Warum ist er denn damals nicht heimgekommen?«

»Er dachte: er wollt's schon noch zu was bringen,« sagte der fahrende

Mann.

»Recht so: geschämt hat er sich, weil er treulos geworden seinem

Heimatland. Auf dem Stroh hat er geschlafen, all Nacht in einem

andern Dorfgasthof. Auf einmal, da hat er sich wieder auf sein grünes

Hütl besonnen und auf die härene Joppen und auf sein harzduftiges

Tannenland. Und hat sich besonnen auf die Schwester, die daheim

irgendwo hausen mag. Gott geb ihr die ewige Ruh! Schlaf sanft, Weiberl!

Und wie er heimkommen ist, haben sie die Mali begraben gehabt. Und nun?«

»Nun will der Seppl sein Stückl Weg zu Ende laufen,« sagte der

Musikmann leise.

»Recht so. Und das ist mein Exempel: Tut's draußen, was ihr wollt --

ihr kommt zu nix und seid nix. Jetzt, wenn Du zusammenzählst, Seppl --

was kommt heraus?

Null kommt heraus, Seppl! Null! Das is fei nix. Und da rechn' ich noch

gut. Die Studierten sagen zu solch einem Sümmlein: ›minus‹. Das ist

noch weniger als Null. Und wenn Du rechnen könntest, Seppl, ich glaube,

das _ist_ ›minus‹: verlorene Heimat, verlorene Jugend, verlorenes

Leben, verlorene Heimat -- verloren, alles verloren!

Und nun?

Jetzt bist wieder da und tätest justament gerne von vorn anfangen -- 's

is fei spät, Seppl, und lang hast nimmer Zeit, mein' ich. --

Nun hab ich doch auf das Fichtenstämml vergessen. Ich hab damit die

andere Giebelwand stützen wollen. Na, so ist's eine Arbeit für den

neuen Tag.«

Der Landfahrer ist ganz still in sich zusammengesunken.

»Wir reden noch, Seppl, ein ander Mal. Heut, wenn Du willst, kannst

Du's aber schon wissen: Im Zechenhäusl ist ein Platz frei. Wird Dir

freilich fei nicht gut genug sein, weil Du's besser gewöhnt sein magst

... Nein? ... Jetzt -- so leg Dich neben mich aufs Stroh und denk: beim

Zachenhesselhans bin ich fortan daheim. Schlag ein!«

Da reichten sich die beiden Alten die Hände.

Die Nebel gingen um das Haus, und ein sanfter Bergwind sang um den

Giebel und sang um das Moosdach.

Der sanfte Bergwind hat die beiden in Schlaf gesungen.

[Illustration]

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Am Sonnenwirbel: Eine Dorfgeschichte · 第 28 / 57 题