Im Südosten von Hinter-Indien breitet sich die große malayische
Inselflur aus, welche aus der Sundawelt nebst Molukken und Philippinen
besteht. Der Flächenraum, welchen die an tropischen Erzeugnissen
überaus reich gesegneten und in malerischer Schönheit prangenden
Inseln bedecken, ist so groß wie ganz Europa. Die Summe der Landmassen
dieses Gebietes, welches in seiner ganzen Breite auf einer Strecke
von 35 Meridianen oder 525 Meilen vom Aequator durchschnitten wird,
beträgt etwa 36,000 Quadratmeilen; die Bevölkerung wird jetzt auf 35
Millionen Menschen geschätzt, ist also größer als die Einwohnerschaft
von ganz Südamerika. Die Sundainseln gehören zu den größten Inseln
der Erde: Bórneo nimmt einen größern Flächenraum ein als das deutsche
Reich sammt den angrenzenden Staaten Schweiz, Belgien, Niederlande
und Dänemark; Sumátra ist so groß wie Preußen und Bayern zusammen,
Celebes läßt sich mit Großbritannien vergleichen, und Java steht dem
Staatencomplex von Süddeutschland nicht nach. Man macht sich von der
Größe des ganzen Gebiets und der Ausdehnung dieser Inseln gewöhnlich
eine zu geringe Vorstellung. „Der Reisende,“ sagt Wallace,[126] „segelt
Tage, selbst Wochen längs den Ufern +einer+ dieser Inseln, die oft so
groß sind, daß deren Bewohner sie für ein ausgedehntes Festland halten.
Er erfährt, daß man Touren zwischen diesen Inseln meist nur nach Wochen
und Monaten berechnet und daß ihre verschiedenen Einwohner oft so
wenig unter einander bekannt sind, wie die Eingebornen des nördlichen
Festlandes von Amerika denen des südlichen. Bald gelangt er dahin,
diese Region als eine von der ganzen übrigen Welt gesonderte anzusehen,
mit ihren eignen Menschenrassen und ihren eignen Ansichten der Natur,
mit ihren eignen Ideen, Empfindungen, Sitten und Sprachweisen, mit
einem Klima, einer Vegetation, einer Thierwelt, alles von durchaus ihr
eigenthümlichem Charakter.“
Nahe dem Ostrande dieses großen Gebietes, genau in einem Abstande
von 25 Meridianen, von der Stadt Malaka aus gerechnet, liegen
die eigentlichen Molukken oder Gewürzinseln an der Westküste der
vielgegliederten Insel Halmahera oder Dschilolo zwischen dem ersten
und zweiten Grade nördl. Br. Die wichtigsten darunter sind Ternate und
Tidor. Zwei andere Gruppen von Eilanden, welche ebenfalls an Gewürz
reich sind, liegen 60 bezüglich 80 Meilen südlich und südöstlich von
der zuerst genannten Gruppe. Beide liegen im Süden der langgestreckten
Insel Ceram, und zwar die Amboinen und Banda.
Hier ist die Heimat der Gewürznelken und der Muskatnuß. Im Gegensatz
zu der namhaften Ausdehnung der Sundainseln gehören die Molukken zu
den kleinsten Eilanden, so daß die kostbarsten Güter der Pflanzenwelt
nur auf einem sehr beschränkten Raum gedeihen. Tidor umfaßt kaum 1½,
Ternate etwas mehr als 1 Quadratmeile, und die Bandagruppe ist auch
nicht größer. Dagegen nehmen die Amboinen einen Flächenraum von 17
Quadratmeilen ein. Gegenwärtig beträgt die Bevölkerung nicht ganz
100,000 Seelen, sie entspricht also annähernd der mittleren Dichtigkeit
der Bevölkerung im deutschen Reiche.
Diese Inseln sind Glieder des großen vulkanischen Ringes, welcher von
den Philippinen her gegen Süden über Banda hinaus und weiter gegen
Westen und Nordwesten über Sumatra hin die größte aller in diesem
Gebiete liegende Insel Borneo umfaßt. Sie sind sämmtlich vulkanisch
und bestehen eigentlich nur aus 4- bis 5000 Fuß hohen Bergkegeln,
in denen die eruptischen Gewalten des Erdinnern noch wach sind,
und die theils durch verheerende Ausbrüche, theils durch heftige
Erderschütterungen die Bewohner erschrecken. Aber die vulkanischen
Aschen und die verwitterten Laven haben, von tropischem Regen getränkt,
eine erstaunliche Fruchtbarkeit und eine üppige Baumvegetation
erzeugt, welche die Gehänge der Vulkane vollständig umhüllt. Auf
den eigentlichen Molukken hat Tidor den größten und vollkommen
konisch gestalteten Berg, der Berg auf Ternate ist fast ebenso hoch
aber mit einer gerundeten und unregelmäßigen Spitze. Hier erhebt
sich unmittelbar hinter der Stadt der riesige Berg, anfangs langsam
ansteigend und mit dichten Hainen von Fruchtbäumen bedeckt, bald
aber steiler werdend und von tiefen Furchen durchzogen. Fast bis zum
Gipfel, dessen Oeffnung stets schwache Rauchwolken entsteigen, ist er
mit Pflanzenwuchs bekleidet und sieht so ruhig und schön aus, obgleich
er ein Feuer birgt, das gelegentlich in Lavaströmen ausbricht, aber
sich häufiger durch Erdbeben bemerkbar macht, welche oftmals die Stadt
verwüstet haben.[127]
Ueber den Fruchtbäumen erstreckt sich ein Gürtel von Lichtungen und
bebautem Boden, welcher sich den Berg hinauf bis zu einer Höhe von
zwei- bis dreitausend Fuß zieht, worauf Urwald folgt, der fast bis zum
Gipfel reicht.
Die Küsten dieser kleinen Inseln haben steile, schwarze Gestade aus
vulkanischem Sande oder sind mit zerrissenen Massen von Lava und
Basalt belegt.[128] Nur hier auf den beiden genannten Inselbergen und
den südlich darauf folgenden Inseln, welche ähnlich gestaltet sind,
auf Motir und Makkian, sowie auf der südlichsten und größten, Batjan,
gedieh die geschätzte Gewürznelke. Der spanische Seefahrer Urdaneta,
welcher von 1526 bis 1535 dort weilte, schätzte zu seiner Zeit den
jährlichen Ertrag in guten Jahren auf 11,600 Centner (Quintal), in
schlechten Jahren auf 5- bis 6000 Centner. Als Urdaneta auf die Inseln
kam, kostete ein Bahar (d. h. mehr als 4 Centner) 2 Dukaten, und zur
Zeit, als er das Gebiet verließ, bezahlte man in Indien für dasselbe
Maß bereits 10 bis 14 Dukaten.[129]
Die zweitwichtigste Gruppe bilden die drei kleinen Bandainseln.
Barros[130] nennt sie einen Garten von Muskatbäumen, welche mit
zahlreichen Pflanzen und Kräutern zu gleicher Zeit blühen und so die
Luft mit einem unvergleichlichen Gemisch von Wohlgerüchen erfüllen.
Wallace schildert sie mit gleichem Entzücken, als bedeckt mit einer
ungewöhnlich dichten und brillianten grünen Vegetation. Banda ist ein
lieblicher kleiner Fleck Erde; die drei Inseln schließen einen sichern
Hafen ein, von dem kein Ausgang sichtbar ist, und der so durchsichtiges
Wasser besitzt, daß lebende Korallen und selbst die kleinsten
Gegenstände deutlich auf dem vulkanischen Sand und in einer Tiefe
von 7 bis 8 Faden zu sehen sind. Der immer rauchende Vulkan thürmt
seine nackte Spitze an einer Seite auf, während die zwei größeren
Inseln mit Pflanzenwuchs bis an den Gipfel der Hügel bedeckt sind.
Ungeachtet der Verluste, welche durch Erderschütterungen entstehen,
und ungeachtet des geringen Umfanges und der isolirten Lage dieser
kleinen Inseln sind sie noch der Haupt-Muskatnußgarten der Erde. Fast
die ganze Oberfläche ist mit Muskatnüssen bepflanzt, welche unter dem
Schatten der hohen Kanarienbäume (~Kanarium commune~) wachsen. Der
vulkanische Boden, der Schatten und die außerordentliche Feuchtigkeit
dieser Inseln, wo es mehr oder weniger jeden Monat im Jahre regnet,
scheinen dem Muskatnußbaume gerade zuzusagen, welcher keinen Dünger
und kaum der Pflege bedarf. Das ganze Jahr hindurch findet man Blumen
und reife Früchte, und dazu sind wenige cultivirte Pflanzen schöner
als Muskatnußbäume. Sie sind hübsch geformt und glattblättrig, 20 bis
30 Fuß hoch und tragen kleine gelbliche Blumen. Die reife dunkelbraune
Nuß ist von der carmoisinrothen Muskatblüthe oder Macis als Samenhülle
umgeben und bietet so einen reizvollen Anblick dar.[131]
Urdaneta schätzte zu seiner Zeit den Ertrag auf durchschnittlich 7000
Centner Nüsse und 1000 Centner Macis (~macía~). Ein Bahar (hier gleich
5 Centner) Nüsse kostete 5 Dukaten, Macis immer siebenmal soviel. Von
beiden Gewürzen gelangten damals nur etwa 500 Centner Gewürznelken, 100
Centner Macis und 200 Centner Muskatnüsse nach Portugal.[132]
Die dritte und größte Gruppe endlich bilden die Amboinen südlich von
Ceram, gegenwärtig dem Hauptpunkte der Molukken. Die Hauptinsel Amboina
besteht aus zwei Halbinseln, die durch Seebuchten fast gänzlich von
einander getrennt sind. Thätige Vulkane gibt es nicht mehr auf der
Insel; früher kamen häufiger heftige Erdbeben vor. Seit 1824 ist der
Vulkan auf der westlichen Seite der Insel still geworden. Der Seegrund,
welcher die Insel umgibt, ist von einer wunderbaren Klarheit und von
bezaubernder Schönheit der farbenprächtigen Korallenwelt, welche von
zahlreichen blau, roth und gelb gefärbten Fischen und der Oberfläche
näher von orangenen und rosigen, durchsichtigen Medusen belebt ist.
Ueppiger Wald, von Kletterpflanzen durchwuchert, bedeckt das ganze
Land, so weit es nicht für den Anbau gelichtet ist.[133]
Schon im sechzehnten Jahrhundert gediehen hier die Gewürznelken, wenn
auch nicht in demselben Maße wie auf den Molukken, aber die Insel war
damals bekannt wegen der Seetüchtigkeit der Bewohner. Die Malayen,
welche diese Inselwelt größtentheils bewohnen, sind recht eigentlich
ein Seevolk, und durch die Zersplitterung des heimischen Grundes in
zahllose Berginseln, deren Gipfel weit über See aus blauer Ferne
einladend winken, zum Seeleben erzogen. Die nur in ihrem Gebiete
vorkommenden Gewürze steigerten den Verkehr und die Neigung zu weiten
Wasserfahrten. Vom Süd- und Ostgestade des benachbarten asiatischen
Festlandes kamen die arabischen, indischen, chinesischen Fahrzeuge
zu ihnen, um die Gewürze zu holen. Da diese nun allein am äußersten
Ende des Gebiets gediehen, mußten alle Meere innerhalb der Inselzone
durchstreift werden und kundige Piloten sich an allen wichtigeren
Sammelplätzen bilden. Aber über den scharfbegrenzten Südrand, über
die von Java und den kleinen Sundainseln gezogenen Barrieren ging die
Schifffahrt ins offene indische Weltmeer nicht hinaus, ebensowenig aber
auch weiter gegen Osten und Südosten, sodaß die Bewohner keine Kunde
hatten von dem nahegelegenen australischen Festlande. Der Gewürzhandel
führte nicht in jene ungastlichen Gewässer, und so sind auch die
Portugiesen nach dieser Richtung nicht weiter vorgedrungen, als ihr
einziges Ziel, die Gewürzinseln zu erreichen, sie führen konnte.
Es ist bereits oben (S. 174) kurz angedeutet, daß der große
Albuquerque, nachdem er sich des Hafens von Malaka bemächtigt hatte,
drei Schiffe unter dem Oberbefehl +Antonio’s d’Abreu+ absandte, um
die Molukken aufzusuchen. Es war das äußerste und letzte Ziel der
portugiesischen Handelspolitik. Mit d’Abreu gingen als Capitäne der
beiden anderen Schiffe Francisco Serrão und Simão Affonso Bisigudo. Im
December 1511 stachen sie von Malaka aus in See, richteten ihren Cours
zunächst nach der Nordküste von Java und gelangten von da nach Amboina.
Serrão’s Schiff ging in einem Sturm unter, aber die Mannschaft konnte
sich auf eines der anderen beiden Fahrzeuge retten. Auf Banda bot sich
Gelegenheit, eine Dschunke zu erwerben als Ersatz für das verlorene
Schiff; auch konnte man hier bereits eine Gewürzfracht eintauschen.
Nach den eigentlichen Molukken kam d’Abreu nicht. Die Gewürzinseln
im weiteren Sinne hatte er gefunden. Er begnügte sich mit dem ersten
Erfolg, zumal da seine Schiffe sich in schlechtem Zustande befanden,
und kehrte bald darauf zunächst nach Malaka und später mit Fernão Peres
d’Andrade nach Portugal zurück. Aber bereits bald nach seiner Abreise
von Banda verlor er die eben erst gekaufte Dschunke, denn Serrão hatte
zum zweitenmale Unglück, indem sein Fahrzeug an den Korallenriffen
von Nusa-Pinja (Luci-para), südlich von Amboina, strandete. Der
portugiesische Capitän rettete sich nicht allein glücklich mit den
Seinen ans Land, sondern wußte sogar mit List sich eines malayischen
Raubschiffes zu bemächtigen, dessen Mannschaft ahnungsvoll ans Ufer
gegangen war. Serrão hatte das Schiff ankommen sehen, lag mit seinen
Leuten auf der Lauer im Versteck und bemeisterte sich ohne Mühe des
fast unbewachten Fahrzeuges, einer sogen. Korra-korra. Wollten die
Seeräuber nicht selbst gleichsam als Schiffbrüchige zurückbleiben,
dann mußten sie sich bequemen, die Portugiesen wieder nach Amboina zu
bringen. So gelangte Serrão zum zweiten Male dahin, und erfuhr hier,
wo er freundliche Aufnahme fand, daß der Radscha oder Sultan von
Ternate (denn die Gewürzinseln standen unter einzelnen Häuptlingen,
unter denen der Herr auf Ternate der mächtigste war) bereits von dem
unter d’Abreu nach seiner Insel beabsichtigten Zuge Kunde erhalten
hatte und ihn zu sich einlud, um ihn mit seinen Leuten womöglich
in seinen Dienst zu nehmen. Da sich auf diese Weise die sicherste
Gelegenheit bot, die eigentlichen Gewürzinseln zu erreichen, so
ging Serrão darauf ein, kam nach Ternate und wurde mit dem Sultan
befreundet. Durch ein mit Gewürzfracht von dort abgehendes malayisches
Schiff, welches nach Malaka bestimmt war, aber auf Java strandete,
gelangte im Frühjahr 1513 die Nachricht von dem Schicksal Serrão’s
nach jener hinter-indischen Hafenstadt. Um die so fern verschlagenen
Landsleute abzuholen, wurde nun Antonio de Miranda d’Azevedo mit einem
Geschwader nach den Molukken gesandt. Die Sultane von Ternate und dem
benachbarten Tidor, eifersüchtig aufeinander, bewarben sich beide um
die Freundschaft der zur See so mächtigen Fremdlinge, von deren Thaten
in Indien man auch auf den Molukken natürlich längst gehört hatte, und
erboten sich beide, den Portugiesen einen Platz zu ihrer Niederlassung
anzuweisen, denn sie hofften beide, mit Hilfe dieser neuen Freunde den
Rivalen überwältigen zu können. Vorläufig aber nahm Miranda seinem
Auftrage gemäß nur die Mannschaft Serrão’s mit sich zurück, während
dieser selbst auf Ternate blieb. Indeß gab Serrão dem abfahrenden
Schiffe einige Briefe an seine Freunde in Indien mit, darunter
einen an Fernão Magalhães, worin er ruhmredig die Entfernung der
Gewürzinseln von Malaka noch übertrieb und von seinen Thaten in einer
Weise berichtete, als ob er die Leistungen eines Vasco da Gama damit
verdunkelt hätte. Dieser Brief ist deshalb von weittragender Bedeutung
geworden, weil Magalhães, seinem Freunde trauend, aus den angegebenen
Entfernungen den Schluß zog, die Molukken lägen nicht mehr auf der den
Portugiesen zugewiesenen Erdhälfte, und weil er dann weiterhin daraus
den Plan baute, auf westlichem Wege von Spanien aus die Gewürzinseln
aufzusuchen, um sie für Kaiser Karl V. in Besitz zu nehmen.
Einen weiteren Besuch stattete 1518 +Dom Tristão de Menezes+ den
Molukken ab. Er kam nach Ternate, wo er Serrão fand und wo der Radschah
sich sofort anheischig machte, den Portugiesen eine feste Factorei zu
bauen. Darüber entstanden, durch Eifersucht erregt, Streitigkeiten mit
den benachbarten Herren von Tidor und Batjan. Da nun Menezes fürchtete,
in diesem Zwiste möchte ihm die Gelegenheit verloren gehen, eine volle
Gewürzladung zu bekommen, so lehnte er die Einladung des Gebieters
von Ternate zunächst ab und erklärte, der König habe ihn nur gesandt,
um sich in den Productionsländern der Gewürze umsehen und eine Fracht
einzukaufen. So gelang es ihm, außer seinem eigenen Schiffe auch noch
vier Dschunken beladen zu können. Serrão und ein Abgesandter des
Radschah begleiteten ihn, die Dschunken wurden von Serrão, Simão Correa
und Duarte da Costa geführt, gingen aber, als sie bald nach der Abfahrt
von Ternate in einem Sturme von dem Hauptschiffe getrennt wurden,
nach den Molukken zurück, während Menezes sich nach Banda flüchtete.
Von da kehrte dieser, weil er den Aufenthalt der verlorenen Schiffe
richtig vermuthete, nach Batjan zurück, fand dort aber seine Landsleute
in einen Streit mit den Eingeborenen verwickelt, in welchem alle
Mannschaft von der Dschunke Correa’s bis auf einen Einzigen erschlagen
wurde. Serrão war wieder nach Ternate gelangt. Menezes wandte sich, da
er dem Correa nicht mehr helfen konnte, nach Amboina, vervollständigte
dort seine Ladung und gelangte glücklich nach Malaka, starb aber bald
darauf.
Als diese Ereignisse in Portugal bekannt wurden, beschloß man ein
größeres Geschwader nach den Gewürzinseln zu entsenden und übergab
dem +Antonio de Brito+ die Leitung. Derselbe ging 1521 mit mehreren
Schiffen ab, wandte sich zunächst, als er Indien erreicht hatte,
nach Malaka, denn das war der natürliche Ausgangspunkt für alle
weiteren Unternehmungen im fernen Osten, wo auch alle Nachrichten
zusammenliefen, und steuerte dann nach Java. Hier gesellte sich noch
Garcia Henriquez mit einem Schiffe und drei Dschunken zu ihm. Auf der
weiteren Fahrt traf er ein von den Molukken kommendes javanisches
Schiff, welches einen in +spanischer Sprache+ ihm ausgestellten Paß von
dort mitbrachte.
Da nun Brito wußte, daß Fernão de Magalhães in spanische Dienste
gegangen war und von Kaiser Karl V. Schiffe bekommen hatte, um auf dem
westlichen Wege um Südamerika herum die Molukken zu erreichen (vgl.
weiter unten 3. Buch, 3. Capitel), so schloß Brito mit Recht, daß
spanische Schiffe wirklich den Weg bis zu den Gewürzinseln gefunden
hätten. Seine Flotte wurde zwar durch einen Sturm auseinander gejagt,
fand sich aber auf Banda wieder zusammen (Februar 1522). Hier schloß
er mit dem Fürsten einen Handelsvertrag ab, indeß erlaubte derselbe
nicht, daß die Portugiesen auf seinem Gebiete einen Wappenstein
errichteten. Im Mai setzte er die Fahrt nach den Molukken weiter fort,
züchtigte die Bewohner von Batjan für die Ermordung der Portugiesen
und traf, als er bei Tidor vorüberfuhr, einen spanischen Factor Juan
de Campos, welcher in der Meinung, die Ankömmlinge seien Spanier,
arglos zu ihm herangekommen war. Vom Geschwader Magalhães’ hatten zwei
Schiffe die Molukken in der That erreicht und waren von dem Radscha
auf Tidor freundlich aufgenommen, während der Fürst von Ternate zu den
Portugiesen hielt.
Nachdem die beiden spanischen Schiffe nach verschiedenen Richtungen
hin die Gewürzinseln verlassen hatten, war Campos als Factor
zurückgeblieben und nun aus Versehen in die Hände Brito’s gefallen, der
ihn mit nach Ternate nahm. Serrão scheint damals nicht mehr am Leben
gewesen zu sein. Auch der frühere Radscha war gestorben, und die Wittwe
hatte für ihren minderjährigen Sohn, den Prinzen (Kaitjil) Taruwés
(portugiesisch ~Cachil Daroës~), einen Verwandten, als Mitregenten
angenommen.
Der früher erhaltenen Zusage gemäß baute Brito eine Festung nahe der
Stadt und nannte sie nach dem Tage der Grundsteinlegung am Johannistage
S. João Bautista. Dann wurde ein weiterer Vertrag abgeschlossen
über die Preise der Gewürze, wonach die Portugiesen für ein Bahar
Gewürznelken 800 Reis in Geld, oder 1000 Reis (ein Milreis) in Waaren
zu zahlen hatten. Indes gab dieser Vertrag bald zu allerlei Mißbrauch
und Mißhelligkeiten Veranlassung. Andere Unruhen entstanden dadurch,
daß Prinz Taruwés nach der Krone strebte und die Fürstin-Mutter
verdächtigte, so daß diese sich genöthigt sah, nach Tidor zu
entfliehen, während man ihren Sohn gefangen zurückbehielt. Daraus
entstanden kriegerische Verwickelungen mit Tidor.
Im nächsten Jahre 1523 sandte Brito seinen Neffen Simão d’Abreu nach
Malaka zurück. Derselbe mußte einen neuen, bisher von den Europäern
noch nicht betretenen Weg einschlagen und +nördlich+ um Borneo
herumfahren, während die gewöhnliche Fahrbahn südlich an dieser Insel
hinlief. Es sollte dadurch die Kenntniß in dem weiten Inselgebiet
erweitert werden. d’Abreu stach im Juni in See und kam nach einer
langen Fahrt von sechs Monaten glücklich nach Malaka.
In umgekehrter Richtung machte denselben Weg drei Jahre später Dom
Jorge de Menezes auf Befehl des damaligen Gouverneurs von Malaka, Pero
de Mascarenhas, weil, wie Barros ausdrücklich betonte, diese Route noch
zu wenig bekannt war. Menezes ging am 22. August 1526 von Malaka ab,
landete auf Borneo in einem Hafen etwa unter 5° nördl. Br., segelte
dann zwischen Sulu und Mindanao hindurch und wurde hier vom Westmonsun
weit über sein Ziel hinaus ostwärts bis an die Nordküste von Guinea
verschlagen. So wurde er der Entdecker der Insel der Papuas, jener
dunkelfarbigen Bewohner, welche wegen ihres dichten Wollhaares von
ihren westlichen Nachbarn, den Malayen, den Spottnamen Papuas, d. h.
Krausköpfe erhalten haben. Mehr als zwei Jahrhunderte galt Neu-Guinea
als ein vorspringender Theil des großen unbekannten Südlandes. Von dort
kam Menezes erst gegen Ende Mai 1527 an das Ziel seiner Bestimmung,
nach Ternate; er hatte also zu seiner Fahrt volle acht Monate
gebraucht. Man erkennt aber aus diesen Beispielen, wie zeitraubend die
Verbindung zwischen Malaka und den Molukken war.
Im Jahre 1524 erhielt de Brito Verstärkungen, indem aus Indien die
Schiffe des Martim Affonso de Mello Jusarte und des Martim Correa
anlangten.
Nicht weit westlich von den Molukken springt die schlanke Halbinsel von
Celebes vor. Diese eigenthümlich gegliederte Insel wurde damals, weil
man die seichten und tiefgehenden Buchten noch nicht untersucht hatte,
noch für eine Insel+gruppe+ gehalten und Ilhos des Celebes genannt.
Zu ihrer Erforschung, denn es wurde viel von ihrem Goldreichthume
berichtet, ging von Ternate eine Fuste ab; aber dieselbe wurde an
mehreren Stellen bei Versuchen zu landen von den Einwohnern feindlich
empfangen und wollte darum nach Ternate zurückkehren. Auf dem Heimwege
trieb der Monsun das Fahrzeug weit nach Nordosten ins offene Meer und
führte es nach einer Fahrt von 200 Meilen an das Gestade einer der
Marianen oder Ladronen, welche Magalhães schon entdeckt hatte. Vier
Monate wurde die Fuste hier durch widrigen Wind festgehalten und kam
erst im Januar 1526 nach den Molukken zurück.
Um diese Zeit war Brito von seinem Posten abgerufen und wurde durch
einen neuen Commandanten in der Person des Dom Garcia Henriquez
ersetzt; dieser aber brachte durch seine falschen Maßnahmen die
Portugiesen in mancherlei Ungelegenheit, weshalb an seine Stelle
Menezes trat.
Es wirft ein eigenthümliches Licht auf die Handlungsweise des
Henriquez, wenn wir lesen, daß derselbe zuerst seinen Nachfolger
Menezes dadurch zu beseitigen hoffte, daß er ihn auf falsche Aussagen
hin gefangen nehmen ließ und dann, als er genöthigt wurde, ihn wieder
frei zu geben und als Statthalter anzuerkennen, doch ehe er das Fort
verließ, die Kanonen desselben zu vernageln befahl, weil er fürchtete,
Menezes würde, wenn er in See gehe, die Kanonen auf ihn richten und
sein Schiff in den Grund schießen!
Ueber die weiteren Ereignisse auf den Molukken werden wir später
zurückkommen, da sie ihr volles Verständniß erst im Zusammenhange mit
von den Spaniern unternommenen Fahrten nach den Gewürzinseln erhalten
(vgl. 3. Buch. 3. Capitel).