Amorik beugte sich oben über die Galerie und winkte. Ich stieg die
Schneckentreppe hinauf in den hallenden Schlot. Amorik, der Einäugige, nahm
die Tücher von den Scheiben und die untergehende Sonne zersprang in den
Linsen und Segmenten dieses blitzenden kristallenen Spielzeugs zu tausend
farbigen Feuern. Gleißende blaue und gelbe Dolchbüschel stachen nach mir,
scharfe rote und grüne Sicheln zerschnitten mir die Augen. Die Insel unter
uns war schon dunkel und die Klippen schwarz. Drüben an der fernen Küste
zuckte ein Feuer empor -- immer als ob es sich strecke -- irgendein
eisernes Gespenst, das in der Brandung stand und sein Auge rollte. Die
Kerze knisterte, der Lichtbogen sprang über, Amorik schaltete den Apparat
ein, und das glitzernde Spielzeug begann sich geräuschlos zu drehen und
schleuderte seine vier Strahlengarben über unsere Köpfe hinweg übers Meer
hinaus. Man konnte nicht hineinsehen ohne zu erblinden. Nun blinzelte und
funkelte an der Küste ein Dutzend weißer, roter und grüner Feuer, der
Schmuck der großen Kokotte Frankreich blitzte in der Nacht.
Amorik saß auf einem kleinen Schemel und sein linkes Auge wachte. Wo hast
du dein Auge verloren, grauer Amorik? He, der Wind kam und blies und sagte:
ich bin der Wind, und blies es dir aus der Höhle? Nein, während eines
Sturmes war ihm eine Segelsparre ins Auge gefallen.
Mit seinem feinen Lächeln saß Amorik da und sein Gesicht war gesättigt mit
der Güte jener Menschen, die einsam in der stillen Nacht wachen und
schweigen. Und wo konnte man einsamer sein, als unter der gleißenden Mühle?
Ich trat auf die Galerie. Der Nachtwind legte mir die Kleider glatt an den
Körper und zerrte an meinen Augenlidern. An den Scheiben tanzten große
Falter und Myriaden von Milben und bohrten sich wollüstig ins Licht. Wie
rotierende weißglühende Fontänen schossen die Strahlengarben in die
Finsternis empor und hinaus, dreißig Seemeilen weit und mehr. Die Insel war
vollkommen schwarz, mattschwarz, und glänzendschwarz war das Meer und
bewegte sich.
Ein grüner Funke wanderte nach Norden. Sie wußten, das ist Creach, in vier
Stunden sind wir im Kanal, in zwanzig, in fünfzig Stunden zu Hause. Noch
nach fünf Stunden würden sie uns sehen.
Wir wachten und wechselten dann und wann ein kurzes Wort. Amorik hatte es
längst verlernt zu reden.
Im Falle Nebel kommt, werden wir den kleinen Hebel öffnen und die
komprimierte Luft wird im Schalltrichter brüllen. Aber es kam kein Nebel,
die Nacht war übersät mit Sternen.
»Nun, gute Nacht, Amorik.«
»Du gehst?«
»Ja, ich bin müde.«
»Bist du noch wach, Yvonne, so tief in der Nacht?«
Yvonne stand im dunkeln Fenster und lächelte. Sie wußte alles und doch war
sie ein junges Mädchen.
»Komm heraus, Yvonne. Nicht? Yvonne, so reich mir doch die Hand heraus.
Kenavo, Yvonne!«
»Kenavo!« flüsterte sie.
»Yvonne, mache nochmals auf!«
»Ja?«
Ich nahm die kleine silberne Kette aus der Tasche und warf sie ins Fenster.
Ich hörte wie sie auffiel. Ich sagte nichts und ging.