beraubt zu sein; denn der Sklave eines Herrn ist der Sklave eines
Einzelnen; aber der Mensch, der seines Rechts auf die Erde beraubt
ist, ist der Sklave Aller.” („Das große Verbrechen.”)
[219] (S. 152): Rußland war tatsächlich in einer besonderen Lage; und
wenn es auch verkehrt von Tolstoi gewesen ist, daraus Schlüsse auf
sämtliche europäischen Staaten zu ziehen, so darf man sich doch nicht
wundern, daß ihn die Leiden, die er in seiner Umgebung sah, besonders
empfindlich berührten. -- Man lese im „großen Verbrechen” die
Unterhaltungen, die er auf der Landstraße nach Tula mit den Bauern
führt, denen allen das Brot fehlt, weil es ihnen an Erde mangelt, und
die alle im tiefsten Innern darauf warten, daß ihnen die Erde
zurückgegeben werde. Die Landbevölkerung macht in Rußland 80 Prozent
der Gesamtbevölkerung aus. Über hundert Millionen Menschen, sagt
Tolstoi, sterben vor Hunger, weil die Grundeigentümer den Boden
einziehen. Wenn man ihnen, als Mittel zur Heilung ihres Übels, von der
Preßfreiheit, von der Trennung von Staat und Kirche, von der
Volksvertretung und selbst vom Achtstundentag spricht, macht man sich
in der frechsten Weise über sie lustig: „Das Verhalten derer, die so
tun, als ob sie überall nach Mitteln suchen, um die Lage der
Volksmassen zu verbessern, ist gerade so, wie wenn im Theater alle
Zuschauer den Schauspieler, der sich versteckt hält, deutlich sehen,
während seine Mitspieler, die ihn auch sehr wohl sehen, so tun, als ob
sie ihn nicht sähen, und sich die größte Mühen geben, ihre
Aufmerksamkeit gegenseitig von ihm abzulenken.” -- Es gibt kein
anderes Mittel, als die Erde dem Volke, das arbeitet, zurückzugeben.
Und zur Lösung dieser Grundfrage beruft sich Tolstoi auf die Lehre
Henry Georges und seinen Plan, nur eine einzige Steuer, eine Steuer
auf den Grundwert, zu erheben. Dies ist sein ökonomisches Evangelium,
auf das er unentwegt zurückgreift und das er sich so zu eigen macht,
daß er häufig in seinen eigenen Werken ganze Sätze von Henry George
gebraucht.
[220] (S. 153): „Das Gesetz vom ‚dem Bösen Nichtwiderstreben’ ist
das Fundament für die Kuppel des Gebäudes. Das Gesetz von der
gegenseitigen Hilfe zugeben unter Verkennung der Vorschrift des
Nichtwiderstrebens, hieße die Kuppel erbauen, ohne sie von Grund auf
zu fundamentieren.” („Das Ende einer Welt.”)
[221] (S. 153): In einem Brief, den Tolstoi im Jahre 1900 an einen
Freund schrieb, beklagt er sich, daß seiner Grundlehre vom
Nichtwiderstreben eine falsche Auslegung gegeben werde. „Man
verwechselt”, sagt er, „das Wort ‚Widersetze dich nicht dem Bösen
durch Böses’... mit ‚Widersetze dich nicht dem Bösen’, d. h. mit
‚Sei gleichgültig dem Bösen gegenüber’... Während der Kampf gegen
das Böse das einzige Ziel des Christentums ist, und das Gebot vom
‚dem Bösen Nichtwiderstreben’ als das wirksamste Kampfmittel gegeben
ist.”
[222] (S. 154): „Das Ende einer Welt.”
[223] (S. 154): Tolstoi hat zwei Typen solcher Sektierer gezeichnet:
den einen am Schluß der „Auferstehung”, -- den andern in „Noch drei
Tode”.
[224] (S. 155): Nachdem Tolstoi die Agitation der Semstwos verurteilt
hatte, machte sich Gorki zum Dolmetscher seiner Freunde und schrieb:
„Dieser Mann ist zum Sklaven seiner Idee geworden. Seit langem hält er
sich abseits vom russischen Leben und hört nicht mehr auf die Stimme
des Volkes. Er schwebt zu hoch über Rußland.”
[225] (S. 155): Es war ihm ein brennender Schmerz, daß er es nicht
fertig brachte, verfolgt zu werden. Es gelüstete ihn geradezu nach dem
Märtyrertum, aber die Regierung war klug genug und hütete sich, dieses
Gelüst zu befriedigen. -- „Rings um mich verfolgt man meine Freunde,
aber mich läßt man ungeschoren; und wenn irgend jemand gefährlich ist,
dann bin ich es doch sicher. Vermutlich bin ich die Verfolgung nicht
wert, und dessen schäme ich mich.” (Brief an Teneromo, 1892.) --
„Offenbar bin ich der Verfolgungen nicht wert, und ich werde wohl so
sterben müssen, ohne durch körperliche Leiden für die Wahrheit zeugen
zu dürfen.” (Brief an Teneromo vom 16. Mai 1892.) -- „Es ist mir
peinlich, in Freiheit zu leben.” (Brief an Teneromo vom 1. Juni 1894.)
-- Gott weiß indessen, daß er nichts dazu tat! Er beleidigt die Zaren,
er greift das Vaterland an, „diesen fürchterlichen Götzen, dem die
Menschen ihr Leben, ihre Freiheit und ihre Vernunft opfern”. („Das
Ende einer Welt.”) -- Man lese in „Krieg und Frieden” das Resümee,
das er aus der Geschichte Rußlands zieht. Es ist eine Galerie von
Scheusälern: „der verrückte Iwan der Schreckliche, der weinselige
Peter I., die ungebildete Köchin Katharina I., die ausschweifende
Elisabeth, der degenerierte Paul, der vatermörderische Alexander I.
(der einzige übrigens, für den Tolstoi trotzdem noch eine heimliche
Zärtlichkeit empfand), der grausame und unwissende Nikolaus I., der
wenig begabte und eher schlechte als gute Alexander II., der dumme,
rohe und unwissende Alexander III., der einfältige Husarenoffizier
Nikolaus II., ein junger Mann, der von Schurken umgeben ist und selbst
nichts weiß und versteht.”
[226] (S. 155): Brief an den widerspenstigen Gontscharenko vom 17.
Januar 1905.
[227] (S. 155): An die Duchoborzen vom Kaukasus, 1898.
[228] (S. 155): Brief an einen Freund, 1900.
[229] (S. 155): An Gontscharenko, 2. Februar 1905.
[230] (S. 156): An die Duchoborzen vom Kaukasus, 1898.
[231] (S. 156): An Gontscharenko, 17. Januar 1905.
[232] (S. 156): An einen Freund, November 1901.
[233] (S. 156): „Es ist wie eine undichte Stelle an einer Luftpumpe;
der ganze Hauch der Selbstsucht, den man aus der menschlichen Seele
heraussaugen wollte, kehrt in diese zurück.” -- Und er grübelt darüber
nach, um zu beweisen, daß man den Originaltext schlecht gelesen hat
und daß der richtige Wortlaut des zweiten Gebots ursprünglich so war:
„Liebe Deinen Nächsten wie Ihn selbst (nämlich wie Gott).”
(Unterhaltungen mit Teneromo.)
[234] (S. 157): Unterhaltungen mit Teneromo.
[235] (S. 159): Brief an einen Chinesen, Oktober 1906.
[236] (S. 159): Tolstoi gab dieser Befürchtung schon in einem Briefe
aus dem Jahre 1906 Ausdruck.
[237] (S. 159): „Es lohnte nicht, den Militär- und Polizeidienst zu
verweigern, um das Eigentum wieder einzuführen, das sich nur mit Hilfe
des Militär- und Polizeidienstes aufrechterhalten läßt. Die Leute, die
diesen Dienst ausüben und aus dem Besitz Nutzen ziehen, handeln
richtiger als solche, die jeden Dienst verweigern und trotzdem am
Genuß des Besitzes teilhaben.” (Brief an die Duchoborzen vom Kaukasus,
1899.)
[238] (S. 159): Man lese in den Unterhaltungen mit Teneromo die schöne
Stelle von dem „jüdischen Weisen”, der so in das Lesen der Bibel
vertieft war, daß er nicht gewahrte, wie die Jahrhunderte über ihm
hingingen und Völker auf der Erde erschienen und von ihr verschwanden.
[239] (S. 160): „Es ist eine furchtbare Sünde, in dem blutigen
Schrecken des modernen Staates den Fortschritt Europas zu sehen, einen
neuen Judenstaat gründen zu wollen.” (Unterhaltungen mit Teneromo.)
[240] (S. 160): Aufruf an die Politischen, 1905.
[241] (S. 160): Brief an Paul Sabatier vom 7. November 1906.
[242] (S. 161): Brief an Teneromo, Juni 1882, und Brief an einen
Freund, November 1901.
[243] (S. 161): „Krieg und Revolution.”
[244] (S. 161): Brief an einen Freund.
[245] (S. 162): Brief an einen Freund. Vielleicht handelt es sich hier
um die von Tolstoi geplante aber von ihm nicht veröffentlichte
„Geschichte eines Duchoborzen”.
[246] (S. 162): „Stellen Sie sich vor, daß alle Menschen, die in der
Wahrheit sind, sich vereinigen und sich zusammen auf einer Insel
niederlassen. Wäre dies das Leben?” (An einen Freund, März 1901.)
[247] (S. 163): 1. Dezember 1910.
[248] (S. 166): 16. Mai 1892. Tolstoi sah damals, wie seine Frau unter
dem Tod eines kleinen Knaben litt, und er wußte nicht, wie er sie
trösten sollte.
[249] (S. 166): Brief aus dem Januar 1883.
[250] (S. 167): „Ich werde niemals jemand vorwerfen, daß er keine
Religion hat. Wenn die Menschen lügen und vorgeben, eine Religion zu
haben, -- das ist das Schlimme.” -- Und an anderer Stelle: „Gott möge
uns davor bewahren, daß wir Liebe heucheln; dies ist schlimmer als der
Haß.”
[251] (S. 167): „Revue des Deux Mondes” vom 15. Dezember 1910.
[252] (S. 167): Ebenda.
[253] (S. 168): An einen Freund, 10. Dezember 1903.
[254] (S. 168): Veröffentlicht im „Figaro” vom 27. Dezember 1910.
[255] (S. 169): Dieser Zustand reicht also bis in das Jahr 1881
zurück, d. h. bis zu dem in Moskau verbrachten Winter, als Tolstoi das
soziale Elend entdeckte.
[256] (S. 172): Brief an einen Freund.
[257] (S. 173): Es scheint, daß Tolstoi während der letzten Jahre und
besonders während der letzten Monate seines Lebens stark unter dem
Einfluß seines ihm treu ergebenen Freundes Wladimir Grigoritsch
Tschertkow stand, der während seines langen Aufenthalts in England
sein Vermögen daran gesetzt hatte, Tolstois gesamtes Werk zu
veröffentlichen und zu verbreiten. Tschertkow ist von einem der Söhne
Tolstois, von Leo Tolstoi, heftig angegriffen worden. Aber wenn man
ihm auch Starrköpfigkeit vorwerfen konnte, so vermochte niemand, seine
völlige Ergebenheit anzuzweifeln; und ohne die manchmal vielleicht
unmenschliche Härte zu billigen, die in gewissen Handlungen, welche
man auf seinen Einfluß zurückführen kann, zutage tritt (wie in dem
Testament, worin Tolstoi seiner Frau jede Verfügung über all seine
Schriften einschließlich seiner Privatbriefe entzog), darf man
glauben, daß er stolzer auf den Ruhm seines Freundes Tolstoi war, als
dieser selbst.
[258] (S. 173): Die „Correspondance de l'Union pour la vérité” hat in
ihrer Nummer vom 1. Januar 1911 einen interessanten Bericht über diese
Flucht veröffentlicht: Tolstoi verließ plötzlich am 28. Oktober (10.
November) 1910, gegen 5 Uhr morgens, Jasnaja Poljana; seine Tochter
Alexandra, die Tschertkow „seine vertrauteste Mitarbeiterin” nennt,
war in das Geheimnis von seiner Flucht eingeweiht. Am nämlichen Tage,
um 6 Uhr abends, langte er an dem Kloster Optina an, einem der
berühmtesten Wallfahrtsorte Rußlands, wohin er früher schon manches
Mal gepilgert war. Hier verbrachte er die Nacht und den Morgen des
folgenden Tages und schrieb einen langen Aufsatz über die Todesstrafe.
Am Abend des 29. Oktober (11. November) ging er nach dem Kloster
Chamordino, wo seine Schwester Marie Nonne war. Er aß mit ihr und
sagte ihr, daß er den Wunsch gehabt habe, das Ende seines Lebens im
Kloster Optina zu verbringen, „wo er sich den niedrigsten Arbeiten
gern unterzogen hätte, jedoch unter der Bedingung, daß er nicht
gezwungen gewesen sei, zur Kirche zu gehen.” Er verbrachte die Nacht
in Chamordino, machte am folgenden Morgen einen Gang in das
benachbarte Dorf, wo er Unterkunft zu nehmen dachte, und kam am
Nachmittag wieder mit seiner Schwester zusammen. Um 5 Uhr traf
unversehens seine Tochter Alexandra ein. Zweifellos benachrichtigte
sie ihn davon, daß sein Zufluchtsort bekannt geworden und man auf
seiner Verfolgung sei; und in der nämlichen Nacht brachen sie noch
auf. „Tolstoi, Alexandra und Doktor Makowitski gingen nach der
Bahnstation Koselsk, wahrscheinlich mit der Absicht, die südlichen
Provinzen, vielleicht die von den Duchoborzen im Kaukasus gegründeten
Kolonien, zu erreichen.” Unterwegs erkrankte Tolstoi auf dem Bahnhof
von Astapowo und mußte sich zu Bett legen. Dort starb er dann.
[259] (S. 176): Tagebuch unter dem Datum des 28. Oktober 1879. -- Der
ganze Abschnitt, der zu den schönsten gehört, lautet: „Es gibt in
dieser Welt schwerfällige Leute ohne Flügel. Diese bewegen sich auf
der Erde. Unter ihnen gibt es starke Naturen: Napoleon. Er hinterläßt
schreckliche Spuren unter den Menschen. Er sät Unfrieden. -- Es gibt
Menschen, die sich Flügel wachsen lassen, sich langsam emporschwingen
und schweben: die Mönche. -- Es gibt leichtbeschwingte Menschen, die
sich mühelos erheben und wieder herabstürzen: die guten Idealisten. --
Es gibt Menschen mit mächtigen Schwingen... -- Es gibt himmlische
Menschen, die aus Liebe zu den Menschen auf die Erde herabsteigen,
ihre Flügel zusammenfalten und die anderen das Fliegen lehren. Dann,
wenn sie nicht mehr nötig sind, steigen sie wieder empor: Christus.”
[260] (S. 176): „Man kann nur leben, solange man trunken vom Leben
ist.” („Beichte”, 1879.) -- „Ich bin lebenstoll... Dies ist der
Sommer, der köstliche Sommer. Dieses Jahr habe ich lange gekämpft;
aber die Schönheit der Natur hat mich besiegt. Ich freue mich des
Lebens.” (Brief an Fet, Juli 1880.) -- Diese Zeilen sind mitten in der
religiösen Krisis geschrieben.
[261] (S. 176): In seinem Tagebuch unter dem Datum des 1. Mai 1863:
„Der Gedanke an den Tod...” „Ich will und ich liebe die
Unsterblichkeit.”
[262] (S. 176): „Ich berauschte mich an diesem vor Entrüstung
schäumenden Zorn, den ich an mir liebe, den ich selber befeuere, wenn
ich ihn spüre; denn er übt eine besänftigende Wirkung auf mich aus und
gibt mir wenigstens für einige Augenblicke zu allen körperlichen und
moralischen Fähigkeiten eine ungewöhnliche Elastizität, Tatkraft und
Glut.” („Tagebuch des Fürsten Nekludow”, -- „Luzern”, 1857.)
[263] (S. 177): Sein Aufsatz über den Krieg anläßlich des allgemeinen
Londoner Friedenskongresses im Jahre 1891 ist eine tüchtige Verhöhnung
der Pazifisten, die an ein internationales Schiedsgericht glauben: „Es
ist die Geschichte von dem Vogel, den man fängt, nachdem man ihm etwas
Salz auf den Schwanz gestreut hat. Er ist vorher ebenso leicht zu
fangen. Den Leuten von Schiedsgericht und Abrüstung mit Zustimmung der
Staaten sprechen, heißt sich über sie lustig machen. Das alles ist
Gerede! Natürlich stimmen die Regierungen zu: die sind die rechten!
Sie wissen es wohl, daß sie das nie hindern kann, doch zu tun was sie
wollen.” („Grausame Vergnügungen.”)
[264] (S. 177): Die Natur war immer Tolstois „beste Freundin”, wie er
zu sagen liebte. Er nahm am Leben der Natur teil, er fühlte sich im
Frühling wie neugeboren („März und April sind für mich die besten
Arbeitsmonate” -- Brief an Fet vom 23. März 1877), im Spätherbst
verfiel er in eine Art von Erstarrung („Es ist für mich die toteste
Jahreszeit, ich denke nicht, ich schreibe nicht, ich fühle mich
angenehm verblödet.” -- Brief an Fet vom 21. Oktober 1869.) -- Aber
die Natur, die innig zu seinem Herzen sprach, war die Natur seiner
Heimat, die Natur von Jasnaja Poljana. Wenn er auch während seiner
Schweizerreise außerordentlich viel Schönes über den Genfer See zu
schreiben wußte und ganz besonders über Clarens und seine Umgebung,
wo ihn die Erinnerung an Rousseau anzog, so fühlte er sich doch
eigentlich in dieser Schweizer Natur als ein Fremder; und die Bande,
die ihn an die Heimaterde fesselten, erschienen ihm viel enger und
herzlicher. -- „Ich liebe die Natur, wenn sie mich von allen Seiten
umgibt, wenn mich von allen Seiten die warme Luft einhüllt, die sich
in der unendlichen Weite ausbreitet, wenn dieses nämliche fette Gras,
das ich beim Lagern niedergedrückt habe, die endlosen Felder begrünt,
wenn diese nämlichen Blätter, vom Windhauch bewegt, mein Gesicht
beschatten, die das dunkle Blau des fernen Waldes bilden, wenn diese
nämliche Luft, die ich atme, den hellblauen Grund des unendlichen
Himmels erfüllt, wenn ich nicht allein die Natur genieße, wenn rings
um mich Millionen von Insekten surren und schwirren und die Vögel
singen. Es ist für mich der höchste Naturgenuß, wenn ich mich an
allem teilhaben fühle. -- Wie schön ist hier (in der Schweiz) die
grenzenlose Weite, aber ich fühle mich ihr nicht verbunden.” (Mai
1857.)
[265] (S. 177): Unterhaltungen mit Paul Boyer („Le Temps” vom 28.
August 1901).
[266] (S. 178): Tagebuch vom 6. Januar 1903.
[267] (S. 178): Brief an Birukow.
[268] (S. 179): „Sewastopol im Mai 1855.”
[269] (S. 179): „Die Wahrheit,... das einzige was mir aus meiner
moralischen Vorstellung geblieben ist.” (17. Oktober 1860.)
[270] (S. 179): 17. Oktober 1860.
[271] (S. 179): „Die Liebe zu den Menschen ist der natürliche Zustand
der Seele, aber wir bemerken es nicht.” (Tagebuch aus seiner
Studentenzeit in Kasan.)
[272] (S. 180): „Die Liebe wird sich der Liebe öffnen...”
(„Beichte” 1879-1881.) -- „Ich, der die Wahrheit mit der Liebe zu
einer Einheit machte...” („Beichte,” 1879-1881.)
[273] (S. 180): „Ihr sprecht immer von der Willenskraft? Aber die
Grundlage der Willenskraft ist die Liebe, und die Liebe läßt sich
nicht so ohne weiteres gebieten”, sagt Anna in „Anna Karenina”.
[274] (S. 180): „Die Schönheit und die Liebe, die beide allein dem
menschlichen Dasein eine Berechtigung geben...” („Krieg und
Frieden.”)
[275] (S. 180): „Ich glaube an Gott, der für mich die Liebe ist.” (An
den Heiligen Synod, 1901.) „Ja die Liebe!... Nicht die selbstsüchtige
Liebe, sondern die Liebe, wie ich sie das erstemal in meinem Leben
erfahren habe, als ich meinen Feind sterbend neben mir gewahrte und
ihn liebte... Das ist das eigentliche Wesen des Herzens. Seinen
Nächsten lieben, seinen Feind lieben, alle und jeden lieben, heißt
Gott in allen seinen Offenbarungen lieben!... Ein Wesen lieben, das
uns teuer ist, bedeutet menschliche Liebe, aber seinen Feind lieben,
das bedeutet fast göttliche Liebe...” (Der sterbende Fürst Andrej in
„Krieg und Frieden”.)
[276] (S. 180): „Die leidenschaftliche Liebe des Künstlers für seine
Schöpfung ist der Kern der Kunst. Ohne Liebe ist kein Kunstwerk
möglich.” (Brief aus dem September 1889.)
[277] (S. 181): „Ich schreibe Bücher, daher weiß ich, wieviel Übel sie
anrichten können...” (Brief an das Oberhaupt der Duchoborzen, 1898.)
[278] (S. 182): Vergleiche „Der Morgen des Gutsherrn” oder
„Beichte”, wo jene einfachen, guten, ruhigen und mit ihrem Schicksal
zufriedenen Menschen als Idealgestalten gesehen sind, -- oder am
Schluß des zweiten Teils der „Auferstehung” die Vision von einer
neuen Menschheit und einer neuen Erde, die Nekludow hat, als er
Arbeitern begegnet, die von der Arbeit kommen.
[279] (S. 183): „Ein Christ kann dem andern moralisch weder überlegen,
noch unterlegen sein; aber er ist um so christlicher, je schneller er
sich auf dem Weg der Vollendung bewegt, auf welcher Stufe er sich auch
zur gegebenen Zeit befinden mag. So ist die ständige Tugend des
Pharisäers weniger christlich als die Tugend des Schächers, dessen
Herz sich mit Macht zum Höchsten wendet und der an seinem Kreuz
bereut.” („Grausame Vergnügungen.”) --
BILDERVERZEICHNIS
Gegenüber
Seite
1. Tolstoi nach einem Bildnis von Kramskoi, 1873 V
2. Tolstoi mit seinen Brüdern nach der Rückkehr aus dem Kaukasus,
vor der Abfahrt zur Don-Armee im Jahre 1854 16
3. Tolstoi vor der Abreise nach dem Kaukasus 32
4. Tolstoi im Jahre 1854 48
5. Tolstoi im Jahre 1906 64
6. Tolstoi und seine Frau, die Gräfin Tolstoi 80
7. Tolstoi und seine ältere Tochter Tatjana 88
8. Tolstoi und seine jüngere Tochter Alexandra 96
9. Tolstoi im Jahre 1909 104
10. Tolstoi beim Tee mit den Bauern im Jahre 1909 112
11. Tolstoi in seinem Arbeitszimmer 120
12. Tolstoi zu Pferde 128
13. Tolstoi auf dem Lande 136
14. Tolstoi im Jahre 1910 144
15. Tolstoi mit seinem Freunde Tschertkow 160
16. Tolstois Grab auf Jasnaja Poljana 176
INHALTSÜBERSICHT
Seite
Einleitung 1
„Die Geschichte meiner Kindheit” 22
„Geschichten aus dem Kaukasus” 25
„Die Kosaken” 27
„Sewastopol” 33
„Drei Tode” 47
„Eheglück” 50
„Krieg und Frieden” 55
„Anna Karenina” 65
„Beichte” und religiöse Krisis 75
Soziale Krisis: „Was sollen wir denn tun?” 87
Wissenschaft und Kunst 100
Die „Volkserzählungen” 119
„Die Macht der Finsternis” 121
„Der Tod des Iwan Iljitsch” 124
„Die Kreutzersonate” 126
„Auferstehung” 135
Die sozialen Ideen 143
Die letzten Lebensjahre 158
Epilog 175
Anmerkungen 185
Bilderverzeichnis 220
In ähnlicher Ausstattung
erschien im gleichen Verlage
Romain Rolland
Das Leben Michelangelos
Mit 24 Bildertafeln
60. Tausend
Romain Rolland
Meister Breugnon
Ein fröhliches Buch
Geheftet 18 Mark, Pappband 28 Mark
in Halbleder gebunden 50 Mark
($unverbindlich$)
Bisherige Auflage
55 000 Exemplare
_Seit dem unsterblichen „Onkel Benjamin” von Claude Tillier ist so
kein Buch geschrieben worden. So leicht und so schwer, so ernsthaft
und so froh. Unphilosophisch und unpolitisch sei das Buch, so sagt
der Verfasser im Vorwort, dabei spricht köstlichste, das Dasein
bejahende Philosophie aus jeder Zeile, und neben der lachenden
ernsten Weltanschauung, die sich unter einem Mantel von Scherzen und
Derbheiten verbirgt, steht auch manches politisch feine und kluge
Wort. Wie dieser Bildschnitzer und Künstler des 17. Jahrhunderts
lachenden Mundes über die großen und kleinen Beschwerden des Lebens
dahinschreitet, wie er Pest, Krieg, Tod an sich vorbeilaufen läßt
und bei allem Ungemach immer den Schelm im Nacken sitzen hat, das
kann nur ein ganz wundervoller, innerlich freier Mensch, der selbst
Ähnliches erlebt und bezwungen hat, so schildern._
_„Die Hilfe”_
RÜTTEN & LOENING
FRANKFURT A. MAIN
Stefan Zweig
Romain Rolland
Der Mann und das Werk
Mit 6 Bildnissen und 3 Schriftwiedergaben
_Geheftet 27 Mark, in Halbleinen gebunden 35 Mark_
_Dies Buch kommt jetzt zur rechten Zeit. Über Rolland als Menschen,
seine geistige Gestalt und ihre Bedeutung für diese Zeit hat Stefan
Zweig in seinem schönen, aus Liebe und Ehrfurcht entstandenen Buche
Worte gesagt, welche stehenbleiben werden._
_Hermann Hesse in „Wissen und Leben”_
Romain Rolland
Musikalische Reise
ins Land der Vergangenheit
Mit siebzehn Bildnissen nach alten Vorlagen
_Geheftet 45 Mark, in Halbleinen gebunden 60 Mark_
_Dieses Buch ist einer Übergangszeit gewidmet, in der sich das moderne
musikalische Empfinden vorbereitet. In den sieben Kapiteln malt Rolland
auf dem Hintergrund der ganzen Kultur-, Sitten- und Geistesgeschichte
des 17. und 18. Jahrhunderts die Bildnisse der großen Musiker ganz
Europas, die von ihren Mitlebenden zu Unrecht verkannt und von der
Nachwelt größtenteils vergessen worden sind. Alle diese Männer sind
„verwegene Moderne” in unserem heutigen Sinn. Schon darum stehen sie
unserem Herzen besonders nahe. Rolland, der unerbittlich Gerechte, zeigt
uns, wie die deutschen unter ihnen der deutschen Musik den Platz an der
Spitze der europäischen Musik erobern. Künstler wie Telemann mit ihrem
starken Sinn für das Leben sind die Vorbereiter eines Haydn, eines
Mozart, eines Beethoven, und man muß sie kennenlernen, weil man sonst
die großen Klassiker als Wunder anstaunen würde, während sie die
logische Folge eines ganzen Jahrhunderts von genialen Begabungen sind._
($Die Preise sind unverbindlich$)
Rütten & Loening
Frankfurt a. Main