Ich begegnete Rosseherre in der Nähe des Dorfes als es dämmerte. Sie trug
einen großen Brotlaib unter dem Arm. Creach zündete gerade sein Feuer an.
In seinem gläsernen Kopfe hauchte es, wie wenn jemand ein glimmendes
Streichholz in den Mund nimmt und es anfacht, dann spie er kurze violette
Blitze, die in die Dämmerung wie geschliffene Nadeln stachen. Das Meer war
schon dunkel.
»Ihr wäret ja neulich auf ein Haar ertrunken!« sagte Rosseherre singend und
stemmte den Brotlaib gegen die schmale Hüfte.
Ich lachte. »Es war nicht so gefährlich,« sagte ich.
Rosseherre wiegte mit kindlichem Ernst den Kopf. »Jean Louis hatte die
Hoffnung schon aufgegeben! Und er kennt das Meer da draußen, niemand kennt
es besser. Und dann schwimmst du bei den Klippen, es ist dir schon ganz
einerlei, ob Ebbe oder Flut ist. Es gibt aber Strudel und Ströme und das
Meer kann dich hinaustragen. Amorik von Creach sagt, ich kann ihm schon gar
nicht mehr zusehen. Warum tust du das?«
»Ich schwimme ja nicht, wenn die Brandung sehr stark ist.«
»Du kennst das Meer nicht,« fuhr Rosseherre fort. »Du sollst dich in acht
nehmen.«
Ich lächelte. Die Besorgnis Rosseherres rührte mich. Sie war ein Kind. »In
acht nehmen?«
»Ja, vor dem Meer!«
»Ich möchte wohl gerne wissen, weshalb du auf der Insel lebst?« fuhr
Rosseherre fort.
»Um das Meer zu hören und den Fisch zu fangen, Rosseherre.«