Wenn durch den Vertrag von Saragossa 1529 die Fahrten nach den Molukken
für die Spanier aufhören mußten, so blieb ihnen doch unbenommen die
weite Wasserfläche des stillen Oceans, über welche bisher nur einige
wenige Recognoscirungslinien gezogen waren, weiter zu erforschen; denn
der Glaube an das Vorhandensein reicher Inseln beherrschte noch die
Vorstellung und trieb zu neuen Streifzügen.
Als Ferdinand Cortes im Jahre 1536 dem Pizarro in zwei Schiffen
Hilfstruppen nach Peru schickte, gab er dem +Hernando Grijalva+
zugleich den Befehl, nach Erfüllung des genannten Auftrags von der
Westküste Südamerika’s aus nach Asien hinüberzusteuern. Sie wählten
die Route in der Nähe des Aequators, gingen weit ins Meer hinaus,
ohne irgend ein Land zu entdecken, so daß Grijalva schon willens war,
nach Mexiko zu steuern; allein daran wurde er durch die beständigen
Gegenwinde gehindert. So wurde denn die Fahrt bis in die Nähe von
Neu-Guinea fortgesetzt, wo an einer von Melanesiern bewohnten Insel
die Schiffe zu Grunde gingen und die Mannschaft bis auf wenige
Personen erschlagen wurde. Die letzten Ueberlebenden befreite der
portugiesische Gouverneur auf den Molukken. Einige Jahre später
ließ der Vicekönig von Mexiko, Antonio de Mendoza, eine größere
Flotte von sechs Schiffen ausrüsten und sandte sie im November 1542
von Neuspanien nach dem Westen. +Ruy Lopez de Villalobos+ berührte
zunächst die Revillagigedogruppe und stieß dann, an den Marshallsinseln
vorbeisegelnd, auf die mittleren Carolinen, und zwar auf die
Hallinseln und auf Namonuito, flache, dichtgrüne Eilande, von tiefem
Meere umschlossen und von einer armen, rohen Bevölkerung bewohnt.
Villalobos gab ihnen den Namen Coralleninseln und ~los Jardines~ (die
Gärten).[498] Am 23. Januar 1543 stieß er auf Inseln, deren Bewohner
schon früher Besuch von Spaniern erhalten hatten, denn sie riefen
den neuen Ankömmlingen zu ihrer Verwunderung den spanischen Gruß:
~buenos dias matalotes!~ zu und machten das Zeichen des Kreuzes.
Daher erhielten die Inseln den Namen Matalotes (Schiffer).[499]
Fünfunddreißig Meilen weiter westlich tauchte eine größere, von
Corallenriffen umgebene Insel auf, welcher man den treffenden
Namen Riffinseln (~Islas de arrecifes~) gab; es war die Gruppe der
Palauinseln. Von hier nach Westen steuernd kam das Geschwader am 29.
Januar in Sicht der Philippinen. Vor ihnen lag die Insel Mindanao;
hier landete Villalobos am 2. Februar und blieb einen Monat, in der
Absicht, dort eine Niederlassung zu gründen. Zu Ehren des Kaisers
nannte er das Land Cäsarea Caroli. Da aber sich das Klima ungesund
erwies und die Einwohner sich weigerten, den Spaniern Lebensmittel zu
liefern, so mußte er sich weiter nach Süden wenden, bemühte sich aber
auch auf den kleinern Inseln zwischen Mindanao und Celebes vergebens um
Proviant, weil ihm die Insulaner überall feindselig entgegentraten und
jeden friedlichen Verkehr vermieden. Nachdem darüber Monate vergangen
waren, beschloß Villalobos ein kleineres Schiff nach den Carolinen
zurückzuschicken, um dort Lebensmittel einzutauschen, und sandte
zugleich den Capitän +Bernardo de la Torre+ mit seinem Schiff San Juan
am 26. August nach Mexiko, um dem Vicekönige Nachrichten über den
Verlauf seiner Expedition zu überbringen. In dem officiellen Berichte,
welchen la Torre mitnahm, wurden die großen Inseln zuerst unter dem
Namen Felipinas (Philippinen, zu Ehren des spanischen Kronprinzen)
aufgeführt. La Torre ging von der Insel Samar, nördlich von Mindanao,
nach Nordosten, entdeckte unter dem 25. Grad n. Br. die vulkanischen
Inselchen südlich von der Boningruppe, welche Volcanos genannt wurden,
drang dann noch bis zum 30. Parallelkreise vor, mußte hier aber wegen
Wassermangel umkehren, ging durch die Philippinen zurück, wo er erfuhr,
daß Villalobos sich nach den Molukken gewendet, und traf hier mit
seinem Befehlshaber wieder zusammen.
Inzwischen hatte der portugiesische Gouverneur in Ternate, Jorge
de Castro, Kunde von der Anwesenheit eines spanischen Geschwaders
erhalten. Er sandte zwei Böte ab, um Villalobos auf den Vertrag
von 1529 hinzuweisen, wonach alle Inseln bis zu den Ladronen den
Portugiesen zuerkannt waren. Wären die Spanier nicht in der Absicht
Eroberungen zu machen in jene Regionen gerathen, dann werde er sie
gern mit Lebensmitteln unterstützen. Sonst müsse er aber ihren Rückzug
fordern.
Villalobos erwiderte darauf, er habe den Auftrag erhalten, sich auf
den Philippinen festzusetzen, denn diese lägen weit genug von den
portugiesischen Molukken entfernt, um keinen Anlaß zu Zwistigkeiten zu
bieten. Aber auch gegen diese Absichten legte de Castro im Namen seines
Königs Protest ein.
Da nun aber die Noth auf den spanischen Schiffen wuchs und viele
Matrosen starben, mußte Villalobos gegen seinen Willen die Molukken
aufsuchen. Er vermied es, mit den Portugiesen in Streit zu gerathen,
und machte noch einmal den Versuch, sich mit Mexiko in Verbindung zu
setzen und von dort Hilfe zu erbitten. Zu dem Zwecke wurde im Mai 1545
der San Juan unter dem Capitän +Iñigo Ortiz de Retes+ ausgesandt;
dieser schlug um Halmahera herum den Weg nach Südosten ein und traf so
auf die Nordküste von Neu-Guinea, welche Menezes schon 1526 gefunden
hatte (s. oben S. 206). Zwei Monate lang kämpfte er gegen das Unwetter
an, welches ihn vom 15. Juni bis 16. August an den Gestaden der
Papuainsel und der vorliegenden Inseln[500] festhielt. Retes landete
an mehreren Punkten, um Wasser und Holz einzunehmen. An der Küste
breiteten sich weite Ebenen aus, aber dahinter hoben sich im Innern
mächtige Gebirge empor. Zu wiederholten Malen wurden die Spanier von
den Kriegsböten der schwarzen Bewohner angegriffen. Diese Kähne hatten
einen Aufbau, eine Art Kastell, welches dem Hintertheil der spanischen
Schiffe an Höhe fast gleich kam. Oben standen die Krieger, unten
befanden sich die Bänke für die Ruderer. Retes nahm trotzdem an einer
günstigen Stelle, wo er länger verweilte, für Spanien von dem Lande
Besitz und gab ihm den noch giltigen Namen +Neu-Guinea+. Gegen Osten
drang er bis zu den Vulkan- und Dampierinseln (4° 40′ s. Br., 146° ö.
v. Gr.) vor. Zwei Meridiane weiter wäre er auf den Neubritannischen
Archipel gestoßen; aber er entschloß sich nach der langen,
vergeblichen Arbeit, gegen den Willen der Piloten, einen nördlichen
Cours einzuschlagen, mußte aber bald dem dringenden Verlangen der
Mannschaft, welche den Anstrengungen zu erliegen drohte, nachgeben und
den Befehl zur Umkehr ertheilen. Am 3. October traf er wieder in Tidor
ein. Villalobos sah somit keine Möglichkeit, über den stillen Ocean
sich Unterstützung zu verschaffen. Die vergeblichen Bemühungen eines
tüchtigen Schiffes, welches zweimal nach verschiedenen Richtungen den
Ocean zu kreuzen versucht hatte, bewiesen ihm, daß er mit seiner ganzen
Flotille unrettbar den Portugiesen in die Hände fallen müsse, denn den
Rückweg durch den indischen Ocean und um Afrika herum durfte er nach
den Verträgen zwischen beiden Mächten nicht einschlagen.
Als nun kurz nach der Rückkehr des San Juan unter Retes im October
1544 ein neuer Statthalter auf den Molukken erschien, Fernão de Sousa,
kündigte dieser den Spaniern die lange gewährte Gastfreundschaft und
forderte dieselben ohne Umschweife auf, die Gewürzinseln zu verlassen.
So mußte Villalobos seine Schiffe den Portugiesen überliefern, da er
bei der Schwäche seiner Mannschaft es nicht auf eine Entscheidung
durch Kampf konnte ankommen lassen. Er erreichte nur, daß seine
Leute ihr Privateigenthum behielten und in kleinen Abtheilungen
auf portugiesischen Frachtschiffen nach Europa zurücktransportirt
wurden. Villalobos starb kurz vor Ostern 1546 auf Ambon, 144 Personen
gelangten, die letzten allerdings erst 1548, nach Europa zurück.
Trotz dieser Miserfolge wurde der Plan, die Philippinen zu colonisiren
noch nicht aufgegeben, aber die Ausführung wurde während der letzten
Jahre der Regierung Karls V. noch hinausgeschoben. Sein Nachfolger
Philipp II. faßte sie bald bestimmter ins Auge. Um die Rechtsansprüche
der Portugiesen kümmerte man sich weniger, da man wußte, daß der
kleine Nachbarstaat bei zunehmender Erschöpfung seiner Kräfte
nicht daran denken konnte, von den Molukken seine Macht noch weiter
auszudehnen. Außerdem ließ sich das Gewissen auch leicht durch den
Gedanken beschwichtigen, daß man bei einer Colonisirung der Philippinen
doch vor allem das Seelenheil der dortigen Bewohner im Auge habe.
So erhielt schon 1559 der Vicekönig von Mexiko Luis de Velasco den
Auftrag, eine Flotte auszurüsten. Die Regierung rechnete dabei in
erster Linie auf die Unterstützung Urdaneta’s, welcher die Expedition
Loaysa’s mitgemacht hatte und aus langjähriger Erfahrung die Sundawelt
kannte, dazu aber auch als erfahrener Seemann in gutem Andenken stand.
Zwar hatte derselbe 1552 das Ordenskleid der Augustiner genommen und
lebte zurückgezogen in einem Kloster in Mexiko. Als nun der Ruf zur
Theilnahme an ihn erging, war er alsbald bereit, zumal er bei dieser
Gelegenheit einen Lieblingsgedanken, das große unbekannte Südland
zu entdecken, hoffte verwirklichen zu können. Zur Verkündigung des
Christenthums wurden außer ihm noch vier andere Mönche seines Ordens
gewonnen. Die Vorbereitungen währten mehrere Jahre, erst im November
1564 waren vier Schiffe segelfertig und steuerten von Navidad aus
über das stille Weltmeer. Zum Leiter war +Miguel Lopez de Legaspi+,
ein ruhiger, besonnener und tüchtiger Mann erkoren. Derselbe hatte
den bestimmten Befehl erhalten, sich genau an die von Villalobos
eingeschlagene Route zu halten; es war also entschieden nicht auf
zeitraubende Versuche, neue Länder im Ocean zu entdecken abgesehen,
vielmehr so schnell als möglich die Philippinen zu erreichen.
Trotzdem hatte Legaspi das Unglück, unterwegs eines von den kleinen
Schiffen einzubüßen. Dasselbe trennte sich in folge verschiedener
Segelgeschwindigkeit von den übrigen, fuhr allein über den Ocean,
berührte auch die Philippinen und kehrte dann, durch Stürme weit nach
Norden geführt, jenseit des 40. Grades nördl. Br. über den Ocean nach
Mexiko zurück. Es fand also zufällig den Weg, den Loaysa, de la Torre
und Retes vergebens gesucht hatten.
Legaspi langte am 3. Februar 1561 bei dem Archipel der Philippinen an,
fand aber überall kühlen oder selbst feindseligen Empfang, bis es ihm
auf Bohol gelang, durch Vermittelung eines Malaien für seine Mannschaft
hinreichende Lebensmittel einzutauschen. Nach einer Recognoscirung
der nächsten Inseln beschloß er, Ende April, sich mit Gewalt auf Zebu
festzusetzen. Man sah diese Insel als spanisches Eigenthum an, seit die
Häuptlinge bei Anwesenheit Magalhães’ der spanischen Krone gehuldigt
hatten. Durch geschickte Unterhandlung erreichte Legaspi sein Ziel; die
Bewohner von Zebu huldigten von neuem und begaben sich unter seinen
Schutz, wofür er sie gegen ihre Feinde zu vertheidigen versprach.
Nachdem so die Anfänge der Besiedelung geglückt, kehrte Urdaneta
nach Mexiko zurück, um über die Resultate der Fahrt zu berichten.
Er schloß mit Recht, daß man ähnlich wie im atlantischen Ocean, in
höheren Breiten, außerhalb des tropischen Gürtels mit seinen constanten
Passatwinden werde auf westliche Winde rechnen können, welche eine
Fahrt von Asien nach Amerika über den Ocean ermöglichten. So ging er
mit seinem Schiffe getrost von den Philippinen nach Nordosten bis
zum 43° n. Br. und landete nach einer Fahrt von vier Monaten am 30.
October 1565 wohlbehalten in Acapulco. Diese nicht aufs Gerathewohl
unternommene, sondern auf wissenschaftlichen Erwägungen beruhende
Segelrichtung zeigte für alle folgende Zeit den Spaniern die Bahn, auf
welcher man von den Philippinen den Rückweg nach Mexiko einzuschlagen
habe. Die Verbindung der Philippinen mit der neuen Welt war von da an
nicht mehr dem Zufall preisgegeben, sie wurde eine durchaus geregelte
und knüpfte naturgemäß diese asiatische Inselgruppe an die Verwaltung
Neuspaniens. Urdaneta ging von Mexiko mit seinen Berichten nach
Spanien, kehrte dann wieder in sein Kloster zurück und starb daselbst
am 3. Juni 1568.
Legaspi erhielt unterdessen schon im August 1567 auf zwei Schiffen
neue Truppen von Mexiko und wurde dadurch in Stand gesetzt, gegenüber
dem Ansinnen der Portugiesen, von den Philippinen zu weichen, sich
behaupten zu können. Gonzalo Pereira, der Statthalter auf den
Molukken, suchte die spanische Niederlassung mit Heeresmacht zu
überrumpeln, konnte aber seinem wachsamen Gegner nichts anhaben
und mußte unverrichteter Sache wieder abziehen. Legaspi ersah eben
daraus, daß seine Niederlassung auf Zebu doch in zu gefährlicher
Nähe der Molukken läge und daß es gerathener sei, einen entfernteren
Platz zum Ausgangspunkt seiner Colonisation zu wählen, wo er sich vor
unerwarteten feindlichen Besuchen sicherer fühlen könne.
Im Jahre 1570 wurde der erste Angriff auf die Insel Luçon gemacht und
dabei das Dorf Manila erobert. Im nächsten Jahre erschien Legaspi mit
einer größeren Flotte an der Bai von Manila, -- denn er hatte wiederum
von Mexiko neue Schiffe und Mannschaften erhalten und war vom König
Philipp II. in Anerkennung seiner Leistungen zum Adelantado ernannt
-- und brachte nach einem glücklichen Gefecht gegen die feindliche
mohammedanische Partei eine Anzahl von Häuptlingen zur Anerkennung der
spanischen Oberhoheit. An der Mündung des Pasigflusses, an welchem
jetzt sich die bedeutendste Stadt der Inselgruppe, Manila, erhebt,
baute er eine Festung und legte damit den Grund zur Hauptstadt der
Philippinen. Legaspi starb im August 1572, aber seine Nachfolger wußten
sich zu behaupten, so daß die Colonie dauernd im Besitze Spaniens
verblieb. --
Alle Fahrten über den großen Ocean boten bis auf Legaspi und die
ihm in den nächsten Jahren zur Hilfe nachgesandten Schiffe für die
Bereicherung der Erdkunde durch Entdeckungen wenig Gewinn, da der
vorgeschriebene Cours durch den an Inseln ärmsten Theil des Meeres
führte. Das wichtigste war, abgesehen von der Erforschung und
Besitzergreifung der Philippinen, die Entdeckung der Nordküste von
Neu-Guinea durch Retes. Durch diese Entdeckung wurde aber der Glaube an
ein großes unbekanntes Südland, dessen Vorstellung aus dem Alterthum
herübergenommen und weiter ausgebildet wurde, neu belebt. Man setzte
die nach Südosten verlaufende Küstenlinie des Landes der Papuas mit
dem Feuerlande in Verbindung und erwartete von der Auffindung und
Ausbeutung dieses großen Landes unberechenbaren Gewinn.
Die Lösung dieser Aufgabe fiel naturgemäß dem Vicekönig von Peru zu,
während Mexiko seine Thätigkeit auf die Kräftigung der Colonisation der
Philippinen zu richten hatte. Als ein Vorläufer der ersten größeren
Expedition kann die kühne Fahrt des +Juan Fernandez+ bezeichnet werden,
von welcher wir leider nur sehr verschwommene Nachrichten besitzen.
Fernandez fand nämlich, indem er der an der Westseite Südamerika’s
nordwärts gehenden Küstenströmung auswich und, um von Peru nach Chile
zu gelangen, einen weiteren Bogen durch den Ocean machte, die westlich
von Valparaiso gelegenen Felseninseln, welche noch seinen Namen tragen
und im Anfange des 18. Jahrhunderts der Schauplatz und unfreiwillige
Aufenthalt eines englischen Matrosen Alexander Selkirk wurden, aus
dessen Erlebnissen Daniel Defoe seinen weltberühmten „Robinson“ schuf.
Juan Fernandez sah aber, wahrscheinlich auf einer andern Fahrt,
weiter gegen Südwesten die Küsten eines hohen Berglandes, vermuthlich
Neuseeland, welches in der folgenden Zeit aber wieder zu einem Theil
des gesuchten Südlandes gestempelt wurde.
Pedro Sarmiento erbot sich zuerst, 1567, durch einen Streifzug in den
Ocean über die Lage des Südlandes Klarheit zu schaffen; aber wenn
er auch die Idee angeregt hatte, so übergab doch nicht ihm, sondern
dem General +Alvaro de Mendaña+ der Vicekönig von Peru das Commando
über die beiden zu der Expedition bestimmten Schiffe. Sarmiento ging
indes auch als Capitän des Hauptschiffes mit[501] und unter ihm Hernan
Gallego als Pilotmayor. Wie sicher man das große unbekannte Land zu
finden hoffte, erhellt daraus, daß zur Verkündigung des Christenthums
vier Geistliche an der Fahrt theilnahmen. Mendaña segelte am 20.
November 1567 von Callao, dem Hafen Lima’s, gegen Südwesten; nach
Zurücklegung von 170 Leguas verlor, wie es scheint, der General den
Muth, noch weiter südwärts vorzudringen. Mit seiner Genehmigung
steuerte Gallego trotz der Proteste Sarmiento’s, welcher sich auf ihre
Instruction berief, wieder nach Norden. Acht Tage später, als man
sich schon unter der geringen Breite von 14° s. Br. befand, forderte
Sarmiento noch einmal, den südwestlichen Cours wieder aufzunehmen.
Mendaña lehnte es ab und segelte in der Richtung nach den Philippinen
weiter. Erst als man unter 5° s. Br. noch auf kein Land gestoßen war,
-- man folgte offenbar dem Pfade Magalhães’ -- gab der General in
sofern dem wiederholten Drängen Sarmiento’s nach, daß er West ¼ zu Süd
steuern ließ. So wurde am 15. Januar 1568 eine kleine bewohnte, mit
Palmen bedeckte Coralleninsel gefunden, welche den Namen Jesus erhielt.
Dieselbe hatte auf der Nordseite ein Riff, welches eine Viertelmeile
in die See hinausging, auch die Südseite war mit einem kleineren Riff
besetzt und nur im Osten zeigten sich in demselben Lücken, durch welche
man an den Strand gelangen konnte.[502] Von hier aus ging die Fahrt
etwa auf dem 6° s. Br. gegen Westen, und so entdeckte man am 7. Februar
die mittlere der hohen Salomonsinseln, auf welcher sich die Berge bis
1200 Meter erheben. Man taufte sie +Santa Isabel de la Estrella+, weil
man am Tage der heiligen Isabella von Peru abgefahren war und fügte
„estrella“ hinzu, weil man bei der Landung am hellen Tage einen Stern
zu sehen meinte. In der Sternbai (~bahia de la estrella~) gingen die
Schiffe vor Anker. Die dunkelhäutigen Einwohner[503] sahen zu, wie
die Spanier in üblicher Form von der Insel Besitz nahmen, es wurde
sogar notariell bescheinigt, daß die Häuptlinge dem Könige von Spanien
gehuldigt hätten. Das Land war reich an Lebensmitteln, es gab Schweine
und Hühner; man fand vortreffliches Schiffbauholz und vermeinte auch
alsbald geschätzte Gewürze und Droguen als Ingwer und Zimmt, Aloe
und Sarsaparille entdeckt zu haben. Vor allem war man aber entzückt,
sichere Anzeichen von Gold zu finden (~grande disposicion de oro~)
und belegte daher später in dem kühnen Wahn, hier das langgesuchte,
goldreiche Ophir des Königs Salomo gefunden zu haben, die ganze Gruppe
mit dem Namen +Salomonsinseln+. Anfänglich hielt man das entdeckte
Land für einen Theil des Südlandes, als aber Pedro de Ortega die ganze
Insel umfahren hatte, mußte man sich von der Inselnatur überzeugen.
Die Schiffe blieben bis zum 8. Mai im Sternhafen und wandten sich
dann nach Südosten, um die von Ortega bereits gemachten Entdeckungen
weiter zu verfolgen. So wurden dann auch die südlichern großen Inseln,
welche zum Salomonsarchipel gehören, bis zu San Cristoval entdeckt;
aber der Wunsch Sarmiento’s, noch weiter nach Süden vorzudringen,
blieb unerfüllt. Man trat den Rückweg an, ging am 4. September über
den Aequator und steuerte nach Neuspanien, wurde dort aber noch
mehrere Monate durch Sturm umhergeworfen und verlor durch Hunger und
Entbehrungen viele Leute, ehe man in dem mexikanischen Hafen von
Santiago (19° n. Br.) am 22. Januar 1569 Zuflucht fand, nachdem das
Schiff Mast und Böte verloren hatte. Erst im März konnte die Fahrt
nach Peru fortgesetzt werden, wo am 22. Juli die höchst beschwerliche
Reise beendigt wurde.[504]
Fast ein Menschenalter blieben die Entdeckungen liegen; erst unter
dem Vicekönig Garcia Hurtado de Mendoza, Marques de Cañete wurden sie
wieder aufgenommen. Mendaña erhielt zum zweitenmale die Leitung und
unter ihm als Pilotmayor der Portugiese Pedro Fernandez +de Quiros+.
Eine Flotte von vier Schiffen ging am 9. April 1595 von Callao, und
nachdem sie in Paita ihre Ausrüstung vollendet hatte, von diesem Hafen
am 16. Juni ab. Das Ziel bildeten die Salomonsinseln. Auf dem Wege
dahin entdeckte man zuerst die südliche Gruppe der hohen Gebirgsinseln,
welche nach dem Vicekönig den Namen Marquesas de Mendoza erhielten.
Es wurden nacheinander die Inseln Magdalena, S. Pedro, S. Cristina
und Dominica besucht. Die kriegerischen Polynesier trieben etwas
Ackerbau und besaßen Hühner und Schweine. Die Spanier lernten hier den
geschätzten Brotfruchtbaum kennen, nahmen von den Inseln in üblicher
Weise Besitz und segelten am 5. August nach Westen. Weiterhin wurden
San Bernardo (jetzt Pukapuka) und Solitaria (Olosenga) gefunden, zwei
flache, grüne Coralleneilande. Die weiter südlich gelegenen Samoa- und
Vitiinseln wurden nicht gesehen.
Schon fing die Mannschaft an zu murren, daß man die Salomonsinseln
nicht finden könne, und als das Geschwader am 8. September an dem steil
aus der Meeresflut in Gestalt eines Zuckerhutes auftauchenden Kegel
eines Vulkans, der den Namen Volcano erhielt, vorüberging, trennte sich
das zweite Schiff, die Almirante, und verschwand für immer. Gleich
darauf kam gegen SO. die hohe Insel +Sa. Cruz+ in Sicht und belebte
den sinkenden Muth. Die dunkle Bevölkerung zeigte sich anfänglich für
friedlichen Verkehr geneigt, allein bald sahen die Spanier sich bei der
Landung von mehreren hundert Insulanern angegriffen. An der schönen
Hafenbai im NW. der Insel, an der ~Bahia graciosa~, wollte Mendaña eine
Niederlassung gründen, er hatte zu dem Zwecke 280 Soldaten mit an Bord;
allein die Truppen revoltirten, wollten an dem ungastlichen Gestade
sich nicht verbannen lassen, sondern sehnten sich nach Peru zurück. Zum
Unglück starb während dieser Zeit Mendaña nebst zwei Geistlichen; sein
Nachfolger Quiros hielt es für gerathen, den Plan einer Besiedelung
aufzugeben und das Land zu verlassen. Am 18. November stach er wieder
in See, um die Salomonsinseln zu suchen; da ihm aber die Lage nicht
genau bekannt war, steuerte er statt nach W., nach NW. und bekam daher
die vielversprechenden Inseln nicht zu Gesicht. Bei dem schlechten
Zustande seiner Fahrzeuge und den traurigen Gesundheitsverhältnissen an
Bord (er hatte in einem Monat 47 Leute verloren) sah sich Quiros nicht
in der Lage, weitere Entdeckungen zu versuchen; er richtete vielmehr
seinen Cours nach den Philippinen, wenn er auch keine Karten von jenen
Inseln bei sich hatte, und erreichte glücklich Manila, nachdem auch
noch ein zweites Schiff im Stich gelassen war, weil es wegen eines
Leckes schlecht segelte.
Auf dem bekannten Wege trat er dann seine Rückreise über den Ocean nach
Mexiko an, erreichte am 11. December 1597 Acapulco und im Mai 1598
Paita in Peru.
Als Grund, weshalb man die Salomonsinseln nicht wiedergefunden, giebt
Quiros vor allem die falschen Berechnungen des Piloten Gallego auf der
ersten Fahrt Mendana’s an, welcher die Entfernung zu kurz geschätzt
habe.
Man findet nämlich in dieser Zeit statt der Längenbestimmungen nur
nach der Fahrgeschwindigkeit gemachte Schätzungen der Entfernung der
Inseln von der Westküste Peru’s angegeben. Gallego hatte den Abstand
von Lima bis zu den Salomonsinseln zu 1450 spanischen Meilen (Leguas)
angenommen, während Quiros behauptete, schon bis Sa. Cruz betrage
die Entfernung 400 Meilen mehr. Wenn demnach (und die Berechnungen,
welche Quiros anstellte, waren sicher richtiger als jene Gallego’s)
die Salomonsinseln eher im Osten als im Westen von Sa. Cruz vermuthet
wurden, so ahnte Quiros doch ganz richtig, beide Inselgruppen könnten
nicht zu fern von einander liegen und dürften sich gegen Nordwesten
an die Landmassen und Inseln anlehnen, welche bis Neu-Guinea und
selbst bis zu den Philippinen reichten; denn dafür spreche außer
der gleichartigen Erscheinung der Gebirgsinseln die nämliche dunkle
Bevölkerung, welche wir jetzt als Melanesier bezeichnen, mit denselben
Hausthieren (Hühnern und Schweinen), gleichen Waffen und manchen
verwandten Formen der Sitte.[505]
Die Salomonsinseln blieben noch durch das ganze folgende Jahrhundert
in Dunkel gehüllt, und erst Bougainville fand sie 1768 wieder.
Quiros erbot sich zwar, sofort noch einen Versuch zu wagen; doch da
der Vicekönig Bedenken trug, ohne besonderen Befehl des Königs die
Mittel zur Ausrüstung einer neuen Flotte zu geben, so wandte er sich
persönlich an den Papst Clemens VIII. und durch dessen Empfehlung an
Philipp III. von Spanien und erlangte so, daß ihm endlich 1605 einige
Schiffe für seine Unternehmung zur Verfügung gestellt wurden. Er hatte
wissenschaftliche Probleme zu lösen in Aussicht gestellt: er behauptete
nämlich eine leichtere und sicherere Bestimmung der geogr. Breite zu
kennen, und wollte seine Reise um die ganze Erde ausdehnen, um überall
die Abweichung der Magnetnadel zu beobachten. Sein Hauptaugenmerk
war auf die australischen Länder von Sa. Cruz und die Salomonsinseln
bis nach Neu-Guinea und Java gerichtet. Aber er verstand auch die
Geistlichkeit durch seinen auffällig an den Tag gelegten Eifer für die
Verbreitung des Glaubens zu gewinnen. Seit Columbus war kein Entdecker
wieder so devot erschienen; aber bei Quiros scheint der Glaubenseifer
nur Mittel zum Zweck gewesen zu sein. Der König Philipp III.
bezeichnete es indes als ein gottwohlgefälliges Werk, das Australland
entdecken und die Bewohner bekehren zu lassen.
Am 21. December 1605 ging Quiros von Callao mit drei Schiffen ab,
welche auf ein Jahr Lebensmittel an Bord hatten. Sechs Franziskaner
und vier Johannisbrüder zur Krankenpflege begleiteten ihn. +Luis Vaez
de Torres+ befehligte unter ihm das zweite Schiff. Kühn steuerte er
gegen Südwesten bis über den 26° s. Breite; als aber dort stürmisches
Wetter die Fahrt unbequem machte, wich er nach dem tropischen Gürtel
zurück, streifte die südlichsten Inseln der Paumotu und betrat zuerst
das reizende Tahiti, von ihm Sagitaria genannt, und kam am 7. April
in die Nähe von Sa. Cruz zu der Insel Taumaco, deren Häuptling ihm
die Namen von etwa 70 Inseln gab und ihre Lage und Größe andeutete.
Dadurch geleitet wandte sich Quiros nach Süden und entdeckte so am
1. Mai die Hauptinsel der neuen Hebriden, welche er, in merkwürdiger
Selbsttäuschung befangen, für das gesuchte continentale Australland
ausgab und Espiritu Santo nannte. In pomphafter Weise nahm er im
Namen der heiligen Dreieinigkeit, der katholischen Kirche, des heil.
Franciskus und seines Ordens, des Juan de Dios und seines Ordens und
im Namen des Königs von dem Lande Besitz, beschloß auf der fruchtbaren
Insel eine Stadt „Neu-Jerusalem“ am Fluße „Jordan“ zu gründen, und
behauptete, dieser kaum vier Meilen lange Bach sei so breit als der
Guadalquivir bei Sevilla. Bei der feindseligen Haltung der Insulaner
mußte er aber bald von seinen phantastischen Plänen abstehen. Tagelang
dauernde Stürme nöthigten ihn aus der Bucht an dem heiligen Geistlande
aufs offene Meer zu flüchten, wo er von den beiden andern Schiffen
getrennt wurde und am 20. Juni seinen Rückweg allein fortsetzte. Am
3. Juli erreichte er den Aequator, steuerte bis zum 1. September in
nordöstlicher Richtung bis zum 38° n. Br., wandte sich dann nach Osten
und gelangte am 20. October in den mexikanischen Hafen von Navidad.
In arger Uebertreibung schilderte er in seinen Berichten das entdeckte
Land, die ~Australia del espiritu santo~, als reich gesegnet mit allen
tropischen Produkten und behauptete, das Land sei so groß als ganz
Europa und Kleinasien bis ans kaspische Meer.[506] Unermüdlich suchte
er in einer Reihe von Schriften, welche er an den König richtete, die
Wichtigkeit und Nothwendigkeit einer Colonisation des schönen Landes
darzuthun, aber ohne Erfolg. Und schon im Jahre 1613 bezeichnete Diego
de Prado in einem Briefe an den König die ganze Erzählung als Täuschung
und Lüge.[507]
Quiros beschloß die Reihe der spanischen Entdeckungszüge in dem südl.
Theil des großen Oceans.
Einen größeren und namhafteren Erfolg als er selbst trug sein Capitän
+Torres+ davon, welcher, als er sich von dem Hauptschiffe getrennt sah,
mit seinem kleinen Fahrzeuge kühn den geraden Weg nach den Philippinen
einschlug. Am Louisiadenarchipel glaubte er bereits die Küste von
Neu-Guinea erreicht zu haben, bahnte sich dann innerhalb zweier Monate
an der Südseite dieser größten Erdinsel durch zahllose Klippen, Riffe,
Eilande und Corallenbarrieren einen Weg nach Westen und Nordwesten,
bis er endlich die Molukken erreichte, von wo aus er sich nach Manila
begab. So wurde er der Entdecker der später mit Recht nach ihm
benannten „Torresstraße“, welche den australischen Continent von dem
Lande der Papuas scheidet; aber seine Entdeckung blieb bis zur Mitte
des vorigen Jahrhunderts ein in den spanischen Archiven von Manila
begrabenes Geheimniß, und James Cook war erst 1770 der erste Nachfolger
des Torres durch jene Straße. Torres berührte das Australland an der
Nordspitze, aber die Enthüllung der Küsten des Continents fiel im 17.
Jahrhundert den Holländern, im 18. den Engländern zu.
Zum Schluß müssen wir noch einer wichtigen Entdeckung auf dem
südwestlichen Wege nach Indien gedenken, welche die beiden
holländischen Capitäne +Le Maire+ und +Schouten+ 1616 machten.
Sie fanden nämlich das Südende des Feuerlandes und gingen mit
Vermeidung der gefürchteten Magalhãesstraße um das Cap Hoorn, welches
Schouten nach seiner Vaterstadt am Zuyderzee benannte, direct aus
dem atlantischen in den großen Ocean und wiesen damit allen ihren
Nachfolgern einen bequemeren Eingang in das stille Meer.
Viertes Capitel.
Die Versuche, einen nordwestlichen Weg nach Indien zu finden.