23. Cortes als Statthalter von Neuspanien.

Unter den einheimischen Fürsten, welche sich dem siegreichen Spanier

unterwarfen, befand sich auch der Beherrscher von Michoacan. Durch

seine Abgesandten erhielt man zuerst zuverlässige Nachrichten über die

Nähe der Südsee. Cortes sandte vier Spanier dahin, mit der bestimmten

Weisung, nicht eher zurückzukehren, als bis sie für den König von

Spanien von diesem Meere Besitz genommen. Zwei der Abgesandten

führten den Befehl vollständig aus. Sandoval und Alvarado drangen mit

Heeresabtheilungen in die südlichen Länder, namentlich nach dem reichen

Thal von Oaxaca, welches später zur Hälfte dem Eroberer Mexiko’s als

Privateigenthum zufiel und wovon er den Titel Marques de Valle erhielt.

Dann wurden die Landschaften Colima im Westen und Tabasco im Südosten

dem spanischen Gebiet einverleibt, selbst der Fürst von Guatemala

zeigte seine Unterwerfung an. Cortes bezwang nach hartnäckigem

Widerstand das Gebiet von Panuco und erweiterte damit den Küstenbesitz

am Golf von Mexiko. Das westliche Weltmeer aber hatte für ihn eine

besondere Anziehung, weil er hier, der Anschauung der Zeit huldigend,

mit Gold und Spezereien gesegnete Inseln zu finden hoffte. Sowie die

Landschaft Michoacan ihn als Oberherrn anerkannt hatte, befahl er

in dem Hafen von Zacatula vier Schiffe zu bauen, um die Südsee zu

erforschen. Leider brach noch während des Baues auf der Werfte Feuer

aus und zerstörte die Fahrzeuge, sodaß der Plan einer Entdeckungsreise

noch verschoben werden mußte.

Noch hatte Cortes von der spanischen Regierung kein Schreiben, keine

Anerkennung seiner Verdienste erhalten. Fonseca war vielmehr immer

noch der Ansicht, man müsse den Usurpator und Empörer absetzen. Ja,

er unterzeichnete sogar am 11. April 1521 einen Verhaftsbefehl gegen

Cortes und übertrug die Ausführung desselben dem Cristoval de Tapia.

Als dieser in Vera Cruz ans Land stieg, ließ man nicht zu, daß er ins

Innere zur Hauptstadt reise; er verstand sich dann auch dazu, seine

Ausrüstung und Waffen gegen Bezahlung zurückzulassen und ging nach Cuba.

Erst im Jahre 1522, als Karl V. nach Spanien kam, und die Abgesandten

des Cortes nebst den ausführlichen Berichten des glücklichen Eroberers

auch die Kostbarkeiten und kunstreichen mexikanischen Arbeiten ihrem

Könige vorlegen konnten, übertrug derselbe die Entscheidung der

wichtigen Streitfrage einem besonderem Rathe, und dieser erklärte sich

für Cortes. So wurde derselbe durch königliches Dekret vom 15. October

1522 als Statthalter und Oberbefehlshaber von Neuspanien bestätigt.

Von dem Augenblicke an fühlte sich Cortes erst sicher in dem

errungenen Besitz und entwarf weitschauenden Blickes eine Reihe kühner

Pläne zur festen Begründung der spanischen Macht in Mexiko und den

Nachbargebieten und zur Erweiterung der Kenntniß von unbekannten

Regionen, mit denen und durch welche eine Verbindung und ein Verkehr

ihm für die Erweiterung seiner politischen Machtstellung in Neuspanien

von großer Bedeutung schien. Aus den kleineren Streifzügen wurden

unter diesen Gesichtspunkten bedeutende Entdeckungsfahrten und kühne

Eroberungszüge, theils um die Ausdehnung der Südsee kennen zu lernen,

theils um eine Verbindung des östlichen und westlichen Oceans, also

eine +mittelamerikanische Meerenge+ ausfindig zu machen, theils um die

Grenzen seiner Herrschaft nach Südosten bis zur Statthalterschaft des

Pedrarias auszudehnen.

Die Idee einer Meerenge hat Cortes beschäftigt, seitdem ihm

Montezuma eine Küstenkarte seines Reiches übergab. Alle Land- und

Wasserexpeditionen, welche er in den ersten Jahren nach Bezwingung der

Hauptstadt aussandte, hatten den Auftrag danach zu forschen. Von beiden

Oceanen, von den gegenüberliegenden Küsten wurde zu gleicher Zeit nach

dieser Meerenge gesucht.[388] Anfänglich glaubte er, sie in der Nähe

des Goatzacoalcoflusses zu treffen, weil auf der mexikanischen Karte

in dieser Gegend eine große Hafenbucht zwischen Gebirgen angegeben

war. Der genannte Fluß ist an der Mündung ein Kilometer breit, weitet

sich oft seenartig aus und hat selbst noch oberhalb der neuen Stadt

Amatitlan einen Durchmesser, wie der Rhein bei Cöln.[389]

Als sich hier am Isthmus von Tehuantepec die gewünschte Durchfahrt

nicht fand, richtete er seinen Blick auf die zweite Verengung des

centroamerikanischen Landes, auf den Golf von Honduras, und sandte

+Cristoval d’Olid+ (Dolid) dahin, um das Gebiet zu besetzen, weil, wie

er an den König von Spanien schrieb, nach der Ansicht vieler Piloten

dort eine Wasserstraße zum andern Meere führe, und es sein sehnlichster

Wunsch sei, dieselbe zu entdecken, da eine solche Wasserverbindung für

die Entwicklung der spanischen Macht von großer Bedeutung sei.[390]

Mit der Expedition d’Olid’s sandte er zugleich seinen Vetter Hurtado

de Mendoza mit drei kleinen Schiffen aus, welche, während Olid am Golf

von Honduras eine Colonie gründete, die Küsten des caribischen Meeres

bis nach Darien hin auf das Vorhandensein eines natürlichen Canals

untersuchen sollten.

Später suchte Cortes die Straße weiter nordwärts. Nachdem Magalhães

durch das Südmeer den Weg bis zu den Molukken gebahnt hatte, wuchs

die Bedeutung einer solchen Straße in hohem Maße. Wie leicht konnte,

wenn eine solche Meerenge in Mittelamerika vorhanden war, der Weg von

Spanien nach den Gewürzinseln zurückgelegt werden. Es war nicht mehr

ein auf haltlose Hypothesen gebautes nautisches Problem, wie zur Zeit

des Columbus, welches den Eroberer Mexiko’s zu diesen Unternehmungen

trieb, sondern ein weiter, staatsmännischer Blick; denn wenn sein

neuspanisches Reich an die Hauptfahrbahn des Weltmeers gerückt wurde,

mußte seinem Pflanzlande an einer solchen Weltstraße zwischen Europa

und dem gewürzreichen Indien eine glänzende Entwicklung zu theil werden.

All sein Sinnen und Trachten ging nur darauf aus, diese höchstwichtige

Straße zu finden.[391] Er suchte sie entweder zwischen Mexiko und

Florida, oder zwischen Florida und Neufundland. Die Fahrt durch diese

Straße würde den Weg zu den Gewürzländern bedeutend abkürzen und ganz

sicher sein, weil er stets durch spanisches Gebiet führe.

An Stelle der beiden ersten auf der Werft von Zacatula verbrannten

Caravelen wurden neue Schiffe gebaut und in den Jahren 1523 und 1524

von beiden Gestaden Mexiko’s aus die Untersuchungen nach einer Passage

fortgesetzt, aber umsonst. Und der Plan, die Schiffe an der Westseite

bis zur Magalhãesstraße auszusenden, unterblieb, seitdem er selbst

sich durch seinen (im nächsten Capitel zu schildernden) Feldzug von

Honduras überzeugt hatte, daß bis dorthin keine Verbindung zwischen den

beiden Meeren vorhanden sei. Dazu waren die weiter südlich gelegenen

Striche in der Statthalterschaft von Darien bereits genauer bekannt,

und kurz darauf nahmen die von Pizarro begonnenen Unternehmungen gegen

Peru ihm nach dieser Seite die Arbeit ab. Um so lebhafter wurden die

Forschungen in den nordwestlichen Gewässern, aber erst zehn Jahre

später aufgenommen. Ehe er dazu vorschreiten konnte, mußte das weite

Gebiet Neuspaniens am großen Ocean erst völlig unter die Verwaltung

der neuen Herren gebracht und die Communication nach den Küstenplätzen

geregelt sein.

Zunächst war Cortes noch mit der Organisation des eigentlichen,

engeren Gebiets von Mexiko beschäftigt. Ueber die Zahl der Städte,

Dörfer und Bewohner wurden statistische Erhebungen veranstaltet. Der

Landbau wurde durch Einfuhr von neuen Kulturgewächsen: Wein, Oliven,

Orangen, Mandeln, Pfirsichen und Zuckerrohr bereichert, und für die

Auffindung von Kupfer, welches zur Herstellung von Waffen von großer

Wichtigkeit war, wurden Prämien ausgesetzt. So wurden im Lande selbst

kupferne Feldschlangen gegossen, und da sich Salpeter und Schwefel in

reichlicher Menge vorfand, auch das für den Kriegsbedarf erforderliche

Pulver fabricirt.

Dann wurden nacheinander zwei größere Expeditionen gegen Südosten

ausgeschickt. Die eine unter Alvarado wendete sich zu Lande nach der

Küste der Südsee und drang durch den heutigen Staat Guatemala bis in

das Gebiet von S. Salvador vor, die andere unter +Olid+ nahm den

Weg zur See nach Honduras.

+Alvarado+ brach zuerst auf, angeregt durch das Gerücht von einem

Kulturvolke, welches in den Landstrichen südlich von Tabasco wohnen

sollte. Da der Fürst von Tehuantepec sich bereits den neuen Herrn

von Mexiko unterworfen hatte, und dem Alvarado bei seinem Erscheinen

auch Soconusco huldigte, so waren damit die Thore des Hochlandes von

Guatemala, wo jenes gesuchte Kulturvolk seinen Sitz hatte, geöffnet.

Ansteckende Krankheiten hatten dort kurz vorher die Hälfte der Bewohner

hinweggerafft und ihre Widerstandsfähigkeit gebrochen; daher wurden

die Abgesandten Alvarado’s freundlich aufgenommen und reich beschenkt

entlassen. Diese Geschenke reizten aber den spanischen Heerführer nur

noch mehr, das Land zu unterwerfen. Den Grundstock der Bevölkerung

bildeten Mayastämme: die Quiché, die Kakchiquel, zur Zeit der Eroberung

der mächtigste Stamm, und die Zutugil. Seit 1500 war Guatemala dem

Aztekenreiche einverleibt gewesen; aber mit dem Fall von Mexiko hatte

sich der Verband gelockert. Aztekische Ortsnamen reichten durch

Guatemala bis nach Honduras; doch verdankte das alte Quichéreich

den Tolteken seine Kultur. Unter der Anregung und Leitung dieser

altamerikanischen Baumeister waren auch hier prächtige Steinbauten,

Terrassentempel und mit reichen, buntbemalten Stuckaturen versehene

Paläste entstanden, deren dicht überwachsene Ruinen nur theilweise erst

wieder ans Licht gezogen und bekannt geworden sind.[392] Ihre Waffen

bestanden in Schwertern mit Steinschneiden, Bogen, Pfeilen, zum Theil

vergiftet, Lanzen und Schleudern; die Krieger trugen dicke, bis auf die

Füße reichende und daher schwerfällige Baumwollpanzer. Der religiöse

Cultus war ähnlich, wie in Mexiko.

[Illustration: Karte zu den Feldzügen Alvarado’s nach Guatemala und des

Cortes nach Honduras.]

Am Ende des Jahres 1523 hatte Alvarado ein Heer von 120 Reitern und

300 Mann spanischen Fußvolks, sowie 20,000 einheimische Krieger um

sich versammelt und brach damit im Februar 1524 von der Südküste her,

von Soconusco, in Guatemala ein. Unter großen Schwierigkeiten stieg

er durch die Bergschluchten ins Hochland hinauf, wo sich ihm ein

Heer von 60,000 Mann entgegenstellte. Aber diese Scharen wurden in

mehreren Gefechten besiegt und die schwerfällig gepanzerten Krieger

von den spanischen Reitern niedergeritten. Alvarado gründete die Stadt

Quetzaltenango, welche nach dem prächtigen Vogel Quejal oder Quetzal

(Trogon) benannt wurde, dessen lange, glänzend grüne Federn ein

schmückendes Abzeichen des Adels waren. Oestlich von der Stadt wurde

der Kampf erneuert. Der König Tecum Umam griff selbst die Spanier an,

brachte das Pferd Alvarado’s zu Fall, wurde aber von der Lanze seines

Gegners durchbohrt. Utatlan, die alte Hauptstadt der Quiché, stand in

der Nähe des heutigen Sa. Cruz del Quiché. Der königliche Palast galt

als eines der schönsten Gebäude in ganz Mittelamerika. Hieher lud der

neue König, indem er sich scheinbar den Siegern unterwarf, die Spanier

zu einem Besuche ein. Allein schon beim Einrücken in die Stadt wurde

ihr Verdacht rege. Die Einwohner waren sämmtlich in Waffen, die Gassen

der Stadt zeigten sich so schmal, daß die Rosse sich kaum bewegen

konnten. In den Wohnungen waren Holz und Reißig in Menge aufgehäuft.

Die indianischen Verbündeten Alvarado’s brachten bald bestimmtere

Nachrichten von dem Plane des Feindes, die ganze Stadt sammt den

Spaniern zu verbrennen, nachdem man die zu dem Orte führenden Brücken

abgebrochen. Alvarado ritt scheinbar unbefangen in die Versammlung des

Adels der Quiché und zog sich dann, unter dem Vorwande, erst für die

Unterkunft der Pferde Sorge tragen zu wollen, zurück. Als dann der

König mit seinen Edlen den Besuch im Lager der Spanier erwiderte, wurde

er mit seinem Gefolge gefangen genommen. Man machte ihm zwar Hoffnung

auf Befreiung, wenn er ein hohes Lösegeld an Gold zahle; aber ohne

dieses abzuwarten, wurde sein Gefolge theils gehängt, theils lebendig

verbrannt; dem Könige erwies man die Gnade der christlichen Taufe, ehe

er ebenfalls mit dem Strange gerichtet wurde.[393] Die Burg der Quiché

wurde zerstört und das Land unterworfen. Im April 1524 rückte Alvarado

weiter nach Patinamit (Guatemala), der Hauptstadt der Kakchiquel. Der

alte König kam den Spaniern in feierlichem Zuge friedlich entgegen und

ersparte seinem Lande, indem er sich unterwarf, die Gräuel des Kriegs

und der Verwüstung.

Dann wurde auch der Fürst von Amatitlan aufgefordert, sich unter die

Botmäßigkeit der Spanier zu begeben, aber trotzig ließ dieser die

Abgesandten der Eroberer tödten und zwang Alvarado ihn zu züchtigen.

Die Hauptburg des Landes lag im See von +Atitlan+, einem gegen 1000

Meter hoch gelegenen Gebirgssee, der in malerischer Landschaft von drei

Vulkanen überragt wird. Ein mehrfach durch Holzbrücken unterbrochener

Damm führte zu dem Inselfelsen. Nach einem siegreichen Kampfe am

Gestade des Sees drangen die Spanier zugleich mit den flüchtigen

Indianern über die Brücken und bemeisterten die Burg. Mit ihrem Fall

war der Widerstand des Volkes gebrochen.

Von hier marschirte Alvarado ins Küstenland hinab nach Escuintla

(Itzcuintlan); durch dichte, unwegsame Urwaldterrassen stieg er in drei

Tagen ins Land hinunter, wo angebaute Felder und Sümpfe abwechselten.

Nachdem die Hauptstadt überrumpelt und gestürmt war, unterwarf sich das

Volk. Bei seinem weiteren Vorrücken gegen Südosten fand aber Alvarado

das ganze Land unter Waffen, dazu wurden in der beginnenden Regenzeit

die Wege immer schwieriger. Trotzdem drang er durch eine Reihe von

Küstenstädten bis in das Gebiet des heutigen Staates S. Salvador.

Vor der Küstenstadt Acayutla widersetzte sich ihm in fester Stellung

ein großes Heer. Durch einen scheinbaren Rückzug wurde dasselbe

aus seiner gut gewählten Position herausgelockt, und dann machten

die Spanier Kehrt, die Reiter holten die Indianer, welche in ihren

Panzern nicht entfliehen konnten, ein und ritten sie nieder. Alvarado,

der durch mehrere empfangene Wunden über den Widerstand erbittert

war, ließ es geschehen, daß die meisten am Boden liegenden Feinde

abgeschlachtet wurden. Verheerend rückte er weiter bis Cuscatlan (S.

Salvador). Dort aber zwang ihn der Regen zur Umkehr nach Guatemala.

Mit neuen, von Mexiko kommenden Truppen wurden weitere Aufstände der

Indianer unterdrückt, 1525 die Stadt S. Salvador gegründet und damit

die Unterwerfung des Gebiets vollendet, in welchem eine ähnliche

Besitzergreifung des Landes und Vertheilung der Bewohner an die

Conquistadoren durchgeführt wurde, wie in Mexiko. Zwar wurden auch hier

1529 Gesetze zum Schutz der Indianer erlassen und suchten seit 1538

die Dominikaner sich der Unterworfenen anzunehmen, aber mit geringem

Erfolg. Die alte Kultur wurde zertreten, das Volk geknechtet und

decimirt und so das herrliche Land in die traurigste Lage gebracht, aus

welcher es sich, auch nach Befreiung von der spanischen Herrschaft,

nicht hat erheben können.

Bald nachdem Alvarado seinen Eroberungszug begonnen, ging auch

+Cristoval d’Olid+, ein Edelmann aus Baeza oder Linares, auf Cortes’

Befehl, am 11. Januar 1524 von Vera Cruz unter Segel. Er sollte

jenseits der Halbinsel Yukatan, an der Küste von Honduras eine

Niederlassung gründen, um das Reich von Neuspanien möglichst weit gegen

Südosten zu erweitern. Ein Geschwader von vier großen Schiffen und

einer Brigantine, mit 400 Soldaten bemannt, sollte zunächst in Cuba

anlaufen und sich dort mit Vorräthen versehen. Zu gleicher Zeit bekam

(wie bereits oben S. 388 erwähnt ist) der Vetter des Cortes, Hurtado

de Mendoza, den Auftrag, nach einer mittelamerikanischen Meerenge zu

forschen, allein derselbe konnte wegen der eigenthümlichen Stellung,

welche Olid bald einnahm, nicht ausgeführt werden. Cortes wirft nämlich

seinem Unterfeldherrn vor, er habe sich von seinem alten Widersacher,

Velasquez, dem Statthalter von Cuba, bei seiner Anwesenheit auf der

Insel zum Abfall von seinem Oberfeldherrn verleiten lassen und, durch

Velasquez beredet, den Plan gefaßt, seine Colonie von Neuspanien

unabhängig zu gestalten. Wenn dieses Gerücht sich bestätigen sollte,

schrieb Cortes bald darauf an den König, werde er mit Truppen nach

Cuba gehen, den Velasquez gefangen nehmen und gefesselt nach Spanien

dem Gericht überliefern. Olid sollte von Velasquez sogar die Zusage

kräftiger Unterstützung bei seinen verrätherischen Plänen erhalten

haben. Er ging von Cuba zunächst nach dem Golf von Higueras, wie man

damals den inneren Theil des Golfs von Honduras nannte.[394] Vierzehn

Meilen östlich vom Hafen Caballos[395] ging er am 3. Mai 1524 ans Land

und nahm dasselbe zunächst noch im Namen des Cortes in Besitz. Die

Stadt, welche er anlegte, erhielt nach dem Tage der Landung den Namen

Triumfo de la Cruz. Das Land war weit und breit friedlich, die Indianer

widersetzten sich den Fremden nirgends. Einzelne Spanier konnten ohne

Belästigung die Gegend nach Gefallen durchstreifen.[396]

Bald aber trat Olid mit seinen Plänen hervor und fand bei den meisten

seiner Leute Zustimmung. Als die erste Kunde davon nach Mexiko

gelangte, und zwar über Cuba, entsandte Cortes seinen Schwager

+Francisco de las Casas+ mit vier Schiffen und 150 Mann nach

Honduras,[397] wo Olid ihm die Landung verwehren wollte. Casas nahm

die beiden Schiffe Olid’s mit Gewalt, während die Mannschaft ans Ufer

entfloh. Unter dem Vorwande, die Vorbereitungen zur Uebergabe der

Colonie zu treffen, bat Olid um Waffenstillstand, benutzte aber die

Zeit, um seinen im Innern befindlichen Hauptmann Pedro de Briones mit

seiner Schar herbeizurufen. Dieser erhielt aber zu gleicher Zeit eine

Warnung durch Las Casas und zog es vor, dem Befehl seines Vorgesetzten

nicht zu folgen und ihn im Stich zu lassen. So zog sich eine Kette

des Verraths von S. Domingo, der Hauptstadt Indiens, über Mexiko

bis zu den Wildnissen Centroamerika’s: Velasquez empört sich gegen

Diego Colon, Cortes gegen Velasquez, Olid gegen Cortes, Briones gegen

Olid.[398] In der nächsten Nacht warf ein Sturm die ganze Flotille

des Las Casas an den Strand, 40 Mann ertranken dabei und der Capitän

selbst gerieth in Olid’s Gefangenschaft. Dann nahm dieser auch den von

Süden hergekommenen Gil Gonzalez, der mit seiner zusammengeschmolzenen

Mannschaft ziellos umherschweifte, gefangen, behandelte aber beide

Gegner mit äußerster Milde, zog sie ins Haus und an seinen Tisch,

als ob er sie dadurch gewinnen wollte, gab ihnen aber dadurch die

bequemste Gelegenheit, sich zu verständigen, wie man sich am sichersten

des Usurpators entledigen könne. Sie fielen eines Mittags über Olid

her, welcher, da er unbewaffnet war und sich nicht vertheidigen

konnte, flüchten mußte, um das Leben zu retten, und sich im nahen

Walde verbarg. Sein Versteck wurde durch einen Geistlichen verrathen.

Seine Leute hatten ebenso leicht seine Partei verlassen, wie früher

ergriffen; den Verschworenen der königlichen Partei wurde es dadurch

leicht gemacht, sich seiner Person zu bemächtigen und ihm den Proceß zu

machen. Er büßte seinen Verrath mit dem Leben. Dann gründete Las Casas

die Stadt Trujillo[399] und entließ sämmtliche Spanier, welche sich der

neuen Niederlassung nicht anschließen wollten, nach Mexiko oder Spanien.

Geschichte des Zeitalters der Entdeckungen · 第 99 / 123 题