Gesichter gingen im Rauch. »Wir können unmöglich fahren.«

»Hunde seid ihr, wenn ihr nicht fahrt.«

»Aber das Meer ist schrecklich, wir kommen nicht zur Bai hinaus!«

Ich zitterte vor Erregung. Ich bot meine ganze Überredungsgabe auf. Aber

sie blieben kalt und ruhig.

»Da draußen sind sie!«

»Hier sind unsere Frauen und Kinder.«

Chikel hatte morgens um fünf Uhr die Bar geöffnet und eine Lampe

angezündet. Vielleicht ging es so! Ich ging umher und goß den Fischern ein.

Sie hatten keine Phantasie. Sie sahen nicht, wie sie da draußen auf dem

Wrack saßen, sich festklammerten und hofften, ah, pfui!

»Aber ihr müßt fahren!« sagte ich. »Das bißchen Meer, was für Leute seid

ihr doch! Ich kenne euch nun so lange!«

Die Fischer rekelten sich.

»Unmöglich!«

»In die Hölle mit euch!«

Ich ging. Ich bebte vor Zorn.

Nebel. Dick und häßlich gelb, wie Eiter. Creach grollte alle drei Minuten,

das Meer schlug.

Bei den Klippen standen die Fischer und lauerten auf alles, was geschwommen

kam. Zerschmetterte Leichname trieben ans Land. Am Vormittag zählte man

sieben, am Abend dreizehn. Der Nebel aber stand wie eine Mauer.

Creach brüllte die ganze Nacht. Am nächsten Morgen war der Nebel dünner

geworden, und plötzlich unterschied man im Düster draußen den Dampfer. Er

lag schräg, sein Achterdeck stand über Wasser und bei jeder Woge stieg ein

Turm von Gischt daran in die Höhe. In den Tauwänden hing etwas wie graue

Flocken, das waren Menschen. Der Nebel zog und wir sahen sie nicht mehr.

Um zwei Uhr aber, zur Zeit der Ebbe, fuhr Yann hinaus.

Hoch Yann, und dreimal hoch!

Ja, plötzlich regte es sich auf dem »Arbeiter«, der draußen im Nebel

inmitten der Sturzseen tanzte. Die Ankerwinde rasselte. Wir sahen einander

an. Wie? Es zischte und aus dem Kamin quoll eine dicke Rauchwolke, die den

»Arbeiter« in graue Nebelballen einpackte. »Der kleine Kapitän marschiert!«

Ja, natürlich marschiert er! Das war Yann, der wie ein Mädchen weinte, wenn

er betrunken war. Nun aber zeigte es sich, was in ihm steckte! Er hatte

lange genug gewartet und nun ging er los und war nicht mehr zu halten.

Entweder -- oder. Gewiß hatte er die Zähne gezeigt, als seine Mannschaft

zögerte. Eine Stunde lang rasselte die Ankerwinde, stoß- und ruckweise, der

Anker saß fest. Plötzlich aber hörten wir etwas, ein _fürchterliches

Gebrüll_ -- trotz der Entfernung. Das war Yann. Gleichzeitig bewegte sich

der Nebeldampfer. Er fuhr rückwärts! »O, lala!« sagte Noel. Dann stellte er

sich auf die Hinterbeine und stürzte kopfüber hinab, rollte und ging

vorwärts. Wir sprachen kein Wort. Nur, da wir lange zusahen, wie sich Yann

Zoll um Zoll den Weg erkämpfte, sagte einer: »Wenn die Maschine es aushält

--!« Wir warteten stundenlang auf demselben Fleck und spähten in den Nebel

hinein. So oft wir Yann tuten hörten, sahen wir einander an und regten uns.

Yann kehrte mit acht Schiffbrüchigen zurück. Es war ihm gelungen, ein Seil

zu werfen, über das sie an Bord klettern konnten. Am nächsten Morgen ging

das Rettungsboot hinaus und holte die zehn übrigen. Nun waren sie alle

gerettet bis auf einen, einen Neger, einen Stoker, der sich nicht über das

Seil wagte.

Man sah ihn den ganzen Tag über oben auf dem Mast hocken wie einen kleinen

dunklen Klumpen. Der Nebel zog und verbarg ihn, der Nebel wurde dünner, und

immer noch saß der Neger da. Der Mast hatte sich geneigt und ragte nur noch

zum vierten Teil aus dem Wasser. Gegen Abend ging das Rettungsboot nochmals

hinaus und fuhr so nahe wie möglich an den Mast heran. Gespenstisch wie der

Fliegende Holländer tanzte das Boot im Nebel. Aber der Neger rührte sich

nicht vom Platze. Am andern Morgen hatte sich die Mastspitze bis aufs Meer

herabgesenkt. Das Spritzwasser ging über den Neger hin. Wieder fuhr das

Boot hinaus, aber der Neger rührte sich nicht. Er hockte da und heulte. Er

hatte den Verstand verloren. Am Abend, als sich der Nebel auf Augenblicke

lichtete, war die Mastspitze leer.

Man grub eine Reihe Gräber in der Heide. Alle Fischer standen mit der Mütze

in der Hand. Auch ich. Der Priester sprach, und der Totengräber spritzte in

gleichen Zwischenräumen den Tabaksaft durch die Zähne ins Grab hinab.

Und nun erschien auch ein Fleckchen blauer Himmel zwischen den Nebelbänken.

In den Klippen aber saß ganz allein Rosseherre und starrte aufs Meer

hinaus. Die winzige Mastspitze war gesunken. Von der »Indiana« war nichts

mehr zu sehen.

Ich ging nahe an Rosseherre vorbei. Sie sang leise mit einer hohen,

weinenden Stimme wie der Wind und wiegte den Kopf dabei.

Ich sah über die Insel: sie kam mir schrecklich vor.

Das Meer · 第 40 / 79 题