6. Francisco d’Almeida, Vicekönig von Indien.

Zum ersten Vicekönig wurde +Francisco d’Almeida+ bestellt, ein Mann von

ausgezeichneter Tapferkeit, welcher sich schon im Kampfe der Spanier

gegen Granada ausgezeichnet hatte. Es wurde die Bestimmung getroffen,

daß in Zukunft nur die Lastschiffe aus Indien zurückkehren sollten,

während die Kriegsschiffe daselbst stationirt blieben. Eine stattliche

Flotte sollte die neue Aera einleiten. Die Zahl der Schiffe steht

nicht ganz fest, nach der geringsten Angabe waren es zwanzig. Auf

den Kriegsschiffen wurden 1500 Mann Soldaten befördert, welche sich

verpflichtet hatten, wenigstens drei Jahre im Orient zu dienen. Unter

den Capitänen treffen wir João da Nova und João Serãro; auch Ferdinand

Magalhães nahm an dem Zuge theil. Ein besonderes Interesse gewinnt aber

gerade diese Expedition dadurch für uns, daß sich an dem indischen

Handel zum ersten Male auch deutsche Kaufleute von Augsburg, namentlich

die Welser, Vöhlin u. a. betheiligten; daneben aber auch Genuesen

und Florentiner. Nur die Venetianer hielten sich grollend fern; denn

es war ihnen, wie der Chronist E. Sender schreibt, „fast wider“, daß

die Portugiesen den Seeweg zu den Gewürzländern mit wachsendem Erfolg

betraten und ihnen so gefährliche Concurrenz machten.

Die Welser hatten schon 1503 einen thätigen Agenten Namens Simon Seitz

nach Lissabon entsendet, welcher mit König Manuel über die Gründung

einer deutschen Handelsgesellschaft einen Vertrag abschloß, wonach die

Augsburger Kaufherren in Portugal gebaute und mit Portugiesen bemannte

Schiffe entsenden konnten, um Spezereien und Brasilholz einzuhandeln.

Zu gleicher Zeit diente der deutsche Buchdrucker Valentin Ferdinand,

welcher sich wahrscheinlich schon seit 1494 in Lissabon aufhielt, als

Mäkler (~corretor~) und war seinen neuangekommenen unternehmenden

Landsleuten durch seine Kenntniß der portugiesischen Sprache sehr

nützlich.[96]

Auf Simon Seitz folgte alsbald ein zweiter Vertreter der Welser

+Lucas Rem+, welcher von 1503 bis 1508 in Portugal weilte.[97] Ihm

lag die schwere Arbeit ob, drei Schiffe auszurüsten und ihre Ladung

zu besorgen; denn die deutsche Handelscompagnie betheiligte sich mit

21,000 Cruzados (à 2,75 Mark). „Die on mas enxtig mie, überflisig

arbait, gros widerwertigkait mir damit gegnet, ist unerschreibenlich.“

So lauten die Worte seines Tagebuches.

Aber nicht blos deutsches Capital war bei dieser Fahrt eingesetzt; es

machten auch zwei Deutsche im Auftrage der Compagnie die Reise nach

Indien mit, und C. Peutinger schrieb voll Stolz und Freude darüber: „es

ist uns Augsburgern ein großes Lob als für die +ersten+ Deutschen, die

India suchen“. (B. Greif a. a. O. 85). Der eine von ihnen, +Balthasar

Sprenger+, hat seine Reise beschrieben unter dem Titel: „Die Merfart

von erfarung nüver Schiffung und Wege zu vile onerkanten Inseln vnd

Kunigreichen, von dem großmechtigen Portugalischen Kunig Emanuel

Erforscht, funden, bestritten vnnd Ingenomen, auch wunderbarliche

Streyt, ordnung, leben wesen handlung und wunderwerke des volcks und

Thyrer dar inne wonende, findestu in diessem buchlyn warhaftiglich

beschryben vnn abkunterfeyt, wie ich Balthasar Sprenger sollichs selbs:

in kurtz verschynn zeiten gesehen vnn erfaren habe etc. Gedruckt Anno

MDIX.“ Der Berichterstatter nennt sich darin einen „der Geschickten

des Großmechtigen Kunigs zu Portugal: Emanuel genannt: und der

Furtreffen kaufherren der Fucker, Welszer, Hochstetter, Hyrßfogel,

deren im Hofe (Imhof) und anderer yrer Gesellschaften.“[98] Der zweite,

+Hans Mayr+, welcher sich Factoreischreiber auf dem Schiffe Raphael

nennt, hat ebenfalls einen, noch handschriftlich erhaltenen Bericht

überliefert.[99]

Die drei auf Kosten der Deutschen ausgerüsteten Schiffe hießen: San

Raffael, San Jeronimo und Lionarda.

Das ganze Geschwader ging am 25. März 1505 von Lissabon ab. Eins der

Schiffe sank unterwegs in Folge eines Leckes; die übrigen steuerten

glücklich um das Cap der guten Hoffnung und langten größtentheils am

18. Juli vor Mosambik an. Von hier wandte sich die Armada zunächst

nach Kiloa und eroberte die Stadt. An Stelle des vertriebenen Scheich

wurde ein den Portugiesen willfähriges Oberhaupt eingesetzt und zum

Schutze der Handelsinteressen eine Citadelle St. Jago erbaut, in

welcher man eine stärkere Besatzung nebst „Artegleria“ zurückließ.

Vor Mombas wurde die Expedition am 13. August ebenfalls feindlich

empfangen und aus den Kanonen beschossen, welche der Fürst der Stadt

einem gescheiterten portugiesischen Schiffe entnommen hatte.[100]

Darum mußte auch diese Hafenstadt mit Verlust von vier Todten und

siebenzig Verwundeten am 15. August erstürmt werden. Dann wurde die

Stadt geplündert und niedergebrannt. Von dem befreundeten Melinde, in

dessen Hafen sich vierzehn der schnellsegelnden Fahrzeuge eingefunden

hatten, steuerte man dann in sechzehn Tagen, resp. neunzehn Tagen

nach den Andjediven hinüber. Diese Inseln, welche als günstiger

Sammelplatz der Indienfahrer erkannt worden waren und daher von den

Portugiesen besetzt wurden, erhielten, auf der größten der fünf

Eilande, nach dem Befehle des Königs gleichfalls eine Citadelle nebst

Besatzung. Panischer Schrecken ergriff das Handelsvolk von Kalikut,

als sie die Ankunft Almeida’s vernahmen; denn die Portugiesen machten

unverweilt auf alle Handelsschiffe Jagd. Im Hafen von Onor wurden alle

Fahrzeuge, die vor Anker lagen, verbrannt und dabei ging ein Theil der

leichtgebauten Stadt in Flammen auf. Bei seiner Ankunft in Kananor nahm

gegen Ende October Almeida den Titel Vicekönig an, den ihm der König

Manuel beigelegt hatte. In dieser Stadt wurde die dritte Citadelle,

S. Angelo, angelegt und mit hundertundfünfzig Mann besetzt. Der Hafen

hatte gleichfalls für die Portugiesen eine besondere Wichtigkeit, denn

„do pflegen,“ wie Sprenger berichtet, „die Schiff allweg vor irem

Abschied Speis und Wasser zu nehmen“. Inzwischen lief die traurige

Nachricht ein, in Kollam sei der Factor Antonio de Sa sammt seinen

Leuten ermordet und die Factorei geplündert. Es waren nämlich zwanzig

maurische Schiffe dort eingelaufen und hatten den Kampf begonnen. Der

Factor war mit sechzehn Portugiesen in eine Kirche geflüchtet; aber

der Fürst von Kollam ließ dieselbe anzünden und die Fremden darin

verbrennen. Der Sohn des Vicekönigs, Lourenço d’Almeida, erhielt den

Auftrag, diese Unthat zu rächen, er rückte mit acht Schiffen vor den

Hafen und zerstörte die ganze maurische Flotte.

Francisco d’Almeida selbst begab sich nach Kotschin und krönte den

dortigen Fürsten und Bundesgenossen im Namen des Königs Manuel mit

einer goldenen Krone, welche als Geschenk mitgebracht war, und verehrte

dem Königsvasallen zugleich einen goldenen Becher mit sechshundert

Cruzados, eine gleiche Summe wurde für alle Jahre zugesagt. Dafür

erzielte Almeida die Erlaubniß zum Bau einer Steinburg.

Dann erhielten sechs Frachtschiffe ihre Ladung in Gewürz und gingen

Ende December und Anfang Januar 1506 von Kananor zurück nach Portugal.

Zwei andere Handelsschiffe folgten im Frühjahr nach. Einige von

der ersten Abtheilung wurden auf der Rückfahrt über den indischen

Ocean durch Sturm aus der gewohnten Bahn getrieben und segelten an

der Ostseite Madagascars hin, darunter auch zwei von den deutschen

Schiffen, und fanden so einen kürzeren Seeweg. Sie waren die ersten,

welche den südlichen Theil jener größten afrikanischen Insel

entdeckten, die damals S. Lourenço genannt wurde.

Vier Schiffe, darunter auch San Raffael und San Jeronimo, ließen

bereits am 22. Mai 1506 im Hafen von Lissabon die Anker fallen.

Sprenger langte mit seinem Fahrzeuge erst im November daselbst an.

Dies glückliche Ereigniß für die deutsche Unternehmung erwähnt auch

Lucas Rem:[101] „~Adj.~ 22. May^o 1506 (Rem schreibt irrthümlich 1505)

kamen Sct. Jeronimo, Sct. Raffael und ~adj.~ 24. Nof. die Lionarda. Da

meret sich erst mie, anxt undt arbait. Sonder erhuben sich on mas fil

große und schwere Recht, den Ich aus wartet ob 3 Jar“. Die berührten

Rechtshändel beziehen sich wahrscheinlich darauf, daß die Deutschen

einen Antheil an der bei der Erstürmung von Kiloa und Mombas gemachten

Beute forderten, deren Werth auf 22,000 Cruzados geschätzt wurde. Aber

auch ohne dies war der Reingewinn bedeutend. Zwar erhielt dem Vertrage

gemäß die portugiesische Krone 40% vom Gewinn und hatten die fremden

Kaufherren nicht direct, sondern durch Vermittelung der portugiesischen

Factoren die Gewürze in Indien einkaufen müssen, theils um nicht etwa

die Preise zu steigern, theils aber und vor allem, um das Monopol der

Entdecker des Seewegs nicht in Frage zu stellen; trotz alledem betrug

nach Rems Angabe die „nutzung dieser armazion bey 150 ~pro Cento~“.

Darum betheiligten sich die Deutschen auch sofort bei der Ausrüstung

der nächsten Handelsflotte, die unter Tristão da Cunha 1506 nach Indien

segelte. Leider gingen zwei Schiffe dabei zu Grunde; da aber Geld und

Gut gerettet wurden, war der Verlust gering. Doch wurde das Interesse

geschwächt, weil man in Folge des Schiffbruches einen längeren

Rechtsstreit mit dem König führen mußte. Als aber die Pfefferpreise von

Jahr zu Jahr aufschlugen -- im Jahre 1505 kostete der Centner Pfeffer

in Lissabon 20 Cruzados, 1520 dagegen schon 34¼ C., -- da verloren die

Deutschen allmählich die Lust, sich an dem Handel direct zu betheiligen.

* * * * *

Nach der Abfahrt Almeida’s von Portugal waren wiederum acht Schiffe

entsendet worden, welche unter Leitung Pero’s d’Anhaya die Ostküste

Afrikas ansegeln und in Sofala eine Befestigung anlegen sollten. Aus

Mangel an Steinmaterial wurde dieselbe aus Holz aufgeführt. Aber das

höchst ungesunde Klima der Niederung raffte viel Mannschaft hin; auch

der Capitän Pero d’Anhaya erlag demselben. Zu seinem Nachfolger wurde

später Nuno Vaz Pereira bestimmt; bemerkenswerth ist, daß unter ihm

der berühmte Fernão de Magalhães diente.

In Indien war inzwischen, nach Abfertigung der ersten Lastschiffe,

der Vicekönig seinem Auftrag gemäß zum Angriff auf die maurischen

Flotten übergegangen. Sein Sohn Lourenço d’Almeida erfocht am 17.

und 18. März 1506 einen glänzenden Sieg vor dem Hafen von Kananor

über zweihundert Segel (Prauen), welche der Beherrscher von Kalikut

ausgerüstet hatte. In Kananor, wo der Sieger einlief, kam der

Venetianer Ludovico di Varthema zu ihm aufs Schiff. Derselbe war 1502

von seiner Vaterstadt in den Orient gewandert, hatte Aegypten, Syrien,

Arabien und Persien besucht, dann in den wichtigsten Hafenplätzen der

westlichen Küste Vorder-Indiens geweilt, am bengalischen Meerbusen die

Landschaften Bengalen und Pegu gesehen und endlich sogar Malaka und die

Gewürzinseln erreicht. Von Java war er dann nach Kalikut und Kananor

zurückgekehrt und hatte so, unter der Maske eines Mohammedaners,

den ganzen Sunda-Archipel durchstreift.[102] Was er nun über die

indischen Zustände und über den fernen Osten berichten konnte, war

den Portugiesen von hohem Werthe und gab wahrscheinlich auch die

Veranlassung, daß die Regierung in Portugal ihrem indischen Vicekönig

den Auftrag ertheilte, einige Schiffe zur Erforschung des Gewürzmarktes

von Malaka auszusenden. Allein Almeida konnte und wollte, da er in

Vorder-Indien selbst vollauf beschäftigt war und seine Macht nicht

zersplittern mochte, vor der Hand noch nicht darauf eingehen. Es war

offenbar, daß die mohammedanischen Schiffe, um zu den Gewürzhäfen zu

gelangen, andere Wege als bisher einschlugen. Statt die durch die

Portugiesen unsicher gemachten malabarischen Plätze anzulaufen, gingen

die Kauffahrer über die Malediven nach Ceylon, um dort die aus den

östlichen Productionsländern herbeigeführten Waaren in Empfang zu

nehmen.

Als der Vicekönig dies in Erfahrung gebracht, schickte er seinen

tapfern Sohn zum zweiten Male mit Schiffen aus, um bei den Malediven

den Feinden auch diese Straße zu verlegen. Aber Lourenço verfehlte

sein Ziel vollständig und gelangte schließlich, statt nach den

Malediven, nach Ceylon. Es scheint, daß er sich hier durch eine List

der Mauren täuschen ließ und unverrichteter Sache wieder zurückkehren

mußte. Dem Oberbefehlshaber war es jedenfalls lieb, daß sein Sohn

sich in Ceylon nicht auch in blutige Conflicte eingelassen hatte;

denn die mohammedanische Stellung auf der großen Insel galt als

bedeutend, und ein blutiger Zusammenstoß hätte die Schaar seiner Gegner

unnöthigerweise vermehrt. Darum waren ihm auch die Unternehmungen

Affonso’s d’Albuquerque in Arabien durchaus zuwider; selbst die

kriegerischen Streifzüge an der Ostküste Afrikas hielt er für nutzlos,

weil sie die für Indien nothwendigen Streitkräfte zersplitterten. Er

wollte alle Macht und alle kriegerische Tapferkeit nur daran gesetzt

sehen, den werthvollsten Theil der indischen Küste dem portugiesischen

Handel und Staate tributpflichtig zu machen.

Aber in Portugal dachte man anders und meinte, alle Küsten des

indischen Oceans, soweit die Glaubensfeinde auftauchten, angreifen und

auch bezwingen zu können.

So gingen also im Frühjahr 1506 wieder fünfzehn Schiffe von Lissabon

ab: die zehn Lastschiffe, von denen wieder einige durch Deutsche

und Italiener ausgerüstet waren, sollten unter +Tristão da Cunha+

direct nach Indien segeln, während Alfons d’Albuquerque mit fünf

Kriegsschiffen und 1300 Mann Soldaten nach der arabischen Küste

beordert wurde, um die Eingänge in das rothe Meer und den persischen

Golf zu bewachen. In Sokotra sollte er überdies eine Festung anlegen,

weil hier an dieser Insel die mohammedanischen Schiffe Wasser

einzunehmen pflegten.

Unterwegs entdeckte Tristão da Cunha, als er vom Cap Agostinho in

Brasilien nach dem Caplande hinübersteuerte und seine Flotte durch

Sturm zerstreut sah, die nach ihm genannte einsame Felseninsel im

südlichen atlantischen Ocean unter 39° s. Br.; indeß fanden sich die

meisten Fahrzeuge bei Mosambik wieder zusammen. Nur Ruy Pereira wurde

auch noch im indischen Meere verschlagen und gerieth in den Hafen

Matatane auf Madagascar. Dort, glaubte er aus den Mittheilungen der

Eingebornen schließen zu dürfen, sei ein Reichthum an Silber, Pfeffer,

Ingwer u. a. einzuernten, ohne auf solche Handelsschwierigkeiten zu

stoßen wie in Indien.

Auf diese Kunde hin machte sich Tristão da Cunha selbst nach dem

vielversprechenden Lande auf und erreichte im December 1506 die Bai

Angra da Concepção am nördlichen Ende der Insel. Aber hier traf er

noch Mauren. Wenn auch nicht eben wohlwollend empfangen, hütete sich

Tristão doch, sich in blutige Händel zu verwickeln, sondern er zog

nur sorgfältige Erkundigungen ein, aus denen leider hervorging, daß

die verlockenden Angaben Pereira’s auf Mißverständniß beruhten. Den

Plan, die ganze Insel zu umschiffen, gab er auf, nachdem er bei diesem

Versuch ein Schiff eingebüßt hatte, und kehrte an die afrikanische

Küste zurück. Südlich von Magadoscho (Makdischu) lag die feindliche

Stadt Brava (Barawa); dieselbe wurde nach heftiger Gegenwehr erstürmt

und geplündert. Die Portugiesen sollen dabei in der Schatzkammer des

Fürsten die reiche Beute von 2000 Centner (!) Silber gemacht haben.

Dann steuerte die vereinigte Flotte nach Sokotra, wo Christen

abessinischer Abkunft, von den Portugiesen Jakobiten genannt, ansäßig

waren, aber seit 1480 in die Abhängigkeit von dem südarabischen Fürsten

von Fartach gerathen waren, welcher bei dem Hafen Soko (Tamarida) eine

Citadelle erbaute und mit hundert Mann besetzte. Diese Festung wurde

natürlich alsbald mit Sturm genommen, wieder ausgebaut, St. Miguel

getauft und mit portugiesischer Mannschaft belegt.

Durch solche Nebenoperationen wurde viel Zeit vergeudet, ohne dem

eigentlichen Zwecke wesentliche Förderung zu bieten; denn man

verfeindete sich dadurch nur noch mehr mit dem Beherrscher Aegyptens

und war gleichwohl nicht im Stande, von Sokotra aus den Handelsverkehr

nach dem rothen Meere überwachen oder abschneiden zu können.

Da Tristão da Cunha so lange ausblieb, gerieth Almeida in große

Verlegenheit, weil er sich bei unzulänglichen Mitteln in seinen

Unternehmungen gehemmt sah. Sein Sohn Lourenço verfolgte indessen im

kleinen Kriege alle fremden Handelsschiffe, welche sich der indischen

Küste näherten.

Inzwischen starb aber auch der den Portugiesen befreundete Fürst in

Kananor, und sein Nachfolger verbündete sich wieder mit dem Samudrin,

weil der portugiesische Capitän Gonçalo Vaz da Goar ein kananorisches

Schiff, trotz seines portugiesischen Geleitsbriefes, hatte versenken

und die Mannschaft hatte ertränken lassen, angeblich, weil man es für

ein kalikutisches Schiff gehalten habe.

Die neuangelegte Festung in Kananor wurde vier Monate belagert und

mehrere Male bestürmt; aber der tapfere Commandant Lourenço de Brito

hielt sich, bis Tristão da Cunha endlich gegen Ende August erschien und

ihn befreite. Die Festung wurde nun dauernder aus Stein erbaut. Da der

Vicekönig bereits genug Waaren hatte aufspeichern lassen, so konnten

Tristão’s Handelsschiffe rasch beladen und schon im December nach

Europa zurückgeschickt werden.

Dann begab sich Lourenço d’Almeida mit einer Anzahl von Schiffen

nordwärts, um im Hafen von +Tschaul+, südlich von Bombay, Gewürze

einzunehmen. Nisam Schah, der Fürst von Tschaul, hatte sein kleines

Gebiet, welches gegen Norden an Gudjerat grenzte, von Dekhan unabhängig

gemacht und sich den Portugiesen angeschlossen. Inzwischen rückte

die ägyptische Macht unter Hussein heran. Der Admiral des Schahs von

Gudjerat, Melek Aias oder Aß, (angeblich ein Russe von Geburt, dessen

ursprünglicher Name Jakob, in der russischen Koseform Jascha, von den

Orientalen in Eias oder Aß verwandelt wurde,) kam den Aegyptern mit

vierzig +Fusten+ (s. Abbildung auf Seite 155) zu Hilfe. Als Statthalter

von Diu hatte er diesen Hafen zu einer blühenden Handelsstadt erhoben

und trat zunächst scheinbar für die Sache des Islam ein, wußte sich

aber bald auf schlaue Weise seines Bundesgenossen wieder zu entledigen.

Lourenço lag noch mit seinen Schiffen im Flusse vor Tschaul, als die

vereinigte feindliche Flotte herannahte. Da er die ägyptischen Schiffe

aber für das Geschwader des von Ormuz her erwarteten Albuquerque hielt,

blieb er ruhig liegen. So sah er sich genöthigt, im Flusse den Kampf

aufzunehmen.

Am ersten Kampfestage erfolgte noch keine Entscheidung. Trotz der

feindlichen Uebermacht wollte aber Lourenço nicht bei Nacht auf die See

zurückweichen, weil er den Vorwurf seines spartanisch gesinnten Vaters

fürchtete, der bei einer früheren Gelegenheit seine zu große Vorsicht

getadelt hatte. So entspann sich am folgenden Morgen das Seegefecht von

neuem. Das Schiff des portugiesischen Capitäns erhielt durch einen

Kugelschuß einen bedenklichen Leck und mußte versuchen, sich durch ein

anderes Schiff aus dem Flusse herausschleppen zu lassen. Dabei gerieth

es in das von den Fischern behufs des Fischfanges angebrachte Pfahlwerk

und blieb, indem ein Pfahl in den Leck eindrang, wie angespießt, darauf

hängen. Das Bugsirtau riß und Lourenço war den feindlichen Angriffen

wehrlos preisgegeben. Trotz der verzweifelten Lage blieb er standhaft.

Seine Tapferkeit war für alle ein leuchtendes Vorbild. Hatte er

doch noch bei dem Kampfe von Panane im Handgemenge einem maurischen

Hauptmanne mit seinem Schlachtschwerte den Kopf bis auf die Brust von

einander gespalten. Da verwundete ihn eine Stückkugel am Schenkel; er

ließ sich verbinden, auf einen Stuhl neben den großen Mast setzen und

commandirte weiter, bis ihn eine zweite Kugel tödtete. Erst nachdem

fast die ganze Mannschaft gefallen oder verwundet auf Deck lag, wurde

das Schiff genommen, sank aber auch alsbald unter und blieb nicht als

Trophäe in den Händen der Sieger. Die übrigen Fahrzeuge kamen glücklich

nach Kotschin zurück, wo damals der Vicekönig lag. Dieser empfing die

Todesnachricht seines tapferen Sohnes ernst und gefaßt, aber er schwur

an den Mohammedanern Rache zu nehmen, zumal da diese an den ersten Sieg

große Hoffnungen knüpften.

[Illustration: Ostindisches Fahrzeug des 16. Jahrh. mit Rohrsegeln und

am Stern aufgehängtem hölzernen Anker.[103]]

Alle Kriegsschiffe wurden zu diesem Rachezuge aufgeboten und in

Stand gesetzt, besonders das größte, Flor de la mar, ein Schiff

von vierhundert Tonnen; aber der Angriff verzögerte sich noch. Die

ägyptische Flotte überwinterte indessen in Diu.

Mittlerweile wurden auch von Portugal wiederum zwei Geschwader

ausgerüstet. Das eine bestand aus dreizehn Schiffen und sollte unter

dem Befehle des Jorge d’Aguiar zuerst an den ostafrikanischen und

arabischen Küsten kreuzen und dann nach Indien gehen, um für acht bei

dieser Abtheilung befindliche Frachtschiffe Ladung einzunehmen. Auf

dem Hauptschiffe San João sollte der Vicekönig nach Ablauf seines

Amtes am Schluß des Jahres 1508 in die Heimat zurückkehren. Die andere

Abtheilung unter Lopez de Sequeira ging mit vier Schiffen im April 1508

direct nach Indien. Aber die erste Flotte unter d’Aguiar wurde durch

Sturm gänzlich zerstreut, die Schiffe fanden sich einzeln bei Mosambik

wieder zusammen; nur das Hauptschiff blieb aus, es war mit Mann und

Maus untergegangen, so daß außer dem Befehlshaber auch Tristão da Cunha

sein Grab in den Wellen fand. Der Untergang dieses Schiffes sollte

später die Rückkehr Francisco’s d’Almeida verzögern und ihm selbst

verhängnißvoll werden.

[Illustration: Ostindischer Schnellsegler des 16. Jahrhunderts, Fusta

(s. Seite 153).]

Ehe wir aber den Vicekönig auf seinem letzten siegreichen Kriegszuge

in Indien begleiten, müssen wir unsern Blick auf die kühnen

Unternehmungen +Albuquerque+’s richten. Am 20. August 1507 war derselbe

mit sieben Segeln und vierhundert Mann von Sokotra aufgebrochen,

um die Handelsplätze am Golf von Oman zu brandschatzen, und sich

wenn möglich des wichtigsten Marktplatzes in jenem Gebiet, der Stadt

Ormuz, zu bemächtigen. Auf der Ostküste Arabiens zwischen Ràs el Hadd

und dem Ràs Mesandum erstreckt sich am Fuß des grünen Gebirges die

Landschaft Oman. Gegen das Wüstengebiet des Binnenlandes durch das

Gebirge gedeckt, mit vielen trefflichen Häfen und Ankerplätzen an der

wichtigen Handelsstraße zwischen Indien und Mesopotamien gelegen, hatte

dieses Gebiet seit Jahrhunderten sich an dem indischen Handel lebhaft

betheiligt. Weniger eng an die Satzungen des Islam gebunden und im

Verkehr mit Indien freiern Lebensanschauungen huldigend, hatten manche

dieser Städte sich zu bedeutendem Handelsrufe und Wohlstand erhoben.

Von Südosten gegen Nordosten waren die bemerkenswerthesten Hafenplätze

Kuriat, Maskat, Burka, Sohar und Khorfakkan, an welche sich dann an

der Meerenge des persischen Golfes die damals auf der kleinen, öden

Felsinsel gelegene, aber durch den Reichthum der Bewohner in aller Welt

bekannte Handelsstadt Ormuz anschloß.

Albuquerque hatte die Absicht, diese Städte der Reihe nach

rücksichtslos die Ueberlegenheit der europäischen Waffen fühlen

zu lassen. Kuriat wurde erstürmt und verbrannt, Maskat ebenfalls

erobert. Sohar unterwarf sich ohne Widerstand, wurde daher auch nicht

der Plünderung preisgegeben, sondern nur zur Zahlung eines Tributs

angehalten. Khorfakkan (Orfacao), ein Hauptplatz für die Ausfuhr

arabischer Pferde nach Indien, war von den Einwohnern aus Furcht vor

den schrecklichen Feinden verlassen und wurde daher ausgeplündert. So

rückte der Verwüstungszug näher an Ormuz heran. Die Zeitgenossen haben

über Albuquerque’s barbarische Kriegführung kein abfälliges Urtheil

ausgesprochen. Daß er hart und herzlos Gefangene verstümmeln ließ und

Städte vom Erdboden vertilgte, fand das Zeitalter ganz natürlich; es

galt ja dem Feinde der Christenheit. Man kämpfte für den heiligen

Glauben und hatte Gott auf seiner Seite.

Ende September 1507 erschien die portugiesische Flotte vor Ormuz. Den

Thron hatte damals ein zwölfjähriger Knabe, Seif-eddin (Seifadin) inne,

der eigentliche Regent war Chodscheh Atar, von Geburt ein Bengale. Die

Stadt lag, im Süden durch Felsen gedeckt, auf der flacheren Nordseite

der Insel; zwischen ihr und der Felsenküste von Mogistan befand sich

der Hafen. Die Besatzung bestand aus 30,000 Mann, darunter 4000

persische Bogenschützen als Bundesgenossen. Albuquerque begrüßte bei

seiner Ankunft die Stadt durch Kanonensalven und segelte dann kühn in

den Hafen hinein. Kurzer Hand forderte er Unterwerfung und Anerkennung

der portugiesischen Oberhoheit, andernfalls drohte er mit Vernichtung.

Aber der Regent war nicht gewillt, sich bei seiner bedeutenden Macht

ohne weiteres in fremde Botmäßigkeit zu begeben, er lehnte die

Forderung des Portugiesen ab. Als Antwort darauf ließ Albuquerque

die Handelsschiffe im Hafen in den Grund bohren. Dabei wurden seine

Schiffe von zweihundert mit Bogenschützen bemannten Böten angegriffen;

aber die höher gebauten europäischen Fahrzeuge und namentlich das

europäische Geschütz behielt den Sieg. Dann erst bequemte sich

Chodscheh Atar, die Oberhoheit des Königs Manuel anzuerkennen und einen

jährlichen Tribut von 15,000 Scherafinen (etwa ~à~ 6 Mark) zu zahlen.

Auch mußte er gestatten, daß die Portugiesen eine Festung anlegten.

Schon im October begann der Bau, aber die portugiesischen Capitäne,

welche unter Albuquerque dienten, halfen nur ungern; sie hätten lieber

gewinnreiche Jagd auf Handelsschiffe gemacht oder wären nach Indien

gesegelt, um Gewürze einzuhandeln. Sie vereinigten sich zu einem

schriftlichen Protest, aber der Oberbefehlshaber zerriß denselben,

ungelesen, unter dem Thor der neuen Citadelle. Dadurch gekränkt und

beleidigt suchten die Capitäne nach einer Gelegenheit, sich von ihrem

Führer zu trennen. Die Uneinigkeit unter seinen Feinden ermuthigte den

Regenten der Stadt zu erneutem Widerstande. Die Gelegenheit dazu bot

sich bald. Da fünf von der Flotte entlaufene und in die Stadt gelockte

Portugiesen nicht sofort, wie Albuquerque verlangte, ausgeliefert

wurden, so brach der Krieg von neuem aus. Derselbe mußte aber rasch

abgebrochen werden, weil drei Capitäne mit ihren Schiffen auf eigene

Verantwortung den Hafen verließen und nach Indien segelten, so daß

Albuquerque, dadurch in seiner Macht geschwächt, allein den Kampf nicht

fortführen konnte, sondern sich genöthigt sah, zur Ueberwinterung

nach Sokotra zurückzuweichen. Doch schickte er den João da Nova den

Flüchtigen nach, um sich beim Vicekönig über solche unerhörte Felonie

zu beschweren.

In Sokotra fand er die Besatzung der kleinen Citadelle durch Krankheit

und Hunger erschöpft. Von Melinde mußten Lebensmittel herbeigeschafft

werden; statt Unterstützung zu finden, mußte Albuquerque Hilfe

schaffen. Sein Aufenthalt an der afrikanischen Insel verzögerte sich

bis in den Hochsommer, dann kam unter Vasco Gomez d’Abreu Verstärkung

von Lissabon. Mit dieser vereinigte er den Rest seiner Macht, sah sich

also wieder an der Spitze von 300 Mann und war kühn genug, mit dieser

kleinen Schaar zum zweiten Male vor Ormuz zu rücken. Chodscheh Atar

hatte nach dem Abzuge der Portugiesen, deren Mißerfolge er sich als

Sieg anrechnete, im Vertrauen auf seine neubefestigte Stellung und

die eigne Truppenmacht, (die persischen Bundesgenossen waren durch

seinen Uebermuth verscheucht,) klugerweise die von den Portugiesen

begonnene Festung ausgebaut[104] und mit Geschützen armirt, welche

er durch europäische Ueberläufer hatte gießen lassen. Er war, wenn

auch auf sich allein angewiesen, doch nicht so wehrlos dem Gegner

preisgegeben als das erste Mal. Daher mußte sich Albuquerque vorläufig,

als er im September 1508 wieder vor der Stadt erschien, auf die

Blokade beschränken. Inzwischen erhielt aber Atar eine wesentliche

Hilfe und Ermuthigung zum Widerstande von einer Seite, woher er sie

wohl am wenigsten erwartete, vom Vicekönig Almeida selbst. Dieser

hatte nämlich auf die Klage der drei Capitäne, welche sich vor Ormuz

von Albuquerque getrennt hatten, im Mai 1508 eine Untersuchung der

Angelegenheit befohlen und Gonçalo Fernandez damit beauftragt. Im

Verlauf derselben war Almeida immer mehr zur Ueberzeugung gekommen, daß

Albuquerque durch seine Gewaltthaten die Interessen der portugiesischen

Krone mehr schädige als fördere. Ein von den Portugiesen aufgebrachtes

Schiff von Ormuz hatte Almeida wieder freigegeben und mit Briefen

an den Regenten von Ormuz gesandt. Almeida’s Schreiben[105] athmete

Freundschaft für die reiche Handelsstadt, wenn er auch wünschte, der

Fürst möge seinem König jährlich ein Geschenk senden. Er sprach seinen

Unwillen über die verderbliche Kriegführung Albuquerque’s aus und

sicherte, indem er sieben Geleitsbriefe mitsandte, jedem Handelsschiffe

von Ormuz seinen Schutz zu. „Ich will,“ schrieb er, „an dem König von

Portugal zum Verräther werden, wenn ich dulde, daß ihnen auch nur ein

Haar gekrümmt werde.“

Eine Abschrift dieses Briefes ließ Chodscheh Atar an Albuquerque

übermitteln. Albuquerque bestand aber auf der Zahlung des Tributs

und erklärte die Briefe des Vicekönigs für untergeschoben, weil sie

dessen Unterschrift nicht trügen. Atar erklärte dagegen, die Stadt

werde bereit sein, in Friedenszeiten den auferlegten Tribut von

15,000 Scherafinen zu zahlen; wenn aber ihr Handel gelähmt werde,

könne sie die Summe unmöglich aufbringen. Die Briefe seien echt, des

Königs Siegel und des Vicekönigs Unterschrift bürgten dafür. -- Man

weiß, welche Achtung man im ganzen Orient dem Siegel und Namenszuge

eines Mannes zollt. Albuquerque setzte darauf die Blokade noch eine

zeitlang fort und beunruhigte die Stadt in kleinen Gefechten; da er

aber die Gewißheit hatte, daß ihm von Indien her keine Unterstützung

kommen werde, und da er sah, daß es seinen Schiffen immer schwieriger

wurde, sich zu halten, weil sie leck geworden waren, so entschloß er

sich endlich den Kampf abzubrechen und nach Indien zu gehen. Ohne

Zwischenfälle erreichte er die Andjediven, machte dort drei Tage halt

und segelte dann nach Kananor, wo er den Vicekönig fand (im Dec.

1508). Leider mußte er hier erfahren, daß Almeida zwei von seinen

rebellischen Capitänen in Freiheit gesetzt, und den dritten, um sich

zu rechtfertigen, nach Portugal entsendet hatte. Da er zum Nachfolger

im Commando ernannt worden war, so verlangte er die Uebergabe des

Oberbefehls; aber Almeida, augenblicklich in der Ausrüstung seines

Zuges gegen Goa begriffen und begierig, noch vor Ablauf seines

Regiments die vor Tschaul den portugiesischen Waffen zugefügte

Niederlage und den Tod seines Sohnes zu rächen, erklärte, er werde

sein Amt nicht vor dem Schluß des laufenden Jahres niederlegen, auch

sei das Schiff, auf dem er, der von Portugal ergangenen Weisung gemäß,

zurückkehren solle, noch nicht angelangt. Dieses Schiff aber war, wie

bereits berichtet ist, an der ostafrikanischen Küste gescheitert und

untergegangen. Mißmuthig wartend zog sich Albuquerque nach Kotschin

zurück.

Kurz darauf, am 12. December 1508 brach Almeida mit neunzehn Segeln

gegen Norden auf; später stießen noch vier Schiffe zu ihm, so daß seine

Flotte nun dreiundzwanzig Schiffe mit 1600 Mann Truppen zählte. Noch

vor Ablauf des Jahres wurde die Stadt Dabul erstürmt und entsetzlich

verwüstet, so daß die Zerstörung dieser Stadt im Orient noch lange mit

Schaudern erzählt und sprichwörtlich wurde als ein Beispiel unerhörter

Vernichtung.

Erst am 2. Februar 1509 kam das Geschwader vor Diu an. Im Hafen lagen

die Flotten der Aegypter und des Statthalters von Diu, Melek Eias,

vereinigt; auch der Samudrin hatte eine Anzahl bewaffneter Fusten

zu Hilfe gesendet. Aber die drei Parteien trauten einander nicht,

besonders Melek Eias spielte eine zweifelhafte Rolle. Am folgenden Tage

drang Almeida in den Hafen ein und richtete seinen Angriff lediglich

auf die ägyptischen Schiffe. Eins nach dem andern wurde geentert und

versenkt, so daß der Flottenführer Hussein nur mit Noth dem allgemeinen

Verderben entrinnen konnte. Er verließ heimlich sein Schiff, bestieg

am Lande ein Pferd und jagte flüchtig nordwärts nach Kambaya. Als die

Schiffe von Diu und Kalikut sahen, daß der Ausgang des Kampfes nicht

mehr zweifelhaft blieb, und daß man sie vorläufig schonen wollte, zogen

sie sich bei Zeiten zurück. Auch hatte sich Almeida dafür entschieden,

Melek Eias vor Diu nicht anzugreifen, obwohl derselbe die Hauptursache

gewesen, daß sein Sohn Lourenço gefallen war. Der Vicekönig mochte

auch befürchten, durch einen Angriff auf Diu den Oberherrn des Landes,

den König von Gudjerat, mit in den Krieg zu verwickeln. Ihm war vor

allem darum zu thun, die mohammedanischen Aegypter aus den indischen

Gewässern zu vertreiben; mit den einheimischen Fürsten hoffte er

dann schon wieder in ein freundlicheres Verhältniß treten zu können.

In diesem Bestreben kam ihm sogar das schlaue Verhalten Melek Eias

entgegen, welcher sich nicht entblödete, den portugiesischen Sieger

wegen seines Erfolges zu beglückwünschen und ihm seine Dienste

anzubieten. Almeida begnügte sich daher auch, nur die Auslieferung

der Portugiesen zu verlangen, die auf dem Schiffe seines Sohnes zu

Gefangenen gemacht waren. Dieselben wurden auch alsbald durch Melek

Eias zurückgesandt. Dann kehrte der Vicekönig nach Kotschin zurück.

Hier erneuerte Albuquerque wiederum seine gerechte Forderung, ihm den

Oberbefehl zu übergeben; aber Almeida zögerte immer wieder, weil das

erwartete Schiff noch nicht angelangt sei. Erst als Fernão Coutinho im

Oktober 1509 von Portugal mit vierzehn Schiffen in Kotschin einlief

und bestimmten Befehl für den Wechsel des Obercommandos mitbrachte,

trat Almeida von seinem Amte zurück und schiffte sich am 19. December

ein. Aber er sollte die Heimat nicht wieder sehen. Das Schiff ging an

der Westküste von Südafrika, in der Saldanhabai, vor Anker um Wasser

einzunehmen. Dabei verwickelte sich die Mannschaft in einen Kampf mit

den Hottentotten und 150 tapfere Streiter, darunter elf Hauptleute,

welche in Indien Wunder der Tapferkeit gethan, wurden sammt dem

Vicekönig von den nackten Wilden überwältigt und erschlagen. „Nie,“

so klagt de Barros, „erlitten die portugiesischen Waffen ein größeres

Unglück!“[106]

Almeida war ein tüchtiger Soldat, ein uneigennütziger, sittlich reiner

Charakter und daher auch bei jedermann beliebt und hochgeachtet.

Er sorgte väterlich für die Soldaten, aber er stellte auch an ihre

Leistungen hohe Ansprüche. Ihre materielle Lage suchte er zu heben,

denn ihr Sold war gering, und daher kamen häufig Desertionen vor. Der

König war nur darüber unzufrieden, daß Almeida mit seinen Belohnungen

nicht geizte. Dieser aber sah sich vielfach durch die von Portugal

ergangenen Befehle in seinen Unternehmungen gekreuzt. Namentlich

tadelte er das Verfahren der portugiesischen Verwaltung, ihm Höflinge

zu senden, die nichts leisteten, aber in Indien alsbald höhere Stellen

beanspruchten, ohne sie verdient zu haben. Dem König schrieb er: „Ich

rathe Euch, dem Vicekönig, den Ihr sendet, mehr Vertrauen zu schenken,

als mir zu Theil geworden ist, und keine Befehle zu erlassen, ehe Ihr

Eure Rathgeber in Indien gehört habt.“

Er wollte alle Macht auf die Beherrschung des Meeres an der Westküste

Indiens werfen und die Flotte nicht durch Operationen an der

afrikanischen oder arabischen Küste zersplittert sehen. Daher seine

Abneigung gegen Albuquerque, in welcher er durch die abtrünnigen

Capitäne desselben bestärkt wurde. Als ihm der König befahl, Schiffe

nach Malaka zu senden, erwiderte er, dazu habe er noch keine Zeit, in

Indien gebe es noch genug zu thun.

So handelte er stets nach einem festen Plane und ließ sich selbst

durch directe Befehle, die von Portugal an ihn ergingen, nicht davon

abbringen. Daß sein System mit ihm fallen würde, sah er voraus; denn

sein Nachfolger schlug ganz andere Bahnen ein und erweiterte den

Kampfplatz über die ganze Breite des indischen Oceans. In trüber

Stimmung, erhöht durch die Erinnerung an den herben Verlust seines

tapferen Sohnes, verließ der erste Vicekönig Indien und fand auf

afrikanischem Boden ein tragisches Ende.

Geschichte des Zeitalters der Entdeckungen · 第 69 / 123 题