XXVI

Einige Tage später saß ich auf dem Stein vor meinem Hause. Ich legte die

Hand darauf und siehe, sie wurde immer noch weiß: das war das Salz, von all

dem Spritzwasser der großen Stürme. Ich saß und sonnte mich und hatte

friedliche Gedanken im Herzen. Da kam ein Mädchen über die Heide. Sie sah

aus, als suche sie etwas. Sie blieb stehen, dann kam sie geradeswegs auf

mich zu. Ist es --? Nein, sie hatte helles Haar.

»Du bist es, Rosseherre!« sagte ich und stand auf. Ich war so kühl im

Herzen und auch mein Blick war kühl. Der Sturm ist gekommen und hat mich in

eine ferne Gegend geweht, Rosseherre, ich wohne nicht mehr hier. Poupoul

dagegen gebärdete sich ganz närrisch vor Freude und sprang mit der Zunge

nach Rosseherres Gesicht.

Rosseherre sagte nichts. Sie wehrte Poupoul ab und sah mich an.

»Wo bliebst du so lange, Rosseherre?« fragte ich lächelnd.

Rosseherre sah mich an. »Die Zeit wird dir nicht lang geworden sein --,«

stammelte sie. Das Blut stieg ihr ins Gesicht und ihre Augen wurden dunkel

und hart. Dann lächelte sie verächtlich und ihr Blick flammte auf. Sie zog

etwas aus dem Mieder und warf mir meine zwei Ringe vor die Füße.

»Ich brauche deine Ringe nicht!« stieß sie hervor und wurde bleich. »Gib

sie Yvonne! Auch dein Geld will ich dir bringen --«

Ich mußte lachen. Rosseherre war eifersüchtig, seht an. Rosseherre,

Rosseherre, was fällt dir ein? Dachtest du, ich würde mich auf ewig vor

deinem Herzen vor Anker legen? Weißt du nicht, daß ich unterwegs bin in den

großen Jagdgründen des Lebens, heute da und morgen dort, und immer in einem

leichten Zelte unter den Sternen schlafe? O, Rosseherre, ich werde mir erst

ein festes Haus bauen, wenn ich vor Gichtbeulen nicht mehr stehen kann und

die Langeweile mich zwingt meine Memoiren zu diktieren.

Ich sah Rosseherre an und schüttelte lachend den Kopf. »Du wirst doch nicht

töricht sein, Rosseherre,« sagte ich, »die Ringe gehören dir, ich hebe sie

nicht auf. Sprich auch nicht von den paar Franken, die ich dir geliehen

habe. Wie sonderbar du doch bist!«

Rosseherre aber bebte vor Zorn. Sie schrie laut und wütend, aber ich

verstand kein Wort, denn sie sprach Bretonisch. Schließlich schüttelte sie

mich am Rock, so sehr vergaß sie sich. Poupoul kläffte und knurrte und

machte sich zu meiner Verteidigung bereit.

»Höre endlich auf, was schreist du denn, so, Rosseherre!« sagte ich barsch,

und da ich sprach, wie man auf der Insel spricht, kam Rosseherre sofort zur

Besinnung.

»Ich sage nichts mehr,« fuhr sie auf französisch fort, »du kannst ihr ruhig

Ketten schenken und was du willst -- ihr -- hohoho -- mit allen Matrosen

hat sie es --«

»Yvonne?«

»Ja, Yvonne!«

Das Meer · 第 50 / 79 题