28. Das Goldland Peru und seine alte Kultur.

Der Name Peru wurde zum erstenmale vernommen, als unter der

Verwaltung des Pedrarias de Avila der Generalaufseher der Indier

Andagoya im Jahre 1522 vom Michaelsgolfe aus an der Landenge von

Panama einen Entdeckungszug an den Küsten nach Süden unternahm und

dabei in eine kleine Landschaft Biru gelangte, von welcher das

weiter südlich gelegene mächtige Inkareich seinen Namen Peru bei den

Europäern erhielt.[432] Er traf in dem dicht bewohnten Lande eine

kriegerische Bevölkerung, drang aber doch in das Land ein und konnte

manche werthvolle Nachricht über den weitern Süden und den dortigen

mächtigen Staat sammeln. Ein Fall aus dem Boot ins Meer, wobei er fast

ertrunken wäre, machte ihn unfähig, seine Entdeckungen weiter südwärts

auszudehnen. Er legte daher die Fortführung der Unternehmung in die

Hände Pizarro’s; allein es verging noch ein Jahr, ehe dieser die Mittel

fand, seine Pläne ins Werk zu setzen. Aber seit dieser Zeit bezeichnete

man alle Fahrten nach Süden mit dem Ausdruck „Expeditionen nach Biru“,

und je weiter sich vor den unermüdlichen Entdeckern die Küste nach

Süden erstreckte, um so größere Ländermassen faßte man unter dem Namen

„Peru“ zusammen.

[Illustration: Das Inkathor bei Cuzco.]

Werfen wir zunächst einen Blick auf den mächtigen und ausgedehnten

Staat, welchen der spanische Abenteurer, nur von wenigen Genossen

unterstützt, zu zertrümmern und zu unterwerfen trachtete.

Auf dem Rücken der Cordilleren, des längsten Kettengebirges der Erde,

im Westen von den Fluten der Südsee bespült und nach Osten sich in

den Schatten unermeßlicher Urwälder verlierend, dehnte sich der Staat

der Peruaner von Neu-Granada oder Columbia bis nach Chile aus. Die

herrschenden Stämme waren die Quechuá und Aymará. Die Küste der Südsee

zeigt wenig Gliederung, besonders in den südlicheren Theilen, aber

während sie im Norden, von Panama bis über den Aequator hinaus, unter

der Wirkung reichlicher Regengüsse mit feuchten Urwäldern bedeckt ist,

über welchen in weiterer Ferne die majestätischen Ketten der Anden

sichtbar werden, nimmt an der Nordgrenze des heutigen Staates Peru

das Gestade einen andern Charakter an und verläuft mit zunehmender

Dürre ungegliedert gegen Südosten. „Dürftig und düster ist die Natur,

die den Reisenden bei dem Anblick des Landes der Sonne und dem Reiche

der Inka’s empfängt, des Landes abschreckende Unfruchtbarkeit scheint

sich schon aus dem einförmigen zwischen Braun und Grau liegenden

Colorit zu ergeben. Ein flaches Land, das nur langsam nach dem Innern

zu sich erhebt, wird durch einen weißlichen Sandstreifen des Gestades

begrenzt. So weit das Auge trägt, ergrünt kein Baum auf den öden,

steinigen Flächen. In größerer Entfernung erheben sich in dem Gewande

einer Dürre, welche diejenige des Vordergrundes noch übertrifft,

die niedrigen Felsberge, welche die ehemalige Grenze des Oceans

bezeichnen.“[433] Eine trübe, schwere Wolkenbank hängt fast beständig

über dem Lande, so daß man selten den Anblick der Cordilleren genießt.

Zerreißt der Flor, dann haben diese Berge, in Stufen einer hinter dem

andern aufsteigend, durch die Oeffnungen der Wolken gesehen, ein sehr

großartiges Ansehen.[434]

Im Küstenlande, zwischen den Cordilleren und dem Ocean, wo der Regen

fast völlig unbekannt ist, ziehen sich, durch sandige Einöden von

einander geschieden, fruchtbare Thäler an den kurzen Gebirgsbächen

von den Höhenkämmen bis an die See hernieder. Das Land zwischen den

parallelen Hochgebirgsketten bezeichnet der Spanier mit dem Namen

Sierra; dasselbe besteht aus weitgedehnten Hochebenen und Weideländern,

welche von reichen, warmen Thälern und Schluchten durchzogen sind,

deren wasserreiche Ströme sämmtlich zum Gebiet des Amazonas gehören.

Inmitten dieses großartigen Gebirgslandes lag die alte nationale

Hauptstadt Cuzco, für die Inkaperuaner der „Nabel“, d. h. der

Mittelpunkt der Welt. Noch weiter im Süden lagert sich in malerischer

Gliederung und im Osten von den Riesen des Hochgebirges überragt,

in einer Höhe von mehr als 3800 Meter der sagenreiche Titicacasee,

welcher an Ausdehnung fast die Größe des Königreichs Sachsen erreicht.

Uebersteigt man von diesen Hochebenen aus die östlichen Ketten der

Anden, dann gelangt man in die Region der tropischen Urwälder, die bis

auf unsere Tage noch wenig erforscht und fast unbekannt geblieben sind.

Das peruanische Reich war durch stete Kriege vergrößert und umfaßte

zahlreiche und verschiedene einheimische Stämme. Die +Aymará+, deren

Sitze sich um den Titicacasee gruppirten, waren wohl das ältere

Kulturvolk, wie die Tolteken in Mexiko. Daher lag auch das alte

nationale Heiligthum auf einer Insel im See. Die merkwürdigsten

Bauwerke der älteren Kulturepoche erhoben sich in der Nähe des Sees.

Die Fürsten der Quechua führten den Titel Inka, als Begründer ihrer

Dynastie gilt Manco Capac, um 1000 n. Chr. Cuzco machte er zu seiner

Residenz, aber auch am heiligen Titicaca erhob sich ein fürstliches

Schloß, Tiahuanaco.

Die frühere Geschichte des Inkareichs ist sagenhaft, ein helleres Licht

fällt erst auf das letzte Jahrhundert vor der Eroberung. Der große

Eroberer Huayna-Capac regirte von 1475 bis 1525, unter ihm erweiterte

sich das Reich besonders nach Norden. Aber gerade von hier, wo die neu

erworbenen Gebietstheile noch nicht fest mit dem Hauptlande verbunden

waren, erfolgte der Angriff der Spanier. Die Zustände waren ähnlich

wie in Mexiko bei dem Einmarsche des Cortes; aber Pizarro gewann um

so leichter das Feld, weil er zu einer Zeit erschien, in welcher die

Söhne Huayna-Capacs, von denen +Huascar+ in Cuzco und +Atahuallpa+

in Quito residirte, mit einander in einen Bruderkrieg verwickelt

waren. Atahuallpa war der Sohn der früheren Fürstin von Quito, welches

von Huayna-Capac unterworfen worden, und mußte daher dem legitimen

Thronfolger Huascar nachstehen. Er hatte trotzdem eine Partei für sich

gewonnen, war gegen seinen Bruder im Felde siegreich gewesen und befand

sich auf der Heimkehr, als die Spanier ihn in Cajamarca erreichten.

Seinen Bruder hatte er gefangen genommen und behauptete augenblicklich

die unumschränkte Obergewalt.

[Illustration: Die Ruinen des Inkaschlosses am Titicacasee.]

[Illustration: Conti am Titicacasee: als Specimen der merkwürdigen

Thorbauten.]

Die Inkas wurden als die Söhne der Sonne bezeichnet, sie rühmten sich

göttlicher Herkunft und genossen einer fast göttlichen Verehrung. Im

ganzen Lande besaßen sie viele Paläste und Residenzen außer in den

beiden Hauptstädten Cuzco und Quito, wie Huanuco, Jauja, Tacanga;

ein Lieblingssitz war Yucay bei Cuzco. Der Palast in der Hauptstadt

war 350 Schritt lang und ganz mit goldenen Ziegeln gedeckt, reich

geschmückt und von großen Gärten umgeben. Die Inkas erschienen in einem

prächtigen, farbenreichen Kostüm, dessen Stoff aus der feinsten Wolle

gewebt und mit Gold und Edelsteinen verziert war. Ein Federstutz am

buntfarbigen Kopftuche war das Abzeichen des höchsten Würdenträgers.

Der religiöse Cultus, von den Aymará bereits ausgebildet, gipfelte in

der Verehrung der Sonne. Daher gab es viele reich mit Gold verzierte

Sonnentempel, in denen auch goldene Götzenbilder errichtet wurden.

Daneben fanden auch die Gestirne und Naturerscheinungen, selbst

Berge und Felsen, Quellen und Ströme eine religiöse Verehrung.

Nach ihrem Tode wurden auch die Inkas unter die Götter versetzt.

Die Priesterschaft nahm den höchsten Rang nächst dem Könige ein,

die Oberpriester stammten aus fürstlichem Geblüt. Eine strenge

Regel ordnete ihr Leben, welches in Zurückgezogenheit auch Fasten

und Bußübungen auferlegte. Die Sonnenjungfrauen, welche gleich den

Vestalinnen das heilige Feuer zu bewachen hatten, lebten klösterlich

in strenger Zucht. Der Opferdienst unterschied sich vortheilhaft von

dem mexikanischen, wenn auch hier in einzelnen Fällen Knaben getödtet

wurden, denen man, wie bei den Azteken, die Brust mit einem Steinmesser

öffnete, um das Herz herauszureißen.

Eine zweite bevorzugte Classe des Volks bildete der Adel, zu welchem

einerseits alle Mitglieder der zahlreichen königlichen Familie und

Verwandtschaft zählten, denen neben einer sie allein auszeichnenden

Tracht auch besondere Vorrechte eingeräumt wurden und die allein auf

die höchsten Staatsämter, als Oberpriester, königliche Räthe und

Befehlshaber im Heere Anspruch hatten; andererseits rechnete man zu

dem Adel die Curacas oder Häuptlinge der unterworfenen und dem Staate

einverleibten Volksstämme, sowie die Nachkommen dieser Caziken.

Die große Menge des gemeinen Volkes entbehrte jeder freien Bewegung,

jeder Selbstbestimmung. Die Berufsthätigkeit erbte in den Familien

stets vom Vater auf den Sohn. Lebensweise und Tracht waren gesetzlich

geregelt. Niemand konnte reich, aber auch niemand arm werden, denn das

ganze Land, welches in Tempelgut, Königsgut und Staatsgut zerfiel,

mußte vom Volke vorschriftmäßig bebaut werden. Die Staatsländereien

wurden jährlich nach der Größe der Familien und Gemeinden neu

ausgetheilt, und aus den Erträgnissen erhielt jede Familie ihren

Lebensbedarf zugewiesen. Darin waren die Peruaner den Azteken in

Bezug auf materielle Kultur voraus, daß sie ein werthvolles Haus-

und Lastthier, das Lama, besaßen; allein die Lamaherden waren

ausschließlich königliches Eigenthum, und von der Wollernte erhielt

jede Familie für die Anfertigung der Kleider ihren Antheil zugemessen.

In gleicher Weise war alles Gold und Silber als Staatsgut erklärt und

fand seine Verwendung fast nur in der Ausschmückung der Tempel und

Paläste. Außer Wolle dienten auch Baumwolle und andere Faserpflanzen

zur Herstellung der Gewänder. Die Männer trugen kurze Röcke, in jeder

Provinz nach vorgeschriebenen Farben; die Frauen lange, hemdenartige

Gewänder, dazu Kopfbinden und Sandalen.

Der Landbau war hoch entwickelt. Man verwendete den Guano als Dünger,

legte die Felder an den Berggehängen terrassenartig an und bewässerte

sie künstlich durch Herbeileitung der Gebirgsbäche. Man baute

Quinoahirse und Mais, Kartoffeln, Bananen und Agaven. Das Blatt des

Cocastrauches wurde, zur Anregung der Nerventhätigkeit, gekaut, Tabak

wurde nur geschnupft, nicht geraucht und diente als Heilmittel. Der

Baumwollenbau wurde namentlich in den warmen Thälern betrieben.

[Illustration: Altperuanisches Gobelingewebe aus dem Todtenfelde von

Ancon.

Das Ornament des Gewebes, aus dessen ganzer Fläche das hier abgebildete

Stück herausgenommen ist, zeichnet in energisch stilisirender Weise

einen mit hohem Schmucke versehenen menschlichen Kopf. Der Grund des

Gewebes ist ein gesättigtes Roth. Das Gesicht ist in der Ansicht von

vorn gezeichnet und in blaßrother Farbe ausgeführt; es wird von einer

grün und gelb gemusterten Borte umgeben, erst außerhalb derselben

stehen die großen Ohren. Die mützenartige Kopfbedeckung ist von

einer blau grundirten Borte umsäumt; über derselben erhebt sich der

schirmartige bunte Kopfschmuck mit sehr mannigfaltig gemusterten

Borten. Die Innenseite der Kopfbedeckung ist in quadratische Felder

getheilt, auf deren dunklem Grund kleine stilisirte Vögel gezeichnet

sind. -- Neben dem Gesichte in der rothen Grundfläche verbliebene

kleinere Räume enthalten kleinere menschliche Figuren und andere

Ornamente. -- Dieses Gewebe ist eins der beachtenswerthesten aller in

Ancon ausgegrabenen: es zeichnet sich durch eine gewisse Großartigkeit

und einheitlichen Charakter der Ornamentirung aus und ist auch in

allen Details sorgfältig und fein ausgeführt. -- Die Kette besteht aus

starken Baumwollenfäden, der Durchschlag aus feinster Wolle.]

Die Gewerbthätigkeit lieferte beachtenswerthe Erzeugnisse. Ohne das

Eisen zu kennen -- denn die Werkzeuge waren aus Kupfer, Bronze oder

Stein -- verstand man doch vorzügliche Metallarbeiten herzustellen,

lieferte lebensgroße Figuren aus Gold, Spiegel von polirtem Metall,

selbst Brennspiegel; die in den schönsten Mustern ausgeführten Gewebe

bekunden den ausgebildeten Farbensinn. Daß man sich sogar auf eine

Art Gobelinweberei verstand, haben die Ausgrabungen von Stübel und

Reiß auf dem Todtenfelde von Ancon, an der Küste nördlich von Lima,

bewiesen.[435]

[Illustration: Sculptur am Inkathor bei Cuzco.]

Der Hausbau richtete sich nach der Verschiedenartigkeit des Klimas.

Im regenlosen Littoral baute man mit Luftziegeln (Adoba) und setzte

auf die Mauern ein flaches Dach. Im Gebirge bestand die Wohnung aus

Steinwand mit Strohdach. Licht fiel nur durch die Thür in den innern

Raum; die Gebäude waren in der Regel nur ein Stockwerk hoch. Größere

Ortschaften und Städte waren von mehreren Mauern umgeben, deren Thore

nachts geschlossen wurden. Die große Festung Sacsahuaman, welche

älteren Bauwerken von Tiahuanaco nachgebildet zu sein scheint, war von

drei, winkelartig vorspringenden, cyklopischen Mauern umschlossen. Die

Prachtbauten zeigen einen ernsten, einförmigen Stil, dem der Schmuck

der Säulen fehlt. Der Drang nach bildnerischem Schaffen fand nur in

strengen Formen typischer Reliefs einen rohen Ausdruck.

[Illustration: Sculptur am Inkathor bei Cuzco.]

Weit wichtiger müssen die gewaltigen Wasserleitungen und großartigen

Kunststraßen gelten, die das ganze Reich der Länge nach durchzogen

und nach der Hauptstadt zusammenliefen. Die längste dieser Straßen

von Cuzco nach Quito und Pastos, in grader Linie eine Entfernung

von 225 Meilen, war 15 bis 25 Fuß breit, war mit behauenen Quadern

gepflastert und zum Theil von Baumreihen beschattet. Dabei waren

Schluchten ausgefüllt, Felsen weggesprengt und lange Treppenfluchten

angelegt. Denn da Wagen nicht im Gebrauch waren, und Lamas allein zum

Lasttragen verwendet wurden, bildeten solche Treppen für den Verkehr

keine Schwierigkeit, während die spanische Reiterei dieselben nur mit

Mühe überwand. Die Bergströme und Schluchten wurden auf steinernen

und hölzernen oder auf Seilbrücken überschritten. Meilensteine gaben

oft die Entfernungen in gleichen Abständen an. Alle drei oder vier

Meilen waren Herbergen (Tambos) für die Unterkunft der Inkas und ihres

Gefolges errichtet. Sarmiento, der die Inkastraßen noch in ihrer ganzen

Erhaltung sah, bemerkt, Kaiser Karl würde mit aller seiner Macht nicht

einen Theil dessen schaffen, was das wohl eingerichtete Regiment der

Inkas über die gehorchenden Stämme vermochte. Hernando Pizarro, der

gebildetste der drei Brüder, ruft aus: „In der ganzen Christenheit

sind so herrliche Wege nirgends zu sehen.“ Und Alexander von Humboldt

setzt hinzu: „Was ich von römischen Kunststraßen in Italien, dem

südlichen Frankreich und Spanien gesehen, war nicht imposanter als

diese Werke der alten Peruaner; dazu finden sich letztere nach meinen

Barometermessungen in der Höhe von 12440 Fuß.“[436] Auf diesen Straßen

besorgten Schnellläufer (~Chasquis~), ähnlich wie in Mexiko, den

Postdienst und setzten den Inka von allen Vorfällen in seinem weiten

Reiche auf das schleunigste in Kenntniß.

Eine Schrift besaß das Volk nicht; aber einen Ersatz dafür hatte

man in den „Quipos“ (d. h. Knoten) gefunden, welche aus künstlich

verschlungenen und verknüpften Schnurenbündeln aus gedrehter Wolle

von verschiedener Farbe bestanden, sich in Haupt- und Nebenstränge

gliederten und in mannigfachster Weise verknotet waren, so daß diese

Quipo-Bündel das Gewicht eines halben Centner erreichen konnten.

Die Stärke und Länge der Schnüre, die Weise der Verknüpfung, die

Zusammensetzung der Farben erhielten einen conventionellen Sinn und

Bedeutung. Weiß bedeutete Frieden oder Silber, Roth den Krieg oder

Soldaten, Gelb entsprach dem Gold, Grün dem Mais. So konnte man aus den

Quipos Tributregister (ähnlich den noch in türkischen Ländern üblichen

Kerbhölzern) oder Soldatenlisten u. s. w. ablesen.

Altperuanische Geräthschaften aus dem Todtenfelde zu Ancon.

1. Umhängetasche aus Wollenstoff, deren Oeffnung durch ein

eingezogenes Band zusammenzuschnüren ist; 18 ~cm~ breit.

2. Aus Riedgras geflochtenes Arbeitskörbchen, wie es zur

Aufbewahrung der Spinngeräthe und anderer täglich gebrauchter

Gegenstände diente. Oben auf liegen blau und roth bemalte Spindeln,

darunter konische Bündel fein ausgekämmter Baumwolle, eine Spindel

mit aufgesponnenem Garn und in der Ecke der Kopf einer Thonfigur.

Das Körbchen ist ca. 38 ~cm~ lang.

3. Perlmutterhalsband. Die Verzierungen sind aus dünnen

Perlmutterstückchen geschnitten und auf ein Stück Baumwollenzeug zu

regelmäßigen Figuren aufgesetzt. 33 ~cm~ lang.

4. Ein großer aus rothen, blauen, grünen und gelben Federn

gebildeter Kopfschmuck. Jede einzelne Feder ist mit Fäden an ein

geflochtenes Band befestigt und alle Bänder vereinigen sich zu

einem knollenartigen Stile des Federbusches.

5. Aus Stroh gefertigte, durch Wollfäden zusammengehaltene

Kopfbedeckung (Tendema). In derselben wurden die Federbüsche

getragen, oder auch in ihren Rand einzelne Federn eingesteckt;

oberer Durchmesser 15 ~cm~.

6. Standartenartiges Ehrenzeichen mit schwarz-rothem Wollbüschel

und dem Tuche, in welches das Ganze gegen den Staub des Grabes

geschützt eingeschlagen war; 94 ~cm~ lang.

7. Kleine Kürbisschale; den Rand bildet eine Vogelborde und auch

die sonstige Ornamentik der Schale besteht aus Vogelfiguren; oberer

Durchmesser 9-10 ~cm~.

8. Kleiner Flaschenkürbis mit eingeritzten roth gefärbten

Ornamenten; 7 ~cm~ hoch.

9. Birnförmiger Kürbis; der obere Theil dient als Deckel des

unteren, von letzterem greifen zwei Vorsprünge in entsprechende

Ausschnitte des Deckels ein, demselben Halt gewährend; 12½ ~cm~

hoch.

10. Eine Grabtafel. Es ist dies eine aus Rohrstäben gefertigte

Tafel, überspannt mit weißem Baumwollenzeug, dessen Ränder auf der

Rückseite zusammengenäht sind, und an einen oben weniger, unten

mehr hervorragenden Stab gesteckt. Auf der Tafel befindet sich

die in rothen und schwarzen Linien ausgeführte Andeutung einer

menschlichen Gestalt. In den gleichen Farben sind die Ränder der

Tafel mit einem höchst einfachen Ornament bemalt und zwischen

diesem Rande und der Figur stehen, zumeist in symmetrischer

Anordnung, einige Zeichen. Auf dem abgebildeten Exemplar ist die

Gestalt verhältnißmäßig gut gezeichnet: An dem Kopfe ist ein großer

Ohren- und Federschmuck erkennbar; Arme und Hände sind dreifingerig

angedeutet; die rechte Hand hält irgend einen Gegenstand. Der Zweck

der Tafeln ist vorläufig noch unverständlich: ob nur Grabesschmuck,

ob Zauberformeln, ob Hindeutung auf die Lebensverhältnisse der

Verstorbenen? 32 ~cm~ hoch.

11. Lanze aus festem Holze mit rautenförmiger, in der Mitte wulstig

verdickter Spitze; der Schaft ist gewaltsam geknickt und umgebogen;

148 ~cm~ lang.

12. Morgensternartige Waffe: ein sechszackiger Stern von Stein

mittelst Baumwollenzeug an einem langen Holzschaft befestigt; 115

~cm~ lang.

Geschichte des Zeitalters der Entdeckungen · 第 104 / 123 题