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/Erstes Kapitel./ #Landbrücken, Permanenz der Ozeane und Isostasie# 1

Die Schrumpfungshypothese 1. -- Betrag des Gebirgszusammenschubs

2. -- Flachseenatur der marinen Ablagerungen 3. -- Isostasie 4.

-- Hebung der Strandlinien 4. -- Nachhinken des isostatischen

Ausgleichs 5. -- Mächtigkeit der Sedimente in Geosynklinalen 5. --

Massendefizit unter Gebirgen 5. -- Schwerkraft auf den Ozeanen 5.

-- Dicke der Lithosphäre nach der Isostasie 6. -- Keine Isostasie

für kleine Dimensionen 6. -- Hypothese der Brückenkontinente 7.

-- Schelfbrücken 8. -- Die Permanenzhypothese 9. -- Horizontale

Verschiebungen der Kontinente 10. -- Geschichtliche Bemerkungen 11.

/Zweites Kapitel./ #Die Natur der Tiefseeböden# 13

Barysphärische Natur der Tiefseeböden 13. -- Das doppelte

Niveau der Erdrinde 14. -- Aufreißen der Lithosphäre als

Kompensation der Gebirgszusammenschübe 16. -- Vulkanische

Gesteinsfunde bei Dredschzügen 17. -- Größere Magnetisierbarkeit

des Tiefseebodens 18. -- Schlichtheit des Tiefseebodens 19. --

Fehlen von Faltengebirgen am Meeresboden 19. -- Fortpflanzung von

Erdbebenwellen in kontinentalen und in ozeanischen Gebieten 20.

/Drittes Kapitel./ #Geophysikalische Erläuterungen# 21

Sial und Sima 22. -- Spezifische Gewichte 23. --

Schollenmächtigkeit nach /Hayford/ und /Helmert/ 24. --

Schmelztemperaturen 25. -- Starrheitsgrad der Erde 26. --

Zähflüssigkeit des Simas 27. -- Deformierbarkeit des Sials 28.

/Erscheinungen der Kontinentaltafeln/ 29

Schelfgebiete 29. -- Gebirgsfaltung 30. -- Größere Mächtigkeit der

Sedimente in Gebirgen 30. -- Faltung unter Wahrung der Isostasie

31. -- Abschmelzung von unten 32. -- Vergleich des Zusammenschubs

mit der Höhe der Gebirge 32. -- Staffelfalten 33. -- Abtragung

unter Wahrung der Isostasie 33. -- Kräfte der Gebirgsfaltung 34.

-- Faltung am Vorderrand triftender Schollen 35. -- Äquatorialer

Faltungsgürtel 35. -- Spaltung 36. -- Die ostafrikanischen Brüche

36. -- Das Dreieck zwischen Abessinien und der Somalihalbinsel 37.

-- Eindringen des Simas in die Spalte 38. -- Niederbruch größerer

Gebiete durch Dehnung 39.

/Erscheinungen des Kontinentalrandes/ 39

Schwerestörung am Kontinentalrand 40. -- Druckverhältnisse am

Kontinentalrand 41. -- Vulkanismus 42. -- Die ostasiatischen

Inselgirlanden 42. -- Parallelerscheinungen dazu 47. -- Gleiten der

Randketten 48. -- Atlantischer und pazifischer Küstentypus 51.

/Erscheinungen der Tiefseeböden/ 52

Entblößung des hochtemperierten Simas unter Wasser 52.

-- Verschiedene Tiefe der Ozeane 53. -- Verteilung der

Tiefsee-Sedimente 53. -- Erklärung der Tiefenunterschiede

durch Temperaturunterschiede 54. -- Strömungen im Sima 54. --

Mittelatlantische Bodenschwelle 55. -- Tiefseerinnen 56.

/Viertes Kapitel./ #Die Verschiebungen der Kontinentalschollen# 58

Die Panthalassa 58. -- Erstes Aufreißen und Zusammenschub der

Lithosphäre 58. -- Hypsometrische Kurve der Erdoberfläche für

die Vorzeit und die Zukunft 59. -- Allmähliche Abnahme der

Faltungsvorgänge in der Erdgeschichte 60. -- Rekonstruktion der

Kontinentalschollen für das Karbon 61. -- Landbrücken nach /Arldt/

64.

/Die atlantische Spalte/ 66

Rekonstruktion der atlantischen Gebiete für das Eozän 67.

-- Parallelität der atlantischen Küsten 70. -- Früherer

Landzusammenhang zwischen Nordamerika und Europa 71. -- Geologische

und tektonische Brücken 73. -- Frühere Landverbindung zwischen

Südamerika und Afrika 77. -- Streichrichtungen im Urgebirge 77.

-- Karbonische Faltung in Südafrika und bei Buenos-Aires 79.

-- Unwahrscheinlichkeit des Zufalls 80. -- Die amerikanische

Landbrücke 80. -- Die nordpazifische Landbrücke 81.

/Lemurien/ 82

Frühere Landverbindung zwischen Madagaskar und Dekan 82. --

Betrag der Himalaja-Faltung 83. -- Randliche Spuren des großen

Zusammenschubs 83. -- Ablösung Madagaskars von Afrika 84. --

Abspaltung Vorderindiens von Madagaskar 84.

/Gondwana-Land/ 85

Dreifache Beziehungen der australischen Lebewelt 86. -- Die

gondwanische Brücke 86. -- Die antarktische Brücke 87. -- Die

hinterindische Brücke 89. -- Die Tiefenkarte der Sunda-Inseln

89. -- Angliederung Australiens an Vorderindien 90. -- Die

australischen Kordilleren und Neuseeland 91. -- Unsicherheit der

Angliederung Australiens an Antarktika 91.

/Fünftes Kapitel./ #Polwanderungen# 92

Theoretische Zulässigkeit großer Polwanderungen 92. -- Geologische

Notwendigkeit der Annahme von Polwanderungen 96. -- Theorien von

/Reibisch/ und /Kreichgauer/ 97. -- Methodische Vorbemerkungen 98.

-- Kurve der Breitenänderungen 100. -- Pollage in der Eiszeit 102.

-- Pollage im Pliozän 107. -- Im Miozän 107. -- Im Oligozän 108. --

Im Eozän 109. -- Im Paleozän 110. -- In der Kreide 110. -- Im Jura

112. -- In der Trias 113. -- Im Perm und Karbon 113. -- Im Devon

118. -- Tabellarische Übersicht der Pollagen 118.

/Sechstes Kapitel./ #System, Ursachen und Wirkungen der

Kontinentalverschiebungen# 119

Polflucht 119. -- Westwanderung 120. -- Ursache der Polflucht 121.

-- Ursache der Westwanderung 122. -- Polwanderungen als Folge von

Kontinentalverschiebungen 122. -- Meridionale Spaltungen 123. --

Entstehung der mittelmeerischen Bruchzone 124. -- Transgressionen

als Folge von Polveränderungen 124.

/Siebentes Kapitel./ #Nachweis der Kontinentalverschiebungen durch

astronomische Ortsbestimmung# 125

Absolutes Zeitmaß der geologischen Abschnitte 126. -- Die nach

der Verschiebungstheorie zu erwartenden Abstandsänderungen 127.

-- Nachweis der Verschiebung Grönlands 127. -- Die Frage der

Verschiebung Nordamerikas 129. -- Säkulare Breitenabnahme der

europäischen und nordamerikanischen Sternwarten 130.

Erstes Kapitel.

Landbrücken, Permanenz der Ozeane und Isostasie.

Die heutige Geologie steht im Zeichen eines Wechsels ihrer

zusammenfassenden Grundanschauungen. Bis heute herrscht noch, wenn

auch nicht mehr unbestritten, die von /Dana/, /Albert Heim/ und

/Eduard Suess/ vertretene Theorie einer Schrumpfung der Erde. Wie ein

trocknender Apfel durch den Wasserverlust des Innern faltige Runzeln

an der Oberfläche bekommt, so sollten sich durch die Abkühlung und

damit verbundene Schrumpfung des Erdinnern die Gebirgsfalten an

der Oberfläche bilden. /Suess/ fand den kürzesten Ausdruck: „Der

Zusammenbruch des Erdballes ist es, dem wir beiwohnen“[3]. Noch in der

1918 erschienenen 5. Auflage von /E. Kaysers/ Lehrbuch der Allgemeinen

Geologie wird diese Lehre vorbehaltlos angenommen. Man wird gewiß gern

einräumen, daß diese Theorie das historische Verdienst hat, lange Zeit

hindurch eine ausreichende Zusammenfassung unseres geologischen Wissens

darzustellen. Heute ist sie aber bereits weit entfernt davon, dieser

Aufgabe zu genügen, worin wohl die meisten Geologen und jedenfalls

alle Geophysiker einig sind. Man hat sich aber bisher meist damit

beschieden, daß „die Kontraktionstheorie längst nicht mehr voll

anerkannt wird, und einstweilen keinerlei Theorie gefunden ist, die sie

vollständig ersetzen und alle Umstände erklären kann“[4].

Von geophysikalischer Seite wird abgestritten, daß die Erde sich

merklich abkühlt, weil durch den Zerfall der radioaktiven Stoffe

in der Erdrinde so viel Wärme frei werde, daß die Temperatur sogar

umgekehrt im Steigen sein könnte[5]. Und die Geologen müssen

zugeben, daß schon im Algonkium große Inlandeismassen die damaligen

Polargebiete bedeckten, die Bodentemperatur also nicht viel anders

gewesen sein kann als heute. Aber noch viel schlimmer steht es mit der

eigentlichen Beobachtungsgrundlage der Schrumpfungshypothese, nämlich

dem Gebirgszusammenschub. Denn es stellt sich als immer unmöglicher

heraus, diese riesenhaften Zusammenschübe auf Rechnung einer Abkühlung

der Erde zu setzen. Die Arbeiten von /Bertrand/, /Schardt/, /Lugeon/

u. a. haben zu einer ganz neuen und eigenartigen Auffassung eines

großen Teiles der Alpenfaltung geführt, indem hier statt eigentlicher

Falten schuppenartige „Deckfalten“ oder Überschiebungen angenommen

werden. Hierdurch wird der Betrag des Zusammenschubes noch wesentlich

größer, als früher angenommen wurde. /Heim/ hat nach der älteren

Auffassung für den Schweizer Jura eine Verkürzung auf 4/5, für die

Alpen auf 1/2 berechnet, dagegen nach den neuen Anschauungen für

letztere 1/4 bis 1/8[6]. Da die heutige Breite etwa 150 km beträgt, so

wäre also hier ein Rindenstück von 600 bis 1200 km Breite (5 bis 10

Breitengraden) zusammengeschoben. Jeder Versuch, solche Größen auf eine

Temperaturerniedrigung des Erdinnern zurückzuführen, muß scheitern.

/Kayser/ bemerkt zwar, daß ein Zusammenschub um 1200 km nur 3 Proz.

des Erdumfanges ausmacht, so daß sich auch der Radius um 3 Proz.

verringert haben müßte, allein anschaulich werden diese Zahlen erst,

wenn man die Temperaturen berechnet, die ihnen entsprechen. Legt man

einen Mittelwert aus den vier linearen Ausdehnungskoeffizienten von

Nickel (0,000013), Eisen (0,000012), Kalkspat (0,000015) und Quarz

(0,000010) zugrunde [0,0000125], so kommt man -- allein um die tertiäre

Faltung zu erzielen -- auf einen Temperaturverlust der Erde von etwa

2400°. Es bedarf keiner Erläuterung, daß man damit namentlich für die

älteren Zeiten, in denen die Faltung viel universeller wirksam war, zu

ganz absurden Temperaturen käme. Es ist auch nicht einzusehen, wie es

physikalisch möglich sein soll, wie /Heim/ will, daß die Schrumpfung

eines ganzen größten Kreises gerade an einer Stelle zum Austrag

kommt. Wie /Ampferer/[7], /Reyer/[8], /Rudzki/[9], /Andrée/[10] u. a.

gefordert haben, müßte vielmehr die ganze Erdoberfläche gleichmäßig von

der Runzelung betroffen werden, was ja auch der trocknende Apfel zeigt.

Noch weit größere Bedenken stehen der Auffassung der Kontinente

als stehengebliebene, der Ozeane als abgesunkene Schollen beim

„Zusammenbruch“ nach der Schrumpfungshypothese entgegen. Nach

/Lyells/ Vorgang nahm man einen schrankenlosen Wechsel zwischen

dem Auftauchen von Tiefseeböden über Wasser und dem Versinken von

Kontinenten bis zum Tiefseeboden an, gestützt einerseits auf die

marinen Ablagerungen auf den heutigen Kontinenten und andererseits

auf die Verwandtschaft der fossilen Fauna und Flora heute getrennter

Kontinente, welche einen Brückenkontinent an Stelle des Ozeans

zwischen ihnen zu erfordern schien. Doch muß man gerechterweise

anerkennen, daß die Vertreter der Schrumpfungshypothese das besondere

Problem, welches in den Kontinentalschollen steckt, als solches

anerkannt haben. 1878 mußte /A. Heim/ bekennen, „daß, bevor genauere

Beobachtungen über die kontinentalen Schwankungen der Vorzeit gemacht

sind,... und bevor wir vollständigere Messungen über die Beträge des

ausgeglichenen Zusammenschubes der meisten Gebirge haben, kaum ein

wesentlich sicherer Fortschritt in der Erkenntnis des ursächlichen

Zusammenhangs von Gebirgen und Kontinenten und der Form der letzteren

untereinander zu erwarten sein wird“[11]. Und 1918 schreibt /E.

Kayser/: „Gegenüber dem Rauminhalt dieser Steinkolosse erscheinen

alle festländischen Erhebungen unbedeutend und geringfügig. Selbst

Hochgebirge wie der Himalaya sind nur verschwindende Runzeln auf der

Oberfläche jener Sockel. Schon diese Tatsache läßt die alte Ansicht,

nach der die Gebirge das maßgebende Gebälk der Kontinente darstellen

sollten, heute unhaltbar erscheinen... Wir müssen vielmehr umgekehrt

annehmen, daß die Kontinente das Ältere und Bestimmende, die Gebirge

aber nur nebensächliche jüngere Gebilde darstellen“[12]. Man kann

in diesen beiden Zitaten wohl das Zugeständnis erblicken, daß die

Kontinentalschollen der Schrumpfungshypothese Schwierigkeiten machen.

Es dürfte in der Tat schwer sein, vom Boden dieser Hypothese aus

zu irgendwelchen bestimmten Vorstellungen über die Entstehung der

Kontinente zu kommen. Davon, daß einzelne Schollen beim Zusammenbruch

bis zum Tiefseeboden absinken, andere unter Wirkung des Gewölbedruckes

als Stufen stehenbleiben, kann doch bei den ungeheuren, hier

in Betracht kommenden Flächen nicht die Rede sein. Die marinen

Ablagerungen auf dem Lande haben sich überdies mit verschwindend

wenigen Ausnahmen als Flachseeerzeugnisse erwiesen, wie sie sich heute

auf den randlichen Überflutungen der Kontinentalschollen, den Schelfen,

bilden. Früher für Tiefseeablagerungen gehaltene Sedimente haben sich

durch neuere Forschungen als Flachseesedimente erwiesen, wie es z. B.

für die Schreibkreide von /Cayeux/ nachgewiesen ist. Bei einer kleinen

Anzahl, wie den kalkarmen Radiolariten der Alpen und gewissen roten

Tonen, die an den roten Tiefseeton erinnern, nimmt man zwar auch heute

noch große Entstehungstiefen an, vor allem, weil das Seewasser erst

in großer Tiefe auflösend auf den Kalk wirkt. Aber die Deutung dieser

Funde ist noch umstritten, meist kommt man mit Tiefen von 1000 bis 2000

m aus, die also noch immer zu der Kontinentalstufe gerechnet werden

können, und jedenfalls ist die räumliche Erstreckung dieser Sedimente

eine ganz verschwindende[13].

Es ist deshalb auch heute ein allgemein anerkannter Satz, daß die auf

den Kontinenten abgelagerten Sedimente grundsätzlich nicht der Tiefsee,

sondern seichten Überflutungen durch Epikontinentalmeere entstammen.

Die heutigen Kontinente haben also zu keiner Zeit der Erdgeschichte den

Boden der Tiefsee gebildet, sondern waren stets Kontinentalschollen,

und /Lyells/ Vorstellung von einem wiederholten Absinken und Auftauchen

ist also jedenfalls dahin einzuschränken, daß es sich nur um wechselnde

Überflutungen von permanenten Kontinentalschollen handelt.

Ganz und gar unbrauchbar aber erweist sich die Schrumpfungshypothese,

um die neueren Ergebnisse der Geophysik aufzunehmen, die uns ein ganz

anders geartetes Bild von der Natur der Erdrinde entrollen. Diese

Ergebnisse werden zusammengefaßt in der Lehre von der Isostasie, d. h.

dem Druckgleichgewicht oder dem Schwimmen der Erdrinde (Lithosphäre)

auf einer magmatischen, schwereren Unterlage (Barysphäre). Wie ein

Stück Holz bei Belastung tiefer in das Wasser eintaucht, so taucht

auch die Lithosphäre der Erde an der Stelle, wo die z. B. mit einer

Inlandeiskappe belastet wird, nach dem /Archimedi/schen Gesetz tiefer

in das schwere Magma der Barysphäre ein, um nach dem Abschmelzen

des Eises die während der Depression gebildeten Strandlinien mit

emporzuheben. So zeigen die aus den Strandlinien abgeleiteten

Isobarenkarten /de Geers/ für die letzte Vereisung Skandinaviens eine

Depression des zentralen Teiles um mindestens 250 m, die nach außen

allmählich geringer wird[14], und für die „große“ Eiszeit sind noch

höhere Werte anzunehmen. Dieselbe Erscheinung hat /de Geer/ auch

für das nordamerikanische Vereisungsgebiet nachgewiesen. /Rudzki/

hat gezeigt, daß man unter Annahme der Isostasie hieraus plausible

Werte für die Dicke der Inlandeisschicht berechnen kann, nämlich

930 m für Skandinavien und 1670 m für Nordamerika, wo die Senkung

500 m betrug[15]. Da die Barysphäre nicht leichtflüssig wie Wasser,

sondern sehr zähflüssig ist, so hinken alle solche isostatischen

Ausgleichsbewegungen stark nach; die Strandlinien haben sich meist erst

nach Abschmelzen des Eises, aber vor der Hebung gebildet, und auch

heute steigt Skandinavien, wie die Nivellements zeigen, noch um etwa

1 m im Jahrhundert[16]. Auch sedimentäre Ablagerungen haben, wie wohl

/Osmond Fisher/ zuerst erkannte, eine Senkung der Scholle zur Folge.

Jede Aufschüttung von oben führt zu einer freilich etwas nachhinkenden

Senkung der Scholle, so daß die neue Oberfläche wieder fast in der

alten Höhe liegt. Vom spezifischen Gewicht der Ablagerung hängt es ab,

ob die alte Höhe überschritten wird oder nicht. Da Sedimente wohl stets

leichter sind als das Urgestein, welches das eigentliche Material der

Lithosphäre darstellt, so läßt sich eine Mulde (Geosynklinale) trotz

Nachgebens der Unterlage allmählich ausfüllen, aber die Mächtigkeit der

hierzu nötigen Ablagerungen wird erheblich größer sein müssen als die

ursprüngliche Tiefe der Mulde, weil sich diese während des Prozesses

weiter vertieft. Auf diese Weise können viele Kilometer mächtige

Ablagerungen entstehen, die alle gleichwohl in flachem Wasser gebildet

sind.

Ihre physikalische Begründung fand diese von /Pratt/ herrührende Lehre

von der Isostasie (das Wort wurde erst 1892 von /Dutton/ geprägt) durch

die Schweremessungen. /Pratt/ hatte schon 1855 festgestellt, daß der

Himalaja nicht die erwartete Anziehung auf das Lot ausübt, und dem

entsprach die später überall bestätigte Tatsache, daß die Schwerkraft

bei großen Gebirgen nicht wesentlich von ihrem gewöhnlichen Werte

abweicht, so daß die Gebirgsmassive durch unterirdische Massendefekte

irgendwelcher Art kompensiert erscheinen, wie die Arbeiten von /Airy/,

/Faye/, /Helmert/ u. a. zeigten. Nachdem der Gedanke an unterirdische

Hohlräume hatte aufgegeben werden müssen, blieb nur die von /Heim/

wohl zuerst ausgesprochene Annahme, daß die leichte Lithosphäre unter

den Gebirgen verdickt sei und das schwere Magma hier in größere Tiefe

dränge. Auch auf den Ozeanen hat sich gezeigt, daß die Schwerkraft

ungefähr ihren Normalwert besitzt, trotz des sichtbaren Massendefekts,

den die großen Ozeanbecken darstellen. Die früheren Messungen auf

Inseln ließen zwar noch verschiedenartige Deutungen zu; nachdem es aber

/Hecker/ gelungen war, statt der an Bord nicht verwendbaren Pendel nach

einem Vorschlage von /Mohn/ die Schwere durch gleichzeitige Ablesungen

am Quecksilberbarometer und am Siedethermometer zu bestimmen, konnte er

diese Messungen auch an Bord eines Dampfers ausführen und so eindeutige

Resultate erhalten[17]. Aus diesem Ergebnis muß also, umgekehrt wie

bei den Gebirgen, geschlossen werden, daß der sichtbare Massendefekt

der Ozeanmulde durch einen unterirdischen Massenüberschuß kompensiert

wird, was zu der Annahme führte, daß die Lithosphäre unter den Ozeanen

sehr viel dünner sei als unter den Kontinenten, so daß hier das schwere

Magma dem Beobachter um so viel näher läge. (Eine ebenso gute Lösung

ist aber die später zu begründende neue Annahme, daß die Lithosphäre

hier ganz fehlt.) Eine schematische Darstellung dieser durch die

Isostasielehre begründeten Vorstellung von der Natur der Lithosphäre,

die schon 1855 von /Airy/ entwickelt und später von /Stokes/ ausgebaut

wurde, gibt Fig. 1. Die neuere Entwickelung dieser Isostasielehre

betrifft vor allem die Frage ihres Gültigkeitsbereiches. Für größere

Schollen, wie z. B. einen ganzen Kontinent oder einen ganzen

Tiefseeboden, muß ohne weiteres Isostasie angenommen werden. Aber im

kleinen, bei einzelnen Bergen, verliert dies Gesetz seine Gültigkeit.

Solche kleineren Teile können durch die Elastizität der ganzen Scholle

getragen werden, genau wie ein Stein, den man auf eine schwimmende

Eisscholle legt. Die Isostasie vollzieht sich dann zwischen Scholle

plus Stein als Ganzem und dem Wasser. So zeigen die Schweremessungen

auf den Kontinenten bei Gebilden, deren Durchmesser nach Hunderten von

Kilometern mißt, sehr selten eine Abweichung von der Isostasie; beträgt

der Durchmesser nur Zehner des Kilometers, so herrscht meist nur eine

teilweise Kompensation, und beträgt er nur einige Kilometer, so fehlt

die Kompensation meist ganz[18].

[Illustration: Fig. 1.

Die Entstehung der Kontinente und Ozeane · 第 16 / 35 题