Wie /Schiötz/ zuerst aus den Schweremessungen der im Polarmeere
über dem Schelfrande treibenden „Fram“ erkannte und /Helmert/[56]
später ausführlich ableitete, zeigen die Pendelbeobachtungen am
Rande der Kontinentalschollen eine charakteristische Schwerestörung,
welche in Fig. 12 nach Helmert wiedergegeben ist. Nähert man sich
vom Lande der Küste, so wächst die Schwere bis zu einem Maximum an
der Küste selbst, um dann schnell zu sinken und an der Stelle, unter
welcher der Boden der Tiefsee beginnt, ein Minimum zu erreichen,
worauf sich dann in größerem Küstenabstande wieder der normale Wert
einstellt. Das Zustandekommen dieser Schwerestörung kann man sich
etwa folgendermaßen vorstellen. Der Beobachter auf dem Lande, der
im Inlande normale Schwere gehabt hat, erreicht an der Küste ein
Maximum, weil er sich dem schräg unter ihm liegenden schweren Sima
des Tiefseebodens nähert. Dieser Überschuß an Schwere sollte zwar
dadurch wett gemacht werden, daß die obersten 4 km durch das leichte
Seewasser ersetzt sind. Aber diese Schichten liegen neben, nicht mehr
unter dem Beobachter und bewirken also, statt die Schwere wieder auf
ihren Normalwert herabzudrücken, eine Lotabweichung im Sinne einer
Anziehung des Lotes durch die Kontinentaltafel. Dem Beobachter auf
See, der sich der Küste nähert, geht es umgekehrt: Das Pendel reagiert
auf die Massenverringerung unter ihm, und die Massenvermehrung neben
ihm kann nicht die Größe, sondern nur die Richtung der Schwerkraft
beeinflussen, so daß ein Minimum der Schwere entsteht. Daß überhaupt
eine Schwerestörung eintreten muß, folgt schon aus der Überlegung, daß
eine vertikale Grenzfläche zwischen leichtem und schwerem Material,
wie sie hier vorhanden ist, nicht einer isostatischen Massenlagerung
entspricht, sondern lediglich durch die Molekularkräfte der
Kontinentalscholle erhalten bleiben kann.
Man kann diese Verhältnisse auch noch auf eine andere Weise betrachten,
welche geeignet ist, ihre Wirkungen unmittelbar zu erläutern. In einer
Kontinentalscholle muß der Druck offenbar nach einem anderen Gesetz
mit der Tiefe zunehmen als im ozeanischen Gebiete. Vergleichen wir
die Drucke in gleichen Höhen, so finden wir, daß im Kontinentalblock
überall -- mit Ausnahme seiner Oberfläche und seiner Unterfläche
-- der Druck höher ist als im ozeanischen Gebiete. Legen wir die
Zahlenverhältnisse von Fig. 5 (S. 23) zugrunde, so erhalten wir für
diesen Drucküberschuß in der Kontinentaltafel die Werte:
Bei 100 m Höhe Drucküberschuß 0 Atm.
„ 0 m „ „ 28 „
„ 4700 m Tiefe „ 860 „
„ 100000 m „ „ 0 „
[Illustration: Fig. 13.