Am nächsten Sonntag nach dem Kirchgang traf ich sie wieder bei Noel. Sie
kaufte Wolle ein für Amoriks Strümpfe und die Wahl unter all den bunten
Strängen wurde ihr schwer. Endlich entschied sie sich für himbeerfarbene.
Dann wühlte sie in allerlei Kram und zog eine schmale Spitze hervor.
»O, wie hübsch sie ist. Für die Haube!«
»Ein halbes Meter. Zehn Sou!«
»O!« Yvonne warf die Spitze auf den Ladentisch. »Was denkst du, so reich
bin ich nicht!«
»Gib mir die Spitze,« sagte ich und legte zehn Sou hin. Da aber fühlte ich,
daß mich jemand ansah, und ich wandte mich um: Rosseherre stand hinter uns.
Mit ihren gelben Haaren, den schmalen Wangen und vielen Sommersprossen,
welk sah sie aus trotz ihrer Jugend -- »Guten Tag, Rosseherre« -- aber sie
war schon gegangen.
»Nun, Yvonne, willst du die Spitze haben?«
»Nein, ach nein!« Aber als ich sie recht hübsch bat, nahm sie doch das
kleine Geschenk an.
Ich ging nach Creach. Es wurde Abend. Kahl und nüchtern stand der
Leuchtturm inmitten der kleinen Hütten in der Heide. Jemand ging oben auf
der Galerie und pfiff, und das Pfeifen klang klar wider in der dünnen Luft.
»Guten Abend, Yvonne!« Yvonne stand am Fenster und helle Lichter glänzten
auf ihren braunen Wangen. »Ein schöner Abend? Wie warm der Wind ist! Willst
du nicht ein wenig herauskommen zu mir?« Yvonne trat zurück und ihr Gesicht
wurde ganz dunkel. Ihre Zähne blinkten matt. Gewiß knisterten ihre
pechschwarzen Haare, wenn man sie anfaßte. Yvonne lächelte und schüttelte
den Kopf.