14. Schleuder mit einem zur Unterlage des zu werfenden Steines
dienenden Geflecht; am linken Ende die Fingerschleife. Die
Schleudern wurden meist aus den Fasern der Agave, und aus Wolle und
Baumwolle gemacht, doch auch aus Menschenhaaren; 192 ~cm~ lang.
15. Schleuder, zum Theil aus Menschenhaaren gefertigt, mit steifem
Mittelstück, zur Aufnahme des Steines; 140 ~cm~ lang. (Die
Schleudern wurden häufig auch als Kopfbinden benutzt.)
16. Bruchstück eines Trinkkruges, aus feinem Thone gefertigt
(schwarz), eine wassertragende Indianerin darstellend. Dieselbe
trägt als Schutz gegen die Sonne ein Tuch über dem Kopf; größte
Höhe 21 ~cm~.
17. Krug aus Thon mit konischem Boden, tief angesetzten Henkeln und
oben zum Durchziehen von Schnuren eingebohrten Löchern; 21 ~cm~
hoch.
18. Rothes kannenartiges Thongefäß mit weißer Bemalung; 145 ~mm~
Durchmesser.
19. Flasche aus rothem Thon. Am Halse nach beiden Seiten hin ein
menschliches Gesicht; auf der Wandung ein katzenartiges Thier, über
ihm ein ausgezacktes Bogenornament; 165 ~mm~ hoch.
20. Hellfarbiges Thongefäß den Körper eines sitzenden Indianers
nachbildend; die Arme und die im Knie stark gebogenen Beine sind
roh angedeutet. Der Kopf bildet den Hals des Gefäßes. Der Indianer
trägt auf dem Rücken ein Lama, dessen Kopf in unserer Ansicht über
der Schulter sichtbar ist; 225 ~mm~ hoch.
21. Gefäß aus röthlichem Thone. Die Oberfläche ist mit einer dünnen
Lage gelblichen Thones überzogen und darauf die Verzierungen in
violetter Farbe aufgetragen; 25½ ~cm~ hoch.
22. Gesichtsurne. Fast kugelrundes Gefäß, auf welches als Hals ein
menschlicher Kopf aufgesetzt ist, dessen Gesicht einen lachenden
Ausdruck hat und von roh gearbeiteten, als Henkel dienenden Armen
gestützt wird; 18 ~cm~ Durchmesser.
23. Thongefäß mit Abbildungen altperuanischer Krieger (+nicht+ aus
Ancon, sondern aus der Gegend von Trujillo); in Besitz des ~Dr.~
Macedo in Lima. Eine der vollkommensten Leistungen altperuanischer
Keramik. Höhe vom Becken bis zum Helmschmuck der Deckelfigur 28
~cm~.
[Illustration: Altperuanische Geräthschaften aus dem Todtenfelde zu
Ancon.
Das Kriegswesen war ebenso fest und streng geregelt, wie das
bürgerliche Leben. Die Bewaffnung bestand aus Kupferkeulen und
bronzenen Streitäxten, Spieße und Pfeile waren mit Kupferspitzen
versehen. Auch Schleuder und Stein gehörten einer besondern
Waffengattung an. Als Schutzwaffen bediente man sich baumwollner Panzer
und mit Baumwolle gefütterter hölzerner Helme, welche mit Metall und
Edelsteinen bei den Vornehmen geziert waren, während die gemeinen
Soldaten eine Art Turban trugen. Trommeln und Hörner bildeten die
Kriegsmusik. Im Felde lagerten die Truppen unter baumwollenen
Zelten. Die Schleuderer bildeten das Vortreffen, die Keulenmänner und
Axtträger standen im Mitteltreffen. Die Heere waren nach der Kopfzahl
in bestimmte Abtheilungen gegliedert und zählten in großen Kriegen bis
zu 200,000 Mann.
[Illustration: Durchschnitt eines altperuanischen Grabes mit Mumien; im
Todtenfelde von Ancon.]
In keinem Lande der neuen Welt haben die spanischen Eroberer die alte
Kultur in so rücksichtsloser Weise von dem Erdboden vertilgt, wie in
Peru. Fast nur dasjenige, was die Altperuaner zu ihren Todten unter
die Erde gebettet haben, ist uns erhalten, um uns von den gewerblichen
Leistungen und dem Kulturgrade derselben Zeugniß zu geben. Aber das
Kostbarste ist auch hier schon längst durch die habgierigen Hände
der nach Schätzen suchenden und grabenden Conquistadoren vernichtet.
Die Mumien der Könige, welche im Sonnentempel zu Cuzco auf goldenen
Stühlen saßen, sind ihres Schmucks beraubt und zerstört, die steinernen
Erbbegräbnisse der Vornehmen, deren Leichen ebenfalls balsamirt
waren, sind erbrochen und ausgeplündert. Um so willkommner ist die in
vierteljähriger Arbeit durchgeführte Aufdeckung des Todtenfeldes von
Ancon durch Reiß und Stübel, welche uns am besten das bürgerliche Leben
in alter Zeit vergegenwärtigt. Wenn der spanische Historiker Gomara uns
berichtet, daß schon in dem ersten Decennium nach der Eroberung gegen
anderthalb Millionen Indianer ums Leben gekommen seien, dann darf man
wohl mit Recht auf eine früher viel dichtere Bevölkerung des Landes
schließen. Darauf weist auch die ausgedehnte Nekropole von Ancon hin,
welche ein Quadratkilometer Flächenraum an dem völlig öden Strande
besetzt und trotz dieser Ausdehnung -- sie war mit einer Steinmauer
abgeschlossen -- auch außerhalb dieser Umfriedigung stundenweit
noch von Grabreihen umgeben war. In den bis zu sechs Meter tiefen
Grabstätten waren bisweilen mehrere Todte in eine gemeinschaftliche
Gruft gebettet. Der Leichnam wurde in hockender oder kauernder Lage
eng zusammengeschnürt und in einen Sack von grobem Webstoff fest
eingenäht, die Vornehmen waren in farbenprächtige Gewandstücke oder
Tücher und Decken eingehüllt, welche von der Kunst und dem Geschmack
der Bewohner zeugen und ihre Leistungen weit über den Begriff einfacher
Naturvölker erheben. Allerlei Hausrath, wie er täglich in Gebrauch kam,
wurde den Todten mitgegeben, seien es Waffen, Hals- und Arm-Schmuck,
verzierte und bemalte Thongefäße, oder seien es die verschiedensten
zum Spinnen und Weben erforderlichen Geräthschaften und Stoffe, wie
buntfarbige Spindeln und gesponnene Wolle oder Baumwolle oder endlich
allerlei Kinderspielzeuge; alles dieses läßt uns die Anschauung und
Begabung des alten Inkavolkes erkennen; und um so tiefer ist es zu
beklagen, daß diese vielversprechenden Keime einer höheren Gesittung in
schonungsloser Weise zertreten wurden.