9 Vergl. hierzu Kautzsch, Erörterungen zu einer Geschichte der
deutschen Handschriftillustration im späteren Mittelalter, Strassburg
1894, S. 17 ff., wo die Berechtigung einer Sonderung in nationale
Federzeichnung und französische Wachsmalerei bestritten wird. Von
anderen wird überhaupt das Vorherrschen der einen oder der anderen
Richtung zu irgend einer Zeit in Abrede gestellt.
10 Eine vortreffliche Publikation des »hortus deliciarum« von der
Gesellschaft der historischen Denkmäler, Strassburg, ist noch im
Erscheinen begriffen.
11 Haseloff: Eine thüringisch-sächsische Malerschule des 13.
Jahrhunderts. Strassburg 1897. S. 209–211. 277 ff.
12 Es sei an dieser Stelle daran erinnert, dass die Wiedergabe eines
in den Gesichtszügen sich ausprägenden inneren Vorgangs überhaupt
jenseits des Darstellungsvermögens oder -willens einer jeden Frühkunst
gelegen ist. Vorgreifende Versuche Einzelner nach dieser Richtung
bestätigen die Regel. (Der Ausdruck des Schmerzes in dem Antlitz des
sterbenden Helden des Ostgiebels von Aegina, München, Pinakothek,
55.) Ein höchst auffälliges und ganz vereinzelt dastehendes Beispiel
einer momentanen seelischen Bewegung in der Buchmalerei ist in dem
Kopfe eines Mannes zu erkennen, der sich in einem Benediktionale
des Stiftes Lambach, Oberösterreich, aus der zweiten Hälfte des 12.
Jahrhundert, befindet (Codex 73). Ein armer Sünder soll die Feuerprobe
bestehen. Neben den lodernden Flammen steht der Richter, der Büttel
hält das glühende Eisen mit der Zange bereit. Eine Frau schleppt den
mit kurzem Hemd bekleideten Delinquenten herbei: kraftlos hängen die
Glieder herab, das Haar ist wirr und gesträubt, die Augen nach oben
verdreht, und Todesangst spricht aus allen seinen Zügen. — Ich verdanke
eine Photographie dieses höchst interessanten Bildes der Güte des Dr.
Swarzenski.
13 Eine solche und sehr frühe Ausnahme ist das Bildnis Heinrichs
des Zänkers, auf die Lanze gestützt, in der Tracht der Zeit, mit
»Stirnglatze« und ziemlich individuellen Zügen. Um 970. Regensburger
Schule. Bamberg, Ed. II, 11.
14 Ein nachahmenswertes Beispiel, die so leicht vergänglichen
Malereien vergangener Zeiten in ihrem jetzigem Zustande zu erhalten und
zugleich der Kirche ihren bunten Bilderschmuck wiederzugeben.
15 Abgebildet zum Teil in den Aufnahmen mittelaltriger Wand- und
Deckengemälde in Deutschland, herausgegeben von Kolb und Vorländer.
Berlin, Ernst Wasmuth 1897, und in den mittelaltrigen Wandgemälden und
Tafelbildern der Burg Karlstein, publiziert von Neuwirth, Prag 1896.
16 Doch wurden auch schon Freifiguren und Grabplatten mit dem
Bilde des Verstorbenen im Relief in Erzguss ausgeführt. Bei
der Bronzegrabplatte Rudolfs von Schwaben im Dom zu Merseburg,
wahrscheinlich kurz nach dessen Tode (1080) gefertigt, vermutet
Burckhardt — Das Portrait, S. 146, Anmerkung — die Benutzung der
Totenmaske; es würde das wohl der erste Fall vom Gebrauche dieses
Hilfsmittels in deutscher Kunst sein.
17 Heinrich der Löwe, Mathilde und die Naumburger Stifter sind
übrigens erst lange nach dem Tode der lebenden Vorbilder ausgeführt
worden, und gute, authentische Porträts haben den Künstlern schwerlich
zu Gebote gestanden.