Ich lachte. »Yvonne! Haha! O nein, die hat es nicht mit allen Matrosen.«

Rosseherres Augen kochten. Ihre Lippen wurden ganz weiß. »Willst du damit

sagen, daß ich es mit allen Matrosen habe?«

»Sagte ich ein Wort --?«

»Und wenn du es auch gesagt hast, ich kann vor der Mutter Gottes

beschwören, daß ich nie einem andern gehörte als Yann. Und Yann wird mich

heiraten. Aber Yvonne -- nein, laufe ihr ruhig nach -- jeder Mensch auf der

Insel kann dir sagen, daß sie mit sechzehn Jahren ein totgeborenes Kind

gehabt hat -- sie ist nichts als Schmutz!«

Gott stehe mir bei! Ich lachte. »Rosseherre, was sagst du doch -- Yvonne --

hahaha?«

»Es ist so, wie ich es sagte -- nun, du wirst es noch bald genug erfahren

-- Hunde seid ihr Männer, Hunde! -- warte nur, bis sie dich bestiehlt --

und was für Worte hast du mir gegeben -- Lügner, Lügner!«

»Höre, Rosseherre,« sagte ich und berührte ihren Arm um sie zu beruhigen,

»du hast ja Yann, nicht wahr, es ist besser so!«

Rosseherre wich zurück. »Ja, ich habe Yann,« entgegnete sie, »das ist wahr,

und obwohl er nur ein einfacher Seemann ist, ist er mir doch tausendmal

lieber als du.«

»Das glaube ich gern.«

»Tausendmal!« wiederholte Rosseherre und sah mich voller Haß an. Ihre Augen

waren so gelb im Sonnenlicht wie die einer Katze. »Du kannst ruhig zu

Yvonne gehen, du bist so schlecht wie sie -- hoho -- und du glaubst

vielleicht, daß ich eifersüchtig bin -- o nein --« Sie schlug die Hände

vors Gesicht und ging.

»Rosseherre!« rief ich.

Aber sie fing an zu laufen. Dann blieb sie plötzlich stehen und lachte

schallend: »Du bist ja ein Narr -- hahaha! -- ein Narr!« Und wieder lief

sie.

Ich sah ihr nach. Wie rasch sie lief, wie sie flatterte. Ihre Gestalt

versank und ich sah nur noch ihre weiße Haube über die Heide gleiten -- so

rasch.

Nun, zuweilen war es an mir so zu laufen, nun war es an ihr, die Zeiten

haben sich geändert.

Wie rasend sie war, welch ein Haß in diesem gelben Irrwisch steckte! Gott

erbarme sich meiner, sie hatte mich übel zugerichtet, keinen guten Faden

hatte sie an mir gelassen.

Ich ging über die Heide, nach Creach. »Poupoul, sprich!« sagte ich zu

Poupoul, der schon wieder alles vergessen hatte. »Sprich die Wahrheit, dir,

einem Tier, wird es leichter fallen gerecht zu sein als uns Menschen: haben

wir nicht oft gesehen, wie die kleine weiße Haube in der Nacht zum

>Arbeiter< hinüber ruderte, und haben wir jemals ein Wort gesagt? Und sie

-- he, Poupoul, sprich die Wahrheit!« Und wieder mußte ich lachen: wie

schnell sie lief, obschon ihr doch niemand folgte!

Das Meer · 第 51 / 79 题