Unter den einheimischen Fürsten, welche sich dem siegreichen Spanier
unterwarfen, befand sich auch der Beherrscher von Michoacan. Durch
seine Abgesandten erhielt man zuerst zuverlässige Nachrichten über die
Nähe der Südsee. Cortes sandte vier Spanier dahin, mit der bestimmten
Weisung, nicht eher zurückzukehren, als bis sie für den König von
Spanien von diesem Meere Besitz genommen. Zwei der Abgesandten
führten den Befehl vollständig aus. Sandoval und Alvarado drangen mit
Heeresabtheilungen in die südlichen Länder, namentlich nach dem reichen
Thal von Oaxaca, welches später zur Hälfte dem Eroberer Mexiko’s als
Privateigenthum zufiel und wovon er den Titel Marques de Valle erhielt.
Dann wurden die Landschaften Colima im Westen und Tabasco im Südosten
dem spanischen Gebiet einverleibt, selbst der Fürst von Guatemala
zeigte seine Unterwerfung an. Cortes bezwang nach hartnäckigem
Widerstand das Gebiet von Panuco und erweiterte damit den Küstenbesitz
am Golf von Mexiko. Das westliche Weltmeer aber hatte für ihn eine
besondere Anziehung, weil er hier, der Anschauung der Zeit huldigend,
mit Gold und Spezereien gesegnete Inseln zu finden hoffte. Sowie die
Landschaft Michoacan ihn als Oberherrn anerkannt hatte, befahl er
in dem Hafen von Zacatula vier Schiffe zu bauen, um die Südsee zu
erforschen. Leider brach noch während des Baues auf der Werfte Feuer
aus und zerstörte die Fahrzeuge, sodaß der Plan einer Entdeckungsreise
noch verschoben werden mußte.
Noch hatte Cortes von der spanischen Regierung kein Schreiben, keine
Anerkennung seiner Verdienste erhalten. Fonseca war vielmehr immer
noch der Ansicht, man müsse den Usurpator und Empörer absetzen. Ja,
er unterzeichnete sogar am 11. April 1521 einen Verhaftsbefehl gegen
Cortes und übertrug die Ausführung desselben dem Cristoval de Tapia.
Als dieser in Vera Cruz ans Land stieg, ließ man nicht zu, daß er ins
Innere zur Hauptstadt reise; er verstand sich dann auch dazu, seine
Ausrüstung und Waffen gegen Bezahlung zurückzulassen und ging nach Cuba.
Erst im Jahre 1522, als Karl V. nach Spanien kam, und die Abgesandten
des Cortes nebst den ausführlichen Berichten des glücklichen Eroberers
auch die Kostbarkeiten und kunstreichen mexikanischen Arbeiten ihrem
Könige vorlegen konnten, übertrug derselbe die Entscheidung der
wichtigen Streitfrage einem besonderem Rathe, und dieser erklärte sich
für Cortes. So wurde derselbe durch königliches Dekret vom 15. October
1522 als Statthalter und Oberbefehlshaber von Neuspanien bestätigt.
Von dem Augenblicke an fühlte sich Cortes erst sicher in dem
errungenen Besitz und entwarf weitschauenden Blickes eine Reihe kühner
Pläne zur festen Begründung der spanischen Macht in Mexiko und den
Nachbargebieten und zur Erweiterung der Kenntniß von unbekannten
Regionen, mit denen und durch welche eine Verbindung und ein Verkehr
ihm für die Erweiterung seiner politischen Machtstellung in Neuspanien
von großer Bedeutung schien. Aus den kleineren Streifzügen wurden
unter diesen Gesichtspunkten bedeutende Entdeckungsfahrten und kühne
Eroberungszüge, theils um die Ausdehnung der Südsee kennen zu lernen,
theils um eine Verbindung des östlichen und westlichen Oceans, also
eine +mittelamerikanische Meerenge+ ausfindig zu machen, theils um die
Grenzen seiner Herrschaft nach Südosten bis zur Statthalterschaft des
Pedrarias auszudehnen.
Die Idee einer Meerenge hat Cortes beschäftigt, seitdem ihm
Montezuma eine Küstenkarte seines Reiches übergab. Alle Land- und
Wasserexpeditionen, welche er in den ersten Jahren nach Bezwingung der
Hauptstadt aussandte, hatten den Auftrag danach zu forschen. Von beiden
Oceanen, von den gegenüberliegenden Küsten wurde zu gleicher Zeit nach
dieser Meerenge gesucht.[388] Anfänglich glaubte er, sie in der Nähe
des Goatzacoalcoflusses zu treffen, weil auf der mexikanischen Karte
in dieser Gegend eine große Hafenbucht zwischen Gebirgen angegeben
war. Der genannte Fluß ist an der Mündung ein Kilometer breit, weitet
sich oft seenartig aus und hat selbst noch oberhalb der neuen Stadt
Amatitlan einen Durchmesser, wie der Rhein bei Cöln.[389]
Als sich hier am Isthmus von Tehuantepec die gewünschte Durchfahrt
nicht fand, richtete er seinen Blick auf die zweite Verengung des
centroamerikanischen Landes, auf den Golf von Honduras, und sandte
+Cristoval d’Olid+ (Dolid) dahin, um das Gebiet zu besetzen, weil, wie
er an den König von Spanien schrieb, nach der Ansicht vieler Piloten
dort eine Wasserstraße zum andern Meere führe, und es sein sehnlichster
Wunsch sei, dieselbe zu entdecken, da eine solche Wasserverbindung für
die Entwicklung der spanischen Macht von großer Bedeutung sei.[390]
Mit der Expedition d’Olid’s sandte er zugleich seinen Vetter Hurtado
de Mendoza mit drei kleinen Schiffen aus, welche, während Olid am Golf
von Honduras eine Colonie gründete, die Küsten des caribischen Meeres
bis nach Darien hin auf das Vorhandensein eines natürlichen Canals
untersuchen sollten.
Später suchte Cortes die Straße weiter nordwärts. Nachdem Magalhães
durch das Südmeer den Weg bis zu den Molukken gebahnt hatte, wuchs
die Bedeutung einer solchen Straße in hohem Maße. Wie leicht konnte,
wenn eine solche Meerenge in Mittelamerika vorhanden war, der Weg von
Spanien nach den Gewürzinseln zurückgelegt werden. Es war nicht mehr
ein auf haltlose Hypothesen gebautes nautisches Problem, wie zur Zeit
des Columbus, welches den Eroberer Mexiko’s zu diesen Unternehmungen
trieb, sondern ein weiter, staatsmännischer Blick; denn wenn sein
neuspanisches Reich an die Hauptfahrbahn des Weltmeers gerückt wurde,
mußte seinem Pflanzlande an einer solchen Weltstraße zwischen Europa
und dem gewürzreichen Indien eine glänzende Entwicklung zu theil werden.
All sein Sinnen und Trachten ging nur darauf aus, diese höchstwichtige
Straße zu finden.[391] Er suchte sie entweder zwischen Mexiko und
Florida, oder zwischen Florida und Neufundland. Die Fahrt durch diese
Straße würde den Weg zu den Gewürzländern bedeutend abkürzen und ganz
sicher sein, weil er stets durch spanisches Gebiet führe.
An Stelle der beiden ersten auf der Werft von Zacatula verbrannten
Caravelen wurden neue Schiffe gebaut und in den Jahren 1523 und 1524
von beiden Gestaden Mexiko’s aus die Untersuchungen nach einer Passage
fortgesetzt, aber umsonst. Und der Plan, die Schiffe an der Westseite
bis zur Magalhãesstraße auszusenden, unterblieb, seitdem er selbst
sich durch seinen (im nächsten Capitel zu schildernden) Feldzug von
Honduras überzeugt hatte, daß bis dorthin keine Verbindung zwischen den
beiden Meeren vorhanden sei. Dazu waren die weiter südlich gelegenen
Striche in der Statthalterschaft von Darien bereits genauer bekannt,
und kurz darauf nahmen die von Pizarro begonnenen Unternehmungen gegen
Peru ihm nach dieser Seite die Arbeit ab. Um so lebhafter wurden die
Forschungen in den nordwestlichen Gewässern, aber erst zehn Jahre
später aufgenommen. Ehe er dazu vorschreiten konnte, mußte das weite
Gebiet Neuspaniens am großen Ocean erst völlig unter die Verwaltung
der neuen Herren gebracht und die Communication nach den Küstenplätzen
geregelt sein.
Zunächst war Cortes noch mit der Organisation des eigentlichen,
engeren Gebiets von Mexiko beschäftigt. Ueber die Zahl der Städte,
Dörfer und Bewohner wurden statistische Erhebungen veranstaltet. Der
Landbau wurde durch Einfuhr von neuen Kulturgewächsen: Wein, Oliven,
Orangen, Mandeln, Pfirsichen und Zuckerrohr bereichert, und für die
Auffindung von Kupfer, welches zur Herstellung von Waffen von großer
Wichtigkeit war, wurden Prämien ausgesetzt. So wurden im Lande selbst
kupferne Feldschlangen gegossen, und da sich Salpeter und Schwefel in
reichlicher Menge vorfand, auch das für den Kriegsbedarf erforderliche
Pulver fabricirt.
Dann wurden nacheinander zwei größere Expeditionen gegen Südosten
ausgeschickt. Die eine unter Alvarado wendete sich zu Lande nach der
Küste der Südsee und drang durch den heutigen Staat Guatemala bis in
das Gebiet von S. Salvador vor, die andere unter +Olid+ nahm den
Weg zur See nach Honduras.
+Alvarado+ brach zuerst auf, angeregt durch das Gerücht von einem
Kulturvolke, welches in den Landstrichen südlich von Tabasco wohnen
sollte. Da der Fürst von Tehuantepec sich bereits den neuen Herrn
von Mexiko unterworfen hatte, und dem Alvarado bei seinem Erscheinen
auch Soconusco huldigte, so waren damit die Thore des Hochlandes von
Guatemala, wo jenes gesuchte Kulturvolk seinen Sitz hatte, geöffnet.
Ansteckende Krankheiten hatten dort kurz vorher die Hälfte der Bewohner
hinweggerafft und ihre Widerstandsfähigkeit gebrochen; daher wurden
die Abgesandten Alvarado’s freundlich aufgenommen und reich beschenkt
entlassen. Diese Geschenke reizten aber den spanischen Heerführer nur
noch mehr, das Land zu unterwerfen. Den Grundstock der Bevölkerung
bildeten Mayastämme: die Quiché, die Kakchiquel, zur Zeit der Eroberung
der mächtigste Stamm, und die Zutugil. Seit 1500 war Guatemala dem
Aztekenreiche einverleibt gewesen; aber mit dem Fall von Mexiko hatte
sich der Verband gelockert. Aztekische Ortsnamen reichten durch
Guatemala bis nach Honduras; doch verdankte das alte Quichéreich
den Tolteken seine Kultur. Unter der Anregung und Leitung dieser
altamerikanischen Baumeister waren auch hier prächtige Steinbauten,
Terrassentempel und mit reichen, buntbemalten Stuckaturen versehene
Paläste entstanden, deren dicht überwachsene Ruinen nur theilweise erst
wieder ans Licht gezogen und bekannt geworden sind.[392] Ihre Waffen
bestanden in Schwertern mit Steinschneiden, Bogen, Pfeilen, zum Theil
vergiftet, Lanzen und Schleudern; die Krieger trugen dicke, bis auf die
Füße reichende und daher schwerfällige Baumwollpanzer. Der religiöse
Cultus war ähnlich, wie in Mexiko.
[Illustration: Karte zu den Feldzügen Alvarado’s nach Guatemala und des
Cortes nach Honduras.]
Am Ende des Jahres 1523 hatte Alvarado ein Heer von 120 Reitern und
300 Mann spanischen Fußvolks, sowie 20,000 einheimische Krieger um
sich versammelt und brach damit im Februar 1524 von der Südküste her,
von Soconusco, in Guatemala ein. Unter großen Schwierigkeiten stieg
er durch die Bergschluchten ins Hochland hinauf, wo sich ihm ein
Heer von 60,000 Mann entgegenstellte. Aber diese Scharen wurden in
mehreren Gefechten besiegt und die schwerfällig gepanzerten Krieger
von den spanischen Reitern niedergeritten. Alvarado gründete die Stadt
Quetzaltenango, welche nach dem prächtigen Vogel Quejal oder Quetzal
(Trogon) benannt wurde, dessen lange, glänzend grüne Federn ein
schmückendes Abzeichen des Adels waren. Oestlich von der Stadt wurde
der Kampf erneuert. Der König Tecum Umam griff selbst die Spanier an,
brachte das Pferd Alvarado’s zu Fall, wurde aber von der Lanze seines
Gegners durchbohrt. Utatlan, die alte Hauptstadt der Quiché, stand in
der Nähe des heutigen Sa. Cruz del Quiché. Der königliche Palast galt
als eines der schönsten Gebäude in ganz Mittelamerika. Hieher lud der
neue König, indem er sich scheinbar den Siegern unterwarf, die Spanier
zu einem Besuche ein. Allein schon beim Einrücken in die Stadt wurde
ihr Verdacht rege. Die Einwohner waren sämmtlich in Waffen, die Gassen
der Stadt zeigten sich so schmal, daß die Rosse sich kaum bewegen
konnten. In den Wohnungen waren Holz und Reißig in Menge aufgehäuft.
Die indianischen Verbündeten Alvarado’s brachten bald bestimmtere
Nachrichten von dem Plane des Feindes, die ganze Stadt sammt den
Spaniern zu verbrennen, nachdem man die zu dem Orte führenden Brücken
abgebrochen. Alvarado ritt scheinbar unbefangen in die Versammlung des
Adels der Quiché und zog sich dann, unter dem Vorwande, erst für die
Unterkunft der Pferde Sorge tragen zu wollen, zurück. Als dann der
König mit seinen Edlen den Besuch im Lager der Spanier erwiderte, wurde
er mit seinem Gefolge gefangen genommen. Man machte ihm zwar Hoffnung
auf Befreiung, wenn er ein hohes Lösegeld an Gold zahle; aber ohne
dieses abzuwarten, wurde sein Gefolge theils gehängt, theils lebendig
verbrannt; dem Könige erwies man die Gnade der christlichen Taufe, ehe
er ebenfalls mit dem Strange gerichtet wurde.[393] Die Burg der Quiché
wurde zerstört und das Land unterworfen. Im April 1524 rückte Alvarado
weiter nach Patinamit (Guatemala), der Hauptstadt der Kakchiquel. Der
alte König kam den Spaniern in feierlichem Zuge friedlich entgegen und
ersparte seinem Lande, indem er sich unterwarf, die Gräuel des Kriegs
und der Verwüstung.
Dann wurde auch der Fürst von Amatitlan aufgefordert, sich unter die
Botmäßigkeit der Spanier zu begeben, aber trotzig ließ dieser die
Abgesandten der Eroberer tödten und zwang Alvarado ihn zu züchtigen.
Die Hauptburg des Landes lag im See von +Atitlan+, einem gegen 1000
Meter hoch gelegenen Gebirgssee, der in malerischer Landschaft von drei
Vulkanen überragt wird. Ein mehrfach durch Holzbrücken unterbrochener
Damm führte zu dem Inselfelsen. Nach einem siegreichen Kampfe am
Gestade des Sees drangen die Spanier zugleich mit den flüchtigen
Indianern über die Brücken und bemeisterten die Burg. Mit ihrem Fall
war der Widerstand des Volkes gebrochen.
Von hier marschirte Alvarado ins Küstenland hinab nach Escuintla
(Itzcuintlan); durch dichte, unwegsame Urwaldterrassen stieg er in drei
Tagen ins Land hinunter, wo angebaute Felder und Sümpfe abwechselten.
Nachdem die Hauptstadt überrumpelt und gestürmt war, unterwarf sich das
Volk. Bei seinem weiteren Vorrücken gegen Südosten fand aber Alvarado
das ganze Land unter Waffen, dazu wurden in der beginnenden Regenzeit
die Wege immer schwieriger. Trotzdem drang er durch eine Reihe von
Küstenstädten bis in das Gebiet des heutigen Staates S. Salvador.
Vor der Küstenstadt Acayutla widersetzte sich ihm in fester Stellung
ein großes Heer. Durch einen scheinbaren Rückzug wurde dasselbe
aus seiner gut gewählten Position herausgelockt, und dann machten
die Spanier Kehrt, die Reiter holten die Indianer, welche in ihren
Panzern nicht entfliehen konnten, ein und ritten sie nieder. Alvarado,
der durch mehrere empfangene Wunden über den Widerstand erbittert
war, ließ es geschehen, daß die meisten am Boden liegenden Feinde
abgeschlachtet wurden. Verheerend rückte er weiter bis Cuscatlan (S.
Salvador). Dort aber zwang ihn der Regen zur Umkehr nach Guatemala.
Mit neuen, von Mexiko kommenden Truppen wurden weitere Aufstände der
Indianer unterdrückt, 1525 die Stadt S. Salvador gegründet und damit
die Unterwerfung des Gebiets vollendet, in welchem eine ähnliche
Besitzergreifung des Landes und Vertheilung der Bewohner an die
Conquistadoren durchgeführt wurde, wie in Mexiko. Zwar wurden auch hier
1529 Gesetze zum Schutz der Indianer erlassen und suchten seit 1538
die Dominikaner sich der Unterworfenen anzunehmen, aber mit geringem
Erfolg. Die alte Kultur wurde zertreten, das Volk geknechtet und
decimirt und so das herrliche Land in die traurigste Lage gebracht, aus
welcher es sich, auch nach Befreiung von der spanischen Herrschaft,
nicht hat erheben können.
Bald nachdem Alvarado seinen Eroberungszug begonnen, ging auch
+Cristoval d’Olid+, ein Edelmann aus Baeza oder Linares, auf Cortes’
Befehl, am 11. Januar 1524 von Vera Cruz unter Segel. Er sollte
jenseits der Halbinsel Yukatan, an der Küste von Honduras eine
Niederlassung gründen, um das Reich von Neuspanien möglichst weit gegen
Südosten zu erweitern. Ein Geschwader von vier großen Schiffen und
einer Brigantine, mit 400 Soldaten bemannt, sollte zunächst in Cuba
anlaufen und sich dort mit Vorräthen versehen. Zu gleicher Zeit bekam
(wie bereits oben S. 388 erwähnt ist) der Vetter des Cortes, Hurtado
de Mendoza, den Auftrag, nach einer mittelamerikanischen Meerenge zu
forschen, allein derselbe konnte wegen der eigenthümlichen Stellung,
welche Olid bald einnahm, nicht ausgeführt werden. Cortes wirft nämlich
seinem Unterfeldherrn vor, er habe sich von seinem alten Widersacher,
Velasquez, dem Statthalter von Cuba, bei seiner Anwesenheit auf der
Insel zum Abfall von seinem Oberfeldherrn verleiten lassen und, durch
Velasquez beredet, den Plan gefaßt, seine Colonie von Neuspanien
unabhängig zu gestalten. Wenn dieses Gerücht sich bestätigen sollte,
schrieb Cortes bald darauf an den König, werde er mit Truppen nach
Cuba gehen, den Velasquez gefangen nehmen und gefesselt nach Spanien
dem Gericht überliefern. Olid sollte von Velasquez sogar die Zusage
kräftiger Unterstützung bei seinen verrätherischen Plänen erhalten
haben. Er ging von Cuba zunächst nach dem Golf von Higueras, wie man
damals den inneren Theil des Golfs von Honduras nannte.[394] Vierzehn
Meilen östlich vom Hafen Caballos[395] ging er am 3. Mai 1524 ans Land
und nahm dasselbe zunächst noch im Namen des Cortes in Besitz. Die
Stadt, welche er anlegte, erhielt nach dem Tage der Landung den Namen
Triumfo de la Cruz. Das Land war weit und breit friedlich, die Indianer
widersetzten sich den Fremden nirgends. Einzelne Spanier konnten ohne
Belästigung die Gegend nach Gefallen durchstreifen.[396]
Bald aber trat Olid mit seinen Plänen hervor und fand bei den meisten
seiner Leute Zustimmung. Als die erste Kunde davon nach Mexiko
gelangte, und zwar über Cuba, entsandte Cortes seinen Schwager
+Francisco de las Casas+ mit vier Schiffen und 150 Mann nach
Honduras,[397] wo Olid ihm die Landung verwehren wollte. Casas nahm
die beiden Schiffe Olid’s mit Gewalt, während die Mannschaft ans Ufer
entfloh. Unter dem Vorwande, die Vorbereitungen zur Uebergabe der
Colonie zu treffen, bat Olid um Waffenstillstand, benutzte aber die
Zeit, um seinen im Innern befindlichen Hauptmann Pedro de Briones mit
seiner Schar herbeizurufen. Dieser erhielt aber zu gleicher Zeit eine
Warnung durch Las Casas und zog es vor, dem Befehl seines Vorgesetzten
nicht zu folgen und ihn im Stich zu lassen. So zog sich eine Kette
des Verraths von S. Domingo, der Hauptstadt Indiens, über Mexiko
bis zu den Wildnissen Centroamerika’s: Velasquez empört sich gegen
Diego Colon, Cortes gegen Velasquez, Olid gegen Cortes, Briones gegen
Olid.[398] In der nächsten Nacht warf ein Sturm die ganze Flotille
des Las Casas an den Strand, 40 Mann ertranken dabei und der Capitän
selbst gerieth in Olid’s Gefangenschaft. Dann nahm dieser auch den von
Süden hergekommenen Gil Gonzalez, der mit seiner zusammengeschmolzenen
Mannschaft ziellos umherschweifte, gefangen, behandelte aber beide
Gegner mit äußerster Milde, zog sie ins Haus und an seinen Tisch,
als ob er sie dadurch gewinnen wollte, gab ihnen aber dadurch die
bequemste Gelegenheit, sich zu verständigen, wie man sich am sichersten
des Usurpators entledigen könne. Sie fielen eines Mittags über Olid
her, welcher, da er unbewaffnet war und sich nicht vertheidigen
konnte, flüchten mußte, um das Leben zu retten, und sich im nahen
Walde verbarg. Sein Versteck wurde durch einen Geistlichen verrathen.
Seine Leute hatten ebenso leicht seine Partei verlassen, wie früher
ergriffen; den Verschworenen der königlichen Partei wurde es dadurch
leicht gemacht, sich seiner Person zu bemächtigen und ihm den Proceß zu
machen. Er büßte seinen Verrath mit dem Leben. Dann gründete Las Casas
die Stadt Trujillo[399] und entließ sämmtliche Spanier, welche sich der
neuen Niederlassung nicht anschließen wollten, nach Mexiko oder Spanien.