26. Die Unternehmungen gegen Florida und die Küsten von Nordamerika.

Im weiten Umkreise des mexikanischen Golfes hatten die nördlichen

Gestade längere Zeit weniger Beachtung gefunden und die Eroberungslust

der Spanier nicht gereizt. Nach dem ersten Versuche Juan Ponçe’s

(s. S. 355) im Jahre 1513 war die Aufmerksamkeit der Eroberer mehr

nach den im Südwesten der Antillen gelegenen Regionen gerichtet, als

nach Nordosten und Norden, bis in den Jahren 1519 und 1520 kurz nach

einander mehrere Expeditionen ausliefen, um in jenen Gebieten festen

Fuß zu fassen oder Menschenjagden anzustellen. +Juan Ponçe+ versuchte

1520 noch einmal mit 200 Mann sich auf Florida festzusetzen, wurde aber

von den kriegerischen Einwohnern, welche ausgezeichnete Bogenschützen

waren, so energisch abgewiesen, daß er, selbst schwer verwundet, seinen

Plan aufgeben und nach Cuba zurückweichen mußte, wo er seinen Wunden

erlag.

Fast um dieselbe Zeit schickte der Licentiat +Lucas Vasquez Ayllon+

von Haiti aus zwei Schiffe an die Ostküste von Florida, um Indianer

einzufangen, welche auf den Antillen als Arbeiter verwendet werden

sollten. Der Küstenstrich am atlantischen Ocean etwa zwischen 32

und 34° n. Br. hieß bei den Eingebornen Chicora und Gualdape. Man

benannte dort die S. Helenabai[414] und den Jordanfluß, welcher,

nach Vergleich der älteren Seekarten, mit dem Flusse von Charleston

identisch zu sein scheint. Das Land machte einen so günstigen Eindruck,

daß Ayllon, dem Bericht seines ausgesandten Piloten trauend, sich in

dem Land festzusetzen beschloß und sich mit dem indischen Amte in

Spanien in Verbindung setzte, worauf er von diesem unter dem Titel

eines Adelantado die Ermächtigung erhielt, jene Länder zu erobern. Er

verpflichtete sich zu gleicher Zeit, die Küsten weiterhin zu erforschen

und namentlich nach einer Meeresstraße auszuspähen, welche den

östlichen und westlichen Ocean verbinden sollte.

Im Jahre 1526 segelte er mit sechs Schiffen und 500 Mann nach dem

Jordanflusse; bei der Einfahrt in denselben ging sein Hauptschiff sammt

allen Vorräthen unter. Die indianischen Dolmetscher, welche man zur

Verständigung mit den Eingeborenen mitgebracht hatte, entflohen und

ließen die Spanier rathlos am Strande, dessen niedriger, unfruchtbarer

Boden ihren Erwartungen keineswegs entsprach. Man versuchte etwa 40

Meilen weiter nordwärts bessere, günstigere Verhältnisse zu finden,

ging dahin unter Segel und lief in einen seichten Fluß ein, dessen

Barre nur mittelst der Flut zu passiren war. Das Land war fruchtbarer,

aber auch ungesund. Viele der neuen Ankömmlinge starben noch in

demselben Sommer; im Herbst (18. October) 1526 erlag auch Ayllon, und

nun hielt sich die auf 150 Mann zusammengeschmolzene Schar nicht weiter

verpflichtet, sondern verließ den ungastlichen Strand und kehrte nach

Westindien zurück. Lange Zeit noch heißt diese Gegend auf den Karten

Ayllon’s Land, aber weitere Colonisationsversuche wurden nicht gemacht.

Die Nordküste des mexikanischen Golfes enthüllt zu haben, ist das

Verdienst des Statthalters von Jamaica, +Francisco de Garay+, welcher

bereits die zweite Fahrt des Columbus mitgemacht hatte und nun

von dessen Sohne mit der Verwaltung von Jamaica betraut war. Garay

entsandte den tüchtigen Capitän +Alonso Alvarez de Pineda+ mit vier

Schiffen, um einen größeren Golf oder eine Meeresstraße in dem

Festlande zu entdecken.[415] Pineda begann seine Küstenaufnahme am

Nordende der Halbinsel Florida bei der Apallacheebucht und verwendete,

alle Krümmen der Küste genau vermessend, 8 bis 9 Monate darauf, ehe er

an die Grenzdistrikte von Mexiko gelangte. Das Land war anmuthig, die

Indianer, welche mit den Seefahrern friedlich verkehrten, nannten es

Amichel. Man berührte eine größere Anzahl indianischer Ortschaften,

glaubte auch in den Flüssen Spuren von Gold zu entdecken, war entzückt,

dieses Metall bei den Eingeborenen vielfach als Schmuck verwendet zu

finden und lief auch mehrere Meilen weit in einen mächtigen Strom

hinein, dem der Name Rio del Espiritu santo ertheilt wurde. Ohne

Zweifel haben wir in diesem „Heiligengeist-Flusse“ den Mississippi vor

uns. Dort blieb die Flotille 40 Tage. Daß die Entdecker in der Freude

über ihren Fund die Natur des Landes zu günstig beurtheilten, oder in

Bezug auf das Vorkommen von Gold sich angenehmen Selbsttäuschungen

hingaben, hat sich zu oft wiederholt, um besonders aufzufallen; allein

wenn sogar auch die einheimischen Menschenstämme in Giganten und Zwerge

zerfallen sollten, so wären solche Berichte wohl geeignet gewesen,

besonneneres Urtheil und ruhige Erwägung zu veranlassen, sofern es sich

um weitere Ausdehnung der Eroberungspläne handelte; allein grade das

Wunderbare in diesen Berichten lockte an und reizte die Habgier der

Spanier.

Pineda fuhr vom Mississippi bis in die Gegend von Vera Cruz, wo bei

einer Landung ein Theil seiner Leute dem Cortes in die Hände fiel.

Hier mußte bald eine bestimmte Grenze zwischen dem Garay-Lande und

Cortes-Lande (Mexiko) gezogen werden. Die Krone Spaniens entschied,

daß der Rio Panuco (Tampico) die Gebiete der beiden Eroberer scheiden

solle. Im Jahre 1523 ging nun Garay selbst mit elf Schiffen und

bedeutender Mannschaft nach dem Palmenflusse, nördlich von Panuco, um

dort eine Niederlassung in der Nähe von Mexiko zu gründen. Aber kaum

waren die Truppen gelandet, so lief bereits ein Theil zu Cortes über,

unter dessen Fahnen mehr Beute in Aussicht stand. Garay selbst mußte

sich seinem glücklichen Rivalen ebenfalls ergeben, blieb im Lande und

starb in Mexiko. Nach seinem Tode verlieh der König von Spanien die

nördliche Golfküste an Narvaez.

+Pamfilo de Narvaez+ faßte 1528 die Eroberung dieses Gebietes von neuem

ins Auge. Cortes gegenüber hatte er zwar eine empfindliche Schlappe

erlitten und in dem nächtlichen Kampf ein Auge verloren; allein sein

Unternehmungsgeist erwachte wieder. Sein Name hatte immer noch Klang

genug, um Mannschaften, welche das Abenteurerleben nach der neuen

Welt hinübergeführt hatte, unter seiner Fahne zu sammeln. Er ging mit

400 Mann und 80 Pferden in vier Schiffen nach dem Hafen Sa. Cruz in

Florida, wahrscheinlich an der Tampa-Bai, 28° n. Br., hinüber, landete

mit 300 Mann und zog, während die Schiffe an der Küste folgen sollten,

parallel dem Meeresstrande nordwärts und ins Innere. Am 26. Juni

erreichte er die Indianerstadt Apalachee (der Name haftet vielleicht

noch an der Apalacheebai im Norden von Florida), rastete dort fast vier

Wochen und zog von da weiter nach +Aute+. Nachdem sie von hier aus

mehrere Tagereisen weite Streifzüge nach Westen unternommen hatten,

ohne dabei Gold oder Anzeichen dieses begierig gesuchten Metalles

entdeckt zu haben, wandten sie sich der See zu, in der Hoffnung,

ihre Schiffe zu finden; aber diese hatten fast ein ganzes Jahr lang

an der Küste weiter westlich nach dem ins Binnenland eingedrungenen

Heere gesucht und waren dann unverrichteter Sache zum Theil nach Cuba

zurückgekehrt. Einige Schiffe gingen unter. Nach langem, vergeblichem

Harren, von Krankheiten und Noth bedrängt, mußte man sich entschließen,

fünf Böte zu bauen, auf denen man, gegen Westen am Land hinschiffend,

endlich zu spanischen Niederlassungen zu kommen hoffte. Die Schar war

bereits auf 250 Mann zusammengeschmolzen. Sieben Tage ging die Fahrt am

Gestade hin, man kam an der Mündung eines bedeutenden Flusses vorbei.

Dann wurden vier Böte bei heftig bewegter See ans Land geworfen,

während das fünfte, in dem sich der Capitän Narvaez befand, aufs Meer

hinausgetrieben wurde und dort für immer verschwand. Nur ein Theil der

Gestrandeten entrann dem Tode im Meer, rettete zwar augenblicklich

das Leben, gerieth aber, von einander getrennt und den feindlichen

Indianern gegenüber hilflos geworden, in Gefangenschaft, aus welcher

nach jahrelanger Drangsal nur vereinzelte befreit wurden. Das

merkwürdigste Schicksal hatte Alvar Nuñez Cabeça de Vaca, dessen Boot

zunächst an eine flache Küsteninsel trieb, welche den Namen Malhado

(Unglücksinsel) erhielt. Von hier rettete er sich aufs Festland, verlor

noch mehrere von seinen Begleitern, bis ihm nur noch drei Genossen:

Andres Dorantes, Alonso del Castillo Maldonado und ein Mohr, Namens

Estebanico erhalten blieben. Es gelang ihnen durch einige glückliche

Krankenheilungen das Vertrauen der Indianer zu gewinnen, so daß sie

von der Küste sich ins Binnenland retten konnten, wahrscheinlich nach

dem Norden Alabama’s. Von da zogen sie gegen Westen, setzten über

einen großen Fluß,[416] den Mississippi, gingen über den Arkansas,

überschritten den Canadian oberhalb des großen Cañon (vielleicht in

derselben Gegend, wo später die Expedition Coronado’s auf dem Marsche

nach Quivira ihn berührte) und kam endlich nach langem Umherirren

durch das heutige Neumexiko und Arizona nach Culiacan, in der Nähe des

californischen Golfes, wo sie endlich im Jahre 1536 anlangten, von

Melchior Diaz, welcher in dem seit 1532 von den Spaniern besetzten

Gebiete als Befehlshaber stand, aufgenommen wurden und sich unter dem

Schutz und der Pflege ihrer Landsleute von ihrer mühseligen Wanderung

erholen konnten.

So unglücklich auch der ganze Zug des Narvaez verlaufen war, so fand er

doch wenige Jahre, nachdem die geringen Trümmer seiner Schar den Boden

Neuspaniens erreicht hatten, einen Nachfolger, der seinen Plan wieder

aufnahm, und zwar in +Hernando de Soto+ aus Barcarroto in Estremadura,

südlich von Badajoz. Dieser ausgezeichnete Ritter hatte sich in

Goldcastilien und Nicaragua hervorgethan, war dann mit Pizarro (s.

unten, Cap. 29) nach Peru gezogen, war von diesem zum Generallieutenant

(~Teniente de Capitan general~) erhoben, hatte dann aber, in folge

des unerquicklichen Streits zwischen Pizarro und Almagro, das

südamerikanische Goldland verlassen und war nach Spanien zurückgekehrt.

Sobald er dort mit dem Plane hervortrat, eine Expedition nach Florida

zu unternehmen, lockte der glänzende Ruf seines ritterlichen Charakters

so viele tüchtige Kräfte, selbst zahlreiche Hijosdalgo und Priester

herbei, daß er sich bald an der Spitze eines Heeres von tausend Mann

sah. Mit ihnen ging er am 6. April 1538 auf zehn Schiffen von San

Lucar nach Cuba ab, vervollständigte in Habana seine Ausrüstung und

landete am 31. Mai 1539 mit 900 Soldaten und 350 Pferden in der Bai

von Espiritu santo auf Florida. Zufällig trafen seine Begleiter einen

Landsmann, Juan Ortiz, welcher, durch die Frau des Caziken gerettet,

allein von dem Heere des Narvaez noch am Leben war. Aber über das Land

vermochte er nur wenig Auskunft zu geben, er hatte nur gehört, daß das

Binnenland wegen seiner Fruchtbarkeit sehr gerühmt werde. Indes konnte

Ortiz doch als Dolmetscher sehr nützlich werden.

Nachdem Soto zur Bewachung der Schiffe 40 Mann zu Pferde und 80

Mann zu Fuß zurückgelassen hatte, zog er mit seinen Truppen gegen

Nordnordwesten ins Innere des Landes. Man stieß auf Ortschaften mit

mehr als 600 Hütten, mußte auf rasch geschlagenen Brücken sich den

Weg über Flüsse und Sümpfe bahnen und hatte mehrfach feindselige

Begegnungen mit den Indianern, welche verpallisadirte Hügel besetzt

hielten. An die Flotte ging der Befehl zurück, zunächst nach Apalachee

zu segeln und von da aus 100 Meilen gegen Westen alle Buchten und

Häfen sorgfältig aufzunehmen. Soto bezog seine Winterquartiere in der

Landschaft Apalachee, wo man Lebensmittel genug fand. Im Frühjahr 1540

rückte er gegen Norden; seinen Truppen schickte er stets gewandte

Botschafter voraus, welche von den Eingebornen nur friedlichen Durchzug

zu fordern hatten. Einer der Häuptlinge, durch dessen Gebiet man zog,

der Cazike von Cofachi (Cofaqui), führte als Waffe ein mächtiges,

zweihändiges Holzschwert. Wiederum ging es über große und kleine

Flüsse nordwärts und nordostwärts. Als man an den Xuala gelangte,

hielten die Seeleute, welche an dem Zuge theilnahmen, denselben für

den nämlichen, dessen Mündung an der Ostküste Ayllon mit dem Namen

Santa Elena belegt hatte,[417] weiter nordwärts kam man in die Nähe von

Kupferminen.[418] Dann scheint der Marsch mitten durch Alabama nach

Westen gegangen zu sein. In der dichtbewohnten, fruchtbaren Landschaft

Coça (Cossa) machten sie eine zwölftägige Rast und rückten weiter nach

dem befestigten Talisse im Gebiete des Tascaluço. Dieser Häuptling war

ein Riese von Gestalt. Er erbot sich, das spanische Heer eine Zeitlang

zu begleiten, und bat deshalb um ein Pferd. Soto gab ihm eines von

seinen Lastpferden. Als er darauf saß, reichten seine Füße fast bis

auf die Erde.[419] Tascaluço führte seine Gäste verrätherischer Weise

zu einer starken indianischen Festung, Mavila (Mobile), um sie dort zu

überfallen. In den 80 casernenartig großen Häusern der Festung sollen

sich je 1000 Krieger befunden haben. Die Spanier waren arglos in den

Ort eingerückt, zogen sich aber, als sie die drohende Gefahr bemerkten,

zurück und griffen von außen die Pallisadenverschanzung an, schlugen

die Holzpforten mit Beilen ein und legten Feuer an die Häuser. Soto

wurde im Kampfe verwundet, blieb aber im Gefecht, um seine Leute nicht

zu entmuthigen. Selbst die indianischen Weiber nahmen am Kampfe theil;

als aber das Feuer mehr um sich griff, sprangen die Vertheidiger von

den Wällen herab und suchten sich durch die Flucht zu retten. Der Kampf

dauerte neun Stunden. Die Spanier verloren 83 Mann, theils im Gefecht,

theils an den Wunden, da es an jeglicher Pflege fehlte. Dazu büßte

man 45 Pferde ein. Der Verlust, den die Indianer erlitten, wird auf

11,000 Mann angegeben. Mehr als 3000 Todte zählte man in den Straßen

der Festung, über 4000 sollen im Feuer umgekommen sein. Den Körper des

Verräthers Tascaluço fand man nicht, man nahm für gewiß an, daß er den

verdienten Tod in den Flammen gefunden habe und mit verbrannt sei.

Der bedeutende Verlust, den die Spanier erlitten hatten, machte sie

muthlos. Da man kein Gold fand und überall von einer feindseligen

Bevölkerung bedroht war, wollte man lieber heimkehren. Soto aber wollte

seinen Feldzugsplan noch nicht aufgeben, er gönnte seinen Truppen

eine vierzehntägige Rast und zog dann weiter ins Land der Chikasa. Am

Grenzflusse wehrten ihm die Indianer den Uebergang, aber Soto ließ

zwei große Böte bauen, bemannte sie mit je 40 Schützen und 10 Reitern,

ging in der Morgendämmerung über das Wasser und vertrieb die Gegner,

so daß der Haupttheil seines Heeres unbelästigt folgen konnte. In dem

Hauptorte der Landschaft, welchen man in vier Tagen erreichte und

welcher in günstiger Lage, reichlich mit Vorräthen versehen, sich für

einen längern Aufenthalt eignete, schlugen die Spanier wieder ihre

Winterquartiere auf; aber allzu sorglos hatten sie versäumt, Wachen

auszustellen. So wurden sie im Spätherbste von den Indianern bei

Nacht überrumpelt, welche ihnen die Strohdächer der Hütten über dem

Kopfe anzündeten. Soto, welcher stets in Waffen schlief, war zuerst

auf dem Platze; aber er verlor in dem nächtlichen Kampfe wiederum

40 Soldaten und büßte 50 Pferde ein, von denen 20 verbrannten. Man

mußte die Quartiere eine Meile weiter nach dem auch für die Pferde

sichereren Orte Chicacolla verlegen. Wenn auch hier unablässig von

den Eingebornen beunruhigt, behauptete sich Soto doch bis Ende März.

Unter steten Kämpfen zog er weiter, bald nach Südwesten, bald nach

Westen. Sein Marsch ging, wie es scheint, über den oberen Alabama und

am mittleren Tennessee hinab, welcher an Größe dem Guadalquibir bei

Sevilla glich, und führte ihn endlich an den Mississippi. In Verbindung

mit einem Caziken machte das Heer, welches bereits auf die Hälfte

zusammengeschmolzen war, einen Kriegszug auf 80 Canoes den Strom

hinab gegen einen feindlichen Nachbarn, dessen Hauptstadt erobert und

vernichtet wurde. In diesen Kämpfen wird auch zuerst der blutigen Sitte

der Indianer, Skalpe zu erbeuten, Erwähnung gethan. Dann ging Soto über

den Strom, fand auch jenseits noch fruchtbares Land und zahlreiche

Ortschaften. Aber in der Landschaft Quigualtangui wurde der Feldherr,

welcher bisher unermüdlich ausgeharrt hatte, vom Fieber ergriffen und

starb am 21. Mai 1541 in seinem 42. Jahre. Auf seinem Sterbelager

hatte er in Gegenwart sämmtlicher Hauptleute den +Luis de Moscoso de

Alvarado+ zu seinem Nachfolger ernannt.

Soto war sehr beliebt gewesen bei seinen Soldaten, mit denen er alle

Mühseligkeiten ertragen hatte. Er wurde bei Nacht bestattet, damit die

Kunde seines Todes sich unter den Indianern nicht verbreite. Der Sarg

wurde in einen 19 Ellen tiefen Seitencanal des Stromes versenkt.

Am 5. Juli rückten die Truppen in großen Tagemärschen nach Westen,

100 Meilen weit durch unfruchtbares Steppenland, dann durch

Wüsteneien, in denen sich selbst die indianischen Führer verirrten.

Da die Lebensmittel ausgingen und der neue Heerführer die ermatteten

Soldaten nicht der äußersten Gefahr in den menschenleeren Wildnissen

aussetzen wollte, so ordnete er im Angesicht der hohen Gebirge (man

hatte also den östlichen Fuß der Felsengebirge erreicht) den Rückzug

an, um den großen Strom wieder zu erreichen. Viele Soldaten fielen

auf dem Marsche, der Winter kam heran, die Lebensmittel mußten mit

Blut erkämpft werden. In den Niederungen des Mississippi mußten sie

mehreremale, weil sie nachts keine geeigneten Lagerplätze fanden, die

Reiter zu Pferde bleibend, die übrigen Soldaten, bis an die Knie im

Wasser stehend, den Morgen erwarten. Barfuß und in Thierfelle gehüllt,

-- denn die europäische Kleidung war zerfetzt und zerfallen, --

erreichten die Trümmer des Heeres im Winter, Ende November, den großen

Strom wieder, etwa 16 Meilen oberhalb der Stelle, wo sie ihn im Sommer

überschritten hatten. Man setzte sich an einem von tiefen Wassergräben

umzogenen Orte mit Gewalt fest und behauptete sich dort für den Winter.

Eine Musterung ergab nur noch 320 Mann Infanterie und 70 Pferde; aber

in folge der entsetzlichen Strapazen starben während des Winters

noch manche, unter ihnen auch Juan Ortiz, dem es nicht vergönnt sein

sollte, nachdem er so vielen Gefahren und jahrelangen Mühen entronnen

war, die Heimat wieder zu sehen. Von einem benachbarten Häuptlinge

mit Lebensmitteln und Decken versorgt, brachte man so den letzten

traurigen Winter zu, nur noch belebt durch die Hoffnung, auf dem

Wasserwege ans Meer und wieder zu spanischen Colonien zurückgelangen

zu können. Im März und April bauten sie sieben feste Böte, welche

vorn und hinten gedeckt waren. Aber die gewaltigen Frühjahrsfluten

des Riesenstromes verzögerten noch wochenlang die Abfahrt. Das Wasser

begann am 10. März zu steigen und überschwemmte vom 20. April an das

ganze, weite Flußthal, so daß noch am 20. Mai die Straßen des Ortes

nicht gangbar waren. Erst am Johannistage waren die Böte mit Vorräthen

hinlänglich versorgt, und in den letzten Tagen des Juni konnte man

sich einschiffen. In jedem Boote befanden sich etwa fünfzig Spanier

und vier Indianer (Männer und Weiber), welche freiwillig die Fahrt

mitmachten. Die Vorbereitungen waren den südlichen Anwohnern des

Stromes nicht entgangen, sie beschlossen den Fremden den Durchzug zu

wehren. Mit 1000 Kriegscanoes, darunter manche mit 25 Rudern an jeder

Seite, versperrten sie den Spaniern die Wasserstraße. Die Krieger waren

meist schwarz und blau bemalt, und die Canoes trugen die entsprechende

Farbe. Die spanischen Böte mußten sich mitten durch die übermächtige

feindliche Flotte den Weg bahnen, Verfolgung und Kampf dauerte zehn

Tage lang, wobei mancher Spanier noch das Leben einbüßte. Dann erst

konnten sie ungehemmt weiter segeln. Der Strom wurde so breit, daß man

von der Mitte aus kaum die niedrigen Ufer sehen konnte. Am 19. Tage

der Fahrt erreichten sie das Meer und beschlossen nun, ohne Compaß

und ohne Karten, am Gestade nach Westen steuernd, zu versuchen, ob

sie Neuspanien fänden. Einen Tag lang war das Meer von den Fluten

des Mississippi noch mit süßem Wasser bedeckt. Dreiundfünfzig Tage

segelten sie am Lande hin, ergänzten ihre Vorräthe durch ergiebigen

Fischfang und nahmen von Zeit zu Zeit an der Küste frisches Wasser

ein. Gegen das Ende der im allgemeinen äußerst günstigen Fahrt wurde

die Flottille von Sturm und heftigen Regengüssen überfallen, welche

die Böte zu füllen und zu versenken drohten. Ohne Schlaf und Speise

mußten die Seefahrer 26 Stunden bei ununterbrochner Arbeit ausharren,

ehe es ihnen gelang, einen Landungsplatz zu finden. Da sie hofften, nun

endlich bald in das Gebiet von Neuspanien zu gelangen, so verließen

sie ihre Schiffe und marschirten am Strande gegen Süden. Nach einer

Wanderung von 13 oder 14 Meilen war die ganze Schar von Entbehrungen

und Hunger so erschöpft, daß man sich lagern mußte. Fast am Ziel und

doch, wie es schien, noch dem Untergange geweiht. Da erbot sich Gonzalo

Quadrado Xaramillo mit noch einem Genossen, nur mit Schwert und Schild

bewaffnet, barfuß, nachts die Gegend zu durchstreifen, während die

übrigen sich der Ruhe hingaben. Bald traf er Indianer an, von denen er

erfuhr, daß sie nicht fern von Panuco, also bereits auf neuspanischem

Boden sich befänden. Der Gouverneur nahm die halbnackten, in Thierfelle

gekleideten Landsleute, welche mit ihren verwilderten Bärten mehr den

Wilden als civilisirten Menschen glichen, freundlich auf und schickte

eine Botschaft an den Vicekönig Mendoza, welcher sie sofort mit allem

Bedarf an Kleidung, Lebensmitteln und Arznei versehen ließ.

Manche von den Abenteurern kehrten nach Spanien zurück, für immer von

ihrem Entdeckungsfieber geheilt, andere blieben in Mexiko, wieder

andere ließen sich für Peru anwerben, einzelne traten in einen

geistlichen Orden ein. So lösten sich die Trümmer des stattlichen

Heeres, welches Soto einst hinausgeführt hatte, wieder auf und trugen

durch ihre abschreckenden Berichte dazu bei, daß das Mississippigebiet

nicht wieder zum Ziel spanischer Eroberungsgelüste ausersehen wurde.

Geschichte des Zeitalters der Entdeckungen · 第 102 / 123 题