Der Name Peru wurde zum erstenmale vernommen, als unter der
Verwaltung des Pedrarias de Avila der Generalaufseher der Indier
Andagoya im Jahre 1522 vom Michaelsgolfe aus an der Landenge von
Panama einen Entdeckungszug an den Küsten nach Süden unternahm und
dabei in eine kleine Landschaft Biru gelangte, von welcher das
weiter südlich gelegene mächtige Inkareich seinen Namen Peru bei den
Europäern erhielt.[432] Er traf in dem dicht bewohnten Lande eine
kriegerische Bevölkerung, drang aber doch in das Land ein und konnte
manche werthvolle Nachricht über den weitern Süden und den dortigen
mächtigen Staat sammeln. Ein Fall aus dem Boot ins Meer, wobei er fast
ertrunken wäre, machte ihn unfähig, seine Entdeckungen weiter südwärts
auszudehnen. Er legte daher die Fortführung der Unternehmung in die
Hände Pizarro’s; allein es verging noch ein Jahr, ehe dieser die Mittel
fand, seine Pläne ins Werk zu setzen. Aber seit dieser Zeit bezeichnete
man alle Fahrten nach Süden mit dem Ausdruck „Expeditionen nach Biru“,
und je weiter sich vor den unermüdlichen Entdeckern die Küste nach
Süden erstreckte, um so größere Ländermassen faßte man unter dem Namen
„Peru“ zusammen.
[Illustration: Das Inkathor bei Cuzco.]
Werfen wir zunächst einen Blick auf den mächtigen und ausgedehnten
Staat, welchen der spanische Abenteurer, nur von wenigen Genossen
unterstützt, zu zertrümmern und zu unterwerfen trachtete.
Auf dem Rücken der Cordilleren, des längsten Kettengebirges der Erde,
im Westen von den Fluten der Südsee bespült und nach Osten sich in
den Schatten unermeßlicher Urwälder verlierend, dehnte sich der Staat
der Peruaner von Neu-Granada oder Columbia bis nach Chile aus. Die
herrschenden Stämme waren die Quechuá und Aymará. Die Küste der Südsee
zeigt wenig Gliederung, besonders in den südlicheren Theilen, aber
während sie im Norden, von Panama bis über den Aequator hinaus, unter
der Wirkung reichlicher Regengüsse mit feuchten Urwäldern bedeckt ist,
über welchen in weiterer Ferne die majestätischen Ketten der Anden
sichtbar werden, nimmt an der Nordgrenze des heutigen Staates Peru
das Gestade einen andern Charakter an und verläuft mit zunehmender
Dürre ungegliedert gegen Südosten. „Dürftig und düster ist die Natur,
die den Reisenden bei dem Anblick des Landes der Sonne und dem Reiche
der Inka’s empfängt, des Landes abschreckende Unfruchtbarkeit scheint
sich schon aus dem einförmigen zwischen Braun und Grau liegenden
Colorit zu ergeben. Ein flaches Land, das nur langsam nach dem Innern
zu sich erhebt, wird durch einen weißlichen Sandstreifen des Gestades
begrenzt. So weit das Auge trägt, ergrünt kein Baum auf den öden,
steinigen Flächen. In größerer Entfernung erheben sich in dem Gewande
einer Dürre, welche diejenige des Vordergrundes noch übertrifft,
die niedrigen Felsberge, welche die ehemalige Grenze des Oceans
bezeichnen.“[433] Eine trübe, schwere Wolkenbank hängt fast beständig
über dem Lande, so daß man selten den Anblick der Cordilleren genießt.
Zerreißt der Flor, dann haben diese Berge, in Stufen einer hinter dem
andern aufsteigend, durch die Oeffnungen der Wolken gesehen, ein sehr
großartiges Ansehen.[434]
Im Küstenlande, zwischen den Cordilleren und dem Ocean, wo der Regen
fast völlig unbekannt ist, ziehen sich, durch sandige Einöden von
einander geschieden, fruchtbare Thäler an den kurzen Gebirgsbächen
von den Höhenkämmen bis an die See hernieder. Das Land zwischen den
parallelen Hochgebirgsketten bezeichnet der Spanier mit dem Namen
Sierra; dasselbe besteht aus weitgedehnten Hochebenen und Weideländern,
welche von reichen, warmen Thälern und Schluchten durchzogen sind,
deren wasserreiche Ströme sämmtlich zum Gebiet des Amazonas gehören.
Inmitten dieses großartigen Gebirgslandes lag die alte nationale
Hauptstadt Cuzco, für die Inkaperuaner der „Nabel“, d. h. der
Mittelpunkt der Welt. Noch weiter im Süden lagert sich in malerischer
Gliederung und im Osten von den Riesen des Hochgebirges überragt,
in einer Höhe von mehr als 3800 Meter der sagenreiche Titicacasee,
welcher an Ausdehnung fast die Größe des Königreichs Sachsen erreicht.
Uebersteigt man von diesen Hochebenen aus die östlichen Ketten der
Anden, dann gelangt man in die Region der tropischen Urwälder, die bis
auf unsere Tage noch wenig erforscht und fast unbekannt geblieben sind.
Das peruanische Reich war durch stete Kriege vergrößert und umfaßte
zahlreiche und verschiedene einheimische Stämme. Die +Aymará+, deren
Sitze sich um den Titicacasee gruppirten, waren wohl das ältere
Kulturvolk, wie die Tolteken in Mexiko. Daher lag auch das alte
nationale Heiligthum auf einer Insel im See. Die merkwürdigsten
Bauwerke der älteren Kulturepoche erhoben sich in der Nähe des Sees.
Die Fürsten der Quechua führten den Titel Inka, als Begründer ihrer
Dynastie gilt Manco Capac, um 1000 n. Chr. Cuzco machte er zu seiner
Residenz, aber auch am heiligen Titicaca erhob sich ein fürstliches
Schloß, Tiahuanaco.
Die frühere Geschichte des Inkareichs ist sagenhaft, ein helleres Licht
fällt erst auf das letzte Jahrhundert vor der Eroberung. Der große
Eroberer Huayna-Capac regirte von 1475 bis 1525, unter ihm erweiterte
sich das Reich besonders nach Norden. Aber gerade von hier, wo die neu
erworbenen Gebietstheile noch nicht fest mit dem Hauptlande verbunden
waren, erfolgte der Angriff der Spanier. Die Zustände waren ähnlich
wie in Mexiko bei dem Einmarsche des Cortes; aber Pizarro gewann um
so leichter das Feld, weil er zu einer Zeit erschien, in welcher die
Söhne Huayna-Capacs, von denen +Huascar+ in Cuzco und +Atahuallpa+
in Quito residirte, mit einander in einen Bruderkrieg verwickelt
waren. Atahuallpa war der Sohn der früheren Fürstin von Quito, welches
von Huayna-Capac unterworfen worden, und mußte daher dem legitimen
Thronfolger Huascar nachstehen. Er hatte trotzdem eine Partei für sich
gewonnen, war gegen seinen Bruder im Felde siegreich gewesen und befand
sich auf der Heimkehr, als die Spanier ihn in Cajamarca erreichten.
Seinen Bruder hatte er gefangen genommen und behauptete augenblicklich
die unumschränkte Obergewalt.
[Illustration: Die Ruinen des Inkaschlosses am Titicacasee.]
[Illustration: Conti am Titicacasee: als Specimen der merkwürdigen
Thorbauten.]
Die Inkas wurden als die Söhne der Sonne bezeichnet, sie rühmten sich
göttlicher Herkunft und genossen einer fast göttlichen Verehrung. Im
ganzen Lande besaßen sie viele Paläste und Residenzen außer in den
beiden Hauptstädten Cuzco und Quito, wie Huanuco, Jauja, Tacanga;
ein Lieblingssitz war Yucay bei Cuzco. Der Palast in der Hauptstadt
war 350 Schritt lang und ganz mit goldenen Ziegeln gedeckt, reich
geschmückt und von großen Gärten umgeben. Die Inkas erschienen in einem
prächtigen, farbenreichen Kostüm, dessen Stoff aus der feinsten Wolle
gewebt und mit Gold und Edelsteinen verziert war. Ein Federstutz am
buntfarbigen Kopftuche war das Abzeichen des höchsten Würdenträgers.
Der religiöse Cultus, von den Aymará bereits ausgebildet, gipfelte in
der Verehrung der Sonne. Daher gab es viele reich mit Gold verzierte
Sonnentempel, in denen auch goldene Götzenbilder errichtet wurden.
Daneben fanden auch die Gestirne und Naturerscheinungen, selbst
Berge und Felsen, Quellen und Ströme eine religiöse Verehrung.
Nach ihrem Tode wurden auch die Inkas unter die Götter versetzt.
Die Priesterschaft nahm den höchsten Rang nächst dem Könige ein,
die Oberpriester stammten aus fürstlichem Geblüt. Eine strenge
Regel ordnete ihr Leben, welches in Zurückgezogenheit auch Fasten
und Bußübungen auferlegte. Die Sonnenjungfrauen, welche gleich den
Vestalinnen das heilige Feuer zu bewachen hatten, lebten klösterlich
in strenger Zucht. Der Opferdienst unterschied sich vortheilhaft von
dem mexikanischen, wenn auch hier in einzelnen Fällen Knaben getödtet
wurden, denen man, wie bei den Azteken, die Brust mit einem Steinmesser
öffnete, um das Herz herauszureißen.
Eine zweite bevorzugte Classe des Volks bildete der Adel, zu welchem
einerseits alle Mitglieder der zahlreichen königlichen Familie und
Verwandtschaft zählten, denen neben einer sie allein auszeichnenden
Tracht auch besondere Vorrechte eingeräumt wurden und die allein auf
die höchsten Staatsämter, als Oberpriester, königliche Räthe und
Befehlshaber im Heere Anspruch hatten; andererseits rechnete man zu
dem Adel die Curacas oder Häuptlinge der unterworfenen und dem Staate
einverleibten Volksstämme, sowie die Nachkommen dieser Caziken.
Die große Menge des gemeinen Volkes entbehrte jeder freien Bewegung,
jeder Selbstbestimmung. Die Berufsthätigkeit erbte in den Familien
stets vom Vater auf den Sohn. Lebensweise und Tracht waren gesetzlich
geregelt. Niemand konnte reich, aber auch niemand arm werden, denn das
ganze Land, welches in Tempelgut, Königsgut und Staatsgut zerfiel,
mußte vom Volke vorschriftmäßig bebaut werden. Die Staatsländereien
wurden jährlich nach der Größe der Familien und Gemeinden neu
ausgetheilt, und aus den Erträgnissen erhielt jede Familie ihren
Lebensbedarf zugewiesen. Darin waren die Peruaner den Azteken in
Bezug auf materielle Kultur voraus, daß sie ein werthvolles Haus-
und Lastthier, das Lama, besaßen; allein die Lamaherden waren
ausschließlich königliches Eigenthum, und von der Wollernte erhielt
jede Familie für die Anfertigung der Kleider ihren Antheil zugemessen.
In gleicher Weise war alles Gold und Silber als Staatsgut erklärt und
fand seine Verwendung fast nur in der Ausschmückung der Tempel und
Paläste. Außer Wolle dienten auch Baumwolle und andere Faserpflanzen
zur Herstellung der Gewänder. Die Männer trugen kurze Röcke, in jeder
Provinz nach vorgeschriebenen Farben; die Frauen lange, hemdenartige
Gewänder, dazu Kopfbinden und Sandalen.
Der Landbau war hoch entwickelt. Man verwendete den Guano als Dünger,
legte die Felder an den Berggehängen terrassenartig an und bewässerte
sie künstlich durch Herbeileitung der Gebirgsbäche. Man baute
Quinoahirse und Mais, Kartoffeln, Bananen und Agaven. Das Blatt des
Cocastrauches wurde, zur Anregung der Nerventhätigkeit, gekaut, Tabak
wurde nur geschnupft, nicht geraucht und diente als Heilmittel. Der
Baumwollenbau wurde namentlich in den warmen Thälern betrieben.
[Illustration: Altperuanisches Gobelingewebe aus dem Todtenfelde von
Ancon.
Das Ornament des Gewebes, aus dessen ganzer Fläche das hier abgebildete
Stück herausgenommen ist, zeichnet in energisch stilisirender Weise
einen mit hohem Schmucke versehenen menschlichen Kopf. Der Grund des
Gewebes ist ein gesättigtes Roth. Das Gesicht ist in der Ansicht von
vorn gezeichnet und in blaßrother Farbe ausgeführt; es wird von einer
grün und gelb gemusterten Borte umgeben, erst außerhalb derselben
stehen die großen Ohren. Die mützenartige Kopfbedeckung ist von
einer blau grundirten Borte umsäumt; über derselben erhebt sich der
schirmartige bunte Kopfschmuck mit sehr mannigfaltig gemusterten
Borten. Die Innenseite der Kopfbedeckung ist in quadratische Felder
getheilt, auf deren dunklem Grund kleine stilisirte Vögel gezeichnet
sind. -- Neben dem Gesichte in der rothen Grundfläche verbliebene
kleinere Räume enthalten kleinere menschliche Figuren und andere
Ornamente. -- Dieses Gewebe ist eins der beachtenswerthesten aller in
Ancon ausgegrabenen: es zeichnet sich durch eine gewisse Großartigkeit
und einheitlichen Charakter der Ornamentirung aus und ist auch in
allen Details sorgfältig und fein ausgeführt. -- Die Kette besteht aus
starken Baumwollenfäden, der Durchschlag aus feinster Wolle.]
Die Gewerbthätigkeit lieferte beachtenswerthe Erzeugnisse. Ohne das
Eisen zu kennen -- denn die Werkzeuge waren aus Kupfer, Bronze oder
Stein -- verstand man doch vorzügliche Metallarbeiten herzustellen,
lieferte lebensgroße Figuren aus Gold, Spiegel von polirtem Metall,
selbst Brennspiegel; die in den schönsten Mustern ausgeführten Gewebe
bekunden den ausgebildeten Farbensinn. Daß man sich sogar auf eine
Art Gobelinweberei verstand, haben die Ausgrabungen von Stübel und
Reiß auf dem Todtenfelde von Ancon, an der Küste nördlich von Lima,
bewiesen.[435]
[Illustration: Sculptur am Inkathor bei Cuzco.]
Der Hausbau richtete sich nach der Verschiedenartigkeit des Klimas.
Im regenlosen Littoral baute man mit Luftziegeln (Adoba) und setzte
auf die Mauern ein flaches Dach. Im Gebirge bestand die Wohnung aus
Steinwand mit Strohdach. Licht fiel nur durch die Thür in den innern
Raum; die Gebäude waren in der Regel nur ein Stockwerk hoch. Größere
Ortschaften und Städte waren von mehreren Mauern umgeben, deren Thore
nachts geschlossen wurden. Die große Festung Sacsahuaman, welche
älteren Bauwerken von Tiahuanaco nachgebildet zu sein scheint, war von
drei, winkelartig vorspringenden, cyklopischen Mauern umschlossen. Die
Prachtbauten zeigen einen ernsten, einförmigen Stil, dem der Schmuck
der Säulen fehlt. Der Drang nach bildnerischem Schaffen fand nur in
strengen Formen typischer Reliefs einen rohen Ausdruck.
[Illustration: Sculptur am Inkathor bei Cuzco.]
Weit wichtiger müssen die gewaltigen Wasserleitungen und großartigen
Kunststraßen gelten, die das ganze Reich der Länge nach durchzogen
und nach der Hauptstadt zusammenliefen. Die längste dieser Straßen
von Cuzco nach Quito und Pastos, in grader Linie eine Entfernung
von 225 Meilen, war 15 bis 25 Fuß breit, war mit behauenen Quadern
gepflastert und zum Theil von Baumreihen beschattet. Dabei waren
Schluchten ausgefüllt, Felsen weggesprengt und lange Treppenfluchten
angelegt. Denn da Wagen nicht im Gebrauch waren, und Lamas allein zum
Lasttragen verwendet wurden, bildeten solche Treppen für den Verkehr
keine Schwierigkeit, während die spanische Reiterei dieselben nur mit
Mühe überwand. Die Bergströme und Schluchten wurden auf steinernen
und hölzernen oder auf Seilbrücken überschritten. Meilensteine gaben
oft die Entfernungen in gleichen Abständen an. Alle drei oder vier
Meilen waren Herbergen (Tambos) für die Unterkunft der Inkas und ihres
Gefolges errichtet. Sarmiento, der die Inkastraßen noch in ihrer ganzen
Erhaltung sah, bemerkt, Kaiser Karl würde mit aller seiner Macht nicht
einen Theil dessen schaffen, was das wohl eingerichtete Regiment der
Inkas über die gehorchenden Stämme vermochte. Hernando Pizarro, der
gebildetste der drei Brüder, ruft aus: „In der ganzen Christenheit
sind so herrliche Wege nirgends zu sehen.“ Und Alexander von Humboldt
setzt hinzu: „Was ich von römischen Kunststraßen in Italien, dem
südlichen Frankreich und Spanien gesehen, war nicht imposanter als
diese Werke der alten Peruaner; dazu finden sich letztere nach meinen
Barometermessungen in der Höhe von 12440 Fuß.“[436] Auf diesen Straßen
besorgten Schnellläufer (~Chasquis~), ähnlich wie in Mexiko, den
Postdienst und setzten den Inka von allen Vorfällen in seinem weiten
Reiche auf das schleunigste in Kenntniß.
Eine Schrift besaß das Volk nicht; aber einen Ersatz dafür hatte
man in den „Quipos“ (d. h. Knoten) gefunden, welche aus künstlich
verschlungenen und verknüpften Schnurenbündeln aus gedrehter Wolle
von verschiedener Farbe bestanden, sich in Haupt- und Nebenstränge
gliederten und in mannigfachster Weise verknotet waren, so daß diese
Quipo-Bündel das Gewicht eines halben Centner erreichen konnten.
Die Stärke und Länge der Schnüre, die Weise der Verknüpfung, die
Zusammensetzung der Farben erhielten einen conventionellen Sinn und
Bedeutung. Weiß bedeutete Frieden oder Silber, Roth den Krieg oder
Soldaten, Gelb entsprach dem Gold, Grün dem Mais. So konnte man aus den
Quipos Tributregister (ähnlich den noch in türkischen Ländern üblichen
Kerbhölzern) oder Soldatenlisten u. s. w. ablesen.
Altperuanische Geräthschaften aus dem Todtenfelde zu Ancon.
1. Umhängetasche aus Wollenstoff, deren Oeffnung durch ein
eingezogenes Band zusammenzuschnüren ist; 18 ~cm~ breit.
2. Aus Riedgras geflochtenes Arbeitskörbchen, wie es zur
Aufbewahrung der Spinngeräthe und anderer täglich gebrauchter
Gegenstände diente. Oben auf liegen blau und roth bemalte Spindeln,
darunter konische Bündel fein ausgekämmter Baumwolle, eine Spindel
mit aufgesponnenem Garn und in der Ecke der Kopf einer Thonfigur.
Das Körbchen ist ca. 38 ~cm~ lang.
3. Perlmutterhalsband. Die Verzierungen sind aus dünnen
Perlmutterstückchen geschnitten und auf ein Stück Baumwollenzeug zu
regelmäßigen Figuren aufgesetzt. 33 ~cm~ lang.
4. Ein großer aus rothen, blauen, grünen und gelben Federn
gebildeter Kopfschmuck. Jede einzelne Feder ist mit Fäden an ein
geflochtenes Band befestigt und alle Bänder vereinigen sich zu
einem knollenartigen Stile des Federbusches.
5. Aus Stroh gefertigte, durch Wollfäden zusammengehaltene
Kopfbedeckung (Tendema). In derselben wurden die Federbüsche
getragen, oder auch in ihren Rand einzelne Federn eingesteckt;
oberer Durchmesser 15 ~cm~.
6. Standartenartiges Ehrenzeichen mit schwarz-rothem Wollbüschel
und dem Tuche, in welches das Ganze gegen den Staub des Grabes
geschützt eingeschlagen war; 94 ~cm~ lang.
7. Kleine Kürbisschale; den Rand bildet eine Vogelborde und auch
die sonstige Ornamentik der Schale besteht aus Vogelfiguren; oberer
Durchmesser 9-10 ~cm~.
8. Kleiner Flaschenkürbis mit eingeritzten roth gefärbten
Ornamenten; 7 ~cm~ hoch.
9. Birnförmiger Kürbis; der obere Theil dient als Deckel des
unteren, von letzterem greifen zwei Vorsprünge in entsprechende
Ausschnitte des Deckels ein, demselben Halt gewährend; 12½ ~cm~
hoch.
10. Eine Grabtafel. Es ist dies eine aus Rohrstäben gefertigte
Tafel, überspannt mit weißem Baumwollenzeug, dessen Ränder auf der
Rückseite zusammengenäht sind, und an einen oben weniger, unten
mehr hervorragenden Stab gesteckt. Auf der Tafel befindet sich
die in rothen und schwarzen Linien ausgeführte Andeutung einer
menschlichen Gestalt. In den gleichen Farben sind die Ränder der
Tafel mit einem höchst einfachen Ornament bemalt und zwischen
diesem Rande und der Figur stehen, zumeist in symmetrischer
Anordnung, einige Zeichen. Auf dem abgebildeten Exemplar ist die
Gestalt verhältnißmäßig gut gezeichnet: An dem Kopfe ist ein großer
Ohren- und Federschmuck erkennbar; Arme und Hände sind dreifingerig
angedeutet; die rechte Hand hält irgend einen Gegenstand. Der Zweck
der Tafeln ist vorläufig noch unverständlich: ob nur Grabesschmuck,
ob Zauberformeln, ob Hindeutung auf die Lebensverhältnisse der
Verstorbenen? 32 ~cm~ hoch.
11. Lanze aus festem Holze mit rautenförmiger, in der Mitte wulstig
verdickter Spitze; der Schaft ist gewaltsam geknickt und umgebogen;
148 ~cm~ lang.
12. Morgensternartige Waffe: ein sechszackiger Stern von Stein
mittelst Baumwollenzeug an einem langen Holzschaft befestigt; 115
~cm~ lang.