+A. Middleton+, ~S. J.~
Als der Brief vollendet war, schellte es zu einer kurzen Unterbrechung
der Studien. ~P.~ Middleton eilte hinaus, und als der letzte
Zögling den Saal verlassen, trat er an Percys Pult, nahm das Kästchen
heraus und trug es in sein Zimmer. Allein die Zöglinge waren heute
gegen ihre sonstige Gewohnheit sehr still, und in Gruppen beisammen
stehend flüsterten sie geheimnisvoll miteinander.
Gegen Ende der kleinen Erholungsfrist näherte sich Donnel mit etwa fünf
andern dem Präfekten.
„Ist es wahr, Pater, daß Prescott geschaßt ist?“
„Das ist wahr, Johann. Ich hoffe, er ist auch der letzte, der dieses
Jahr fort muß.“
Er zog seine Schelle hervor und gab das Zeichen zum Schlusse der
Erholung.
„Ich denke,“ fuhr Johann Donnel fort, „er wird bei diesem herrlichen
Wetter nicht auf der Plattform stehen, sondern sich fein im Wagen
halten. Puh, welch ein kalter Wind diese Nacht pfeift! -- Er hat doch
den Sieben-Uhr-Zug genommen, Pater, nicht wahr?“
„Lauf, Donnel, es ist Zeit!“ war die Antwort des Präfekten.
Aber Donnels Frage wollte ihm nicht aus dem Sinne. Sollte Prescott
wirklich den bezeichneten Zug benutzt haben?
Nach dem Diebstahl hatte er sich aus Furcht vor Entdeckung jedenfalls
nicht für die gewöhnliche Art der Reise entschieden; er war schlau
genug, um zu vermuten, daß ihm ein Telegramm vorauseilen, und daß auf
der nächsten Station schon ein Polizist zu seinem Empfange bereit
stehen könne.
Viel mehr Wahrscheinlichkeit hatte es für sich, daß er zu Fuß nach
Sykesville gegangen war, einem Orte, der nicht ganz zwei Stunden von
Maurach entfernt lag. Das Kolleg mußte er etwa um viertel vor sieben
verlassen haben, konnte also viertel vor neun in Sykesville sein.
„Wenn er es so gemacht hat,“ sprach ~P.~ Middleton zu sich selbst,
während er auf die Uhr sah, „so ist er jetzt da. Wenn aber das nicht --
was wird dann der arme Junge wohl bei dieser Witterung zu leiden haben?“
Er begab sich in die Infirmerie, wo die drei Freunde zum Abendgebete
neben ihren Betten knieten. Percy stand auf, als er bemerkte, daß der
Pater mit ihm reden wolle.
„Wie viel Geld hattest Du in Deinem Kästchen, Percy?“
„Fünfzehn Dollars.“
„Ich fürchte, Percy, Du bist bestohlen worden.“
„O! wirklich? Der Dieb ist doch wohl kein Zögling?“
„Leider scheint es doch der Fall zu sein. Ich vermute Prescott. Er ist
weggelaufen, nachdem er Dein Kästchen erbrochen und das Geld genommen
hat.“
„O, der Arme! Er thut mir so leid! Welch ein trauriges Leben muß er
doch geführt haben, daß er eine solche Sünde begehen konnte!“
„Freilich, Percy. Aber das Geld! Dein Geld!“
„O Pater, an dem Gelde liegt mir nichts. Mein Vater schickt mir Geld
wieder, wenn ich ihn nur bitte. Aber der arme, arme Junge thut mir so
leid. Wie unglücklich muß er sich jetzt fühlen!“
„Erzähle dies jetzt niemanden, Percy! Auch daß er weggelaufen ist, darf
niemand erfahren. Er ist aber zugleich geschaßt worden, und das weiß
man unter den Zöglingen. Im übrigen wollen wir seinen Ruf schonen,
soviel es noch möglich ist.“
„~P.~ Middleton, das gleicht Ihnen nun so ganz. Sie nehmen stets
Rücksicht auf andere. Ich hätte hieran gar nicht gedacht. Ich wäre
hingegangen und hätte jedem in die Ohren gerufen, Prescott sei ein Dieb
und ein Ausreißer. Ich danke Ihnen sehr, Pater. Sie haben mir durch Ihr
Beispiel eine heilsame Lehre gegeben.“
Hätte unser kleiner Freund gewußt, was für ein Brief an seinen Vater
noch auf ~P.~ Middletons Tische lag, er würde die aufmerksame
Rücksichtnahme seines Präfekten noch dankbarer bewundert haben.
„Noch eines, Percy. Dein Kästchen habe ich mit in mein Zimmer genommen.
Das Schloß war ja erbrochen, und auch sonst war es arg beschädigt. Hast
Du etwas dagegen, daß ich es Dir erst zurückstelle, wenn alles wieder
in Ordnung ist?“
„O gar nichts, Pater! Behalten Sie es, so lange Sie wollen, eine Woche,
einen Monat, behalten Sie es nur ganz.“
Mit einem Lächeln wünschte ~P.~ Middleton seinem braven Zögling
gute Nacht.
[Illustration]
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