XIV

Ich begegnete Rosseherre in der Nähe des Dorfes als es dämmerte. Sie trug

einen großen Brotlaib unter dem Arm. Creach zündete gerade sein Feuer an.

In seinem gläsernen Kopfe hauchte es, wie wenn jemand ein glimmendes

Streichholz in den Mund nimmt und es anfacht, dann spie er kurze violette

Blitze, die in die Dämmerung wie geschliffene Nadeln stachen. Das Meer war

schon dunkel.

»Ihr wäret ja neulich auf ein Haar ertrunken!« sagte Rosseherre singend und

stemmte den Brotlaib gegen die schmale Hüfte.

Ich lachte. »Es war nicht so gefährlich,« sagte ich.

Rosseherre wiegte mit kindlichem Ernst den Kopf. »Jean Louis hatte die

Hoffnung schon aufgegeben! Und er kennt das Meer da draußen, niemand kennt

es besser. Und dann schwimmst du bei den Klippen, es ist dir schon ganz

einerlei, ob Ebbe oder Flut ist. Es gibt aber Strudel und Ströme und das

Meer kann dich hinaustragen. Amorik von Creach sagt, ich kann ihm schon gar

nicht mehr zusehen. Warum tust du das?«

»Ich schwimme ja nicht, wenn die Brandung sehr stark ist.«

»Du kennst das Meer nicht,« fuhr Rosseherre fort. »Du sollst dich in acht

nehmen.«

Ich lächelte. Die Besorgnis Rosseherres rührte mich. Sie war ein Kind. »In

acht nehmen?«

»Ja, vor dem Meer!«

»Ich möchte wohl gerne wissen, weshalb du auf der Insel lebst?« fuhr

Rosseherre fort.

»Um das Meer zu hören und den Fisch zu fangen, Rosseherre.«

Das Meer · 第 27 / 79 题