Mit drei Schiffen, 180 Mann und 37 Pferden stach Pizarro im Januar 1531
von Panama aus in See. Widrige Winde ließen ihn das beabsichtigte Ziel,
Tumbez, nicht sofort erreichen. Das Geschwader lief in die Bai von
San Mateo (nahe der Nordgrenze des heutigen Staats Ecuador) ein, ein
Theil der Mannschaft ging ans Land und machte in der Stadt Coaque eine
ansehnliche Beute an Gold, Silber und Smaragden. Ein Fünftel des Raubes
wurde als Kronantheil zurückgelegt, das übrige nach Verhältniß des
Ranges unter die Leute vertheilt. Auch schickte Pizarro eine namhafte
Summe nach Panama, um noch mehr Mannschaft anzulocken.[440] Während sie
sich noch in der Nähe des Golfes von Guayaquil befanden, stieß auch
bereits Sebastian de Benalcazar mit 30 angeworbenen Soldaten zu dem
Hauptcorps. Dann gings weiter nach der Insel Puna (damals S. Jago),
wo man freundliche Aufnahme fand, die Regenzeit vorübergehen ließ und
weiteren Nachschub an Truppen erwartete. Die Inselbewohner lebten in
Feindschaft mit den Peruanern von Tumbez. Die Städter verdächtigten
ihre Feinde bei dem spanischen Heerführer und theilten ihm mit, die
Punenser hätten den verrätherischen Plan gefaßt, alle Fremden zu
vernichten. Pizarro glaubte an die Verschwörung, ließ die Häuptlinge
der Insel gefangen nehmen und hinrichten. Dem Volk, welches in folge
dieser Grausamkeit zu den Waffen griff, brachte er eine Niederlage bei.
Sein Heer wurde nochmals durch 100 Mann verstärkt, welche ihm +Hernando
de Soto+, bestochen durch die Smaragden- und Goldsendungen, welche nach
Panama geschickt waren, auf zwei Schiffen zuführte. Dann ging Pizarro
nach Tumbez und erfuhr hier die für ihn sehr wichtige Nachricht,
daß zwischen den Söhnen des letzten Inka Huayna-Capac ein blutiger
Bürgerkrieg ausgebrochen sei. Atahuallpa und Huascar hatten von
1525-1530 friedlich neben einander regiert, jener in Quito, dieser in
Cuzco, bis der ehrgeizige und kriegerisch gesinnte Atahuallpa, welcher
sein Reich zu vergrößern strebte, auf das an der Bai von Guayaquil
gelegene Gebiet von Tumibamba (jetzt Cuenza, 3° s. Br.) Anspruch erhob
und dasselbe besetzte. Dann war er siegreich nach Süden gedrungen,
hatte seinen Bruder in dem entscheidenden Kampfe bei Chontacaxas,
nahe vor der Hauptstadt Cuzco, besiegt und gefangen genommen, worauf
seine beiden tüchtigsten Feldherren Quizquiz und Chalcuchima sich
der alten Residenz bemächtigten. Das war im Frühling 1532, kurz vor
Ankunft Pizarro’s, geschehen. Die Familie des gefangenen Inka war auf
Befehl des Quizquiz fast gänzlich ausgerottet, nur wenige waren dem
Blutbade entronnen. Der Inka Atahuallpa stand mit seinem Heere bei
Cajamarca, etwa 50 Meilen südlich von Tumbez. Diese Stadt hatte in
dem Bürgerkriege sehr gelitten. Pizarro fand die Einwohner ängstlich
und mistrauisch. Er zog daher, nachdem er seine Truppen ausgeschifft
hatte, weiter gegen Süden, überall die Oberherrschaft des spanischen
Königs proklamirend, was die Bewohner des Landes ohne Anstand geschehen
ließen, weil sie den Sinn solcher Formalitäten nicht verstanden.
Im Thale von Tangarara (5° s. Br.) wurde die Niederlassung San Miguel
gegründet; da sich aber der Ort bald als ungesund erwies, wurde die
junge Stadt später nach Piura verlegt. Von San Miguel rückte Pizarro am
24. September 1532 weiter in der Richtung nach dem Lager Atahuallpa’s.
Seine Schar bestand aus 110 Mann zu Fuß, 67 Reitern und einigen
wenigen Büchsenschützen. Weil aber unter dieser Anzahl sich noch
einige Misvergnügte und Feiglinge befanden, so schickte er noch fünf
Fußgänger und vier Reiter nach San Miguel zurück und besaß, als er sich
anschickte, ein Reich von 400 Meilen Länge zu erobern, im ganzen 168
Mann. Ein Abgesandter des Inka lud ihn zum Besuch nach Cajamarca ein.
Zwei Indianer, welche bereits mit Pizarro in Spanien gewesen waren,
Philipp und Martin, dienten als Dolmetscher. Der spanische Heerführer
stieg mit seiner kleinen Schar kühn über die Cordilleren ins Hochland
hinauf, wo er die große Reichsstraße fand, welche er gegen Süden
verfolgte. Mehrfach kamen ihm noch Boten des peruanischen Oberherrn mit
Geschenken entgegen, welche den geheimen Auftrag hatten, sich genau
über Zahl, Waffen u. s. w. der Fremdlinge zu unterrichten.
[Illustration: Krieger aus der Inca-Zeit: Malerei auf einem
altperuanischen Thongefäß. (½ der natürlichen Größe.)
Die Bewaffnung aller fünf Figuren ist lediglich die Lanze, an
den Schäften mit großen kreuzförmigen Aufsätzen versehen, welche
vielleicht als streitkolbenartige schwere Keulen zu betrachten sind.
Als Schutzwaffen tragen die Krieger hohe, spitze, unter dem Kinn mit
Bändern befestigte Helme mit einem halbmondförmigen aufgesetzten
Zierrath und einem über den Nacken herabhängenden Tuche. Einen Schild
führt nur die äußerste Figur rechts. Mit Ausnahme des mittleren tragen
die Krieger alle große Taschen. Die Körperbekleidung besteht aus einem
bis fast auf die Knie herabfallenden Untergewand mit verziertem Rande
und darüber eine bis zur Hüfte reichende Jacke aus verschiedenartig
ornamentirtem Gewebe. Die Gewänder sind ganz in der Form des Ponchos
der heutigen Südamerikaner gearbeitet und lassen die Arme unbekleidet.
Auch die Beine sind nackt, auf unserem Vasenbilde aber, wie auch die
Gesichter und Hände, bemalt. Die mittlere Figur trägt einen Nasenring,
die beiden neben ihr ansehnliche Pflöcke in den Ohren. Vier von den
Kriegern haben auf der linken Schulter eine Schleife, der fünfte trägt
den Kopf eines phantastischen Thieres als Helmschmuck. Die Gesichter
sind von dem charakteristischen Indianer-Typus. -- Die Form des Gefäßes
ist durchaus ungewöhnlich und deshalb auf der Tafel „Altperuanische
Geräthschaften“ mit abgebildet (s. d.). Das Gefäß befindet sich in
Privatbesitz zu Lima und soll aus der Gegend von Trujillo stammen.]
Nach einem Marsche von sieben Tagen langte Pizarro in dem
wohlangebauten Thale von Cajamarca an, welches sich bei einer Höhenlage
von 2860 Meter eines angenehmen, kühlen Klimas erfreut. Fruchtbare
Ackerfelder und blühende Gärten zogen sich das Thal entlang. In
der Ferne sah man die Dampfsäulen der warmen Bäder von Pultamarca,
Schwefelquellen von 55° R., aufsteigen, welche noch heute den Namen der
Inkabäder führen und wo Atahuallpa zu baden pflegte. Am Bergabhange
davor breitete sich die Zeltstadt des peruanischen Lagers, welches
40,000 Mann zählte, aus. Pizarro zog in die kleine, menschenleere
Stadt ein, welche mit einer festen und hohen Mauer umschlossen war,
und besetzte am 15. November den Marktplatz. Dann untersuchte er die
Verhältnisse der Stadt, um eine feste Stellung für sein Lager zu
ermitteln, damit er nicht unerwartet überfallen werden könnte. Soto,
welcher schon vorher einen kühnen Kundschafterritt ausgeführt hatte,
ritt darauf mit 20 andern Reitern als Gesandtschaft in das Lager des
Inka hinüber und jagte die letzte Strecke bis an den Bach, welcher sie
noch vom Lagerplatze trennte, im Galopp vor, um seine Reiterkünste zu
zeigen und die Indianer durch die Erscheinung der schnaubenden Rosse
zu erschrecken. Der Inka befand sich im Hofe des Palastes, von seinem
Gefolge umgeben. Von einem Thronsessel aus sah er hinter einem zarten
durchsichtigen Schleier, den zwei Frauen vor ihm hielten, damit er
nach Landessitte nicht von jedem unberufenen Auge beobachtet werde,
die Spanier sich nähern. Als Soto heransprengte, befahl Atahuallpa den
Schleier zu senken.[441] Dann trat Hernando Pizarro vor und hielt durch
den Mund des Dolmetschers eine Ansprache an den König, worin er sich
als Abgesandten eines mächtigen Monarchen bezeichnete und sich erbot,
die Peruaner im wahren Glauben zu unterrichten.
Der Inka schwieg auf diese Worte, nur einer seiner ersten Beamten
erwiderte: „Es ist gut.“ Pizarro begann von neuem und bat den
Fürsten, die Spanier in ihrem Lager zu besuchen. Atahuallpa sagte
für den nächsten Tag, nach Beendigung der Fastenzeit, den Besuch zu.
Inzwischen möchten die Spanier sich in den Staatsgebäuden von Cajamarca
einrichten. Dann verabschiedete er die fremden Gäste.
Die glänzende Erscheinung des Inka mit seinem Hofstaat, die fast
göttliche Verehrung, die seine Umgebung dem Herrscher zollte, der
Eindruck der Machtfülle und unumschränkten Gewalt über bedeutende
Heereskräfte, die den Spaniern bei dieser Audienz fühlbar wurden --
alles das ließ die Absichten derselben höchst gewagt erscheinen. Man
konnte sich unmöglich auf einen vorbereiteten, regelrechten Kampf
mit dem peruanischen Heere einlassen, welches die kleine Schar der
verwegenen Abenteurer mühelos schien erdrücken zu können. Das einzige
Mittel, sich der höchsten Gewalt zu bemächtigen und den Widerstand zu
lähmen, schien sich in der unerwarteten Gefangennehmung des Inka zu
bieten. Und zu diesem Handstreich erklärte sich auf Pizarro’s Vorschlag
der zusammenberufene Rath seiner Officiere bereit. Am nächsten Abend
erschien Atahuallpa, von Edelleuten auf einem Sessel getragen, mit
großem Gefolge und 5000 Mann erlesener Truppen vor der Stadt, wo er
sein Lager aufschlagen wollte. Auf die Einladung Pizarro’s, daß alles
zu seinem Empfang bereit sei, rückte er arglos und auf seine Macht
vertrauend bis auf den großen Platz von Cajamarca. Kein Spanier war zu
sehen, man wollte den Muth der Indianer nicht durch den Anblick der
kleinen Anzahl der Fremdlinge steigern. Aber im Geheimen war jeder auf
den Schlag vorbereitet und in Waffen, die Pferde standen gesattelt in
den Höfen; die beiden Feldgeschütze waren auf den Platz gerichtet.
Zwanzig entschlossene Soldaten hatten den Auftrag, den Inka im Auge zu
behalten und sich seiner Person zu bemächtigen.
Als der Inka auf dem Platze hielt, trat zuerst der Dominicaner Vincente
de Valverde (später Bischof von Cuzco) mit Kreuz und Brevier hervor
und trug in kurzen Worten dem Könige den Inhalt der christlichen
Glaubenslehre vor, von der Schöpfung und dem Sündenfall bis auf
Christus, welcher alle Macht auf Erden seinem Apostel Petrus und dessen
Nachfolgern, den Päpsten übergeben habe. Der Papst in Rom habe alle
Länder unter die christlichen Fürsten vertheilt und dem Könige Karl
die neue Welt überwiesen, damit alle Völker zum christlichen Glauben
bekehrt und getauft würden. Atahuallpa verstand, daß in diesen letzten
Aeußerungen ein bestimmter Angriff auf seine Hoheitsrechte enthalten
sei und erklärte ruhig: Er wisse von Christus und Sanct Peter nichts,
die Sonne gelte als höchste Gottheit, und er habe sein Land von seinen
Vätern ererbt. Als der Geistliche darauf erwiderte: alles, was er
gesagt, sei in der Heiligen Schrift von Gott selbst verkündet, nahm
der Inka das Buch, blätterte darin und warf es mit den Worten: „Das
Buch sagt nichts“, verächtlich auf den Boden. Ob, durch diese Schändung
des göttlichen Wortes empört, der Geistliche die Spanier mit dem Rufe:
„Auf sie!“ zum Losbrechen ermuntert und ihnen für den Verrath sogar
Absolution ertheilt habe, ist nicht sicher festzustellen, da die
Augenzeugen und ältesten Geschichtsschreiber über den raschen Verlauf
des Gesprächs verschieden berichten. Doch gab Pizarro, da der Ueberfall
geplant war, unmittelbar darauf das Signal zum Angriff, welcher durch
die verächtliche Behandlung des Priesters und der Heiligen Schrift am
einfachsten sich entschuldigen ließ. So wie die Trompeten erklangen und
die Geschütze von der Festung erdröhnten, brachen die Spanier, Fußvolk
und Reiter, aus dem Versteck hervor und fielen über die Indianer her.
Ein heftiger Kampf entbrannte um den Inka, welcher von seinem Sessel zu
Boden gestürzt und gefangen genommen wurde. 2000 Peruaner wurden auf
dem Platze niedergehauen, die übrigen flüchteten.
Am nächsten Tage wurde das große Heer des Königs ohne Mühe zerstreut,
da sie keinen Widerstand leisteten; viele Vornehme wurden zu Gefangenen
gemacht und die Inkabäder geplündert. Dann schickte Pizarro Eilboten
nach San Miguel, um Verstärkungen heranzuziehen, denn ohne dieselben
wagte er doch nicht gegen die Hauptstadt aufzubrechen. Um seine
Freiheit wieder zu erlangen und um zu verhindern, daß nicht Huascar von
den Spaniern wieder auf den Thron gehoben würde, erbot sich Atahuallpa
zu einem hohen Lösegelde. Er wollte das Zimmer, in welchem er gefangen
gehalten wurde -- dasselbe war 22 Fuß lang und 17 Fuß breit -- mit
Gold füllen lassen, so hoch ein Mann mit der Hand reichen könne.
Pizarro nahm dieses Gebot begierig an, der weiße Strich wurde 9 Fuß
hoch an der Wand ringsum gezogen. Der Inka verlangte zur Erfüllung
seines Versprechens eine Frist von zwei Monaten.
[Illustration: Das Haus Atahuallpa’s bei Cajamarca, in welchem der Inka
von Pizarro gefangen gehalten wurde.]
Die Schätze der Sonnentempel von Cuzco, Huaylas (9° s. Br.), Huamachuco
(östlich von Trujillo) und Pachacamac (südöstlich von Lima) wurden zu
dem Zwecke herbeigetragen. Der Inka wurde indessen bewacht, aber nicht
gefesselt, er war von seinem Gefolge umgeben und bedient und konnte mit
dem Volke verkehren. Er erfuhr, daß sein Bruder Huascar sich ebenfalls
an Pizarro gewendet, und daß dieser eine Zusammenkunft mit demselben
beabsichtigte, um dessen Ansprüche kennen zu lernen und danach den
Thronstreit zu entscheiden. Da gab Atahuallpa den Befehl, seinen Bruder
zu beseitigen. Derselbe wurde entweder im Fluß von Andramarca ertränkt
oder erst erdrosselt und der Leichnam dann ins Wasser geworfen. Wenn
nun auch der gefangene Inka die Schuld an dem Brudermorde ableugnete,
so wurde ihm derselbe doch zur Last gelegt und bildete ein wichtiges
Motiv für seine spätere Hinrichtung.
Der Widerstand des Volks war vorläufig ganz gebrochen, so daß die
Spanier ohne Schwierigkeit das Land bereisen konnten. So zog Hernando
Pizarro mit Fußvolk und Reitern nach dem Tempel von Pachacamac. Der
Marsch ging anfangs auf der Reichsstraße und dann von Pachicoto ab nach
der Küste hinunter. Das Fußvolk setzte auf Balsas über die Flüsse, die
Pferde schwammen hinüber. Die Indianer waren ihnen dabei behülflich.
Dann marschirten sie weiter über die Stätte von Ancon und von dem
später erbauten Lima, überall gastlich aufgenommen, bis sie im Februar
1533 nach Pachacamac[442] kamen, wo Pizarro mit Gewalt in den Tempel
drang, das Götzenbild zerstörte und ein Kreuz an seine Stelle setzte.
Dann ging Hernando Pizarro im Anfang März auf demselben Wege bis Huara
zurück, wandte sich von hier ins Innere, erreichte in Cajatambo die
große Straße und marschirte über Tarma nach Janja (östlich von Lima),
wo damals Chalcuchima mit ansehnlicher Truppenmacht stand. Dem Beispiel
seines Bruders folgend, faßte er den Plan, den peruanischen Feldherrn
inmitten seines Heeres gefangen zu nehmen und gab dazu den beiden
Hauptleuten Soto und Pedro del Barco den Befehl; aber der Peruaner ging
freiwillig mit nach Cajamarca.
Noch weiter nach Süden drangen die beiden Spanier Martin Bueno und
Pedro Martin de Moguer, die mit Geleitsbriefen des Inka und unter der
Führung eines peruanischen Edelmanns, von indianischen Trägern auf
das bequemste befördert, nach Cuzco reisten. Nach ihrer Rückkehr, im
Sommer 1533, berichteten sie von dem buchstäblich mit Goldplatten
belegten Sonnentempel, einem quadratischen Gebäude, dessen Seiten je
350 Schritt lang waren. Siebenhundert Goldplatten, dazu Gefäße und
Schmuck in den verschiedensten Formen nahmen die Spanier mit sich fort
und erschienen, indem sie auch auf dem Rückweg die zum Lösegeld für
den gefangenen Fürsten dienende Beute noch vermehrten, endlich mit 200
Ladungen Gold, 25 Ladungen Silber und 60 Ladungen geringeren Goldes in
Cajamarca. Hier wurde der unermeßliche Schatz, wie er bisher in den
neuen Ländern noch nicht gesehen war, getheilt, der königliche Antheil
(ein Fünftel), darunter die kostbarsten Goldarbeiten, ausgesondert
und durch Hernando Pizarro persönlich nach Spanien überbracht. Der
königliche Quint betrug 262,259 Pesos in Gold und 10,121 Mark Silber.
Jeder Reiter erhielt 8880 Pesos in Gold und 262 Mark Silber.[443] Etwa
fünf Wochen nach der Gefangennahme Atahuallpa’s kamen Boten von San
Miguel mit der erfreulichen Meldung an Pizarro, daß sechs Schiffe mit
Mannschaften angelangt seien und zwar drei große Schiffe unter Almagro
und Ruiz mit 120 Mann und drei kleine Caravelen von Nicaragua mit 30
Mann und dazu mit 84 Pferden. Am Abend vor Ostern, am 14. April 1533,
rückten diese Truppen, welche die Macht Pizarro’s verdoppelten, unter
der Führung Almagro’s in Cajamarca ein. Der Inka forderte nun, nachdem
das Lösegeld gezahlt und angenommen war, seine Freiheit; aber Pizarro
gab sie nicht, angeblich, weil allerlei dunkle Gerüchte von Erhebungen
und Heeresansammlungen der peruanischen Partei einliefen. De Soto wurde
auf Kundschaft ausgeschickt, fand aber das ganze Volk ruhig. Trotzdem
sollte Atahuallpa als Verräther gerichtet werden. Umsonst protestirten
Soto und zwölf andere Spanier gegen die Verurtheilung des Inka, nur
der König von Spanien könne über einen Fürsten zu Gericht sitzen,
alles Gerede von Aufständen der Indianer sei falsch und grundlos.
Trotzdem setzte Pizarro das Bluturtheil durch. Am 29. August 1533 wurde
Atahuallpa gefesselt auf den Marktplatz geführt, um als Thronräuber,
Brudermörder, Gotteslästerer verbrannt zu werden. Da er sich vorher
zur Annahme der Taufe bequemte, wurde er zum Erdrosseln begnadigt und
dann auf dem Friedhofe der Stadt beerdigt. Dieser Schandfleck in der
Geschichte der Eroberung Peru’s, der sich nur aus der unersättlichen
Goldgier erklären läßt, bildete den Anfang des großen Räuberdramas, in
welchem alle Hauptpersonen gewaltsam ums Leben kamen. Atahuallpa war
ein schöner stattlicher Mann; aber aus seinen feurigen Augen leuchtete
eine Wildheit, vor welcher die Seinen erbebten. Als der Häuptling
von Guailas ihn in seiner Gefangenschaft besuchte, um ihm Geschenke
darzubringen, zitterte derselbe, wie Pedro Pizarro berichtet, der dabei
stand, am ganzen Leib so gewaltig, daß er sich kaum auf den Beinen
halten konnte. Der Inka hob den Kopf ein wenig, lächelte und gab dem
Häuptling ein Zeichen, daß er sich entfernen könne. „Ich habe in ganz
Peru,“ schließt Pizarro seine Schilderung des Fürsten, „keinen Indianer
gesehen, der dem Atahuallpa an Wildheit und Ansehen gleich käme.“[444]
Francisco Pizarro ernannte nun einen Nachfolger des Inka in der Person
des Toparca (oder Tubalipa), eines Bruders des Huascar, um in dessen
Namen bequemer die Indianer beherrschen zu können; aber derselbe starb
schon nach einigen Monaten, vielleicht, wie von einem Historiker
berichtet wird, von Chalcuchima vergiftet.
Im September brach Pizarro mit einem Heere von 500 Mann nach Cuzco
auf. Die nach dem Tode Atahuallpa’s unruhig gewordenen Peruaner
hatten die Dörfer an der Straße verbrannt, die Brücken zerstört und
schienen entschlossen, den fremden Eindringlingen den Weg zu ihrer
Hauptstadt versperren zu wollen. Soto ging wieder mit 60 Reitern
voraus, wurde aber in einem Gebirgspasse in einen ungleichen Kampf
verwickelt, aus welchem ihn der nacheilende Almagro befreien mußte. Der
Feldherr Chalcuchima, den man des Einverständnisses mit den Feinden
beschuldigte, wurde vor Cuzco verbrannt. Dann hielt Pizarro im November
seinen Einzug in die Hauptstadt, welche damals 200,000 Einwohner
zählte und viele herrliche Gebäude umfaßte. Indes wurden die alten
Paläste und Tempel bald zerstört und aus ihren Trümmern neue Gebäude
in europäischer Art aufgeführt. Auf den Grundmauern des Tempels der
Sonnenjungfrauen steht jetzt das Kloster Santa Catalina. Was sich an
Gold und Edelsteinen noch vorfand, wurde unter die Eroberer getheilt,
selbst die Inkamumien wurden ihres Schmuckes und ihrer Juwelen beraubt.
Ein neuer Inka aus königlichem Stamme, Namens Manco, wurde gewählt und
erhielt die königliche Kopfbinde aus der Hand Pizarro’s, er erkannte
damit die Oberherrlichkeit Spaniens an. Manche der Gefährten Pizarro’s
ließen sich in Cuzco nieder und wurden mit Häusern und Staatsländereien
beschenkt.
Während Pizarro sich in Cuzco aufhielt, hatte sich im Norden ein Rivale
eingefunden, +Pedro de Alvarado+, der Eroberer Guatemala’s, welcher,
nachdem er von den Erfolgen Pizarro’s gehört, das Königreich Quito zu
erobern beschloß in dem Glauben, dasselbe gehöre nicht zum peruanischen
Staate, also auch nicht zu dem Pizarro überwiesenen Bereiche. Eine
nach den Molukken bestimmte Flotte brachte ihn im März 1534 mit 500
Mann nach der Bucht von Caracas, westlich von Quito. Von der Küste
marschirte er über die beschneiten Hochpässe, verlor aber dabei viel
Mannschaft, ehe er Riobamba erreichte. Hier mußte er leider aus
deutlich sichtbaren Pferdespuren schließen, daß ihm ein anderer Spanier
in der Besetzung des Landes zuvorgekommen war. Es war +Benalcazar+,
welchen Pizarro zum Commandanten von San Miguel eingesetzt hatte. Als
man ihm von den vermeintlichen Schätzen Quito’s erzählte, brach er
auf eigne Verantwortung mit 140 Mann dahin auf und erreichte, weil er
bequemere Wege fand als Alvarado, auf der Straße über Riobamba eher das
Ziel.
Unterdessen war aber die Kunde von dem Einbruche Alvarado’s auch
nach Cuzco gedrungen, und Almagro machte sich sofort mit Truppen
auf den Marsch, um den Eindringling zurückzuweisen. Nachdem er sich
mit Benalcazar vereinigt hatte, stellte er sich bei Riobamba dem
Statthalter von Guatemala entgegen, welcher sich, um dem unerwarteten
Kampfe auszuweichen, zu einem Vertrage herbeiließ, für eine Summe von
100,000 Pesos Flotte und Heer sammt allen Vorräthen und Kriegsmaterial
seinen Gegnern überließ und nach Guatemala zurückkehrte, während seine
Truppen bereitwillig unter die Fahnen Almagro’s traten.
[Illustration: Sacsahuaman: Ruinen der alten Inkafestung bei Cuzco.]
Im Januar 1535 gründete Pizarro die neue Hauptstadt Ciudad de los
Reyes (heilige Dreikönigsstadt, nach dem Tage der Gründung) am Ufer
des Rimac; aber sie wurde bald allgemein Lima (verstümmelt aus Rimac)
genannt.