Sie war nicht überrascht und nicht erschreckt, -- aber wie ausgelöscht.
Sie fühlte sich selbst nicht mehr. Alles so grau, so fahl, -- alles so
gleichgültig, -- so erstickend, -- so weh! -- Sie wollte gehen. Sie
hatte genug gesehen; aber er redete ihr zu, zu bleiben.
Gerade sprach der Großherzog Karl August mit ihren beiden Schwestern.
Er war außerordentlich gnädig und schien an den beiden schönen Mädchen
großes Gefallen zu finden. Es waren ja seine guten Freundinnen, und sie
sprachen jedenfalls miteinander von früheren Erlebnissen, von ihrem
gemeinschaftlichen Frühstück im römischen Hause; von der Schaukelei auf
der schmiedeeisernen Thür an der Sternbrücke, von den ungesetzmäßigen
Theaterbesuchen, von der lustigen Fahrt in Karl Augusts Kalesche auf
dem Vogelschießen, was ich alles ausführlich berichtet habe.
Karl August und die Ratsmädel hatten eben von jeher großes Wohlgefallen
aneinander gehabt.
»Serenissimus zeichnet die Fräulein Schwestern ja außerordentlich aus!«
sagte der Anbeter der Waben sehr befriedigt und ganz versunken, nur
Augen für das wunderschöne Mädchen unten im Saale behaltend.
Das war nun ein trauriges Nachhausegehen.
Waben langte still und matt daheim an. Frau Rat war noch auf und sagte:
»Warte, mein armes Bärbelchen, du sollst mir nicht immer Zuschauerin
bleiben! Glaube das nicht.«
Die Waben hörte und fühlte nichts, ging zu Bett und schlief wie betäubt
ein und wachte auf, als lägen noch immer die schweren Steine auf ihr.
Und so blieb es.
* * * * *
Tags darauf war große Nachfeier für die Teilnehmer und Teilnehmerinnen
am Zug bei der Oberhofmeisterin.
Da gingen die Ratsmädel hin in gelbroten Kleidern aus indischer Seide,
die sie von Röses künftiger Schwiegermutter bekommen hatten. Dazu
trugen sie goldene Gürtel und gelbrosa Rosenkränze auf dem geflochtenen
Haar.
Die schmiegsame Seide floß an den schönen Gestalten köstlich herab. Die
Waben half ihren beiden Schwestern beim Anziehen.