Tiefenkarte der Drakestraße, nach /Grolls/ Tiefenkarten der Ozeane.]

Wir können aus dieser Abbildung 16 noch eine weitere Erscheinung

ablesen, die eine wichtige Rolle in der Großtektonik zu spielen

scheint, nämlich das Gleiten der Randketten. Diese Erscheinung hat

eine gewisse Verwandtschaft mit den Inselgirlanden, insofern es sich

in beiden Fällen um eine Ablösung von Randketten handelt. In der

Glaziologie besteht eine ganz entsprechende Verwandtschaft zwischen

Spalten und Blaubändern. Beide entstehen als Diskontinuitäten

infolge unzureichender Plastizität und stellen Trennungen dar, die

offenen Spalten unter Zug, die Blaubänder unter Druck, beide unter

Blattverschiebung. Die gleitenden Randketten der Gebirge entsprechen

den Blaubändern, welche dem Seitenrand eines Gletschers folgen. Die

Randkette klebt eben am alten Simaboden der Tiefsee, und es bildet sich

zwischen Randkette und der nächst inneren Kette eine Gleitfläche aus,

längs welcher nun beliebig große Blattverschiebungen eintreten können.

[Illustration: Fig. 17.

Tiefenkarte von Hinterindien.

(Tiefenlinien 200 u. 2000 m; Tiefseerinne punktiert.)]

Noch zwei besondere Fälle seien erwähnt, um die plastischen

Deformationen der Kontinentalschollen zu erläutern. In Fig. 17

ist eine Tiefenkarte von Hinterindien dargestellt. Der Knick der

Malakka-Halbinsel entspricht dem Nordabbruch von Sumatra; aber es ist

nicht möglich, die nördlich dieser Insel erkennbare fensterartige

Entblößung der Barysphäre dadurch wieder zuzudecken, daß wir die

Halbinsel Malakka wieder ausrichten. Das zeigt schon die vor dem

Fenster liegende Inselkette der Andamanen. Wir müssen hier offenbar

annehmen, daß der große Zusammenschub des Himalaja einen Zug auf die

hinterindischen Ketten in ihrer Längsrichtung ausgeübt hat, daß unter

diesem Zuge die Sumatrakette am Nordende dieser Insel gerissen ist und

daß der nördliche Teil der Kette (Arakan) wie ein Tauende nach Norden

in den großen Zusammenschub hineingezogen worden ist und noch wird. Zu

beiden Seiten dieser grandiosen Blattverschiebung müssen sich dabei

Gleitflächen ausgebildet haben. Interessanterweise blieb die äußerste

Randkette, die Andamanen und Nikobaren, am Sima haften, und es war erst

die zweite Kette, die diese merkwürdige Verschiebung erfuhr.

[Illustration: Fig. 18.

Die Entstehung der Kontinente und Ozeane · 第 28 / 35 题