+Francisco Pizarro+, welcher wie (S. 424) erwähnt ist, die Pläne
Andagoya’s aufnahm, suchte, da es ihm selbst an Mitteln fehlte,
Genossen, welche ihn einerseits durch Geldmittel, andererseits durch
ihren kräftigen Arm unterstützten. Erstere fand er durch Vermittlung
eines klugen und gewandten Geistlichen, +Fernando de Luque+ in Panama,
welcher ihm auch die Bewilligung des Statthalters für seine Pläne
erwirkte, letzteren bot ihm +Diego de Almagro+, ein Mann von dunkler
Herkunft, der als Kind an einer Kirchenthür ausgesetzt gefunden
worden sein soll.[437] In der Heimat hatte er nichts zu erwarten, in
der neuen Welt hoffte er sich eine Stellung zu erringen. Er war ein
vortrefflicher Soldat und ein so ausgezeichneter Fußgänger, daß er im
dichtesten Bergwalde die Spur eines Indianers verfolgen und denselben
einholen konnte, wenn derselbe auch eine Meile Vorsprung hatte.[438]
Tapfer und graden Herzens war er ein Feind aller Schleichwege und
Intriguen, doch wußte er seine Leidenschaftlichkeit nicht immer zu
beherrschen. Pizarro rüstete zwei Schiffe zu 40 und 70 Tonnen Gehalt
nebst einer kleinen Brigantine aus, und Almagro warb als Mannschaft
112 Spanier. Es war die Verabredung getroffen, daß Pizarro vorausgehen
und Almagro ihm folgen solle, während de Luque durch sein Amt an der
Kirche (~clerigo presbitero, vicario de la santa iglesia~) in Panama
zurückgehalten wurde und von hier aus die Unternehmung zu fördern hatte.
Altperuanische Mumien, aus dem Todtenfelde zu Ancon.
1. =Mit einem reichen Prachtgewande bekleidete Mumie.= Allem
Anscheine nach ist dies die Mumie eines in hohem Range
Verstorbenen, denn sie zeichnet sich durch die Bestattung selbst,
wie auch durch die reiche Bekleidung des Mumienballens aus. Der
letztere enthält nämlich nicht, wie sonst, den vollständigen
Körper, sondern nur die zu einem Bündelchen zusammengeschnürten
Knochen desselben. Der Mumienballen, dessen +Vorder+ansicht unsere
Abbildung zeigt, ist mit grobem Baumwollenzeug überspannt und
seine Form ist so, daß sie dem darüber gezogenen Prachtgewand
völlig entspricht. Dasselbe ist von seinem Wollenstoff und in zwei
Stücken gewebt; die Farbe der beiden breiten helleren Streifen
ist goldgelb, das übrige purpurroth. Die Streifen sind mit vielen
Figuren, die ein farbenprächtiges Muster bilden, reich verziert.
Der Kopf ist imitirt und mit einem blau-, roth- und goldfarbigen
Tuche umwunden. Unter letzterem befindet sich eine Tendema (s.
Abbildung dieser Kopfbedeckung auf der Tafel „Altperuanische
Geräthschaften“). Unter derselben dringen die langen, in viele
Zöpfe geflochtenen Haare einer dem falschen Kopfe aufgesetzten
Perrücke hervor. Diese Mumie befand sich in einem Grabe mit
noch zwei anderen, aber ärmlich ausgestatteten und umgeben von
mancherlei Geräthen, von denen ein Arbeitskörbchen auf unserer
Abbildung sichtbar ist. Die größte Breite dieser Mumie ist 1 Meter;
ihre größte Höhe 76 Centimeter.
2. =Seitenansicht einer Mumie in gewöhnlicher Ausstattung.= Die
mehrfache Umhüllung birgt die Leiche eines Erwachsenen in hockender
Stellung und auf deren Kopfe ein kleines mit Tüchern umwickeltes
Kind. Der hier als Kopf sichtbare Aufsatz umschließt nicht den
wirklichen Kopf, sondern ist ein Gebilde aus Kissen, einer Perrücke
und einer rohen roth bemalten Gesichtsform. Der Mumienballen
ist mit Stricken fest umwunden: die vier starken aus Riedgras
geflochtenen Seile haben zum vorsichtigen Versenken der Mumie
gedient. Größte Höhe 142 Centimeter; Schulterbreite 1 Meter, Umfang
280 Centimeter.
3. =Durchschnitt einer einfachen Mumie.= Diese Abbildung zeigt,
wie der im Innersten des Mumienballens sitzende Todte mit den
verschiedenen Hüllen umgeben worden ist.
In den meisten der Mumien finden sich Armspangen, Halsbänder,
Fingerringe und schöner Kopfputz, mit welchen der Todte geschmückt
worden ist.
[Illustration: Altperuanische Mumien aus dem Todtenfelde zu Ancon.]
Am 14. November 1524 segelte Pizarro mit zwei Schiffen ab und landete
an der mit Sumpfwald bedeckten Küste am Flüßchen Biru. Von Sturm und
Ungewitter wurden die Schiffe auf der See hart betroffen. Das eine
Fahrzeug unter Montenegro ging nach Panama zurück, während Pizarro
mit einem Theil der Mannschaft zurückblieb und allem Ungemach Trotz
bot; denn er fühlte recht wohl, daß mit seiner erfolglosen Rückkehr
das Unternehmen für immer begraben werde. Siebenundvierzig Tage harrte
er in einem Hafen aus, welcher, da die Spanier in ihrer Noth sogar
gegerbtes Leder kochen und verspeisen mußten, den Namen Hungerhafen
erhielt. Mehrere Soldaten waren bereits gestorben, als man in der
Nähe der Küste ein indianisches Dorf entdeckte, wo man etwas Mais und
Cacao fand. Als dann das nach Panama entsendete Schiff neue Zufuhr
brachte, ging Pizarro weiter nach Süden, überfiel dort eine auf einem
Hügel gelegene und mit Pfahlwerk befestigte Stadt, fand dieselbe aber
von ihren Einwohnern bereits verlassen. Bei einem weitern Streifzuge
in der Umgebung wurde er von den Indianern überfallen, verlor fünf
Leute im Gefecht und wurde selbst mehrfach verwundet. Da er sich zu
schwach fühlte, den Kampf fortzusetzen, so kehrte er nun nach Panama
zurück, um Almagro sich zur Hilfe zu holen. Dieser war indessen, ohne
Pizarro anzutreffen oder Zeichen seiner Anwesenheit (Einschnitte an
den Bäumen) zu finden, bis zum 4° n. Br. vorgedrungen, bis zum Rio de
San Juan. Obwohl er in der Nähe des Orts, wo bereits Pizarro einen
Kampf bestanden, gleichfalls von den Indianern angegriffen wurde und in
folge einer im Gefecht erlittenen Kopfwunde ein Auge verloren hatte,
ließ er sich doch nicht abhalten noch weiter zu steuern, bis er immer
deutlichere Beweise von der Nähe eines großen und goldreichen Staates
vor sich sah. Dann trat auch er den Rückweg an, weil er über das
Schicksal seiner Genossen völlig in Ungewißheit war.
In Panama wurde nun am 10. März 1526 zwischen den drei Unternehmern
Pizarro, Almagro und Luque ein förmlicher Vertrag über die Eroberung
Peru’s aufgesetzt. De Luque schoß dazu wieder eine bedeutende Geldsumme
(20,000 Pesos in Gold) vor, und erhielt dafür Anspruch auf ein Drittel
des erbeuteten Goldes und eroberten Landes. Für Almagro und Pizarro,
welche nicht einmal ihren Namen schreiben konnten, beglaubigten zwei
spanische Ansiedler in Panama und ein Notar den Vertrag.
So konnte im Frühjahr 1526 auf zwei Schiffen unter der Führung des
Piloten +Bartolomeo Ruiz+ aus Moguer bei Palos und mit 160 Mann ein
zweiter Zug unternommen werden. In einem Indianerdorfe an der Mündung
des San-Juanflusses wurde etwas Gold erbeutet. Um noch mehr Leute zu
werben, mußte Almagro mit diesem Lockmittel noch einmal nach Panama
zurückkehren, während Pizarro in der Nähe des Flusses blieb.
Ruiz kundschaftete indessen die weiter südlich gelegenen Küsten aus;
berührte die Insel Gallo in der Bucht von Tumaco (2° n. Br.), die
Bai von S. Mateo (1° 30′ n. Br.) und erreichte endlich den Aequator.
Jenseit des Cap Passado (1° s. Br.) traf er mit einer peruanischen
Balsa (einem Floß mit Segeln) aus der Stadt Tumbez (3½° s. Br.)
zusammen. Sein Erstaunen wuchs, als er bei dieser Gelegenheit die
schön gewebten Stoffe, die farbigen Muster prüfen konnte und genauere
Nachrichten von dem Inkareiche erhielt. Mit dieser günstigen Kunde
ging der Pilot zu Pizarro zurück, und als sich auch Almagro mit 80 neu
angeworbenen Leuten einfand, rückte die ganze Schar bis zur Insel Gallo
vor. Die Spuren zunehmender Kultur traten, je weiter gegen Süden, um
so deutlicher hervor. An einer Stelle der Küste, wo man landen wollte,
sammelte sich alsbald ein Heer von 10,000 Kriegern, mit denen man den
Kampf nicht aufzunehmen wagte. Auf Gallo, wohin man zurückging, theilte
sich die Expedition. Almagro segelte mit dem einen Schiffe nach Panama,
das andere blieb vorläufig bei Pizarro zurück. Doch da dieser sah, daß
sich unter seinen Gefährten noch mancher Zaghafte befand, welcher die
Kühneren hätte entmuthigen und zum Abfall bestimmen können, so beschloß
der verwegene Capitän, auch das letzte Schiff mit der unzuverlässigen
Mannschaft nach der Landenge zurückzusenden, und blieb, auf bessere
Tage hoffend und seinem Stern vertrauend, auf der kleinen Küsteninsel
zurück.
Sobald der Statthalter von Panama von diesem verzweifelten Entschluß
benachrichtigt worden war, sandte er zwei Schiffe ab unter Tafur, mit
dem bestimmten Befehl an Pizarro, zurückzukehren, da das aussichtslose
Unternehmen nur vergebliche Opfer an Menschenleben forderte. Pedrarias
war zu diesem Befehl durch einen Brief bestimmt worden, welchen einer
der bei Pizarro zurückgebliebenen Leute in einem auf das letzte Schiff
verladenen Baumwollenballen versteckt hatte, und in welchem die
traurige Lage der Abenteurer auf Gallo drastisch beleuchtet war.
Mit den Schiffen Tafur’s hatten aber Almagro und de Luque ermuthigende
Briefe an Pizarro gesandt, welche diesen aufforderten, auszuharren, da
sie ihm bald Hilfe senden würden. Pizarro und sein Pilot Ruiz weigerten
sich daher, nach Panama zurückzukehren. Der Capitän rief, als Tafur
den Befehl des Statthalters verkündigt hatte, seine Leute zusammen
und zog mit dem Schwert eine Linie in den Sand von Osten nach Westen:
„Hier,“ sprach er, nach Süden weisend, „liegt Peru mit seinen Schätzen,
dort Panama mit seiner Armuth. Wählt! Ich gehe nach Süden.“ Und damit
überschritt er die gezogene Linie. Außer dem treuen Piloten folgten ihm
noch 12 andere entschlossene Männer. Ihre Namen haben die spanischen
Geschichtsschreiber uns aufbewahrt; denn ihre Entscheidung bestimmte
das Loos Pizarro’s und Peru’s. Nur bis zu der 15 Meilen nördlicheren
und etwas größeren Insel Gorgona, welche in Wald und Wasser
Nahrungsmittel bot, wich Pizarro vorläufig zurück und hielt sich dort
sechs bis sieben Monate, bis Almagro ihm in einem kleinen Schiff wenig
neue Mannschaft zuführen konnte. Somit fand Pizarro wieder Gelegenheit,
noch einmal weiter nach Süden vorzugehen, bis sie am südlichen Gestade
der Bai von Guayaquil die peruanische Stadt Tumbez erreichten. Die
Natur der Küste änderte sich hier, statt der fieberschwangeren
Sumpfwälder lag hier ein trockner, gesunder Sandstrand vor ihnen.
Die Stadt, von drei Mauerringen umgeben, war der bedeutendste Ort
im Norden des peruanischen Reiches. Der Tempel war mit goldenen und
silbernen Platten belegt. Der Verkehr mit den Eingeborenen gestaltete
sich friedlich. Der Spanier Molina und der griechische Ritter Pedro
de Candia, in voller Rüstung, begaben sich ans Land auf Kundschaft,
und letzterer zeigte den erschreckten Eingeborenen, indem er mit einer
Hakenbüchse nach einem gesteckten Ziele schoß, die Wirkung europäischer
Waffen. Dann wurde die Fahrt nach Süden weiter fortgesetzt, am Cap
Blanco (4° 17′ s. Br.), welches nur wenige Meilen nördlich von dem
äußersten, westlichen Vorsprunge von Südamerika, der 16 Meter hohen
Punta Pariña, gelegen ist, begann die Küste höher zu werden; aber
sie bot keinen Hafen bis Santa (9° s. Br.), wo der größte unter den
Bergströmen Peru’s mündet. Bis hieher kam Pizarro. Er hatte genug
von dem großen Reiche gesehen, um zu wissen, von welcher Bedeutung
sein Besitz für Spanien werden könne, aber auch, um zu erkennen, daß
die Eroberung nur ausführbar sei, wenn die Krone ihn zu derselben
autorisire und ihn unterstütze.
[Illustration: ~Zur Entdeckung von PERU durch Pizarro~]
Kaum war er darum nach Panama zurückgekehrt, als er sich schon auf den
Weg machte nach Spanien, denn der Statthalter von Panama versagte ihm
die erforderlichen Mittel. Er nahm die von Ruiz gezeichneten Karten,
deren Inhalt sich auf der +Weltkarte Ribero’s+ vom Jahre 1529 zum
erstenmale wiedergegeben findet, mit sich, um dem Könige die große
Ausdehnung Peru’s zeigen zu können.
Bei seiner Landung in Sevilla wurde er zwar auf Antrag des Baccalaureus
Enciso, welcher von der Ansiedlung an der Küste von Darien her noch
Geldansprüche an ihn zu erheben hatte, gefangen gesetzt, allein auf
Befehl der Regierung, welche bereits von dem Zweck seiner Botschaft
wußte, in Freiheit gesetzt.
Pizarro traf den König Karl in Toledo, dort legte er ihm die
Erzeugnisse des peruanischen Gewerbfleißes und goldenen Schmuck vor und
erregte namentlich durch das mitgebrachte Lama Aufsehen.
Karl empfahl die Angelegenheit dem indischen Rathe, und so konnte
Pizarro am 26. Juli 1529 mit der Krone (die Königin unterzeichnete
im Namen des abwesenden Monarchen) zugleich im Namen Almagro’s und
de Luque’s, einen Vertrag abschließen, wonach Pizarro selbst zum
Adelantado von Peru, sein Waffengefährte zum Commandanten von Tumbez
und der Pfarrer von Panama zum Bischof dieser nördlichsten Stadt
Peru’s ernannt wurde. Ruiz wurde zum Oberpiloten der Südsee erhoben.
Zugleich erhielten alle einen ihrem Range entsprechenden Gehalt aus den
Einkünften von Peru angewiesen. Die zwölf treuen Genossen von der Insel
Gorgona wurden zu Edelleuten (~hijosdalgo~) erklärt. Die materielle
Unterstützung, welche die Regierung dem Unternehmen angedeihen ließ,
bestand nur in Geschütz und anderem Kriegsbedarf, sowie in Pferden,
welche von Jamaica entnommen werden sollten.
[Illustration: _G. Grote’sche Verlagsbuchhandlung in Berlin._
_Geogr.-artist. Inst. v. Runge u. Glöckner, Leipzig._]
Im Januar 1530 ging Pizarro von San Lucar aus mit drei Schiffen
und mit Truppen in See nach Nombre de Dios. Da seine Expedition nun
unter die staatlich autorisirten zählte, fehlte es weder an Mitteln
noch an Mannschaft. Seine drei Brüder, Hernando, Juan und Gonzalo
begleiteten ihn.[439] Almagro fühlte sich zurückgesetzt, daß Pizarro
in dem Vertrage mit der Regierung ihn nicht, wie verabredet worden,
zu seinem Stellvertreter, sondern nur zum Befehlshaber in einer Stadt
hatte ernennen lassen; aber Pizarro suchte ihn durch die Erklärung
zu beruhigen, daß die Regierung so entschieden habe. Damit gab sich
zwar Almagro zufrieden, allein es war doch in diesem bedeutenden
Rangunterschiede der Keim der Eifersucht gepflanzt, welcher für beide
Theile zu einem tragischen Ausgange führte.