[218] (S. 152): „Die grausamste aller Sklavereien ist, der Erde

beraubt zu sein; denn der Sklave eines Herrn ist der Sklave eines

Einzelnen; aber der Mensch, der seines Rechts auf die Erde beraubt

ist, ist der Sklave Aller.” („Das große Verbrechen.”)

[219] (S. 152): Rußland war tatsächlich in einer besonderen Lage; und

wenn es auch verkehrt von Tolstoi gewesen ist, daraus Schlüsse auf

sämtliche europäischen Staaten zu ziehen, so darf man sich doch nicht

wundern, daß ihn die Leiden, die er in seiner Umgebung sah, besonders

empfindlich berührten. -- Man lese im „großen Verbrechen” die

Unterhaltungen, die er auf der Landstraße nach Tula mit den Bauern

führt, denen allen das Brot fehlt, weil es ihnen an Erde mangelt, und

die alle im tiefsten Innern darauf warten, daß ihnen die Erde

zurückgegeben werde. Die Landbevölkerung macht in Rußland 80 Prozent

der Gesamtbevölkerung aus. Über hundert Millionen Menschen, sagt

Tolstoi, sterben vor Hunger, weil die Grundeigentümer den Boden

einziehen. Wenn man ihnen, als Mittel zur Heilung ihres Übels, von der

Preßfreiheit, von der Trennung von Staat und Kirche, von der

Volksvertretung und selbst vom Achtstundentag spricht, macht man sich

in der frechsten Weise über sie lustig: „Das Verhalten derer, die so

tun, als ob sie überall nach Mitteln suchen, um die Lage der

Volksmassen zu verbessern, ist gerade so, wie wenn im Theater alle

Zuschauer den Schauspieler, der sich versteckt hält, deutlich sehen,

während seine Mitspieler, die ihn auch sehr wohl sehen, so tun, als ob

sie ihn nicht sähen, und sich die größte Mühen geben, ihre

Aufmerksamkeit gegenseitig von ihm abzulenken.” -- Es gibt kein

anderes Mittel, als die Erde dem Volke, das arbeitet, zurückzugeben.

Und zur Lösung dieser Grundfrage beruft sich Tolstoi auf die Lehre

Henry Georges und seinen Plan, nur eine einzige Steuer, eine Steuer

auf den Grundwert, zu erheben. Dies ist sein ökonomisches Evangelium,

auf das er unentwegt zurückgreift und das er sich so zu eigen macht,

daß er häufig in seinen eigenen Werken ganze Sätze von Henry George

gebraucht.

[220] (S. 153): „Das Gesetz vom ‚dem Bösen Nichtwiderstreben’ ist

das Fundament für die Kuppel des Gebäudes. Das Gesetz von der

gegenseitigen Hilfe zugeben unter Verkennung der Vorschrift des

Nichtwiderstrebens, hieße die Kuppel erbauen, ohne sie von Grund auf

zu fundamentieren.” („Das Ende einer Welt.”)

[221] (S. 153): In einem Brief, den Tolstoi im Jahre 1900 an einen

Freund schrieb, beklagt er sich, daß seiner Grundlehre vom

Nichtwiderstreben eine falsche Auslegung gegeben werde. „Man

verwechselt”, sagt er, „das Wort ‚Widersetze dich nicht dem Bösen

durch Böses’... mit ‚Widersetze dich nicht dem Bösen’, d. h. mit

‚Sei gleichgültig dem Bösen gegenüber’... Während der Kampf gegen

das Böse das einzige Ziel des Christentums ist, und das Gebot vom

‚dem Bösen Nichtwiderstreben’ als das wirksamste Kampfmittel gegeben

ist.”

[222] (S. 154): „Das Ende einer Welt.”

[223] (S. 154): Tolstoi hat zwei Typen solcher Sektierer gezeichnet:

den einen am Schluß der „Auferstehung”, -- den andern in „Noch drei

Tode”.

[224] (S. 155): Nachdem Tolstoi die Agitation der Semstwos verurteilt

hatte, machte sich Gorki zum Dolmetscher seiner Freunde und schrieb:

„Dieser Mann ist zum Sklaven seiner Idee geworden. Seit langem hält er

sich abseits vom russischen Leben und hört nicht mehr auf die Stimme

des Volkes. Er schwebt zu hoch über Rußland.”

[225] (S. 155): Es war ihm ein brennender Schmerz, daß er es nicht

fertig brachte, verfolgt zu werden. Es gelüstete ihn geradezu nach dem

Märtyrertum, aber die Regierung war klug genug und hütete sich, dieses

Gelüst zu befriedigen. -- „Rings um mich verfolgt man meine Freunde,

aber mich läßt man ungeschoren; und wenn irgend jemand gefährlich ist,

dann bin ich es doch sicher. Vermutlich bin ich die Verfolgung nicht

wert, und dessen schäme ich mich.” (Brief an Teneromo, 1892.) --

„Offenbar bin ich der Verfolgungen nicht wert, und ich werde wohl so

sterben müssen, ohne durch körperliche Leiden für die Wahrheit zeugen

zu dürfen.” (Brief an Teneromo vom 16. Mai 1892.) -- „Es ist mir

peinlich, in Freiheit zu leben.” (Brief an Teneromo vom 1. Juni 1894.)

-- Gott weiß indessen, daß er nichts dazu tat! Er beleidigt die Zaren,

er greift das Vaterland an, „diesen fürchterlichen Götzen, dem die

Menschen ihr Leben, ihre Freiheit und ihre Vernunft opfern”. („Das

Ende einer Welt.”) -- Man lese in „Krieg und Frieden” das Resümee,

das er aus der Geschichte Rußlands zieht. Es ist eine Galerie von

Scheusälern: „der verrückte Iwan der Schreckliche, der weinselige

Peter I., die ungebildete Köchin Katharina I., die ausschweifende

Elisabeth, der degenerierte Paul, der vatermörderische Alexander I.

(der einzige übrigens, für den Tolstoi trotzdem noch eine heimliche

Zärtlichkeit empfand), der grausame und unwissende Nikolaus I., der

wenig begabte und eher schlechte als gute Alexander II., der dumme,

rohe und unwissende Alexander III., der einfältige Husarenoffizier

Nikolaus II., ein junger Mann, der von Schurken umgeben ist und selbst

nichts weiß und versteht.”

[226] (S. 155): Brief an den widerspenstigen Gontscharenko vom 17.

Januar 1905.

[227] (S. 155): An die Duchoborzen vom Kaukasus, 1898.

[228] (S. 155): Brief an einen Freund, 1900.

[229] (S. 155): An Gontscharenko, 2. Februar 1905.

[230] (S. 156): An die Duchoborzen vom Kaukasus, 1898.

[231] (S. 156): An Gontscharenko, 17. Januar 1905.

[232] (S. 156): An einen Freund, November 1901.

[233] (S. 156): „Es ist wie eine undichte Stelle an einer Luftpumpe;

der ganze Hauch der Selbstsucht, den man aus der menschlichen Seele

heraussaugen wollte, kehrt in diese zurück.” -- Und er grübelt darüber

nach, um zu beweisen, daß man den Originaltext schlecht gelesen hat

und daß der richtige Wortlaut des zweiten Gebots ursprünglich so war:

„Liebe Deinen Nächsten wie Ihn selbst (nämlich wie Gott).”

(Unterhaltungen mit Teneromo.)

[234] (S. 157): Unterhaltungen mit Teneromo.

[235] (S. 159): Brief an einen Chinesen, Oktober 1906.

[236] (S. 159): Tolstoi gab dieser Befürchtung schon in einem Briefe

aus dem Jahre 1906 Ausdruck.

[237] (S. 159): „Es lohnte nicht, den Militär- und Polizeidienst zu

verweigern, um das Eigentum wieder einzuführen, das sich nur mit Hilfe

des Militär- und Polizeidienstes aufrechterhalten läßt. Die Leute, die

diesen Dienst ausüben und aus dem Besitz Nutzen ziehen, handeln

richtiger als solche, die jeden Dienst verweigern und trotzdem am

Genuß des Besitzes teilhaben.” (Brief an die Duchoborzen vom Kaukasus,

1899.)

[238] (S. 159): Man lese in den Unterhaltungen mit Teneromo die schöne

Stelle von dem „jüdischen Weisen”, der so in das Lesen der Bibel

vertieft war, daß er nicht gewahrte, wie die Jahrhunderte über ihm

hingingen und Völker auf der Erde erschienen und von ihr verschwanden.

[239] (S. 160): „Es ist eine furchtbare Sünde, in dem blutigen

Schrecken des modernen Staates den Fortschritt Europas zu sehen, einen

neuen Judenstaat gründen zu wollen.” (Unterhaltungen mit Teneromo.)

[240] (S. 160): Aufruf an die Politischen, 1905.

[241] (S. 160): Brief an Paul Sabatier vom 7. November 1906.

[242] (S. 161): Brief an Teneromo, Juni 1882, und Brief an einen

Freund, November 1901.

[243] (S. 161): „Krieg und Revolution.”

[244] (S. 161): Brief an einen Freund.

[245] (S. 162): Brief an einen Freund. Vielleicht handelt es sich hier

um die von Tolstoi geplante aber von ihm nicht veröffentlichte

„Geschichte eines Duchoborzen”.

[246] (S. 162): „Stellen Sie sich vor, daß alle Menschen, die in der

Wahrheit sind, sich vereinigen und sich zusammen auf einer Insel

niederlassen. Wäre dies das Leben?” (An einen Freund, März 1901.)

[247] (S. 163): 1. Dezember 1910.

[248] (S. 166): 16. Mai 1892. Tolstoi sah damals, wie seine Frau unter

dem Tod eines kleinen Knaben litt, und er wußte nicht, wie er sie

trösten sollte.

[249] (S. 166): Brief aus dem Januar 1883.

[250] (S. 167): „Ich werde niemals jemand vorwerfen, daß er keine

Religion hat. Wenn die Menschen lügen und vorgeben, eine Religion zu

haben, -- das ist das Schlimme.” -- Und an anderer Stelle: „Gott möge

uns davor bewahren, daß wir Liebe heucheln; dies ist schlimmer als der

Haß.”

[251] (S. 167): „Revue des Deux Mondes” vom 15. Dezember 1910.

[252] (S. 167): Ebenda.

[253] (S. 168): An einen Freund, 10. Dezember 1903.

[254] (S. 168): Veröffentlicht im „Figaro” vom 27. Dezember 1910.

[255] (S. 169): Dieser Zustand reicht also bis in das Jahr 1881

zurück, d. h. bis zu dem in Moskau verbrachten Winter, als Tolstoi das

soziale Elend entdeckte.

[256] (S. 172): Brief an einen Freund.

[257] (S. 173): Es scheint, daß Tolstoi während der letzten Jahre und

besonders während der letzten Monate seines Lebens stark unter dem

Einfluß seines ihm treu ergebenen Freundes Wladimir Grigoritsch

Tschertkow stand, der während seines langen Aufenthalts in England

sein Vermögen daran gesetzt hatte, Tolstois gesamtes Werk zu

veröffentlichen und zu verbreiten. Tschertkow ist von einem der Söhne

Tolstois, von Leo Tolstoi, heftig angegriffen worden. Aber wenn man

ihm auch Starrköpfigkeit vorwerfen konnte, so vermochte niemand, seine

völlige Ergebenheit anzuzweifeln; und ohne die manchmal vielleicht

unmenschliche Härte zu billigen, die in gewissen Handlungen, welche

man auf seinen Einfluß zurückführen kann, zutage tritt (wie in dem

Testament, worin Tolstoi seiner Frau jede Verfügung über all seine

Schriften einschließlich seiner Privatbriefe entzog), darf man

glauben, daß er stolzer auf den Ruhm seines Freundes Tolstoi war, als

dieser selbst.

[258] (S. 173): Die „Correspondance de l'Union pour la vérité” hat in

ihrer Nummer vom 1. Januar 1911 einen interessanten Bericht über diese

Flucht veröffentlicht: Tolstoi verließ plötzlich am 28. Oktober (10.

November) 1910, gegen 5 Uhr morgens, Jasnaja Poljana; seine Tochter

Alexandra, die Tschertkow „seine vertrauteste Mitarbeiterin” nennt,

war in das Geheimnis von seiner Flucht eingeweiht. Am nämlichen Tage,

um 6 Uhr abends, langte er an dem Kloster Optina an, einem der

berühmtesten Wallfahrtsorte Rußlands, wohin er früher schon manches

Mal gepilgert war. Hier verbrachte er die Nacht und den Morgen des

folgenden Tages und schrieb einen langen Aufsatz über die Todesstrafe.

Am Abend des 29. Oktober (11. November) ging er nach dem Kloster

Chamordino, wo seine Schwester Marie Nonne war. Er aß mit ihr und

sagte ihr, daß er den Wunsch gehabt habe, das Ende seines Lebens im

Kloster Optina zu verbringen, „wo er sich den niedrigsten Arbeiten

gern unterzogen hätte, jedoch unter der Bedingung, daß er nicht

gezwungen gewesen sei, zur Kirche zu gehen.” Er verbrachte die Nacht

in Chamordino, machte am folgenden Morgen einen Gang in das

benachbarte Dorf, wo er Unterkunft zu nehmen dachte, und kam am

Nachmittag wieder mit seiner Schwester zusammen. Um 5 Uhr traf

unversehens seine Tochter Alexandra ein. Zweifellos benachrichtigte

sie ihn davon, daß sein Zufluchtsort bekannt geworden und man auf

seiner Verfolgung sei; und in der nämlichen Nacht brachen sie noch

auf. „Tolstoi, Alexandra und Doktor Makowitski gingen nach der

Bahnstation Koselsk, wahrscheinlich mit der Absicht, die südlichen

Provinzen, vielleicht die von den Duchoborzen im Kaukasus gegründeten

Kolonien, zu erreichen.” Unterwegs erkrankte Tolstoi auf dem Bahnhof

von Astapowo und mußte sich zu Bett legen. Dort starb er dann.

[259] (S. 176): Tagebuch unter dem Datum des 28. Oktober 1879. -- Der

ganze Abschnitt, der zu den schönsten gehört, lautet: „Es gibt in

dieser Welt schwerfällige Leute ohne Flügel. Diese bewegen sich auf

der Erde. Unter ihnen gibt es starke Naturen: Napoleon. Er hinterläßt

schreckliche Spuren unter den Menschen. Er sät Unfrieden. -- Es gibt

Menschen, die sich Flügel wachsen lassen, sich langsam emporschwingen

und schweben: die Mönche. -- Es gibt leichtbeschwingte Menschen, die

sich mühelos erheben und wieder herabstürzen: die guten Idealisten. --

Es gibt Menschen mit mächtigen Schwingen... -- Es gibt himmlische

Menschen, die aus Liebe zu den Menschen auf die Erde herabsteigen,

ihre Flügel zusammenfalten und die anderen das Fliegen lehren. Dann,

wenn sie nicht mehr nötig sind, steigen sie wieder empor: Christus.”

[260] (S. 176): „Man kann nur leben, solange man trunken vom Leben

ist.” („Beichte”, 1879.) -- „Ich bin lebenstoll... Dies ist der

Sommer, der köstliche Sommer. Dieses Jahr habe ich lange gekämpft;

aber die Schönheit der Natur hat mich besiegt. Ich freue mich des

Lebens.” (Brief an Fet, Juli 1880.) -- Diese Zeilen sind mitten in der

religiösen Krisis geschrieben.

[261] (S. 176): In seinem Tagebuch unter dem Datum des 1. Mai 1863:

„Der Gedanke an den Tod...” „Ich will und ich liebe die

Unsterblichkeit.”

[262] (S. 176): „Ich berauschte mich an diesem vor Entrüstung

schäumenden Zorn, den ich an mir liebe, den ich selber befeuere, wenn

ich ihn spüre; denn er übt eine besänftigende Wirkung auf mich aus und

gibt mir wenigstens für einige Augenblicke zu allen körperlichen und

moralischen Fähigkeiten eine ungewöhnliche Elastizität, Tatkraft und

Glut.” („Tagebuch des Fürsten Nekludow”, -- „Luzern”, 1857.)

[263] (S. 177): Sein Aufsatz über den Krieg anläßlich des allgemeinen

Londoner Friedenskongresses im Jahre 1891 ist eine tüchtige Verhöhnung

der Pazifisten, die an ein internationales Schiedsgericht glauben: „Es

ist die Geschichte von dem Vogel, den man fängt, nachdem man ihm etwas

Salz auf den Schwanz gestreut hat. Er ist vorher ebenso leicht zu

fangen. Den Leuten von Schiedsgericht und Abrüstung mit Zustimmung der

Staaten sprechen, heißt sich über sie lustig machen. Das alles ist

Gerede! Natürlich stimmen die Regierungen zu: die sind die rechten!

Sie wissen es wohl, daß sie das nie hindern kann, doch zu tun was sie

wollen.” („Grausame Vergnügungen.”)

[264] (S. 177): Die Natur war immer Tolstois „beste Freundin”, wie er

zu sagen liebte. Er nahm am Leben der Natur teil, er fühlte sich im

Frühling wie neugeboren („März und April sind für mich die besten

Arbeitsmonate” -- Brief an Fet vom 23. März 1877), im Spätherbst

verfiel er in eine Art von Erstarrung („Es ist für mich die toteste

Jahreszeit, ich denke nicht, ich schreibe nicht, ich fühle mich

angenehm verblödet.” -- Brief an Fet vom 21. Oktober 1869.) -- Aber

die Natur, die innig zu seinem Herzen sprach, war die Natur seiner

Heimat, die Natur von Jasnaja Poljana. Wenn er auch während seiner

Schweizerreise außerordentlich viel Schönes über den Genfer See zu

schreiben wußte und ganz besonders über Clarens und seine Umgebung,

wo ihn die Erinnerung an Rousseau anzog, so fühlte er sich doch

eigentlich in dieser Schweizer Natur als ein Fremder; und die Bande,

die ihn an die Heimaterde fesselten, erschienen ihm viel enger und

herzlicher. -- „Ich liebe die Natur, wenn sie mich von allen Seiten

umgibt, wenn mich von allen Seiten die warme Luft einhüllt, die sich

in der unendlichen Weite ausbreitet, wenn dieses nämliche fette Gras,

das ich beim Lagern niedergedrückt habe, die endlosen Felder begrünt,

wenn diese nämlichen Blätter, vom Windhauch bewegt, mein Gesicht

beschatten, die das dunkle Blau des fernen Waldes bilden, wenn diese

nämliche Luft, die ich atme, den hellblauen Grund des unendlichen

Himmels erfüllt, wenn ich nicht allein die Natur genieße, wenn rings

um mich Millionen von Insekten surren und schwirren und die Vögel

singen. Es ist für mich der höchste Naturgenuß, wenn ich mich an

allem teilhaben fühle. -- Wie schön ist hier (in der Schweiz) die

grenzenlose Weite, aber ich fühle mich ihr nicht verbunden.” (Mai

1857.)

[265] (S. 177): Unterhaltungen mit Paul Boyer („Le Temps” vom 28.

August 1901).

[266] (S. 178): Tagebuch vom 6. Januar 1903.

[267] (S. 178): Brief an Birukow.

[268] (S. 179): „Sewastopol im Mai 1855.”

[269] (S. 179): „Die Wahrheit,... das einzige was mir aus meiner

moralischen Vorstellung geblieben ist.” (17. Oktober 1860.)

[270] (S. 179): 17. Oktober 1860.

[271] (S. 179): „Die Liebe zu den Menschen ist der natürliche Zustand

der Seele, aber wir bemerken es nicht.” (Tagebuch aus seiner

Studentenzeit in Kasan.)

[272] (S. 180): „Die Liebe wird sich der Liebe öffnen...”

(„Beichte” 1879-1881.) -- „Ich, der die Wahrheit mit der Liebe zu

einer Einheit machte...” („Beichte,” 1879-1881.)

[273] (S. 180): „Ihr sprecht immer von der Willenskraft? Aber die

Grundlage der Willenskraft ist die Liebe, und die Liebe läßt sich

nicht so ohne weiteres gebieten”, sagt Anna in „Anna Karenina”.

[274] (S. 180): „Die Schönheit und die Liebe, die beide allein dem

menschlichen Dasein eine Berechtigung geben...” („Krieg und

Frieden.”)

[275] (S. 180): „Ich glaube an Gott, der für mich die Liebe ist.” (An

den Heiligen Synod, 1901.) „Ja die Liebe!... Nicht die selbstsüchtige

Liebe, sondern die Liebe, wie ich sie das erstemal in meinem Leben

erfahren habe, als ich meinen Feind sterbend neben mir gewahrte und

ihn liebte... Das ist das eigentliche Wesen des Herzens. Seinen

Nächsten lieben, seinen Feind lieben, alle und jeden lieben, heißt

Gott in allen seinen Offenbarungen lieben!... Ein Wesen lieben, das

uns teuer ist, bedeutet menschliche Liebe, aber seinen Feind lieben,

das bedeutet fast göttliche Liebe...” (Der sterbende Fürst Andrej in

„Krieg und Frieden”.)

[276] (S. 180): „Die leidenschaftliche Liebe des Künstlers für seine

Schöpfung ist der Kern der Kunst. Ohne Liebe ist kein Kunstwerk

möglich.” (Brief aus dem September 1889.)

[277] (S. 181): „Ich schreibe Bücher, daher weiß ich, wieviel Übel sie

anrichten können...” (Brief an das Oberhaupt der Duchoborzen, 1898.)

[278] (S. 182): Vergleiche „Der Morgen des Gutsherrn” oder

„Beichte”, wo jene einfachen, guten, ruhigen und mit ihrem Schicksal

zufriedenen Menschen als Idealgestalten gesehen sind, -- oder am

Schluß des zweiten Teils der „Auferstehung” die Vision von einer

neuen Menschheit und einer neuen Erde, die Nekludow hat, als er

Arbeitern begegnet, die von der Arbeit kommen.

[279] (S. 183): „Ein Christ kann dem andern moralisch weder überlegen,

noch unterlegen sein; aber er ist um so christlicher, je schneller er

sich auf dem Weg der Vollendung bewegt, auf welcher Stufe er sich auch

zur gegebenen Zeit befinden mag. So ist die ständige Tugend des

Pharisäers weniger christlich als die Tugend des Schächers, dessen

Herz sich mit Macht zum Höchsten wendet und der an seinem Kreuz

bereut.” („Grausame Vergnügungen.”) --

BILDERVERZEICHNIS

Gegenüber

Seite

1. Tolstoi nach einem Bildnis von Kramskoi, 1873 V

2. Tolstoi mit seinen Brüdern nach der Rückkehr aus dem Kaukasus,

vor der Abfahrt zur Don-Armee im Jahre 1854 16

3. Tolstoi vor der Abreise nach dem Kaukasus 32

4. Tolstoi im Jahre 1854 48

5. Tolstoi im Jahre 1906 64

6. Tolstoi und seine Frau, die Gräfin Tolstoi 80

7. Tolstoi und seine ältere Tochter Tatjana 88

8. Tolstoi und seine jüngere Tochter Alexandra 96

9. Tolstoi im Jahre 1909 104

10. Tolstoi beim Tee mit den Bauern im Jahre 1909 112

11. Tolstoi in seinem Arbeitszimmer 120

12. Tolstoi zu Pferde 128

13. Tolstoi auf dem Lande 136

14. Tolstoi im Jahre 1910 144

15. Tolstoi mit seinem Freunde Tschertkow 160

16. Tolstois Grab auf Jasnaja Poljana 176

INHALTSÜBERSICHT

Seite

Einleitung 1

„Die Geschichte meiner Kindheit” 22

„Geschichten aus dem Kaukasus” 25

„Die Kosaken” 27

„Sewastopol” 33

„Drei Tode” 47

„Eheglück” 50

„Krieg und Frieden” 55

„Anna Karenina” 65

„Beichte” und religiöse Krisis 75

Soziale Krisis: „Was sollen wir denn tun?” 87

Wissenschaft und Kunst 100

Die „Volkserzählungen” 119

„Die Macht der Finsternis” 121

„Der Tod des Iwan Iljitsch” 124

„Die Kreutzersonate” 126

„Auferstehung” 135

Die sozialen Ideen 143

Die letzten Lebensjahre 158

Epilog 175

Anmerkungen 185

Bilderverzeichnis 220

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und so froh. Unphilosophisch und unpolitisch sei das Buch, so sagt

der Verfasser im Vorwort, dabei spricht köstlichste, das Dasein

bejahende Philosophie aus jeder Zeile, und neben der lachenden

ernsten Weltanschauung, die sich unter einem Mantel von Scherzen und

Derbheiten verbirgt, steht auch manches politisch feine und kluge

Wort. Wie dieser Bildschnitzer und Künstler des 17. Jahrhunderts

lachenden Mundes über die großen und kleinen Beschwerden des Lebens

dahinschreitet, wie er Pest, Krieg, Tod an sich vorbeilaufen läßt

und bei allem Ungemach immer den Schelm im Nacken sitzen hat, das

kann nur ein ganz wundervoller, innerlich freier Mensch, der selbst

Ähnliches erlebt und bezwungen hat, so schildern._

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musikalische Empfinden vorbereitet. In den sieben Kapiteln malt Rolland

auf dem Hintergrund der ganzen Kultur-, Sitten- und Geistesgeschichte

des 17. und 18. Jahrhunderts die Bildnisse der großen Musiker ganz

Europas, die von ihren Mitlebenden zu Unrecht verkannt und von der

Nachwelt größtenteils vergessen worden sind. Alle diese Männer sind

„verwegene Moderne” in unserem heutigen Sinn. Schon darum stehen sie

unserem Herzen besonders nahe. Rolland, der unerbittlich Gerechte, zeigt

uns, wie die deutschen unter ihnen der deutschen Musik den Platz an der

Spitze der europäischen Musik erobern. Künstler wie Telemann mit ihrem

starken Sinn für das Leben sind die Vorbereiter eines Haydn, eines

Mozart, eines Beethoven, und man muß sie kennenlernen, weil man sonst

die großen Klassiker als Wunder anstaunen würde, während sie die

logische Folge eines ganzen Jahrhunderts von genialen Begabungen sind._

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Frankfurt a. Main

Das Leben Tolstois · 第 13 / 14 段