Mit dem Tode Magalhães’ trat eine völlige Wandelung in der Gesinnung
der Eingebornen ein. Der Glaube an die Unüberwindlichkeit der Fremden
war gewichen, und mit malaiischer Tücke trachtete der getaufte Fürst
von Zebu nach einer Gelegenheit, seine neuen Freunde mit List aus dem
Wege zu schaffen. Er lud die Spanier zu einem Gastmahle ein, um ihnen
bei der Gelegenheit angeblich ein für den König von Spanien bestimmtes
Geschenk an edlen Steinen vorzulegen. Vierundzwanzig Spanier, darunter
die beiden neugewählten Capitäne, Duarte Barbosa und Juan Serrano
sowie der Astronom San Martin folgten der lockenden Einladung, indem
der erwachende Argwohn durch die Bemerkung unterdrückt wurde, eine
ablehnende Antwort könne als Feigheit ausgelegt werden. Pigafetta
litt noch an seinen Wunden und blieb darum zurück, ebenso Lopes de
Carvalho, welcher mit Recht Verrath fürchtete. Beim Gastmahl wurden
sie überfallen und bis auf Serrano, den man lebendig gefangen behielt,
getödtet. Carvalho ließ auf die Nachricht von dem hinterlistigen
Ueberfall die Anker lichten und, mochte ihn der ans Ufer geführte,
verwundete und gefesselte Serrano auch noch so dringend beschwören, ihn
loszukaufen, man wagte sich nicht wieder an den Strand, aus Furcht,
die Schiffe preiszugeben. Serrano blieb einem unbekannten Schicksal
überlassen. Da die Mannschaft für den Dienst auf drei Schiffen
nicht mehr ausreichte, so wurde die Concepcion als das am wenigsten
seetüchtige Fahrzeug bei der Insel Bohol, östlich von Zebu, verbrannt.
Trinidad und Victoria segelten unter der Führung von Carvalho und
Gonzalo Vaz d’Espinosa südwärts nach Mindanao und von da nach der
kleinen, nordöstlich von +Borneo+ gelegenen Insel +Cagayan+, wo man
nur einige von Borneo vertriebene Mohammedaner (Mauren) fand. Von
hier aus steuerten sie in nordwestlicher Richtung nach Palawan, wo
sie freundliche Aufnahme fanden und Lebensmittel eintauschen konnten.
Dort trafen sie einen Mohren, namens Bastiam, der etwas portugiesisch
verstand und auf den Molukken gewesen war. Dieser erbot sich zwar, sie
nach Borneo, nach dem Staate Brunei an der Nordwestküste der Insel
zu führen, erschien aber nicht wieder, und so hätten die Spanier den
Weg ohne Hilfe suchen müssen, wenn nicht am nächsten Tage eine Praue
an die Schiffe herangekommen wäre und die Führung übernommen hätte.
So gelangten sie nach der Stadt Brunei, deren Häuser, auf Pfahlrosten
gebaut, bis ins Meer standen, und deren Einwohnerschaft Pigafetta auf
25,000 Familien schätzte. Mit dem Könige des Landes wurden Geschenke
ausgetauscht, die spanischen Abgesandten ritten auf zwei Elephanten
zum Palaste, wo der König ihnen Audienz ertheilte, aber nur durch
Mittelspersonen mit ihnen sprach. Man befand sich hier bereits in
der Kulturregion der malaiischen Sundawelt. Die spanischen Gesandten
wurden in einem vornehmen Hause gastlich untergebracht und schliefen
auf seidenen mit Baumwolle gefüllten Matratzen. Der Radscha gab
Erlaubniß, Handel zu treiben; allein das gute Verhältniß trübte sich
nach wenigen Tagen, denn als eine große Anzahl von Prauen und kleinen
Böten die Schiffe umschwärmte und sich vor dem Hafen versammelte,
fürchteten die Spanier Verrath, griffen die Dschunken an, bohrten
mehrere in den Grund und bahnten sich einen Weg in freies Fahrwasser.
Der Radscha ließ ihnen zwar durch Boten melden, der Kampf sei durch ein
Misverständniß entstanden, denn der vorbereitete Krieg gelte nicht den
Spaniern, sondern den Heiden. Leider befand sich noch ein Theil der
Schiffsmannschaft, darunter der Sohn Carvalho’s am Lande und gerieth
in die Gefangenschaft der Malaien. Er wurde nicht ausgeliefert, obwohl
der Capitän eine Auswechselung der Gefangenen (denn es waren mehrere
vornehme Häuptlinge nebst ihren Frauen auf den eroberten Dschunken
angetroffen) vorschlug.
Um Nordborneo herum zogen die beiden Schiffe wieder nach der Südküste
Mindanao’s und von dort südwärts nach den Molukken, welche sie endlich
am 8. November 1521 durch Freudenschüsse begrüßten. Seit ihrer Abfahrt
von Sevilla waren sie bereits 2¼ Jahr unterwegs gewesen, ehe sie
den Hafen von Tidor erreichten. Wenn die Portugiesen das Gerücht
ausgesprengt hatten, die Molukken lägen zwischen Untiefen in einem von
trüber, nebliger Atmosphäre bedeckten See, so daß man die Inseln nur
mit großer Gefahr erreichen könnte, so erinnert uns dies an die von
den Griechen wiedererzählten, altphönizischen Schifferlügen, wodurch
man von den Fahrten nach solchen Gegenden abschrecken wollte, woher
geschätzte Handelsprodukte geholt wurden. Man fand vielmehr das Wasser
überall wenigstens 100 Faden tief.
Der Radscha von Tidor empfing die Spanier mit offnen Armen[486] und
schloß mit ihnen bereitwilligst einen günstigen Handelsvertrag,
denn die Spanier zahlten für die Gewürze viel höhere Preise als
die Portugiesen[487]. Diese ihre Rivalen hatten in Ternate sich
festgesetzt. Als die Spanier dies erfuhren, schickten sie eine
Botschaft hinüber, um eine friedliche Zusammenkunft zu veranlassen.
Aber die Portugiesen entschuldigten sich mit dem ausdrücklichen Verbote
der Regierung des Landes. Die Erlaubniß wurde aber vom Radscha von
Ternate gegeben, und so kam der portugiesische Factor Affonso de
Lourosa, welcher schon mit den ersten Schiffen vor 10 Jahren von Indien
hierhergelangt war, zu ihnen und war nicht wenig über die hohen Preise
erstaunt, welche die unkundigen Spanier bezahlt hatten. Auch erfuhren
diese, daß der König von Portugal dem Geschwader Magalhães’ sowohl
am Cap der guten Hoffnung als am Laplatastrom durch Schiffe habe den
Weg verlegen lassen wollen. Dann sei auch an den Oberbefehlshaber in
Indien, Lopez de Sequeira der Befehl ergangen, sechs Kriegsschiffe nach
den Molukken zu senden, um Magalhães mit Gewalt abzuweisen; aber in
folge des Krieges mit den Türken in Aegypten seien die Schiffe nach dem
Rothen Meere abcommandirt. Lourosa zeigte sich sogar geneigt, an Bord
des spanischen Schiffes mit in die Heimat zu segeln.
Bis zur Mitte December hatten beide Schiffe eine volle Gewürzfracht
eingenommen, dann wurden am 16. December neue Segel mit dem Kreuz des
heiligen Jacobus von Galicien und der Inschrift: „Das ist das Bild
unseres Glückes“ (~questa e la figura della nostra buena ventura~)
aufgesetzt und die Abfahrt für die nächsten Tage bestimmt. Da bekam das
Flaggschiff Trinidad unerwartet einen großen Leck, den auch die vom
Radscha zu Hilfe gesendeten Taucher nicht zu verstopfen vermochten.
Man mußte sich entschließen, die Victoria allein abgehen zu lassen
und das andere auszuladen, um es gründlich ausbessern zu können. Am
21. December stach die Victoria endlich in See, nachdem vorher 60
Centner Gewürznelken wieder ausgeladen waren, weil man fürchtete,
das Schiff sei zu schwer befrachtet. Unter Kanonensalven nahmen die
beiden Schiffe von einander Abschied. Die Victoria unter dem Commando
Sebastian del Cano’s (d’Elcano) hatte 47 Europäer und 13 Indier an
Bord. Man berührte zuerst Buru, sodann die Nordseite von Timor, um
Lebensmittel einzunehmen, und steuerte von da in den von den Javanen
Lautchidol, d. h. Südmeer, benannten indischen Ocean hinein, erreichte
am 18. März 1522 die einsame hohe Insel Amsterdam, stieß am 8. Mai in
der Nähe des großen Fischflusses (Rio del Infante) auf die afrikanische
Küste, wo man Erfrischung zu finden hoffte und umsegelte am 18. und
19. Mai das Cap unter heftigen Stürmen, welche das Schiff wochenlang
an dem gefürchteten Vorgebirge umherjagten und bis zum 42° s. Br.
hinaustrieben. Infolge der Anstrengungen und Entbehrungen, man hatte
nur noch Reis und Wasser an Bord, starben 21 Personen, ehe am 9. Juli
die Capverden in Sicht kamen. Man landete nothgedrungen an der Insel
St. Jago, obwohl man sie in portugiesischem Besitz wußte; man hoffte
unbelästigt zu bleiben, wenn man erklärte, das Schiff käme von Amerika.
Eine unerwartete Ueberraschung wurde den Weltumseglern hier, als sie
sich in dem portugiesischen Hafenplatze erkundigten, was für ein
Wochentag es sei. Man wollte prüfen, ob man an Bord richtige Rechnung
geführt. Die Portugiesen antworteten, es sei Donnerstag. „Das setzte
uns sehr in Erstaunen,“ erzählt Pigafetta, „weil bei uns erst Mittwoch
war. Und ich hatte doch, da ich stets gesund gewesen, Tag für Tag mein
Tagebuch geführt. Erst später erfuhren wir, daß wir keinen Fehler
gemacht und keinen Tag übersprungen hatten, und daß der Unterschied
entsteht, wenn man von Osten nach Westen die Erde umschifft. Man wird
dann im ganzen einen Tag weniger haben, als diejenigen, welche an
derselben Stelle geblieben sind.“
Als die Schaluppe zum drittenmale ans Land ging, wurden 13 Matrosen
zurückgehalten, weil bekannt geworden war, daß das portugiesische
Schiff zu dem Geschwader Magalhães’ gehöre. Unverzüglich lichtete del
Cano die Anker und kam am 6. September 1522 in den Hafen von S. Lucar.
Achtzehn Personen, und auch diese zum großen Theil krank, waren allein
von der ansehnlichen Schar übrig geblieben.[488] Nachdem sie am 8.
September in Sevilla angelangt waren, machten sie am nächsten Tage
sämmtlich eine feierliche Procession nach der Kirche der heiligen
Maria del Antigua und begaben sich dann an den königlichen Hof nach
Valladolid, wo der Capitän und die beiden Officiere sehr gnädig
empfangen und mit einer Leibrente bedacht wurden. Del Cano erhielt
außerdem ein neues auf die Entdeckung der Gewürzinseln bezügliches
Wappen und als Helmzier einen Globus mit der Umschrift: ~Primus
circumdedisti me~ (du hast mich zuerst umsegelt). Pigafetta überreichte
bei dieser Gelegenheit dem Könige sein eigenhändig geführtes Tagebuch
der ganzen Fahrt. Die Anerkennung und die Bewunderung, welche allgemein
den Theilnehmern der ersten Erdumsegelung gezollt wurde, drückt
Transilvanus mit den Worten aus: „Wahrlich unsere Seeleute sind des
ewigen Ruhmes würdiger als die Argonauten, die mit Jason nach Colchis
segelten, und ihr Schiff (nämlich die Victoria) verdient mehr unter die
Sternbilder versetzt zu werden als die Argo.“
Zu dem Ruhm trat aber auch noch der materielle Gewinn hinzu; denn
die Fracht des einen heimgekehrten Schiffes, welche aus 533 Centnern
Gewürznelken bestand, deckte die Kosten des ganzen Geschwaders
vollauf.[489]
Wie bereits oben (S. 481) erzählt ist, mußte die +Trinidad+ auf Tidor
zurückbleiben, weil sie einen bedeutenden Leck bekommen hatte. Erst
am 6. April 1522 stach sie mit 50 Europäern und zwei einheimischen
Lotsen an Bord in See. Der Capitän Gonzalo Gomez de Espinosa beschloß
den Rückweg über den großen Ocean zu versuchen und steuerte von Tidor
aus nach Norden und Nordosten. Durch ungünstige Winde aus der Bahn
getrieben, kam das Schiff bis zum 42° n. Br. Monatelang umhergeworfen,
litt es durch Kälte und Mangel an Lebensmitteln so entsetzlich, daß
viele von der Mannschaft erlagen. Als endlich in einem fünftägigen
Sturm das Vordercastell und der Hauptmast verloren gingen, sah man
sich zur Umkehr nach den Molukken gezwungen, wo man erfuhr, daß
die Portugiesen inzwischen nach Ternate gekommen seien und dort
eine Festung bauten (s. oben S. 205). Die Noth zwang die Spanier,
an der Küste von Halmahera Zuflucht zu suchen und von hier aus den
portugiesischen Anführer Antonio de Brito zu bitten, sie mit einem
Schiffe aus ihrer traurigen Lage zu befreien; denn ein Theil der
Mannschaft war todt, der andere krank und zu hilflos, um das eigne
Fahrzeug leiten zu können. So ließ denn Brito die noch lebenden 17
Spanier nach Ternate hinüberführen, wo sie bis Ende Februar 1523,
vier Monate lang, festgehalten wurden. Dann wurden sie nach Banda
gebracht; Juan de Campos, den man bei der ersten Abfahrt von Tidor
dort als Factor zurückgelassen (s. oben S. 205), versuchte von Banda
mit drei andern Spaniern auf einer Dschunke sich durchzuschlagen,
ist aber mit seinen Gefährten verschollen. Die übrigen ließ man vier
Monate in Banda, dann wieder fünf Monate in Malaka, dann noch ein
Jahr in Kotschin warten, ehe man ihnen Gelegenheit bot, sich nach dem
Vaterlande einzuschiffen. Absichtlich hielt man sie an ungesunden
Plätzen zurück, um ihre Reihe zu lichten, denn es war den Portugiesen
höchst ungelegen, ihre Nebenbuhler von den Molukken in die Heimat zu
befördern. So kam es denn, daß nach mehreren Jahren nur drei Seeleute
Europa wieder erreichten und auch nach ihrer Landung in Lissabon noch
sieben Monate in Haft bleiben mußten, bis der Befehl des Königs ihnen
die Freiheit gab. Es kehrten demnach von den 239 Personen, welche sich
mit Magalhães eingeschifft hatten, im ganzen nur 21 wieder zurück, die
letzten nach jahrelangen Leiden.
Erst nach 50 Jahren erhielt Magalhães in Drake und Oliver de Noort
Nachfolger, welche in derselben Richtung wie er, eine Erdumsegelung
ausführten: ein sicherer Beweis, wie viel gewaltiger und schwieriger
ein solches Unternehmen den Zeitgenossen erschien als die Fahrten
Gama’s oder Columbus’, die sich nach dem ersten Entdeckungszuge
alljährlich wiederholten.