Verkleinertes Facsimile des Kupferstiches von Ferd. Selma.]

Mit Francisco d’Almeida ging er 1505 nach den indischen Gewässern,

focht in Quiloa, kehrte 1508 auf kurze Zeit in die Heimat zurück,

betheiligte sich aber im nächsten Jahre schon an der bekannten

Expedition nach Malaka, rettete 1510 zwei Schiffe, welche bei den

Malediven gestrandet waren, und zeichnete sich derart aus, daß er in

demselben Jahre zu dem Kriegsrathe mit herangezogen wurde, welchen

Albuquerque berief, um ihn für seinen Plan, Goa anzugreifen, zu

gewinnen. Magalhães sprach bei dieser Gelegenheit offen gegen den Plan

des Generalcapitäns und verlor dadurch die Gunst desselben, so daß

er sich von selbständiger Leitung wichtiger Unternehmungen in Indien

ausgeschlossen sah (s. oben S. 165). Während sein Freund Francisco

Serrão bis nach den Molukken seine Entdeckungsfahrt ausdehnte, kehrte

Magalhães in die Heimat zurück und versuchte sich einen seinen

Fähigkeiten angemessenen Platz in Afrika zu erringen. Er nahm daher

an den Feldzügen gegen Marokko theil, erhielt aber 1514 eine schwere

Verwundung am Bein, in folge deren er zeitlebens hinkte. Da man ihn

vollends beschuldigte, sich mit dem Feinde ins Vernehmen gesetzt

zu haben, so ging er, ohne von seinem Vorgesetzten Pedro de Sousa

Urlaub zu nehmen, nach Lissabon, um sich beim Könige zu beschweren.

Dieser aber weigerte sich ihn zu empfangen und befahl ihm, zum Heere

nach Azamor zurückzukehren und sich dort zu rechtfertigen. In der

nun angestellten Untersuchung erwies sich zwar seine Schuldlosigkeit

und wurde er freigesprochen; allein der weitere Kriegsdienst war ihm

dadurch so verleidet, daß er seinen Abschied nahm und sich wieder

nach Portugal begab. Er erhielt wie alle, welche dem Könige gedient

hatten, eine kleine Pension. Das Ansehen seiner gesellschaftlichen

Stellung richtete sich nun nach der Höhe des Gnadengehalts. Magalhães

glaubte Anspruch auf eine Erhöhung der Pension zu haben und bat um

eine monatliche Zulage von einem halben Ducaten; aber auch dieses

Gesuch schlug der König ihm ab. So an der Ehre verletzt, in dem Range

zurückgesetzt und nach allen Richtungen in seinem Verlangen, sich

auszuzeichnen, gehemmt, zog sich Magalhães verstimmt und erbittert

vom Hofe zurück und beschäftigte sich mit Kosmographie und Nautik,

wozu ihn besonders ein Brief Serrão’s über seine abenteuerliche Fahrt

nach den Molukken (s. oben S. 204) anregte; denn es stieg dabei in ihm

der Gedanke auf, ob nicht die Gewürzinseln bereits auf der spanischen

Erdhälfte lägen, da er die Entfernung derselben von Malaka weit größer

angegeben fand, als sie in der That war. In seinem Verkehr mit dem

Astronomen Ruy Faleiro reifte so allmählich der Plan, um Südamerika

herum den Seeweg nach den Molukken aufzusuchen. In Portugal konnte

der Gedanke aber nicht zur Ausführung gelangen, denn der Weg führte

über die Demarcationslinie auf die spanische Seite und war ohne die

Genehmigung von Seiten Spaniens nicht möglich. Aber Don Manuel war

nicht blos dem Plane, sondern auch dem Träger desselben persönlich

abgeneigt. Das stolze Bewußtsein seines eignen Werthes und das

bittere Gefühl, minder fähigen Männern nachgesetzt zu werden, dazu

die Erkenntniß, in seiner Heimat seine Ideen nicht verwirklichen

zu können, trieben den nach Thaten dürstenden Mann endlich zu dem

Entschluß, sein Vaterland zu verlassen und offen auf seine Nationalität

zu verzichten. Er war kein gemeiner Ueberläufer, wie ihn sogar Peter

Martyr bezeichnet,[463] sondern trat in aller Form, wie es seinem

Stande entsprach, aus dem portugiesischen Unterthanenverbande aus[464]

und begab sich mit Ruy Faleiro, der sich in Portugal ebenfalls

vergeblich um eine Anstellung beworben hatte, und mit Christoval de

Haro nach Spanien. Am 20. October 1517 langte er in Sevilla, dem

Mittelpunkte der indischen Unternehmungen und dem Sitze des indischen

Amtes an. Dort fand er in dem Hause seines Landsmannes Diogo Barbosa,

welcher 1501 unter João da Nova eine Fahrt nach Indien mitgemacht

hatte und damals ein hohes Amt in der Stadt (~alcaide del alcaçar

de Sevilla~) bekleidete, die freundlichste Aufnahme und wesentliche

Förderung seines Planes, namentlich seitdem er die Tochter Barbosa’s,

Beatriz, geheirathet hatte. Auch der einflußreiche Factor des indischen

Amtes, Juan de Aranda, war bald für die Idee gewonnen und erfaßte den

Gedanken, die Molukken zu erreichen und für Spanien zu reclamiren, mit

Begeisterung.

Im Anfang des Jahres 1518 begab sich Magalhães mit Faleiro und Aranda

an den spanischen Hof nach Valladolid, und wenn auch noch Bedenken

tellurischer Art gegen das Unternehmen laut wurden, indem man die

berechtigte Frage aufwarf, ob die Natur nicht selbst den Osten und

Westen der Erde derart von einander getrennt hätte, daß man zu Wasser

nicht aus dem einen Gebiet ins andere kommen könne, so erkannte man

doch zu gleicher Zeit die große Bedeutung, welche nach Ueberwindung

aller Schwierigkeiten eine erfolgreiche Fahrt für Spanien und seine

weiteren Ansprüche haben müsse.[465]

So kam schon am 22. März 1518 ein Vertrag zwischen der Krone Spaniens

und Magalhães nebst Faleiro zustande, wonach die Unternehmer sich

verpflichteten, sich innerhalb der spanischen Hemisphäre (~dentro

de nuestros limites é demarcacion~) zu bewegen, wogegen ihnen das

Privilegium ertheilt wurde, innerhalb der nächsten zehn Jahre allein

diesen Weg zu befahren, ausgenommen wenn der König selbst Personen auf

den Südwest-Weg aussendet. Weiter wurde festgesetzt: Magalhães wird

die Route dahin durch eine Meeresstraße im Süden von Amerika suchen

und erhält von den Einkünften aus den neuen Inseln ein Zwanzigstel des

Reingewinnes. Er erhält für sich und seine Söhne den Titel und Rang

eines Adelantado und Gobernador und kann sich bei jeder nach den neuen

Regionen entsendeten Expedition mit 1000 Ducaten in Waaren betheiligen.

Wenn mehr als sechs Inseln entdeckt werden, bekommt er von zweien

derselben, welche er auswählen kann, ein Fünfzehntel des Ertrags. Von

dem Reingewinn der ersten Reise wird ihm ein Fünftel überwiesen werden.

Fünf Schiffe wird die Regierung ihm zur Verfügung stellen, darunter

zwei von je 130 Tonnen, zwei von je 90 Tonnen und eins von 60 Tonnen

Gehalt. Dieselben sind auf zwei Jahre mit Proviant versehen für 234

Personen. Magalhães erhält ferner das Recht, auf den Schiffen die

höchste Gewalt, auch über Leben und Tod, zu üben, den Capitänen und

Mannschaften wird vom König ausdrücklich die Verpflichtung auferlegt,

dem Generalcapitän unbedingt zu gehorchen. Als Hauptziel und

Hauptaufgabe wird die Erreichung der Gewürzinseln bezeichnet.[466] Ein

Fünftel der Kosten der Ausrüstung, nämlich 4000 Ducaten, gab Haro.

Sobald der Inhalt des Vertrags bekannt wurde, suchte man

portugiesischer Seits das Unternehmen zu hintertreiben, weil, wenn

Magalhães sein Ziel wirklich erreichte, die Frage nach dem berechtigten

Eigenthümer der Molukken erhoben werden konnte und ein schwer zu

lösender Streit um die werthvollen Inseln daraus entstehen mußte.

Vergebens suchte der portugiesische Gesandte Alvaro de Costa auf den

König Karl persönlich einzuwirken; in gleicher Weise verhandelte der

Factor König Manuels in Sevilla Sebastian Alvarez direct mit Magalhães

und machte ihm glänzende Anerbietungen, wenn er in den Dienst seines

Vaterlandes zurückkehre. Aber Magalhães beharrte bei seinem Plan und

erklärte die Unternehmung, nachdem er sie so weit eingeleitet, für eine

Ehrensache. Dann suchte man die ganze Angelegenheit zu verdächtigen und

den Mannschaften die Theilnahme zu verleiden, indem man aussprengte,

die Schiffe seien so alt und morsch, daß sie kaum bis zu den Canarien

kommen würden, man beschuldigte den Leiter sogar des Verraths, denn

er habe die Absicht, das ganze Geschwader den Portugiesen in die

Hände zu liefern und habe zu dem Zweck viele Matrosen fremder Nation

angeworben.[467] Alvarez bemühte sich auch um Ruy Faleiro, meinte dann

aber, als er auch bei diesem kein Gehör fand, wenn man nur Magalhães

gewönne, würde der Astronom schon folgen. Aber alle diese Bemühungen

scheiterten an der Festigkeit des Leiters und der spanischen Regierung,

welcher man das Recht einer solchen Expedition auf ihrem Gebiete

nicht absprechen konnte. Man erreichte nur, daß die Ausrüstung und

Abfertigung des Geschwaders etwas verzögert wurde. Ruy Faleiro trat

zurück, da er fühlte, daß ihm nur eine untergeordnete Stelle in der

ganzen Unternehmung angewiesen werden könne, dafür schlossen sich

Duarte Barbosa, eine Neffe Diogo’s, und der Ritter Antonio Pigafetta

aus Vicenza der Expedition an. Den definitiven Befehl, alles zur

Abreise vorzubereiten, ertheilte Karl von Barcelona aus am 19. April

1519, aber die Abfahrt selbst erfolgte erst fünf Monate später. Das

Geschwader bestand aus folgenden fünf Schiffen:

Trinidad, Commodor Magalhães

San Antonio, Capitän Juan de Cartagena

Concepcion, „ Gaspar de Quesada

Victoria, „ Luis de Mendoza

Santiago, „ Juan Serrano.

Am 20. September lichtete Magalhães in San Lucar de Barrameda die

Anker. Vor der Abfahrt gab er strengsten Befehl, daß die Schiffe sich

nicht trennen sollten. Er selbst werde stets voransegeln. Darum führte

er Nachts eine Fackel von Spartgras oder ein Bündel brennenden Holzes,

ein sogenanntes Farol am Hintertheil des Hauptschiffes, nach welchem

sich die andern zu richten hatten. Wenn er wegen Wind und Wetter den

Cours änderte oder langsamer fahren wollte, gab er ein Signal mit

zwei Lichtern; mit drei oder vier Lichtern gab er bestimmte Zeichen

über die Anzahl der beizusetzenden Segel. Verschiedene Feuer oder ein

Kanonenschuß dienten als Warnungszeichen bei Untiefen.

[Illustration: +Rumpf eines großen Seeschiffes um+ 1500.

Aus dem Wappen von Johann Segker. Verkleinertes Facsimile eines

Holzschnittes aus Albrecht Dürers Schule.]

Magalhães steuerte über Teneriffa nach den Capverden, um von hier aus

nach der Küste Brasiliens hinüberzugehen. Daß er sich anfangs ganz in

der Nähe der afrikanischen Küste hielt, veranlaßte bereits Differenzen

mit seinen Capitänen, von denen besonders Cartagena als zweiter

Befehlshaber (~veedor general de la armada~) den Anspruch erhob, bei

der einzuschlagenden Coursrichtung um seine Meinung gefragt zu werden.

Magalhães wies ihn gebührend zurück, indem er sich darauf berief, daß

nach dem Willen des Königs er selbst allein den Oberbefehl führe und

alle ohne Ausnahme ihm zu gehorchen hätten. In den Windstillen an der

Küste von Guinea begrüßte ihn dann Cartagena mit dem einfachen Titel

„Capitän“, wogegen Magalhães die Anrede „Generalcapitän“ verlangte.

Cartagena gab darauf eine verletzende Antwort und grüßte die folgenden

drei Tage gar nicht. Versteckte Angriffe auf seine Autorität duldete

Magalhães nicht, er berief die Capitäne zusammen, ließ Cartagena

verhaften und absetzen und ernannte an seiner Stelle den Antonio de

Coca zum Befehlshaber des Schiffes.[468] Dann ging das Geschwader unter

veränderlichen und widrigen Winden nach dem Cap Augustin hinüber und

segelte an der brasilianischen Küste bis zur Bucht von Rio de Janeiro,

wo es vom 13. bis 26. December blieb, um Lebensmittel einzutauschen und

Wasser einzunehmen, zugleich aber auch um die innere Bucht genau zu

untersuchen, ob nicht hier schon sich eine Straße nach dem westlichen

Meere öffne. Als man sich überzeugt hatte, daß bei Rio kein Durchgang

existire, steuerte man an der Küste weiter und erreichte am 10. Januar

1520 bei Cap Sa. Maria das Aestuar des Laplatastroms. Ein Hügel an

der Küste, der die Gestalt eines Hutes hatte, erhielt den Namen Monte

Vidi (Montevideo).[469] Daß Dias de Solis bis hieher vorgedrungen, war

bekannt; aber die weite Bucht des Laplata gab wieder die Möglichkeit,

eine Straße zu finden. Das Schiff Santiago wurde abgeschickt die Bai

zu untersuchen, während die übrigen Fahrzeuge vor Anker gingen, kehrte

aber nach 15 Tagen mit der Nachricht zurück, daß zwar mehrere große

Ströme einmündeten, aber eine Straße nicht vorhanden sei. So brach

denn die Flotille in den ersten Tagen des Februar nach dem noch völlig

unbekannten Süden auf. Die niedrige patagonische Küstenterrasse bildet

auf der Ostseite mehrere bedeutende Einbuchtungen, wie den Golf von S.

Matias oder S. Antonio, und den Golf S. Jorge, hinter denen man einen

Eingang in die gesuchte Straße vermuthen konnte. Es war also nöthig,

mit steter Wachsamkeit den Verlauf des Gestades zu prüfen und allen

Bewegungen der Küstenlinie nachzugehen, um die Passage, welche ganz

versteckt liegen sollte, nicht zu übersehen. Dadurch verlor Magalhães

noch die letzten Wochen des scheidenden antarktischen Sommers und sah

sich schließlich genöthigt, an der südlichen patagonischen Küste zu

überwintern.

Vom Laplata aus berührte Magalhães zunächst das Cap S. Antonio,

dann die Klippen am Cap Corrientes (38° s. Br.), verlor im Unwetter

das Land mehrere Tage aus dem Gesicht, suchte dann einen ganzen Tag

lang in der Bai San Matias, bis er sich von allen Seiten von Land

umschlossen sah, ging, abwechselnd mit Sturm und Strömung kämpfend,

weiter, mußte sich mehreremal in geschütztere Buchten hineinflüchten,

von denen die eine den Namen die Bai der Mühseligkeit (~bahia de

los trabalhos~) erhielt[470] und erreichte endlich am 31. März den

Julianshafen (Puerto San Julian), wo er unter 49° 15′ s. Br. in

trauriger, öder Umgebung eine leidliche Zuflucht für den Winter fand

und den Anbruch der günstigern Jahreszeit abzuwarten beschloß. Aber

sein Beschluß, Hütten am Lande zu errichten und die Rationen zu

kürzen, um die Schiffsvorräthe zu schonen, rief unter den Capitänen

und der Mannschaft lebhaften Widerspruch hervor. Sie forderten ihn

auf, umzukehren und sie nicht bei seiner vergeblichen Jagd nach

einem Phantom alle in den Tod zu führen, sie seien bereits weiter

vorgedrungen, als irgend ein Spanier. Magalhães dagegen bezeichnete

es als die größte Schande, umzukehren, ehe sie die Straße oder das

Ende des Landes aufgefunden hätten. Die kalte Jahreszeit werde rasch

vorübergehen, und dem gefürchteten Hunger werde man leicht durch die

Erträgnisse der Jagd und des Fischfanges begegnen. Mit eigenthümlicher

List erklärte er, er müsse wenigstens so weit kommen, wie schon Amerigo

Vespucci gekommen sei, und würde erst umkehren, wenn er bis zum 75.

Grade keine Straße gefunden hätte. Ueber das fortgesetzte Seufzen und

Klagen wurde er schließlich so zornig, daß er einige Rädelsführer

festnehmen und strafen ließ. Darüber entstanden Unruhen und man

rief: „Dieser Portugiese überliefert uns dem Verderben, um sich mit

seinem Könige wieder aussöhnen zu können.“[471] Magalhães berief sich

auf den Befehl des Kaisers. Bis jetzt hätten sie noch nichts Großes

geleistet, was ihre Umkehr nur irgend wie entschuldigen könne. Die

Portugiesen führen alle Jahre so weit nach Süden, wenn sie das Cap der

guten Hoffnung umsegelten.[472] Trotz alledem wurde die Mannschaft

nicht beruhigt und die offene Empörung brach alsbald aus. In der Nacht

vom ersten April drangen Juan de Cartagena, welcher an der Spitze

der Verschwörung stand und von Capitän Quesada freigegeben war, mit

diesem und einer Anzahl bewaffneter Meuterer in das Schiff des dem

Generalcapitän getreuen Mezquita und legten ihm Fesseln an. Der Master

und Contremaster desselben Schiffes, des San Antonio, ergriffen aber

für ihren gefangen gesetzten Capitän Partei. Sofort stach Quesada

den Master Hurriaga (Elloriaga), einen Basken, nieder und ließ den

Contremaster in Ketten werfen und nach der Concepcion als Gefangenen

abführen. Da auch Luis de Mendoza auf der Victoria zu den Verschwornen

zählte, so besaßen diese am andern Morgen drei Schiffe, während dem

Magalhães außer seinem Schiffe nur der Santiago treu blieb. Die

Meuterer hatten die Uebermacht und nahmen danach eine herausfordernde

Stellung ein; den verrätherischen Ueberfall erklärten sie als einen Akt

der Nothwehr gegen die fortgesetzt erduldeten Mishandlungen von Seiten

des Oberbefehlhabers. Sie würden ihm alle Ehre erweisen, wenn er thue,

was der Dienst Sr. Majestät verlange. Magalhães forderte sie auf, zu

ihm auf sein Schiff zu kommen, dort werde er ihre Klagen anhören und

nach Recht verfahren. Dagegen ließen sie ihm wieder sagen, sie trauten

ihm nicht, er möge zu ihnen kommen, sie seien sämmtlich auf dem S.

Antonio vereinigt. Magalhães benutzte das an ihn abgesandte Boot, um

auf demselben den Alguacil Espinosa mit fünf oder sechs Mann heimlich

an Mendoza, den Capitän der Victoria, abzufertigen und ihn scheinbar

zu einer Unterredung auf dem Hauptschiffe aufzufordern, während er

in Wahrheit den Auftrag gab, den abtrünnigen Capitän unschädlich zu

machen. Espinosa führte die Weisung pünktlich aus, er fand während der

Unterredung mit Mendoza Gelegenheit, denselben mit einem Dolchstich in

den Hals zu tödten, worauf das Schiff, nachdem auch Duarte Barbosa noch

mit 15 Bewaffneten hinzugekommen war, zum Gehorsam zurückgebracht wurde.

Magalhães legte sich mit seinen Schiffen vor den Ausgang des Hafens,

um das Entfliehen der Meuterer zu verhindern. Zufällig löste sich der

Antonio in der Nacht von seinem Anker und trieb mit der Ebbe an das

Schiff des Magalhães heran.[473] Hier wurde es mit grobem Geschütz

und Gewehrfeuer empfangen, und die Mannschaft des Generalcapitän

bemächtigte sich des feindlichen Schiffes. Die Rädelsführer Cartagena,

Quesada und de Coca wurden gefangen; der Leichnam Mendoza’s wurde am

nächsten Tage geviertheilt als Verräther, und Quesada enthauptet,

auch wurden vor der Abfahrt Cartagena und ein Caplan, der das

Complot begünstigt hatte, am Strande ausgesetzt und ihrem Schicksal

überlassen.[474] Aber der Pilot Gomez, welcher den Generalcapitän mit

seinem Schiffe später verließ, nahm beide Verlassenen wieder auf und

brachte sie nach Spanien.

Der Aufenthalt im Julianshafen währte fast 5 Monate (4 Monate und 24

Tage), in dieser Zeit trafen die Spanier mehrfach mit kleinen Horden

der Eingeborenen zusammen, welche von Magalhães wegen ihrer großen

Füße (spanisch ~patagon~ = Großfuß) Patagonen genannt wurden. Die

übertriebenen Schilderungen von ihrer Größe, welche Pigafetta’s viel

gelesener Reisebericht verbreitete,[475] veranlaßten in Europa die

Vorstellung, daß alle Patagonen Riesen seien, eine Fabel, welche erst

nach der Mitte des vorigen Jahrhunderts durch genaue Messungen der

Körpergröße widerlegt wurde.[476]

Ehe Magalhães selbst aus seinem Winterquartier aufbrach, ließ er

durch Juan de Serrano auf dem Santiago die Küste weiter gegen Süden

untersuchen, um sich mit seiner Flotte nicht durch jede Ausbuchtung

des Landes aufhalten zu lassen. Aber Serrano litt in der Nähe des

Puerto de Santa Cruz (50° s. B.) Schiffbruch und mußte sich mit

seiner Mannschaft mühsam zum Julianshafen, an der Küste entlang,

zurückwenden, wo die Leute auf die übrigen vier Schiffe vertheilt

wurden. Magalhães selbst brach am 24. August auf und nahm am Heiligen

Kreuzhafen noch einige von den gestrandeten Gütern des Santiago

auf; von hier steuerte er dann aber erst am 18. October weiter, da

zwei seiner Schiffe beschädigt waren und erst ausgebessert werden

mußten. Unerschütterlich, als ein Mann von Muth und Ehre, ließ er

sich durch keine Gegenvorstellungen von seinem Plane abbringen; erst

wenn seine Schiffe im Sturm zweimal ihre Takelage verloren hätten,

würde er sich dazu verstehen, den Weg um Afrika und an Madagascar

vorüber einzuschlagen. Am 21. October erreichte sein Geschwader das

Cap Virgenes (~Cabo de las Virgenes~) und damit den Eingang der

berühmten Straße. Die fjordartige Zersplitterung des südamerikanischen

Continents, welche an der Westseite vom Feuerlande bis zum 42° s.

Br. reicht, hat die letzten Ausläufer des Gebirgslandes durch einen

vielfach gegliederten Canal vollständig vom Rumpf der Landmassen

abgetrennt. Die Straße, welche noch jetzt den Namen des kühnen

Entdeckers trägt, hat eine Länge von 600 Kilometer (80 deutsche

Meilen) und erstreckt sich in der östlichen Hälfte nach Südwest, in

der westlichen Hälfte mit scharfer Wendung nach Nordwest. Nach der

Gliederung und Gestaltung der Küstenlandschaften zerfällt sie in drei

Abschnitte, in einen östlichen, mittleren und westlichen. Der östliche

Abschnitt ist charakteristisch durch die Bildung zweier Engen, zwischen

denen das Wasser sich seenartig ausweitet, durch das Fehlen der

tieferen Seitenbuchten und Sackgassen, durch das Auftreten niedriger

gleichmäßiger Höhenrücken jüngerer Formation und durch den gänzlichen

Mangel an Baumwuchs. Der mittlere und westliche Abschnitt zeigt eine

gleichartige geologische Struktur, hier herrschen Granit und Grünstein

vor, und nach der Mitte zu Schiefer. Die schroffen, wilden Bergmassen

erheben sich bis über 1000 Meter, im Sarmiento sogar über 2000 Meter.

Der breite mittlere Abschnitt, mit mehreren tiefen Sunden und Canälen

an der Feuerlandsküste, verläuft in der Richtung von Norden nach Süden

und ist vollkommen inselfrei, der westliche Abschnitt dagegen, der

sich nach Nordwesten zieht, verengt sich zwischen zahlreichen Klippen

und tiefen Fjorden immer mehr und erweitert sich erst wieder gegen den

Ausgang zum großen Ocean. In der Mitte und im Westen ist die Straße,

wo die Berge nicht zu jäh in die Flut tauchen, mit üppigem Laubwald

umsäumt.[477]

„Die landschaftliche Scenerie der von düsteren Sagen umwobenen

Meeresenge ist ein seltsames Gemisch von Monotonie und Großartigkeit

der Naturgebilde jener Zone. Ringsum starren dem Schiffe Eisberge

entgegen mit tiefen, undurchdringlichen Felsenspalten, mit zu

Gletschern erstarrten Wasserfällen, die wie gefrorene Niagaras, wie

ungeheure Klippen von blaugrünem, durchsichtigem Glas, die Seiten

der Gebirge und finstern Thäler überhängen. Dagegen dehnt sich das

schwarze, dunkle Fahrwasser an hohen Felsen in zahllosen Windungen

hin. Zuweilen führen diese Windungen in eine Bucht, die scheinbar ohne

Ausgang, von einer Mauer schroffer Felsen eingeschlossen ist, bis sich

plötzlich verschiedene Canäle zeigen, die den Seefahrer noch mehr in

Verlegenheit setzen, da er, falls er fehl geht, wochenlang zwischen

Klippen und Canälen umherirren kann. In diesem Theile der Straße wüthet

ein beinahe ununterbrochener Sturm, und der Himmel ist stets von

dichten Wolken umhüllt, die Atmosphäre ist trüb und beständig nebelig,

die Gewässer sind von pechschwarzer Farbe, wegen ihrer Tiefe und der

finstern Bergschatten. In der Regel weht der Wind aus Westen, der Strom

rauscht dann wie ein Sturzbach, und die Durchfahrt ist mitunter so eng,

daß das Laviren schwierig wird. Von den nackten kahlen Felsspitzen

aber fährt der Orkan in die Wassertiefe hinab und erzeugt daselbst

jene kurzen, brechenden Wellen, die unter dem Namen der Teufelswellen

bekannt und die namentlich Segelschiffen so unheilbringend sind.“[478]

Bei der Einfahrt in die Straße schickte Magalhães zuerst die beiden

Schiffe San Antonio und Concepcion voraus, um das Fahrwasser zu

untersuchen, während er selbst mit der Trinidad und Victoria

zurückblieb. Das eine Schiff kam bald mit der Meldung wieder, man habe

nur eine Bucht mit tiefem Einschnitt gefunden, während das andere sich

weiter wagte, durch eine Enge in eine zweite offene Bucht kam und

hinter einer zweiten Enge, welche anfangs von Land umschlossen schien,

wieder eine größere Wasserfläche fand. Da der Grund nicht seicht war,

wie an der patagonischen Küste, in folge dessen man nur in der Nähe

des Ufers, aber nicht mitten in der Straße ankern konnte, und da der

Canal immer weiter führte, so schien die gesuchte Meerenge wirklich

gefunden; und mit dieser freudigen Nachricht kehrte das zweite Schiff

am dritten Tage nach dem Eingange zu Magalhães zurück, welcher, die

hohe Wichtigkeit dieser Entdeckung erkennend, die Capitäne und Piloten

zur Berathung zusammenrief, um sich über die weiteren Maßnahmen zu

besprechen. Da sich nun herausstellte, daß der Proviant nur noch für

drei Monate ausreichte, so meinte der Portugiese Esteban Gomez, Pilot

auf dem S. Antonio, es werde, nachdem man die Straße gefunden habe,

besser sein, einstweilen nach Spanien zurückzukehren und mit einer

besser ausgerüsteten und versehenen Flotte die Unternehmung zu Ende zu

führen. Allein Magalhães war nicht gewillt, umzukehren, nachdem der

schwierigste Theil der Aufgabe die Auffindung der Straße, gelöst sei.

Er wolle, so äußerte er sich, dem Kaiser sein Wort halten, und sollte

ihn der Hunger zwingen, hartes Leder zu kauen. Um die Zaghaftigkeit

des Schiffsvolks, welches leicht geneigt war, sich auf den Ausspruch

einer Autorität wie Gomez zu berufen, nicht um sich greifen zu

lassen, erklärte Magalhães: alle Schiffe sollten sich zur Weiterfahrt

den nächsten Tag bereit halten; niemand solle bei Todesstrafe sich

unterstehen, von Umkehr zu reden. So drang er muthig in den Felsensund

ein. Auf der Südseite sah man häufig Feuer am Lande aufleuchten,

welche die wilden Einwohner in dem rauhen Klima unterhielten. Das

Land erhielt davon den noch giltigen Namen Feuerland (~tierra del

fuego~). Nachdem er 50 Meilen gesegelt war, ließ er, da verschiedene

Canäle sich nach verschiedenen Richtungen abzweigten, dieselben von

zwei Schiffen wieder untersuchen, während die Zurückbleibenden durch

Fischfang den Vorrath an Lebensmitteln zu bereichern suchten. Man

befand sich damals in der Nähe der Südspitze des festen Landes. Der San

Antonio ging mit vollen Segeln ab, ohne auf die Concepcion zu warten,

und steuerte in einen nach SO. verlaufenden Canal, in der Absicht,

nach Spanien zurückzukehren. Die Concepcion kreuzte unterdessen in

demselben Canal und wartete auf das Wiedererscheinen des Antonio,

aber vergebens. Magalhães war unterdessen in den Sund nach SW. mit

den beiden andern Schiffen eingedrungen und wartete dort vier Tage,

während dessen ein großes Boot den Canal, der nach NW. verlief, zu

untersuchen hatte. Nach drei Tagen brachte dieses die Mittheilung,

es sei bis an den Ausgang der Straße in das westliche Meer gelangt.

Dieser günstigen Meldung gegenüber machte den Generalcapitän das

Ausbleiben des S. Antonio, eines vorzüglichen Fahrzeuges, besorgt,

da er selbst vielleicht an dem Verluste schuld war, insofern er den

Ankerplatz gewechselt und das zurückkehrende Schiff irregeleitet hatte.

Die Victoria mußte noch einmal bis an den Anfang des Canals segeln,

in welchen der Antonio eingelaufen war, und dort an hervorragender

Stelle eine Flagge aufhissen, an deren Fuß die briefliche Nachricht

niedergelegt war, wohin das Geschwader seinen Weg genommen. Aber das

vermißte Schiff kehrte nicht zurück. Das Schiffsvolk revoltirte gegen

den Capitän Mezquita, und der Pilot Gomez unterstützte dasselbe. Er

hatte früher von dem spanischen Könige zu einem ähnlichen Plane wie

Magalhães Schiffe gefordert; da man nun aber den Antrag seines Rivalen

angenommen, den seinigen aber abgelehnt hatte, so hegte er geheimen

Groll gegen denselben und benutzte diese Gelegenheit, sich zu rächen.

Mezquita wurde angeklagt, die grausame Behandlung der Meuterer im

Julianshafen dem Generalcapitän angerathen zu haben, und wurde darum

in Fesseln nach Spanien gebracht, wo man außerdem den obersten Leiter

des Geschwaders für einen Wahnsinnigen erklärte, welcher Se. Majestät

belogen und keine Ahnung davon habe, wo Banda oder die Molukken lägen.

So ging dem Magalhães auch das zweite Schiff verloren und damit auch

der getreue Mezquita. Außer seinem Verwandten Duarte Barbosa hatte er

nur noch wenige Leute, auf die er sich ganz und voll verlassen konnte.

Hätte er die Officiere zu einer Berathung zusammen berufen, so wäre

er vielleicht überstimmt worden. Er zog es daher vor, an die Capitäne

und Piloten ein freundlich gehaltenes Rundschreiben[479] abgehen zu

lassen, in welchem er sie um +schriftliche+ Meinungsäußerung ersuchte,

ob es gerathener sei, umzukehren oder vorwärts zu gehen. Doch sollte

vor allem ins Auge gefaßt werden, was der Dienst Sr. Majestät und die

Sicherheit der Schiffe verlange. Dieser Brief, vom 21. November, war

„gegeben im Canal Allerheiligen“, ~canal de todos los Santos~ (denn so

hatte Magalhães die Straße benannt) im 53. Grade s. Br. Das Geschwader

befand sich damals also am östlichen Anfange des dritten Abschnittes

der Meerenge, wo mehrere Straßen nach NW., N. und S. ausliefen und

das Fahrwasser zwischen den Felsenmassen sich verengte. Am nächsten

Tage traf die Antwort vom Astronomen Martin ein, welche den bekannten

Absichten des Führers nicht direct widersprach, aber doch auf den

Mangel an Lebensmitteln und bezüglich des Schiffes Victoria auch auf

den erschöpften Vorrath an Tauwerk hinwies, ein Vordringen bis zum

60. oder gar 70. Grade bei dem Zustande der Schiffe und Mannschaften

entschieden widerrieth, aber doch dem Gedanken nicht abgeneigt war,

die schönen Frühlingstage zu benutzen, um einen Ausweg unter mildern

Breiten zu suchen. Darauf gab Magalhães am nächsten Tage den Befehl

zur Weiterfahrt. Das Land zu ihrer Rechten war unzweifelhaft ~tierra

firme~, d. h. Festland, dagegen zur Linken glaubte man Inseln vor sich

zu haben, weil man mehrfach aus der Ferne das Geräusch der Brandung

eines offnen Meeres an Felsenküsten vernommen hatte.[480] Man mußte

also, wie auch bereits gemeldet war, nach dieser Seite hin bald den

offenen Ocean erreichen. Vorsichtig fuhr Magalhães in der engen

Felsengasse und, der Klippen wegen, nur bei Tage weiter und ankerte bei

Nacht. Sondirende Böte gingen vorauf. Endlich traf am fünften Tage die

Freudenbotschaft ein, der Ausgang sei erreicht. Auf diese Kunde ließ

der Generalcapitän mit allen Kanonen Freudenschüsse thun und erreichte

am 28. November beim ~Cabo Deseado~[481] („ersehntes Vorgebirge“)

das Meer. Die Durchfahrt hatte drei Wochen in Anspruch genommen, und

rechnet man die Tage ab, wo er auf die abgesandten Schiffe warten

mußte, so waren nur 12 Tage erforderlich gewesen.[482]

Von dem Ausgange der Meerenge richtete Magalhães seinen Cours grade

nach Norden, so daß er noch unter dem 47. Grade die patagonischen

Berge zur Rechten sehen konnte und wandte sich erst vom 37. Grade nach

Nordwesten. Die Begrenzung des amerikanischen Festlandes war damit

gegen Westen angezeigt. Ohne die Juan Fernandez Inseln, westlich von

Chile, zu berühren, steuerte er nordwestlich zwischen der Inselwolke

der Paumotu und den gebirgigen Markesas hindurch, immer mit günstigem

Winde, weshalb er das Meer mit dem Namen ~Mar pacifico~ „stiller

Ocean“ belegte, aber auch ohne 40 Tage lang etwas anderes als Himmel

und Wasser zu sehen. Am 24. Januar 1521 stieß er auf ein einsames,

unbewohntes Eiland, unter 16° 15′ s. Br., dem er den Namen San

Pablo gab, und 11 Tage später, am 4. Februar auf ein zweites wüstes

Inselchen, welches Haifischinsel (~los tiburones~) genannt wurde und

unter 10° 40′ s. Br. lag.[483] Hier wurde zwei Tage Rast gemacht, um

die Mannschaft sich erholen zu lassen und um zu fischen, denn die

Nahrungsmittel gingen auf die Neige. Dann segelten sie weiter, wie

Transilvanus berichtet, über ein ungeheures Meer, das größer ist,

als man fassen kann. Nun aber trat das Schreckbild des Hungers immer

drohender auf. „Wir fuhren, erzählt Pigafetta, 3 Monate und 20 Tage,

ohne Erfrischungen einzunehmen. Der Zwieback war in Staub zerfallen,

voll Maden und stank nach dem Unrath der Ratten, das Trinkwasser

war trübe und übelriechend. Wir aßen auch Rindsleder, wie es unter

der großen Marsraa angebracht ist, damit das Tauwerk sich nicht

durchscheuert. Das Leder war sehr hart, weil es beständig der Sonne,

dem Wind und Regen ausgesetzt war, und mußte erst tagelang im Seewasser

eingeweicht werden, um es, in glühender Asche geröstet, genießbar zu

machen. Ratten bildeten einen Leckerbissen und wurden, das Stück, mit

½ Krone bezahlt. Zu all dem Unglück trat noch der Scorbut auf, welchem

19 Personen erlagen. Wenn Gott und seine heilige Mutter uns auf der

langen Fahrt nicht gutes Wetter gegeben hätten, so wären wir alle in

dem weiten Meere verhungert, und ich glaube, daß kein Mensch jemals

eine solche Reise wieder unternehmen wird.“ Pigafetta wagte also auf

den Versuch einer Weltumsegelung einen ähnlichen Bann zu legen, wie

Cook auf seiner zweiten Reise bezüglich der Unternehmungen gegen den

Südpol. Beide erreichten nur, daß ihre kühnen Fahrten 50 Jahre lang

ohne Nachfolger blieben.

Treffend und gleichsam mit prophetischem Blicke fügte Pigafetta hinzu:

„Wenn wir von dem Ausgange aus der Meerenge immer westwärts gesteuert

wären, wir hätten, ohne auf irgend ein Land zu stoßen, wieder an das

Cap der Jungfrauen zurückkommen können.“ Dieser Ausspruch erklärt

sich mit der größten Bestimmtheit gegen die Existenz eines weit nach

Norden reichenden Südlandes, wie es später von den Kartographen des

16. Jahrhunderts als ~terra australis incognita~ gedacht und bis tief

ins 18. Jahrhundert, bis auf die epochemachenden Reisen Cook’s die

Vorstellungen der Geographen beeinflußt hat.

Am 13. Februar überschritt Magalhães den Aequator, etwa unter 175° w.

v. Gr., steuerte 11 Tage nordwestlich bis zum 12° n. Br., so daß er

zuerst zwischen dem Gilbert- und Marshall-Archipel und dann zwischen

diesen und den östlichen Carolinen hindurch segelte; dann richtete er

den Cours wieder nach Westen, bis er am 6. März auf die Ladronen stieß.

Magalhães wußte zwar, daß sein Ziel, die Molukken, unter dem Aequator

lägen; allein, da er fürchtete, sich wegen der Nähe der Portugiesen

dort nur schwierig verproviantiren zu können, so ging er weiter

nordwärts, wo er auf Inseln oder am Festlande, die von seinen Gegnern

noch nicht berührt waren, ungestört ausruhen, seine Schiffe bessern und

seiner Mannschaft Erquickung verschaffen könne. Die beiden Inseln, auf

die man zuerst stieß, waren Guam und S. Rosa. Daß sie bewohnt waren,

bewiesen alsbald die zahlreichen hurtigen Segelböte, die mit gleicher

Geschicklichkeit vor- und rückwärts steuerten und pfeilschnell über

das Wasser hinjagten, als ob sie flögen.[484] Wegen der dreieckigen

Mattensegel, deren sich die Insulaner bedienten, wurden die Inseln

~Islas de las velas~ (Segel) genannt. Zutraulich und zudringlich kamen

diese Schiffer an Bord und stahlen, was sie brauchbares fanden. Als

sie aber gar ein größeres Boot entführt und an den Strand geschleppt

hatten, wurden sie empfindlich gezüchtigt, ihr Dorf zerstört, die

Pflanzungen vernichtet und sieben Menschen getödtet. Von diesem

Diebstahl hieß man die Inselgruppe die Diebsinseln oder Ladronen,

welchen Namen sie noch führen. Nach einem Aufenthalt von drei Tagen

ging das Geschwader weiter nach Westen und gelangte so zu dem Archipel

des San Lazaro, oder, wie er später benannt wurde, Philippinen. An der

kleinen Insel Suluan, südlich von Samar, wurde zuerst gelandet, um

frisches Wasser einzunehmen und besonders den Kranken einige Ruhe zu

gewähren. Mit den Eingebornen wurde ein friedlicher Verkehr eröffnet.

Der Häuptling von Suluan erschien in malaiischer Tracht, den Kopf mit

einen seidenen Tuch umwunden und einen golddurchwirkten Sarong um den

Leib. Von Suluan gegen SW. steuernd, berührte das Geschwader zwischen

Mindanao und Leyte die kleine Insel Limasagua (~Maçaguoa~), wo eine

Messe celebrirt wurde. Der dortige Radscha brachte sie zu der gegen

Nordwesten gelegenen Insel Zebu, deren Kaufleute schon mit Portugiesen

zusammengetroffen waren. Der Häuptling erwies sich den Seefahrern

sehr geneigt und ließ sich schon nach acht Tagen mit mehreren hundert

Insulanern taufen. Zwar wollte hier ein arabischer Kaufmann den Fürsten

der Insel vor den Fremdlingen warnen, weil sie zu derselben Nation

gehörten, welche Calicut und Malaka erobert hätten; aber Magalhães

erklärte, ihr König sei noch weit mächtiger als der portugiesische, und

werde sie in seinen Schutz nehmen und ihre Macht erhöhen. Der Christ

gewordene Fürst von Zebu sollte nach seinem Plane der Oberherr über

die umliegenden Inseln werden und als solcher dem Könige von Spanien

huldigen. Die Ortschaften, welche sich nicht unterwerfen wollten,

wurden zerstört, entfernteren legte man Tribut auf. Mitten vor der

Ostküste von Zebu, nur durch einen schmalen Meeresarm getrennt, liegt

die Insel Matan oder Mactan. Diese weigerte sich, die geforderten

Abgaben an Lebensmitteln zu entrichten; daher beschloß Magalhães, sie

die Ueberlegenheit seiner Waffen fühlen zu lassen. Die Hilfstruppen

des Fürsten von Zebu lehnte er ab, da er die Stärke und Kriegsführung

seiner Gegner unterschätzte, und ging am 27. April nur mit 50 bis

60 Mann in drei Böten nach der Insel hinüber, während er seinen

eingebornen Freunden die Rolle von Zuschauern anwies; auch seine

Schiffe blieben in der Ferne. Am Lande sahen sich die Spanier bald

einem an Zahl überlegenen Feinde gegenüber.[485] Gegen die Schüsse der

Europäer boten die festen Schilde der Insulaner einigen Schutz und

bald gingen die Matanesen zum Angriff über. Sie schleuderten Wolken

von Pfeilen und Steinen. Magalhães wurde durch einen vergifteten Pfeil

am Schenkel verwundet und mußte Befehl zum Rückzuge geben; aber der

Rückmarsch artete, indem die Insulaner um so kühner nachdrängten,

bald in Flucht aus, so daß nur sieben oder acht Getreue bei ihrem

verwundeten Feldherrn ausharrten. Alle Angriffe der wüthenden Feinde

richteten sich auf Magalhães, welchem in dem Handgemenge zweimal der

Helm vom Kopfe gerissen wurde. Aber er wollte nicht weichen und focht

als ein tapferer Ritter, die Seinigen zum Widerstande ermunternd.

Einen Insulaner, der ihn im Gesicht verwundete, stach er mit der Lanze

nieder. Als er dann seinen Degen ziehen wollte, brachte er denselben,

in folge einer Speerwunde am Arm nur halb aus der Scheide, und erhielt,

für einige Augenblicke ungedeckt, einen Schwertstreich, der ihn aufs

Gesicht niederwarf, worauf alle über ihn herfielen und ihn vollends

tödteten. „Als die Indier, erzählt Pigafetta, welcher Zeuge des

Heldentodes war, ihn überwältigten, wandte er, schon am Boden liegend,

den Blick noch mehrmals nach uns zurück, um sich zu überzeugen, ob wir

uns gerettet hätten, als ob er nur so hartnäckig standgehalten hätte,

um seine Leute in Sicherheit zu bringen. So fiel unser Vorbild, unsere

Leuchte, unser Trost und treuer Führer!“ So klagt der italienische

Ritter über den Fall des großen Mannes; aber da er selbst verwundet

war, wie die meisten Gefährten, blieb ihnen nur die Flucht nach den

nahen Böten. Mit Magalhães fielen acht Spanier und vier getaufte

Indier. Die Herausgabe der Leiche, selbst gegen große Geschenke, wurde

von den Siegern entschieden verweigert.

Magalhães stand wohl im 41. Lebensjahre, als er auf Matan seinen Tod

fand. Hatte er auch das Ziel, die Gewürzinseln, nicht völlig erreicht,

so hatte er den schwierigsten Theil seiner Aufgabe auf das glänzendste

gelöst. Er hatte die südamerikanische Meerenge gefunden und das

größte Meer des Erdballs in seiner vollen Breite durchschnitten. Es

war die größte nautische That aller Jahrhunderte. Seine größte Tugend

bestand in der Ausdauer, selbst in der schlimmsten Lage, und er ertrug

Hunger und Entbehrung auf den monatelangen Fahrten über das Weltmeer

besser als andere. Er war nicht blos ein tapferer Soldat, sondern

bewies auch seine Tüchtigkeit als Seemann, indem er alle Steuerleute

anwies, daß sie, um den richtigen Cours nach den Molukken einzuhalten,

auch die Abweichung der Magnetnadel in Rechnung zu bringen hätten.

Der beste Beweis seiner Unerschrockenheit und Genialität liegt aber

darin, daß er zuerst eine Erdumsegelung wagte und den schwierigsten

Theil vollendete. Die Bedeutung seines Unternehmens ist leider durch

die Eifersucht der Spanier und Portugiesen verdunkelt, in Portugal,

weil er einer rivalisirenden Macht diente, in Spanien, weil er ein

Fremder war. Magalhães selbst hat natürlich den Verlauf seiner kühnen

Weltfahrt nicht ausführlich schildern können, das beste, was wir

darüber besitzen, stammt von zwei Italienern. Es wirft ein merkwürdiges

Schlaglicht auf die damaligen Zeitverhältnisse, daß die Heldenthat

eines +Portugiesen+ in +spanischen+ Diensten von +Italienern+

beschrieben ist.

Die +wissenschaftliche+ Bedeutung dieser Fahrt charakterisirt

Humboldt (Kosmos II, 306) in folgenden Worten: „Die Entdeckung und

Beschiffung der Südsee bezeichnen für die Erkenntniß großer kosmischer

Verhältnisse eine um so wichtigere Epoche, als durch dieselbe zuerst

die numerische Größenvergleichung der Areale des Festen und Flüssigen

auf der Oberfläche unseres Planeten nun endlich von den irrigsten

Ansichten befreit zu werden anfing. Durch die Größe dieser Areale,

durch die relative Vertheilung des Festen und Flüssigen werden aber

der Feuchtigkeitsgehalt der Atmosphäre, der wechselnde Luftdruck,

die Vegetationskraft der Pflanzendecke, die größere oder geringere

Verbreitung gewisser Thiergeschlechter und so viele andere allgemeine

Erscheinungen und Processe mächtig bedingt. Der größere Flächenraum,

welcher dem Flüssigen als dem das Feste bedeckenden Elemente eingeräumt

ist (im Verhältniß von 2⅘:1) vermindert allerdings das bewohnbare Feld

für die Ansiedelung des Menschengeschlechts, die nährende Fläche für

den größeren Theil der Säugethiere, Vögel und Reptilien; er ist aber

nach den jetzt herrschenden Gesetzen des Organismus ein nothwendiges

Bedingniß der Erhaltung, eine wohlthätige Natureinrichtung für alles,

was die Continente belebt.“ Der +materielle+ Vortheil, welchen die

spanische Krone, durch die Expedition Magalhães’ gewann, wird uns in

den folgenden Blättern noch weiter beschäftigen.

Geschichte des Zeitalters der Entdeckungen · 第 113 / 123 题