höheren Wert und schlagen, um die Verschiebung relativ zu

Afrika auszudrücken, wegen der Alpenfaltung noch 10° hinzu, so erhalten

wir den Pol bei 50° Nordbreite (180° Länge). Fassen wir zusammen, so

können wir also wohl annehmen, daß der Nordpol im Eozän etwa auf 40 bis

50° Breite im nördlichen Pazifik lag.

Die von dicken Manganknollen überwucherten Glazialgeschiebe, welche

/Agassiz/ im nördlichen Pazifik aus der Tiefsee hervorholte, dürften

mit dieser frühtertiären Lage des Nordpols, wenn nicht sogar mit den

sehr ähnlichen noch älteren Lagen, in Verbindung zu bringen sein.

Da im Eozän Südamerika noch nahe westlich vor Afrika lag, und der

Südpol seinen größten Ausschlag nach Norden gerade in dieser Gegend

ausführte, so mußte Patagonien stark vereist sein, Neuseeland und

Australien dagegen subtropisches Klima haben. Diese zu erwartende

frühtertiäre Vereisung Patagoniens scheint mir die zu sein, deren

Spuren /Steinmann/ als Jujuy-Schichten bezeichnet. Es sind nach ihm

fossilfreie Blocklehme viel höheren Alters als die vorerwähnten

frischen Gletscherspuren. Sie sind stark gestört, teilweise bis zur

senkrechten Stellung aufgerichtet und von Verwerfungen durchsetzt und

werden von den jüngeren Glazialbildungen diskordant überlagert. Hierzu

paßt auch sehr gut /Neumayrs/ Angabe, daß in Chile (35° Breite) im

Alttertiär und Miozän keine Formen vorkommen, die auf größere Wärme

als heute schließen lassen. Denn dies Gebiet war im Eozän unter

Berücksichtigung der Verschiebung von Südamerika nur etwa 15°, im

Miozän 30° vom Pole entfernt.

Die Westantarktis mußte bei dieser eozänen und auch noch bei den

vorangehenden Lagen des Südpols von Brasilien abgeschnitten sein,

dagegen mit Australien und Neuseeland in Formenaustausch stehen. Es

ist sehr interessant, daß tatsächlich dort im Gegensatz zu jüngeren

Funden mit brasilianischer Verwandtschaft ältere Faunen und Floren

gefunden sind, die keine brasilianischen, sondern neuseeländische

Verwandtschaften aufweisen. Sie werden jedoch in die Jura- und

Kreidezeit gesetzt. Jedenfalls enthalten sie noch keine Anzeichen der

im Tertiär der Nordhalbkugel neu auftretenden Laubbäume, sondern die

Flora ist noch rein mesozoisch. Wir wollen die Frage, ob es möglich

ist, diese Flora etwa in das Alttertiär zu setzen (die Einwanderung

der tertiären Flora könnte durch Eisbedeckung Patagoniens verzögert

sein), offen lassen. Es ist wohl nicht ausgeschlossen, daß sich diese

Funde auch dann gut in das Bild einfügen, wenn man an der vorliegenden

Altersbestimmung festhält. Wichtig bleibt jedenfalls der Umschlag in

den Verwandtschaftsbeziehungen der Westantarktis, welcher offenbar

durch die große im Tertiär und Quartär erfolgte Verlegung des Südpols

hervorgerufen wurde.

Im /Paleozän/ endlich scheint der Äquator wieder seiner heutigen Lage

ein wenig näher gelegen zu haben. Die Landpflanzen im Paleozän des

Pariser Beckens sollen nach /Dacqué/ sogar nur auf gemäßigtes bis

subtropisches Klima hinweisen. Auch die Nummuliten treten, was ihre

Körpergröße betrifft, bescheidener auf als in der darauffolgenden Zeit.

Wenn wir demgemäß den Äquator wieder ins Mittelmeergebiet auf heute

35°Nord legen, und dies Gebiet wegen der Atlasfaltung um 5° nördlich

verschieben, so liegt der Nordpol wieder auf 50° Nordbreite.

Um die Pollage in der /Kreide/zeit zu ermitteln, benutzen wir

/Dacqués/ in Fig. 32 wiedergegebene Karte der Fundstellen tropischer

Rudistenmuscheln. Sie bilden einen etwa 16 Breitengrade breiten

Streifen, dessen Mitte einem größten Kreise entspricht und als Äquator

der Kreidezeit angesprochen werden muß. Um die Pollage in bezug auf

Afrika aus dieser Karte zu ermitteln, müssen wir zunächst die Fundorte

so verschieben, daß sie nach der Verschiebungstheorie ihre richtige

damalige Lage in bezug auf Afrika einnehmen. Trägt man sie dann nach

Länge und Breite in eine Millimeterteilung ein, so kann man durch

graphischen Ausgleich unschwer die Lage des Äquators ermitteln. Man

findet auf diese Weise seine größte Abweichung vom heutigen Äquator bei

etwa 40° östlicher Länge im Betrage von etwa 42°. Dies entspricht einer

Lage des Nordpols bei 48° Nordbreite und 140° westlicher Länge. Hierzu

paßt sehr gut, daß die nordamerikanische Baumflora der Oberkreide

(vielleicht schon Eozän), obwohl heute so viel südlicher als Grönland,

doch ganz mit der grönländischen Flora übereinstimmt. In Ostgrönland

wie an der atlantischen Küste Nordamerikas wuchsen Magnolien,

Brotfruchtbaum, Feigen usw., so daß /Waagen/ ihre geographische Breite

übereinstimmend zu 38° schätzt[118]. Die von /Gothan/ untersuchten

altkretazischen Koniferenstämme mit Jahresringen auf Spitzbergen

wären dann auf etwa 50° Breite gewachsen. Mit dieser relativ großen

Abweichung des Poles in Länge paßt gut, daß /Basedow/ in der Oberkreide

Australiens Glazialspuren fand[119]; der jetzige Südrand Australiens

war damals nur 18° vom Südpol entfernt.

[Illustration: Fig. 32.

Fundstellen tropischer Rudistenmuscheln aus der Kreidezeit, nach

/Dacqué/.]

Für die Bestimmung der Pollage in der /Jura/zeit bilden noch immer

/Neumayrs/ Angaben über den Klimacharakter der jurassischen Meeresfauna

die beste Grundlage. Er unterscheidet drei Faunen, nämlich den

polaren „moskauer“ Typus, den gemäßigten „mitteleuropäischen“ und den

tropischen „alpinen“. Nach seiner hier nicht mitgeteilten Karte[120]

läßt sich der tropische Gürtel an der Westküste Amerikas zwischen 20°

Süd und 32° Nord, ferner an der Ostküste Afrikas zwischen 3° Süd und

46° Nord und im ostasiatischen Gebiet zwischen 23° Süd und etwa 30°

Nord festlegen. Hieraus finden wir durch eine ähnliche Konstruktion

wie für die Kreidezeit die Pollage bei etwa 69° Nordbreite und

170° westlicher Länge. /Neumayr/ hebt selbst hervor, daß sich die

nördlichsten Spuren jurassischer Korallenriffe etwa in 53° Breite,

nämlich in England und Norddeutschland, finden, während heute deren

äußerstes Vorkommen an den Bermudas-Inseln nur bis etwa 32° reicht, so

daß man hierdurch, wenn man noch die Alpenfaltung mit 10° in Rechnung

setzt, eine Polverschiebung um etwa 30° (auf 60° Nord) in ungefähr

der angegebenen Richtung erhalten würde, was wohl hinreichend mit dem

obigen Resultat stimmt. In Übereinstimmung mit unseren Ergebnissen

steht auch, wie ein Blick auf Fig. 30, S. 100, lehrt, die Angabe

/Zittels/, daß die jurassische Flora Englands nur subtropisch war, aber

gegen Ende der Jurazeit rein tropisch wurde.

Eine Schwierigkeit bereitet wieder die Westantarktis. Hier sind,

wie schon oben erwähnt, nach /Nordenskjöld/ jurassische Farne,

Schachtelhalme und Cykadeen gefunden worden, welche mit der

jurassischen Flora Indiens und Neuseelands, nicht mit der Südamerikas,

verwandt sind. Der Südpol scheint damals allerdings etwa 33° südlich

von Südafrika gelegen zu haben, also jedenfalls außerhalb von

Antarktika, das zwischen ihm und Afrika lag (vgl. Fig. 23, S. 61), aber

die antarktische Fundstelle würde doch kaum 20° Polabstand erhalten,

was reichlich klein erscheint. Man darf nun allerdings die Genauigkeit

der Polbestimmung nicht überschätzen und muß außerdem auf grobe Fehler

in unseren Annahmen über die Gliederung von Antarktika gefaßt sein.

Es kann deshalb möglich sein, daß die Schwierigkeit nur durch diese

Fehler vorgetäuscht wird. Vielleicht kommt aber, wie erwähnt, auch

eine Umdatierung in das Alt-Tertiär in Frage. Man kann aber immerhin

als Übereinstimmung buchen, daß von der Westantarktis aus der Weg nach

Australien frei und nicht durch polare Eismassen versperrt war, was die

erwähnten Verwandtschaftsbeziehungen zu fordern scheinen.

Die /Trias/zeit ist in Deutschland charakterisiert durch die roten

Buntsandsteine und die großen Salzlager, beides Anzeichen der heißen

Wüste. Deutschland hat also damals in der nördlichen Wüstenzone

der Erde, etwa in 25° Breite, gelegen. Die für die Triaszeit

charakteristischen Sagopalmen wuchsen noch auf Franz-Joseph-Land,

welches damals in der nördlichen Regenzone, unter 50° Breite,

lag. Ebenso war die vorangehende /Perm/zeit in Deutschland durch

Wüstenbildung ausgezeichnet. Haben wir hierdurch bereits den Abstand

des Nordpols, so erhalten wir auch seine Richtung durch die auffallende

Gleichartigkeit der permo-triassischen Saurier- und Stegocephalenfaunen

des Urals und in Texas, die es wahrscheinlich machen, daß diese

beiden Gegenden -- heute in 25° Breitenunterschied gelegen! -- damals

in gleicher Breite lagen. Wir brauchen also nach Heranschieben von

Amerika nur die Mittelsenkrechte auf der Verbindungslinie Ural-Texas

zu errichten und haben damit auch die Richtung des Nordpols. Wir

erhalten auf diese Weise den permischen Nordpol auf etwa 50° Nord

und 130° West. Der Südpol, auf 50° Süd, 50° Ost, lag wohl noch auf

Antarktika, aber nahe an dessen Grenze gegen Australien, und konnte

infolgedessen die dortigen Glazialspuren verursachen. Damit haben wir

den Ausgang der großen permokarbonischen Glazialspur erreicht, welche

sich über vier heute weit getrennte Kontinente hin erstreckt. Im

/Karbon/ oder Permokarbon liegt der in der ganzen Erdgeschichte bisher

einzige Fall vor, daß sowohl der äquatoriale Regengürtel, wie die

polare Inlandeiszone wenigstens eines Poles beide gleichzeitig sicher

nachzuweisen sind[121]. Für diese Zeit gilt unsere Rekonstruktion Fig.

23, S. 61. Es sei zum Vergleich damit auch die lehrreiche Karte von

/Kreichgauer/ mitgeteilt (Fig. 33). Ähnlich wie über dem frühtertiären

Äquator entstand auch über dem Karbonäquator ein Gürtel von

Gebirgsfalten („Karbon-Ring“ /Kreichgauers/). Man wird aber bemerken,

daß dieser Faltungsring bei Nordamerika und bei Australien erheblich

von dem „Karbonäquator“ abweicht, und daß in Südamerika, welches von

letzterem durchquert wird, das Gebirge fehlt. Diese Abweichungen

verschwinden in überraschender Weise, wenn man die Kontinente nach der

Verschiebungstheorie zurechtschiebt, wie in Fig. 23, S. 61, geschehen.

Mir scheint daher gerade diese Abbildung wieder ein Beleg für die

Richtigkeit der Verschiebungstheorie zu sein.

Es ist viel darüber diskutiert worden, ob die Steinkohlen wirklich,

wie hier angenommen, im äquatorialen Regengürtel erzeugt wurden oder

nicht vielmehr nach Analogie der heutigen Torfmoore in den feuchten

gemäßigten Westwindzonen, ja /Ramann/, /Frech/ u. a. haben gemeint,

die Verkohlung erfordere tiefe Temperaturen und sei in den Tropen

unmöglich. Allein diese Bedenken sind durch die Entdeckung tropischer

Moore zerstreut worden. „Die ganze Beschaffenheit der karbonischen

Flora, die nach /Potonié/ durchaus das Gepräge einer tropischen

Moorflora besitzt, spricht zugunsten dieser Anschauung. Die Stein-

und auch die Braunkohlensümpfe stellen nach dem genannten Forscher

fossile Flachmoore dar, die am meisten nicht sowohl an die großen

Swamps Nordamerikas, als vielmehr an die Waldmoore Sumatras und anderer

Tropengegenden erinnern [/Potonié/, Die Entstehung der Steinkohle, S.

161, 1910]“[122]. Besonders betrachtet man das Fehlen von Jahresringen

bei den karbonischen Holzgewächsen als Anzeichen von Tropenklima[123],

zumal nachdem /Arbers/ Entdeckung von Jahresringen an permokarbonen

Hölzern von Neusüdwales und /Halles/ gleiche Feststellung auf den

Falklandsinseln gezeigt haben, daß das Fehlen von Jahresringen nicht

etwa eine allgemeine Eigenschaft der damaligen Flora war. Die typische

Karbonflora mit Baumfarnen, Kalamiten, Sigillarien und Lepidodendren

erstreckt sich vom Sambesi (jetzt 15° Süd) bis Spitzbergen (80°

Nord) und ist von der Danmark-Expedition sogar zwischen 80 und

81° Nord in Nordostgrönland gefunden worden[124]. In diesen hohen

Breiten ist sie freilich nicht mehr so üppig wie in dem großen

Steinkohlengürtel, der etwa die Mitte zwischen diesen Extremen hält.

Auch ist zu berücksichtigen, daß die Pole gerade in der Karbonzeit

in lebhafter Wanderung begriffen waren, wie schon aus dem langen Zug

von Glazialablagerungen auf der südlichen Halbkugel hervorgeht. Die

Funde auf Spitzbergen und in Nordostgrönland gehören nach /Nathorst/

dem älteren Karbon an, wo der Südpol vielleicht seine nördlichste

Lage (etwa bei Loanda) inne hatte. Selbst unter Berücksichtigung der

karbonischen und der Alpenfaltung in Europa mit je 10° kommen wir

dabei nur auf eine Breitenlage Spitzbergens von etwa 20° Nord. Diese

typische Karbonflora wird nun in schönster Weise ergänzt durch die

polare „Glossopteris“-Flora, welche auf der Südhalbkugel überall in

enger Verbindung mit den Ablagerungen der permokarbonischen Vereisung

erscheint.

[Illustration: Fig. 33.

Die Entstehung der Kontinente und Ozeane · 第 34 / 35 题