Vor der welthistorischen Größe des Columbus stehen wir mit getheilten
Gefühlen. Wir bewundern die Kühnheit, die aus der felsenfesten
Ueberzeugung von der Richtigkeit seiner Theorien und Combinationen
entsprang, wir fühlen uns vielseitig angeregt durch seine treffenden
Naturbeobachtungen, in denen wir die ersten Keime einer physischen
Erdkunde erblicken dürfen;[286] aber auf der andern Seite fühlen wir
uns abgestoßen durch seinen blinden Autoritätsglauben, durch die
Zuversichtlichkeit, mit der er seine aus falsch oder ungenügend
angestellten Beobachtungen in seinem eignen Fache, der Nautik,
abgeleiteten abenteuerlichen Lehrsätze verkündet, durch die
schwärmerische Anmaßung, mit der er sich so oft als Abgesandten Gottes
einführt, durch die kleinliche Habsucht, mit welcher er die einem armen
Matrosen gebührende Belohnung sich selbst aneignet, durch die in der
Verschwörung Roldan zu Tage tretende Charakterschwäche. Wenn Humboldt
gemeint hat (a. a. O. II, 5), die großartige Gestalt des Columbus
beherrsche das Jahrhundert, so muß dagegen daran erinnert werden,
daß man den Entdecker der neuen Welt schon bei seinen Lebzeiten fast
vergessen hatte, und daß das Gesammtgebiet seiner Entdeckung kurz nach
seinem Tode nach einem seiner Nachfolger, nach Amerigo Vespucci benannt
wurde, und daß erst im 7. Jahrzehnt des 16. Jahrhunderts mit dem
Erscheinen der ~vida del Almirante~ die Aufmerksamkeit der Welt wieder
in erhöhtem Maße auf Columbus gelenkt wurde. Die weiteren Folgen seiner
Entdeckungszüge, die Eroberung der neuen Welt, die Erdumsegelungen,
die Enthüllung der allgemeinen Züge des ganzen Erdballs beherrschten
allerdings das Interesse aller seefahrenden Nationen des Abendlandes,
aber die Person des Entdeckers trat dabei ganz zurück. Seine Stärke
lag in dem scharfen Blick, mit dem er die Erscheinungen in der Natur
auffaßte, nicht blos in den Schilderungen, welche er mit poetischer
Begeisterung von den entdeckten Tropenländern gab, sondern in der
Aufstellung allgemeiner Gesetze, zu denen er, ohne wissenschaftliche
Bildung, in einzelnen Fällen das Richtige treffend, die wahrgenommenen
Erscheinungen combinirte. „Dieses Bestreben, die Resultate der
Beobachtung zu verallgemeinern, verdient um so größere Aufmerksamkeit,
als kein ähnlicher Versuch vor dem Schlusse des 15. Jahrhunderts,
fast hätte ich gesagt, vor den Tagen des Pater Acosta hervorgetreten
war. Bei den Urtheilen, welche Columbus über Gegenstände der
physischen Geographie fällte, ließ er sich ganz gegen seine sonstige
Gewohnheit +nicht+ von Erinnerungen aus der scholastischen Philosophie
leiten.[287] Dahin gehören seine Beobachtungen über die Vertheilung der
Wärme, die Variation des Erdmagnetismus, die äquatoriale Meeresströmung
und die durch diese Strömung bedingte Gestaltung +Trinidads+ und
der übrigen kleinen Antillen. „Columbus hat Fragen angeregt aus dem
Gebiete der physischen Geographie und Anthropologie, die damals die
aufgeklärten Geister Spaniens und Italiens beschäftigt: die Frage nach
der Vertheilung der Menschenrassen, die Configuration der Ländermassen.
Colon hat dem menschlichen Geschlechte wesentliche Dienste geleistet,
indem er so viel neue Gegenstände auf einmal dem Nachdenken darbot;
er hat die Masse der Ideen vergrößert; durch ihn hat ein wahrhafter
Fortschritt des menschlichen Denkens stattgefunden. Das Zeitalter
des Columbus war auch die Zeit des Copernicus, Ariosto, Dürer und
Rafael.“[288]
Aber neben diesen persönlichen und sachlichen Verdiensten, neben
den richtigen Beobachtungen und daraus abgeleiteten Lehrsätzen
erscheint eine so breite Phalanx von veralteten Theorien und
unverzeihlichen Verirrungen, wie sie nur in einem aller objectiven
Beurtheilung unfähigen Kopfe entstehen und von einem dem blindesten
Autoritätsglauben unterworfenen Geiste verkündigt werden konnten.
Wir brauchen hier nur auf die Abhängigkeit hinzuweisen, in welcher
Columbus bei den Fragen über die Größe oder Kleinheit der Erde, über
die Schmalheit des Oceans und den geringen Antheil, welcher der
Wasserdecke gegenüber der Landhülle des Erdballs zugewiesen wird,
ferner über die Theorien von der Lage des irdischen Paradieses und
den Weltuntergang sich von den Schriften des Cardinal d’Ailly befand,
auf seine Abhängigkeit von Toscanelli in Bezug auf Richtung und Ziel
seiner Fahrten, um dieses Verzichtleisten auf eigne Kritik zu erkennen.
Und wenn er in den erforschten Regionen Ophir und Cipangu, Katai und
den goldenen Chersones wiedergefunden zu haben glaubte, so liegt eine
Hauptursache in der Unfähigkeit des Admirals, annähernd richtige
astronomische Bestimmungen zu machen, in Folge dessen nicht einmal sein
Landungspunkt in der neuen Welt mit Sicherheit nachzuweisen ist. Weil
er den Karten Toscanelli’s u. a. bezüglich der Größe Cipangus mehr
traute, als seinen eignen Erfahrungen, hielt er die Insel Haiti für
eben so groß als ganz Spanien und verlegte die Nordküste der großen
Antillen bis unter den 40. Breitengrad.
Aber nicht blos, daß ihm thatsächlich in dieser Beziehung die
wissenschaftliche Kenntniß in seinem eigentlichsten Fache abging,[289]
er verschmähte sogar die Wissenschaft selbst, wenn er in seinem
~Libro de la profecias~[290] behauptet: „Zur Ausführung einer
Fahrt nach Indien haben Vernunftschlüsse, Mathematik und Weltkarten
mir zu nichts geholfen. Es ist einfach in Erfüllung gegangen, was der
Prophet Jesaias vorhergesagt hat.“
Man erkennt darin den mächtigen Einfluß, den die Geistlichkeit auf
das gläubige Gemüth des Genuesen ausübte. Wie er das Zustandekommen
seiner Unternehmung nur der Unterstützung und Befürwortung durch
die Geistlichkeit verdankte, und diese ihm auch behilflich war bei
der Sammlung und Erklärung der Stellen der heiligen Schrift, welche
er in zuversichtlichem Glauben auf sich bezog, wie er sich für den
Abgesandten Gottes erklärte, um die heiligen Prophezeiungen zu
erfüllen, so trug er auch äußerlich diese schwärmerisch-religiöse
Richtung zur Schau. „Da der Admiral,“ erzählt Las Casas (~lib.~ I.
~Cap.~ 102), „den Lehren des heiligen Franziskus sehr ergeben war, so
liebte er vorzugsweise die braungraue Farbe; wir haben ihn zu Sevilla
in einer Kleidung gesehen, welche mit der der Franziskanermönche fast
vollkommen übereinstimmte.“
Dahin rechnen wir auch die pedantische Gruppirung, in welcher Columbus
bei dem mystischen Bau seiner Namensunterschrift die seinem Eigennamen
vorangestellten sieben Buchstaben, unter denen wieder das A größer
als die übrigen sein mußte, theilweise nur mit Punkten versah. Diese
Unterschrift (d. h. die einzelnen Buchstaben)
S.
S. A. S.
Χ Μ Υ
ΧΡΟ FERENS.
malte er mit peinlicher Genauigkeit unter alle seine Briefe, selbst
an seine Söhne, und verlangte die sorgfältige Nachahmung ausdrücklich
auch von den Erben seines Majorats. Diese Unterschrift ist verschieden
gedeutet. Margry[292] erklärt sie: ~Supplex Servus Altissimi
Servatoris. Christus Maria Joseph Christoferens~. Becher[293] liest:
~Servidor Sus Altezas Sacras Jesus Maria Ysabel Christoferens~. W.
Irving macht zwar dabei darauf aufmerksam, daß es früher in Spanien
Sitte gewesen, seinem Namen irgend eine abgekürzte Sentenz beizusetzen,
welche, gegenüber den Juden und Mauren, den Schreiber als +Christen+
auswies;[294] aber Columbus hatte bei dieser langen Unterschrift,
welche auch Humboldts gerechten Widerwillen erregte,[295] die Absicht,
seinen Eigennamen Christoph, Christoferens in nicht mißzuverstehender
Weise mit der heiligen Familie in Verbindung zu bringen und sich als
den Christbringer zu erklären, welcher, dem ihm gewordenen göttlichen
Auftrage gemäß, das Christenthum über den Ocean tragen sollte.
[Illustration: Facsimile der Schlußzeilen eines Briefes von Christoph
Columbus, datirt Granada, 6. Februar 1502 „~à los Reyes Católicos
exponiendo algunas observaciones sobre el arte de naveger~“.[291]]
Diesem Gedanken, den Admiral als den Christusträger zu verherrlichen,
hat auch Juan de la Cosa auf seiner Karte von Amerika vom Jahre 1500
bildlichen Ausdruck gegeben, indem er auf dem damals noch nicht
enthüllten mittelamerikanischen Isthmus, wo Columbus 1503 eine Meerenge
suchte, den heiligen Christopherus darstellt, welcher das Christkind
durch den Ocean trägt. Einen erhöhten Reiz gewönne dies Bild, wenn die
oben bereits (S. 233) mitgetheilte Vermuthung das Richtige träfe, daß
der Kopf des Christopherus das Porträt des Entdeckers sei.
[Illustration: Die Insel Guanahani nach der Karte Diego Ribero’s von
1529.]
Dieselbe Karte enthält noch ein zweites bedeutsames Bild in der
künstlerisch ausgeführten Strichrose, unter welcher der Wendekreis des
Krebses hinläuft. Inmitten der nautischen Rose thront Maria mit dem
Kinde, umgeben von anbetenden Engeln. Daß auch spätere Kartographen
noch dem Glauben an die göttliche Sendung des Columbus huldigten,
erkennt man aus der naiven Weise, in welcher Diego Ribero auf seiner
1529 entworfenen Weltkarte der zuerst von Columbus entdeckten Insel
+San Salvador+ eine geradezu symbolische Gestalt gab. Er zeichnet sie
nämlich in Gestalt eines Kreuzes und gruppirt die Korallenbänke ringsum
als eilf rundliche Inseln. Wir sehen also den Erlöser (San Salvador)
von seinen eilf Aposteln umgeben.
Endlich ist hieher noch das merkwürdige Titelbild zu rechnen, mit
welchem die erste deutsche Ausgabe des Berichtes über die erste
Entdeckungsfahrt des Columbus geziert ist, von welchem Anfang und
Schluß bereits (S. 263) in Facsimiledruck mitgetheilt ist. Hier
erscheint Christus vor dem Könige von Spanien und weist bedeutsam auf
das Wundmal seiner Hand; ebendahin zeigte auch die rechte Hand des
Königs. Ist es nicht eine deutliche Anspielung auf den Unglauben des
Apostel Thomas, und ist der ungläubige spanische Monarch, welcher
jahrelang der Versicherung des Columbus mistraute, nicht durch den
Erfolg der ersten Reise bekehrt worden?
Den Glauben, daß der Genuese profane und heilige Prophezeihungen
aus alter Zeit erfüllt habe, theilten die Zeitgenossen mehrfach. So
schrieb der gelehrte Sohn des Columbus, Ferdinand in die Tragödien des
Seneca zu der (S. 236) mitgetheilten Stelle aus der Medea: ~Venient
etc.~ „Diese Prophezeihung hat mein Vater erfüllt.“ So machte Agostino
Giustiniani (geb. 1470 in Genua, seit 1514 Bischof in Mebbio auf
Corsica) in seinem polyglotten Psalter[296] zu der bekannten Stelle
im 19. Psalm: „Die Himmel erzählen die Ehre Gottes“ die Bemerkung,
Columbus habe oft gesagt, daß er von Gott berufen sei, den Gedanken
des fünften Verses: „Durch alle Lande gehet ihr Klang, bis ans Ende
der Welt ihr Ruf“ zu verwirklichen. Und dabei benutzt der Verfasser
die Gelegenheit, an dieser Stelle seinem Commentare eine längere
Lebensbeschreibung des Columbus einzuverleiben.[297]
Alle diese verschiedenen Aeußerungen des Glaubens und Vertrauens auf
die Berufung des Columbus hatten ihren Ursprung in der felsenfesten
Zuversicht des Genuesen zu seiner von Gott bestimmten Lebensaufgabe,
welche von ihm selbst auf seine Umgebung überging. Im allgemeinen
repräsentirt sich in ihm der unverwüstliche Drang der Zeit zu großen
Entdeckungen, aber seine unerschütterliche Ausdauer entsprang nur
seinem schwärmerischen Glauben. Dieser gab ihm den Muth, auf seinen
ungemessenen Forderungen zu verharren, ehe noch die Unternehmung
gesichert war, dieser verlieh ihm auch die unvergleichliche Energie,
welche er sowohl auf der ersten, als auch auf der letzten Reise
bewiesen. In dieser unerschütterlichen Ueberzeugung, in diesem Glauben
an sich selbst lag eine Größe, welche seine Genossen zuweilen mit
fortriß.
Den Eindruck, welchen die Kunde von den ersten Entdeckungen machte,
fühlen wir am besten aus den Briefen Peter Martyrs.
Auf die erste Mittheilung vom 15. Mai 1493, worin er schreibt: „Von
den westlichen Antipoden ist ein gewisser Christopherus Colon, ein
Ligure, zurückgekehrt mit Proben von kostbaren Produkten, namentlich
von Gold“[298] folgt im September desselben Jahres (13. Sept.) schon
der Ausdruck wärmerer Theilnahme. „Merket auf und vernehmet die neue
Entdeckung,“[299] worauf ein ausführlicher Bericht über die erste
Fahrt des Columbus folgt. Ein anderer Brief[300] von demselben Tage
bezeichnet die Entdeckung als ein wunderbares Ereigniß, als eine
gesegnete That. Kurz darauf (1. Oct. 1493) spricht er seine Freude
darüber aus, daß die bisher noch unbekannte Erdhälfte durch den
Wetteifer der Spanier und Portugiesen, welche immer weiter südwärts
vordringen, nun immer mehr enthüllt werde.[301] Er bezeichnet
Columbus als den Entdecker der „neuen Welt“ (~novi orbis repertor~)
und jubelt, daß Tag für Tag neue Wunder aus jenen Regionen gemeldet
werden, und daß der Admiral fast schon den goldenen Chersones erreicht
habe.[302] Er nimmt sich vor, diese ewig denkwürdigen Ereignisse mit
gespannter Aufmerksamkeit zu verfolgen, zu sammeln und den Gelehrten
mitzutheilen. Sein Freund Pomponius Laetus, der ausgezeichnete
Förderer der classischen römischen Literatur, war bei der Kunde von
den wunderbaren Erfolgen der Westfahrten vor Entzücken aufgesprungen
und hatte sich kaum der Freudenthränen erwehren können. „Ich ersehe,“
schreibt ihm Martyr, „aus deinem Briefe, was du empfunden hast und
wie du die Bedeutung dieser Entdeckungen zu würdigen weißt. Welche
Nahrung kann für erhabene Geister willkommener sein? Ich fühle es
an mir selbst. Ich bin freudig erregt, wenn ich verständige Männer
spreche, welche aus jenen Gegenden zurückkommen. Wer mag heute noch
staunen über die Entdeckungen, welche Saturn, Ceres und Triptolemos
gemacht haben sollen? Selbst die Phönizier müssen mit ihren Leistungen
zurücktreten.“[303] Ganz ähnlich spricht er sich in den Decaden (I.
~lib. X. p.~ 119) aus: „Weder dem Saturn, noch dem Herkules, noch
irgend einem der Alten, welche neue Küsten aufgesucht haben, stehen die
Spanier unserer Zeit nach. Wie weit wird die Nachwelt das Christenthum
ausgebreitet sehen, ein wie weiter Raum ist der Ausbreitung der
Menschen angewiesen? Was ich darüber empfinde, vermag ich weder mit
Worten noch mit der Feder wiederzugeben.“
Aber diese hohe Begeisterung schien nur kurze Zeit zu dauern. Als das
Ansehen des Columbus nach seiner dritten Reise sank, als er selbst
in Ketten nach Europa geschafft wurde, wurde die Aufmerksamkeit
der Handelsvölker vielmehr nach dem von den Portugiesen +wirklich
erreichten Indien+ gelenkt. Hier war das lang erstrebte Ziel
thatsächlich gefunden, hier waren die Gewürzländer selbst erreicht,
und gewinnbringende Frachten kehrten nach Lissabon zurück. An den
Fahrten nach der neuen Welt betheiligten sich nur spanische Fahrzeuge,
zum indischen Handel drängten sich deutsche und italienische
Handelshäuser und unterstützten den wachsenden Verkehr mit Schiffen
und Geld. Daher erklärt sich die merkwürdige Erscheinung, daß sich die
Geschichtsschreiber in England, Frankreich und Portugal gar nicht um
die Entdeckungen des Columbus bekümmerten, daß alle durch Flugblätter
verbreiteten Berichte nur in lateinischen, deutschen oder italienischen
Uebersetzungen vorhanden sind, und daß von den vier Reisen des Admirals
nur eine einzige, und zwar die erste, in spanischer Sprache vorliegt.
Daran ist aber der Entdecker selbst schuld, insofern er in ängstlicher
Sorge um sein Monopol die große Angelegenheit als sorgfältig zu
hütendes Geheimniß behandelte und von seinen Gefährten sogar die von
ihnen entworfenen Karten abforderte, damit niemand ohne seine Erlaubniß
sein privilegirtes Gebiete beträte. Selbst in seinen Mittheilungen an
die Monarchen Spaniens war er in dieser Beziehung zurückhaltend.
Nur zwei Briefe des Columbus drangen in die Oeffentlichkeit -- und
zwar über die erste und vierte Reise. Der Inhalt des ersten an den
Schatzmeister Raphael Sanchez gerichteten Briefes wurde in der +ersten
Flugschrift über Amerika+ 1493 in Rom veröffentlicht. Wir haben
bereits oben (S. 262) das Facsimile des Anfangs dieses interessanten
Blattes mitgetheilt. Von dieser lateinischen Ausgabe erschienen gleich
im ersten Jahre sechs verschiedene Auflagen, dann folgten spanische
und italienische Texte und endlich 1497 eine deutsche Bearbeitung
unter dem Titel: Eyn schön hübsch lesen von etlichen inßlen u. s. w.
Endlich folgte 1505 die ~lettera rarissima~, ein Brief über die vierte
Reise, welcher gleichfalls in Italien bekannt gemacht wurde.[304]
Damit erlosch die speciell columbische Literatur; aber bereits seit
1503 beherrschten Amerigo Vespucci’s ausführliche Reiseberichte den
buchhändlerischen Markt, und so erntete dieser den Ruhm, welcher dem
Entdecker gebührte, so daß endlich sogar die ganze neue Welt seinen
Namen erhielt. Columbus selbst hatte leider bis an seinen Tod nicht die
Ueberzeugung gewinnen können, daß er einen neuen Erdtheil entdeckt habe.
Wir fügen diesem Abschnitt eine kurze Uebersicht über die Familie des
Columbus an.
+Bartolomeus Columbus+, spanisch Don Bartolomé Colon, war der
erste Vertraute und auf seinen späteren Reisen eine wesentliche Stütze
seines Bruders. In dessen Auftrage war er schon 1488, ehe der Vertrag
mit Spanien zum Abschluß gekommen, nach England gegangen, um dem
Könige Heinrich VII. den Plan seines Bruders vorzulegen. Möglicher
Weise entstanden aus den dabei gegebenen Anregungen die Pläne zu den
Fahrten der Cabots. Bartolomé machte dann die zweite Entdeckungsreise
mit, gründete als Adelantado die erste Stadt der neuen Welt, San
Domingo, 1496 und machte sich namentlich auf der letzten Reise 1502
sehr verdient. Nach dem Tode des Admirals ging er mit seinem Neffen
Diego wieder nach Westindien und war 1511 in Besitz der kleinen Insel
Mona zwischen Haiti und Puertorico. Er starb am 12. August 1514 auf
Haiti. Las Casas rühmt seine Tüchtigkeit als Kosmograph und Kartograph.
Unzweifelhaft besaß er in der ganzen Familie am meisten Thatkraft und
Charakterstärke.
Weniger bedeutend ist der zweite Bruder +Diego+, der als Befehlshaber
in Isabella und in der Stadt San Domingo auftritt, aber ohne diese
schwierige Stelle befriedigend behaupten zu können. Auch er starb auf
Haiti.
Der einzige rechtmäßige Sohn des Admirals und Vicekönigs war
gleichfalls +Diego+ benannt. Er hatte von Kind auf den Vater während
der langen peinlichen Zeit des Hoffens und Harrens in Spanien auf
seinen Wanderungen begleitet, war ihm zur Seite, als in dem Kloster
la Rabida endlich die günstige Wendung des Geschickes eintrat, wurde
später, als der Vater seine Fahrten begann, unter die Pagen der
Königin aufgenommen und kam erst 1509 nach Haiti. Er hatte dann den
langwierigen fiscalischen Proceß wegen der Würden und Privilegien, die
dem Vater zugesichert waren, zu führen, und erbte endlich den Titel
eines Admirals von Indien. Er starb am 23. Februar 1526.
+Ferdinand+ Columbus, der natürliche Sohn des Entdeckers, erhielt
eine wissenschaftliche Bildung und wurde später Geistlicher. Nachdem
er Amerika besucht hatte, ließ er sich in Sevilla nieder, wo er eine
für jene Zeit bedeutende Bibliothek von 20,000 Bänden sammelte,
welche noch unter dem Namen ~Biblioteca Colombina~ vorhanden ist.
Es zeugt von seiner wissenschaftlichen Bedeutung, daß Cabot ihn
einst als Schiedsrichter anrief. Er galt bisher als Verfasser der
Lebensgeschichte seines Vaters, der s. g. ~vida del almirante (Historie
et vera relatione della vita é de’ fatti dell Ammiraglio D. Christofero
Colombo)~, welche 1571 erschien; allein dieses Werk enthält so viel
gradezu legendenhaften Stoff und dazu anekdotenhafte Züge, welche nicht
blos thatsächlich Unmögliches berichten, sondern auch aus der Feder
des in der Nautik wohlerfahrenen Sohnes unmöglich stammen können,[305]
so daß die Authenticität der „~vida~“ mit vollem Rechte bestritten
ist.[306]
+Don Luis+, der Sohn Diego’s, führte den fiscalischen Proceß zu Ende
und gab seine Ansprüche auf das Vicekönigthum auf gegen den Titel
Herzog von Veragua, Marquis von Jamaica, Admiral von Indien und für
eine Pension von 1000 Dublonen Gold. Er starb 1572 und es folgte ihm
der Sohn seines Bruders Christobal, +Don Diego+ II., als vierter
Admiral von Indien. Mit ihm erlosch 1576 die directe männliche Linie
des Columbus.